Eigene Forschungen

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Donnerstag, 11. Juli 2024

DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM


LA BESTIA NELLO SPAZIO
Italien 1980

Regie:
Alfonso Brescia

Darsteller:
Sirpa Lane,
Vassili Karis,
Lucio Rosato,
Umberto Ceriani,
Maria D'Alessandro,
Giuseppe Fortis,
Dada Gallotti,
Robert Hundar



Der Weltraum. Unendliche Oberweiten!

1980 befand sich der gemeine Kinogänger – STAR WARS sei Dank!  im Sternenfieber. Zahlreiche Nachahmer des als Science-Fiction deklarierten Fantasy-Märchens buhlten, mal mehr, mal weniger ambitioniert, um die Gunst des Publikums. Der italienische Regisseur Alfonso Brescia [→ 100.000 VERDAMMTE DOLLAR], der sich Zeit seiner Karriere vollkommen dem Kommerz verschrieben sah, stellte sich da die Frage, mit welchem kassenträchtigen Element man eine obligatorische All-Saga denn wohl verknüpfen könnte, um noch mehr Zahlungswillige ins Lichtspielhaus zu locken. Dann die Erkenntnis! Klar: Rudelbumsen!

So oder so ähnlich dürfte es sich wohl zugetragen haben, bevor Brescia zusammen mit seinem Mitstreiter Aldo Crudo [→ WENN DU KREPIERST, LEBE ICH] diesen crudon kruden Hybriden aus Kosmos-Kokolores und Schmuddelgeknuddel zu Papier brachte, in Szene setzte und unter dem Titel LA BESTIA NELLO SPAZIO auf die arglose Menschheit losließ. Der deutsche Titel dieses Universums-Unikums ist dabei zwar überraschend nah am Original, aber deutlich inspirierender ist fraglos die Alternative, die einem bei der zu Grunde liegenden Kopie per ungefragter Einblendung offeriert wird: Tier im Raum. Das ist natürlich noch viel, viel besser und erweckt auf Anhieb anregende Assoziationen zu einer elitären Kunst-Installation, bei der die Gäste mit von der Sektflöte abgespreiztem Finger Sachen sagen wie: ‚Faszinierend, wie das Fehlen jeglicher Bedeutung uns zur Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Sinn der eigenen Existenz zwingt.‘ - ‚Gewiss doch, Gutester! Wobei in der Akzeptanz dieser Leere natürlich auch eine gewisse Freiheit liegt‘.

Aber am Ende hat man es dann eben doch nur mit DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM zu tun, jenem schreiend schäbigen Science-Ficktschön-Cocktail, bei dem die Dialoge so klingen:

„Wie heißt du denn, himmlische Vision?“ - „Ich bin Sandra und wer bist du?“

Inhalt und Kritik:

Prämisse: In der Zukunft der Menschheit ringen zwei mächtige Fraktionen um die Vorherrschaft im Weltraum, die Galaktische Flotte und die Handelsföderation. Das klingt zwar episch wie Sau, hat am Ende jedoch die Dramatik eines Sandkasten-Gekabbels um das schönere Förmchen.

Ein schönes Förmchen hat fraglos auch Sirpa Lane [→ PAPAYA], welche hier als Sandra Richardson (oder Sondra im Original, die deutsche Fassung nahm ihr ein o und gab ihr ein a) die weibliche Hauptrolle geben darf - und das definitiv nicht wegen ihres schauspielerischen Talentes. Denn eigentlich – und daraus wird im Prinzip auch kein Geheimnis gemacht  zielt DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM von Beginn an auf primitive Triebe ab, weswegen sich auch jede Figur früher oder später einmal mehr oder weniger motiviert aus ihrer Pelle schälen darf.

Zumindest zum Auftakt bemüht man sich immerhin noch, dabei trotzdem auch so eine Art Geschichte zu erzählen – und das sorgt tatsächlich für gute Laune, da es von vergnüglichen Stereotypen nur so wimmelt. Die schmierige Spelunke, die der männliche Protagonist, der vom gebürtigen Griechen Vassili Karis [→ SABATA KEHRT ZURÜCK] verkörperte Raumschiffkapitän Larry Madison, gleich nach Verklingen des Vorspanns betritt, macht jedenfalls schwer was her und auch ein wenig Hoffnung: Auch in ferner Zukunft wird es sie also noch geben, diese schummerigen Hafenkneipen, in der Betrunkene sich aufs Maul hauen, während gelangweilte Weibchen im Eck auf den dümmsten Anmachspruch warten.

Exakt auf diese Weise lernen sich der Käpt’n und Sandra hier dann auch kennen  wobei er ihr Herz vor allem dadurch erobert, dass er den Kontrahenten um ihre Gunst kurzerhand K.O. schlägt. So etwas lässt natürlich nicht nur Knie weich werden, weswegen es auch bereits den ersten Beischlaf zur Folge hat, der allerdings noch relativ züchtig bebildert ist, obwohl der Kollege an der Kamera schon fleißig Brust-, Po- und Schambereiche ins Visir nimmt.

Diese Eröffnungsveranstaltung porträtiert schon ganz gut, wie viel DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM mit Subtilitäten am Hut hat. Nämlich gar nichts. Frauen wirken wie Flittchen oder Huren, während Männer meist wie grobschlächtige Cowboys ohne Rücksicht auf Renommee und Verlust durch die Gegend holzen. Vassili Karis ist als Käpt’n Madison vermutlich das, was man bekommt, wenn man Burt Reynolds bei Wish bestellt, wohingegen Sirpa Lane bereits diesen verderbten Blick draufhat, der annehmen lässt, sie wäre eigentlich viel lieber als Matratze zur Welt gekommen. Ein perfektes Paar also, dem es quasi vorherbestimmt war, in den Federn zu landen. Wie sehr die beiden füreinander geschaffen sind, merkt man übrigens direkt nach erfolgter Kopulation, als Sandra dem Kapitän erstmals von dem eigenartigen Traum berichtet, den sie regelmäßig hat und in dem sie von einem unheimlichen Verfolger durch den Wald getrieben wird. Das nimmt ihren Bettgenossen dermaßen mit, dass er noch während der spannenden Erzählung sanft ins Reich des Schlafes hinübergleitet. Hoffentlich träumt er wenigstens gut.

Bevor es dem Publikum noch ähnlich ergeht, bringen Brescia und Crudo lieber ein bisschen Schwung in die Bude. So wird auf dem weitestgehend unerforschten Planeten Lorigon das Element Autalium entdeckt, was einen Bergungs-Wettlauf beider eingangs erwähnten Parteien zur Folge hat. Denn wer das Autalium kontrolliert, kontrolliert das Universum. Seitens der Galaktischen Flotte wird Käpt’n Madison für diese Mission abkommandiert, der nicht schlecht staunt, als ihm gewahr wird, dass sich seine Vorabend-Eroberung Sandra ebenfalls unter den Crew-Mitgliedern befindet. Wahrlich ein Traumpaar also, das sich nie gesucht und dennoch gefunden hat und nun mit ein paar anderen Knallchargen ähnlichen Kalibers ins All geschossen wird, um das Schicksal der Welt zu bestimmen.

Das Ziel, der Planet Lorigon, entpuppt sich nach der Landung als ein Hort der Skurillitäten, obwohl er zunächst nur aus ein paar Birkenwäldern zu bestehen scheint. Schon hier läuten beim aufmerksamen Betrachter die Alarmglocken, sieht die Landschaft doch haarklein so aus wie in Sandras Alpträumen. Allerdings kommt die Crew beim anschließenden Wandertag durch die Botanik auch mindestens fünf Mal am selben Baum vorbei, eventuell hatte man also schlichtweg gar nicht die Genehmigung, an anderer Stelle auch noch was drehen zu dürfen. Dafür gönnte man sich allerdings eine Archivaufnahme, die für den wohl kuriosesten Moment des Szenarios herhalten darf: So hält die Besatzung beim ziellosen Herumstromern zwischendurch mal kurz inne und beobachtet fasziniert zwei Pferde, von denen das eine das andere … nun ja … bespringt. Diese Ansicht scheint zumindest die anwesenden Weiber derart in Wallung zu versetzen, dass sie direkt damit anfangen, mit apathischer Miene ihre körpereigenen Rundungen abzutasten – wobei allerdings auch die Herren plötzlich ganz glasige Blicke bekommen. Am meisten Augen aber macht an dieser Stelle das Publikum, denn die knatternden Klepper sind derart dilettantisch zwischen die Bilder kopiert (im falschen, zusammengestauchten Format nämlich), dass man zur Annahme gezwungen ist, der dafür Verantwortliche habe selbst gerade ein paar Rundungen abgetastet, wenn auch ganz sicher nicht die vom Schneidepult.

Egal, die Schau muss weitergehen und das tut sie auch, wenn die Crew schließlich ein schlossähnliches Domizil entdeckt, in welchem sie nach Betreten und Ohnmachtsanfall einen Mann kennenlernt, der sich ganz bescheiden als „Onaf, Herrscher des Kontinents“ vorstellt und der – schau an, schau an!  der Typ aus Sandras Träumen ist. Dieser, gespielt vom hünenhaften Robert Hundar [→ DER MANN MIT DER KUGELPEITSCHE], klärt die Neuankömmlinge erst einmal über die Verhältnisse auf Lorigon auf: Ein gigantischer Computer namens Zocor hat den gesamten Planeten unterworfen und eine Herrschaft des Terrors errichtet („Er ist so mächtig, dass er in der Lage ist, zu seinem Vergnügen unseren Planeten quer durch den Kosmos zu jagen.“). Seine Kraft bezieht er aus dem Element, dessentwegen man vor Ort ist: Autalium. Dieses kann allerdings nicht nur alten Schaltkreisen neuen Schwung verleihen, sondern mittels seiner Strahlung auch den Alterungsprozess der Bevölkerung verhindern („Mein derzeitiges Alter ist 800 Jahre.“ - „Hochachtung!“).

