Eigene Forschungen

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Montag, 21. Juli 2025

SÖLDNERKOMMANDO II


DRAGON FORCE
USA, Hongkong 1982

Regie:
Michael Mak

Darsteller:
Bruce Baron,
Ho Tsung-Tao/Bruce Li,
Mandy Moore,
James Barnett,
Olivia Cheng,
Fong Min,
Randy Channel,
Seon Blake



Trübsal ist nicht alles, was geblasen wird.
[Jack Sargeant hat immer ein passendes Bonmot parat.]

Inhalt:

Wenn jemand schon Jack Sargeant heißt, dann dürfte klar sein, dass dieser jemand seinen Lebensunterhalt nicht durch Blumengießen bestreitet. Das zeigt sich bereits gleich zu Beginn, als die eben so genannte Person ihrem Gegenüber eine hübsche Kette um den Hals legt. Allerdings keine filigrane aus Gold und Geschmeide, sondern ein massives Eisenprodukt, das sich bestens dazu eignet, unliebsame Gestalten in ungeahnte Höhen zu hieven. Tatsächlich nämlich ist Sargeant [Bruce Baron] ein knallharter Killer, der im Auftrag der Regierung halbseidenes Geschmeiß zurück zum Absender schickt. Kaum gönnt er sich nach seinem letzten Einsatz eine Auszeit am Pool, bereitet Vater Staat seinem entspannten Geplänkel auch schon wieder ein jähes Ende. Eine neue Mission liegt bereit: Prinzessin Rawleen [Mandy Moore], Thronfolgerin des fernen Landes Mongrovia (das liegt vermutlich dort, wo die Auerochsen und Ure wohnen), wurde bei einem Staatsbesuch aus dem Domizil ihrer Freundin Elana [Cheng Man-Nga] entführt. Die Spur führt nach Asien, wo der schurkische General Marushka [James Barrett] sie gefangen hält und dazu zwingen will, politische Entscheidungen zu seinen Gunsten zu treffen. Sargeant nimmt Kurs auf Hongkong und trifft dort auf Dai Lung [Ho Tsung-Tao], den Anführer der Dragon Force, so eine Art Kung-Fu-Elite-Einheit, die ihn nach Absolvierung diverser Aufnahmerituale in ihre Reihen aufnimmt. Gemeinsam ziehen sie nun zu Felde gegen den garstigen General, der wiederum seine Ninja-Armee in die Schlacht schickt. Ein explosiver Kampf entbrennt.

Kritik:

DRAGON FORCE ist Bahnhofskino wie aus dem Bilderbuch und vereint in dieser Funktion so ziemlich alle Klischees, die von solch einem billigen Actionbrett erwartet werden darf. Bereits der grobschlächtige Beginn badet regelrecht in stereotypischen Szenen und Situationen, wenn – nach ein paar einleitenden Aufnahmen aus der verschwitzten Muckibude – der schmierige Bruce Baron ein paar Ganoven beim Diamanten-Deal behumst und im Anschluss so lang in der Gegend herum schießt, schlägt, stößt und stranguliert, bis jede Gegenwehr im Keim erstickt ist. In Kombination mit den schäbigen Schauplätzen, dem plumpen Schnitt und nicht zuletzt den saudummen Sprüchen, die dabei – zumindest in der deutschen Fassung – vom Stapel gelassen werden, ergibt das exakt die Art anspruchsloser Bodensatzunterhaltung, die man nach einem anstrengenden Arbeitstag in der Neurochirurgie einfach mal braucht.

Die Handlung ist wenig überraschend alles andere als originell und klingt zu Beginn fast wie aus einem Märchenbuch, wenn die Prinzessin eines Fantasiestaates aus den Gemächern ihres Schlosses (ok, es ist „nur“ so eine Art Herrenhaus) geraubt wird. Verantwortlich dafür sind jedoch nicht etwa geflügelte Ghule oder ähnliche Gestalten, sondern ein paar handelsübliche Ninjas, wie sie in den 1980ern nach Erfolgen wie ENTER THE NINJA an jeder zweiten Kinoecke zu finden waren  zum Glück, denn Ninjas machen fast alles noch ein kleines bisschen geiler. Bei geklauten Königstöchtern muss natürlich ein Fachmann ran, weswegen die Regierung keinen anderen Ausweg sieht, als Bruce Baron (alias Jack Sargeant) einzuschalten, der es sich gerade am Schwimmbecken gut gehen lässt. Hier war eindeutig James Bond die Blaupause – wobei man offensichtlich bestrebt war, das Vorbild noch zu übertreffen. Und wie toppt man eine dieser typischen Szenen, in denen Schwerenöter 007 kurz vor dem nächsten Auftrag mit einer leicht bekleideten Dame herumschäkert? Klar: Man verdoppelt den Weiblichkeitsfaktor und lässt seine Kopie gleich bei zwei Badenixen auf Tuchfühlung gehen. Auffallend attraktive Erscheinungen sind die beiden freilich nicht, aber Bruce Baron sieht ja auch nicht aus wie Sean Connery – eher wie jemand, der vorbeikommt, wenn das Rohr verstopft ist.

Und das Rohr ist verstopft, und zwar gewaltig. Darum geht es für Baron alias Sargeant postwendend nach Hongkong, wo er zunächst einen Kontaktmann treffen muss („Sagen Sie mir die geheime Parole!“ - „Die was? Es gibt keine Parole!“ - „Sehr richtig, das ist die Parole.“). Diese Episode ist eigentlich ziemlich überflüssig, denn weder der kugelsichere Pulli noch das explosive Jojo aus dem Arsenal des chinesischen Q können Sargeant begeistern. Stattdessen erhält er lediglich Informationen über seinen nächsten Ansprechpartner: den Anführer der Kung-Fu-Kampfeinheit Dragon Force, die der Originalfassung zu ihrem Namen verhilft. Dieser wird gespielt von Ho Tsung-Tao und ist Fans des Hongkong-Kinos alles andere als unbekannt, agierte er doch in mehreren Machwerken als Nachahmer und -folger der früh verstorbenen Kampfkunst-Ikone Bruce Lee (wofür er von den Produzenten das alberne Pseudonym Bruce Li verpasst bekam).

Das Erbe Bruce Lees ist nach Ninjas und James Bond dann auch die dritte Zutat, die in den großen DRAGON FORCE-Kopftopf geworfen wurde. Speziell das Finale erinnert massiv an den Durchbruch des Publikumslieblings: den 1973er-Kung-Fu-Kult ENTER THE DRAGON, der bereits zahlreiche Imitatoren beflügelte. Aber bevor die Fronten im attraktiven Insel-Setting geklärt werden, hangelt sich die Nummer ziemlich vergnüglich und im gesunden Tempo von Station zu Station und gefällt dabei durch ihr infantiles Gebaren ebenso wie durch ihr stets eingehaltenes Mindestmaß an Produktionsqualität. Klar, das Ganze ist kostengünstig und wenig ambitioniert in Szene gesetzt. Aber ein paar der späteren Schauplätze sind wirklich schick und die Actionszenen gefallen durch eine kompetente Umsetzung. Spannung im klassischen Sinne kommt freilich niemals auf. Aber langweilig wird es eben auch nicht, wenn Baron am laufenden Band von den skurrilsten Gestalten angegriffen wird, die wie die Perlen an der Schnur ins Szenario gleiten, sei es ein Samurai-Krieger, ein kostümiertes Drachentänzer-Duo oder eine nur scheinbar harmlose Flötenspielerin, die plötzlich ganz andere Töne anschlägt. Realistisch sind die Schlagabtausche natürlich keine Sekunde lang. Vielmehr erinnert das Ganze an eine launige Zirkusvorstellung, wenn fortwährend bunte Ninjas von den Dächern hüpfen, und das meist in praktischen Zweierpacks, weil sie so viel einfacher zu besiegen sind. Der Härtegrad bleibt dabei eher moderat – wohl auch, weil für ausufernde Brutalitäten das Budget fehlte. Und fliegen doch mal abgetrennte Gliedmaßen durch die Gegend, befindet sich die Effektqualität so ungefähr auf Geisterbahnniveau.

Bruce Baron [→ SÖLDNER KENNEN KEINE GNADE] in der Hauptrolle ist so schlecht, dass es schon fast als Karikatur durchgeht. Der in Hongkong aufgewachsene Darsteller machte sich vor allem durch seine Auftritte für Ramsch-Regisseur Godfrey Ho einen Namen. Dieser erwarb in den 1980ern die US-Rechte für zahlreiche asiatische Produktionen und drehte fürs amerikanische Publikum neue Szenen hinzu – oft mit irgendwelchen Hampelmännern, die in billigen Ninja-Kostümen durch die Botanik springen. Auch Baron war mehrmals dabei und mimisch passte er dort auch rein. Den weltmännischen Witwentröster hingegen kauft man ihm keine Sekunde lang ab; seine mit dreckigem Grinsen garnierten Anmachsprüche hätten in der Realität nicht einmal in der Dorfdisco um 5 Uhr morgens Erfolg. Hier hingegen wird er als unwiderstehlicher Charmebolzen verkauft, was immerhin als unfreiwilliger Lacherfolg funktioniert. Deutlich besser schlägt sich (im Wortsinne) Ho Tsung-Tao [→ TAG DER BLUTIGEN RACHE], der richtig Glanz in die Hütte bringt. Großartig besser als der Rest spielt er zwar strenggenommen nicht, aber er besitzt halt echtes Charisma. Zudem hat er körperlich auch wirklich etwas auf dem Kasten, weswegen die Kampfszenen mit ihm richtig was hermachen. Schade ist das frühe Ausscheiden des (fast schon obligatorischen) SHAFT-Verschnitts Max Leon, gespielt von Seon Blake, der als Sicherheitsbeauftragter der Prinzessin erst groß eingeführt, dann aber recht lieblos links liegengelassen wird. Dabei kam der schon ziemlich cool rüber und gern hätte man ihn später als Teil der Truppe gesehen.

Apropos Truppe: Der deutsche Titel forciert unnötigerweise eine Verbindung zum 1982er-Heuler KILL SQUAD, der vom selben Verleih als DAS SÖLDNERKOMMANDO vertrieben wurde. Das ist ziemlich paradox, denn Parallelen existieren weder auf inhaltlicher Ebene noch auf stilistischer. Die einzige Gemeinsamkeit liegt darin, dass beide Werke aufgrund ihres Trommelfeuers an Stereotypen und Stupiditäten reichlich gute Laune verbreiten. DRAGON FORCE ist ein ziemlich blöder, ziemlich bunter und ziemlich temporeicher Trip mit einem Drehbuch, das wirkt, als hätten es zwei 15-Jährige nach ner Runde Alkopops verfasst: Kloppe, Ninjas, nackte Weiber, dazu Missetäter aus der Mottenkiste, Hypnose durch rituelles Akupunktieren und dumme Sprüche, bis der Arzt kommt. Der Oberschurke ist so fett, dass er im Türrahmen steckenbleibt und einen Helikopter am Abheben hindern kann. Und die Ninjas? Die springen wie die Cheerleader übereinander, um Pyramiden zu bilden, und explodieren seltsamerweise, sobald sie besiegt sind. Trotz ihres relativ späten Erscheinungsjahrs ist die Veranstaltung zudem immer noch durchzogen von den wohltuenden Vibrationen der Post-Bruce-Lee-Ära, als sich die Tugenden des Hongkong-Kinos regelmäßig mit denen der amerikanischen Blaxploitation und Crime-Serien kreuzten. Das geht klar!

