Freitag, 20. Juli 2012

MONSTER AUS DEM ALL

[THE GREEN SLIME][JAP/USA][1968]

Regie: Kinji Fukasaku
Darsteller: Robert Horton, Richard Jaeckel, Luciana Paluzzi, Bud Widom, Ted Gunther, David Yorston, Robert Dunham, Gary Randolf, Jack Morris, Eugene Vince, Don Plante, Linda Hardisty


"Es schleimte mich voll!“ [Dr. Peter Venkman, GHOSTBUSTERS]

Ein Asteroid befindet sich auf Kollisionskurs mit der Erde. In aller Eile (und zwar wirklich im Rekordtempo!) wird ein Team zusammengestellt, welches auf selbigem landen soll, um eine fachgerechte Sprengung durchzuführen (und das alles 30 Jahre vor ARMAGEDDON). Unter der Leitung Jack Rankins [Robert Horton], der mit Kommandeur Vince Elliott [Richard Jaeckel] im Clinch um die hübsche Stationsärztin Lisa Benson [Luciana Paluzzi] liegt, landet das Team und kann – wenn auch nicht frei von Komplikationen – dem felsigen Unruhestifter tatsächlich den Garaus machen. Jubelierend kehrt man zur Raumstation 'Gamma 3' zurück - doch die Freude ist verfrüht: Unbemerkt hat das Team einen seltsamen grünen Schleim mit vom Asteroiden auf die Raumstation geschleppt. Dieser vermehrt sich nicht nur rasend schnell, sondern verwandelt sich schließlich auch noch in eine Heerschar glucksender und quitschender Schleim-Monster, die mit ihren funkensprühenden Tentakelarmen auch bald die ersten Stationsmitglieder zu Tode rösten. Bald wird klar, dass sich die Monster von Energie ernähren und die obligatorischen Strahlenkanonen zur Abwehr daher völlig sinnlos sind (was jedoch niemanden davon abhält, sie trotzdem fleißig zu benutzen). Anstatt 'Gamma 3' einfach zu verlassen, brüten die Astronauten-Genies immer neue komplizierte Pläne aus, die Unholde zu besiegen (freilich funktioniert keiner davon), kurven mit ihrem Fahrzeug endlos durch die engen Gänge der Raumstation, bis sie endlich zu dem Beschluss gelangen, dass es das Klügste sei, selbige einfach zum Absturz zu bringen und in der Atmosphäre verglühen zu lassen. Warum nicht gleich so...!?

MONSTER AUS DEM ALL ist ein Ableger der vierteiligen GAMMA 1-Reihe von Antonio Margheriti, die im Jahre 1965 mit RAUMSCHIFF ALPHA ihren Anfang nahm. Im Gegensatz zur Vorlage findet die Handlung hier jedoch nicht auf der Station 'Gamma 1' statt, sondern auf 'Gamma 3'. Stammte das Original noch aus Italien, ist THE GREEN SLIME (Originaltitel) hingegen unübersehbar eine japanische Produktion – spätestens beim Anblick der bewährt-drolligen Modell-Effekte und der titelgebenden, von in klobigen Plastik-Kostümen schwitzenden Schauspielern verkörperten Tentakel-Monster, dürfte diesbezüglich auch noch der letzte Zweifel ausgeräumt sein.

Ungewöhnlich für einen japanischen Science-Fiction-Film jedoch ist die (mit einer Ausnahme) komplett amerikanische Besetzung, die, statt in bekannter japanischer Übertreibung (und damit völlig konträr zur stussigen Handlung) in gewohnt westlichem Ernst agiert - freilich eine bemerkenswerte Leistung angesichts des albernen Aussehens der sich zudem äußerst ungelenk bewegenden Schleim-Kreaturen. Diese sind natürlich der eigentliche Höhepunkt: Mit Zyklopenaugen ausgestattete, auf zwei Beinen watschelnde Riesen-Stachelbeeren, dazu unkontrolliert herumflatternde Tentakelarme mit funkensprühenden Krabbenscheren und ein Quietsche-Sound, der klingt wie eine wildgewordene Pinguinhorde auf LSD – unmöglich ernstzunehmen oder gar im Ansatz respekteinflößend.

Auch die durchs Weltall (in Wirklichkeit natürlich nur eine mit vielen weißen Pünktchen bemalte schwarze Tapete) fliegenden Raumschiffe und die Bauten sind sehr simpel gestaltet und als Modelle sofort erkennbar (worin freilich auch der Reiz einer derartigen Produktion liegt). Ebenso wie die bierernst agierenden Darsteller, schert sich auch die Regie null um das kaum zu leugnende Komikpotential der quietschenden All-Stars, sondern inszeniert wichtigtuerisch und in seriös-sorgfältiger Dramaturgie, während die denkbar unfuturistische Ausstattung als weiterer Spaßfaktor fungiert: So stehen überall klobige Oma-Telefone samt Ringelschnur in der Gegend herum, klassische Wohnzimmeruhren dienen im Raumschiff als Zeitanzeige, und die Strahlenkanonen stammen offensichtlich aus der nächstgelegenen Spielwarenabteilung.

Ein besonderes Highlight stellt auch die beschwingt-heitere Titelmelodie dar: Unmittelbar nach Verkündung des drohenden Weltuntergangs erklingend, könnte man sich kaum eine fröhlichere Art vorstellen, die Apokalypse einzuleiten. Die dem ausgelassenen Song folgende Handlung ist natürlich blühender Unsinn, das eingeflochtende Liebesdreieck zwischen Jack, Vince und Lisa (die trotz ihrer italienischen Nationalität einen denkbar amerikanisch klingenden Namen trägt) zudem im Grunde bedeutungslos - die Mitwirkung Luciana Paluzzis (die hier ohnehin etwas verloren wirkt) geht wohl auch eher auf die italienischen Wurzeln des Stoffes zurück. Die Figuren handeln stellenweise bemerkenswert blöd, riskieren nicht selten grundlos ihr Leben oder bringen andere Teammitglieder in Gefahr - aber wer nach Plausibilität sucht, greift auch sicher nicht zu einem Schinken mit dem Titel MONSTER AUS DEM ALL.

Dieser Griff sei vielmehr all jenen empfohlen, die sich 90 Minuten lang in altmodisch-amüsantem Weltraum-Käse suhlen möchten. Regisseur Kinji Fukasaku inszenierte später mit STERNENKRIEG IM WELTALL noch einen echten Kracher. Von dessen unbändiger Radau-Qualität ist dieser recht behäbige Streifen zwar noch ein paar Lichtjahre entfernt, doch putzige Unterhaltung bieten die quitschenden Monster allemal. Ganz ohne Schleimerei...

Laufzeit: 90 Min. / FSK: ab 16

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