Eigene Forschungen

Posts mit dem Label Trashschätze werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Trashschätze werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 28. Juli 2025

ROBOMAN


ROBOWAR - ROBOT DA GUERRA
Italien 1989

Regie:
Bruno Mattei

Darsteller:
Reb Brown,
Catherine Hickland,
Massimo Vanni,
Romano Puppo,
Max Laurel,
Jim Gaines,
John P. Dulaney,
Mel Davidson



Regie: Vincent Dawn! Was für ein Name! Fast zu geil, um wahr zu sein. Und so ist es auch. Denn der Mann, der 1989 den ROBOWAR entfesselte, hieß eigentlich Bruno Mattei und war einer der fleißigsten Ideenkopierer der italienischen Filmindustrie. Zusammen mit seinem Kollegen Claudio Fragasso verwandelte er in den 1970er- und 1980er-Jahren Hollywoods Blockbuster in unverhohlene und schmal budgetierte Plagiate, die bei minimalem Aufwand maximalen Profit erwirtschaften sollten.

Wer im Action-Kino der 1980er-Jahre ein bisschen bewandert ist, erkennt dann auch auf Anhieb, welcher Leinwanderfolg dieses Mal Pate stand: PREDATOR von 1987, der die Schauspielkarriere des ehemaligen Bodybuilders Arnold Schwarzenegger nachhaltig zementierte. Selbiger tigerte dort mit einer Truppe testosteronschwitzender Freizeit-Kombattanten durch die schwüle Ungastlichkeit des Urwalds, um ein bisschen Krieg zu spielen und irgendwelche Rebellenheinis hopszunehmen. Doch nach Erfüllung des Auftrags beginnt ein außerirdischer Super-Killer das Söldner-Kommando zu dezimieren, bis nur noch der österreichische Anabolikafreund übrig ist, um dem Eindringling Paroli zu bieten. Der Mix aus Action und Science-Fiction ist inhaltlich zwar reichlich krude, besticht aber durch dichte Atmosphäre und einen gekonnten Spannungsaufbau.

ROBOWAR hingegen tut das nicht. Krude ist er trotzdem.            

Inhalt:

Ein Colonel, der nach dieser Einleitung nie wieder vorkommt, liefert dem Militärfuzzi Mascher eine kleine private Diashow.

„Hier sehen Sie Corporal Neal Corey, Waffenexperte. Ein Mann wie aus Stahl.“

Ein Mann wie aus Stuhl.


„Private Larry Garino, ein exzellenter Fährtensucher. Genannt: Didi. Oder Didi Bob.“

Hoppla, falsches Didi-Dia erwischt! Höhöhöhö ...

*tscha-kluk*

So, nun aber ...


Didi Bob sucht seine Fährte.


„Albert Bray, er war Stabsarzt in Vietnam. Genannt: Papa Doc.“

Eine echte Pfeife.


„Sonny Peel, eine menschliche Kampfmaschine. Wird Blood genannt.“

Wird Blood genannt. Ist aber Blöd.


„Nung-Quo, der beste Späher weit und breit. Er nennt sich Quang. Er hat einen sechsten Sinn, der ihn vor Gefahren warnt.“

Warum hat ihn sein Sinn nicht davor gewarnt, sich Quang zu nennen?


„Und hier der Kopf der Truppe: Major Murphy Black. Ein Offizer, der sämtliche Tapferkeitsorden verliehen bekam.“

Und die hat er offenbar alle unterm Barett versteckt.

Kaum ist die kleine Vorstellungsrunde vorbei, krauchen die sechs knallharten Knallchargen mit den verkniffenen Verstopfungsmienen auch schon durchs dichteste Dickicht, den etwas unkoordinierten und unstet umherwandernden Blicken nach zu urteilen allerdings reichlich planlos und generell auch ohne rechte Ahnung, wie eigentlich ihr Auftrag lautet. Nur der zwielichtige Mascher, der sich der von ihm rekrutierten Söldnertruppe ebenfalls angeschlossen hat, weiß, was Sache ist: Ein von der Armee mit heißer Nadel zusammengelöteter Kampfroboter namens Omega One läuft Amok durch den Busch und ballert nicht nur den Feind, sondern auch die eigenen Leute über den Haufen. Immer wieder finden die Männer unterwegs skelettierte Leichen, deren Herkunft sie sich nicht erklären können – Opfer von Omega One. Dann beginnt auch innerhalb der eigenen Reihen das Sterben: Der Schrott-Bot bläst zum Angriff und killt das Kollektiv Mann für Mann. Gibt es einen Ausweg?