Laufzeit: 93 Min. / Freigabe: ungeprüft

Montag, 9. Dezember 2024

DER SHOGUN UND SEIN SAMURAI


SANADA YUKIMURA NO BORYAKU
Japan 1979

Regie:
Sadao Nakajima

Darsteller:
Hiroki Matsukata,
Kinnosuke Yorozuya,
Minori Terada,
Teruhiko Aoi,
Hiroyuki Sanada,
Chiezô Kataoka,
Midori Hagio,
Tatsuo Umemiya



Inhalt:

17. Jahrhundert: Nach der Schlacht von Sekigahara ist Fürst Tokogawa Ieyasu [Kinnosuke Yorozuya] der mächtigste Mann Japans. Das von ihm installierte Shōgunat agiert als unantastbare Zentralregierung, der sich alle Fürstentümer unterwerfen müssen. Widerstand gegen die Herrschaft regt sich u. a. im Clan der Toyotomi, der auf Burg Ōsaka residiert. Zu den Vasallen Toyotomis gehört auch die Familie Sanada. Als deren Oberhaupt Masayuki [Chiezô Kataoka] einem Mordanschlag Tokogawas zum Opfer fällt, läuft dessen Sohn Nobuyuki [Tatsuo Umemiya] zu Tokogawa über. Sein Bruder Yukimura [Hiroki Matsukata] jedoch, motiviert auch durch den Freitod seiner Frau Aya [Midori Hagio], strebt nach Vergeltung und rekrutiert aus arbeitslosen Schwertkämpfern und heimatlosen Ninjas eine Gruppe von Rebellen.

Kritik:

SHOGUN ASSASSINS beginnt im Weltraum. Aus allerlei astralen Blitz- und Lichteffekten formiert sich final ein seltsamer, rot glühender Brocken, der kurz darauf Kurs auf die Erde nimmt – genauer gesagt in Richtung von Schloss Nagoya, wo zu diesem Zeitpunkt Fürst Tokogawa Ieyasu verweilt, um sich bei Sushi und Sake von seinen Gefolgsleuten Honig ums Maul schmieren zu lassen. Den Tumult, den das Auftauchen des Himmelskörpers verursacht, nutzt ein vermummter Attentäter, um sich ins Schloss zu schleichen, mit dem Ziel, Tokogawa des Nachts einen Kopf kürzer zu machen – ein Plan, der zu gelingen scheint: Just, als das geheimnisvolle Gestirn auf der Erde aufschlägt, bekommt der schlafende Shōgun die Klinge eines scharfen Schwerts zu spüren. Dessen Besitzer ist Kirigakure Saizō [Minori Terada], einer der Gefolgsleute der vom Fürsten verstoßenen Sanada-Familie, der am Folgetag herausfinden muss, dass er getäuscht wurde und lediglich einen Doppelgänger getötet hat. Tokogawa ist weiterhin Alleinherrscher über Japan und der Kampf geht weiter.

Dieser ungewöhnliche Auftakt, bei dessen ersten Bildern man sich fragt, ob man sich buchstäblich im falschen Film befindet und zufällig bei so etwas wie STERNENKRIEG IM WELTALL gelandet ist, steht exemplarisch für die experimentelle Attitüde des Werks, das nicht nur verschiedene Genres kreuzt, sondern dem Publikum auch eine wilde Mixtur aus historischen Fakten und heißblütiger Fiktion serviert. Denn während Shōgun Tokogawa Ieyasu, sein Widersacher Sanada Yukimura und auch viele andere Figuren tatsächlich existierten, ist der Ninja Kirigakure Saizō eine reine Sagengestalt, die seit Urzeiten in unterschiedlichen Interpretationen durch die japanische Popkultur geistert. SHOGUN ASSASSINS ist am Ende mehr Fantasy als Geschichtsstunde und kokettiert damit auch sehr offenherzig. Regisseur und Co-Autor Sadao Nakajima [→ OKINAWA YAKUZA WAR] webt aus Wahrheit und Folklore die spinnerte Fabel einer Widerstandsgruppe, an deren Spitze der von Rache und Trauer getriebene Samurai Sanada Yukimura steht.

Einer seiner Rekruten ist Sasuke Sarutobi, ebenfalls eine legendäre, vor allem in Mangas und Animes immer wieder gern verwendete fiktive Figur, die für gemeinhin als Superhelden-Ninja beschrieben wird und auch hier tüchtig vom Leder ziehen darf: Sasuke kann Wirbelstürme heraufbeschwören, sich in Feuerbälle verwandeln und durch kreiselartige Drehbewegungen vom Boden abheben, um seine Gegner in der Luft zu verwemsen. Warum er das nicht immer macht, um seiner Truppe zum Sieg zu verhelfen, sondern mit seinen Fähigkeiten unnötig haushält, ist eine offensichtliche Schwäche des Drehbuchs, das man diesbezüglich besser nicht auf Nachvollziehbarkeit abklopft. Im Großen und Ganzen ziehen Sanada und seine Mannen nämlich doch sehr weltlich gegen den Feind zu Felde: mit Kanonen, Schwertern und Sprengstoff. In einem der besten Momente leiten die Rebellen Öl in einen Bach, der am Munitionslager Tokogawas vorbeifließt, um es dann zu entzünden, was in einem visuell aparten Flammenmeer mündet, das zahlreiche Miniaturbauten eindrucksvoll in Mitleidenschaft zieht.

Action-Attraktionen wie diese sind in den satten zweieinhalb Stunden Laufzeit allerdings eher rar gesät. Viel Raum bekommt dafür der Dialog, der Konflikte und Interessen der einzelnen Parteien nachvollziehbar machen soll. Das geht freilich nicht immer ganz so locker runter wie das Öl, das erfolgreich das feindliche Lager infiltriert, sondern gestaltet sich bisweilen etwas zäh, da allein schon die Personaldichte dezent überfordernd wirkt: Unzählige Charaktere werden per Texteinblendung vorgestellt, aber sich zu merken, wer jetzt welchen Namen trägt und welchen Rang er bekleidet, ist schon eine ziemliche Mammutaufgabe. Viele der zwischenmenschlichen Zwiespälte sind zudem eng verwoben mit Epoche und Kultur, was das Begreifen diverser Krisenherde nicht unbedingt erleichtert. Es ist erstaunlich, wie bodenständig und authentisch SHOGUN ASSASSINS dadurch wirkt, zumal überraschend viel auf tatsächlichen Begebenheiten beruht. So unterdrückte der echte Tokogawa Ieyasu mit aller Gewalt das Praktizieren des Christentums, hier portraitiert am Beispiel der koreanischen Christin Julia Ota [Yôko Akino], die ebenfalls wirklich existierte und von Tokugawa ins Exil geschickt wurde. Und wie in der Realität geschehen, findet Tokugawa auch hier einen fadenscheinigen Grund (eine angebliche Beleidigung als Inschrift auf einer Glocke), um die Verbliebenen des Toyotomi-Clans anzugreifen und die Machtverhältnisse zu klären.

Akkurates Historienkino ist SHOGUN ASSASSINS dennoch nicht – und das nicht nur, weil der geschichtlich verbürgte Ausgang der Ereignisse zum Finale ohne Not neu gedichtet wird. Die Historie dient als Basis für eine Vermengung mit Mythologien, Fabeln und Esoterik, wobei der bierernste, bodenständige Duktus niemals verlassen wird. Da können dann auch ohne Probleme mal Ninja-Nonnen das Parkett betreten, ohne dass es auffallend albern wirkt. „Wir wurden Ninja-Nonnen“, erklärt die Mutter Oberin da ganz gewichtig, „die im ganzen Land ihre Körper gegen Informationen verkauften.“ Ja, in der Tat: Es sind Ninja-Nonnen-Nutten! Und dass der Shōgun-Armee halluzinogene Drogen in die Getränke gemischt wurde, woraufhin diese während der Schlacht nen totalen Film schiebt, ist nun ganz gewiss ebenso wenig überliefert wie der Umstand, dass sich der letzte Überlebende am Ende in einen Felsbrocken verwandelt und ins Weltall fliegt.

Wer die deutsche Fassung von SHOGUN ASSASSINS gesehen hat, der reibt sich ob dieser Worte vermutlich verwundert die Augen. Weltall? Drogen? Meteore? Überlänge? Was? Verständlich, denn was in Deutschland als DER SHOGUN UND SEIN SAMURAI ankam, ließ sage und schreibe 70 Minuten Material vermissen. Die Überbleibsel des Ganzen kann man gepflegt in der Pfeife rauchen. In einem Affenzahn wird da von Szene zu Szene gesprungen; die ausführlichen Vorstellungen der einzelnen Widerstandskämpfer, die im Original alle eine einleitende Episode spendiert bekamen, fehlen ebenso, wie jedwede Anspielung auf magische oder esoterische Elemente, wodurch auch fast alle der tollen visuellen Effekte gnadenlos eliminiert wurden. Komplexere Sachverhalte hat man ebenfalls ohne Rücksicht auf Verluste herausgeschnitten und/oder wegsynchronisiert, bis von der ursprünglichen Idee wirklich rein gar nichts mehr übrig war. Da nutzen auch die professionellen Stimmen (wie Elmar Wepper oder Christian Tramitz) nichts mehr. Aus dem experimentellen Epos wurde ein zusammenhangloses Fragment, das das eigentliche Werk nicht einmal mehr erahnen lässt.

Die unangetastete Version hingegen ist fraglos einen Blick wert. Nicht ohne Längen und zwischenzeitlich wohl etwas arg verlabert und schwerfällig erzählt, sticht SHOGUN ASSASSINS aufgrund seiner Verschrobenheit und seines visuellen Einfallsreichtums doch sehr angenehm aus der Masse heraus. Und wer genau aufpasst, erkennt als einen der Ninja-Rebellen den Schauspieler Hiroyuki Sanada, dem später eine beachtliche Hollywood-Karriere zuteilwurde. Interessantes Detail: Gut 45 Jahre später spielte Sanada in der Serie SHOGUN den Fürsten Toranaga – dessen reales Vorbild Tokogawa Ieyasu war. Hiroyuki Sanada jagt hier also quasi sein zukünftiges Selbst. Da ist sie wieder, die Esoterik.