Genug geredet! Jetzt wird gepimpert! Onaf scheint nämlich großer Fan des berühmt-berüchtigten Kaisers Caligula zu sein, weswegen er Heim und Kleid auch bereits den Look spät-römischer Dekadenz verpasst hat. Irgendwas war wohl im Alkohol, denn unvermittelt folgt dem Vorbild entsprechend eine ausufernde Matratzensport-Orgie, die, je nachdem, welche Version man erwischt hat, mal mehr, mal weniger explizit zelebriert wird. Und während auf Lorigon der Knutsch- und Knettag eingeläutet wird, bewahrheitet sich dann endlich auch Sandras Alptraum, entpuppt sich Onaf unter seiner Tunika doch als Satyr, also als Mischwesen aus Mensch und Ziegenbock. Getrickst wurde das auf dem Wege des geringsten Widerstands, indem man Herrn Hundar einfach die olle Zottelhose nebst Ziegenhuf-Clogs übergestreift hat. Und da Sandra ja genügend gute Gründe braucht, um vor dem Wesen durch den Wald zu fliehen, pappte man ihm final noch eine monströse Pimmel-Prothese in den Schritt. Was eine griechische Sagengestalt bei einer perniziösen Penetrations-Parade zwischen pseudorömischem Putz auf einem fernen Planeten verloren hat? Vermutlich nix. Aber man ist ja kein Fachmann.

Die plötzlichen Porno-Anwandlungen stehen der BESTIE AUS DEM WELTRAUM nicht wirklich gut zu Gesicht. Wer Schmuddelware will, der greift auch zu solcher und will dabei nicht von Raumschiffen und freidrehenden Super-Computern belästigt werden. Und wenn man auf billigen Sci-Fi-Schlonz abfährt, ist grenzwertiges Genital-Algebra nun auch nicht unbedingt das, was einem gerade noch zum großen Glück gefehlt hat. Viel zu lang dauert zudem das unappetitliche Rudel-Gerödel und irgendwie erholt sich das Machwerk danach auch nicht mehr so wirklich davon, obwohl man immerhin noch eine satte Viertelstunde Mumpitz vom Stapel lässt. So kämpfen die Helden gegen die Goldmänner, die Bytegarde des Rechner-Verbrechers, die aussehen, als habe man ein paar Oompa Loompas aus Charlies Schokoladenfabrik entführt, per Streckbank großgezogen und golden angemalt. So bewegen die sich dann auch. Dazu werden Lichtschwerter gezückt, die wer weiß woraus bestehen. Licht ist es nicht. Aber es scheint gutes Material zu sein, immerhin kippt der Gegner selbst dann noch aus den Latschen, wenn man kilometerweit daneben keult. Und natürlich taucht pünktlich zum Finale auch noch der diktatorische Daddelkasten höchstpersönlich auf, ist dann aber doch nicht viel mehr, als nur ne bessere Brotdose auf zwei Beinen. Das alles und noch viel mehr nur hier und heute bei: Tier im Raum!

Am Ende macht die Nummer dann weitaus weniger Spaß, als es eigentlich der Fall sein müsste. Immerhin wird hier schon alles Mögliche aufgefahren, um den Interessenten bei der Stange zu halten: bunte Plastikbauten, die so tun, als seien sie voll futuristisch, Laserpistolen, die gar nicht schießen können (wofür zum Ausgleich allerdings ein gelbes Lämpchen aufleuchtet), Birkenwäldchen, die einem als ferne Vegetationen verkauft werden, dazu wirklich niedliche Raumschiffmodelle, Höhlenkulissen und Badekappen als Helmersatz. Und die latexartigen Ganzkörperkondome, die hier als Raumanzüge herhalten müssen, wären garantiert der Knaller auf jeder Fetisch-Party. Dennoch ist es etwas ernüchternd, wie wenig Brescia & Co. hier eigentlich zu erzählen haben. Woher Sandras Wahrträume, immerhin einer der Neugierde schürenden Aufhänger zu Beginn, denn nun eigentlich rührten, wird z. B. niemals aufgeklärt – wie so ziemlich alles, was anfangs zumindest halbgar etabliert wurde, schließlich sang- und klanglos im Sande verläuft. So wird auch der prinzipiell nicht uninteressante Wettlauf um die seltene Substanz später vollkommen vergessen, um stattdessen unansehnliche Reproduktionsgymnastik in den Fokus zu rücken.

Für gute Laune sorgen wiederum die vielen Statisten, die an Deck der Raumschiffe hilflos im Hintergrund herumlaufen und schlichtweg nicht wissen, was sie tun sollen, sowie die deutsche Synchronisation, die eigentlich Asynchronisation heißen müsste, passt das gesprochene Wort doch nicht für fünf Lira auf die Lippen. Dafür seiern die Protagonisten ständig Quatsch raus wie „Bist du besoffen?“, „Ich muss kotzen!“ oder „Let’s go!“

Let’s go!

Laufzeit: 94 Min. / Freigabe: ungeprüft

Donnerstag, 26. August 2021

OPERATION JUPITER


SAYÔNARA, JYÛPETÂ
Japan 1984

Regie:
Koji Hashimoto,
Sakyo Komatsu

Darsteller:
Tomokazu Miura,
Dangely Diane,
Miyuki Ono,
Rachel Huggett,
Paul Tagawa,
Kim Bass,
Akihiko Hirata



Inhalt:

Die Welt im Jahre 2125: Die Erdpopulation ist ins Unermessliche gestiegen. Doch die Menschheit war nicht untätig und hat zahlreiche Kolonien in den Weiten des Weltraums gegründet. Als nächstes soll der Mars als zusätzlicher Lebensraum erschlossen werden, weswegen man auf der Raumstation Minerva fieberhaft damit beschäftigt ist, den Jupiter in eine dafür dringend benötigte Energiequelle umzuwandeln. Einsatzleiter Eiji Honda [Tomokazu Miura] hat auch deswegen alle Hände voll zu tun, weil das Vorhaben immer wieder von einer aggressiven Gruppe von Umweltschützern sabotiert wird, zu der – zu Hondas Erschrecken – auch seine Jugendliebe Maria [Dangely Diane] gehört. Doch so richtig auf den Kopf gestellt wird sein Alltag erst, als kurz vor Abschluss des Projektes eine bahnbrechende Entdeckung gemacht wird: Auf dem Mars befinden sich, unter einer Eisdecke verborgen, gigantische geheimnisvolle Zeichnungen, die auf eine uralte Zivilisation hindeuten. Kurz darauf taucht ein fremdes Raumschiff auf und versucht, in einer fremden Sprache Kontakt aufzunehmen. Die hinzugezogene Wissenschaftlerin Dr. Wilem [Rachel Huggett] müht sich nach Kräften, die Botschaft zu entschlüsseln – und erfährt dabei von einer Katastrophe.

Kritik:

Spätestens in den 1980er Jahren war das Kino-Publikum im Weltraum-Rausch. KRIEG DER STERNE (1977) und dessen Fortsetzungen waren der Auslöser für eine Flut an Science-Fiction-Fabrikaten, die immer neue tapfere Recken und Reckinnen ins All schossen, um ferne Planeten zu retten und fiese Tyrannen zu vernichten. Auch das japanische Produktionsstudio Toho (dessen größter Erfolg auf immer und ewig GODZILLA bleiben wird) blieb nicht untätig und schickte mit DER GROSSE KRIEG DER PLANETEN bereits 1977 eines der ersten Plagiate ins Rennen. Und da das große Sternenfieber einfach nicht abebben wollte, entschied man sich ein paar Jahre später, einen weiteren Kosmos-Trip in die Wege zu leiten. Im Gegensatz zum Vorgängermodell, das ein astreines Abziehbild des erfolgreichen STAR WARS-Konzeptes war, wollte man dieses Mal allerdings etwas mehr Eigenständigkeit wagen und entschied sich daher, als Vorlage den futuristischen Roman SAYONARA JUPITER des renommierten Journalisten und Autoren Sakyu Komatsu zu nutzen. Toho hatte zuvor bereits eines seiner Werke erfolgreich adaptiert (woraus die apokalyptische Endzeit-Vision DER UNTERGANG JAPANS entstand), und vor allem in Verbindung mit dem beliebten Weltraum-Sujet erhoffte man sich wohl einen ähnlichen Kassenfüller. Um keine halben Sachen zu machen, engagierte man Komatsu auch gleich noch dafür, das Drehbuch zu verfassen.

Das Resultat unterscheidet sich auffallend von dem, was der damalige Durchschnitts-Konsument in der Regel von der Kategorie Science-Fiction erwartete. Denn statt epischer Schlachten und moderner Rittermythen bietet OPERATION JUPITER (wie das Werk in Deutschland getauft wurde) einen überwiegend nachdenklich gestalteten, dialoglastigen Exkurs in die Zukunft, der von einer pessimistisch geprägten Aura umwabert wird. Pate stand offenbar weniger George Lucas' kunterbunte Abenteuer-Fantasie als vielmehr Stanley Kubricks rätselschwangeres Gedankenspiel 2001. Wobei man diesen Vergleich nun auch nicht allzu ernst nehmen sollte, denn trotz Verzicht auf viel Krawall bleibt das engagierte Zukunftsmärchen in erster Linie triviale Unterhaltung, die weniger durch eine durchdachte Handlung als viel mehr durch Atmosphäre überzeugt. Dass die Spannung dabei überwiegend auf der Strecke bleibt, liegt vor allem daran, dass es an dafür nötigen Identifikationsfiguren mangelt. Tomokazu Miura [→ OUTRAGE] bleibt in seiner Hauptrolle als Eiji Honda bis zum Schluss vergleichsweise unnahbar, woran auch seine flink ins Skript gestrickte Liebesnöte nichts ändern können. Dabei werden zu Beginn noch ganz anständig die Weichen gestellt, als mit Captain Hoger Kinn ein Charakter vorgestellt wird, mit dem Honda offenbar eine innige Männerfreundschaft verbindet – so innig, dass sich die beiden zur Begrüßung erstmal eine zünftige Rauferei liefern und sich balgen wie kleine Jungs im Sandkasten. Das wirkt angenehm sympathisch - zumal es auch einer der wenigen Momente ist, in denen die Protagonisten aus ihrer Dauerstarre herausbrechen und mal nicht mit sorgenvoller Miene auf Bildschirme oder in die Ferne stieren. Doch nach dieser effektiven Einführung gönnt man den zwei Raufbolden keine gemeinsame Szene mehr (nein, Bildtelefonie zählt nicht!) und verschenkt dadurch einiges an Potential. 

