Eigene Forschungen

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Montag, 30. November 2020

DER MAFIA-KILLER


LIKE FATHER, LIKE SON
USA 1974

Regie:
Duke Mitchell,
Jefferson Richard

Darsteller:
Duke Mitchell,
Vic Caesar,
Lorenzo Dodo,
Louis Zito,
Cara Peters,
Fred Otash,
John Strong



„Du bist dabei oder du bist im Weg.“ 


Inhalt:

Mimi Miceli [Duke Mitchell], Sohn des emeritierten Mafiosos Don Miceli [Lorenzo Dodo], kommt nach Sizilien, um im Mafia-Business auch endlich so richtig durchzustarten. Seinen Einstand feiert er gleich mit einem Knaller: Er lässt den amtierenden Unterwelt-Boss Chucky Tripoli [Louis Zito] entführen, ihm einen Finger abhacken und erst gegen ein hohes Lösegeld wieder auf freien Fuß setzen. Die halsbrecherische Kamikaze-Aktion hat Erfolg: Miceli erntet sich Respekt und zählt quasi auf Anhieb zu den großen Tieren. Zusammen mit seinem alten Kumpel Jolly Rizzo [Vic Caesar] beginnt er eine klassische Mobster-Karriere, beherrscht von Mord, Prostitution und Pornograhie. Doch nach jedem Aufstieg folgt der Fall: Micele überschätzt sich von Tag zu Tag mehr und schaufelt sich damit langsam, aber sicher sein eigenes Grab.

Kritik: 

LIKE FATHER, LIKE SON, wie DER MAFIA-KILLER am Tage seiner Erstaufführung noch ganz dezent hieß, beginnt gleich mit einem Paukenschlag: Zwei Männer laufen durch einen Bürokomplex und richten ohne jeden Federlesens ein blutiges Massaker an. Ein Rollstuhlfahrer wird per Kabel und Pissbecken unter Strom gesetzt, der Rest der Belegschaft bekommt ebenso kommentar- wie mitleidlos Kugeln in Kopf, Brust oder Bauch verpasst, bis keiner mehr steht. Untermalt wird die brutale Vernichtungsarie mit beschwingter Gute-Laune-Musik, was ihre Kaltblütigkeit nochmals maximal potenziert. Dann gehen die Killer wieder lässig Richtung Fahrstuhl, als sei nix passiert. Zu diesem Zeitpunkt weiß das Publikum noch nicht, dass diese Szene (die zuvor bereits effektiv den Trailer zum Film schmückte) eine Vorausschau ist und später im Handlungskontext nochmals abgespult wird. Die Schützen, so weiß man dann, sind Mimi Miceli und Jolly Rizzo, zwei eigentlich kleine Fische, die sich mit kaltblütigen Aktionen wie diesen den Respekt der Unterwelt verdient haben und nicht vorhaben, ihn sich wieder abluchsen zu lassen. 

Der Macher dieser siffigen Räuberpistole, der nicht nur Drehbuch, Produktion und Regie übernahm, sondern obendrein auch die Hauptrolle bekleidete, hieß Duke Mitchell. Das heißt, eigentlich hieß er mit Familiennamen Miceli, wie die Filmfigur, und unterhielt ebenfalls Kontakte zum halbseidenen Milieu, was MASSSACRE MAFIA STYLE (international bekanntester Titel) einen gewissen halbbiographischen Anstrich verleiht. Zuvor hauptsächlich als Komiker und Sänger in Nachtklubs unterwegs, begann er schließlich, auf eigene Kosten billige Reißer für die Leinwand zu produzieren. Ausschlaggebend, so heißt es häufig, war seine Sichtung von Francis Ford Coppolas Kino-Meilenstein DER PATE, nach der er der Meinung war, so etwas eigentlich viel besser hinbekommen zu können. Natürlich stimmte das nicht. Von der eleganten Erzählweise des angeblichen Vorbilds ist hier nicht das Geringste zu spüren. Salopp gesagt: Wäre DER PATE eine filigrane 16jährige Ballerina im Russischen Staatsballett, so wäre DER MAFIA-KILLER eine trächtige Seekuh auf dem Tresen einer Hamburger Hafenspelunke um 4 Uhr morgens. Auf gewisse Weise ist Mitchells Interpretation damit vermutlich sogar näher an der Realität als die opulente Portraitierung Coppolas, denn seine grobschlächtige Umsetzung sorgt für ein ausnehmend hässliches, ungastliches Bild des Verbrechertums. Mitmachen möchte man nach dieser Lehrstunde jedenfalls nicht. 

Wirklich etwas zu erzählen hat Mitchell dabei freilich nicht. Sein Werk speist sich aus sattsam bekannten und lieblos aneinander gereihten Versatzstücken, die man alle irgendwo schon mal besser gesehen hat. Nicht selten erweckt das Stück dabei den Eindruck einer Improvisation, in der die Geschichte stets so weitergeht, wie es Mitchell am Drehtag gerade eben in den Sinn kam. Eklatant dafür ist die plötzlich eingeleitete Episode, in der Miceli quasi aus heiterem Himmel beschließt, in die Pornofilm-Branche einzusteigen. Weil er dafür Darsteller benötigt, aber keine findet (was man gut und gern als Quatsch verbuchen kann, willige Akt-Akteure dürften zu der Zeit keine Mangelware gewesen sein), beschließt er, die Mädchen eines bekannten Zuhälters dafür zu rekrutieren. Da dieser sich vehement der Zusammenarbeit verweigert und auch noch ausfallend wird, muss man nicht studiert haben, um dessen Schicksal korrekt erraten zu können. Wer hier die leise Hoffnung hegt, DER MAFIA-KILLER könnte von nun an einem roten Faden folgen und weitererzählen, wie es dem engagierten Mafia-Spross im Filmgeschäft erginge, welche Erfolge und unerwarteten Probleme ihn dort heimsuchen, welche Lehren er daraus zieht und wie diese sein weiteres Tun und Handeln beeinflussen, der irrt sich gewaltig. Nach Tötung des widerspenstigen Zuhälters ist dieses Fragment nämlich auch schon wieder abgeschlossen und das Bumskino-Business wird nie wieder auch nur erwähnt. Immerhin heben die bis dahin zum Thema abgesonderten Dialoge das Stück (vielleicht sogar unfreiwillig) auf eine schelmische Meta-Ebene, wenn Miceli und sein Busenkumpel Rizzo darüber plachandern, dass sie vom Filmemachen ja eigentlich gar keine Ahnung hätten, dann aber beschließen, trotzdem einfach durchzustarten. Das vorliegende Werk dürfte ganz ähnlich entstanden sein. 

Das einzig wirklich stets wiederkehrende Motiv (und deswegen vielleicht sogar eines, das Mitchell tatsächlich wichtig war), schlägt sich direkt im Originaltitel wieder: das der Familienbande. In einer arg ausgewalzten Szene referiert Mitchells Miceli über die Achtung vor der Mutter, immer wieder wird der Wert des Zusammenhalts betont. Gewiss, letztendlich ist das auch nur ein weiteres Mafiafilm-Klischee, aber immerhin ein Konzept, das sich auffallend konsequent durch die ansonsten reichlich zerfaserte Erzählung zieht. Als reizvoller Nebeneffekt steigern diese von Respekt und Liebe geprägten Aussagen abermals erheblich den Zynismus des ganzen Rests, stehen diese doch im krassen Kontrast zu den sonstigen menschenverachtenden Handlungen Micelis. Das Töten passiert lapidar, ruppig und ohne ausgefeilte Pläne. Die Inszenierung passt sich dem in ihrer Billigkeit an. Wenn hier geschossen wird, dann sieht man das Mündungsfeuer und in der nächsten Szene hält sich der Getroffene das perforierte Körperteil, während ihm ein Päckchen Kunstblut zwischen den Fingern hervorquillt. Nur ganz selten gönnte man sich tatsächlich ein paar platzende Blutpäckchen. Die reißerische Darbietung erinnert dabei eher an Slasher der Marke Freitag, der 13. Da hängt das Opfer schon mal recht unschön mit dem Auge am Fleischerhaken. 

In solchen Momenten wird dann auch die eigentliche Intention Mitchells deutlich, der einfach nur einen barschen Beitrag fürs einschlägige Bahnhofskino vom Stapel ließ. Seine Figuren bekamen keine besonderen Beweggründe verpasst. Warum Miceli z. B. unbedingt der große Boss werden will, wird niemals klar. Sympathiefiguren gibt es nicht. Mitchell selbst poltert als bildungsferner, öliger Fatzke durch die Kiste. Das ist alles fern von Geschick und Geisteswissenschaft, aber allzu hart sollte man mit Mitchells launigem Lausbubenstreich trotzdem nicht ins Gericht gehen. Aus der rüpelhaften Do It Yourself-Attitüde ist etwas ganz Eigenes, Urwüchsiges entstanden, ein Gegenpol zum herausgeputzten Hollywood, bei dem alles nach Schmutz und Schweiß und Blut riecht. Als roughiger Zeitverschwender funktioniert das schon. Wem DER PATE immer zu ausladend und intellektuell war, der findet hier seine Alternative.