Laufzeit: 148 Min. / Freigabe: ungeprüft

Samstag, 21. Oktober 2023

KAMUI - THE LAST NINJA


KAMUI GAIDEN
Japan 2009

Regie:
Yôichi Sai

Darsteller:
Ken'ichi Matsuyama,
Koyuki,
Kaoru Kobayashi,
Kôichi Satô,
Hideaki Itô,
Sei Ashina,
Ekin Cheng,
Naoyuki Morita



Wenn ein Manga eine Realverfilmung bekommt, ist Empörung prinzipiell vorprogrammiert. Zu unterschiedlich sind beide Medien in Art und Möglichkeit der Darstellung, zu stark in der Regel die Kompromisse in Sachen Story- und Plot-Komprimierung, als dass man als Purist beglückt nach Hause gehen könnte. Auch KAMUI GAIDEN, die Kino-Adaption der gleichnamigen Comic-Reihe, musste daher ein beträchtliches Maß an Missbilligung über sich ergehen lassen – wobei sich ein Großteil der Kritik allein darauf bezog, dass der Film halt nicht die Vorlage ist. Aber reale Menschen sind nun mal keine Zeichnungen und 2 Stunden nicht ausreichend, um den Inhalt von mehr als 20 Bänden unverändert wiederzugeben. Darum betrachtet man KAMUI – THE LAST NINJA, wie die Umsetzung in Deutschland getauft wurde, am besten als eigenständiges Werk und misst es lediglich an sich selbst.

Inhalt:

„Japan im 17. Jahrhundert, zur Zeit der Herrschaft der Tokugawa-Dynastie: In einem armen Dorf erblickt ein Kind das Licht der Welt. Es hört auf den Namen Kamui. In dieser ungerechten Klassengesellschaft wächst er zu einem starken Jungen heran. Kamui hat nur einen einzigen Wunsch: stark genug zu werden, um schließlich als freier Mensch leben zu können. Eines Tages verlässt er sein Dorf und begibt sich auf eine ziellose Reise. Aber wohin er auch kommt: Überall stößt er auf eine große, kalte Mauer. Weil er arm ist, wird er ein Ninja. Und als Ninja strebt er nach Vollkommenheit. Gefangen in den Fesseln der Ninja-Gesetze, ist er gezwungen, Menschen zu töten. So wird er zum Abtrünnigen und steht als Gejagter am Abgrund des Todes. Aber sein eigentlicher Feind sind nicht seine Verfolger mit ihren nicht enden wollenden Angriffen. Es ist sein eigenes Herz, das niemandem trauen kann. So bleibt ihm nichts weiter, als auf der Flucht zu sein. Um zu überleben.“

So erklärt es zu Beginn ein Erzähler auf dem Off in weniger als 2 Minuten, zunächst noch begleitet von Zeichnungen der Vorlage, die allerdings alsbald in die reale, gefilmte Variante übergleiten. Und diese Bilder können sich durchaus sehen lassen: Dreckig, erdig und gelbstichig beginnt die Erzählung im schicken Italo-Western-Retro-Look und das auch gleich mit zünftigem Kampfgetümmel inklusive gekreuzter Klingen, fliegender Ketten und garstiger Wurfgeschosse. Es ist der Freiheitskampf Sugarus, einer jungen Frau, die ebenfalls aus der Ninja-Gemeinschaft austreten möchte und dafür nun mit dem Leben bezahlen soll. Titelheld Kamui wird, noch im Kindesalter, Zeuge dieses Gefechtes und muss miterleben, wie Sugaru schließlich über die Klippen in ihren scheinbaren Tod stürzt. Viele Jahre später, als junger Erwachsener und inzwischen selbst auf der Flucht vor den Vollstreckern der Ninja, wird er sie in einem Küstenstädtchen wiedertreffen – als Gemahlin des exzentrischen, doch herzensguten Fischers Hanbei.

Aus diesem unverhofften Wiedersehen schöpft KAMUI den Löwenanteil seiner Spannung, birgt die Begegnung doch einiges an Konfliktpotential. Denn Sugaru, der es gelang, ihrer Vergangenheit zu entfliehen und sich ein neues Leben aufzubauen, misstraut dem Neuankömmling, da ein Verrat ihren Tod bedeuten könnte. Aber auch Kamui selbst muss seinen Ninja-Hintergrund bestmöglich geheim halten, weil ein unbedachtes Wort gegenüber falschen Leuten ihn ebenfalls in Gefahr brächte. Es ist ein Leben in Angst und Paranoia, das beide führen, geprägt von gegenseitigem Misstrauen und vorsichtiger Annäherung. Die Integrierung Kamuis in die Dorfgemeinschaft führt zudem zu weiterem Missmut, als Hanbeis Tochter ein eindeutiges Auge auf den attraktiven Neuzugang wirft, was einen zwielichtigen Nebenbuhler, der nun seine Felle davonschwimmen sieht, arg erzürnt und zum Risiko werden lässt. Und nicht zuletzt steht auch Hanbei selbst auf der Abschussliste, da er das Pferd eines Fürsten getötet hat, der sich seinen Verlust nun in Blut auszahlen lassen möchte und dafür seine skrupellosen Schergen ausgesandt hat.

Kritik:

Diese zwischenmenschlichen Wechselspiele dominieren weite Strecken der Handlung, weswegen sich Action-Junkies trotz gelegentlich stattfindender, eher kurzgehaltener kriegerischer Auseinandersetzungen durchaus langweilen könnten. Angezogen wird das Tempo wieder, als ca. zur Halbzeit ominöse Hai-Jäger das Szenario betreten, die für einige abstruse Momente sorgen, wenn sie aus dem Meer hervorschnellende Kiefermäuler noch während des Sprungvorganges fachgerecht filetieren. Das Auftauchen dieser neuen Figuren passiert recht unvermittelt und lenkt das Geschehen in neue Bahnen, die kaum Bezug zu den vorherigen Ereignissen besitzen. Dramaturgisch wirkt das etwas unausgegoren und erweckt ein wenig den Anschein, es mit dem Zusammenschnitt eines Mehrteilers zu tun zu haben. Einerseits schimmert hier natürlich der Serien-Charakter der Vorlage durch. Andererseits ist hier auch auf stilistischer Ebene ein Bruch bemerkbar, passt diese absurde Praxis der Raubfisch-Massakrierung doch eher in ein komödiantisch angehauchtes Szenario. KAMUI gebärdet sich allerdings überwiegend bierernst und von bleierner Schwermut geprägt. Und obwohl rechtschaffende Historiker gewiss Anfälle bekommen, wirkt die Darstellung der Edo-Zeit überwiegend echt und nahbar, was bisweilen sogar an die Samurai-Epen Akira Kurosawas erinnert.

Natürlich haben die Ninjas dementsprechend auch nichts mit den meist in schwarze Roben gehüllten Killer-Akrobaten zu tun, die Regisseure wie Sam Firstenberg oder gar Godfrey Ho in Heulern namens AMERICAN NINJA oder NINJA TERMINATOR auf die Menschheit losließen. Die hier porträtierte Mörderbande ist eine doch recht gewöhnlich gekleidete, dabei aber reichlich ruchlose Gemeinschaft, die überwiegend damit beschäftigt zu sein scheint, sich gegenseitig zu jagen und ans Messer zu liefern. Obwohl bei den daraus resultierenden gewaltsamen Zusammenstößen auch mal die eine oder andere Extremität durch die Gegend fliegt, ist der Härtegrad zumindest in visueller Hinsicht eher moderat. Inhaltlich ist die Geschichte allerdings von beträchtlicher Brutalität. Denn auch vor Sympathiefiguren wird nicht Halt gemacht, sodass im Zweifelsfalle auch mal der eine oder andere liebgewonnene Charakter über die Klinge springen darf. Diese Konsequenz hebt KAMUI durchaus vom Gros der Konkurrenz ab. Etwas störend wirken hingegen die teils verblüffend schlechten Effekte, die dem Authentizitätsgefühl abträglich sind, sei es im Schlachtgewühl oder bei Flucht und Flug von Mensch und Tier.

Als unvorteilhaft erweist sich außerdem, dass der neutrale Erzähler, der einen zu Beginn noch so erkenntnisreich in die vorhandenen Verhältnisse einweihte, im weiteren Verlauf nie so wirklich Ruhe gibt und zwischendurch immer mal wieder laufende Sequenzen kommentiert. Sätze wie „Das azurblaue Meer und der unendlich sorglose Hanbei berührten Kamuis Herz tief“, wirken reichlich sinnlos und verführen in erster Linie zum genervten Augenrollen. Vollends überzeugen kann hingegen Hauptdarsteller Ken'ichi Matsuyama [→ DEATH NOTE] als Kamui. Dem damals 24-Jährigen nimmt man die Gratwanderung zwischen sensibler Seele und potentieller Killermaschine mühelos ab. Mag KAMUI innerhalb seiner Schauspiel-Vita eher unbedeutend sein, privat lohnte sich sein Auftritt auf jeden Fall: 2 Jahre später gaben er und seine Leinwand-Partnerin Koyugi [→ LAST SAMURAI] sich das Ja-Wort. Fans des Hongkong-Kinos erspähen in einer Nebenrolle außerdem den chinesischen Star Ekin Cheng [→ DIE SÖHNE DES GENERALS YANG]. Wie der sich in eine japanische Manga-Verfilmung verirrt hat, obwohl seine Rolle ebenfalls japanisch ist, ist eine gute Frage, aber der charismatische Mime ist immer gern gesehen.

Für Regisseur Yôichi Sai [→ ART OF REVENGE] blieb dies das letzte Werk, bevor er im November 2022 verstarb. Begeisterungsstürme löst die eher gemächlich erzählte Selbstfindungsgeschichte zwar nicht aus, aber die überwiegend verhaltenen bis sogar negativen Rezensionen verwundern dann doch. KAMUI besticht durch seine sorgfältige Inszenierung und den Aufwand in Sachen Kostüm und Kulisse, durch den eine glaubwürdige, greifbare Welt entsteht. Das betrifft vor allem die Szenen im Dorf, denen viel Zeit gewidmet wird und die eine gehörige Portion zwischenmenschliche Spannung entstehen lassen. Die Bilder atmen stets großes Kino, sei es staubig-erdig an Land oder knallig-blau auf hoher See. Dramaturgische Schwächen sind vorhanden und gelegentliche Stil- und Richtungswechsel irritieren, aber unterm Strich wurde hier deutlich mehr richtig als falsch gemacht. Die neutrale Erzählerstimme würde sich jetzt vermutlich zu Wort melden und so etwas sagen wie: „Die prachtvollen Tableaus und die spürbare Energie aller Beteiligten berührten den Rezensenten tief.“ Und damit hätte sie recht.

