Mittwoch, 30. Juni 2021

DÄMONEN AUS DEM ALL


LA MORTE VIENE DAL PIANETA AYTIN
Italien 1967

Regie:
Antonio Margheriti

Darsteller:
Giacomo Rossi Stuart,
Goffredo Unger,
Renato Baldini,
Ombretta Colli,
Enzo Fiermonte,
Halina Zalewska,
Nino Vingelli,
Franco Resselato Montalbano



Inhalt:
 
Die Zukunft, kurz vor der Mittagspause: Eine Wetterstation im Himalaya wird von Unbekannten überfallen. Fast alle Angestellten werden dabei getötet, lediglich der leitende Lieutenant Harris [Renato Baldini] wird als vermisst gemeldet. Rod Jackson [Giacomo Rossi Stuart], Commander der erdnahen Raumstation Gamma 1, und sein Kollege Pulasky [Goffredo Unger] werden mit der Klärung des Falles und der Suche nach dem Verschollenen beauftragt. Eine Expedition durch eisige Berglandschaften führt zur Wahrheit, die mal wieder außerirdischen Ursprungs ist. Extraterrestrische Bedrohung? Heimspiel für Commander Jackson, der nun in Windeseile die Waffen putzt.

Kritik:

Gamma 1, die Vierte. Nach RAUMSCHIFF ALPHA, TÖDLICHE NEBEL und ORION 3000 bildet DÄMONEN AUS DEM ALL den Abschluss der am Stück gedrehten Science-Fiction-Saga um die wackeren Mannen und Damen der Raumstation Gamma 1. Zum Glück, möchte man beinahe hinzufügen, denn selbst Apologeten der gefährlich unterdurchschnittlichen Reihe müssen eingestehen, dass der Ofen beim finalen Ausflug in fremde Gefilde endgültig aus ist. Dabei waren sich augenscheinlich sogar die Macher bewusst, dass nach drei All-Abenteuern eine gewisse Luftveränderung dringend notwendig war. Während sich inhaltlich nichts geändert hat (die Welt wird mal wieder von externer Seite bedroht), ist der stilistische Bruch zu den Vorgängern schon augenfällig. Das letzte Kapitel spielt nämlich vorwiegend auf der Erde, die dieses Mal nicht mal für fünf Pfennige in irgendeiner Form futuristisch geschmückt wurde, sondern halt einfach nach Erde des Jahres 1966 aussieht. So verbringt Commander Jackson (der schon im Vorgänger dabei war und hier wie dort von Giacomo Rossi Stuart verkörpert wird) seinen Landgang in einem stinknormalen Café in Flussufer-Nähe, während im Hintergrund gewöhnliche Motorboote und PKW vorbeijuckeln. Versuchte man in den Vorgängern zumindest noch, den Anschein einer technologisch fortgeschrittenen Zukunft zu erwecken, legte man die (ohnehin erfolglosen Versuche) hier nun endgültig ad acta. Lange Zeit bleibt das auch so, denn von wenigen Intermezzi abgesehen kommt DÄMONEN AUS DEM ALL zunächst ohne Weltraum-Szenen aus. Stattdessen erzählt man die Geschichte einer Suche, die, wäre sie in Schwarzweiß abgelichtet, ebenso gut 10 Jahre früher hätte entstanden sein können.

Tatsächlich bedient die einleitende Himalaya-Expedition so ziemlich jede Klischee eines typischen Billig-Monsterfilms der 1950er-Jahre: Ein Wissenschaftler wird entführt und ohne jeden Anhaltspunkt werden ominöse Schneemenschen dafür verantwortlich gemacht (was am Ende natürlich auch noch stimmt). Es folgen ausschweifende Wanderungen durch Eis und Schnee, begleitet von Unglücksfällen, Streitereien und Sabotageakten, bevor man am Ziel tatsächlich auf die Übeltäter trifft, die zwar yeti-artige Außerirdische sein sollen, in Wahrheit aber bloß große bärtige Männer in breiten Mänteln sind. Der Anführer der bösen Brut geriert sich mit geheimer Kommandozentrale als vermeintlicher Superschurke im James Bond-Stil, der die Welt erst mittels selbst generierter Naturkatastrophen fluten will, um sie im Anschluss zu annektieren. Das ergibt erstaunlich wenig Sinn, aber vielleicht sind die Außerirdischen ja mit dem Kopf voran auf der Erde gelandet. Dazu passt, dass sie die Helden in eine unterirdische Höhle sperren, die doch tatsächlich einen eingebauten Lüftungsschacht besitzt, der sich im Sinne des Entkommens natürlich großartig zweckentfremden lässt (dass der entführte Lieutenant Harris bereits seit Tagen in eben jener Höhle hockt ohne dabei selbst auf die Idee zu kommen, den quasi auf dem Silbertablett präsentierten Fluchtweg zu nutzen, spricht nicht gerade für ihn). Die angeblich so hochentwickelten Invasoren verhalten sich nachfolgend wie tollpatschige Kleinkinder und lassen sich mittels ein paar lachhafter Taschenspielertricks problemlos übertölpeln.