Laufzeit: 83 Min. / Freigabe: ab 18

Sonntag, 29. November 2020

DIE RACHE DER CAMORRA


I GUAPPI
Italien 1974

Regie:
Pasquale Squitieri

Darsteller:
Franco Nero,
Fabio Testi,
Claudia Cardinale,
Raymond Pellegrin,
Rita Forzano,
Nino Vingelli,
Antonio Orlando,
Sergio Serafini



Inhalt:

Anfang des 20. Jahrhunderts: Nicola Bellizzi [Franco Nero], einst ein gefürchteter Gangster, kehrt nach mehreren Jahren im Gefängnis ins Elendsviertel Neapels zurück. Sein Ruf eilt ihm voraus, noch immer fürchten ihn die Leute. Aber Bellizzi hat sich geändert: Er verachtet mittlerweile das Verbrechen und möchte Rechtsanwalt werden. Mittlerweile regiert der brutale Don Gaetano [Fabio Testi] das Viertel. Schnell gerät Bellizzi mit ihm aneinander, kränkt ihn in seiner Ehre. Beim unausweichlichen Duell jedoch erkennen beide Männer, dass sie zwar auf verschiedenen Seiten stehen, aber dennoch ähnliche Moralvorstellung haben. Die einstigen Todfeinde beginnen zunächst, sich zu respektieren, schließlich werden sie gar Freunde. Bellizzi arrangiert sich mit der verbrecherischen Camorra – bis die Zweckgemeinschaft zu einem Problem wird.

Kritik:

Cineastische Darstellungen der Mafia gibt es viele. DER PATE [1972] ist nicht nur Platzhirsch des Genres, sondern war auch Initialzündung für zahlreiche Filmschaffende, sich ebenfalls mit der berühmt-berüchtigten Institution zu beschäftigen. Nicht wenige Beiträge kamen dabei aus Italien – kaum überraschend, war das Land doch a.) nie darum verlegen, auswärtige Leinwand-Erfolge zu kopieren und b.) stets Hauptleidtragender der organisierten Kriminalität. Oft wurde die Thematik dabei für reißerische Kolportagen genutzt. Aber auch, wenn der deutsche Titel es mit dem Blick auf ein sensationslüsternes Klientel zu suggerieren versucht – DIE RACHE DER CAMORRA gehört nicht dazu. Die Banditen, wie die Nummer eigentlich im Original heißt, ist tatsächlich sogar weniger Gangsterfilm als vielmehr ein mit nüchternem Understatement inszeniertes Zeitbild über die gesellschaftlichen Verhältnisse Italiens an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Regisseur Pasquale Squitieri [→ DIE RACHE BIN ICH] stammt ursprünglich aus dem Journalismus-Bereich, was sich in einer analytischen Herangehensweise und einem dokumentarischen Duktus niederschlägt. Squitieri (der auch für das Drehbuch verantwortlich war) beschreibt in unaufgeregtem, sachlichem Ton, wie in den südlichen Gefilden des Landes langsam, aber sicher die Camorra erstarkt – autonome Familienclans, die nach und nach ihre eigenen Gesetze installieren und immer mehr an Macht und Einfluss gewinnen.

Mit einigem Aufwand an Kostüm und Kolorit entstand so ein durch und durch authentisch wirkender Blick auf die Rituale und Kodizes der neapolitanischen Verbrechervereinigung, die – fast völlig unbehelligt von überforderter und geschmierter Polizei – ihre ganz eigenen Strukturen entwickelt hat, ein perverser Staat im Staat, der sich die Armut und die daraus resultierende Hilflosigkeit der Bevölkerung zunutze macht, um ihre Macht zu erhalten und zu erweitern. Wie Könige herrschen die Anführer des Camorra-Clans in den Vierteln – wer es wagt, ohne ihre Zustimmung Geschäfte zu machen, endet mit dem Messer im Bauch. Ein Ausweg aus den Verhältnissen scheint unmöglich. Von Geburt an lernen bereits die Kinder, dass der einzige Weg zu überleben das Stehlen und das Morden ist. Anstatt Lesen lehrt man ihnen das korrekte Hantieren mit der Klinge. Die Verhältnisse sind trist, die Aussichten trostlos, Werte wie Tugend oder Gerechtigkeit scheinen nicht mehr existent.

Vor diesem historischen Hintergrund entspinnt Squitieri die Studie zweier Männer, Gaetano und Bellizzi, die zwar unterschiedlichen Prinzipien huldigen, sich aber dennoch gegenseitig respektieren, woraus eine eigentlich völlig absurde Freundschaft erwächst. Mit Fabio Testi [→ DIE PERFEKTE ERPRESSUNG] und Franco Nero [→ DIE KLETTE] holte man sich dafür zwei echte Schwergewichte an Bord, die sich (und dem Publikum) ein wahrlich packendes Schauspielduell liefern, das vor allem deswegen glaubhaft wirkt, da beide Mimen ihr Spiel nicht durch eitle Übertreibungen verwässern, sondern sich überwiegend auf ihre grundsätzliche Leinwandpräsenz verlassen. Vor allem Nero gelingt es dabei, den Zwiespalt seiner Figur intensiv herauszuarbeiten: Zwar ist Gerechtigkeit sein Ziel, doch stürzt ihn das Wissen, dass sein Arrangement mit dem Verbrechen Gerechtigkeit eigentlich ad absurdum führt, in einen quälenden Konflikt. Auch Testi nimmt man die Rolle des mächtigen Gangsterbosses spielend ab. Sein ruhiges und scheinbar beherrschtes Auftreten strahlt unantastbare Überlegenheit aus, doch liegt die Gefahr eines plötzlichen Gewaltausbruchs jederzeit spürbar in der Luft. Weibliche Unterstützung bekommt das Duo von Claudia Cardinale [→ PETROLEUM-MIEZEN], die hier ebenfalls beweisen kann, dass sie zu den großen ihrer Zunft gehörte. Denn ihre Rolle ist zum Glück alles andere als reine Staffage, sondern von ebensolcher Relevanz wie die männlichen Figuren. Ein weiterer wichtiger Name auf der Besetzungsliste ist der des Franzosen Raymond Pellegrin [→ PULVERFASS BAHIA]. In blendender Verbissenheit verkörpert er den temperamentvollen Hauptmann Aiossa, der mit Wut und Leidenschaft versucht, den kriminellen Gaetano hinter Schloss und Riegel zu bringen. Bezeichnenderweise muss er irgendwann einsehen, dass ihm dieses auf rechtschaffendem Wege nicht möglich ist, weswegen er zur Erreichung des Zieles schließlich selbst zum Verbrecher werden muss.

Somit hat man es hier auch mit einer Bestandsaufnahme des damaligen italienischen Rechtssystems zu tun. Man sieht Richter, die völlig überfordert sind und oftmals nicht wissen, wie sie sich entscheiden sollen. Die Folge ist eine völlig willkürliche Pseudo-Rechtsprechung vor dem Hintergrund des nett gemeintes Schriftzugs „Vor dem Gesetz sind alle gleich“. Doch bei Squitieri läuft das Versagen von Recht und Gesetz nicht etwa auf einen finalen Befreiungsschlag, einen kathartischen Akt entfesselter Selbstjustiz hinaus. Am Ende bleibt hier nicht mehr als Betroffenheit und Frustration. Freunde von Krawall und Krudelität kommen hier deshalb auch kaum auf ihre Kosten, auch wenn zwischendurch mal Fäuste, Peitschen und frisch gewetzte Rasiermesser fliegen. Trotzdem ist DIE RACHE DER CAMORRA kein Actionspektakel, sondern ein um Authentizität bemühter Historienfilm, der sich zum Teil auch ein wenig zu viel Zeit lässt. Speziell der Beginn geriet etwas sehr spröde und schleppend, ein paar Straffungen hätten gewiss nicht geschadet. Und dafür, dass man anfangs fast ein wenig zu betulich daherkommt, passiert am Ende dann auch alles etwas zu hopplahopp - ohne Erklärung werden da mehrere Monate einfach mal übersprungen. Dennoch entwickelt das mit viel merklicher Leidenschaft in Szene gesetzte Kriminellen- und Gesellschafts-Portrait eine morbide Faszination, die einen in ihren Bann zieht. Nach niederschmetternder Schlusspointe wird man schließlich mit überraschendem Sprung in die (damalige) Gegenwart entlassen, so dass man sich die Frage stellen muss: Wie viel hat sich in Neapel im Laufe der Jahre denn eigentlich geändert?

Laufzeit: 126 Min. / Freigabe: ab 16

Montag, 3. Februar 2020

1931 - ES GESCHAH IN AMERIKA


PIAZZA PULITA
Italien 1972

Regie:
Luigi Vanzi

Darsteller:
Tony Anthony,
Lucretia Love,
Adolfo Celi,
Richard Conte,
Corrado Gaipa,
Irene Papas,
Lionel Stander,
Raf Baldassarre



Inhalt:

USA, 1931: Gangster Pete di Benedetto [Tony Anthony] bekommt den Auftrag, eine Leiche von Virginia nach Sizilien zu überführen. Dabei zählen ausschließlich die inneren Werte: In dem Leichnam steckt eine halbe Million Dollar. Benedetto ist die eigentliche Bezahlung für den Job zu niedrig, weshalb er Siziliens Boss Polese [Adolfo Celi] kontaktiert. Gemeinsam sprengen sie die Trauerfeier und reißen sich das Geld unter den Nagel. Doch dann offenbart Polese sein wahres Gesicht – er hat nämlich mitnichten vor, den Betrag zu teilen. Dass er den frisch Geprellten einfach nur auf die Straße setzt anstatt ihn noch vor Ort umzulegen, erweist sich als folgenschwerer Fehler. Benedetto denkt nämlich gar nicht daran, sich so einfach geschlagen zu geben. Da seinen alten Kumpels bereits bei bloßer Erwähnung des Namens Polese die Muffe saust und er daher keine Hilfe erwarten kann, zieht er die Nummer schließlich allein durch und entführt Pearl [Lucretia Love], die etwas naive Gespielin des Mafiabosses. Herausgabe, so der Deal, nur gegen Bares. Die Übergabe gelingt zwar zunächst, aber nun fühlt sich Polese natürlich arg ans Bein gepisst. Es beginnt ein brutaler Reigen aus Verrat, Marter und Mord.