Laufzeit: 120 Min. / Freigabe: ab 16 

Samstag, 26. Januar 2019

COMMANDO NINJA


COMMANDO NINJA
Frankreich 2018

Regie:
Benjamin Combes

Darsteller:
Eric Carlesi,
Philippe Allier,
Stéphane Asensio,
Olivier Dobremel,
Thémann Fagour,
Cécile Fargues,
Thyra Hann Phonephet,
Charlotte Poncin



„Seine Handlanger sind Ninjas.“ - „Verdammt, schon wieder diese Wichser!“


Inhalt:

Seine Tage als wilder Kämpfer hat John Hunter [Eric Carlesi] nach Ende des Vietnamkrieges hinter sich gelassen. Nun lebt er friedlich in einer abgeschiedenen Hütte in den Wäldern Kanadas, zerhackt Baumstämme per Schwerthieb und lässt den Lieben Gott nen guten Mann sein. Mit der Ruhe ist es jedoch schlagartig vorbei, als sein alter Kriegskumpan Leeroy Hopkins [Philippe Allier] bei ihm auf dem Rasen steht und sowohl eine gute als auch eine schlechte Nachricht überbringt. Die gute: Johns Ex-Frau wurde kalt gemacht. Die schlechte: Der Killer hat außerdem auch Johns kleine Tochter entführt. Ob dieser Information schaltet der beinharte Ex-Soldat umgehend wieder in den Kampfmodus und heftet sich ohne großen Federlesens an die Fersen des Drahtziehers der ganzen Angelegenheit – die des ruchlosen Waffendealers Oleg Kinsky [Olivier Dobremel]. Dieser haust auf seinem Anwesen in Zentralamerika und lässt sich Leib und Leben durch eine ganze Horde Ninjas schützen. Gottlob besinnt sich John seiner Tage in Kriegsgefangenschaft, als er von Colonel Yin [Thyra Hann Phonephet] in die Geheimnisse der Ninja-Kampfkunst eingeweiht wurde. Derart geschult richtet John unter Olegs Mannen ein zünftiges Blutbad an, das kaum einer an einem Stück überlebt. Bevor er jedoch seine Tochter wieder in die muskulösen Arme schließen kann, muss er sich noch einem viel stärkeren Gegner stellen: einem mysteriösen Super-Ninja, der sich bei Bedarf unsichtbar machen kann und scheinbar übernatürliche Kräfte besitzt.

Kritik:

Wer nicht genau hinsieht, der könnte den Gag glatt verpassen. Das schweiß- und blutgetränkte Brutalo-Opus COMMANDO NINJA scheint nämlich auf den ersten Blick unverkennbar dem tiefsten 80er-Jahre-Sumpf entsprungen und somit Kind einer Zeit zu sein, in welcher Arnold Schwarzenegger der ungekrönte Action-König war und raubeinige Leinwand-Helden Konflikte noch mit gezückter Panzerfaust aus der Welt schafften. Tatsächlich aber entstand dieser so altmodisch anmutende cineastische Amoklauf erst 2018, nachdem der bis dahin in Sachen Regie fast unbefleckte Franzose Benjamin Combes beschlossen hatte, dass es an der Zeit sei für eine Ehrerbietung an das zum Teil hemmungslos beknackte Krawall-Kino vergangener Tage. Mittels einer Handvoll Euro und viel Wochenendfreizeit entstand so eine zunächst 45-minütige Retro-Sause, die dem Initiator aber immer noch nicht ausreichte. Mit dem bereits vorhandenen Material als respektable Visitenkarte warb er daher online bei Fans und Freunden in aller Welt um weitere Gelder und brachte auf diese Weise genug Barschaft zusammen, um den Otto dann doch noch so richtig von der Kette lassen zu können. Zwar dauert die finale Version letzten Endes dann doch nur etwas länger als eine Stunde, aber die hat es dafür auch in sich. Denn für Action-Fanatiker der alten Schule ist COMMANDO NINJA nicht weniger als ein kleines Fest.

Fast wirkt es, als habe man tatsächlich beim Ausschlachten einer antiken Videothek die verstaubte VHS-Kassette eines längst vergessenen B-Krachers entdeckt, der jahrzehntelang vor sich hinmoderte, um erst Dekaden später wieder ein Publikum beglücken zu dürfen. Dabei sind es entgegen dem Titel gar nicht so sehr die unzähligen Ninja-Heuler, die hier genussvoll durch den Nostalgie-Fleischwolf gedreht werden. Die erste Hälfte orientiert sich stattdessen primär an Arnold Schwarzeneggers tollkühner Tochter-Rettungsaktion aus PHANTOM-KOMMANDO. Das verwundert kaum, gilt Mark L. Lesters ruppiger Gassenhauer doch quasi als eine Art Prototyp des doof-lustigen 80er-Jahre-Spektakels. Der überwiegende Rest COMMANDO NINJAs zollt dann dem philippinischen Vietnam-Vehikel Tribut und lässt angestrengt cool dreinglotzende Mega-Machos in Kampfmontur und mit lässig ins Gesicht gesteckter Zigarre durch sumpfige Dschungellandschaften stapfen, um sich mit plötzlich aus dem Gesträuch springenden Unholden fetzige Feuergefechte zu liefern (wobei auch durchaus mal ein Arm verlustig geht – was den Angeschossenen natürlich nicht davon abhält, weiterhin wild blutend um sich zu ballern).

Die Anzahl der (vor allem visuellen) Zitate ist dabei enorm hoch. Bereits nach wenigen Sekunden wähnt man sich beim PREDATOR (ebenfalls mit Arnold Schwarzenegger), wenn die durch das Dickicht schleichenden Soldaten visuell entfremdet aus der Sicht eines schnaufenden Untiers präsentiert werden. Die unvermeidliche Trainingsmontage zur Halbzeit gemahnt überdeutlich an Jean-Claude van Dammes Blutgrätschen-Blockbuster BLOODSPORT und KICKBOXER. Und natürlich bekommt bei einer Publikation diesen Titels auch Trash-Ikone Godfrey Ho, der für die zweifelsfrei schrottigsten Ninja-Streifen der Geschichte verantwortlich war, sein Fett weg: So telefoniert der Oberschurke mit dem legendären Garfield-Telefon aus NINJA TERMINATOR, einer der feindlichen Ninjas trägt den markanten Schnauzbart von Hos Lieblings-Darsteller Richard Harrison spazieren, und als Hauptprotagonist John Hunter einen seiner Feinde per Raketenbeschuss zur Hölle schickt, verwandelt sich dieser kurz vor der Explosion in einen notdürftig behangenen Kleiderständer, so wie es bereits bei Hos zusammengestümpertem Kokolores-Knaller ROBO VAMPIRE der Fall war.

Gigantische Bizepse, knackige Frauenkörper, Gegner, die dem Helden bereitwillig ins Feuer laufen und sich brav der Reihe nach aufstellen, um erschossen werden … Mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit gelingt es Autor und Regisseur Combes, Stil und Stimmung früherer Zeiten zu imitieren, ohne dabei plump oder anbiedernd zu wirken. Das funktioniert deswegen so gut, weil sich seine Hommage nicht etwa über die Originale erhebt, sondern sie schlicht und ergreifend einfach feiert. Combes hat erkannt, dass es unsinnig wäre, sich über die Vorlagen lustig zu machen, da sich diese mit ihren schlechten Effekten und teils sagenhaft dummen Sprüchen stets selbst schon gefährlich nah an der Selbstpersiflage bewegten. Natürlich lacht man, wenn John Hunter einen einzigen Wurfstern schleudert und damit gleich zwei (weit voneinander entfernt stehende) Gegner auf einmal in die ewigen Jagdgründe schickt oder sich ein von Kugeln durchsiebter Kontrahent beim Sturz vom Dach urplötzlich und gut sichtbar in eine stocksteife Schaufensterpuppe verwandelt. Aber ist diese Komik eben einfach das Resultat einer nahezu perfekten Reproduktion. Combes übertreibt es lediglich dezent an den richtigen Stellen und inszeniert den Rest überraschend konventionell, was zur Folge hat, dass COMMANDO NINJA über weite Strecken nicht einmal so wirkt, als sei er dem Genre der Komödie zugehörig. Auch darum wirken Dinge wie die sonderbar-sinnlose Sequenz, in welcher die Helden im Dschungel von Laos „kommunistische Raptoren“ jagen, oder der noch kurz vor Schluss eingeführte Science-Fiction-Einschlag nicht nur fehl am Platze, sondern sogar regelrecht ein bisschen ärgerlich.

Die Gewaltdarstellung ist zwar extrem, aber immer deutlich sichtbar als billiger Jahrmarktstrick zu entlarven, und die aus dem japanischen Kino entliehenen Blutfontänen verführen auch eher zum Lach- denn zum Herzanfall. Digitale Unterstützung holte sich Combes nur im Ausnahmefall und für Sekundenbruchteile; die Mehrheit der Effekte entstand in Handarbeit. Interessant ist der Umstand, dass die Ereignisse COMMANDO NINJAs in einem Kosmos stattfinden, in dem das Kino-Kollegium tatsächlich existiert. So hängen im Zimmer von Johns Tochter u. a. Plakate von RAMBO oder AMERICAN NINJA, während im Videorekorder der Mama ein Bodybuilding-Video mit Arnold Schwarzenegger läuft. In visueller Hinsicht setzt Combes, wie viele seine Mitstreiter in Sachen Nostalgie-Kino, auf einen nachträglichen Filter, der Materialschäden anhand von Bildfehlern, Farbverfälschungen und Gerumpel bei Szenenwechseln vorgaukelt. Allerdings dient diese Masche hier nicht etwa dazu, einen hässlichen Digitallook zu kaschieren, wie es andernorts oft der Fall ist – gedreht wurde ganz klassisch auf echtem Film, und das sieht man auch.

