Eigene Forschungen

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Montag, 15. September 2025

DER TODESRÄCHER VON SOHO


DER TODESRÄCHER VON SOHO
BRD 1972

Regie:
Jess Franco

Darsteller:
Fred Williams,
Horst Tappert,
Barbara Rütting,
Elisa Montés,
Siegfried Schürenberg,
Rainer Basedow,
Wolfgang Kieling,
Jess Franco



„Hallo! Hier spricht Edgar Wallace … sein Sohn.“


Inhalt:

In London mordet es sich immer noch am schönsten. Dieser Auffassung ist zumindest ein mysteriöser Messerwerfer, der seine Klingenschleuderkunst dazu missbraucht, ein paar Herren in die ewigen Jagdgründe zu befördern. Zuvor packt der Killer seinen Opfern aber jedes Mal noch die Koffer. Inspektor Redford [Fred Williams] versteht die Welt nicht mehr und sein Freund, der Krimi-Autor Charles Barton [Horst Tappert], der sich mit Rätseln aller Art beschäftigt, ist ihm ebenfalls keine Hilfe. Eine vage Spur führt den Ermittler schließlich zu dem undurchsichtigen Dr. Bladmore [Siegfried Schürenberg] und dessen Assistentin Helen [Elisa Montés].

Kritik:

Kino-Krimi-Kundigen dürfte der Inhalt entfernt bekannt vorkommen. Die ausgetauschten Namen täuschen nicht darüber hinweg, dass hier lediglich der gut 10 Jahre zuvor entstandene DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER neu geschnürt wurde. Sinn und Zweck der Aktion sind durchaus streitbar, zumal die vorherige Verfilmung gut goutierbar war und diese Neuinterpretation ihr nichts Nennenswertes hinzuzufügen hat. Interesse weckt sie dann auch in erster Linie als Anschauungsobjekt dafür, wie unterschiedlich sich ein und dieselbe Story interpretieren und inszenieren lässt. Denn obwohl DER TODESRÄCHER VON SOHO seinem Vorgänger erstaunlich dicht folgt, teils bis in den Dialog hinein, ist seine Wirkung doch völlig anders. War schon das Original nicht unbedingt ein Musterbeispiel stringenten Erzählens, gleicht die Präsentation hier durch das Weglassen oder zu lapidare Abhandeln von Informationen zeitweise einem Puzzle mit fehlenden Teilen. Beinahe publikumsverachtend springt man ziellos von Ort zu Ort, von Person zu Person, von Zeile zu Zeile, und erzählt dabei nur scheinbar eine Geschichte. In Wahrheit aber irrlichtern konturlose Gestalten wie Gespenster durch die Gegend und suggerieren eine nicht vorhandene Bedeutung, ohne dabei einen Hauch von Halt oder Orientierung zu bieten. Gelegenheiten, Einzelszenen spannend zu gestalten, wurden dabei fast konsequent in den Wind geschlagen.

Wer einen flüchtigen Blick auf den Namen des Regisseurs wirft und sich ein wenig im europäischen Bahnhofskino der damaligen Zeit auskennt, wird vermutlich nicht groß staunen: Dem Spanier Jess Franco, der eigentlich Jesús Franco Manera hieß, ging es eigentlich nie um die Einhaltung dramaturgischer Konventionen, sondern um das Kreieren von Stimmungen. Oft mit surrealer Note versehen und nicht selten unter prekären finanziellen Bedingungen entstanden, meist unter Zuhilfenahme populärer Zutaten wie Nacktheit, Kunstblut und unmoralischem Gebaren. Gerade deswegen verwundert es, dass man die Chance, veränderten Sehgewohnheiten Tribut zu zollen, überwiegend ungenutzt ließ. Das Original war, den Zeitumständen geschuldet, nämlich eigentlich viel zu brav und schrie regelrecht nach einer reißerischen Aufarbeitung. Brutale Messermorde, Wahn und Suizid im Drogenrausch, verruchte Tanzlokale auf sündigen Meilen ... Eigentlich ein Heimspiel für den Regisseur, der sich seine Lorbeeren in diesen Bereichen längst verdient hatte. Ausgerechnet hier legte er jedoch eine ungewöhnliche Zurückhaltung an den Tag. Immerhin führt der Weg einmal in die berühmte „Flamingo-Bar“, die nur deswegen so berühmt ist, weil sie andauernd in Jess-Franco-Filmen erwähnt und/oder besucht wird. Da sitzen die Herr- und Damschaften dann immer ganz gesittet, als befände man sich nicht etwa in einer miesen Spelunke, sondern im vornehmen Opernhaus, und schauen zu schwofeligem Saxophongesäusel dem Mädchen der Saison minutenlang beim mal mehr, mal minder rythmischen Ablegen der Abendgarderobe zu. Aber nicht einmal das wird hier vollends ausgespielt, wendet sich die Kamera doch fast schamhaft von der Bühne ab, bevor die Show überhaupt erst so richtig beginnt. 

Das ist umso rätselhafter, da es offensichtlich nie das Ziel war, sich als anspruchsvolle Unterhaltung zu tarnen. DER TODESRÄCHER VON SOHO ist bis ins Mark durchdrungen von den typischen Schmuddel-Schwingungen des damaligen Bahnhofskinos, vor allem manifestiert in seinem schäbigen Look, der stark von Schauplätzen wie düsteren Hinterhöfen und ungastlichen Gässchen geprägt ist. Um den tristen Örtlichkeiten doch noch ein bisschen Leben einzuhauchen, lichtete sie Kameramann Manuel Merino Rodríguez [→ DIE SIEBEN MÄNNER DER SUMURU] oftmals im Weitwinkelmodus und aus ungewöhnlichen Perspektiven ab. Das Ergebnis sind unwirkliche, teils (alp-)traumhafte Bilder, die an den deutschen Expressionismus erinnern. Zwar wirkt der Einsatz eher willkürlich, statt wirklich Teil eines künstlerischen Konzepts zu sein. Dennoch bleibt die Bildgestaltung der einzige Aspekt, der zumindest im Ansatz den Anschein von Ambition vermittelt. Da begeben sich die Protagonisten schonmal zwischen zwei Spiegel, um einen sehnervverwirrenden Blick in die Unendlichkeit zu ermöglichen. Ins Auge stechen des Weiteren eine kurze visuelle Hommage an Alfred Hitchcocks VERTIGO sowie das Finale, wenn der Schurke versucht, der Justiz durch einen Tunnel zu entkommen – Bilder, die für den Bruchteil einer Sekunde an ähnliche Augenblicke aus dem Klassiker DER DRITTE MANN erinnern. Dass der Ort je nach Einstellung völlig anders ausgeleuchtet ist und Licht und Schatten sich dabei fröhlich die Klinke in die Hand geben, beweist dann allerdings wieder die generelle Gleichgültigkeit, mit der man hier zu Werke ging.

Die Besetzungsliste wird angeführt von Horst Tappert [→ PERRAK] als rotzigem Privatermittler mit Selbstjustiz-Allüren. Horst tappert trantütig durch die kargen Kulissen und lässt dabei keine Identifikationsmöglichkeit zu – zumal die Hintergründe seiner Figur über weite Strecken im Dunkeln bleiben. Ähnlich verhält es sich mit dem von Fred Williams [→ SIE TÖTETE IN EKSTASE] verkörperten Inspektor Redford, der laut Skript ein gewitzter Kriminalist sein soll. Aber anstatt zu ermitteln und logische Schlussfolgerungen zu ziehen, markiert er lieber den Schürzenjäger, taumelt ziellos durch die Gegend und trifft Entscheidungen, die schlichtweg nicht nachvollziehbar sind. Zwar gelingt es ihm am Ende, den Täter zu stellen, aber das ist eher dem Zufall als seinem Spürsinn zu verdanken. Insgesamt ist seine Rolle so überflüssig, dass man ihn auch gleich ganz aus dem Spiel hätte lassen können. Siegfried Schürenberg ist dem Krimifilmfan noch gut bekannt als Sir John von Scotland Yard aus der klassischen Edgar Wallace-Reihe, erstmals 1962 in DIE TÜR MIT DEN SIEBEN SCHLÖSSERN. Hier spielt er als zwielichtiger Arzt eine völlig andere Rolle, zwar gewohnt routiniert, sich aber sicherlich auch fragend, was das eigentlich alles soll. Perlen vor die Säue warf man mit Elisa Montés [→ DJANGO – DER RÄCHER], die in ihrer ersten Szene sehr charmant und schlagfertig eingeführt wird, später aber wirklich nur noch flennen und sich retten lassen darf. Für die humoristische Note sorgt Luis Morris [→ TODESMELODIE] als Fotograf, der laufend Sätze vom Stapel lässt wie „Ach, wie wunderbar sind doch des Schicksals Fügungen“. Die Figur kommt in der Kritik im Allgemeinen schlecht weg, ist aber tatsächlich ganz witzig und um Lichtjahre besser als ihr von Chris Howland gespieltes Pendant im originalen DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER. Und auch Regisseur Jess Franco [→ SADISTEROTICA] selbst gibt wieder einen Gastauftritt als „Messerexperte“ (ein schöner Beruf!), der allerdings nichts Nennenswertes beisteuert.

Gedreht wurde offenbar in Spanien – oder war es doch Portugal, wie von Jess Franco selbst einmal behauptet? Sicher ist nur: London war es nicht, auch wenn das Drehbuch unermüdlich darauf besteht. Allerdings gaben sich die Macher nicht einmal für fünf Pfennige die Mühe, eine überzeugende Illusion aufzubauen, was für ein maximales Desinteresse spricht, eine glaubhafte Welt zu servieren. Natürlich wäre es ein Leichtes, den Schwarzen Peter dafür dem Regisseur zuzuschieben, aber damit machte man es sich etwas zu einfach. Denn auch den Produzenten war offenbar nicht daran gelegen, ihrem Publikum etwas Brauchbares zu bieten. Hauptsache, auf der Leinwand bewegt sich was und der Name „Bryan Edgar Wallace“ (von dem stammt die Romanvorlage) steht als Lockmittel auf dem Plakat. Stand die "Wallace"-Marke gut zehn Jahre zuvor noch für eine gewisse (sogar stilbildende) Sorgfalt, kann davon hier nun wahrlich nicht mehr die Rede sein. Der schluderig zusammengeschusterte DER TODESRÄCHER VON SOHO ist für eine Massenbegeisterung völlig ungeeignet und nahezu ausschließlich für Fans der verschrobenen Eigenarten des Regisseurs von Interesse. Denn wie so oft bei Franco treffen visuelle Finesse und skurrile Einfälle auf einen (vermeintlichen) Dilettantismus, was einen durchaus faszinierenden Effekt erzielt. Wenn sich dazu noch Dialoge gesellen wie „Was wollen Sie?“ – „Ich möchte Sie heiraten!“ – „Ich hab heute meinen Quarktag und an meinem Quarktag heirate ich nie“, läuft ohnehin fast jede ernsthafte Kritik ins Leere.

Wer sich für die Lösung des Rätsels um die gepackten Koffer interessiert, der muss sich nach Auslaufen des Abspanns übrigens die letzten Minuten der älteren Verfilmung zu Gemüte führen. Die hat man hier nämlich schlichtweg vergessen. Dabei hätte man bei der Gelegenheit auch gleich mal klären können, warum überhaupt die ganze Zeit von Koffern die Rede ist, obwohl es doch offenkundig Reisetaschen sind.