Kritik:

Tony Anthony war zu Zeiten seiner kurzen Kino-Karriere schon eine ziemlich coole Socke. Der amerikanische Schauspieler (eigentlicher Name: Roger Anthony Petitto), der sich im europäischen Raum ein kleines Standbein erschuf, scheint generell nur die Rollen angenommen zu haben, die er besonders geil fand. Den Rest ließ er einfach sausen. Seine Figuren und Filme waren dabei immer sehr eindeutig von wesentlich größeren Vorbildern inspiriert, und man wird partout den Eindruck nicht los, Anthony wollte einfach immer nur das nachspielen, was er auf der Leinwand so richtig knorke fand. Wie kleine Jungs das in den 80ern mit Spencer, Hill, Schwarzenegger und Stallone auf dem  Schulhof gemacht hatten. Zwischen der kauzigen Clint-Eastwood-Kopie [→ EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN] und dem hemdsärmeligen Indiana-Jones-Imitat [→ DAS GEHEIMNIS DER VIER KRONJUWELEN] hatte er offenbar auch kurz mal Bock, den wilden Gangster zu mimen und als eine Art Sparflammen-Scarface ein paar Patronen und Blutpäckchen platzen zu lassen. Das Ergebnis: 1931 – ES GESCHAH IN AMERIKA, ein kostengünstig erstelltes, aber durchaus vorzeigbares Gaunerstück, das er nicht nur mit seiner Präsenz beehrte, sondern auch mit dem dazugehörigen Drehbuch versorgte. Ach ja: Produzent war er auch noch. Wenn schon, denn schon.

Der Vorspann begrüßt einen mit den Klängen Louis Armstrongs und sorgt somit auf Anhieb für das richtige Flair. Ein Off-Sprecher informiert einen derweil freundlicherweise darüber, dass bereits eine Menge Filme über die großen Gangster der 30er Jahre gedreht wurden, Pete di Benedetto dabei aber konsequent ignoriert wurde. Wer danach noch bis zum Abspann dranbleibt, weiß dann auch, warum. Exorbitant aufregend geriet die Geschichte nämlich wahrlich nicht. Dass der Unterhaltungswert dennoch deutlich über dem Durchschnitt liegt, ist vor allem Verdienst der stimmungsvollen Inszenierung. 1931 funktioniert in erster Linie als gediegenes Kostüm- und Ausstattungsexponat, ohne dass dabei jemals der Eindruck eines realistischen Zeitbildes erweckt würde. Stattdessen schielte man in Richtung nostalgischer Verklärung und gerierte sich als pulpig anmutende Theatervorführung mit leichtem Hang zur siffigen Exploitation. Da werden Leichen geschändet, Rasiermesser zweckentfremdet und Menschen generell ziemlich kaltblütig aus dem Leben katapultiert (auf dem Scheißhaus eingesperrt an Bleivergiftung zu sterben, muss echt entwürdigend sein). Wirklich geil ist das Gaunerleben, dass Tony Anthony und sein Haus- und Hofregisseur Luigi Vanzi [→ DER SCHRECKEN VON KUNG FU] hier entwarfen, wirklich nicht. Wer zu gutmütig oder -gläubig ist, stirbt nicht an Altersschwäche. Jeder behummst jeden. Und Mann wie Frau treibt ausschließlich die Gier nach dem großen Geld.

Tatsächlich unterscheidet sich PIAZZA PULITA (Originaltitel) daher herzlich wenig von den Brutalo-Western, in denen Anthony zuvor zu sehen war. Die Zeit ist vorangeschritten, Menschen und Moral jedoch sind gleich geblieben. Vor allem das weibliche Geschlecht, hier verkörpert durch eine großartig aufspielende Lucretia Love, hat in dieser Welt wenig zu lachen. Als naives Anhängsel des großen Bosses Polese (ebenfalls hervorragend: Adolfo Celi) wird sie von diesem behandelt wie Dreck, kassiert Ohrfeigen am laufenden Meter und muss sich dazu Sätze anhören wie: „Gewöhn dir gefälligst an, nur zu reden, wenn du gefragt wirst.“ Und als sie sich ob der dauernden Watscherei beschwert, bekommt sie als Rechtfertigung: „Aber das ist normal für ne Nutte.“ Nachdem sie zum Entführungsopfer von Hauptprotagonist Benedetto wird, ändert sich ihr Status auch nicht erheblich. Zwar ist der grundsätzlich etwas netter zu ihr, aber er reißt ihr trotzdem ungefragt die Kleider vom Leib (wohlgemerkt: um sie zu fotographieren), spendiert ihr tüchtig Backenfutter, nötigt sie zum Kaffekochen und schubst sie zum lieben Dank final aus dem fahrenden Auto. Ihr Charakter, der anfangs lediglich den Eindruck einer unwichtigen Nebenfigur (eben der typischen Frauenrolle) erweckt, schält sich im Laufe der Zeit unerwartet als der interessanteste und auch wichtigste heraus. Sie ist die einzige Person, die eine offenkundige Entwicklung durchmacht, und ist essentiell für den Ausgang der Ereignisse und deren finales Fazit.

Der Rest der Belegschaft bleibt indes arg unterentwickelt und wird lediglich grob umrissen. Ausgerechnet Tony Anthonys Benedetto kommt dabei am belanglosesten daher (und das, obwohl er ja höchstselbst das Skript verzapfte). Ein besonders guter Schauspieler war er freilich nie, hier jedoch agiert er sogar noch etwas träger als sonst – was sich vor allem im darstellerischen Duett mit der deutlich ausdrucksstärkeren Lucretia Love [→ THE KILLER RESERVED NINE SEATS] bemerkbar macht, gegen die er fast vollständig verblasst. Anthony verlässt sich auf seine Maskerade aus Anzug, Hut, Bart und Glimmstengel, was aber nicht ausreicht, um glaubhaft ein Gangster zu sein. Zu allem Überfluss fährt Adolfo Celi [→ EISKALTE TYPEN AUF HEISSEN ÖFEN] als sein Kontrahent auch noch richtig auf und liefert als arroganter Mafiaboss eine herrliche Vorstellung. Höhepunkt ist die Sequenz, in welcher er sturzbetrunken die Treppe hinauf ins Bettchen wankt, quietschfrivol herumlallend wie ein besoffener Schuljunge nach dem Abiball, und mit seiner Liebsten auf Tuchfühlung gehen will. Als sie keine Lust hat, kassiert sie wieder mal ne Schelle. Als sie dann erstmals zurückschlägt, sitzt er sekundenlang da wie vom Donner gerührt, starrt sie fassungslos an, das Händchen an der schmerzenden Wange, und meint schließlich in einem Tonfall, der keinen Zweifel daran zulässt, dass für ihn gerade die Welt aus den Fugen gerät: „Du hast mich geohrfeigt.“

Der deutsche Titel versuchte dem Werk einen gewissen epischen Stempel aufzudrücken, was nicht nur die knapp bemessene Laufzeit Lügen straft. Auch inhaltlich backt man hier bescheidenere Brötchen. 1931 – ES GESCHAH IN AMERIKA ist letzten Endes nicht mehr als ein kleiner Krimi im Unterweltmilieu, dessen Story sehr simpel gestrickt wurde, geht es doch im Grunde nur darum, dass zwei Parteien sich immer wieder gegenseitig übers Ohr hauen, um sich einen Batzen Bargeld abzuluchsen (was zumindest in einer bösen Pointe endet). Adolfo Celi und seine Mannen wirken zudem auch nicht wirklich, als seien sie die großen Syndikats-Zampanos, sondern machen eher den Eindruck einer ungezogenen Rabaukenbande. Überdies wundert man sich über den zum Teil recht lockeren Tonfall, der so gar nicht zur eigentlich recht gewalttätigen Atmosphäre passen will (was allerdings auch lediglich autonome Ausgeburt deutscher Synchronkunst sein könnte). Als Benedettos Wagen während einer Verfolgungsjagd droht, schlappzumachen, schreit er die Karre an: „Wenn du mich jetzt im Stich lässt, pisse ich dir in den Tank!“ Und zum Thema Partnerschaft weiß er: „Schaffst du dir ein Weib ins Haus, fliegt dein Geld zum Fenster raus.“

1972 – Es geschah in Italien. Tony Anthony drehte mal wieder das, was großen Jungs wie ihm Freude macht. Mit viel Kostüm, Dekor und Maske, dazu etwas Sadismus und Selbstjustiz, abgeschmeckt mit blanken Brüsten und blauen Bohnen, erschafft er seine eigene Westentaschen-Version von großem Kino. Das wird niemals irgendjemand mit einem Meisterwerk verwechseln. Aber für den kleinen Genre-Hunger zwischendurch reicht das locker aus.