Das anfängliche Tempo kann COMMANDO NINJA freilich nicht bis zum Finale halten. Sein bestes Pulver hat das Werk bereits nach 30 Minuten verschossen (im Wortsinn, versteht sich). Vieles von dem, was danach noch kommt, ist lediglich Makulatur. Besonders der Showdown ist im Vergleich doch etwas sehr lasch geraten (bietet aber immerhin ein schönes Kiesgruben-Setting, um abschließend auch noch dem italienischen Endzeitfilm seine Ehre zu erweisen). Am Ende muss man zudem konstatieren, dass das ein oder andere Zitat dann doch etwas zu viel des Guten war – eine KEVIN – ALLEIN ZU HAUS-Karikatur hätte es nun wahrlich nicht gebraucht. Macht aber alles nix, denn die herrlich hirnlose Kirmes verbreitet dennoch sagenhaft gute Laune. COMMANDO NINJA ist ein Triumph und zugleich ehrfurchtgebietendes Anschauungsobjekt dafür, wie man ungeachtet bescheidener Finanzen mit viel Enthusiasmus und Leidenschaft Großartiges erschaffen kann. Man muss schon eine ausgemachte Miesmuschel sein, um bei dieser Parade aus Machismus, Sexismus und selbstzweckhafter Brutalität nicht zumindest ein kleines Glücksgefühl zu entwickeln. Ob die deutsche Sprachfassung deswegen so steif geriet, um abermals an alte Zeiten zu gemahnen, als man der Flut an über die Videotheken hereinbrechenden VHS-Premieren oft nur mit eilig ins Mikro gekübelten Spar-Synchronisationen Herr werden konnte, ist zwar nicht überliefert, allerdings fügt sich auch das wunderbar ins Gesamtkonzept. „Ninjaaaaaas!!! Feueeeeeeeeer!!!!“

Laufzeit: 68 Min. / Freigabe: ungeprüft

Freitag, 29. Mai 2015

NINJA CONDORS


NINJA CONDORS
Hongkong, USA 1987

Regie:
James Wu

Darsteller:
Alexander Lou,
Stuart Hugh,
Timothy Johnson,
Richard Phillips,
Edward Douglas,
Mary Johnson,
Mick Murray,
Jay Forster



Der Vorspann läuft gerade mal acht Sekunden und schon schwant einem Übles: 'Filmark International' steht da in weißer Schrift auf überwiegend weißem Grund, gefolgt von 'A Tomas Tang Production'. Trash-Freunde vom Fach wissen natürlich, was diese Drohung zu bedeuten hat: Tangs Studio 'Filmark' produzierte überwiegend hochgradig schundige Flickwerke, die aus dem Material von meistens zwei anderen Billigheimern zusammengeschustert waren. Durch neugedrehte Szenen (in denen zwecks besserer Vermarktungsmöglichkeiten meistens Ninjas vorkamen) versuchte man, die unterschiedlichen Handlungsstränge miteinander zu verbinden und per Nachsynchronisation dem Ergebnis dann irgendwie Sinn und Verstand einzuhauchen. Meistens geschah das unter der Federführung von Regisseur Godfrey Ho, der auf diese Weise – fast ohne jeden Aufwand – ganze Wagenladungen an Action-Ramsch fabrizierte und die Videotheken damit regelrecht überflutete.

Doch die Überraschung ist groß: NINJA CONDORS entpuppt sich tatsächlich als eigenständiges Produkt, das ausnahmsweise mal nicht aus fremden Quellen zusammengeklaubt wurde. Für Freunde tiefergelegten Schrott-Entertainments ist das jedoch kein größerer Grund zur Trauer, denn obwohl hier in Sachen Qualität schon fast die Speerspitze der unerschütterlichen Schuster-Schmiede erreicht wurde, geht es doch schäbig zu wie eh und je. Vorhang auf für 90 Minuten kurzweiligen Krawall-Käse vom Feinsten!


Inhalt:

Vorspann. Ninjas springen mit lautem Geschrei durchs Bild, machen Gymnastik, fuchteln mit Schwertern und schleudern Wurfsterne und Handgranaten auf Schaufensterpuppen. Ein schönes Hobby! Als Titel wird dazu übrigens „NINJA, CONDORS“ eingeblendet. Zeichensetzung, komisch.

Schnitt. Ein Auto pest durch karge Landschaften. Drinnen sitzt ein Mann am Steuer, neben ihm sein Sohn, der sich immer wieder sorgenvoll umblickt. Ein Schuss kracht, der Wagen bleibt liegen, Vater und Sohn flüchten zu Fuß weiter. Nützt aber nichts: Unholde auf Motorrädern greifen an, fangen Vati mit dem Lasso ein und schleppen ihn unsanft ab. Der Sohn steht da und guckt doof. Und als hätte das nicht schon gereicht, wird der Abgeschleppte nun auch noch zwischen vier Maschinen gespannt und fachgerecht zerlegt. Plötzlich stolpern ein paar Polizisten um die Ecke, was den Bikern eine Heidenangst einzujagen scheint, da sie umgehend die Kurve kratzen. Für den frisch Geteilten kommt das natürlich alles ein paar Augenblicke zu spät. Während die Uniformierten die flüchtenden Täter zu Fuß verfolgen, gesellt sich der Einsatzleiter zu dem Jungen und fragt sorgenvoll: „Junge, geht es dir gut?“ Das ist zweifellos eine ziemlich blöde Frage, wenn man gerade die Filettierung seines eigenen Erzeugers miterleben musste.
 
Schnitt. Ein junger und ein älterer Mann in schlecht sitzendem Anzug stehen auf einem Felsplateau. Der ältere deutet bedeutungsschwanger nach unten und erklärt: „Diese Männer dort unten, die haben deinen Vater getötet.“ Was? Moment mal! Wurde etwa noch ein Vater getötet? Oder ist der junge Mann womöglich der große Bruder von dem kleinen Jungen? Es dauert ein wenig, bis man begreift, dass zwischen dieser Szene und der letzten so ungefähr 20 Jahre liegen sollen und der junge Mann identisch ist mit dem kleinen Kind von eben. Ist aber auch nicht einfach zu begreifen, denn die schicksalsträchtige Hintergrundmusik läuft stur weiter, als sei nichts geschehen, es gibt keine Einblendung, keine Überleitung, kein Garnichts.

Nachdem der nun gar nicht mehr so kleine Junge (Brian mit Namen) erfahren hat, wem er seine Vaterlosigkeit (wo ist eigentlich die Mutter?) verdankt, tut er das, was jeder an seiner Stelle tun würde: Er zieht sich seine (weißen) Ninja-Klamotten an und lauert den Bösewichtern auf, die es anscheinend inzwischen zu einigem Reichtum gebracht haben: Die Motorräder wurden gegen eine Limousine getauscht und als Behausung dient eine dicke Villa, die natürlich streng bewacht wird. Aber so etwas hält doch einen Ninja nicht auf: Im Handumdrehen sind die Widersacher, unter Zuhilfenahme solch nützlicher Utensilien wie Schlinge, Schwert und Blasrohr, beseitigt.

Ein Erfolg, der gefeiert werden muss! Brians Boss (eben jener, der kurz zuvor noch neben ihm auf dem Felsen stand und den wenig subtilen Namen 'Lucifer' trägt) lädt ihn und jede Menge weiterer Wurstgesichter zum großen Champagnerschlabbern ein. Dabei ist er für seinen Schützling voll des Lobes: „White Eagle", - so Brians Ninja-Name - , „das hast du gut gemacht! Ich möchte, dass ihr alle seinem Beispiel folgt. Wir haben in den letzten Jahren hart gearbeitet. Meine Organisation ist klein, aber unser Einfluss ist groß – und wird immer größer. Wir werden gefürchtet. Auf diesen Erfolg müssen wir anstoßen.“ Die anderen heben zustimmend ihr Glas, würgen den Champagner runter und machen dabei Geräusche, als käme ihnen gerade die Kotze hoch. Doch bevor es so weit kommt, erinnert Lucifer daran, dass es noch einen großen Feind zu besiegen gilt: Tissiano (oder so ähnlich).

Von einer Sekunde auf die nächste befindet man sich plötzlich in einem unbekannten Parkhaus, um sich mit besagtem Herren zu treffen. Dieser schält sich gerade aus seinem protzigen Herrenbeschleuniger und ist eine wahrlich impotente Erscheinung, mehr Hackbraten als Mensch, mit von Bud Spencer geklauter Gesichtsmatratze, dicker Havanna zwischen den Schwulstlippen und so böse, dass er seine Pornobrille sogar unter Tage aufbehält. Er und Lucifer tauschen ein paar Höflichkeiten aus, wobei letzterer durchblicken lässt, dass Pissiano den nächsten Bus gefälligst nicht verpassen und ihm die Stadt überlassen soll. Als dieser sich weigert, räumen Lucifers Mannen unter seinen Leibwächtern auf (wobei White Eagle mal wieder die höchste Trefferquote erzielt), bevor Schissiano am Ende selbst die Segel streichen muss. Ende Gelände, aus die Maus!

Schnitt. Ein paar Nulpen hocken im Klassenzimmer und spielen BREAKFAST CLUB. So sieht es zumindest aus. Aber schnell wird klar, dass die Männer nicht nachsitzen, sondern die Veranstaltung eine polizeiliche Einsatzbesprechung darstellen soll. Unter den Beamten befindet sich auch der Typ, der am Beginn den armen kleinen Brian angesichts seines vor ihm liegenden zerfetzten Vaters gefragt hat, ob es ihm denn auch gut ginge (seltsamerweise ist er seitdem keinen Tag gealtert, obwohl Brian mittlerweile schon Alkohol kaufen darf). Der Einsatzleiter (man erkennt ihn an dem Telefon auf seinem Tisch) wundert sich über die vielen Leichen im Parkhaus und fragt seine Männer, ob sie vielleicht nen Dunst hätten, wer dafür verantwortlich sein könnte. Niemand weiß Rat, nur besagter Jungbrunnenbesitzer hat seine Hausaufgaben gemacht und ist sich sicher, dass es eine „Killer-Maschine“ sein muss. Der Telefonmann beschließt, dass eine Spezialeinheit von Nöten ist. Das jedoch findet Mr. Forever-Young nicht so gut, denn eigentlich sei die Sache sein Fall und er hätte bereits irgendwie und irgendwo einen Informanten eingeschleust. Der Chief tobt, gibt ihm aber noch drei Tage.

Zurück zu Brian: Den plagen inzwischen Gewissensbisse, denn sein Boss, das fällt ihm jetzt plötzlich auf, ist doch sehr gemein und lässt manchmal sogar Kinder töten. Als Brian sich deswegen dezent beschwert, klärt Cheffe ihn auf: „Brian, du bist ein Ninja. Lass nicht zu, dass deine Gefühle über deine Loyalität triumphieren.“ Dennoch kommt Eagle nicht zur Ruhe. Quartzend liegt er im Bett und macht sich Sorgen, seine Herzdame im Arm. Diese ist nicht dumm, errät seinen Kummer und schlägt vor, zu fliehen und eine Familie zu gründen. Doch Brian wigelt ab: Unmöglich, meint er, und murmelt in sich hinein: „Meister!“ Hoppla, nen Meister gibt’s auch noch? Gut, kam zwar bisher nie vor, aber das muss ja nichts Schlechtes sein.


Das Telefon klingelt. Brians Freundin hebt ab. Der Mann am anderen Ende verlangt White Eagle. „Für dich“, meint sie und reicht Brian den Hörer. Schon irgendwie witzig, dass sie seinen Ninja-Namen kennt. Nennt sie ihn privat auch so? Geben sich die beiden auch noch andere Tiernamen? Jedenfalls hat der Anrufer eine neuen Auftrag für den Weißkopfseeadler und befielt ihn ins Hauptquartier. „OK“, meint dieser. Schnitt. Brian springt durch irgendein Fenster. Offenbar ist das sein Auftrag. Mehr darüber erfährt man allerdings nicht. Folgend verbringt er die Zeit damit, Pistolenkugeln auszuweichen und den Schützen Wurfsterne in die Stirn zu massieren. Dabei wendet er auch den berühmten Verschwindibus-Trick an, den nur Ninjas beherrschen: In die Luft springen und durch einen geschickt gesetzten Cut vom Mann am Schneidetisch plötzlich weg sein. Allerdings begeht Brian einen Fehler: Er bringt es nicht übers Herz, den letzten Überlebenden zu töten (nachdem er zuvor alle anderen kaltblütig über den Jordan gepustet hat).