Laufzeit: 81 Min. / Freigabe: ab 16

Montag, 8. September 2025

DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER


DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER
BRD 1962

Regie:
Werner Klingler

Darsteller:
Joachim Hansen,
Senta Berger,
Hans Reiser,
Leonard Steckel,
Chris Howland,
Peter Carsten,
Helga Sommerfeld,
Stanislav Ledinek



Ruhig, Brauner? Von wegen! Nachdem die Rialto-Film-GmbH mit ihren auf Vorlagen des britischen Autors Edgar Wallace basierenden Grusel-Krimis ab 1959 unerwartete Erfolge einheimsen konnte, zögerte die Konkurrenz nicht lang. Auf der Suche nach weiterem gewinnträchtigem Material stieß Produzent Artur Brauner auf den Filius des prominenten Vielschreibers, der sich ebenfalls als Verfasser schauriger Verbrechensgeschichten verdingte und dessen Name praktischerweise nur eine Silbe länger war: Bryan Edgar Wallace. Brauner sicherte sich nicht nur die Verfilmungsrechte an dessen Storys, sondern auch die Erlaubnis, eigene Stoffe unter dem Wallace-Banner vertreiben zu dürfen. Schon das zeigt, dass Inhalte hier gar nicht so wichtig waren – entscheidend war die Marke. Und tatsächlich klebte der findige Geschäftsmann das Wallace-Etikett in den Folgejahren auch auf eingekaufte Produktionen, die mit dem angeblichen Verfasser nicht das Geringste zu tun hatten. DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER, das erste Werk dieser neuen Reihe aus dem Jahre 1962, trägt das Siegel jedoch noch zurecht, denn es handelt sich tatsächlich um die Adaption einer Geschichte des berühmten Sohnes, die dem Vorbild wenig überraschend inhaltlich wie stilistisch bestmöglich nacheifert.

Inhalt:

Scotland Yard ist in Aufruhr. Schon mehrere Geschäftsmänner wurden per Dolchwurf hingerichtet. Das Mysteriöse: Der Mörder nahm sich jedes Mal die Zeit, seinem Opfer zuvor noch den Koffer zu packen. Wer seine Siebensachen verschnürt vorfindet, muss mit seinem baldigen Ableben rechnen. Inspektor Finch [Joachim Hansen] und sein Vertrauter, der Kriminologe Curtis Humphrey [Hans Reiser], versuchen gemeinsam, das Rätsel zu lösen, tappen aber überwiegend im Dunkeln. Eine vage Spur führt schließlich zur Praxis des ominösen Dr. Bransby [Leonard Steckel], der sich zunächst verdächtig macht, die Bedenken aber auch schnell wieder zerstreuen kann. Dafür lernt Finch bei dem Besuch die attraktive Arzthelferin Susan Brown [Senta Berger] kennen, auf die er auch prompt ein Auge wirft. Die junge Frau stammt aus den Vereinigten Staaten und ist erst kürzlich nach London gereist, um ihren Bruder zu suchen, der vor einiger Zeit spurlos verschwunden ist.

Kritik:

Es ist erahnbar: Natürlich hängen beide Fälle zusammen, wie hier ohnehin fast alles auf teils abenteuerliche Weise miteinander verknüpft ist. London ist groß, die USA sind es ebenfalls, aber am Ende ist trotzdem jeder irgendwie mit jedem verbandelt. Plausibel ist das nicht und inhaltlich kommt man laufend vom Hölzchen aufs Stöckchen. Zur Mörderhatz gesellt sich alsbald die Brudersuche und ähnlich hurtig befindet man sich unversehens in der halbseidenen Welt des Drogenhandels, alles dargeboten im Gewande des naiven Groschenromans und gespickt mit abstrusen Zufällen und haarsträubenden Ideen. Das erfindet das Wort „Aufregung“ gewiss nicht neu, ist aber schon mit sicherer Hand und Gespür für Atmosphäre umgesetzt. Speziell die Mordsequenzen sind stimmig arrangiert und bedienen sich mehrerer reißerischer Elemente, die erst später durch den italienischen Giallo kultiviert wurden, wie das schwarze Handkleid des Täters oder das effektive Aufblitzen der Klinge kurz vor der Tötung. Dass die panischen Opfer noch so sehr die Beine in die Hand nehmen können, vom Meuchler dennoch stets wider jede Logik eingeholt werden, nimmt sogar bereits den Slasher vorweg. Gegen Berufspsychopathen wie Michael Meyers oder Jason Vorhees hatten später ja nicht einmal professionelle Marathonläufer den Hauch einer Chance. Mit Maskierungen oder ähnlichen Gruselelementen hielt man sich hier ansonsten allerdings zurück, was fast ein wenig schade ist. Das hätte der allgemein eher dröge servierten Suppe zumindest noch etwas Salz hingefügt.

DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER spielt zwar – mit Ausnahme weniger Minuten – in London, doch wie bei der Konkurrenz von Rialto wurden nur ein paar Stadtimpressionen tatsächlich in Großbritannien gedreht, der Rest wurde in Berlin in den Kasten gekurbelt. Die Übergänge funktionieren dabei erstaunlich gut, zumal man sich einige Mühe gab, die Illusion aufrechtzuerhalten. Wer ein paar der Orte kennt, dem zieht’s dennoch hin und wieder die Mundwinkel gen Himmel, wenn die Straßen Spandaus mit britischem Fuhrpark und Linksverkehr zweckentfremdet werden. Ein kurzer erzählerischer Abstecher in die USA, genauer gesagt in die dortige FBI-Zentrale, sollte vermutlich noch mehr Internationalität vortäuschen – nötig gewesen wäre er allerdings nicht. Die Informationen, die Hauptfigur Finch dort bekommt, hätte er ebenso gut per Telefon erfragen können. Gewiss, in der Realität wäre das nahezu unmöglich. Aber in der hier entworfenen Fantasiewelt sind Hindernisse wie Datenschutzbestimmungen und geheimdienstliche Regelwerke schlichtweg nicht existent. Da reicht ein kurzer kumpelhafter Bürobesuch unter Männern und schon wird das benötigte Material gönnerhaft aus dem Ärmel geschüttelt. Aus dramaturgischer Sicht äußerst schwach ist allerdings, dass Finch seine neu gewonnenen Erkenntnisse dann gar nicht nutzt. Und das auch nicht zum ersten Mal: Bereits zuvor erfuhr er aufgrund eines völlig bekloppten Zufalls, dass eine Person aus seinem Umfeld nicht so unschuldig ist, wie es scheint. Doch anstatt den Verdächtigen zur Rede zu stellen, Vorgesetzte einzuweihen oder zumindest weitere Untersuchungen einzuleiten, unternimmt er – nichts. Er lässt die Dinge einfach laufen, bis am Ende alle Fäden automatisch zusammenführen und die Sache sich von selbst auflöst.

Das zeigt, wie wenig Wert darauf gelegt wurde, dem Publikum eine durchdachte Geschichte zu präsentieren. Stattdessen verließ man sich auf bewährte Versatzstücke und lieferte routinierten Dienst nach Vorschrift. Da die Umsetzung in kompetenten Händen lag, ist das Ergebnis zumindest auf formaler Ebene vorzeigbar. Besonders die teils wunderschönen Schwarz-Weiß-Kompositionen von Kameramann Richard Angst [→ DAS INDISCHE GRABMAL] stechen ins Auge. Aufgrund vertraglicher Verpflichtungen konnten die Produzenten allerdings nicht auf die versierten Schauspieler der Rialto-Reihe zurückgreifen – prominente Gesichter wie Joachim Fuchsberger, Karin Dor oder Eddie Arent sollten fest mit dem „Original-Wallace“ verbunden bleiben. Im Nachhinein ist das durchaus als Vorteil zu werten, da hier einmal ein paar andere Gestalten die Gelegenheit bekommen, durch Nacht und Nebel zu ziehen. Als ermittelnder Inspektor gibt sich Joachim Hansen [→ PERRY RHODAN – SOS AUS DEM WELTALL] die Ehre. Er spielt solide, doch fehlt es ihm ein wenig an weltmännischer Kaltschnäuzigkeit. In seinen unvorteilhaftesten Momenten wirkt er wie ein öliger Schlagersänger, der seine schmierigen Flossen nicht bei sich behalten kann. Ziel seiner oft aufdringlichen Annäherungsversuche ist die ahnungslos in den Fall verstrickte Arzthelferin Susan Brown, die von Senta Berger [→ SHERLOCK HOLMES UND DAS HALSBAND DES TODES] wacker verkörpert wird, obwohl sie ihrem offensichtlichen Vorbild Karin Dor nicht das Wasser reichen kann. Für die (zweifelhafte) Komik sorgt Chris Howland [→ SADISTEROTICA], der als „Geräuschjäger“ mit Tonbandgerät und Mikrofon durch die Szenerie schleicht – und dabei zufällig immer genau dort auftaucht, wo gerade etwas passiert. Im echten Leben wäre das hochverdächtig und würde mit Untersuchungshaft enden, hier soll es ein Witz sein. Was noch fehlt, ist eine echte Type vom Schlage eines Klaus Kinski. Zumindest im Ansatz übernimmt diese Funktion Zeev Berlinsky [→ DER FLUCH DER GELBEN SCHLANGE] als Kleinganove, der zu Beginn versucht, den von Hans Reiser [→ DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR] dargestellten Kriminologen Humphrey zu erpressen. Strotzend vor Selbstbewusstsein steht er in dessen Wohnung und konfrontiert ihn mit seinem Vorhaben. Doch als dieser den Spieß umdreht und ebenfalls mit brisantem Wissen über sein Gegenüber aufwarten kann, sieht der verhinderte Verbrecher seine Felle davonschwimmen und verlässt das Zimmer kleinlaut und Entschuldigungen murmelnd wieder auf dem Wege, auf dem er bereits gekommen war: durchs Fenster.

Zum Glück gibt es mehrerer solcher gelungenen Momente, die stets als gesundes Gegengewicht zu den weniger geglückten dienen können. Zu letzteren zählt neben den gewohnt ungelenk umgesetzten Keilereien auch die Szene, in der eine Frau sich in Todessehnsucht vom Dach stürzt, was aber keine Sau zu kümmern scheint, denn als sie am Fenster vorbei segelt, geht das Leben in der Bar ganz normal weiter als wäre nichts gewesen. Monty Python machte später aus der Nummer einen Sketch. Die Dialoge haben derweil oft durchaus Pfiff und die jazzige Musik von Gert Wilden [→ KÄPT’N RAUHBEIN AUS ST. PAULI] verleiht dem Geschehen anständigen Schwung. Ernüchternd ist nur, wie gleichgültig den Autoren ihre eigene Story war, deren Auflösung extra im Eilverfahren abgefrühstückt wird, damit man gar nicht erst die Zeit hat zu bemerken, dass hier kaum etwas Sinn ergibt. Ein Ereignis, das Verschwinden einer Reisetasche vom Tatort, um das zuvor ein Riesen-Brimborium gemacht wurde, wurde vom Skript dann sogar vollkommen vergessen und somit gar nicht mehr aufgeklärt. Und dann wäre da noch der große geheimnisumwitterte Aufhänger: die Koffer, die der Killer seinem Kanonenfutter noch bereitstellt, bevor er zur Tat schreitet. Am Ende ist es dann tatsächlich nicht mehr als eben das: ein Aufhänger, ein Köder fürs mysteriumaffine Publikum, der ziemlich hurtig keine Rolle mehr spielt und dessen (natürlich ebenfalls hanebüchene) Erklärung final in einem Nebensatz heruntergerattert wird. Ein bisschen mehr hätten Brauner & Co. ihrem Publikum beim Imitieren schon zutrauen dürfen.