Die Erklärung, was genau die beiden Männer denn nun eigentlich verbindet, bleibt der Autor dem Publikum schuldig - wie ohnehin das meiste, was hier passiert und diskutiert wird, merkwürdig unkonkret bleibt: Eiji trifft seine alte Freundin Maria, mit der er früher offenbar mal zusammen war. Oder doch nicht? Warum fallen die beiden unmittelbar nach ihrem Wiedersehen übereinander her wie zwei sexuell ausgehungerte Wölfe? Warum ist Maria jetzt Teil einer radikalen Umweltschutz-Sekte? Was sind die Ziele des hippie-esken Sektenführers Peter, der mit der Klampfe zwischen Blumenkindern und Delfinen von Frieden und Freiheit singt? Warum folgen ihm so viele Leute dermaßen bedingungslos, dass sie sogar den eigenen Tod in Kauf nehmen? Es gibt keine nachvollziehbaren Erklärungen für das alles, was auf Dauer zu Unzufriedenheit führt und dem permanenten Eindruck, zwischendurch etwas Wesentliches verpasst zu haben. Ob es ein politisches Statement des Autors war, ausgerechnet radikale, extrem naiv und klischeehaft gezeichnete Umweltschützer zu den Bösewichten der Geschichte zu machen, ist zwar nicht eruierbar, aber da die Sekten-Mitglieder so völlig weltfremd und ziellos agieren, wird etwaiger Kritik an damaligen realen Begebenheiten ohnehin der Wind aus den Segeln genommen. Das produzierende Toho-Studio jedenfalls war zu der Zeit eigentlich auf dem Öko-Trip und lies ihren Vorzeige-Star Godzilla mehrmals gegen die Folgen verheerender Umweltverschmutzung antreten.

Dazu gesellt sich die leicht verschroben wirkende Regie Koji Hashimotos [→ GODZILLA – DIE RÜCKKEHR DES MONSTERS], der teils sinnlose Zeitlupen einstreut, völlig deplatziert Japan-Pop-Gedudel dazwischenschiebt oder das Pärchen Eiji/Maria bei seinem Liebesgeplänkel erklärungslos durch ein Sternenmeer schweben lässt (quasi die Kombination zweiter ikonischer Szenen aus 2001 und SUPERMAN in der Nackedei-Variante). Herrlich schräg auch die Idee, den aggressiven Sabotageakt gewaltbereiter Saboteure mit Ausschnitten aus einem Godzilla-Film zu unterlegen (Monsterfilme werden also auch noch im Jahre 2125 geschaut - beruhigend!). In solchen Momenten scheint OPERATION JUPITER tatsächlich nicht von dieser Welt zu sein - wobei diese extravagante Attitüde dem Werk eine ansprechende Portion Pfeffer verleiht, was einen die etwas dröge Dramaturgie zeitweilen vergessen lässt. Kurz vorm finalen Vorhang fiel den Machern dann offenbar doch ein, dass ein bisschen Rambazamba ja nicht schaden kann, und so zücken die Protagonisten wie aus dem Nichts plötzlich bisher nie erwähnte oder sonstwie eingeführte Strahlenpistolen und liefern sich ein feuriges Wild-West-Duell mit allem, was dazugehört. Das wirkt zu diesem späten Zeitpunkt allerdings so dermaßen fehl am Platze und aus dem Hut gezaubert, dass man sich gut vorstellen kann, dass die Produzenten das Team dazu genötigt hatten, dem STAR WARS-Klientel zumindest im letzten Akt ein paar Schauwerte zu liefern.

So holprig das Endergebnis auch daherkommt, rein optisch gab man sich hier keine Blöße. Wer bisher aus Japan nur das Theaterkulissen- und Gummikostüm-Kino gewohnt war, wird sich gewiss die Augen reiben, wie tadellos hier alles getrickst wurde. Natürlich griff man auch hier auf Modelle zurück (etwas anderes war damals ja auch noch gar nicht möglich), aber so detailreich gestaltet und majestätisch in Szene gesetzt wurden Raumschiffe und Planeten im asiatischen Science-Fiction-Genre nur selten. Tatsächlich gelingt es hier reibungslos, die Illusion zu erzeugen, man befände sich wahrhaftig in den Weiten des Weltraums. Dazu kommen ein paar wirklich eindrucksvolle, fast schon magische Momente – allem voran die Szene, in welcher der gigantische, in geheimnisvolle Gaswolken gehüllte Kreuzer gesichtet wird und sich die Atmosphäre kurzzeitig dermaßen verdichtet, dass man sie schneiden könnte. Nicht nur in diesem Augenblick erinnert OPERATION JUPITER noch an einen ganz anderen Genre-Beitrag, nämlich an den von den Disney-Studios initiierten, für diesen Verleih ungewohnt düsteren DAS SCHWARZE LOCH [1979] (mit dem es im weiteren Verlauf noch eine weitere Gemeinsamkeit geben wird). Im Zusammenspiel mit der unaufdringlichen, aber effektiven Musikuntermalung Kentaro Hanedas [→ DIAMANTENAUGE] und dem generell rundum gelungenen Sound-Design, entsteht so ein durchaus faszinierendes Universum, das durch und durch stimmig wirkt.

Gerade unter diesen Aspekten ist es betrüblich, dass die Defizite trotz allem nicht zu übersehen sind. Die Story ist so kryptisch erdacht und erzählt, dass der Autor sie vermutlich selbst nicht zu 100 Prozent verstanden hat. Die Charaktere wirken durch die Bank so distanziert, dass man sie schon vergessen hat, sobald sie aus dem Bild sind. Dazu kommen ein paar Albernheiten, die gehörig an der Seriosität kratzen. So scheint für die Technik an Bord nur eine einzige Person zuständig zu sein - ein jugendlicher Schulstreber mit Brille und Latzhose, der unter der Last seiner Aufgaben auch schon mal kollabiert. Zudem ist selbst für den Laien ersichtlich, dass die technischen und wissenschaftlichen Erklärungen, die hier fortlaufend abgesondert werden, hanebüchener Unsinn sind. Vor allem aber ist OPERATION JUPITER heillos überambitioniert und will irgendwie alles zugleich sein (Philosophiestunde, Gesellschaftskritik, Seifenoper und kurz vor Schluss auch noch Action-Spektakel) und ist damit am Ende nichts Halbes und nichts Ganzes. Einen Blick wert ist der abstruse All-Ausflug dennoch – sei es wegen der visuellen Vorzüge, der skurrilen Ideen oder nur, um den alten Godzilla-Veteranen Akihiko Hirata (spielte im ersten GODZILLA von 1954 den Erfinder des Oxygen-Zerstörers, welcher Godzilla schließlich in die Knie zwang) in seiner letzten Rolle zu sehen.

Laufzeit: 113 Min. / Freigabe: ungeprüft

Mittwoch, 30. Juni 2021

DÄMONEN AUS DEM ALL


LA MORTE VIENE DAL PIANETA AYTIN
Italien 1967

Regie:
Antonio Margheriti

Darsteller:
Giacomo Rossi Stuart,
Goffredo Unger,
Renato Baldini,
Ombretta Colli,
Enzo Fiermonte,
Halina Zalewska,
Nino Vingelli,
Franco Resselato Montalbano



Inhalt:
 
Die Zukunft, kurz vor der Mittagspause: Eine Wetterstation im Himalaya wird von Unbekannten überfallen. Fast alle Angestellten werden dabei getötet, lediglich der leitende Lieutenant Harris [Renato Baldini] wird als vermisst gemeldet. Rod Jackson [Giacomo Rossi Stuart], Commander der erdnahen Raumstation Gamma 1, und sein Kollege Pulasky [Goffredo Unger] werden mit der Klärung des Falles und der Suche nach dem Verschollenen beauftragt. Eine Expedition durch eisige Berglandschaften führt zur Wahrheit, die mal wieder außerirdischen Ursprungs ist. Extraterrestrische Bedrohung? Heimspiel für Commander Jackson, der nun in Windeseile die Waffen putzt.

Kritik:

Gamma 1, die Vierte. Nach RAUMSCHIFF ALPHA, TÖDLICHE NEBEL und ORION 3000 bildet DÄMONEN AUS DEM ALL den Abschluss der am Stück gedrehten Science-Fiction-Saga um die wackeren Mannen und Damen der Raumstation Gamma 1. Zum Glück, möchte man beinahe hinzufügen, denn selbst Apologeten der gefährlich unterdurchschnittlichen Reihe müssen eingestehen, dass der Ofen beim finalen Ausflug in fremde Gefilde endgültig aus ist. Dabei waren sich augenscheinlich sogar die Macher bewusst, dass nach drei All-Abenteuern eine gewisse Luftveränderung dringend notwendig war. Während sich inhaltlich nichts geändert hat (die Welt wird mal wieder von externer Seite bedroht), ist der stilistische Bruch zu den Vorgängern schon augenfällig. Das letzte Kapitel spielt nämlich vorwiegend auf der Erde, die dieses Mal nicht mal für fünf Pfennige in irgendeiner Form futuristisch geschmückt wurde, sondern halt einfach nach Erde des Jahres 1966 aussieht. So verbringt Commander Jackson (der schon im Vorgänger dabei war und hier wie dort von Giacomo Rossi Stuart verkörpert wird) seinen Landgang in einem stinknormalen Café in Flussufer-Nähe, während im Hintergrund gewöhnliche Motorboote und PKW vorbeijuckeln. Versuchte man in den Vorgängern zumindest noch, den Anschein einer technologisch fortgeschrittenen Zukunft zu erwecken, legte man die (ohnehin erfolglosen Versuche) hier nun endgültig ad acta. Lange Zeit bleibt das auch so, denn von wenigen Intermezzi abgesehen kommt DÄMONEN AUS DEM ALL zunächst ohne Weltraum-Szenen aus. Stattdessen erzählt man die Geschichte einer Suche, die, wäre sie in Schwarzweiß abgelichtet, ebenso gut 10 Jahre früher hätte entstanden sein können.