Lucifer ist deswegen reichlich angesäuert.

Lucifer: „Was ist los? Was stimmt nicht mit dir?“
Brian: „Mir gingen Dinge durch den Kopf.“
Lucifer: „Verdammt noch mal, Brian! Ich hab's dir schon mal gesagt: Du bist ein Ninja.“

Stimmt, das hat er tatsächlich. Aber da White Eagle das ab und zu mal zu vergessen scheint, muss er nun auf die Probe gestellt werden. Dazu überfallen des Schurkens Vasallen den armen Polizisten, der Little Brian einst fragte, ob alles gut sei, oder ob der brutale Tod seines Vaters ihn irgendwie verunsichert habe. Was nun folgt, ist hammerharter Stoff: Der Cop wird per Messer an einen Pfosten gepinnt, und Brian soll ihn töten. Dieser bringt das erwartungsgemäß nicht fertig. Aber für den Fall der Fälle haben die Schergen bereits vorgesorgt: Als Überraschungsgast schleppen sie die schwangere Freundin des Polizisten an und bedrohen sie und das Ungeborene mit einer Kettensäge. Als Brian sich trotz dieser schlagenden Argumente immer noch nicht so recht überwinden kann, wird den Anwesenden auf recht anschauliche Weise demonstriert, wie ein Kaiserschnitt funktioniert. Mutter stirbt, Kind stirbt, Polizist stirbt dann auch. Merkwürdigerweise lässt Lucifer den White Eagle allerdings laufen.

Dieser packt nun zur altbekannten Trauermusik seine Siebensachen und wird dabei von seiner Freundin überrascht. Auf die Frage, wohin er denn so plötzlich möchte, erklärt er, es müsse seinen Meister aufsuchen (warum er dafür seine Koffer packt, wird vermutlich in Teil 2 erklärt). Liebchen will mit, aber er weigert sich zunächst – viel zu gefährlich, meint er (warum? Beißt der Meister?). Aber sie lässt nicht locker und Brian lässt sich überzeugen. Sie solle doch schon mal den Wagen starten. Tut sie auch, und da die Kamera dabei in Großaufnahme zeigt, wie sie den Schlüssel ins Schloss steckt und herumdreht, ist klar, was nun passiert: Puff! Peng! Feuerball! Schade, war ein echter Volkswagen! Brian rennt nach draußen und wird von ein paar Schlägern überrascht, die er aber routiniert niedermäht. Schnitt. Brian vor Grabstein, Trauermusik, das volle Programm.

Während Lucifer mit seinen Männern schimpft, weil sie ihn haben entkommen lassen, besäuft sich Brian in einer Bar und bekommt Gesellschaft von einem verhinderten Aushilfs-Eddie-Murphy, der dem frischgebackenen Witwer erstmal ne Wendeltreppe ans Bein labert: „Du trinkst hier ganz allein und draußen sind die ganzen Bräute. Was hältst du davon, wenn wir rausgehen und ein bisschen auf die Pauke hauen?“ Aber Brian hat gar keine Lust, eine Neue flachzulegen, während seine Alte noch nicht mal richtig kalt ist, und verneint, indem er schweigt. Aushilfs-Eddie quatscht trotzdem weiter - vorzugsweise über Weiber und zwar in einem Stil, der ein wenig an die „Pussy“-Rede von Cheech Marin in FROM DUSK TILL DAWN erinnert. Als Brian immer noch nicht reagiert, geht Eddie an einen Tisch und nervt dort die Leute so dermaßen penetrant, dass das in einer großen Schlägerei mündet. Statt Trauerprozess steht für Brian nun Kneipenkeile auf der Tagesordnung. Als die Bullen anrücken, geben er und Eddie hurtig Fersengeld. Doch auch nach geglückter Flucht will die maximalpigmentierte Nervensäge dem Ex-Ninja nicht mehr von der Seite weichen. Um das Eis zu brechen, stellt er sich ihm erstmal vor: „Mein Name ist Eddie.“ Wer hätte das gedacht?

Plötzlich raschelt es unheilvoll im Gesträuch. Natürlich: Ninjas (dieses Mal in schwarz, wie sich das ja eigentlich auch gehört)! Natürlich ist Brian sofort alarmiert, da er genau weiß, dass die Jungs hinter ihm her sind. Eiligst springt er auf den nächstbesten Baum, um sich in Sicherheit zu bringen. Merkwürdigerweise trägt er jetzt urplötzlich sein weißes Ninja-Kostüm. Wo er das die ganze Zeit versteckt hat, möchte man gar nicht wissen. Es folgt das Übliche: Hau und Stech und Puff! Komischerweise scheint der Weiße Adler dieses Mal zu unterliegen (wo sind seine tollen Fähigkeiten hin?) und kann den Kampf nur durch die Hilfe seines neues Freundes gewinnen (nein, er labert die Gegner nicht zu Tode; er bindet die Seile los, an denen sie sich entlanghangeln - klingt komisch, is aber so!).

Das schweißt natürlich zusammen. Abends sitzen Brian und Eddie zusammen auf der Veranda und sinnieren.

Eddie: „Was waren das für Kerle?“
Brian (stets bemüht, auch komplexe Sachverhalte ausführlich zu erläutern): „Das waren Killer.“
Eddie: „Was meinst du damit – Killer?“
Eddie: „Was ich schon sagte: Killer. Ohne jedes Gefühl.“

Eddie und Brian parlieren noch ein bisschen miteinander und schlafen dann am offenen Feuer ein. Das Erwachen am nächsten Morgen ist böse: Die Cops haben sie aufgespürt und bereits in Ketten gelegt. Beide wandern schnurstracks in den Bau. Eddie schimpft wie ein Rohrspatz, während Brian wie immer nachdenklich aus der Wäsche guckt, da es für seine Feinde nun ein Leichtes ist, sie aufzuspüren. Und tatsächlich: Ein Beamter schließt plötzlich die Zelle auf und verkündet Freiheit, da die Rechnung bezahlt wurde. Auf dem Weg nach draußen bewahrheiten sich die schlimmsten Befürchtungen: Lucifers Männer stehen vor dem Ausgang bereit, um zu tun, was getan werden muss. Nun ist guter Rat teuer. Spontan fängt Brian eine weitere Schlägerei mit Eddie an, was die Bullen überzeugt, die beiden Streithähne nun doch in der Zelle zu behalten. Clever, diese Ninjas!

Aber der Feind gibt nicht auf. Nach dem Motto 'Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg eben zum Propheten kommen' steigt einer der Bös-Ninjas heimlich in das Revier ein, schnappt sich den nächstbesten Polizeibeamten und klaut dessen Uniform (das Umziehen dauert übrigens ganze vier Sekunden, und die Uniform sitzt wie angegossen, obwohl der Beklaute eine ganz andere Statur hatte). So getarnt schnappt sich der Eindringling die Schlüssel vom Schreibtisch und fängt an, am Schloss zum Zellentrakt herumzufummeln. Da kommt ein echter Cop vorbei und ist etwas verdattert.

Cop: „Wer sind Sie denn?“
Ninja: „Ich bin neu hier.“
Cop: „Was ist mit Fred? Der hat doch heute Dienst.“
Ninja: „Der ist krank geworden.“
Cop: „Aaaaah... Dann ist ja gut.“ (geht aus dem Bild)
 
Der Spitzbube gelangt unbehelligt in die Zelle und versucht, den scheinbar schlafenden Brian per Messer zu massakrieren. Der hat sich jedoch nur schlafend gestellt und der verhinderte Attentäter ist in Windeseile schachmatt gesetzt. Und da er dankenswerterweise die Tür hat offen stehen lassen, nutzen Brian und Eddie die Gelegenheit zum Türmen. Dabei kommt es dann zu einer überraschenden Wendung, von der sich selbst THE SIXTH SENSE noch eine Scheibe abschneiden könnte: Als die Beamten Eddie mit vorgehaltener Waffe zum Bleiben zu überreden versuchen, zückt dieser plötzlich einen Ausweis und die beiden Cops stehen stramm und salutieren. Eddie ist also Polizist (und damit ist auch klar, wer der eingeschleuste Informant ist, von dem eingangs mal die Rede war). Brian hat von dieser Sache allerdings nichts mitbekommen.

Doch kaum wieder auf freiem Fuße und sich gerade am Hafen bei einer Aussprache befindend, stehen auch schon die nächsten Schlägervisagen parat (eine davon sieht aus wie 'Borat'). Eddie verspricht, das zu übernehmen, bekommt aber ganz schön die Fresse poliert. Also muss sein Ninja-Freund wieder aushelfen, was zu einem zünftigen Hand- und Fußgemenge neben, auf und zwischen diversen Frachtschiffen führt. Logisch, dass trotz plötzlicher Ninja-Schwemme die beiden Helden abermals triumphieren, denn ansonsten wäre NINJA CONDORS ja jetzt zu Ende, und es fehlen noch 40 Minuten. Die müssen natürlich noch überbrückt werden, weswegen sich Brian nun auf einen Felsvorsprung stellt und einen pathetischen Redeschwall aufs Meer hinausschickt: „Für all meine Sünden und meine ermordete Freundin werde ich alle meine Untaten wieder gutmachen. Für Tyler, meine Freundin, und meinen Meister, der mich gelehrt hat, was es wirklich bedeutet, ein Ninja zu sein.“

Eddie ist schwer beeindruckt von dieser Ansprache und verabschiedet sich. Brian hingegen rennt wie besessen zu dem Schrein am Hang, wo sein Meister wohnt. Dort wird er bereits erwartet. Allerdings nicht vom Meister, sondern von – man ahnt es bereits! - bösen Ninjas. Dieses Mal jedoch erwischt es Brian hart. Halbtot bleibt er liegen, während seine Angreifer sich aus unerfindlichen Gründen wieder aus dem Staube machen. Halbtot hin oder her, Brian findet noch genug Kraft, die Balustrade einer (vermutlich) nahgelegenen Villa emporzuklettern, um eine im Pool dösende Bikini-Mieze um Hilfe zu bitten (nach über 50 Minuten ist es ja schließlich an der Zeit, mal wieder eine neue Figur einzuführen). Diese hat nichts gegen halbtote Ninjas und schleppt den Angeschlagenen ins Haus, der sich erstmal ne Mütze Schlaf gönnt. Als er wieder zu sich kommt, staunt er allerdings nicht schlecht: Vor ihm im Sessel sitzt Lucifer, die Pool-Maus im Arm, und feixt sich eins. Eigentlich dürfte das Spiel jetzt aus sein – aber die Gangsterbraut möchte nicht, dass man Brian in ihrer schönen Wohnung umlegt. Das sieht Lucifer ein und lässt ihn deshalb nach draußen schleppen. Dort allerdings wartet bereits Eddie auf seinen Einsatz (woher kommt der jetzt wieder?) und ballert mit einem gezielten Schuss Brians Fesseln durch. Das Ende vom Lied: Brian entkommt, dafür befindet sich nun Eddie in Schurkenhand.