Laufzeit: 89 Min. / Freigabe: ab 16

Samstag, 18. November 2017

TOTE ZEUGEN SINGEN NICHT


LA POLIZIA INCRIMINA, LA LEGGE ASSOLVE
Italien 1973

Regie:
Enzo G. Castellari

Darsteller:
Franco Nero,
James Whitmore,
Delia Boccardo,
Fernando Rey,
Duilio Del Prete,
Silvano Tranquilli,
Ely Galleani,
Daniel Martín



„Dieses Mal werden Sie sich auf die Polizei nicht verlassen können. Wenn sie Sie nicht kriegen können, kriegen sie die, die Ihnen nahe stehen, die Sie lieben.“


Inhalt:

In Genua ist die libanesische Drogenmafia auf dem Vormarsch. Kommissar Belli [Franco Nero] ermittelt energisch gegen die Hintermänner. Sein Objekt der Begierde ist der „Libanese“, der sich als Kurier für das Syndikat verdingt und der Polizei daher wertvolle Informationen liefern könnte. Endlich, nach monatelanger Planung, kann Belli den Mann nach einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd festnehmen. Doch die Freude über den Erfolg währt nicht lang: Noch bevor das Polizeiauto samt Gefangenem das Revier erreicht, wird es in die Luft gesprengt. Belli selbst entkommt dem Flammentod dabei nur durch puren Zufall. Mehr denn je legt er es nun darauf an, an die Drahtzieher heranzukommen und redet energisch auf seinen Vorgesetzten Scavio [James Whitmore] ein. Dieser hat über Jahre hinweg wichtige Informationen gesammelt, die er allerdings gezielt zurückhält, bis die Beweise zum großen Gegenschlag ausreichen. Auf Bellis Drängen hin beschließt er, die Akten vorzeitig freizugeben. Sein Todesurteil! Scavio wird auf offener Straßen ermordet, die Beweise werden gestohlen. Zwar gelingt es Belli, den Attentäter ausfindig zu machen, doch damit bringt er nun seine Familie in Gefahr. Es beginnt ein Kampf und Leben und Tod.

Kritik:

In den 70er Jahren entwickelte sich der italienische Polizeifilm quasi zu einem eigenen Genre. Inspiriert von Don Siegels Reißer DIRTY HARRY sowie realen Ereignissen (blutige Ausschreitungen auf offener Straße standen, vor allem in Palermo, damals an der Tagesordnung) ersannen die Drehbuchautoren einen ganzen Bau voller skrupelloser Selbstjustiz-Bullen, die sich mit ganzer Härte und vollem Körpereinsatz gegen das grassierende Unrecht zur Wehr setzten – und damit ironischerweise selbst zu einem Rädchen im Gewalt-Getriebe wurden. Der 1973 fertiggestellte TOTE ZEUGEN SINGEN NICHT gehört noch zu den früheren Vertretern dieser Gattung, was man ihm rückwirkend auch anmerkt, bleibt man hier inhaltlich doch überwiegend auf dem Teppich. Wo ein Maurizio Merli später in vollkommen überspitzten Gassenhauern wie DIE GEWALT BIN ICH bereits Maulschellen verteilte, bevor er überhaupt „Guten Tag“ gesagt hatte, erscheint Franco Neros Kommissar Belli noch ausreichend bodenständig und gesetzeskonform, um nicht zu einer Karikatur zu verkommen. Trotz des nicht zu leugnenden Schwerpunkts auf Kinetik und Krawall schafft das rüde Spektakel daher dennoch den schwierigen Spagat zwischen Action und Anspruch und besticht durch eine geerdetere und realistischere Herangehensweise. Autor und Regisseur Enzo G. Castellani [→ TÖTE ALLE UND KEHR ALLEIN ZURÜCK] verband publikumswirksame, zum Teil freilich nicht unspekulativ ausgeschlachtete Sensationseffekte mit der anklagenden Attitüde eines Damiano Damiani, der zeitgleich versuchte, mit gesellschaftskritischen Thrillern wie DER CLAN, DER SEINE FEINDE LEBENDIG EINMAUERT (1971, ebenfalls mit Franco Nero in der Hauptrolle) wachzurütteln.

Dass es dabei nicht gerade zimperlich zugeht, liegt in der Natur der Sache. TOTE ZEUGEN SINGEN NICHT portraitiert die Mafia nicht romantisch-verklärt, wie viele Mitbewerber, sondern als völlig außer Kontrolle geratene Bande vollkommen skrupel- und ehrloser Berserker, die ohne Rücksicht auf Verluste rumholzen, dass sich die Balken biegen. Da wird aus nichtigstem Anlass lieber mal einer zu viel zur Hölle geschickt als einer zu wenig und der Tod kleiner Kinder dabei achselzuckend unter Kollateralschaden verbucht. Es werden keine raffinierten Pläne mehr ausgetüftelt, sondern der Weg des geringsten Widerstandes gewählt. Da werden Sprengsätze gelegt oder Widersacher auf offener Straße wahlweise erschossen oder überrollt. Ein effektiver Schutz scheint ob dieser Ruchlosigkeit schlichtweg nicht mehr existent. In einer noch recht frühen Szene besucht der gebeutelte Kommissar Belli den alternden Mafiaboss Cafiero (klischeehaft, aber effektiv verkörpert von Fernando Rey), der sich mittlerweile aus dem Geschäft zurückgezogen hat, um seinen Lebensabend der Blumenzucht zu widmen. Dieser warnt den Kommissar, dass die Regeln sich geändert und längst neue Leute die Bühne des Organisierten Verbrechens betreten haben, deren Brutalität alles bisher Bekannte übersteigt.

Spätestens hier wird auch dem Publikum klar, dass ein rechtsstaatlicher Weg, das Unheil auszuräumen, nicht funktionieren kann. Dass Kommissar Belli am Ende dennoch nicht, wie es vielleicht zu erwarten wäre, zur Charles-Bronson-artigen Kampfmaschine mutiert, die sich ohne Rücksicht auf Verluste durch seine Gegner pflügt, beweist, dass es Castellari nicht daran gelegen war, lediglich eine simple Jahrmarktsattraktion abzuliefern, sondern durchaus das nötige Maß an Frustration und Wut in seine Arbeit legte. Dass im Finale dennoch ordentlich die Fetzen fliegen, freut den gemeinen Actionfreund natürlich. Überhaupt legt TOTE ZEUGEN SINGEN NICHT ein enormes Tempo vor und beglückt den Zuschauer bereits in der Eröffnung mit einer zünftigen Verfolgungsjagd. Zwar weiß man zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht genau, worum es eigentlich geht, der Puls wird nichtsdestotrotz anständig in die Höhe getrieben. Die gebotenen Hetzjagden und Bleigewitter sind allesamt auf der Höhe ihrer Zeit und müssen sich hinter ihren mit mächtig Budget realisierten amerikanischen Pendants wahrlich nicht verstecken. Dazu gesellt sich die bewährte italienische Radikalität, die das Geschehen immer wieder mit kleinen Sadismen würzt (die man aus der damaligen deutschen Kinofassung dann pflichtbewusst auch gleich wieder entfernt hat). So werden auch mal durchaus wertvolle Körperteile entfernt oder Schürhaken effektiv zweckentfremdet, um den Gegner das Fürchten zu lehren.

Ausfälle erlaubt sich TOTE ZEUGEN SINGEN NICHT kaum. Franco Nero kratzt mit seinem Spiel zwar hin und wieder mal an der Grenze zur Übertreibung, aber hier hat man es halt mit großem Kino zu tun, da gehört ein bisschen Theatralik eben auch dazu. Und dass ein Kommissar aus Italien quasi auch mühelos durch Genua und Marseille toben darf, ohne dabei irgendwelche Kompetenzen zu überschreiten, kauft man da ebenfalls gleich mit, zumal die verschiedenen Schauplätze auch für ein angenehmes internationales Flair sorgen. Auch an der Besetzung gibt es nichts zu kritteln. Natürlich wird das Szenario ohne jede Frage von Franco Nero beherrscht (der hier nur zufällig denselben Namen trägt wie in seiner Rolle als zwielichtiger Bulle in DIE KLETTE), aber auch die kleineren Rollen sind wunderbar besetzt. Fernando Rey als pensionierten Paten zu besetzen war eine ebenso raffinierte wie effektive Idee, war seine Darstellung als hassenswerter Antagonist in dem Action-Meilenstein FRENCH CONNECTION damals doch noch allzu gut im Gedächtnis. Und als vielleicht bester Casting-Coup erweist sich James Whitmore [→ DIE VERURTEILTEN], der als Bellis Vorgesetzter Scavio, stets zwischen Pflichtbewusstsein, Furcht und Verzweiflung pendelnd, eine Glanzleistung aufs Parkett legt. Das weibliche Personal hat, wie so oft im italienischen Machokino, eher das Nachsehen und darf keine großen Akzente setzen. Als Kommissar Bellis Freundin sieht man Delia Boccardo [→ DIE KILLERMAFIA], die nicht viel zu tun hat, das dafür aber gut macht, und deren gemeinsamen Nachwuchs gibt die Regisseurstochter Stefania Girolami Goodwin [→ THE RIFFS], die aufgrund ihrer Plietschigkeit (und deutschen Synchronstimme) ein wenig nervig rüberkommt, aber das ist mehr oder minder schnell vorbei.

Summa summarum ist TOTE ZEUGEN SINGEN NICHT ein echtes Brett. Zwar hat man es hier wider Erwarten nicht mit einem amoklaufenden Franco Nero zu tun, sondern eher mit einem, der aus lauter Verzweiflung über seine Impotenz im Angesicht des Verbrechens fast vor die Hunde geht, Freunde ruppiger Action kommen dennoch voll und ganz auf ihre Kosten. Castellari kreierte eine gesunde Mischung aus Gesellschaftskritik und reißerischen Effekten und schafft es somit, gleich mehrere Parteien zufriedenzustellen. Da ist man gern Zeuge.