Tatsächlich bedient die einleitende Himalaya-Expedition so ziemlich jede Klischee eines typischen Billig-Monsterfilms der 1950er-Jahre: Ein Wissenschaftler wird entführt und ohne jeden Anhaltspunkt werden ominöse Schneemenschen dafür verantwortlich gemacht (was am Ende natürlich auch noch stimmt). Es folgen ausschweifende Wanderungen durch Eis und Schnee, begleitet von Unglücksfällen, Streitereien und Sabotageakten, bevor man am Ziel tatsächlich auf die Übeltäter trifft, die zwar yeti-artige Außerirdische sein sollen, in Wahrheit aber bloß große bärtige Männer in breiten Mänteln sind. Der Anführer der bösen Brut geriert sich mit geheimer Kommandozentrale als vermeintlicher Superschurke im James Bond-Stil, der die Welt erst mittels selbst generierter Naturkatastrophen fluten will, um sie im Anschluss zu annektieren. Das ergibt erstaunlich wenig Sinn, aber vielleicht sind die Außerirdischen ja mit dem Kopf voran auf der Erde gelandet. Dazu passt, dass sie die Helden in eine unterirdische Höhle sperren, die doch tatsächlich einen eingebauten Lüftungsschacht besitzt, der sich im Sinne des Entkommens natürlich großartig zweckentfremden lässt (dass der entführte Lieutenant Harris bereits seit Tagen in eben jener Höhle hockt ohne dabei selbst auf die Idee zu kommen, den quasi auf dem Silbertablett präsentierten Fluchtweg zu nutzen, spricht nicht gerade für ihn). Die angeblich so hochentwickelten Invasoren verhalten sich nachfolgend wie tollpatschige Kleinkinder und lassen sich mittels ein paar lachhafter Taschenspielertricks problemlos übertölpeln.

Das letzte Drittel gehört dann der aus Teil 1 bis 3 bekannten Weltraum-Action, denn wie auf einmal aus heiterem Himmel gewusst wird, besitzen die Erdfeinde eine zweite Basis auf dem Jupiter, was der Film-Crew erneut Gelegenheit bietet, die altgedienten Studiokulissen zu entstauben und zwischen aufgehängten Planeten und wackeligen Miniaturen eine Art Abschlussschlacht zu modellieren. Und weil man nach fast vier Filmen am Stück endlich kurz vor Feierabend stand und man jetzt möglichst schnell fertig werden wollte, nutze man dafür kurzerhand auch Szenen, die bereits im Vorgänger Verwendung fanden. Das war nicht nur beim Drehen lediglich noch eine abschließende Pflichtübung, auch beim Zuschauen wünscht man sich, dass der in Sachen Ablauf absolut vorhersehbare und selbst im Rahmen der Reihe erbärmlich getrickste Showdown möglichst schnell abgefrühstückt ist. Am Ende regnet es plötzlich und alle lachen. Warum? Vermutlich, weil man das Mammutprojekt Gamma 1 nun endlich eintüten konnte. Vier Filme am Stück kreierte die Crew um Regisseur Antonio Margheriti [→ EIN HAUFEN VERWEGENER HUNDE] – ein Kraftakt, der auffallend zu Lasten der Qualität ging. DÄMONEN AUS DEM ALL ist der schwächste Beitrag dieser für alle Beteiligten nur wenig ruhmreichen Reihe. Dass man stilistisch ein paar neue Wege beschritt, ist noch das Positivste, was man über das Abschlusskapitel sagen könnte. Dass auch diese Wege bereits im Erscheinungsjahr komplett zertrampelt waren, ist dann wieder die andere Sache.

Immerhin wirkt Giacomo Rossi Stuart [→ DER MANN MIT DER KUGELPEITSCHE] in der Hauptrolle hier nicht halb so herrisch und machohaft wie noch im Vorläufer und könnte in einem besseren Szenario tatsächlich als Sympathiefigur fungieren. Die Chemie zwischen ihm und seinem Kompagnon Goffredo Unger [→ FÜNF BLUTIGE STRICKE] stimmt ebenfalls, sodass man den beiden wahrhaft ein besseres Skript und pfiffigeres Dialoggut gewünscht hätte. Ein wirkliches Kuriosum gibt es bei der weiblichen Besetzung zu vermelden: Die Rolle von Stationsmitglied Terry Sanchez, bei ORION 3000 noch von Ombretta Colli verkörpert, ging hier nun plötzlich an Halina Zalewska [→ DER TOD REITET MIT], die im Vorgänger eigentlich ihre Konkurrentin gespielt hatte. Ombretta Colli [→ DER KUCKUCK] ist allerdings trotzdem dabei – in der neuen Rolle der Lisa Nielson, die Commander Jackson schöne Augen machen darf und damit vergleichbar ist mit der ehemaligen Rolle Zalewkas. Eine noch bessere Demonstration, wie austauschbar in diesem Universum die Frauenfiguren sind, ist eigentlich kaum möglich. Besagte Lisa Nielson, derem entführten Gatten die ganze hier stattfindende Suchaktion überhaupt gilt, ist sich dann auch nicht zu schade, trotzdem beim Commander auf Tuchfühlung zu gehen. Auf eher peinlich berührende Weise erheiternd gesellt sich noch Wilbert Bradley [→ HÖLLENHUNDE DES SECRET SERVICE] zur Runde, der als äußerst stereotypisch gezeichneter Expeditions-Führer Sharu in einer Szene einen ekstatischen Zappeltanz zum Besten geben darf, der fatal an Drogenmissbrauch gemahnt und auf einem x-beliebigen Hippie-Festival deutlich besser aufgehoben wäre.

Das Einzige, was man an DÄMONEN AUS DEM ALL am Ende ohne jede Einschränkung als gelungen bezeichnen kann, ist die flotte (und überhaupt nicht im sonstigen Stil der Reihe arrangierte) Titelmelodie von Angelo Francesco Lavagnino [→ FAHRT ZUR HÖLLE, IHR HALUNKEN], die auf Anhieb gute Laune verbreitet. Bedauerlich, dass man das vom Rest der Fließband-Produktion selbst bei tiefergelegter Erwartungshaltung nur spärlich behaupten kann. Wer trotzdem von Weltall-Ausflügen und Alien-Invasionen noch nicht genug hatte, der konnte im Folgejahr ein Ticket für eine Reise auf die Raumstation Gamma 3 buchen. Unter japanischer Fuchtel entstand nämlich noch ein weiterer Ableger mit dem hochoriginellen deutschen Titel MONSTER AUS DEM ALL, der seinen italienischen Kollegen sogar deutlich überlegen ist.

Laufzeit: 90 Min. / Freigabe: ab 12 

Dienstag, 29. Juni 2021

ORION 3000 - RAUMFAHRT DES GRAUENS


IL PIANETA ERRANTE
Italien 1966

Regie:
Antonio Margheriti

Darsteller:
Giacomo Rossi Stuart,
Peter Martell,
John Bartha,
Marco Bogliani,
Ombretta Colli,
Vera Dolen,
Enzo Fiermonte,
Goffredo Unger



Inhalt:

In der Zukunft herrscht mal wieder Panik: Die Erde wird in regelmäßigem Abstand von Naturkatastrophen durchgeschüttelt. Die Wissenschaft ist ratlos, aber Rod Jackson [Giacomo Rossi-Stuart], Commander der Raumstation Gamma 1, hat eine Theorie: Die Gefahr kommt aus dem All und besitzt die Form eines Meteoriten. Ein Flug in den Weltraum bestätigt die schlimmsten Befürchtungen: Der Himmelskörper, der sich der Erde nähert, ist in Wahrheit ein lebender, alles vernichtender Organismus. Die Zeit zur Rettung drängt.

Kritik:

Bühne frei für Runde drei! Nach RAUMSCHIFF ALPHA und TÖDLICHE NEBEL ist ORION 3000 – RAUMFAHRT DES GRAUENS bereits der dritte Beitrag zur von Regisseur Antonio Margheriti zum Leben erweckten Gamma 1-Tetralogie, der sich mit seinen Vorgängern allerdings in erster Linie nur noch die Schauplätze „Raumstation“ und „Weltall“ teilt. Die kostengünstigen Kulissen haben sich zwar ebenso wenig geändert wie die einfältigen Effekte, aber in Sachen Stab und Stimmung kommt es dafür zu auffälligen Abweichungen: So glänzt das bewährte Team um Commander Halstedt hier durch Abwesenheit und macht Platz für das Team um Commander Jackson, der in seinem autoritären Auftreten und seiner rumpeligen Art nur wenig Sympathiepunkte sammeln kann. Da fängt der Mann doch wie ein ungezogener Schuljunge aus völlig nichtigen Gründen eine zünftige Rauferei mit einem Kollegen an oder lässt ohne Not Dinge vom Stapel wie „Wir kennen uns jetzt fünf Jahre, du dumme Sau.“ Derlei Gebaren lässt nicht gerade auf Harmonie im All schließen und tatsächlich wird dieses Mal an allen Ecken und Enden rumgezickt. Denn trotz seines rüpelhaften Benehmens fliegen dem Commander die Frauenherzen zu. Seine neue Flamme behandelt er dabei an Deck wie Dreck, nur im stillen Kämmerlein lässt er sich mal zu einem etwas freundlicheren Tonfall herab. Und da ist da noch seine Ex, die ihn aus unerfindlichen Gründen zurückerobern möchte und sich dazu extra auf die Raumstation verlegen lässt, wo sie ihre Zeit nun hauptsächlich damit verbringt, ihrer Nebenbuhlerin blasierte Blicke und bissige Bemerkungen zuzuwerfen.