Nun wird es ein bisschen verwirrend: Brian lauert Lucifers Freundin auf (als sie aus der Dusche steigt – so ein Schelm!), die sich plötzlich als doch gar nicht so übel entpuppt und ihm etwas zeigen möchte. Sie öffnet eine Tür und dahinter befindet sich... nein, keine Truppe böser Ninjas... Brians Meister! 
 Und er sieht auch genau so aus, wie man sich nen Meister im Allgemeinen so vorstellt. Brian ist völlig von den Socken, während der Meister voll des Lobes für das Ganovenliebchen ist: „Sie ist ein sehr nettes Mädchen.“ Diese freut sich darüber nen Wolf und schlägt vor, sich ins obere Stockwerk zu begeben. Dort wird es Zeit für eine Lagebesprechung (die allerdings nicht erklärt, was der Meister im Haus der Freundin des Feindes macht, aber irgendwie interessiert das zu diesem Zeitpunkt auch eh nicht mehr so richtig). Als der Meister erfährt, dass Eddie von Lucifer gefangengehalten wird, ist für ihn klar, dass man etwas dagegen tun muss. Ja, der Meister ist schon weise... 

Auf seinem Anwesen verkloppt Lucifer zu Trainingszwecken gerade ein paar seiner Angestellten, als sein Telefon klingelt. Es ist White Eagle, der ihm klarmacht, dass er Eddie wiederhaben möchte. Sein Tauschobjekt: Sarah (die Freundin des Schurken). Als Lucifer ihm erklärt, dass er inzwischen herausgefunden hat, dass sein Freund ein Bulle ist, staunt er zwar nicht schlecht, besteht aber trotzdem auf die Herausgabe. Zeit und Ort wird festgelegt, das Ding scheint zu laufen. Zeit für ein klärendes Gespräch zwischen Ninja und Meister. Nun endlich rückt der alte Mann mit seinem Geheimnis raus: Er war nicht nur Brians Lehrer, sondern auch der von Lucifer. Doch dieser wandte sich von ihm ab, ignorierte seine Lektionen in Sachen Gerechtigkeit und verschrieb sich der dunklen Seite. „Du weißt, White Eagle, dass wir die wahren Ninjas sind. Lucifer hat Jiu-Jitsu verraten.“ Ja, da kann man schon mal ins Grübeln kommen...

Endlich! Der Tag der Übergabe ist da. Wie nicht anders zu erwarten, kommt es zu einem großen Schlachtfest, bei dem auch der Meister tüchtig mit auf die Pauke haut – und sich dabei ziemlich unmeisterlich anstellt und seine Hand verliert. Brian, Eddie, Meister und die inzwischen übergelaufene Sarah flüchten und bringen sich in einer Höhle in Sicherheit. Während der Meister sich erholt, streiten sich Brian und Eddie ein bisschen, weil letzterer ersterem seinen Cop-Job verheimlichte, werden aber von Sarahs Rufen unterbrochen: Der Meister stirbt (obwohl es ihm eben eigentlich noch ganz gut ging). Der Meister wiederholt noch mal ein paar Dinge, die schon Jeder weiß, und spricht dann seinen letzten Wunsch aus: Brian soll Lucifer kaltmachen (eine gute Idee, darauf hätte man ja auch selbst kommen können). Kaum zuende gesprochen, gehen bei dem Mann die Lichter aus.

Schnitt. Sarah macht einen auf Anita Ekberg und gönnt sich ein verführerisches Bad im See. Plötzlich schleicht sich ein Schwarz-Ninja an, augenscheinlich, um die Badenixe einzufangen. Aber Glück gehabt! Die Sache war nur ein Trick, denn urplötzlich greift der Weiß-Ninja (also Brian) von hinten an und schaltet den Widersacher aus. Natürlich bleibt es nicht bei dem einen, denn plötzlich kommt wieder eine ganze Horde von den Fieslingen angeschissen. White Eagle hat alle Hände voll zu tun; der Kampf verlagert sich auf eine Schwebebahn, ein Kettenkarussell und schließlich per Schlittschuh auf eine Eisfläche (warum das da alles rumsteht, ist nebensächlich). Nachdem die ganzen Ninjas plattgemacht sind, bringt Brian es auf den Punkt.

Brian: „Es wird jetzt Zeit, sich Lucifer zu stellen.“
Sarah: „Ich komme mit dir.“
Brian: „Ich darf kein Risiko eingehen. Ich muss allein dorthin gehen.“
Sarah: „Gut, das versteh ich.“

Zeit für den großen Showdown! Mit voller Ninja-Kampf-Ausrüstung (z. B. Seil und Blasrohr) entert White Eagle die Villa Lucifers und veranstaltet ein richtig dickes Feuerwerk. Da wird alles abgeschossen und in die Luft gesprengt, was nicht bei Drei auf dem Baum hockt. Und um die Party komplett zu machen, steht auch plötzlich noch Eddie auf der Matte – und ist vom Polizisten offenbar zum Söldner mutiert. Mit Indiana Jones' Hut auf der Rübe, Rambos Patronengürtel um der Schulter und zwei Maschinenpistolen im Anschlag mischt er die Mischpoke gründlich auf und pulverisiert alles, was ihm vor die Linse läuft. Doch Lucifer ist gar nicht so doof, wie er aussieht, und hat sich inzwischen Sarah als Geisel geschnappt. Zwar versucht er zu fliehen, wird auf offenem Felde jedoch von Brian abgefangen, der jetzt einen auf Bruce Lee macht und einen Kung-Fu-Fight auf Leben und Tod liefert. Mittendrin macht's dann plötzlich Knallpuff und beide befinden sich im Ninja-Kostüm auf einer Hängebrücke (das muss auch so ein spezieller Ninja-Trick sein). Und nun geht’s noch mal richtig rund: Die Kontrahenten hauen sich Shuriken, Schwerter, Armbrüste und China-Böller um die Ohren, teleportieren sich von hier nach dort, fliegen wie die Bekloppten durch die Baumkronen und lassen es dabei so richtig krachen. Wie wird der Kampf ausgehen? Wer wird obsiegen? Und warum nennt sich das Ganze NINJA CONDORS, obwohl die Hauptfigur Adler heißt? Fragen über Fragen ...

Kritik: 

So, Butter bei die Fische! Für eine Tang-Produktion ist das hier schon ziemlich großer Sport. Natürlich vom Olymp immer noch himmelunendlich weit entfernt, aber immerhin schon bessere Amateur-Liga. Der Regisseur nennt sich zwar offiziell James Wu, aber wenn man es nicht besser wüsste, würde man behaupten, Godfrey Ho hätte hier mal wieder die Fäden in der Hand gehabt. Manche Regisseure erkennt man einfach blind an ihrem Stil. Jean Luc-Godard. Alfred Hitchcock. Sergio Leone. Und eben Godfrey Ho. Aber ob nun Ho oder Wu oder Peng: NINJA CONDORS ist verglichen mit so manch anderem Auswurf der Filmark-Quark-Fabrik ein recht ordentlich gefertigter Rache-Radau ohne viel Leerlauf und mit erfreulich viel launigem Rambazamba.

Vor allem die letzte Viertelstunde holt dabei ordentlich die Kohlen aus dem Feuer und macht richtig Laune: Das von John Woos A BETTER TOMORROW 2 inspirierte Massen-Massaker kommt in bester Heroic-Bloodshed-Manier daher und serviert in Zeitlupe zuckende Körper im infernalen Kugelhagel. Schöne Kamerawinkel und rasant gesetzte Schnitte sorgen dafür, dass NINJA CONDORS in manchen Momenten schon gar nicht mehr nach ramschiger Videotheken-Ware aussieht, sondern nach einem richtig sauberen Baller-Knaller aus zweiter Reihe. Wäre es auch, gäbe es da nicht noch die ganzen für das Studio üblichen Defizite, die das Resultat quasi aus dem Stand heraus wieder ein paar Reihen weiter nach hinten katapultieren.

Die Darsteller scheinen streng nach größtmöglicher Hässlichkeit ausgewählt worden zu sein. Wer beim Casting nicht mindestens den Eindruck erwecken konnte, dass seine Eltern Geschwister seien, schien hier keine Chance gehabt zu haben. Das Resultat ist eine unglaubliche Hackfressen-Parade, die man sich nicht mal schönsaufen könnte, denn so viel Alkohol gäbe es auf der ganzen Welt nicht. Lediglich Hauptdarsteller Alexander Lou verfügt zumindest im Ansatz über so etwas wie Charisma (wobei die grausige Vokuhila-Frisur in der Mitte auch niemals hätte passieren dürfen). Und dass keiner der Belegschaft ein solch abwegiges Luxusgut wie schauspielerisches Talent mit ans Set brachte, versteht sich quasi von selbst.

Dazu jammert die ganze Zeit über ein wahrlich scheußlicher Synthie-Soundtrack, der NINJA CONDORS zu einer endlosen akustischen Strapaze macht. Selbstverständlich machte man sich auch keinerlei Mühe, so etwas wie musikalische Homogenität zu erzeugen: Wenn etwas traurig sein soll, dann heult die Musik zuverlässig mit, damit auch der Letzte versteht, was das Stündlein geschlagen hat, wenn die Szene vorbei ist, bricht sie abrupt ab und geht pflichtbewusst zum nächsten Klangbrei über. Auch der Dialog ist in seiner stupiden Banalität oft nur schwer zu ertragen – ein Eindruck, der allerdings auf Grundlage der grauenhaften englischen Synchronfassung entstand. Das Original dürfte allerdings wohl auch kaum mit Shakespeare verwechselt werden.