Laufzeit: 81 Min. / Freigabe: ab 16

Mittwoch, 17. Juli 2024

KÄPT'N RAUHBEIN AUS ST. PAULI


KÄPT'N RAUHBEIN AUS ST. PAULI
BRD 1971

Regie:
Rolf Olsen

Darsteller:
Curd Jürgens,
Heinz Reincke,
Johanna von Koczian,
Herbert Fleischmann,
Sieghardt Rupp,
Elisabeth Flickenschildt,
Angelika Ott,
Christine Schuberth



Inhalt:

Als Käpt’n Jolly [Curd Jürgens], genannt "Rauhbein", verfrüht von einer Reise nach Hause kommt, um seine Frau (Fraubein?) zu überraschen, ist er selbst überrascht, denn die Gute teilt sich gerade das Bett mit jemandem, der nicht er ist. Flunschig packt er seine Sieben Sachen zusammen, um die untreue Gemahlin für immer zu verlassen. Das führt zu einem Handgemenge im Treppenhaus und dieses wiederum mündet in einem tödlichen Sturz der Gattin durchs Geländer. Nachdem Jolly von jeder Schuld freigesprochen wurde, verlässt er seine Heimatstadt und sticht mit seinem Vertrauten Kniehase [Heinz Reincke] wieder in See. Als sie in einer obskuren Bananenrepublik landen, wollen sich die korrupten Behörden auf Anhieb die Fracht unter den Nagel reißen. Nach einer zünftigen Keilerei geht es für Jolly und Kniehase direkt in den Knast, wo immerhin auch die attraktive Ärztin Andersen [Johanna von Koczian] agiert. Eben jene aber wird – gemeinsam mit ein paar knackigen Kolleginnen – alsbald von einer bewaffneten Gaunerbande entführt und in einer Dschungelfestung zwecks Lösegelderpressung gefangengehalten. Jolly, für den die Flucht aus dem Kittchen natürlich ein Kinderspiel war, organisiert unversehens eine hauseigene Rettungsmission, für die er auch seinen alten Kumpel Nico [Herbert Fleischmann] ins buchstäbliche Boot holt.

Kritik:

Bereits die Inhaltsangabe deutet dezent das Defizit der von Autor und Regisseur Rolf Olsen selbstsicher auf den Weg gebrachten Sause an: Episodenhaftigkeit! Schon das einleitende Ereignis spielt für den Rest eigentlich gar keine Rolle, denn warum Käpt’n Jolly (was für ein Name!) in die Ferne schweift, ist völlig egal und hätte im Prinzip gar keiner Erklärung bedurft. Aber gut, dass sie trotzdem da ist, sorgen so doch schon die ersten Minuten für die Art von angenehmer Heiterkeit, die das launige Seemannsgarn die folgenden 80 Minuten noch begleiten wird. Allein der enttäuschte Gesichtsausdruck Jollys, nachdem er sein Weib in flagranti ertappt hat, ist reines Schauspiel-Gold. Bockig wie ein kleines Kind, dem man sein Lieblingsspielzeug weggenommen hat, packt er im Anschluss seine Tasche und schmettert mit missmutiger Miene alles rein, was er gerade so findet: Hier mal ne Socke, dort mal ein Büchlein, egal, kann man ja alles irgendwann mal brauchen. „So lass ich mich von dir nicht abschieben“, kolportiert die Gattin daraufhin vor der Wohnungstür, woraufhin Jolly sie kurzerhand sehr wohl abschiebt. Direkt über das Geländer nämlich, in des Treppenhauses triste Tiefen. Aber kein Problem: Schon in der folgenden Szene bescheinigt ihm das Gericht, völlig unschuldig am Tode der Dame zu sein. Nur stimmt das eben gar nicht, wie das Publikum ja gerade eben erst hochpersönlich miterleben durfte. Da kaum anzunehmen ist, dass Olsen hier einen ambivalenten Charakter erschaffen wollte, der die Schuld eines ungerechtfertigten Freispruchs mit sich herumtragen muss, ist die Szene vermutlich einfach nur ungeschickt inszeniert, aber ein unglücklicher Unfall sieht nun mal definitiv anders aus.

Von Belang ist dieser Vorfall, wie gesagt, später ohnehin nicht mehr, wird der Schauplatz doch alsbald verlassen, wenn Jolly & Crew in See stechen, um in fernen Gefilden neue Abenteuer zu erleben. Der Titel erweist sich somit im Prinzip als Mogelpackung, denn wer halbseidene Geschäfte auf sündiger Meile erwartet, hat das Nachsehen. Lediglich besagte Eröffnung bietet ein paar Hamburg-Bilder, danach glänzt die Hansestadt durch Abwesenheit. Wo genau die nachfolgenden Ereignisse dann eigentlich stattfinden sollen, wird indes vage gehalten - vielleicht sogar, um etwaigen Beschwerden aus dem Weg zu gehen. Jedenfalls stranden Jolly und seine Mannen in einem zwielichtigen Dschungelstaat, der vor Klischees nur so trieft und wohl genauso aussieht, wie Papa Piefke sich damals die weite Welt vorgestellt hat: exotische Wälder, rassige Weiber, korrupte Bullen und grobschlächtiges Ganoventum an jeder Straßenecke. Als anständiger Deutscher (von denen es hier merkwürdigerweise nur so wimmelt) kann man sich da nicht einmal in Ruhe die Puschen überziehen, ohne dabei überfallen oder sonstwie drangsaliert zu werden. Im Nullkommanix legt sich der Kapitän darum auch mit den böswilligen Behörden an, die ihn postwendend gesiebte Luft atmen lassen. Macht aber nix, denn auf lächerlich kindliche Art und Weise kann er auch schon wieder entkommen. Sowohl der Grund für die Inhaftierung als auch der Umstand, dass Jollys Kollege Kniehase sich eine ganze Wagenladung Medikamente unter dem Hintern hat wegklauen lassen, werden allerdings irrelevant, sobald ein Trupp Krankenschwestern von einer Räuberbande entführt und gefangengehalten wird. Kaum anzunehmen, dass Jolly sich auch so ins Zeug gelegt hätte, eine Befreiungsaktion anzuleiern, wären da ein paar bierbäuchige Mandolinenspieler hopps genommen worden, aber bei einer Schaar attraktiver Arzthelferinnen sieht die Sache natürlich schon wieder ganz anders aus.

Bis die Damen tatsächlich rausgehauen werden, vergeht allerdings noch einiges an Spielzeit, die mit ähnlich elliptischen Erlebnissen angereichert wurde, wie es bisher der Fall war. Stringentes Erzählen ist KÄPT’N RAUHBEIN VON ST. PAULIs Stärke nicht, aber das macht auch nichts. Denn die unbeschwert-naive Art der Präsentation hält das Stimmungsbarometer ständig oben. Das liegt vor allem an dem Star der Show, denn natürlich dreht sich hier alles um Curd Jürgens, einem der wenigen deutschen Schauspieler, denen auch internationale Aufmerksamkeit zuteil wurde. Jürgens agiert hier in einem solch unerschütterlichen Selbstbewusstsein, dass man direkt neidisch werden könnte. Denn eigentlich ist der Gedanke, ausgerechnet so einen zur sakralen Heldenfigur zu machen, völlig absurd. Das fängt schon bei der Optik an, gibt der Käpt’n doch nur ein wenig heroisches Erscheinungsbild ab, um nicht zu sagen: Er läuft in der Regel rum wie der letzte Penner. Siffig und ungepflegt, sichtbar abgehalftert und den Zenit schon seit längerer Zeit überschritten, markiert er trotzdem ständig den Dicken, weiß immer alles besser, motzt und schimpft (so nach dem Motto: „Nein, nein, so geht das nicht! Du musst das alles ganz anders machen!“) und wird dafür auf Schritt und Tritt mit zufliegenden Frauenherzen belohnt. So erklärt sich in Nachhinein wohl auch sein anfänglicher Freispruch: Wäre das Urteil anders ausgefallen, hätte er die Richter vermutlich zurechtweisen müssen. In einer Kaschemme stimmt der Kapitän schließlich sogar ein Seemannslied an („Überall ist es schön auf der Welt“), was von den Gästen pflichtschuldig mit urdeutschem, den Takt zuverlässig verfehlendem Mitgeklatsche quittiert wird. Dass Jürgens dabei rüberkommt wie der Klassenbeste kurz vor der Abschlussprüfung zum Vollzeit-Alkoholiker, verwundert kaum. „Die knackigsten Arschbacken von Buenos Aires bis Alaska!“, grölt er beim Anblick der hüftenschwingenden Damenschaft, und wer würde es wagen, seine Expertise anzuzweifeln? Als Ober-Arschbacke kennt man schließlich seine Pappenheimer!

Jürgens’ proletenhaftes Auftreten ist hier tatsächlich die halbe Miete, und das wussten wohl auch die Macher. So schrieben sie, als ihnen wirklich gar nichts anderes mehr einfiel, eine weitere, inhaltlich völlig belanglose Episode ins Skript, in der Jolly sich auf einem Luxusdampfer als Stewart ausgibt und die feine Gesellschaft am laufenden Band durch derbes Spruchgut und ungehobelte Manieren verschreckt. Hier findet auch anderweitig der humoristische Höhepunkt statt, wenn der Käpt’n eine junge Dame vor dem Todesbiss einer Tarantel bewahrt. Gut, zumindest soll es eine Tarantel sein oder etwas Artverwandtes. Da die gesamte Belegschaft aber offenbar Bammel davor hatte, sich beim Dreh mit einem echten Achtbeiner anzulegen, behalf man sich mit einer Attrappe, die selbst bei gestandenen Arachnophobikern akuten Niedlichkeitsalarm auslösen dürfte. Respekt geht raus an die (natürlich halbnackte) Schauspielerin, die die ganze Zeit so tun muss, als befalle sie tatsächlich waschechte Panik, wenn ihr der putzige Plüsch-Polyp über das aparte Bäuchlein bummelt. Natürlich obliegt es Herrn Rauhbein höchstpersönlich, hier zu intervenieren und, während dem Rest der Welt gebannt der Atem stoppt, den kuscheligen Krabbler gaaaaaaaanz vorsichtig auf den eigenen Handrücken zu bugsieren, mit ihm hochkonzentriert zur Rehling zu schleichen und ihn dort schließlich mit erlösender Geste den Weiten des Meeres zu überantworten. Der heilige Ernst, mit dem Jürgens diese durchsichtige Lachnummer spielt, ist ein echter Brüller und verortet KÄPT’N RAUHBEIN endgültig im Bereich der unfreiwilligen Komödie.