Witzigerweise lösen sich im weiteren Verlauf all diese angedeuteten Konflikte (teilweise sogar wortwörtlich) in Rauch auf und kommen so über ihre Ansätze niemals hinaus. Offenbar dienen sie damit in erster Linie dem Zweck, den wahrlich nicht sehr ergiebigen Inhalt auf ein Maximum zu strecken. Und tatsächlich erreicht ORION 3000 gerade mal mit Müh und Not die knappe 80-Minuten-Marke. Allerdings ist es auch ganz angenehm, dass man die Sache nicht unnötig komplizierter machte als sie eigentlich ist. Obwohl man locker 20 Minuten hätte entfernen können, ohne dass es in Sachen Verständnis zu Verlusten geführt hätte, weicht die verklausulierte Erzählweise der Vorgänger, die ihre ebenfalls sehr simplen Prämissen umständlich aufbrezelten, hier doch einem klar formulierten Ziel: die Vernichtung des herannahenden Meteoriten, der sich als weltenverschlingender Organismus entpuppt. Etwas bedauerlich, dass man gerade diesem Konzept keine weitere Erklärung gegönnt hat: Der Himmelskörper ist offensichtlich ein lebendes Wesen, das alles in sich aufsaugt, was in dessen Nähe kommt. Aber wie und warum, ob aus Gründen der Feindschaft oder des Überlebens, ob bewusst oder unbewusst, darüber wird nicht ein Gedanke verschwendet. Dennoch sind die finalen Szenen im Inneren des pulsierenden Gesteins das einzige wirkliche Glanzlicht der mauen Erzählung. Zwar werden die Effekte nicht undurchschaubarer, aber das mit zappelnden Tentakeln, dampfenden Kratern, blubbernden Lavabächen und wabernden Rauchschwaden angereicherte Innenleben der garstigen Kreatur erzeugt trotz simpler Umsetzung durch passende Ausstattung und Ausleuchtung eine gelungene Atmosphäre.

Während das Finale beweist, dass man mit ein bisschen Fantasie und Feingefühl trotz fehlender Finanzen funktionierende Szenarien entwerfen kann, sollte über den Rest der versuchten Illusionen erneut der Mantel des Schweigens gehüllt werden. Die deutlich sichtbaren Schnüre (eigentlich fast schon dicke Taue), an denen die vermeintlichen Astronauten wie die Sandsäcke hängen und hilflos mit den Armen rudern, die gespielten Zeitlupen (hat der Crew eigentlich wirklich niemand gesagt, dass man auch tatsächliche Zeitlupen erzeugen kann?) und die klobigen Modelle (vor allem die gefährlich wackelig herumeiernde „Raumstation“, bei deren Einblendung man jedes Mal erneut Angst bekommt, sie könne jeden Augenblick vom Faden fallen, ist immer wieder schön) kennt man bereits aus den Vorgängern. Dazu gesellt hier allerdings noch ein Effekt, der so sagenhaft mies und sehnervverwirrend umgesetzt wurde, dass die eigentliche Dramatik der Szene (der Tod eines der Charaktere, der einem bei vernünftiger Umsetzung sogar nahegegangen wäre) sich in beschämtes Staunen auflöst. Ohnehin macht sich der Mangel an Zeit und Budget quasi durchgehend bemerkbar: Angeblich radiert der unheilvolle Himmelskörper am laufenden Meter ganze Großstädte aus, zu sehen bekommt man nichts davon. Eine nur sekundenlange Szene mit brennenden Flugzeugmodellen und eilig hineingeschnittene Archivaufnahmen von tatsächlichen Naturkatastrophen müssen ausreichen, um den dräuenden Untergang glaubhaft zu machen. Die alles vernichtende Explosion einer Anti-Materie-Bombe wird durch den Knall eines Feuerwerkskörpers veranschaulicht, dann wird abgeblendet. Den Rest muss man sich halt denken. Diese offensichtlichen Sparmaßnahmen fallen überdeutlich ins Auge und verhindern eine wirkliche Anteilnahme an dem Geschehen.

Ganz im Gegensatz zu den Protagonisten, die angestrengt damit beschäftigt sind, stets sorgenvoll aus der Wäsche zu gucken und am Ende von Heldentum und -tod gar nicht genug bekommen können. Gespielt ist das alles durchaus anständig, was in Anbetracht der offensichtlichen Billig-Kulissen, durch die man sich hier bewegen musste, gar nicht so selbstverständlich ist. Giacomo Rossi Stuart [→ DIE FÜNF GEFÜRCHTETEN] verkörpert den herrischen Commander Jackson fernab der Stromlinienförmigkeit seines Vorgängers, was ihn immerhin zur interessanteren Figur macht. Deutlich mehr zur Sympathieperson jedoch taugt sein Mitstreiter Lt. Dubrowski (Pietro Martellanza [→ DAS AUGE DES BÖSEN]), der mit Jackson aus irgendwelchen Gründen im Dauer-Clinch liegt, sich mit ihm schlägt, mit ihm verträgt, und das damals übliche Männlichkeitsideal beizeiten auch mal beiseite legt und unumwunden Tränen der Trauer vergießt. Enzo Fiermonte [→ CARRERA – DAS GEHEIMNIS DER BLONDEN KATZE] wiederholt in bewährt aristokratischer Manier offenbar seine Rolle aus dem Erstling, obwohl er hier merkwürdigerweise einen neuen Namen trägt. Und die weibliche Belegschaft gerät leider mal wieder ein bisschen ins Hintertreffen und ist überwiegend dazu da, als Anhängsel zu dienen. Halina Zalewska [→ DER LEOPARD] agiert zwar durchaus selbstbewusst als vollwertiges Crew-Mitglied, hat aber dennoch nichts Besseres zu tun, als sich um die Treue ihres lieben Commanders zu sorgen. Und Ombretta Colli [→ DER KUCKUCK] hat als ihre Rivalin so wenig zu tun, dass man fast hofft, sie hätte den Autoren im Anschluss mal so richtig die Meinung gegeigt.

ORION 3000 (der Titel ist eine deutsche Erfindung, die nichts mit der Handlung zu tun hat) ist am Ende dann wirklich nur etwas für unverbesserliche Fans italienischer Niedrigpreis-Unterhaltung. Anders als so oft beflügelte das schmale Budget hier nicht die Fantasie der Macher, man merkt dem Werk Lieblosigkeit und Zeitdruck seiner Entstehung deutlich an (immerhin entstanden alle vier Gamma 1-Abenteuer in einem Abwasch). Die Raumfahrt des Grauens ist somit vielmehr eine Raumfahrt des Gähnens, eine leidenschaftslose Auftragsarbeit ohne Schmiss und Elan und innerhalb der eigentlich sehr feinen Filmographie Antonio Margheritis [→ DIE JÄGER DER GOLDENEN GÖTTIN] eher vergessenswert.

Laufzeit: 78 Min. / Freigabe: ab 12

Sonntag, 27. Juni 2021

TÖDLICHE NEBEL


I DIAFANOIDI VENGONO DA MARTE
Italien 1966

Regie:
Antonio Margheriti

Darsteller:
Tony Russel,
Lisa Gastoni,
Franco Nero,
Carlo Giustini,
Enzo Fiermonte,
Linda Sini,
Nando Angelini,
John Bartha



Inhalt:

Zeit: Die Zukunft. Ort: Raumstation Gamma 1: Commander Halstead [Tony Russel] und seine Crew befinden sich in Feierlaune. Das neue Jahr steht vor der Tür. Da wird alle Förmlichkeit vergessen und das Tanzbein geschwungen, als ob es kein Morgen gäbe. Dummerweise stimmt das vielleicht sogar: Seltsame wolkenähnliche Gebilde tauchen plötzlich auf und lassen Menschen zur Salzsäule erstarren. Und der einst so loyale Captain Dubois [Michel Lemoine] steht plötzlich unter dem Einfluss einer fremden Macht und verkündet unheilvolle Botschaften: Die Menschheit wurde dazu auserkoren, körperlosen Invasoren als Wirt zu dienen, die baldige Gleichschaltung aller Lebewesen steht bereits kurz bevor. Halstead und sein Kompagnon, der wagemutige Lieutenant Jacowitz [Franco Nero], wollen das nicht hinnehmen und gehen in den unlegitimierten Widerstand. Die Spur führt zum Mars.

Kritik:

Nachdem RAUMSCHIFF ALPHA im Vorjahr unerwartet sogar in den Lichtspielhäusern landen durfte, obwohl der kostengünstig zusammengerührte Cocktail aus Kosmos-Krimi und Verrückter-Wissenschaftler-Schote eigentlich nur für die Mattscheibe konzipiert war, schickten sich anno 1966 TÖDLICHE NEBEL an, es dem gleichzutun. Auch der Fortsetzung wurden spontane Leinwand-Ehren zuteil, weswegen das Wiedersehen mit den aus dem Vorgänger bekannten Figuren im wohligen Dunkel des Kinosaals erfolgen konnte. Viel geändert hat sich dabei nicht. Kein Wunder, denn aus Gründen der Effizienz wurde Teil 2 gleich zusammen mit dem Erstling abgekurbelt, weswegen nicht nur die Darsteller dieselben bleiben, sondern auch die biederen Bauten und Modelle, welche hier abermals die Weiten des Weltalls suggerieren sollen. Nach wie vor ohne großen Erfolg, denn die zahlreichen Raumstations- und -schiff-Miniaturen sind viel zu klobig und undetailliert gestaltet, um nicht sofort als ordinäres Spielzeug entlarvt zu werden. Und auch in Sachen Tricktechnik sind keine Veränderungen auszumachen: Jeder Effekt ist in seiner Machart auf Anhieb durchschaubar, und man gab sich auch keine Mühe, sein Publikum in irgendeiner Form zu verblüffen. Die Schnüre, an denen die Astronauten-Statisten hier arg ungelenk durchs angebliche All schaukeln, sind so dermaßen prominent ins Bild gerückt, die sollten einfach gesehen werden. Kurzum: Die Illusion, man befände sich in ferner Zukunft zwischen fremden Sternen, kann nicht eine Sekunde erweckt, geschweige denn aufrechterhalten werden.