Der Schnitt ist in den Kampfszenen ziemlich kompetent gesetzt, beim Rest allerdings stellenweise katastrophal, was vermuten lässt, dass die Action von jemand anderem zusammenmontiert wurde. Auch sind die Schauplätze ziemlich gut ausgewählt; Hafen, Sägewerk und Schlittschuhbahn geben eine hübsche Kulisse für die zahlreichen Kämpfe ab. Dabei geht es nicht gerade zimperlich zu, auch wenn das Abtrennen von Gliedmaßen natürlich stets auf Anhieb als Trick zu entlarven ist. Der Umstand jedoch, dass hier z. B. auch Kinder umgenietet werden, sowie wirklich harte Momente wie die Abtreibung per Kettensäge machen das Geschehen schon ziemlich brutal und schieben NINJA CONDORS deutlich in die Exploitation-Ecke. Das Drehbuch wirft natürlich – besonders gegen Ende – ziemlich viele Fragen auf und nach Nachvollziehbarkeit für die Handlungen der Figuren sollte man besser nicht suchen. Dennoch ist das Geschehen einigermaßen rund und baut aufeinander auf, ohne dass man alle fünf Minuten den Eindruck haben muss, versehentlich den Kanal gewechselt zu haben. Wer die zahlreichen visuellen und akustischen Verbrechen wegstecken kann, der erlebt hier ein sogar recht ansprechendes und abwechslungsreiches Action-Programm, bei dem vor allem das Finale überzeugt und so einiges wieder wettmachen kann.


Vor allem aber lehrt einem NINJA CONDORS Folgendes: Wenn man aus irgendwelchen Gründen mal in ein Polizeirevier einbrechen möchte, reicht es völlig, sich eine Uniform anzuziehen und zu behaupten, man sei der Neue. Klappt garantiert!

Laufzeit: 91 Min. / Freigabe: ungeprüft

Dienstag, 26. Mai 2015

DER CLAN DER NINJA


SUI SI SAN CHUEN
Taiwan 1981

Regie:
Philip Kwok

Darsteller:
Lu Feng,
Chiang Sheng,
Philip Kwok,
Ti Lung,
Cho Boon Feng,
Yasuaki Kurata,
Cheung Paang,
Wong Yeuk-Ping



Inhalt:

China, Ming-Dynastie: Das Land wird von den Japanern überfallen. Der Feind schickt seine besten Kämpfer, die Ninja, um den unliebsamen General Chi Chi-Kwong [Ti Lung] einen Kopf kürzer zu machen. Das erste Attentat misslingt zwar, aber es wird klar, dass etwas getan werden muss. Daher sucht der Sohn des Generals den 'Meister der drei Künste' auf, einen weisen Kung-Fu-Kämpfer, der längere Zeit in Japan lebte und darum um die geheimen Kampftechniken der Ninja Bescheid weiß. Der alte Mann erzählt, dass er sein Können an seine drei besten Schüler weitergegeben hat, die jedoch nichts voneinander wissen und nur in Kombination unschlagbar sind, da jeder nur einen Teil des Wissens in sich trägt. Nun begibt sich der Sohn auf die Sache nach den Schülern, um die Männer zu vereinen und den Angriffen der Ninja gewachsen zu sein.

Kritik:

Ninjas! Keine Videothek der 80er Jahre war vo
r ihnen sicher. Die japanischen Schattenkrieger mit den schier übermenschlichen Fähigkeiten zogen die Actionfreunde an wie das Licht die Motten und ließen selbst bei geringen Produktionskosten artig die Kassen klingeln. Mal waren sie die Guten, mal die Bösen, aber stets passend gekleidet, blitzschnell und mit tödlichen Überraschungen gespickt. Mit den originalen Kämpfern des vorindustriellen Japan hatten die dunkelberobten Hampelmänner natürlich kaum noch etwas zu tun, aber das war dem Publikum – wenig überraschend – so ziemlich egal. Noch bevor der Boom im Westen mit Kloppern wie ENTER THE NINJA [1981] und AMERICAN NINJA [1985] begann, lies Regisseur Philip Kwok (der eigentlich eher als Darsteller bekannt und unter anderem auch in dem Shaw Brothers-Klassiker DER TEMPEL DER SHAOLIN zu sehen war) die Ninja das geplagte China überfallen und ihre todbringenden Wurfsterne zwecks Eroberung in Richtung mehr oder weniger wichtiger Militärs schleudern.

Zumindest zu Beginn geht es dabei zusätzlich auch noch (wie originell!) um ein Buch, das die geheimen Kampfkünste der Ninja enthält und immerhin wichtig genug war, um dem Vorspann als Hintergrundmotiv zu dienen, aber das fällt im Laufe der Handlung dann doch irgendwie der Vergessenheit anheim (bis man sich kurz vor Schluss aus heiterem Himmel wieder daran erinnert). Ohnehin ist die Story ziemlich zerfahren, verliert sich häufiger in Nebenschauplätze und hat auch so manche Ungereimtheit in petto. Warum der 'Meister der drei Künste' sein Fachwissen auf drei Personen verteilt (die noch zudem nichts voneinander wissen), erscheint ein wenig seltsam – hätte er jedem gleich alles gelehrt, hätte man sich eine Menge Mühe und Zeit ersparen können. Zudem fragt man sich, welchen Sinn es für die Japaner eigentlich hat, ständig ein paar Ninjas aus dem Gesträuch springen zu lassen, um wahllos irgendwelche Leute anzugreifen – zumal die angeblich so unbezwingbaren Supermänner hier auch keinen Fuß auf den Boden bekommen und bei so ziemlich jedem Attentatsversuch kollektiv ins Gras beißen müssen.

Im Vergleich zu den konfusen Konstrukten, die unter dem „Ninja“-Label in späteren Jahren noch so auf die Kundschaft losgelassen wurden (Gruß an Flickwerker Godfrey Ho und Konsorten), geht es hier allerdings noch durchaus nachvollziehbar zu. Letztendlich benötigte man ja ohnehin nur ein Alibi, um möglichst schlüssig möglichst viel Kampfgetümmel unterbringen zu können, und als solches funktioniert das zusammengezimmerte Gerüst in ausreichendem Maße. Denn obwohl nicht immer so ganz ersichtlich ist, worum es eigentlich gerade geht, ist trotzdem irgendwie immer irgendwas los und wirkliche Langeweile kommt in den 90 Minuten auch nicht auf. Die Ninjas sind zwar insgesamt eher selten im Einsatz, aber wenn, dann liefern sie das volle Programm: plötzliches Auf- und Abtauchen, fliegende Wurfgeschosse, Rauch- und Brandbomben und gleißende Alu-Gewänder, um ihre Gegner mit Sonnenlicht zu blenden. Entweder hocken sie im Baum und warten darauf, dass endlich mal jemand vorbeikommt, den sie überfallen können, oder sie wühlen sich vorschriftsmäßig durch das Erdreich. Und sollte dennoch mal ein Angriff misslingen (was, wie erwähnt, ziemlich häufig vorkommt), gibt es aus eigener Hand eine Ladung Säure ins Gesicht, um sich für den Gegner unkenntlich zu machen (bringt aber leider nichts, denn Ninjas erkennt man auch ohne Gesicht).

Auch die weibliche Belegschaft ist nicht untätig und kämpft mit den Waffen der Frauen, die da wären: vergifteter Tee, tödliche Haarnadeln und spitze Metall-Fingernägel, die sich sogar durch Holz bohren. Teilweise geht es dabei auch recht brutal zu und nicht unbedeutende Gliedmaßen wie Arme, Beine oder Köpfe verlassen ihren angestammten Platz. Das Kunstblut, das man dazu spendabel über die vermeintlichen Verstümmelungen schüttete, sieht jedoch dermaßen nach Kunst aus, dass selbst Kleinkinder danach noch gelassen nächtigen können. Die zahlreichen Schlagabtausche sind nicht schlecht gemacht, wirken teilweise allerdings etwas steif und einstudiert und gleichen somit mehr den Auftritten einer Performance-Gruppe als tatsächlichen Kämpfen auf Leben und Tod. Besonders abenteuerlich gerieten auch die Kostüme, die überwiegend einen sehr schrillen Eindruck hinterlassen und in ihrem quietschbunten Design mit lauter Schleifchen, Bändchen und Bommeln alles andere als authentisch wirken. Viel eher scheint es, als habe man einfach den nächstbesten Theaterfundus geplündert und sich wahllos auf alles gestürzt, was irgendwie auch nur im Entferntesten historisch aussah.

Dass DER CLAN DER NINJA in der Herstellung nicht allzu teuer gewesen sein kann, ist ohnehin nicht zu übersehen – dazu muss man nicht mal die ungleich aufwändigeren Kulissen und Kostüme der Shaw Brothers als Vergleichsobjekt bemühen. Hier wirkt alles eher billig: viel Feld, viel Wald, viel Wiese, dazu die übliche Dorfkulisse, die einen eher schäbigen Eindruck hinterlässt. Produziert wurde auch nicht vor Ort in China, sondern im günstigeren Taiwan. Dafür holte man sich zum Ausgleich einen ganz großen Namen ins Boot: Ti Lung war in den 70ern einer der bekanntesten Stars des Hongkong-Kinos, spielte in grandiosen Action-Granaten wie DUELL OHNE GNADE oder DAS SCHWERT DES GELBEN TIGERS, blieb jedoch auch später noch Dauergast auf der Leinwand, wirkte in John Woos Meilenstein A BETTER TOMORROW mit und ließ sich auch im hohen Alter noch in Schlachtepen wie THREE KINGDOMS oder SEVEN ASSASSINS blicken. In der Rolle des bedrohten Generals Chi Chik Kuang ist er hier zwar massiv unterfordert und bleibt trotz seiner Kampfkünste bis zum Schluss passiver Beobachter, aber allein seine bloße Präsenz veredelt sogar Ninja-Jokus wie diesen.

Ti mag zwar der bekannteste Name auf der Besetzungsliste sein, der Eastern-Freund jedoch erkennt auch in weiteren Rollen bekannte Genre-Gesichter, beispielsweise Yasuaki Kurata [→ KARATO – FÜNF TÖDLICHE FINGER] als böser Ninja-Führer oder Regisseur Philip Kwok persönlich. Fans freuen sich darüber, und alle anderen schauen sich so etwas ohnehin nicht an. DER CLAN DER NINJA ist für Einsteiger eher ungeeignet und bietet nicht genügend Potential, um Neulinge überzeugen zu können. Zudem merkt man, dass das ganze Getöse noch vor der eigentlichen großen Ninja-Welle entstanden ist; die Titelgeber treten insgesamt eher selten in Erscheinung und haben noch längst nicht solch verrückte Tricks auf Lager wie in den Jahren danach. Auch der Trash-Gehalt liegt, obwohl fraglos vorhanden, noch deutlich unter späteren Auswüchsen, was je nach persönlicher Fasson als gut oder schlecht bewertet werden darf. Unverbesserliche Groupies, die von den schwarzbetuchten Meuchlern einfach nie genug bekommen können, dürfen gern ein Auge auf das Geschehen werfen. Wen sie dabei allerdings nicht erblicken werden, ist Sonny Chiba – auch, wenn das deutsche Video-Cover das steif und fest behauptet und dem japanischen Weltstar sogar die Hauptrolle angedichtet hatte. Ob diese fehlerhafte Angabe aus Versehen erfolgte oder hier tatsächlich mutwillig Kunden getäuscht werden sollten, darüber darf gern spekuliert werden. 

Laufzeit: 91 Min. / Freigabe: ungeprüft