Laufzeit: 102 Min. / Freigabe: ab 18 

Donnerstag, 9. November 2017

DER MAFIABOSS - SIE TÖTEN WIE SCHAKALE


LA MALA ORDINA
Italien, BRD 1972

Regie:
Fernando Di Leo

Darsteller:
Mario Adorf,
Henry Silva,
Woody Strode,
Adolfo Celi,
Luciana Paluzzi,
Franco Fabrizi,
Femi Benussi,
Peter Berling



"Schieß mir ins Herz und schau mir dabei in die Augen, wenn du der Mann bist, für den ich dich halte!"


Inhalt:

New Yorks Mafia ist vergrätzt: In Mailand ist eine ganze Ladung Heroin verschwunden. Pate Don Vito Tressoldi [Adolfo Celi] präsentiert dafür ziemlich hurtig einen Schuldigen: den kleinen Zuhälter Luca Canali [Mario Adorf]. Infolgedessen heften sich die beiden Killer Frank [Henry Silva] und David [Woody Strode] an die Fersen des vermeintlichen Übeltäters, um diesen fachgerecht über die Klinge springen zu lassen. Der Haken dabei: Canali ist vollkommen unschuldig und hat keine Ahnung, warum er plötzlich auf der Abschussliste steht. Mehr durch Glück denn durch Können kann er den beiden Auftragsmördern zunächst entkommen. Doch als seine Verfolger nicht locker lassen und seine Ex-Frau samt Kind ebenfalls bedrohen, erwacht der Kämpfer in ihm. Mit dem Mut der Verzweifelung versucht er herauszufinden, warum er aus heiterem Himmel ins Fadenkreuz geriet und muss dabei gegen immer mehr Verfolger antreten.

Kritik:

Mit MILANO KALIBER 9 inszenierte sich Fernando Di Leo 1971 in die Herzen vieler Genre-Fans. Das spröde Gangster-Drama über einen aus dem Knast entlassenen Ganoven, der in die Mühlen der Mafia gerät und von da an um seine heile Haut bangen muss, konnte durch großartige Darsteller, stringente Story und konstante Hochspannung Kritik wie Publikum mehrheitlich überzeugen. Im Folgejahr machte Leo sich dann daran, den frisch erworbenen Ruf als Erste-Liga-Regisseur zu verteidigen und lieferte einen weiteren im Mailänder Mafia-Milieu angesiedelten Unterwelt-Reißer ab, der Deutschlands Schauspiel-Ikone Mario Adorf [→ DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER] auf eine gewalt- und actionreiche Tour de Force schickt, die final in einer Orgie aus Blut, Blech und Blei mündet. Um die Pointe vorweg zu nehmen: Trotz inhaltlicher Parallelen muss sich Leos zweite Syndikat-Sause dem Vorgänger geschlagen geben. DER MAFIABOSS – SIE TÖTEN WIE SCHAKALE wirkt stellenweise ähnlich holprig zusammengeschustert wie sein deutscher Titel und läuft zeitweilen ein wenig unrund. Dazu gehören, neben einer oftmals arg sprunghaften Montage, die einen manche Abläufe gar nicht so recht nachvollziehen lässt (was zugegebenermaßen auch an den Handlungskürzungen der deutschen Kinofassung liegen könnte), auch die gelegentlich eingestreuten etwas befremdlichen humoristischen Einlagen, wie z. B. die beschwipste Mutti, die einige Male durch das Bild taumelt und vergessen hat, in welcher Stadt sie sich gerade befindet, oder die mehrmals stattfindenden seltsam sinnlosen Partysequenzen, in denen die Kamera um teils kurios kostümierte Männer und textilbefreite Frauen herumwirbelt.

So wirkt Leos zweiter Streich anfangs ein wenig larifari und man beginnt, die Geradlinigkeit eines MILANO KALIBER 9 schmerzlich zu vermissen, der bereits von Beginn an mächtig steil ging. Später jedoch, wenn die Ereignisse sich langsam, aber sicher zuspitzen und das Netz beginnt, sich um den Protagonisten Luca Canali zuzuziehen, ist dieses Manko schnell vergessen und DER MAFIABOSS wird tatsächlich noch zu dem intensiven, mitreißenden Stück Kino, das man gern schon etwas früher gehabt hätte. Die große Trumpfkarte ist dabei ohne jeden Zweifel dessen Hauptdarsteller, der hier teilweise wahrlich um sein Leben zu spielen scheint. War Mario Adorf im Vorgänger noch selbst der gnadenlose Jäger, so gibt er hier nun den Gejagten und durchleidet im Laufe der gut 90 Minuten so ziemlich jede Gefühlsregung, zu der ein Mensch überhaupt fähig ist. Der zunächst noch recht arglos scheinende Zuhälter, der zwar junge Frauen auf den Strich schickt, ansonsten aber einen ganz knorken Eindruck macht, mutiert im Laufe der schicksalhaften Ereignisse schließlich zur entfesselten Kampfmaschine, zu einem blutdürstenden Berserker, der in unbändiger Wut rennt, kämpft, schießt, auf fahrende Autos springt und deren Windschutzscheiben mit seiner bloßen Stirn zertrümmert, um im Anschluss nochmals weiterzukämpfen. Das Ende dieser schwindelerregenden Dauer-Action-Sequenz ist an Intensität kaum zu überbieten: Nachdem Adorf den verfolgten Missetäter gerichtet hat, bricht er weinend zusammen. Erst jetzt wird ihm so richtig bewusst, dass sein Sieg kein Sieg ist und er alles verloren hat.

Auch, wenn es wie ein Klischee klingt, aber in solchen Momenten vergisst man fast tatsächlich, lediglich einen Schauspieler vor sich zu haben. Adorf scheint wirklich dieses arme Schwein zu sein, dieser in die Enge getriebene kleine Mann, dem alles über den Kopf wächst und der in selbstmörderischem Zorn schier übermenschliche Kräfte entwickelt. Dazu gehört dann auch, dass Canali eben nicht der überlegene und in passend-coolen Posen operierende Superheld ist, sondern hin und wieder auch mal ein wenig albern rüberkommt in seiner hilflosen Kopflosigkeit, die oftmals alles nur noch schlimmer macht. In gewisser Weise gilt das allerdings auch für seine Kontrahenten, bestehend aus dem wahrhaft ungleichen Killer-Duo Frank und David, verkörpert von Henry Silva [→ ZINKSÄRGE FÜR DIE GOLDJUNGEN] und Woody Strode [→ HÜGEL DER BLUTIGEN STIEFEL]. Silva gibt den amüsiersüchtigen Lebemann, der so ziemlich jeden Rock angräbt, der ihm über den Weg läuft, dabei aber meistens schlagfertige Abfuhren kassiert („Sag mal, was machst du überhaupt hier? Zum Rumhüpfen bist du zu alt und zum Aufreißen siehst du zu bescheuert aus.“). Ganz anders als der einsilbige Strode, dem sich das schöne Geschlecht gleich reihenweise an den Hals wirft, der aber gar kein Interesse an irgendetwas anderem als an seinem Auftrag hat und die ganze Zeit aus der Wäsche guckt, als könne er seit Tagen nicht mehr vernünftig kacken. Wie eine ernstzunehmende Bedrohung wirken die beiden dabei freilich nicht und da ihre Bemühungen auch niemals so wirklich vom Erfolg gekrönt sind, fragt man sich schon, ob die Mafia kein geeigneteres Personal hat, um dringende Mordaufträge auszuführen.

Als Mafiaboss (der trotz seiner kleinen Rolle merkwürdigerweise den deutschen Titel stellen durfte) sieht man Adolfo Celi [→ EISKALTE TYPEN AUF HEISSEN ÖFEN], der allerdings nicht wirklich viel zu tun hat und daher auch gar nicht viel verpatzen konnte. Noch fataler traf es freilich die weibliche Belegschaft. Zwar sind mit Luciana Paluzzi [→ MONSTER AUS DEM ALL] oder Femi Benussi [→ DIE ZEIT DER GEIER] durchaus talentierte und gern gesehene Gesichter dabei, die hier drehbuchswegen aber gar keine Chance hatten, sich irgendwie darstellerisch zu profilieren, da es rollenbedingt bereits ausreichte, sich möglichst freizügig zu geben. In einer Nebenrolle erkennt man noch Peter Berling, der später neben Helge Schneider in dadaistischen Kleinoden wie PRAXIS DR. HASENBEIN! auf sich aufmerksam machen konnte.

Wirkt DER MAFIABOSS bisweilen auch etwas stottrig, so passt in den entscheidenden Augenblicken dann doch wieder alles: Wenn Canali nach einem harten Schicksalsschlag wutschnaubend eskaliert oder seine (Ex-)Frau und sein Kind versuchen, sich vor den Killern des Paten in Sicherheit zu bringen und an jeder Ecke das Böse zu lauern scheint, dann nagelt einen das in seiner Intensität in den Sitz. Und Showdowns, die auf Autofriedhöfen stattfinden, sind ja generell auch immer großartig. So kommt Leos schweißtreibende Hetzjagd am Ende trotz allem als eindeutiger Sieger ins Ziel. Ein Jahr später widmete sich der Regisseur mit DER TEUFEL FÜHRT REGIE noch ein weiteres Mal dem harten Mobster-Alltag. Da durfte Henry Silva dann auch endlich mal Erfolg bei den Damen haben.