Dass sich an Bord des Schiffes auch ausgerechnet einer der Rädelsführer der Entführerbande befindet, liegt dann nicht etwa an Kunst und Können Käpt’n Rauhbeins, sondern ist bloßer Zufall. Jolly kommt ihm eigentlich auch gar nicht wirklich auf die Schliche, er mutmaßt einfach – ohne jeden Anhaltspunkt – besagter Herr könne doch etwas mit dem Verbrechen zu tun haben. Bingo, so ist es dann auch! Die sich anschließende Befreiungsaktion ist die einzige wirkliche Action-Sequenz KÄPT’N RAUHBEINs und miserabel in Szene gesetzt. Vor allem der Kapitän fällt auf durch alberne Aktionen ohne Sinn und Verstand. In einer Szene steht eine Flasche in der Gegend rum, auf deren Etikett jemand mit Filzstift „Salzsäure“ geschrieben hat, was schon ziemlich lustig ist. Bei Helge Schneiders 00 SCHNEIDER stand auf der Zeitung ja schließlich auch „Zeitung“. Seltsamerweise geht es nach dem vermeintlichen Finale noch eine ganze Weile weiter, wenn man sich mit den befreiten Ladys durch den mit Archivaufnahmen bevölkerten Dschungel schlägt. Irgendwann, nach der überraschenden Enttarnung eines weiteren Übeltäters, ist es dann aber tatsächlich vorbei (der Schurke stellt sich am Ende übrigens selbst – der Käpt’n hat nichts zur Überführung beigetragen und dieses Mal noch nicht einmal was gemutmaßt).

Obwohl die Nummer somit schließlich doch ein paar Minütchen zu lang geriet, ist die kolportageartige Abenteuer-Kriminal-Melange ein ziemlich launiges Feierabendprogramm. Curd Jürgens stiehlt allen die Schau, während Heinz Reincke als sein vermeintlich komischer Kompagnon so nervig geriet, dass man ihn fürs letzte Drittel aus der Handlung schrieb. Schade, dass die Veranstaltung trotz einiger reißerischer Elemente insgesamt doch ziemlich brav und bieder geriet. Dabei hatte man schon gute Zutaten zur Hand; Abenteuer-, Gangster-, Söldner- und Frauenknast-Motive fließen fröhlich ineinander. Aber am Ende bleibt es dann doch eher familienfreundlich. Zumindest an die Action jedoch hätte man gern jemanden ranlassen dürfen, der sich mit sowas auskennt.

KÄPT’N RAUHBEIN AUS ST. PAULI - die feudale Filmwerdung des fleckigen Feinripp-Unterhemds. Ahoi und Alaaf!

Laufzeit: 91 Min. / Freigabe: ab 16

Freitag, 27. November 2020

DAS GEHEIMNIS DER DREI DSCHUNKEN


DAS GEHEIMNIS DER DREI DSCHUNKEN
BRD, Italien 1965

Regie:
Ernst Hofbauer

Darsteller:
Stewart Granger,
Rosanna Schiaffino,
Sieghardt Rupp,
Margit Saad,
Harald Juhnke,
Horst Frank,
Helga Sommerfeld,
Paul Klinger



„Das Ding sieht aber gefährlich aus. Ist die geladen?“
„Ich kann ja mal abdrücken.“


Inhalt:

CIA-Agent Michael Scott [Stewart Granger] reagiert zunächst ein wenig unwirsch, als sein Chef ihn während seines wohlverdienten Urlaubs anruft. Doch das ändert sich, als er den Grund dafür erfährt: Sein Freund und Kollege ist bei einem Einsatz in Hongkong ermordet worden. Sofort lässt er die Freizeit Freizeit sein, trennt sich von seiner Modelleisenbahn und schaltet sich in den Fall ein. Sein Kollege ermittelte vor Ort gegen den unnahbaren Verbrecher Pierre Mirot [Sieghardt Rupp], welcher seine drei Dschunken als Tarnung nutzt, um Einzelteile für den Bau von Atomwaffen (!) zu schmuggeln. FBI-Agentin Carol Eden [Rosanna Schiaffino] soll sich nun als Tippse bei Mirot einschleusen und Scott so mit nötigen Informationen versorgen. Während sie sich das Vertrauen Mirots (wenn auch nicht das seiner Liebsten) erschleicht, sind Scott und sein neuer Partner, der Dolmetscher Smoky [Harald Juhnke], damit beschäftigt, diverse Mordanschlägen zu überleben, denn Mirot hat längst seinen brutalen Killer Pereira [Horst Frank] losgeschickt. 

Kritik:

DAS GEHEIMNIS DER DREI DSCHUNKEN erzählt, deutlich beeinflusst von den Erfolgen der James Bond-Reihe, eine im realitätsfernen Szenario angesiedelte, reichlich abstruse Agentengeschichte und fährt dabei so ziemlich jedes einzelne Klischee auf, das in späteren Jahren nur allzu dankbar als willkommene Steilvorlage für entsprechende Genre-Parodien genutzt wurde. Im Erscheinungsjahr vermutlich noch ernstgemeint und auch so empfunden, taugt die hemdsärmelige Mischung aus banalem Groschenkrimi und bunt bebildertem Reisebericht Jahrzehnte später lediglich noch als amüsantes Dokument damaliger deutscher Befindlichkeiten. Das beginnt schon beim völlig fehlbesetzten Stewart Granger in der Hauptrolle, dessen Figur Michael Scott laut kühner Drehbuchbehauptung eigentlich ein erfahrener CIA-Mann sein soll, der in seinem biederen Auftreten und Gebaren aber so urteutonisch wirkt, dass man ihm direkt die Puschen reichen möchte. Reichlich tapsig stolpert der stets leicht überfordert wirkende Aushilfsagent durch allerhand exotische Kulissen, ohne rechten Plan, wie er seinen Auftrag denn eigentlich ausführen soll. Seine Gegner fürchten ihn aus irgendwelchen Gründen allerdings trotzdem und stellen ihm deswegen alle naslang tödlich gemeinte Fallen (in die er auch immer brav hineintappt) oder setzen ein paar kaum minder tollpatschige Killer auf ihn an. Diesen vehementen Tötungsbemühungen entgeht Scott dabei nicht etwa durch altehrwürdige Geheimdienst-Tugenden wie List, Tücke oder gar Geschick, sondern einzig und allein durch Zufall oder unverschämtes Glück. Als er sich beispielsweise in einem Auto befindet, das gerade im Begriff ist, einen Steilhang hinunterzustürzen, springt er kurzerhand einfach zur Tür hinaus, landet ohne eine zusätzliche Schramme auf dem Schotter und macht weiter, als sei nichts geschehen. 

Und in diesem Duktus geht es weiter. Michael Scotts Überleben basiert entweder auf einer Extraportion Dusel, unerklärter Unverwundbarkeit oder darauf, dass seine Gegner noch ungeschickter agieren als er selbst. Derart einfallsloses Drehbuchschreiben geht natürlich tüchtig auf Kosten der Spannung. Gewiss rechnet auch beim großen Kollegen Bond niemand damit, er könne jemals ernsthaft zu Schaden kommen, aber durch die Frage, wann und wie er der andauernden Leib- und Lebensgefahr entkommt, entsteht ein gewisser Nervenkitzel. Wenn der Held jedoch, wie hier, aus jedem Steinschlag, jeder Explosion und jedem Schusswechsel ohne erkennbare Mühe lebendig hervorgeht, stellt sich doch recht rasch Verdruss ein. Dass Michael Scott zudem auch nicht die hellste Kerze auf der Torte ist, macht die Sache nicht unbedingt besser. Als er sich gegenüber dem Bösewicht als Versicherungsvertreter ausgibt, nennt er dabei doch tatsächlich seinen richtigen Namen. 

Viele Gedanken an Zusammenhang und Kausalität hat das Autorenduo (bestehend aus Werner P. Zibaso [→ KOMMISSAR X JAGT DIE ROTEN TIGER] und Hanns-Karl Kubiak [→ HOTEL DER TOTEN GÄSTE]) also wahrlich nicht verschwendet. Stattdessen kopierte es eifrig Situationen und Stereotype aus größeren Vorbildern in der Hoffnung, das sei schon irgendwie ausreichend. Auch Motivationen und Hintergründe der Charaktere blieben nur vage umrissen. Der Schurke ist einfach nur der Schurke, und er ist das, weil er schurkische Dinge tut. Mehr braucht man gar nicht zu wissen. Auch Regisseur Ernst Hofbauer [→ TIM FRAZER JAGT DEN GEHEIMNISVOLLEN MR. X] ging maximal uninspiriert zu Werke und lieferte kaum mehr als drögen Dienst nach Vorschrift. Die „Action“ (wenn man sie denn so nennen möchte) besteht aus ein paar undynamisch abgefilmten Autojagden, hüftsteif ausgeführten Schlägereien und ein bisschen „Peng, Peng“ mit dem Revolver wie beim präpubertären Cowboy- und Indianer-Spiel. Und wenn doch mal kurzzeitig Gefahr besteht, es könnte etwas turbulenter werden, ist es meistens auch schon wieder vorbei, bevor es richtig angefangen hat. Man merkt an allen Ecken und Enden: DAS GEHEIMNIS DER DREI DSCHUNKEN wollte niemals einen Innovationspreis gewinnen und entstand auch nicht aus einer großen Vision heraus. Er wurde gedreht, um mit möglichst geringem Aufwand möglichst viel Geld einzuspielen. Nur mit dem Allernötigsten an Finanz- und Schaffenskraft wurde hier ein Produkt zurechtgezimmert, das den Ansprüchen des Publikums gerade so sehr entspricht, dass sich trotz eisernem Sparstift am Ende der finanzielle Erfolg einstellt. 

Der Schauplatz Hongkong war dabei bereits die halbe Miete. Der damals noch als geheimnisvoll und exotisch empfundene Ort kitzelte den Eskapismus des deutschen Durchschnittsbürgers, sorgte für attraktive Aufnahmen und günstige Arbeitsbedingungen. Durch eine Kooperation mit Produzenten aus Italien konnte man die Kosten zusätzlich gering halten. Und bei der Besetzung orientierte sich man sich an dem, was man damals in der BRD gern auf Leinwand und Mattscheibe sah. Stewart Granger stand dank der Karl-May-Verfilmung OLD SUREHAND auf der Beliebtheitsskala ganz oben, sein Gegenspieler Sieghardt Rupp [→ FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR] war noch aus diversen Heimatfilmen wohlbekannt, der stets gern gesehene Horst Frank [→ VIER FÄUSTE SCHLAGEN WIEDER ZU] bekleidet als brutaler Bezahl-Killer eine auf ihn zugeschnittene Nebenrolle, während als ebenso obligatorische wie redundante Witzfigur Harald Juhnke [→ DER MÖRDER MIT DEM SEIDENSCHAL] ein paar seichte Lacher vom Stapel lassen darf. Für den weiblichen Part engagierte man die bildhübsche Rosanna Schiaffino [→ THE KILLER RESERVED NINE SEATS], die – auch nur wenig überraschend – eine für die Produktionszeit typische Frauenfigur aufgedrückt bekam: Keck und adrett, aber im gleichen Maße auch naiv und im Ernstfall auf die Rettung ihres großen Beschützers angewiesen (in welchen sie nach lausigen fünf Minuten unsterblich verliebt ist). Gut, der Augenblick, in welchem sie ihrem Folterknecht einen saftigen Tritt verpasst, worauf dieser wie von der Kanonenkugel getroffen auf der Glatze durchs Zimmer kegelt, ist zugegebenermaßen nicht von schlechten Eltern. 