Dazu trägt nicht nur die unterdurchschnittliche Effekt-Arbeit bei, sondern auch der Umstand, dass die Fantasie der Schöpfer abermals nicht ausreichte, sich eine plausible futuristische Vision zu erdenken. So befindet man sich erneut eindeutig in den allertiefsten 1960er-Jahren, was bereits bei der einleitenden Silvester-Feierlichkeit mehr als deutlich wird: Während im Vordergrund mit bierernster Miene Technik-Tinnef abgesondert wird, tobt im Hintergrund eine rauschende Champagner-Fete mit hippen Beats und flotten Girls, bei der alles wie verrückt zappelt, schwoft und sich beschwipst Schweinereien ins Ohr säuselt. Auch die lässigen Dialoge, welche zumindest die deutsche Synchronfassung vom Stapel lässt, können nur aus dieser Zeit stammen. „Saufen Sie nicht mehr als Sie vertragen können“, raten sich die Crew-Mitglieder da gegenseitig, oder bemerken folgerichtig: „Spaß muss sein, sonst geht keiner mit zur Beerdigung.“ Dieser unbekümmert zelebrierte Zeitgeist ist es dann auch, der TÖDLICHE NEBEL zu einem aparten Anschauungsobjekt werden lässt. Hier wird aus jeder Pore pure Nostalgie geschwitzt, der Rest ist redundant. Denn – wenig überraschend! - auch die Geschichte reißt niemanden vom Hocker.

War im Vorgänger noch die Gen-Technik und deren Missbrauch als Wurzel allen Übels ausgemacht, bediente man sich hier des klassischen Körperfresser-Motivs, das 1956 im wegweisenden Sci-Fi-Grusler DIE DÄMONISCHEN erstmals publikumswirksam die Leinwände der Welt heimsuchte. Die unheimliche Macht, die in Wolkenform vom Menschen Besitz ergreift, ist hier wie dort unschwer als kommunistische Ideologie zu deuten, will das fremde Wesen sich doch alles in Gleichheit untertan machen. Auf die Frage, wo die verschwundenen Team-Mitglieder abgeblieben sind, antwortet der unerwünschte Eindringling: „Ihr werdet sie lebend wiedersehen. Als neue Menschen unserer Welt. Voller Hoffnung und Energie. Im Dienste der Allgemeinheit.“ Zwar war die Idee eines individuenverschlingenden Invasoren 1966 noch längst nicht so abgestanden wie einige Jahre später, aber wirklich zu nutzen wusste man sie hier nicht. Geriet der Beginn, als man noch herauszufinden versucht, was es mit den sonderbaren Ereignissen auf sich hat, noch angenehm atmosphärisch, ist, nachdem die Fronten geklärt sind, die Luft auch größtenteils schon wieder raus. Das liegt vor allem daran, dass der Gegner nicht nur körper-, sondern offenbar auch hirnlos ist, lässt er sich doch auf denkbar simple Weise austricksen und besiegen. Schuld daran ist natürlich das einfallslose Drehbuch, für das sich nun wahrlich niemand ein Bein ausgerissen hat. Mehr noch: Die erzählerischen Kniffe, wie die Helden jeder Gefahr entkommen, sind fast schon unverschämt dreist und setzen einfach voraus, dass das Publikum wirklich jede Kröte zu schlucken bereit ist. So überleben die Protagonisten nur, weil der Feind, obwohl gerade noch in bester Tötungslaune, sie einfach am Leben lässt und wie unartige Schulkinder wegschickt („Macht, dass ihr wegkommt! Ihr stört nur!“), und sie entkommen ihrer Gefängniszelle, weil der Fluchtweg praktischerweise schon mit eingebaut wurde und sich per Knopfdruck öffnen lässt (ein weiterer Knopfdruck serviert den vermeintlich Gefangenen übrigens gleich noch nen Satz Werkzeuge dazu).

In solchen Momenten gibt sich TÖDLICHE NEBEL der Lächerlichkeit preis und verärgert sogar ein wenig, da man offensichtlich annahm, der Konsument würde diese verfilmte Leistungsverweigerung anstandslos akzeptieren. Dem gegenüber stehen allerdings auch ein paar gelungene Momente, die zumindest kurzzeitig so etwas Ähnliches wie Spannung oder Dramatik aufkommen lassen. Dazu gehören vor allem die atmosphärischen und überraschend harten Szenen, in welchen die außerirdischen Eindringlinge ihre Opfer assimilieren und somit zu ihresgleichen machen: Die Menschen werden in eine untermarsliche, von unheimlichem Nebel erfüllte Höhle geschickt, aus der sie als seelenlose Gestalten wieder herauskommen. Wer sich weigert, wer seine Individualität nicht verlieren möchte, wird noch vor Ort gnadenlos zu Tode geröstet. Die Kaltblütig- und Hoffnungslosigkeit dieser Sequenz lässt erahnen, dass hier durchaus einiges an Potential vergeudet wurde. Denn überwiegend obsiegt hier doch das Defizit: Futuristische Fahrzeuge, die nicht mehr können als stinknormale PKW, Personen, die versuchen, Nebelwolken mit Flammenwerfern zu bekämpfen, Atomexplosionen, die nicht mehr sind als ein ordinäres Silvester-Feuerwerk oder eine angeblich erstarrte Raumschiff-Crew, die verzweifelt versucht, stillzustehen ohne zu blinzeln, was aber leider nicht so ganz geklappt hat. Patzer wie diese sind garantiert bereits während des Drehs aufgefallen, aber man hat es – vornehmlich aus Zeit- und Kostengründen – einfach hingenommen, was TÖDLICHE NEBEL einfach sehr lieblos wirken lässt. Dazu hagelt es herrlichen verbalen Nonsens wie: „Registrierte Strahlungswerte: weit über maximal“ oder Begrifflichkeiten wie „Kosmo-Visions-Sendung“, „Synchrotron-Strahlungs-Anzeige“ oder „Super-Space-Geschwindigkeit“ (nur „wahnsinnige Geschwindigkeit“ wäre noch schneller), während es von der Tonspur in futuristischer Fröhlichkeit beständig piepst und pfeift und flötet.

Am Ende wirkt TÖDLICHE NEBEL wie eine etwas schluderig erdachte und inszenierte Doppelfolge der Kult-Serie RAUMSCHIFF ENTERPRISE, in der man sich ebenfalls regelmäßig fremder Eindringlinge erwehren musste und die zwischen Pappmaché-Planeten und Studio-Kulissen häufig philosophische Fragen oder moralische Dilemmata hinaufbeschwor. Margheriti und seine Crew verfehlten dieses Niveau letzten Endes aufgrund ihrer Schnellschuss-Mentalität und ihrem Desinteresse daran, mehr als zweckdienlichen Durchschnitt abzuliefern. Interessante Ansätze werden nicht zu Ende gedacht, Situationen werden unzureichend aufgelöst und die Effekte wirken nicht charmant, sondern schlichtweg unbeholfen. Aber bei Science-Fiction-Abenteuern, die mit weiblichem Eifersuchts-Gehabe beginnen und mit inniger Knutscherei enden, muss man generell skeptisch sein.

Laufzeit: 92 Min. / Freigabe: ab 16

Dienstag, 15. Juni 2021

RAUMSCHIFF ALPHA


I CRIMINALI DELLA GALASSIA
Italien 1965 

Regie:
Antonio Margheriti 

Darsteller:
Tony Russel,
Lisa Gastoni,
Massimo Serato,
Carlo Giustini,
Franco Nero,
Enzo Fiermonte,
Umberto Raho,
Vittorio Bonos
 


„Ich wäre entzückt, wenn Sie mir erlauben würden, Ihren Geist zu erforschen.“ 
[Professor Nurmi weiß, wie man flirtet.]


Inhalt:

Die Zukunft: Auf der erdnahen Raumstation Gamma 1 arbeiten Commander Mike Halstedt [Tony Russel] und Professor Nurmi [Massimo Serato] im Forschungsauftrag zusammen. Freunde sind sie nicht gerade. Während der Professor mit Begeisterung biochemische Experimente an menschlichen Organen durchführt, hält der Commander das Eingreifen in die Genetik für grundlegend falsch. Gleichzeitig verschwinden auf der Erde immer wieder Menschen auf mysteriöse Weise. Eine erste Spur ergibt sich, als ausgerechnet Mikes Schwester Vicky [Victoria Zinny] Zeugin einer weiteren versuchten Entführung wird und eine junge Frau und einen glatzköpfigen Hünen als Täter beschrieben kann. Dieser Hinweis führt zur streng geheimen Experimentierstation Alpha – und damit zu Professor Nurmi.