Laufzeit: 85 Min. / Freigabe: ab 18

Mittwoch, 1. November 2017

IM DUTZEND ZUR HÖLLE


IL CONSIGLIORI
Italien 1973

Regie:
Alberto De Martino

Darsteller:
Tomas Milian,
Martin Balsam,
Francisco Rabal,
Dagmar Lassander,
Nello Pazzafini,
Perla Cristal,
Carlo Tamberlani,
Manuel Zarzo



„Wo du auch bist, es geht überall um das Gleiche, Thomas! Um das Überleben. Dafür kämpfen wir gemeinsam. Sind wir zusammen, können wir uns helfen. Wir sind wie Fischschuppen, die sich gegenseitig decken.“


Inhalt:

Mehrere Jahre saß Thomas Accardo [Tomas Milian] im Gefängnis. Grund: Der findige Anwalt verdingte sich für die Mafia und ist der Patensohn des einflussreichen Don Antonio [Martin Balsam]. Nach seiner Entlassung hat Thomas eine erschreckende Nachricht für seinen Ziehvater: Er will die Organisation verlassen, um mit der hübschen Laura Murchison [Dagmar Lassander] samt Haus und Hof zur Ruhe zu kommen. Don Antonio, der große Stücke auf ihn hält, gestattet ihm seinen Wunsch schließlich, wohl wissend, dass er sich damit in eine prekäre Lage bringt: Ein Ausstieg aus der Mafia, so das ungeschriebene Gesetz, ist eigentlich ausgeschlossen. Sein Konkurrent, der machthungrige Don Vincent Garafalo [Francisco Rabal], nutzt die Gelegenheit, um den mächtigen Paten zu diskreditieren, säht Zwietracht und zettelt einen brutalen Bandenkrieg an, der die Verhältnisse neu ordnen soll. Als auch Thomas klar wird, dass er ohne weiteres keinen Frieden finden wird, verbündet er sich erneut mit Don Antonio – dieses Mal allerdings, um gemeinsam mit den letzten treuen Gefolgsleuten und blank geputztem Waffenarsenal gegen den intriganten Garafalo ins Feld zu ziehen.

Kritik:

Der Kino-Welterfolg DER PATE machte die Mafia 1972 quasi über Nacht zum Popstar und wurde zu einer Art Startschuss für einen ganzen Strauß ähnlicher Gangsterfilme, welche die „ehrenwerte Gesellschaft“ als Basis für ihr oft nicht besonders zimperliches Unterhaltungsprogramm nutzten. Mit der Realität dürfte die oft stark romantisierte Darstellung nie allzu viel am Hut gehabt haben, aber das von Regisseur Francis Ford Coppola auf den Weg geschickte Bild war dermaßen prägend, dass es nachfolgend meist schlicht übernommen wurde. Eine Vielzahl der Epigonen kam - wenig überraschend - aus italienischen Gefilden - zum einen, weil die dortige Filmindustrie zu der Zeit ohnehin auf jeden erfolgversprechenden Zug aufsprang, zum anderen natürlich auch deswegen, weil die Organisation im Stiefelland ihre Wurzeln hat und der Publikumsbezug zur Thematik somit automatisch größer war. Alberto De Martinos IM DUTZEND ZUR HÖLLE, ein Jahr nach Coppolas stilbildendem Epos entstanden, erreicht zwar in keiner Minute dessen erzählerische und inhaltliche Dichte, allerdings ist die Intention dahinter auch eine ganz andere. Drehbuchautor Adriano Bolzoni [→ DIE TODESMINEN VON CANYON CITY] ersann keine auf ausladende Präsentation bedachte Geschichte, sondern konzentrierte sich hauptsächlich, oftmals fast schon kammerspielartig, auf die gegenseitige Beziehung zweier Personen: die des Aussteiger Thomas Accardo und seines Paten Don Antonio.

Dabei dient trotz der italienischen Herkunft der Produktion hier die amerikanische Metropole San Francisco als Hintergrund für einen gewiss nicht sonderlich originell erdachten, doch packend in Szene gesetzten Konflikt, der sich zwar absehbar, aber logisch und folgerichtig nach dem Aktions-Reaktions-Prinzip ablaufend zuspitzt bis zum unausweichlichen Finale, in dem dann reichlich Blei und Blut verspritzt wird. Trotz bisweilen pathetischer Reden wird dabei auf redundante Heldenverklärung verzichtet. Und obwohl man natürlich dazu neigt, sich am ehesten mit den beiden Hauptprotagonisten zu identifizieren, lässt das Drehbuch von Anfang an keinen Zweifel daran, dass auch diese nicht im Kirchenchor singen. Dass die Sympathien dennoch bei Thomas und Don liegen, obwohl sie eigentlich Mitglieder einer grausamen Verbrecherorganisation sind, liegt in erster Linie daran, dass sie wie unschuldige Lämmer wirken, denen die Situation über den Kopf wächst, und dass rund um sie herum noch ein ganzer Bau voller Charaktere existiert, die noch verworfener agieren. Die „Familie“ wird portraitiert als ein von der Außenwelt hermetisch abgeriegelter Kosmos, in dem zwar stets Nettigkeiten ausgetauscht und formelle Höflichkeitsregeln eingehalten werden, in dem jedoch Neid, Missgunst und Machtstreben für den anderen das Todesurteil bedeuten können. Zwar blitzt hin und wieder mal auf, dass auch hinter den Mafia-Mitgliedern menschliche Wesen mit menschlichen Befangenheiten stecken (wie z. B. die Sorge eines Paten um dessen Tochter), aber insgesamt regiert die Skrupellosigkeit. Die Polizei spielt dabei so irgendwie gar keine Rolle. Falls hier mal jemand vorbeiläuft, der eine Dienstuniform spazieren trägt, steht er entweder ebenfalls auf der Gehaltsliste des Syndikats oder er ist ein Rassist, der über „Schlitzaugen“ und „Itaker“ schimpft, aber feige den Schwanz einzieht, wenn man ihm Aug in Aug gegenübertritt.

Das alles folgt vertrauten Mustern und ist weder inhaltlich, noch formal bahnbrechend, fesselt jedoch über die gesamte Laufzeit hinweg. Martino und Bolzoni erschufen mit IM DUTZEND ZUR HÖLLE eine grobschlächtige Großstadt-Fabel, die einen quasi von Beginn an gefangen nimmt. Bereits der atmosphärische Auftakt mit der traumhaften Titelmelodie von Riz Ortolani [→ DAS GEHEIMNIS DER DREI DSCHUNKEN] atmet so viel Flair, dass man den Alltag ganz schnell Alltag sein lässt, um in dieser wildfremden Welt bald vollständig zu versinken. Action macht sich dabei rar. Wenn sie stattfindet, ist sie jedoch effektiv und sorgfältig in Szene gesetzt. Dazu gehören ein paar Schießereien, eine Autojagd und eine radikale Aufräumaktion in einer Fabrikhalle, bei welcher so Einiges zersiebt wird. Ein paar sehr unschöne Todesfälle gibt es gratis dazu; der Mafia grausame Schergen verschonen weder Kind noch Pizzabäcker. Und mittendrin agieren mit Tomas Milian [→ LAUF UM DEIN LEBEN] und Martin Balsam [→ ZWIEBEL-JACK RÄUMT AUF] zwei echte schauspielerische Schwergewichte des italienischen Kinos, sodass auch die darstellerischen Qualitäten stets gewahrt bleiben. Milian, der auch gern mal ein wenig übertrieb, spielt hier ungewohnt reserviert und betreibt sympathisches Understatement, was hervorragend zur Figur des desillusionierten Gangster-Anwaltes passt, während Balsam patriarchalisch und weise ums Eck kommt.

Den Gegenspieler figuriert Francisco Rabal [→ DAS GEHEIMNIS DER VIER KRONJUWELEN] als verschlagenen Neidhammel, der aus purer Eifersucht eine Welle aus Mord und Totschlag ins Rollen bringt. Das weibliche Geschlecht scheint hier indes schlichtweg irrelevant zu sein. Zwar setzt die Liebe zu einer Frau die gewalttätigen Ereignisse erst in Gang, tatsächlich jedoch besitzt diese Rolle Dagmar Lassanders [→ FRAUEN BIS ZUM WAHNSINN GEQUÄLT] eher Symbolwert. Thomas sehnt sich weniger nach ihr als Person, sondern sieht in ihr vielmehr ein Sinnbild für die zu erlangende Freiheit. Sein knapper, herzloser Abschied von ihr, kurz bevor er in die letzte Schlacht zieht, legt das zumindest nahe. Fans der Darstellerin werden daher auch eher enttäuscht sein; die Gute darf gerade mal ein paar Sätze sagen. IM DUTZEND ZUR HÖLLE macht seinem deutschen Titel dann im Finale alle Ehre und endet mit melancholischem Nachklang, der das Publikum bis über das Ende des abermals wunderschön orchestrierten Abspanns hinaus noch begleitet. Martinos Mafia-Mär reißt ganz gewiss keine Bäume aus, gefällt aber als gediegener und überdurchschnittlicher Genre-Beitrag zur Gangsterfilm-Welle der 70er-Jahre.