Dazu gesellen sich die unvermeidliche Portion Sexismus („Es müsste beim CIA verboten sein, Frauen zu beschäftigen“) sowie wie der damals übliche arrogante westliche Blick auf den Fernen Osten: Granger und Juhnke poltern durch die Stadt wie die Elefanten im Porzellanladen, zeigen Respekt weder vor der Kultur noch vor der Bevölkerung, klopfen Sprüche übers Essen mit Stäbchen („Kein Wunder, dass die Chinesen alle so dünn sind!“) und reden mit den Einheimischen (die im Übrigen fast alle Deutsch verstehen und sprechen) wie mit zurückgebliebenen Kleinkindern. Dass die blauäugige Abenteuer-/Agenten-/Kriminalfilm-Melange trotz all ihrer Defizite gut bei Laune hält, liegt an ihrer eigentümlichen Schrulligkeit, die tief im Zeitgeist verwurzelt ist und sich daher auch nicht reproduzieren lässt, an ihrem radikalen Widerspruch aus behaupteter Weltoffenheit und tatsächlichem bundesdeutschen Spießbürgertum. Sich selbst fett CIA auf die Fahnen zu schreiben und dann einen feixenden Harald Juhnke auf Mission zu schicken, dazu gehört schon eine ganze Menge Verstiegenheit. Wie viele ähnlich gelagerte Werke dieser Zeit und Gattung entspringt der Reiz somit in erster Linie aus der schönen Atmosphäre längst vergangener Kinotage. Das exotische Flair Hongkongs geschickt nutzend, werden alle möglichen attraktiven Schauplätze abgegrast und jede Szene atmet den Geist verklärter Leinwandromantik. Angereichert mit der für die Zeit üblichen locker-flockigen Dialogen, erlebt man hier flauschig abgelichteten Kintopp mit all den zu erwartenden Ingredienzien. Eine gewisse Affinität sollte man allerdings mitbringen.

Laufzeit: 85 Min. / Freigabe: ab 12

Samstag, 30. November 2019

KAUM NOCH ZU FINDEN


KAUM NOCH ZU FINDEN
BRD 2016

Regie:
Hans Schulte,
Nina Rosenbohm

Darsteller:
Polyanna Move,
Katharina Michalenko,
Nina Rosenbohm,
Christo Michailidis,
Arne Löber,
Torsten Hampel,
Elise Preteux



KAUM BESSER ALS TEIL 1 UND 2: DAS GROSSE FINALE DER GASTREZENSION VON JDVF-MITBEGRÜNDER STUART REDMAN. KAUM ZU FASSEN!


"Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, fangen Lüdenscheider Matratzenverkäufer das Filmemachen an.“ (frei nach George A. Romero)

Ich habe bereits drei Stunden durchgestanden. Eine weitere muss ich noch hinter mich bringen. Es liegen hinter mir: KAUM MEHR ALS TIERE, der heftig schlimm war, und KAUM BESSER ALS IHR, der eine Qual war. Und jetzt muss ich es noch mit KAUM NOCH ZU FINDEN aufnehmen.

Der Endspurt. Ich kann das Ziel schon sehen. Hoffentlich schaffe ich es lebend bis dorthin…

Die Dunkle hockt in einem Zimmer. Ein anderes Mädchen im Nachthemd mit einem Stoffhasen im Arm schlurft auf sie zu und fragt mit „unheimlicher“ (eher lächerlicher) Stimme:

"Willst du mit mir spielen?"

Soll wohl bei diesem „Gemeindevorstand Holtleben aus Kreuzstein“ sein, der in Teil 2 erwähnt wurde.

Ein kleiner Junge glotzt am Waldrand ins Gebüsch. Er hat dahinter wohl die Bissige gesehen. Der Vater geht zu seinem Gör, nimmt es auf den Arm, trägt es zum Auto und fährt weg. Sinn dieser Szene? Wir sollen es nie erfahren.

Thorsten bringt Langhaar zu Jessica und Marie. Er hat sie gewaschen und neu eingekleidet. (Die Trulla hat gerade zwei Menschen (die Snuff-Film-Typen aus Teil 2) gekillt! Und noch immer ruft kein Arsch die Polizei! Ich fasse es echt nicht! Das ist so bescheuert!)

Thorsten kann nicht weiter auf Langhaar aufpassen, weil er auf Montage muss. Hat von seinem Chef schon eine Abmahnung bekommen. (Kann man unfähige Filmemacher eigentlich für ihre Scheißfilme abmahnen?)

Thomas (der in Teil 2 mit seinem Vater im Wald unterwegs war (oder es die meiste Zeit eher nicht war), um den Mord an seinem Cousin André zu rächen) fällt im Wald über die Bissige her und ersticht sie mit einem Messer.

Die Zimmergenossin der Dunklen spielt mit einem Schleier herum und labert darüber, dass sie eine schöne Braut wäre und ob die Dunkle ihre Brautjungfer sein will. Es stellt sich raus, dass sie wohl Holtlebens Tochter ist (und später erfahren wir, dass sie Claire heißt).

Der Holtleben kommt in einen kargen Raum (jeder sollte so etwas in seinem Haus haben), in dem ein junger Mann (sein Sohn) sitzt. Es entwickelt sich ein Dialog, der mal wieder vollkommen dämlich ist, und durch das stocksteife, mieserabel gestelzte Spiel des Holtleben-Chargen komplett zum Lachschlager wird.

Sohn:
„Was willst du denn mit ihr machen?“

Holtleben:
„Ihr ein Zuhause geben, ihr beibringen, was sie zum Leben braucht, und sie natürlich auf den rechten Weg des Herrn führen.“

Sohn:
„Mit Medikamenten?“

Holtleben:
„Was ich ihr gegeben habe, war absolut notwendig, um sie zu beruhigen.“

Sohn:
„Und du predigst seit Jahren, dass der Herr nicht will, dass wir Chemie zu uns nehmen.“

Holtleben:
„Ratten gibt man auch Gift. In besonderen Fällen ist das erlaubt.

Sohn:
„Ist sie für dich nicht mehr als nur eine Ratte?“

Holtleben:
„Ooooh. Sehr viel mehr. Ein Mensch mit kindlicher Natur und tierischer Lebensart. In der Bibel steht nicht, wie man so etwas behandeln muss. Da müssen wir uns eigene Wege einfallen lassen.“

Sohn:
„Mit Aggressionshemmern und Betäubungsmitteln.“

Holtleben:
„Das Betäubungsmittel brauchen wir nur, um sie zu waschen und einzukleiden. Das können wir jetzt weglassen.“

(Denn merke: Einmal im Leben waschen reicht. Danach bleibt man für immer sauber.)

Holtleben weiter:
„Aber vergiss nie, ihr etwas von dem Mittel gegen den Zorn ins Essen zu tun.“

Sohn:
„Wenn die Gemeindemitglieder das wüssten...“

Holtleben:
„Die würden schon ohnmächtig werden, wenn die wüssten, dass wir das hier ganz ohne Bibelzitate diskutieren. Aber der Herr lässt uns da freie Hand. Da gehen wir unsere eigenen Wege.“

(Man möchte das Drehbuch nehmen, es in Abführmittel tränken und Schulte dann zu fressen geben, so schlecht ist dieser Scheiß zusammengeschmiert. Ich krieg die Krätze.)

Langhaar macht in Jessicas Wohnung auf aggro und versteckt sich unter der Küchenbank, während Marie ganz brav ist.

Wieder eine Szene mit Holtleben. Der scheint in diesem Teil echt eine der Hauptrollen zu haben. Ich mache mich auf die nächsten 50 Minuten mit diesem un-fucking-fassbar grottig agierenden Darsteller-Imitator gefasst.

Claire:
„Vater.“

Holtleben:
„Warst du auch höflich zu unserem Gast?“

Claire:
„Ja. Aber sie ist merkwürdig.“

Holtleben:
„Du bist doch auch merkwürdig und trotzdem hab ich dich lieb."

 (Wer wünscht sich nicht so einen einfühlsamen Vater?) 

"Schwierige Menschen muss man besonders gernhaben.“ 

(Zu der Dunklen:)
„Wir haben dich aufgenommen und gewaschen. Da hast du aber nichts von gemerkt. Du warst betäubt. Und jetzt gibt es was zu essen. Und dann kümmern wir uns um deine Läuse.“

(Klar, um die Läuse kümmert man sich erst, nachdem die Frau schon das ganze Bett damit kontaminiert hat, in dem auch die eigene Tochter sitzt. Sehr effektiv… Nicht.)

Jessica und Sven kriegen einen Anruf von Marks Schwester. Mark hatte einen Autounfall. (Schultes Ausrede, warum der Mark-Darsteller im dritten Film nicht dabei ist. Dem ist wohl irgendwann selbst aufgefallen, was für einen gequirlten Mäusekot er sich da in die Vita genagelt hat.) Jessica fährt sofort ins Krankenhaus.

Der nächste Holtleben-Totalausfall:

Holtleben:
„Lasst uns reinigen von der Befleckung des Fleisches und des Geistes...“

(Er kippt der Dunklen, während sie noch im Bett sitzt, etwas aus einer großen braunen Flasche über den Kopf... oder tut zumindest so, denn in der Flasche ist offensichtlich absolut nichts drin. Er hält die nämlich fast die ganze Zeit kopfüber ohne dass der Dunklen größere Mengen Flüssigkeit über den Kopf laufen würden.)

Sohn:
„... und den Läusen.“

Claire:
„Was macht ihr da?“

Holtleben:
„Ich mach ihr die Läuse weg. Das sind die Dinger in ihren Haaren.“

(Also ich kenn das mit Anti-Läuse-Shampoo oder Kopf kahl rasieren. Aber was weiß ich schon...)

Claire:
„Aber dann kann sie die doch gar nicht mehr essen.“


(!!!)

Holtleben:
„Die soll sie auch nicht essen. Wir sollen uns nicht verunreinigen an dem Getier was auf der Erde kriecht.“

(Wir sollen uns auch nicht verunreinigen an sinnlosen Scheißfilmen von Matratzenverkäufern. Noch immer gilt ausnahmslos: Ich denke mir nichts davon aus! Alle Dialoge sind 1:1 wortwörtlich aus dem Film!)

Sven gibt Langhaar eine Banane. Die hockt immer noch unter der Küchenbank. (Ich erwarte fast, dass sie da erstmal dran herumsaugt wie ne Porno-Mietze an einem Dildo, aber das bleibt zum Glück aus.)

Bei Holtlebens schneit eine Nachbarin rein (Die steht nicht einfach vor der Haustür, die drängt direkt nach dem Öffnen der Tür ins Haus, als würde sie erwartet. Und auch die Begrüßung wird in einem Ton ausgesprochen, als würde hier jemand ankommen, den man bereits erwartet hat.) Wieder folgt ein Dialog, der einem sämtliche Plomben vor Schmerzen vibrieren lässt.

Holtleben:
(so enthusiastisch, wie es der Knallcharge eben kann)
„Guten Abend!“

Nachbarin:
„Guten Abend. Ich wollte mal schauen, ob alles in Ordnung ist.“

Holtleben:
„Was sollte denn nicht in Ordnung sein?“

Nachbarin:
„Also ich hab letztens gesehen, wie hier ein bewusstloses Mädchen reingetragen wurde, und ihre Tochter hab ich auch schon seit Jahren nicht mehr gesehen.“

(Fällt ihr ja früh auf, dass sie offenbar einen eigenen Josef Fritzl in der Nachbarschaft hat…)

Holtleben:
„Keine Sorge, das war ein Gemeindemitglied.“

(Weil man die ja auch einfach mal so bewusstlos durch die Gegend schleppt…)

Nachbarin:
„Und warum sieht man dann ihre Tochter nicht?“

Holtleben:
„Sie hat eine Lichtallergie. Deswegen verlässt sie das Haus nicht. Aber kommen sie doch rein. Wir haben nicht zu verbergen. Wir können gerne etwas in der Bibel lesen oder auch noch gemeinsam beten heute Abend.“

(…und hinterher sperr ich dich im Keller ein und schneid dich in kleine Scheiben. Muahahaha!)