Kritik:

Die Helden RAUMSCHIFF ALPHAs brauchen in der Tat ganz schön lang, um 1 und 1 zusammenzuzählen. Hätte man dem offen von Herrenrassen träumenden Professor Nurmi schon gleich bei seinem ersten Auftritt das Wort Schurke auf die Stirn gepinnt, es wäre kaum weniger subtil gewesen - zumal die Themen Größenwahnsinniger Gelehrter und Genetische Manipulation zum Produktionszeitraum schon längst nen Bart vom Kolosseum bis zur Milchstraße hatten. So sind statt des Publikums lediglich die Protagonisten überrascht, als sie ca. zur Halbzeit der Chose erkennen, dass zwischen dem unerklärlichen Verschwinden mehrerer Menschen und den Faschismus-Fantasien des distinguierten Wissenschaftlers ein Zusammenhang besteht. Das Bebildern neuer Ideen war jedoch augenscheinlich ohnehin nicht die treibende Kraft hinter dem ernüchternd leidenschaftslos kredenzten Kosmos-Krimi, der sichtbar simpel und ohne offenkundige Sorgfalt heruntergekurbelt wurde. Dass das keine bloße Behauptung ist, beweist der Affenzahn, in dem unter selber Regie noch drei Fortsetzungen hinterhergeschickt wurden, entstanden direkt am Stück innerhalb weniger Monate. Geldgeber des als italienische Produktion ausgewiesenen Werks war das amerikanische Fernsehen, das zu günstigen Konditionen möglichst viel Sendezeit mit Science-Fiction-Stoff füllen wollte. Putzigerweise befand man das Ergebnis als dermaßen gelungen, dass man es entgegen ursprünglicher Pläne sogar auf die Leinwand brachte. 

Ein gewisser Unterhaltungswert lässt sich tatsächlich nicht leugnen, wobei das in erster Linie an den unfreiwilligen Begleiterscheinungen der Billigproduktion liegt. Die Durchschaubarkeit der zahlreichen Modell-Effekte gemahnt an Magie und Möglichkeit gut ausgestatteter Kinderzimmer, und immer wieder ertappt man sich beim Daumendrücken, dass die ganzen plumpen Plastik-Schiffe, -Stationen und -Satelliten nicht von der deutlich sichtbaren Schnur fallen, an der sie unsicher vor der Weltraum-Tapete hin und her wackeln. Bereits der Vorspann ist ein Quell der guten Laune: Ein paar Schauspieler hängen unkoordiniert im „All“, rudern hilflos mit den Armen und fragen sich vermutlich gerade, warum sie nichts Anständiges gelernt haben. Ein paar Takte später turnen sie dann durch eindeutig als solche auszumachende Studiobauten und versuchen verzweifelt Schwerelosigkeit zu simulieren, indem sie so tun, als würden sie sich in Zeitlupe bewegen. Sieht natürlich komplett bescheuert aus und man fragt sich, warum echte Zeitlupe an der Stelle keine Option gewesen ist.

Dazu gesellt sich eine Ausstattung, die angestrengt futuristisch wirken will, was aber grandios scheitert, da die Vorstellungskraft der Szenenbildner schlichtweg nicht ausreichte. Stattdessen bekommt man Telefonhörer von Ausmaßen einer ganzen Telefonzelle serviert, Werbe-Bildschirme, auf denen eine überaus hässliche "Computer-Puppe" angepriesen wird (von deren Aussehen und Artikulation sogar Chucky, die Mörderpuppe Herzrasen bekommen würde) und "Laser-Kanonen", die stinknormale Plastik-Pistolen sind, aus deren Lauf Flammen hervorschießen. Woanders nennt man sowas Feuerzeug. Als weitere Attraktion fungiert das als "Allzweckauto" betitelte Gefährt, das einem als avantgardistisch verkauft wird, tatsächlich aber so aussieht wie das, was für gewöhnlich auf Rummelplätzen neben wippenden Pferdchen im Kreis fährt. Höhepunkt für Spielzeug-Fetischisten ist dann die Verfolgungsjagd, bei der zwei Bösewichte in eben jenem Vehikel fliehen, was schließlich in einem Auffahrunfall mit den Helden mündet. Wie diese Szene aussieht, weiß jeder, der in seiner Kindheit schon mal zwei Matchbox-Autos frontal aufeinanderprallen ließ. Und da man hier abermals auf relativ simpel zu bewerkstelligende Dinge wie Zeitlupen und adäquate Sounds verzichtete, muss man vermuten, dass den Machern die Offensichtlichkeit ihrer hochökonomischen Trickserei schlichtweg schnuppe war.

Im Vergleich zu den Beiträgen der Godzilla-Reihe, die aus dem Spiel mit Miniaturen, Kulissen und Kostümen eine ganz eigene, in sich stimmige Ästhetik entwickelte, sind die halbgaren Versuche RAUMSCHIFF ALPHAs etwas Ähnliches zu bewerkstelligen arg bemitleidenswert. Die Story ist eher naiver Natur und zudem auch ein ziemlicher Bauernfang. Anstatt das Science-Fiction-Sujet vollends auszukosten, bekommt man nämlich eine reichlich banale Agentengeschichte vorgesetzt, die (natürlich aus Budgetgründen) überwiegend auf der Erde spielt und ebenso gut auch in der damaligen Gegenwart hätte stattfinden können. Die Infantilität bricht sich Bahn, wenn das Weltraum-Kommando der Vereinigten Demokratien (das sich als Konferenzraum gerade mal eine etwas bessere Besenkammer leisten kann) zusammenhockt, um über den permanenten Personenschwund zu beratschlagen. „Es gibt bestimmt eine Erklärung. Man muss sie nur finden“, schlussfolgert einer messerscharf, bevor die Versammlung mangels neuer Erkenntnisse erst einmal vertagt wird. Eigentlich sei das ja auch Sache der Polizei.

Auch ernstzunehmenden Diskussionen betreffend Ethik ging man, abgesehen von einem kurzen verbalen Disput zwischen Commander und Professor zu Beginn, aus dem Weg. „Es ist vielleicht altmodisch, aber ich möchte gern mit dem Körper leben, den die Natur mir gegeben hat“, erklärt Halstedt da gewissenhaft. „Ich bin ein Individuum und nicht eine Kollektion von Fleischbrocken.“ Vertieft wird das Thema dann aber nicht. Ist auch gar nicht nötig, denn die nachfolgenden Ereignisse folgen keiner irgendwie gearteten Logik. So bleibt einem nicht viel anderes übrig, als das abstruse Geschehen als kindlichen Comic-Strip zu begreifen, in denen stocksteife Barbie-Puppen verkleinerte Menschen darstellen sollen und die Entführungsschwadron aus einer Schar leckerer Ladys besteht, die als Handlanger einen tumben Mantelträger mit Glatze, Sonnenbrille und viel zu kleinem Hut mit sich führen, den man schon aus 30 Kilometern Entfernung als Halunken erkennt (als ihn in einer Szene ein Kind beim geplanten Übergriff beobachtet, erschrickt er, dreht sich weg, hält sich schnell das Cape vors Gesicht wie einst Bela Lugosis Double in PLAN 9 AUS DEM WELTRAUM und kratzt die Kurve – was für ein Held!).

Aufgrund solch angenehmer Verschrobenheiten unterhält RAUMSCHIFF ALPHA auf unintendierte Weise bis zum Schluss recht anständig. Der Amerikaner Tony Russel [→ HARD RIDER] macht sich als Held nicht schlecht, während Massimo Serato [→ SARTANA KOMMT] als klassischer Bond-Bösewicht agiert, der seinem Konterpart gen Ende erstmal ganz traditionell eine von reichlich abstrusen Erklärungen begleitete Führung durch seine Anlage spendiert. Für den weiblichen Anteil ist Lisa Gastoni [→ FEUERTANZ] an Bord, die zunächst als schlagkräftiger Selbstverteidigungsprofi eingeführt wird, bevor sie plötzlich Sachen sagt wie „Ich bin der Meinung, dass die volle Gleichberechtigung zum Weltraumschrott gehört“ und am Ende dann doch wieder nur die hilflose Geisel mimen darf. Und in einer Nebenrolle erkennt man noch Franco Nero, bei dessen von zarter Milchbubi-Blässe gezeichnetem Anblick man kaum glauben kann, dass er nur ein Jahr später als einer der härtesten Western-Helden aller Zeiten, Django nämlich, in die Filmgeschichtsbücher eingehen würde. Ergänzend bleibt noch zu sagen, dass der deutsche Titelvergeber wohl ein bisschen geträumt hat, schließlich ist Alpha kein Raumschiff, sondern eine Raumstation. Aber wer wird denn kleinlich sein? RAUMSCHIFF ALPHA bietet zwar kein Raumschiff Alpha, aber dafür wunderbare Momentaufnahmen wie die, in welcher die völlig überrumpelten Helden von ein paar kampflustigen Damen nach Strich und Faden vermöbelt werden, bevor mitten in der Zukunft rauschende Swingin'-60s-Partys gefeiert oder Aufführungen besucht werden, bei denen Tänzer in albernen Vogelkostümen über die Bühne hopsen und lauter seltsame Dinge tun. Letzteres ist dabei im Prinzip nichts anderes als das Äquivalent zum vorliegenden Gesamtwerk. Denn wenn man die leicht groteske Sci-Fi-Sause schlichtweg als absurdes Theaterstück begreift, dessen Merkwürdigkeit man sich einfach ausliefert, macht man schon einiges richtig.

Regisseur Margheriti war laut eigener Aussage übrigens nicht sehr erfreut darüber, dass man die TV-Produktion wider vorheriger Planung ins Kino brachte. Er war der Meinung, auf der Leinwand würden die für die Mattscheibe konzipierten Effekte schrecklich aussehen. Da hat er sich natürlich geirrt. Die Effekte sehen auch im Fernsehen beschissen aus. Dass der Mann sein Metier eigentlich deutlich besser beherrschte, bewies er später mit grandiosen Krachern wie GEHEIMCODE WILDGÄNSE oder KOMMANDO LEOPARD. Aber bis dahin sollte noch ein bisschen Zeit vergehen. Ein Jahr später waberten unter seiner Fuchtel erstmal TÖDLICHE NEBEL durch die Lichtspielhäuser.