Laufzeit: 97 Min. / Freigabe: ungeprüft

Montag, 1. Juni 2015

DIE MAFIA MORDET NUR IM SOMMER


LA MAFIA UCCIDE SOLO D'ESTATE
Italien 2013

Regie:
Pierfrancesco Diliberto

Darsteller:
Pierfrancesco Diliberto,
Cristiana Capotondi,
Alex Bisconti,
Ginevra Antona,
Claudio Gioè,
Barbara Tabita,
Rosario Lisma,
Enzo Salomone



Inhalt:

In den 70er Jahren in Palermo geboren und aufgewachsen, ist der junge Arturo quasi von Beginn an umgeben von den Verbrechen der Mafia. Sich von seinen Eltern unverstanden fühlend, ernennt er stattdessen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti zu seinem Idol. Als er sich in seine Schulkameradin Flora verliebt, versucht er mit allen möglichen Mitteln, sie zu beeindrucken – aber stets kommen ihm entweder ein arroganter Nebenbuhler in die Quere oder schicksalhafte Ereignisse, die auf das Konto der Mafia gehen. Der Drang nach besserem Verständnis für die Beziehungen zwischen der Verbrecherorganisation und der Politik seines Landes wird für ihn zu einer Art kleiner Obsession, weswegen er – angestachelt von einem bei ihm in der Nachbarschaft wohnenden Journalisten - zu Block und Stift greift und sich auf kindlich-forsche Art erfolgreich zu namhaften Politikern und Gesetzeshütern durchfragt.

Kritik:

Palermo, die Hauptstadt Siziliens, galt schon immer als Hochburg der Mafia und war damit im Laufe ihrer Geschichte wiederholt Schauplatz brutaler Anschläge und blutiger Exekutionen. In den 80er Jahren tobte zwischen mehreren verfeindeten Clans ein rücksichtsloser Bandenkrieg, der einer Menge Menschen den Tod brachte und die Anzahl noch lebender Mafiosi erheblich schrumpfen ließ. Einer der größten Nutznießer dieser Ereignisse war Totò Riina, der sich im Anschluss die Kontrolle über die Organisation sichern konnte und in dessen Auftrag nun auch vermehrt Staatsdiener aus den Bereichen Justiz, Politik und Polizei ermordet wurden. Als Reaktion darauf wurden die Anstrengungen zur Verbrechensbekämpfung drastisch erhöht, was mehrere offizielle Mafia-Jäger hervorbrachte – die natürlich allesamt auf der Abschussliste standen und deshalb oftmals nicht an Altersschwäche starben. Terror- und Gewaltakte gehörten somit (speziell in den 70er und 80er Jahren) für die Bürger Palermos quasi zum Alltag. Im Jahre 2013 kam der in Italien sehr bekannte und politisch engagierte Satiriker Pierfrancesco Diliberto auf die nicht gerade naheliegende Idee, dieses Thema zum Gegenstand einer ironischen Kino-Komödie zu machen.

Dazu bediente er sich allerdings keines klamauklastigen Holzhammer-Humors, sondern schilderte die Ereignisse stattdessen behutsam und nostalgisch verklärt aus der naiven Sicht eines arglosen Jungen. Arturo, so dessen Name, berichtet als Erwachsener aus dem Off, auf welche Weise das Wirken der Mafia bereits in seinen Jugendjahren immensen Einfluss auf sein Leben und sogar seine Zeugung hatte: Während seine Eltern ihren ehelichen Pflichten nachkommen, richten ein paar Mobster in der Nachbarschaft ein lautstarkes Massaker an. In einer an den Vorspann KUCK MAL, WER DA SPRICHTs erinnernden Animationssequenz wird gezeigt, wie sich fast alle Spermien ob des plötzlich gestiegenen Lärmpegels erschrocken zurückziehen. Nur die, aus der später einmal Arturo entstehen soll, bekommt von alledem nichts mit und gelangt so unbeirrt an und in ihr Ziel. Dermaßen vorbelastet ist es kein Wunder, dass Arturos erstes Wort später nicht 'Mama' oder 'Papa' lautet, sondern 'Mafia'.

Die Idee, das große Trauma Italiens mit unbedarften Kinderaugen zu betrachten, mag zunächst ungewöhnlich erscheinen, ist letztendlich jedoch konsequent: Arturo stellt die Art von Fragen, die Erwachsenen oftmals unbequem sind, die sie in Verlegenheit bringen und denen sie deshalb lieber ausweichen. Die Relevanz der ständig stattfindenden Morde wird unter den Teppich gekehrt, der Einfluss der Mafia kleingeredet, die Existenz der großen Bosse sogar geleugnet. Der Titel passt dazu wie die Faust aufs Auge und ist die Antwort von Arturos Vater auf die Frage, wie hoch die Wahrscheinlichkeit wäre, selbst Opfer eines Anschlags zu werden. Sehr gering sei sie, denn: „Die Mafia mordet nur im Sommer.“ Eine weitere Erklärung für die sich so zahlreich stapelnden Leichen – nämlich die, der Tod treffe nur diejenigen, die sich in jemanden verliebt hätten – leitet über zum zweiten Schwerpunkt der Geschichte, denn Diliberto hüllte das ernste Thema von Mord und Totschlag in den publikumswirksamen Mantel eines Liebesdreiecks, erzählt vor dem Hintergrund einer MY GIRLigen Fabel über das Erwachsenwerden.

Dass diese letztendlich jedoch nur wenig berührt, liegt in erster Linie daran, dass Arturos Angebetete Flora (gewiss versehentlich) reichlich unsympathisch gezeichnet wurde und es daher nicht nachvollziehbar erscheint, warum dessen Herz dermaßen für sie entflammt, dass er selbst Jahrzehnte später immer noch von ihr besessen ist. Denn tatsächlich wird, wenn nach gut 50 Minuten Laufzeit ein Zeitsprung erfolgt und Arturos Geschichte im Erwachsenenalter fortgesetzt wird, das Thema wieder aufgegriffen und in einer nur geringfügig überzeugenden Romantikkomödie zu Ende geführt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt schwindet das Publikumsinteresse vollends, zumal nun auch auf das erfrischend natürliche Spiel der Kinderdarsteller verzichtet werden muss und es Schwierigkeiten bereitet, in den älteren Figuren die jüngeren vom Beginn wiederzuerkennen. Zudem scheint Diliberto hier sein eigentliches Thema aus den Augen verloren zu haben und versteift sich in teils alberne Belanglosigkeiten, die der noch vielversprechenden ersten Hälfte seiner Arbeit nicht mehr gerecht werden.

Thematisch ist DIE MAFIA MORDET NUR IM SOMMER stark auf italienische Befindlichkeiten zugeschnitten. So erscheint nicht nur Arturos Manie für den damaligen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti für das deutsche Publikum ein wenig befremdlich (sein Kostümfest-Auftritt als eben jener ist als Gag zudem misslungen und wirkt eher peinlich berührend), auch die Namen der historischen Persönlichkeiten, denen er im Laufe der Handlung über den Weg läuft, dürften hierzulande überwiegend unbekannt sein. Diliberto verbindet Fakten und Fiktion und vermengt in bewährter FORREST GUMP-Manier dokumentarisches Bildmaterial mit nachgestelltem (in welches er Arturo zum Teil auch integrierte), um den Ereignissen einen realen Anstrich zu geben. Völlig konträr dazu inszenierte er dann jedoch auch wieder Szenen, die eher in eine gewöhnliche Gangsterklamotte passen würden und Mafiaboss Totò Riina als dümmliche Witzfigur präsentieren, die nicht mal mit einer simplen Fernbedienung zurande kommt. Auch die schwarzhumorigen Gespräche der Mafiosi, die nebenbei mal völlig selbstverständlich beschließen, den Vater einer jungen Dame abzumurksen, da deren Eltern dann nicht mehr in Scheidung leben würden und die Frau damit wieder frei wäre für die Ehe, dienen natürlich dazu, die Organisation und ihre Mitglieder lächerlich zu machen, passen aber in ihrer lockeren Art nicht zum ansonsten vorherrschenden Grundton – geschweige denn, zu den authentisch wirkenden Bildern verstümmelter Mafia-Opfer.

Dilibertos eindeutig autobiographisch gefärbtes Debüt ist somit letzten Endes zwar gut gemeint, aber nicht wirklich gut geworden (was es allerdings nicht davon abhielt, 2014 den European Film Award für die beste Komödie abzustauben). 'Coming of Age'-Geschichte, politisches Statement, Gangster- und Liebeskomödie - DIE MAFIA MORDET NUR IM SOMMER möchte alles zugleich sein, bringt seine Zutaten jedoch nicht zufriedenstellend unter einen Hut. Dem Werk mangelt es entschieden an Witz und Spannung, sodass es letztendlich trotz spürbaren Engagements ernüchternd belanglos bleibt – auch wenn einen der unerwartet bewegende Schluss, eine wahrlich aufrichtige Ehrerbietung an alle im Kampf gegen die Mafia Getöteten, dann doch wieder ein wenig versöhnlich stimmen kann.

Laufzeit: 85 Min. / Freigabe: ab 12

Montag, 26. Mai 2014

DIE KILLERMAFIA


LA POLIZIA ACCUSA: IL SERVIZIO SEGRETO UCCIDE
Italien 1975

Regie:
Sergio Martino

Darsteller:
Luc Merenda,
Mel Ferrer,
Delia Boccardo,
Michele Gammino,
Paola Tedesco,
Franco Giornelli,
Gianfranco Barra



Inhalt:

Im Italien der 70er Jahre tobt das Chaos: Eine Mordserie an höhergestellten Persönlichkeiten hält die Polizei in Schach, die Ermittler sind ratlos. Kommissar Solmi [Luc Merenda], extra aus Mailand importiert, soll Licht ins Dunkel bringen. Als die Leiche eines kleinen Erpressers gefunden wird, will er, im Gegensatz zu seinem Vorgesetzten, Staatsanwalt Mannino [Mel Ferrer], nicht so recht glauben, dass tatsächlich eine Prostituierte den Mann getötet hat, auch, wenn alle Indizien dafürsprechen. Als Solmi weiterermittelt, stößt er auf niederschmetternde Gewissheiten: Der Mord an dem Ganoven war nur die Spitze des Eisbergs, eine gigantische Verschwörung reicht bis in höchste Regierungskreise. Zeugen werden beseitigt, Beweismittel vernichtet. Schon bald weiß Solmi nicht mehr, wer Freund und Feind ist. 