Nachbarin:
„Nein danke. Das ist nichts für mich.“

(Ooch, schade. Bibellesungen und Gebete hätten diesen Rotz vielleicht sogar noch aufwerten können…)

Holtleben:
„Dann wünsche ich ihnen noch einen gesegneten Abend.“

Nachbarin:
„Danke.“

(Sie lässt sich anstandslos hinausführen. Die Ausreden vom Holtleben muss ich mir merken, die scheinen voll der überzeugende Shit zu sein. Oder die Nachbarin verhält sich halt einfach genauso dumm, wie es das hirnrissige Drehbuch vorgibt…)

Derweil begibt sich Sohn Holtleben ins Zimmer der Mädchen, setzt sich auf einen Stuhl und führt folgendes Gespräch mit seiner Schwester:

Claire:
„Siehst du auch manchmal Dinge, die kein anderer sieht?“

Sohn:
„Ich sehe, was mit uns sein könnte."

Claire:
„Das verstehe ich nicht.“

Sohn:
„Du wirst es eines Tages verstehen.“

Claire:
„Wann?“

Sohn:
„Wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist.“

Claire:
„Und wann ist das?“

Sohn:
„Abwarten.“

(Ein echter Machger! Schnüff.)

(Alter, will uns Schulte jetzt etwa auch noch eine Inzestgeschichte zwischen Bruder und Schwester auftischen? Ich glaub echt nicht, was ich gerade sehe. Und ich hab geglaubt, nach Teil 1 und 2 könnte es nicht noch abstruser werden…)

Sven versucht mit Parfüm (!!!), das er in der Küche versprüht, das Vertrauen von Langhaar und Marie zu gewinnen. Und es funktioniert. Beide werden regelrecht rattig.

Claire labert Dummfug über imaginäre Vögel.

Langhaar greift Marie an, und Sven verweist sie wieder unter die Bank.

Langhaar büxt aus. Sven kann sie aber wieder einfangen.

Claire ärgert die Dunkle, die sie daraufhin beißt.

Sohnemann Holtleben kippt einen Schluck Läusemittel ins Küchenwaschbecken. (Warum? Wozu? Wieder so eine komplett sinnlose Szene, die im weiteren Verlauf nie wieder aufgegriffen wird.)

Jessica kommt nach Hause und berichtet, das Mark aus dem Gröbsten raus sei und in zwei Tagen von der Intensivstation runter könnte. (Na und? Who cares? So ein Scheiß ist wichtig, aber an anderen Stellen klaffen Handlungslöcher von Bad Hersfeld bis nach Hengelo?)

Claire versucht, die Dunkle mit einer Plastikfolie zu ersticken.

Claire:
 „Vater hat gesagt, ich hätte bei meiner Geburt zu wenig Luft bekommen. Deswegen bin ich so anders. Deswegen mach ich jetzt, dass du so bist wie ich.“

(Irgendwie wünsche ich mir das als Zuschauer auch gerade, dann müsste ich diesen Stuss nicht mehr ertragen!!!)

Dunkel kann sich total einfach befreien und Claire schmollt.

Claire:
„Möchtest du denn nicht so sein wie ich?“

Dunkel hechelt herum, als wäre sie minutenlang ohne Luft gewesen und nicht nur zwanzig Sekunden.

Jessica versucht ebenfalls, das Vertrauen von Langhaar zu gewinnen, indem sie sie wie ein Haustier auf die Couch ruft und dann zudeckt. (Ich finde die Menschenverachtung, die ausgerechnet die Personen, die eigentlich die Heldenfiguren dieser Filme sein sollen, an den Tag legen, nach wie vor erschreckend!)

Die neugierige Nachbarin beobachtet, wie Sohnemann Holtleben etwas in den Müll wirft, schleicht sich anschließend hin und fischt das verdreckte T-Shirt der Dunklen wieder raus.

Nachbarin:
„Welcher Mensch läuft denn mit sowas rum?“

(Gegenfrage: Wer außer Straßenpennern und Pfandflaschensammlern durchwühlt anderer Leute Mülltonnen?)

Sven diskutiert mit Jessica, ob das mit den Frauen nicht langsam zu viel wird. Er zählt dabei einfach mal alle Toten und Verletzten auf, die es bisher schon so gab. (Im Übrigen wissen die beiden auch schon, woher auch immer, dass die Bissige erstochen wurde. Das wurde seit der kurzen Szene am Anfang, als Thomas sie abgemurkst hat, nie wieder erwähnt. Und wird es auch danach nie wieder. Aber solche halbgar und zusammenhanglos in den Raum geworfenen Storyfetzen sind wir ja mittlerweile in dieser Trilogie gewohnt…) Jessica glaubt nach wie vor, dass sie das alles auch ohne professionelle Hilfe schaffen. (Klar doch.) Nicht einmal, als Sven ihr nochmal klarmacht, dass Langhaar die zwei Snuffis ermordet hat und man sie „nicht mit Sprechgesang therapieren“ könnte, beharrt sie:

„Aber sie macht doch schon Fortschritte.“

Außerdem könne man Marie doch auch nicht zumuten, sie in eine andere Umgebung zu bringen.
Jessica will noch eine Woche, um Sven zu beweisen, dass sie weitere Fortschritte mit Langhaar machen kann. Dödel Sven gibt natürlich nach.

Thorsten hat das Video der Snuff-Filmer gesichtet und zeigt es Jessica und Sven.

Thorsten:
„Das ist der Hammer, was da drauf ist.“

(Nach dem Vorgeschmack, den wir in Teil 2 bekommen haben, wäre das Gefilmte selbst für „Verstehen sie Spaß“ zu harmlos und bieder…)

Jessica:
"Das ist wieder die gleiche Scheiße, die sie erlebt haben, als sie in diesem Folterhaus waren. Das kann doch echt nicht sein."

Thorsten:
(zehn Sekunden später!)
"So wie ich das sehe, sind die Kerle keinen Deut besser, als das, was sie erlebt haben, als sie in diesem Folterhaus waren, wo sie herkommen."

(No shit, Sherlock! Du hast gerade genau dasselbe festgestellt, wie Jessica direkt vor dir!) 

"Also wenn es einer verdient hat, totgebissen zu werden, dann die zwei Penner.“

(Ich beiß mich gleich selber tot, wenn ich das noch lange ertragen muss!!!)

Holtleben versucht, der Dunklen Sprechen beizubringen. Sie lernt Wörter wie „Mann“, „Claire“ und „Decke“. (Wirklich wichtiger Wortschatz. Ohne diese Wörter käme man in der Welt wirklich nicht weit.)

Christo (Ich dachte schon, der würde wie Mark ebenfalls nicht mehr auftauchen.), Thorsten, Jessica und Sven unterhalten sich darüber, dass Langhaar ja keine andere Wahl hatte, als die beiden Snuff-Filmer umzubringen. (Doppelmord gerechtfertigt. Alles wieder schick. Polizei, Rechtsstaat? Was ist das?)
Außerdem tut sie ihnen ganz besonders leid, weil sie ja sooooo viel hat durchmachen müssen.

Man beschließt, die Dunkle zu finden. Wieder wird einfach an irgendwelchen Haustüren geklingelt. Und siehe da: Sven klingelt bei den Christenfundis. Christen-Horst öffnet, Sven stellt die altbekannte Frage, ob er eine verwilderte Frau gesehen hat, der sagt: „Nein.“ Sven bedankt sich und geht.

Aber Sveni ist ja nicht doof (oder aber er ist eben gerade besonders doof). Der Mann hatte ein Pflaster (!!!) im Gesicht. (Wir erinnern uns: In Teil 2 hatte Dunkel ihn gekratzt.) Sven ruft natürlich sofort Jessica an:

Sven:
"Ja, ich war jetzt hier in der Holtbeinstraße 50 (Das wird gleich noch wichtig!), und da war ein Typ, der hatte einen Kratzer im Gesicht. Und ich glaub, das könnte die Dunkle gewesen sein."

(Weil ein Mann ja auch ausschließlich durch verwilderte Frauen Kratzer im Gesicht bekommt. Aber woher soll Sven mit seinem Penner-Vollbart auch wissen, dass es sowas wie Rasierer gibt? Außerdem hat er gar nicht gesehen, ob es ein Kratzer war, weil ein Pflaster darauf war. Das hätte z. B. auch ein Pickel oder sonst irgendwas sein können. Warum er den Mann nicht direkt auf das Pflaster angesprochen hat, erfahren wir nicht.)

Sven will das Haus observieren, während Jessica die anderen benachrichtigt.

Als nächstes sehen wir Jessica am Telefon, die ihre Freunde in die Herbertstraße (!!!) schickt. LOL!

Sven, Christo und Thorsten stürmen das Haus der Christen. (Ja, stürmen! Wie die Kripo bei ner Razzia stoßen die den Horst einfach zur Seite, als der die Tür aufmacht, und drängen sich mit Gewalt an ihm vorbei ins Haus. Denn wer ein Pflaster im Gesicht hat, muss auf jeden Fall die Dunkle entführt haben! Da gibt es absolut gar keinen Zweifel. Was, Hausfriedensbruch? Uns doch scheißegal!)

Christo:
„Wir müssen Ihnen mal ein paar Fragen stellen!“

Horst:
„Das sind ja Stasi-Methoden hier!“

(Da hat er ausnahmsweise einmal Recht!)

Christo:
„Ohne Diskussion!“

Horst:
„Wo gibt es denn sowas?“

(Exklusiv bei Hans Schulte, wo sonst?)

Christen-Gaby schaut sich die drei Männer misstrauisch an, die jetzt mal ein „ernstes Wort“ mit den beiden reden wollen. (Ich wünsche, vor den Dreharbeiten zu diesem „Film“ hätte mal jemand ein ernstes Wort mit Matratzen-Hans geredet…)

Man stößt Horst auf einen Sessel und fläzt sich selbst auf die umstehenden Teile der Couch-Garnitur.

Gaby:
„Sie riskieren schon, dass ich die Polizei rufe.“

(Andauernd reden hier Leute davon, aber kein Arsch tut es. An Gabys Stelle wäre ich schon dreimal am Telefon gewesen, Herrgottsakra!!!)

Sven:
„Das werden Sie nicht.“

(Warum nicht? Eigentlich müsste er sogar darauf hoffen, dass die Polizei gerufen wird. Denn wenn sie es hier tatsächlich mit den Entführern der Dunklen zu tun haben, wäre es doch gut, wenn die noch vor Ort gestellt und verhaftet würden, oder? Oder?)

Gaby:
 „Ach?“

(Da kieckste, wa?)

Christo:
„Sie halten hier ein Mädchen versteckt.“

(Woher zum Geier willst du Depp das wissen? Nur weil der alte Knicker ein Pflaster in der Visage hat? Komm mal klar, du paranoider Vollidiot!)