Das letzte Drittel gehört dann der aus Teil 1 bis 3 bekannten Weltraum-Action, denn wie auf einmal aus heiterem Himmel gewusst wird, besitzen die Erdfeinde eine zweite Basis auf dem Jupiter, was der Film-Crew erneut Gelegenheit bietet, die altgedienten Studiokulissen zu entstauben und zwischen aufgehängten Planeten und wackeligen Miniaturen eine Art Abschlussschlacht zu modellieren. Und weil man nach fast vier Filmen am Stück endlich kurz vor Feierabend stand und man jetzt möglichst schnell fertig werden wollte, nutze man dafür kurzerhand auch Szenen, die bereits im Vorgänger Verwendung fanden. Das war nicht nur beim Drehen lediglich noch eine abschließende Pflichtübung, auch beim Zuschauen wünscht man sich, dass der in Sachen Ablauf absolut vorhersehbare und selbst im Rahmen der Reihe erbärmlich getrickste Showdown möglichst schnell abgefrühstückt ist. Am Ende regnet es plötzlich und alle lachen. Warum? Vermutlich, weil man das Mammutprojekt Gamma 1 nun endlich eintüten konnte. Vier Filme am Stück kreierte die Crew um Regisseur Antonio Margheriti [→ EIN HAUFEN VERWEGENER HUNDE] – ein Kraftakt, der auffallend zu Lasten der Qualität ging. DÄMONEN AUS DEM ALL ist der schwächste Beitrag dieser für alle Beteiligten nur wenig ruhmreichen Reihe. Dass man stilistisch ein paar neue Wege beschritt, ist noch das Positivste, was man über das Abschlusskapitel sagen könnte. Dass auch diese Wege bereits im Erscheinungsjahr komplett zertrampelt waren, ist dann wieder die andere Sache.

Immerhin wirkt Giacomo Rossi Stuart [→ DER MANN MIT DER KUGELPEITSCHE] in der Hauptrolle hier nicht halb so herrisch und machohaft wie noch im Vorläufer und könnte in einem besseren Szenario tatsächlich als Sympathiefigur fungieren. Die Chemie zwischen ihm und seinem Kompagnon Goffredo Unger [→ FÜNF BLUTIGE STRICKE] stimmt ebenfalls, sodass man den beiden wahrhaft ein besseres Skript und pfiffigeres Dialoggut gewünscht hätte. Ein wirkliches Kuriosum gibt es bei der weiblichen Besetzung zu vermelden: Die Rolle von Stationsmitglied Terry Sanchez, bei ORION 3000 noch von Ombretta Colli verkörpert, ging hier nun plötzlich an Halina Zalewska [→ DER TOD REITET MIT], die im Vorgänger eigentlich ihre Konkurrentin gespielt hatte. Ombretta Colli [→ DER KUCKUCK] ist allerdings trotzdem dabei – in der neuen Rolle der Lisa Nielson, die Commander Jackson schöne Augen machen darf und damit vergleichbar ist mit der ehemaligen Rolle Zalewkas. Eine noch bessere Demonstration, wie austauschbar in diesem Universum die Frauenfiguren sind, ist eigentlich kaum möglich. Besagte Lisa Nielson, derem entführten Gatten die ganze hier stattfindende Suchaktion überhaupt gilt, ist sich dann auch nicht zu schade, trotzdem beim Commander auf Tuchfühlung zu gehen. Auf eher peinlich berührende Weise erheiternd gesellt sich noch Wilbert Bradley [→ HÖLLENHUNDE DES SECRET SERVICE] zur Runde, der als äußerst stereotypisch gezeichneter Expeditions-Führer Sharu in einer Szene einen ekstatischen Zappeltanz zum Besten geben darf, der fatal an Drogenmissbrauch gemahnt und auf einem x-beliebigen Hippie-Festival deutlich besser aufgehoben wäre.

Das Einzige, was man an DÄMONEN AUS DEM ALL am Ende ohne jede Einschränkung als gelungen bezeichnen kann, ist die flotte (und überhaupt nicht im sonstigen Stil der Reihe arrangierte) Titelmelodie von Angelo Francesco Lavagnino [→ FAHRT ZUR HÖLLE, IHR HALUNKEN], die auf Anhieb gute Laune verbreitet. Bedauerlich, dass man das vom Rest der Fließband-Produktion selbst bei tiefergelegter Erwartungshaltung nur spärlich behaupten kann. Wer trotzdem von Weltall-Ausflügen und Alien-Invasionen noch nicht genug hatte, der konnte im Folgejahr ein Ticket für eine Reise auf die Raumstation Gamma 3 buchen. Unter japanischer Fuchtel entstand nämlich noch ein weiterer Ableger mit dem hochoriginellen deutschen Titel MONSTER AUS DEM ALL, der seinen italienischen Kollegen sogar deutlich überlegen ist.

Laufzeit: 90 Min. / Freigabe: ab 12 

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