Kritik:

Nachdem er 1974 Luc Merenda auf eine HETZJAGD OHNE GNADE geschickt hatte, gönnte Sergio Martino dem Jungen auch im Folgejahr keine Ruhe und ließ DIE KILLERMAFIA auf ihn los. Zwar durfte er dieses Mal auf der Seite des Gesetzes stehen, sein Leben jedoch geriet deswegen nicht weniger in Gefahr. Merenda gehörte zum Stammpersonal des vor allem durch seine Giallo-Wurzeln bekannten Regisseurs und Drehbuchautors Martino, dem es zwar nicht immer, aber doch in hübscher Regelmäßigkeit gelang, seine Arbeiten unter ihrer reinen Unterhaltungsoberfläche in solch ausreichendem Maße zu subtextuieren, dass sie neben der nach simpler Zerstreuung sich sehnenden Masse auch bei der sich dem Intellekt verschriebenen Kritikermeute Anklang finden konnten. LA POLIZIA ACCUSA (='Die Polizei klagt an' [Originaltitel]) reiht sich gewiss gern mit ein in diese Kette, darf zudem gut und gern als Beleg dieser These gelten.

Entstanden 1975, während der Hochphase des Poliziottesco, des italienischen Polizeifilms, der zu dieser Zeit, nicht selten reaktionär angehaucht und hauptsächlich in Reaktion auf den brutalen, von Terrorgefahr beherrschten Alltag des Stiefellandes entstanden, einigen Publikumszuspruch verbuchen konnte, beginnt DIE KILLERMAFIA mit einer regelrechten Tötungsarie und reiht, zunächst ohne jeden erkennbaren dramaturgischen Zusammenhang, Mord an Mord, wenn mehreren hochrangigen politischen Figuren auf nicht gerade sehr zimperliche Art und Weise das Lebenslicht ausgepustet wird. Martinos Giallo-Vergangenheit ist dabei kaum zu übersehen, die Bluttaten geschehen explizit, die (teilweise subjektive) Kamera bleibt nah an den schreckverzerrten Gesichtern. Im Zusammenspiel mit den dazu eingeblendeten Schlagzeilen, dem unruhigen, realistischen Bild und der nüchtern-unprätentiösen Ruppigkeit ergibt sich daraus, trotz durchschaubarer Tricktechnik, ein aufwühlender Dokumentarcharakter, der Stil und Atmosphäre der kommenden 90 Minuten maßgeblich mitbestimmen soll.

Diesem knalligen Auftakt, der mit der Sensationslust des Publikums geschickt zu spielen versteht, folgt die übliche, genretypische Ermittlungsarbeit der Polizei, die, wie man es von ihr nicht anders gewohnt ist, nach allen Regeln der Kunst auf dem Schlauch steht und sich deshalb bald Unterstützung von außerhalb kommen lassen muss. Mit dem Auftauchen Kommissar Solmis, der auf spannend erzählte Weise Hinweise entschlüsselt, Spuren verfolgt und sich (fast selbstverständlich) mit seinem Vorgesetzten anlegt, verschiebt sich der Kontext zwar langsam, aber doch sicher in eine andere Richtung. Befasst sich der Poliziotteschi in seiner Gesamtheit hauptsächlich mit blutigen Kriegen und Intrigen zwischen und im Polizei- und Gangsterapparat, kombiniert Martino die bekannten Zutaten mit den Versatzstücken des politischen Paranoia-Thrillers, welcher das Kino, resultierend aus dem erwachsenden Misstrauen der Bevölkerung gegenüber ihrer Führungskräfte, zu dieser Zeit ebenfalls fest im Griff hatte. Während die USA unter der Regie Sidney Pollaks DIE DREI TAGE DES CONDORS erlebten, verstrickten in Europa Regisseure wie Damiano Damiani [→ DER TERROR FÜHRT REGIE] ihre Protagonisten bereits seit mehreren Jahren in politische Skandalgeschichten mit anklagender Note und pessimistischer Weltsicht. 

DIE KILLERMAFIA übernimmt deren Motiv der permanenten Bedrohung und setzt auf das ohnmächtige Gefühl des ständigen Verfolgungswahns: Solmi merkt bald, dass die Mächte, gegen die er antritt, tatsächlich mächtig sind, sein Feind nicht etwa der kleine Ganove ist, mit dem er es sonst zu tun hat, noch nicht einmal der kaltblütige Mörder, der die ihm befohlenen Taten lediglich ausführt und dabei auch nur ein Rädchen ist im unfassbar großen Gesamtgetriebe, sondern die unsichtbaren Dunkelmänner, die quasi ungestraft im Hintergrund agieren und deren Einfluss und Möglichkeiten jede Vorstellungskraft übersteigen. Obwohl eigentlich ein guter Mann in seinem Job, merkt Solmi, ohne jede Frage die Identifikationsfigur des Publikums, immer mehr, dass er dieser überlebensgroßen Aufgabe nicht gewachsen sein kann. Der Feind scheint jeden seiner Schritte vorauszuahnen, Zeugen werden postwendend beseitigt.

Einem kompetent durchgeführten Belastungstest würde das Drehbuch dabei freilich nicht standhalten: Warum die geheimnisvollen Hintermänner so ziemlich jeden ermorden, der dem Kommissar in irgendeiner Weise hilfreich sein könnte, anstatt ihn kurzerhand einfach selbst über die Klinge springen zu lassen, wird so wirklich plausibel nicht erklärt. Hier kommt halt doch wieder die reine Reißer-Attitüde zum Vorschein, die einfach nur ihr nach Spannung geiferndes Publikum an sich binden möchte. Doch findet DIE KILLERMAFIA eine durchaus passende Balance aus Anspruch und simpler Attraktion, zumal man sich auch in Sachen Action lange Zeit bedeckt hält, um erst im Finale wirklich aufzutrumpfen. Die großkalibrige Attacke einer kampfbereiten Hubschraubergarnison sorgt dann auch für so einige Schauwerte.

Auf eine geschönte Optik wurde verzichtet, die gute wie die böse Seite ist gesäumt mit einem illustren Haufen herrlich hässlicher Hackfressen. Als einzige Ausnahme geht da noch am ehesten Hauptdarsteller Luc Merenda durch, der sein Geld zuvor immerhin als Model verdiente. Dieser macht Robert De Niro zwar niemals ernsthaft Konkurrenz, spielt jedoch solide und hat allein aufgrund seiner Rolle als ehrbarer, doch in hilfloser Verzweiflung gefangener Kommissar die Sympathien auf seiner Seite. Als sein Vorgesetzter agiert Mel Ferrer [→ DER LÄNGSTE TAG], der als unnahbare Persönlichkeit mit aristokratischer Aura zwar einfallslos, allerdings auch treffend besetzt wurde. Der bekannteste Name auf der Besetzungsliste ist Tomas Milian [→ TÖTE, DJANGO], damals völlig zu Recht einer der bekanntesten und beliebtesten Mimen Italiens. Der gebürtige Kubaner war meistens in Hauptrollen zu sehen und bestach dabei nicht selten durch sein extravagantes, wenn nötig auch überkandideltes Schauspiel. In dieser eher kleinen Rolle des Captains Sperling hingegen hält er sich ungewohnt zurück, was einen viel größeren, da authentischen Eindruck hinterlässt.

Die finale Übeltäterenttarnung schließlich wirkt zwar nur wenig überraschend, wurde jedoch, mit vorhergehender Zu-Fuß-Verfolgung über Stock und Stein, ausgezeichnet inszeniert. Der darauf folgende politische Schlagabtausch geriet zwar etwas naiv formuliert, spiegelt die damals in Italien grassierende Angst vor einem Staatsstreich allerdings eindrucksvoll wider. Nicht nur wegen dieses starken Schlussaktes ist DIE KILLERMAFIA eine gelungene Melange aus Polizeikrimi und Politthriller, für die Martino auch seine Wurzeln nicht völlig ignorieren musste: Der mittige Moment, in dem eine junge Frau vor ihren Verfolgern flieht, eine Telefonzelle erreicht und es noch schafft, den Kommissar zu benachrichtigen, bevor sie ebenso unglückselig wie vorhersehbar zu Tode stranguliert wird, erweckt den Eindruck, als hätte man sie direkt aus einem Giallo hineingeschnitten.

Die hiesige Synchronisation des Ganzen liegt die meiste Zeit dermaßen neben der Spur, dass man sie eigentlich eher als Asynchronisation bezeichnen müsste, geriet dazu im Dialog oftmals seltsam steif und bieder – ganz im Gegensatz zum deutschen Titel, der reichlich reißerisch gewählt wurde. Aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Für Freunde spannender Kinounterhaltung mit 70er-Jahre-Charme ist Martino eine kleine wunderbar-ungeschliffene Perle geglückt, gegen die nicht mal die Polizei was sagen kann. 

Laufzeit: 93 Min. / Freigabe: ungeprüft