Horst:
„Durchsuchen Sie ruhig das Haus. Wir haben nichts zu verbergen.“

(Natürlich. Ich würde auch drei dahergelaufenen Rüpeln, die gerade gewaltsam in mein Haus eingedrungen sind, ohne Zögern erlauben, es zu durchsuchen. Wer würde das auch nicht?)

Thorsten:
„Jo, mein Freund, das werden wir auch machen. Komm, Sven! Wir beide durchsuchen das Haus. Christo, du bleibst hier und passt auf, dass die nicht die Fliege machen!“

(Wo auch immer die beiden Alten einfach so hinsollten…)

Christo:
(zu Gaby)
„Sie dürfen das Mädchen hier nicht festhalten. Sie wissen nicht, wie gefährlich das ist.“

(Auch, wenn das nicht gefährlich wäre, dürfte sie das nicht. Bemerken.)

Gaby guckt erstmal schön in die Kamera.

Thorsten und Sven kommen zurück.

Thorsten:
„So, im Haus ist sonst niemand. Aber der Dachboden riecht, als wenn da ein Tier gehalten worden wäre.“

Sven:
„Und Kratzspuren an den Wänden.“

(Also ich als Entführer würde jetzt einfach behaupten, das war mein kürzlich verstorbener Hund, aber so clever sind die Fundis (oder besser Drehbuchautor Schulte) leider nicht.)

Die Fundis gucken sichtlich ertappt aus der Wäsche.

Sven:
„Und? Wir gehen hier nicht weg, bevor Sie uns nicht sagen, was wir hören wollen.“ 

(Genau! Gesteht schon, oder wir bleiben hier sitzen, bis ihr gesteht. Egal, ob ihr was verbrochen habt, oder nicht!)

„Jetzt kommen Sie schon. Sie glauben doch nicht, dass Sie damit durchkommen.“

Horst:
„Gemeindevorstand Holtleben. Kreuzstein. Mehr erfahren Sie nicht von uns. Und jetzt raus hier!“

Gaby:
„Der Herr wird Sie richten.“

Sven:
„Trotzdem danke.“

Die drei ziehen ab. (Und ich ziehe mir einzeln die Fußnägel raus, weil das mehr Spaß macht als jeder einzelne dieser unfassbar behämmerten Dialoge!)

Sven erfährt vom Einwohnermeldeamt drei Adressen in Kreuzstein auf den Namen Holtleben. Genau wie der Zuschauer fragt Thorsten sich, wieso die Behörde Sven die Adressen einfach so gegeben hat. Sven war mal wieder schlau und hat behauptet, es handle sich um einen Schulfreund seines Vaters, der kein Telefon hat, und dem er sagen wolle, dass sein Vater verstorben sei. (Merke: Wenn man da ankommt und irgendeine erfundene Geschichte erzählt, rückt das Einwohnermeldeamt stets sofort sämtliche gewünschten Adressen raus.)
Es wird die Strategie diskutiert, ob man sich trennen und jeder einzeln zu einer der drei Adresse fahren, oder alle Drei zusammen die Adressen abklappern sollen. Sven meint, dass das Fundi-Ehepaar die betreffenden Leute bereits gewarnt haben könnte. Thorsten ist ganz sicher, dass das nicht der Fall ist. Warum?:

Thorsten:
„Hast du mal bei denen, wo wir eben das Haus durchsucht haben, geguckt? Die haben kein Telefon, kein Radio, keinen Fernseher. Die haben nichts an Technik. Das sind solche christlichen Fanatiker, da ist garantiert noch keine Warnung an andere rausgegangen.“

(Zu dumm nur, dass in der Szene davor die ganze Zeit, als der alte Mann im Wohnzimmer im Sessel saß, hinter ihm im Regal eine Stereoanlage zu sehen war! LOL! Außerdem würde das, wenn es denn stimmen würde, Gabys Drohung ad absurdum führen, die Polizei zu rufen. Wie denn, ohne Telefon?)

Also will man einzeln bei jeder der Adressen auftauchen.

Schnitt.

Christo stürmt die Wohnung des richtigen Holtleben. (Wieder wird einfach so ins Haus gedrängt, ohne Rücksicht auf Verluste. Christo kann überhaupt nicht wissen, ob er an der richtigen Adresse ist, aber das ist natürlich kein Hindernis für unseren tumpen Glatzen-Rambo, sich ein weiteres Mal wie Schimanski im Rage-Modus zu benehmen.)

Christo:
„Wo ist die Dunkle?“

(Es weiß ja auch jeder, wer oder was "die Dunkle" ist.)

Holtleben packt ihn sofort an der Kehle, drängt ihn an die Tür... und zieht eine Knarre hinten aus dem Hosenbund!!!

Holtleben:
„Ruhig hier! Ganz ruhig junger Mann! Und da geht es lang! Da erstmal rein! Rein da! Rein da! Geh da rein! Und hiergeblieben!“

Er schubst Christo vor sich her weiter in die Wohnung und sperrt ihn in das leere Zimmer in dem am Anfang schon sein Sohn gesessen hat.

Wieder steht die neugierige Nachbarin vor der Tür (Und wieder schneit auch sie beim Öffnen der Tür direkt drei Schritte in die Wohnung. Das scheint in Schultes Welt tatsächlich normal zu sein.). Dieses Mal nimmt sie Sohnemann Holtleben in Empfang.

Nachbarin:
“Jetzt will ich endlich wissen, was hier los ist! Erst lauter komische Sachen, und jetzt stürmt hier ein junger Mann rein, als ob er verzweifelt jemanden sucht!“

Söhnchen fackelt nicht lang und zieht die Schnepfe ins Haus. Die protestiert lautstark und wird in das Zimmer zu Claire und der Dunklen geworfen.

Nachbarin:
„Loslassen! Sie machen sich strafbar! Ich ruf die Polizei, wenn ich hier rauskomm!“

(Äh, nö, tust du nicht. Macht in diesem hohlen Kackfilm (und wahrscheinlich auch in Hans Schultes gestörter Weltwahrnehmung) nämlich nie irgendeiner… außer Thorsten, wenn er von seinem Kumpel Marius den Namen eines Fahrzeughalters und den Inhaber einer Lagerhalle braucht, siehe KAUM BESSER ALS IHR.)

Claire:
„Wer bist du?“

Nachbarin:
„Jemand, den dein Vater entführt hat.“

(Ich will ja nichts sagen, aber es war der Sohnemann, der die Frau ins Haus gezerrt und in das Zimmer gesperrt hat... Facepalm.)

Claire:
„Das versteh ich nicht.“

(Nothing new here. Die versteht ja auch sonst nie irgendwas.)

Holtleben will von Christo wissen:

„Warum verhalten Sie sich so?“

(Gegenfrage: Warum schleppst du eine (höchstwahrscheinlich illegale) Waffe mit dir herum und sperrst Leute, die in dein Haus stürmen und dich der Entführung beschuldigen, erstmal in dafür offensichtlich vorgesehene Räume ein?)

Aus der Tatsache, dass ihn Holtleben nicht alle Räume des Hauses durchsuchen lassen will (Dann sei „der Fall erledigt“. Joa, würde ich auch sagen, nachdem ich Hausfriedensbruch begangen habe und selbst mit einer Schusswaffe bedroht wurde!), schließt Christo messerscharf, dass die Dunkle hier ist.

Brüderchen will Claire aus dem Zimmer holen („An einen schönen Ort, den du noch nicht kennst.“). Anstatt vom Bett zu springen und einfach an ihm vorbei aus dem Zimmer und dem Haus zu rennen, versucht sich die Nachbarin gaaanz laaannngsaaam vom Bett zu schleichen. Natürlich wird sie dabei erwischt und zurückgestoßen. (Tja, Trulla, so wird das nichts mit der Flucht.)

Christo belabert mit Holtleben dessen Motivation. Wieder ein totaler Gaga-Dialog, vom Holtleben-Darsteller-Imitator astrein verkackt. Ich hab echt keinen Bock mehr, das hier detailliert wiederzugeben. Es ist einfach nur durch und durch scheiße.

Die Dunkle versucht derweil, die Nachbarin zu fressen, was der im letzten Moment eintreffende Thorsten gerade noch verhindern kann.

Holtleben stürmt kopflos aus dem Haus auf der Suche nach Claire.

Sohnemann hat Claire in einen kahlen Raum (Wieder einer. Das ist also für ihn ein „schöner Ort“?) verschleppt und will sich jetzt an sie heranmachen. Doch Claire hat bei der Dunklen einiges gelernt. Sie beißt ihm ins Ohr. Tot.

Holtleben findet die beiden (Woher er weiß, wo die sind? Keine Ahnung!) und ist entsetzt, dass die ihren Bruder getötet hat. Christo kommt, nachdem Thorsten ihn befreit hat, ebenfalls dazu (Auch hier: Keine Ahnung, woher der wusste, wo die stecken.).

Dummes Gesabbel darüber, wer schuld ist. Selbstzweifel bei Holtleben.

Holtleben:
„Alles, was ich im guten Glauben getan habe, war stets das Falsche. Ich habe umsonst gelebt.“

Christo:
„Mit dem Gewissen müssen Sie jetzt alleine fertigwerden. Wir nehmen unsere Dunkle mit.“

(EURE Dunkle? Ist die euer Eigentum? Ach ja, für die vier Studenten waren die vier Frauen ja nie wirklich Menschen, sondern immer nur Versuchsobjekte und dressierbare Haustiere…)

Holtleben:
„Nehmen Sie die da auch gleich mit.“

Christo:
„Das ist Ihre eigene Tochter!“

Holtleben:
„Ich habe keine… ich habe keine Tochter mehr.“

Holtleben verdrückt sich. (Der Kerl hat Menschen entführt, gefangen gehalten und unter Drogen gesetzt, besitz ziemlich sicher illegal eine Schusswaffe und hat damit auch aktiv Menschen bedroht. Aber strafrechtlich belangt wird er dafür in Hans Schultes Welt natürlich ebenfalls nicht…)

Alle kehren inkl. Claire nach Hause zurück.

Jessica:
„Ist alles in Ordnung? Geht’s allen gut?“

Sven:
„Alles Super!“

Jessica:
„Ist jemand verletzt?“

Sven
„Nein.“

(… hat nur gerade noch ein weiteres Todesopfer gegeben, aber ja, ist alles tippi toppi, weil der war ja böse. Argh!!!)

Als Jessica die blutverschmierte Claire sieht, fragt sie natürlich, wer das denn ist.

Sven:
„Naja, das ist die Tochter von diesem frommen Oberheini. Der will sie nicht mehr.“

Jessica:
„Wie jetzt? Und warum hat sie geblutet?“

Sven:
„Nein, Jessy, die hat jemanden totgebissen.“

Jessica:
(daraufhin beherzt zu Claire)
„Hallo, ich bin Jessica.“

Christo:
„Das sind Freunde.“

Claire:
(zu Christo)
„Ist das deine Braut?“

Jessica:
„Nein, ich bin nur eine Freundin. Du kannst auch meine Freundin sein.“

(Du bist zwar eine psychisch durchgeknallte Mörderin, aber ich find dich trotzdem voll dufte und möchte total gerne mit dir befreundet sein… Ohne Worte!)

Man diskutiert, wie jetzt weiter mit den Frauen verfahren werden soll. (Fast wie auf einem Viehmarkt wird ausgehandelt, wer welche der Frauen bei sich zu Hause unterbringen darf.)