Laufzeit: 97 Min. / Freigabe: ab 12 

Sonntag, 6. Dezember 2020

UX-BLUTHUND - TAUCHFAHRT DES SCHRECKENS


KAITEI DAISENSO
Japan, USA 1966

Regie:
Hajime Sato

Darsteller:
Sonny Chiba,
Peggy Neal,
Franz Gruber,
Eric Nielsen,
Andrew Hughes,
Mike Danning,
John Kleine,
Eric Neilson



"Ich kann beweisen, was ich gesehen hab."
"Wie beweisen?"
"Mit einer Aufnahme, die ich gemacht habe."
"Und wo ist die Aufnahme?"
"Noch in der Kamera."
"Und wo ist die Kamera?"
"Die hab ich leider verloren."

[So sieht gute Beweisführung aus!]


Inhalt:

Als das US-Militär der Welt ihren neuesten Wundertorpedo präsentieren will, kommt es zu einem erschreckenden Zwischenfall: Nachdem die Superwaffe plangemäß ein Schiffswrack gesprengt hat, ist auf den Monitoren für Sekundenbruchteile ein menschenähnliches Lebewesen zu erkennen. Der leitende Commander Brown [Franz Gruber] wirkt beschwichtigend auf die Menge ein, aber der japanische Reporter Ken Abe [Sonny Chiba] und die amerikanische Fotografin Jenny [Peggy Neal] lassen nicht locker. Jenny beschließt, zu der besagten Stelle hinabzutauchen, um nach Spuren zu suchen. Vor Ort von einem sonderbaren Fischwesen überrascht, lässt sie vor Schreck die Kamera fallen. Da damit nun auch die Beweise futsch sind, wird ihr nach ihrer Rückkehr keinen Glauben geschenkt. Gemeinsam mit Ken beschließt sie daher, die Kamera zu bergen. Dabei werden die beiden Schnüffler jedoch von den sonderbaren Wesen gefangen genommen und in eine geheime Unterwasserstation verschleppt. Dort müssen sie erkennen, dass der Horror von Menschenhand gemacht ist: Der wahnsinnige Dr. Rufus Moore [Eric Nielsen] träumt von einem Weltreich mit ihm als Herrscher und seinen Schöpfungen als Handlanger. Jenny und Ken sollen ihn entweder dabei unterstützen oder selbst als Wasser-Cyborgs enden. 

Kritik:

Stimmungsvoll beginnt er, dieser weitere Beitrag zur japanischen Science-Fiction-Welle, die in den 50er Jahren ihren Anfang nahm und in den 60er Jahren quasi auf ihrem Höhepunkt war. Zwar fragt man sich schon, was an einem Torpedo, der ein ruhendes Schiffswrack treffen kann, so besonders sein soll, dass man dafür extra die Weltpresse zusammentrommeln muss, aber der unheimliche Auftakt samt Sichtung eines geheimnisvollen Unterwasser-Wesens teasert gut an. Auch der weitere Verlauf hält das Interesse hoch, denn die beiden Protagonisten, der Reporter Ken Abe und die Fotografin Jenny, wirken einnehmend und ihre Ermittlungen machen Laune. Der gewonnene Kredit wird freilich größtenteils verspielt, wenn die Fischwesen erstmals leinwandfüllend präsentiert werden, denn diese wirken in ihren auffallend simpel gestalteten Kostümen eher traurig als gruselig. Zwar sind es, wie sich später herausstellt, tatsächlich tragische Figuren, im Sinne des Erfinders dürfte das dennoch nicht gewesen sein. Hier hätte man sich gern etwas mehr Mühe geben dürfen. Ohnehin läuft ab einem gewissen Zeitpunkt alles nur noch äußerst zweckdienlich ab. Die zu Beginn nicht ungeschickt aufgebaute Erwartungshaltung verpufft und es wird klar, dass man es lediglich mit profaner Dutzendware zu tun hat, die sogar für ihr Entstehungsjahr arg altbacken daherkommt. 

Die einzige Notwendigkeit, ein weiteres mit schon damals sattsam bekannten Bausteinen gezimmertes Jules Verne für Arme-Elaborat vom Stapel zu lassen, lag dann auch wohl darin, dass so etwas trotz permanenter Neuaufkochung der immergleichen Zutaten nach wie vor gut lief. So liefert Regisseur Hajime Sato [→ GOKÉ – VAMPIR AUS DEM WELTALL] hier lediglich Dienst nach Vorschrift. Wobei seine grundsätzlich saubere Inszenierung ebenso wenig das eigentliche Problem darstellt wie die miesen Masken oder die hinlänglich vertrauten Versatzstücke aus dem handelsüblichen Fantasy-Fundus. Hauptverantwortlich dafür, dass neben den Protagonisten auch überwiegend die Spannung baden geht, ist tatsächlich das dröge Drehbuch Masami Fukushimas [→ KING KONG GEGEN GODZILLA], dem schlichtweg nicht mehr einfiel, als sämtliche Sackgassen und Konflikte per finalem Dauerbeschuss aufzulösen. Die beiden anfangs noch so emsigen und selbstbewussten Hauptfiguren bleiben dabei fast ausschließlich passiv, tragen nichts Wesentliches mehr zum Fortlauf der Ereignisse bei und überleben das ganze Szenario ohnehin nur durch pures Glück. Und dass sich die Schöpfung am Ende gegen ihren Schöpfer wenden wird, war auch so sicher wie das Amen in der Kirche. 

Insgesamt ein bisschen wenig, um zu begeistern also. Die Zeit vertreibt das etwas ungelenke Unterwasser-Märchen dennoch ganz passabel, wenn man Zugang hat zum naiven Kino der 60er Jahre, als das Publikum noch gewillt war, im Sinne des Eskapismus' offensichtliche Schwächen in Sachen Tricks, Kostüm und Handlung auszublenden beziehungsweise zu akzeptieren. Dabei war UX-BLUTHUND in ersten Planungsstadien gar nicht für die Leinwand vorgesehen, sondern sollte die Welt als dreiteilige Fernseh-Produktion heimsuchen, wofür erheblich amerikanische Gelder flossen. Der westliche Einfluss ist anhand der Besetzung noch deutlich zu erkennen, eine TV-Variante wurde am Ende dennoch nicht daraus. Die Hauptrollen wurden gerecht aufgeteilt, gingen zu 50 % an die USA und zu 50 % an Japan. Die Amerikaner schickten die damals erst 19-jährige Peggy Neal ins Rennen, die eine gute Figur macht, bevor sie am Ende das Schicksal so vieler Frauenrollen der Monsterfilm-Geschichte teilt und nur noch hemmungslos herumkreischen darf. Neal blieb dem Kreaturen-Kino treu und agierte später noch in dem unglaublichen Huhn-Horror GUILA - FRANKENSTEINS TEUFELSEI. Und für Japan steht kein anderer als Sonny Chiba [→ PANIK IM TOKIO-EXPRESS] auf der Matte, der später als erbarmungsloser Knochenbrecher zum Star aufstieg. Hätte er sein Talent bereits früher eingesetzt, wäre UX-BLUTHUND gewiss um einiges unterhaltsamer geworden. Wer wollte nicht schon immer mal erleben, wie Sonny Chiba feindliche Fischfontanellen verbiegt? 

Den Vogel schießt fraglos Eric Nielsen [→ DIE GRÖSSTE SCHAU DER WELT] als satanischer Gegenspieler ab, der wie ein verhinderter James Bond-Bösewicht aus der Mottenkiste daherkommt und so sinister ist, dass er nicht mal unter Wasser seine Sonnenbrille abnimmt. Wie genau sein brillanter Plan eigentlich aussieht, könnte er auf Nachfrage (die hier niemals kommt) wohl selbst nicht so richtig beantworten. Irgendwas mit Weltherrschaft, was natürlich nur durch operativ erzeugte Fisch-Mensch-Hybriden möglich ist. Was klingt, wie ein typischer Alptraum Howard Phillips Lovecrafts, ist hier nicht viel mehr als eine Terrine lauwarmer Fischsuppe. Warum der böse Onkel Doktor seine Wesen dann noch ständig an die Oberfläche schickt, um neue Wissenschaftler zu entführen, obwohl er diese gar nicht bräuchte und dadurch die Gefahr einer Entdeckung (so Fischmenschen an Land müssten ja schon mal dem einen oder anderen ins Auge fallen) exponentiell steigt, gehört ebenfalls zu den wenig bis gar nicht durchdachten, dabei doch so offensichtlich unsinnigen Spinnereien des Skripts. Auf der Habenseite verbuchen kann man noch die Mitwirkung Franz Grubers [→ GAMERA GEGEN JIGGAR], der trotz seines deutschen Namens Amerikaner ist und seinen Commander Brown zwar militärisch streng, dabei aber grundsätzlich sehr sympathisch rüberbringt (behilflich ist ihm dabei in der deutschen Fassung die Stimme Klaus Kindlers, den man für gewöhnlich aus dem Munde Clint Eastwoods kennt). 

Seinen deutschen Titel erhielt das infantile Tiefsee-Theater von dem in der Eingangsszene getesteten Torpedo, der (zumindest im Deutschen) UX-Bluthund heißt, danach aber keine Rolle mehr spielt und auch nie wieder erwähnt wird. Hier bemühte man sich allzu offensichtlich, eine klingende Verwandtschaft zum Konkurrenzprodukt U 2000 – TAUCHFAHRT DES GRAUENS herzustellen, ein ungleich aufwändiger gestaltetes Unterwasser-Abenteuer von 1963, das ebenfalls fleißig bei Jules Verne & Co. räuberte, dabei aber wesentlich versierter ins Ziel kam. Im Gedächtnis bleiben hier im Wesentlichen noch zwei Momente: Der vom Drehbuch zwecks Zeitschindung forcierte Streit zweier U-Boot-Befehlshaber, welcher Torpedo denn nun abzufeuern sei (offensichtlich sind manche Torpedos tödlicher als andere) und die Lösung für das Problem, wenn man selbst von Torpedos beschossen wird: einfach ausweichen.

Laufzeit: 84 Min. / Freigabe: ab 16