Wochen später. Jessica bringt Langhaar noch bei, wie man ein Taschentuch benutzt, und Langhaar erzählt Jessica, dass es noch zwei weitere Folterhäuser gäbe.

Monate später. Langhaar erkennt auf der Straße einen ihrer Peiniger wieder, den Thorsten direkt, ohne zu zögern in dessen eigenen Kofferraum sperrt und das Auto auch gleich klaut.

Schnitt.

Der Typ sitzt in einem leeren Dachzimmer. (Leere Räume scheint es im Leben von Hans Schulte eine ganze Menge zu geben. Traurigh.) Er ist an einen Stuhl gefesselt, aber nicht geknebelt. Und er sitzt ganz ruhig da und schaut sich um, während Thorsten mit Jessica diskutiert, ob das auch wirklich einer von den Folterern ist. Jessica zweifelt. Thorsten ist sich sicher. Der Entführte sagt gar nichts. (Man protestiert ja auch nicht und wehrt sich und versucht, sich zu befreien, wenn man gerade entführt wurde...)

Thorsten will sich um den Typen „kümmern“. Er will von ihm wissen, wo das dritte Folterhaus ist. Der Mann behauptet natürlich, man habe ihn verwechselt.

Thorsten:
„Mein Freund, DAS war die falsche Antwort.“

Schnitt.

Thorsten kommt aus dem Raum und hat ein blutiges Messer in der Hand. (Ich muss an Loriot denken: „Wenn es eine Aussage zu erpressen gibt, foltere ich gern einmal.“) Er berichtet Jessica, wo das dritte Haus ist. Irgendwo in Osteuropa.

Jessica will wissen, ob er jetzt tatsächlich meint, dass sie da jetzt hinfahren sollen. Thorsten guckt, als wolle er genau das. Wenn die Studenten da nicht hinwollen, so will Thorsten "Bekannte" ansprechen, die sich darum kümmern. (Wow, hat der Lüdenscheider Schlumpf etwa Verbindungen zur Russenmafia? Wer hätte das gedacht?)

ENDE

(Ok, es folgen noch sechs Minuten Abspann mit diversen Ausschnitten aus dem Film (alle im falschen, gestauchten Format), aber die spar ich mir.)

Ich hab es geschaffft!!! Verdammte Scheiße, es ist zuende!!! Vier Stunden unerträgliches Leid!!! Dafür hab ich einen verf***ten Orden verdient!!! Aaaaaahaaaaaaaaahahahahahahahaha!!!! Wahnsinn!!!!!!!!!!!


Fuck! Nachdem die ersten beiden Teile schon so unfassbar grottig waren, hätte ich nie damit gerechnet, dass Teil 3 das sogar noch toppen könnte. Der ist echt so unglaublich unerreichbar oberaffenkackdrecksbeschissen, das ist nicht mehr weiter steigerbar! Jede einzelne Sekunde dieses Machwerks ist so unfassbar DUMM!!!!!!! Ich kann es nicht beschreiben, es tut so unfassbar weh!!!

Viele Stunden später…

Ok, ich habe mich halbwegs von meinem Schock erholt. Die Schmerzen sind zu einem dumpfen Pochen abgeklungen, meine Gehirnzellen haben aufgehört, meinen Kopf durch Mund, Nase, Ohren und Augen verlassen zu wollen.

Fassen wir zusammen: Ich habe in meinem Leben zugegeben noch nicht allzu viele deutsche Amateur-Produktionen gesehen. Ich habe davon gehört, dass Leute wie Timo Rose, Jochen Taubert oder Andreas Schnaas auf diesem Gebiet regelmäßig ganz furchtbaren Auswurf produzieren sollen, wie er schlechter kaum mehr geht. Kann ich nicht beurteilen. Hans Schulte geht mit dem Anspruch an den Start, sich von diesem Einerlei absetzen zu wollen. Sein Film setze, so seine eigene Aussage, auf glaubhafte, vielschichtige Charaktere, mit denen der Zuschauer mitfiebern werde, eine unverbrauchte und vor allem unvorhersehbare Geschichte mit vielen überraschenden Wendungen und natürliche, ungekünstelte Dialoge.

Die Filme selbst liefern von alledem das genaue Gegenteil. Die Charaktere sind fast durch die Bank einfach nur strunzdämlich. Jeder einzelne von denen handelt und redet, als habe er einen IQ von 5. (Ein deutsches Toastbrot hat übrigens einen IQ von 9. Einen IQ von 12 braucht ein Schwein zum Quieken.) Sämtliche Nebenfiguren sind dazu noch völlig überzogene, eindimensionale klischeetriefende Abziehbilder. Wenn man dazu auch noch Laiendarsteller anheuert, die hölzerner Spielen als ein Stück Brikett und ihnen Dialoge aufzusagen gibt, die mit einfältig, gestelzt, albern, lächerlich, unpassend, dumm und häufig regelrecht abstrus noch viel zu positiv umschrieben sind, ist das Kind endgültig in den Brunnen gefallen. Die Dialoge sind ohnehin das Schlimmste an der ganzen Sache. Man fragt sich wirklich, warum niemand, offenbar wirklich absolut niemand in seinem Umfeld den Mumm hatte, Hans Schulte einfach mal zu sagen, dass kein Mensch so redet, geschweige denn jemals in der Menschheitsgeschichte so geredet hat oder reden wird. Schultes Glauben, er wäre ein talentierter Dialogschreiber erinnert frappierend an die ganzen Gesangs-Deppen, die in Castingshows auftauchen und ernsthaft glauben, sie könnten wirklich singen. Natürlich stets mit Eltern und Omi im Schlepptau, die sie darin auch noch bestärken, anstatt ihnen an den Schädel zu klopfen und „Hallo, McFly, jemand zuhause?“ zu fragen.

Was die Geschichte angeht, so ist auch diese weder ungewöhnlich (Was ja noch nicht einmal schlimm sein muss. Besser gut geklaut, als schlecht erfunden.) noch unvorhersehbar, sie ist einfach nur flach, unlogisch, über weite Strecken sinnlos, voller Löcher und verrennt sich andauernd in belanglosen Nebenhandlungen, die keine Sau interessieren. Zudem kommt einem Schulte andauernd mit plumper Gesellschaftskritik, die aber lediglich seine ziemlich verzerrte, naive, die Realität geflissentlich ignorierende Weltsicht wiedergeben. Das Traurige dabei: Der Ansatz des Ganzen, eine Kannibalen-/Folter-Hostel-Geschichte mal nicht als blutige Schlachtplatte, sondern als charakterbasierendes Drama aufzuziehen, ist gar nicht schlecht und hätte viel Potenzial gehabt, wird hier aber einfach nur von vorne bis hinten verkackt.

Endgültig vor die Wand gefahren wird das Ganze dann noch durch die technischen Unzulänglichkeiten, die sich auch nicht mit fehlendem Budget rechtfertigen lassen. Wenn Schulte keine Ahnung von Technik hat und auch keine Lust, sich damit zu beschäftigen, dann ist das ok. Aber dann hätte er sich jemanden suchen sollen, der entsprechendes Know-How hat. Die KAUM-Filme sind einfach nur lieblos zusammengestümpert. Da wurde keine Minute darauf verschwendet, wie man die Filme interessanter, spannender und professioneller hätte gestalten können. Niemand hat sich hier bemüht, sich interessantere Kameraperspektiven zu überlegen. Meist ist das nur Kamera in der Totalen drauf und Knopf gedrückt. Der Bildausschnitt geht dabei in der Regel für die gewählte Perspektive ok, weshalb ich auch in den vorhergehenden Reviews meinte, dass die Kameraführung in Ordnung sei. Aber trotzdem immer noch weit entfernt von gut. Der größte Klopper ist jedoch der katastrophale Schnitt. Fast jede Einstellung ist viel zu lang, oft sieht man am Anfang sogar noch, wie die Darsteller auf ihren Einsatz warten. Wahllos werden sekundenlange Schwarzbilder gesetzt. Der Director's Cut, der laut Aussage von Schulte gerade den ersten Film runder und flotter machen soll, wirkt wie mit dem Rasenmäher geschnitten. Da scheinen ganze Handlungsteile zu fehlen. Übrig bleibt ein streckenweise sinnloses Szenenkonglomerat ohne Sinn und Verstand.

Für die Musik konnte Schulte überraschenderweise Leute gewinnen, die einige atmosphärisch gelungene Instrumentalstücke und Songs zuwege gebracht haben. Aber auch hier verhunzt der Macher selber mal wieder das Ergebnis, indem immer wieder Stücke entweder in Szenen eingesetzt werden, in denen sie nicht passen, oder Songs am Szenenende einfach stur (manchmal mitten im Vers) abgebrochen werden.

Kommen wir zu dem, was mich am meisten aufgeregt hat: Wenn jemand privat auf Natursekt und Kaviar steht, ist das seine Sache. Und sicher gibt es Leute, die regelmäßig im stillen Kämmerlein entsprechend einschlägige Pornofilme konsumieren. Sollen sie, wenn es ihnen Spaß macht. Was Schulte aber geritten hat, so etwas in real (Polyanna Moves Piss-Szenen sind alle echt, hier ist nichts Fake.) in einem Spielfilm unterzubringen, der eine breitere Masse ansprechen soll, kann und will ich nicht verstehen. Ich empfinde das als ekelhaft, abstoßend und einfach krank.

Der krönende Abschluss ist dann die total inkompetente Blu-ray-Präsentation. Die Scheibe selbst ist gebrannt (Geschenkt, das bringen mittlerweile sogar manche Major-Label), aber noch dazu wurde als Cover einfach das Inlay von KAUM BESSER ALS IHR verwendet, auf das Schulte persönlich mit einem Edding (!) die Angaben für den DC zusätzlich draufgeschrieben hat. Auf der Disc befindet sich ausschließlich die Filmdatei, sonst kein Menü, kein gar nichts. Eine Kapiteleinteilung gibt es ebenfalls nicht (Und das bei einem Vier-Stunden-Werk!). Aber nicht einmal den Film selbst kann Schulte halbwegs anständig präsentieren. KAUM MEHR ALS TIERE ist, wie im entsprechenden Review erwähnt, im falschen Bildformat aufgespielt, der Ton läuft den gesamten ersten Film über zudem asynchron. Zudem wird das Bild über die gesamte Laufzeit, also auch während der Teile 2 und 3, von massivem Interlacing geplagt. Wieder kann man dazu nur sagen: Wer keine Ahnung von Technik hat, sollte sich jemand suchen, der welche hat. Und solchen Pillepalle wie ein korrekt entzerrtes anamorphes Bild kriegt jeder Hobby-Youtuber hin. Auf ganzer Linie eine armselige Präsentation, für die Schulte laut dem Kumpel, der das Ding bezahlen musste, allen Ernstes 20,00 € plus Porto verlangt hat.

Somit bleibt als Fazit: Die Kaum-Trilogie ist so ziemlich das dümmste, peinlichste, lächerlichste, stümperhafteste und in Teilen abstoßendste Filmwerk, das ich jemals zu konsumieren genötigt wurde. Der Katholische Filmdienst würde sagen: Wir raten ab. Ich sage: Verbrennen, einbetonieren, vergraben. Die Menschheit hätte ein Übel weniger zu ertragen.

Laufzeit: 69 Min. / Freigabe: ungeprüft