Kritik:

Den außerirdischen Krieger aus der Vorlage hat man also gegen einen wildgewordenen Blechkameraden ersetzt, dem nicht nur ein paar Schaltkreise durchgeschmort sind, sondern der offenbar auch eine waschechte Persönlichkeitsstörung entwickelt hat. Bereits der Vorspann enthüllt: Das Teil parliert fortwährend mit sich selbst und gibt sich eigenmächtig Befehle, die es dann umgehend bestätigt und ausführt:

„Höchste Bereitschaftsstufe einschalten! Zu Befehl! Feinde anpeilen! Zu Befehl! Gefecht vorbereiten! Zu Befehl! Feinde ohne Ausnahme vernichten! Zu Befehl!“

Allerdings scheinen beim Bau noch so einige andere Dinge schiefgelaufen zu sein. Wie die subjektive Sicht der Killermaschine, die dem Publikum hin und wieder mal gewährt wird, verrät, sieht sie nämlich alles nur extrem verpixelt, was bei einem auf Treffsicherheit getrimmten Kampfroboter ja nun maximal suboptimal ist. Bei dem Wahrnehmungsvermögen müsste das Teil eigentlich ständig gegen Bäume laufen. Trotzdem holt es bereits zum Auftakt einen Heli vom Himmel und macht auch ansonsten ziemlich viel Rabatz. Die Wahl der Waffen variiert dabei stark und erscheint nicht immer ganz schlüssig: Mal feuert das Ding rücksichtlos aus allen Rohren, mal schleudert es lediglich Messer durch die Gegend oder fährt – Inspektor Gadget lässt grüßen! – kilometerlange Greifarme aus, um seine Beute pfiffig aus der Botanik zu pflücken. Wie diverse Leichenfunde nahelegen, häutet es seine Opfer manchmal auch, während von anderen sogar nur noch blitzeblanke Gerippe übrigbleiben, was nun so gar keinen rechten Sinn mehr ergibt. Hat Kollege Klapperkiste seinen Kontrahenten da am Ende etwa in heißhungriger Leidenschaft das Fleisch vom Knochen geknabbert?

Sehr wenig Leidenschaft floss hingegen in das Design des amoklaufenden Antagonisten: Der in Deutschland Roboman getaufe Rüpel-Bot ist einfach nur ein stinknormaler Typ mit Motorrad-Helm und entsprechenden Lederklamotten, auf die ein paar unsinnige Verzierungen gepappt wurden. Futuristisch wirkt das nicht für fünf Pfennig. Eher wie frisch aus dem Altkleider-Sack gezogen. Gewagt geriet auch das Outfit von Reb Brown [→ EINER GEGEN DAS IMPERIUM], der hier als Anführer der Söldnertruppe die Rolle übernimmt, die in der Vorlage Arnold Schwarzenegger innehatte. Der geht bei seinem ersten Auftritt nämlich in hautenger hellblauer Aerobic-Kluft an Land, gerade so, als habe man ihn für den Auftrag unmittelbar vom Tuntenball abkommandiert. Zum Glück tauscht er die kühne Klamotte später gegen etwas Dschungeltauglicheres ein – wobei eine Entscheidungsschlacht mit nem Helden im Polyester-Outfit natürlich schon einen gewissen Reiz gehabt hätte. Denn dass der von Brown verkörperte Murphy Black dem freidrehenden Kurzschluss-Kalle final als Endgegner gegenübertreten wird, ist in Anbetracht der hier abgefeuerten Klischeekanone so sicher wie das Amen in der Kirche.

Bis es soweit ist, passiert allerdings erst einmal jede Menge Garnichts. Die Story reicht nämlich vorn und hinten nicht aus, um 90 Minuten füllen. Das versucht man in erster Linie dadurch zu kaschieren, dass man die Gurkentruppe ellenlange Spaziergänge durch den Dschungel unternehmen lässt – stets von aufwühlendem Soundtrack und konzentriertem Mienenspiel begleitet, um Spannung zu suggerieren, wo schlichtweg keine ist. Zwar passierte strenggenommen auch beim PREDATOR gar nicht großartig mehr. Aber dort sorgten gekonnte Inszenierung und geschickte Dramaturgie dafür, dass der Trip trotzdem ausreichend Spannung erzeugte. Hier hingegen latschen lebendig gewordene Pappaufsteller durch den Busch, quatschen dummes Zeug in Dauerschleife („Drogensüchtig und verrückt – ich wette, dass die zwei Aids haben.“) und versuchen verzweifelt, dabei irgendwie Zeit zu schinden. Zwischendurch tappt einer der Experten wenigstens mal in eine Bärenfalle – aber das haut nun auch niemanden langanhaltend vom Schlitten.

Weil selbst Mattei und Fragasso klar war, dass ein Actionfilm auch ein bisschen Action braucht, wird irgendwie noch eine randalierende Rebellentruppe in die fade Robosuppe gerührt – und die gehört, da sind sich die hauptrollenden Helden schnell einig, ausgelöscht. Immerhin müssen sie versteckt mit ansehen, wie die garstigen Guerillas eine fliehende Geisel auf offener Straße exekutieren. Eingegriffen wird aber erst, als der weiblichen Gefangenen das gleiche Schicksal blüht – der hässliche Typ davor durfte ruhig ins Gras beißen. „Ich sie töten“, droht der Unhold den Befreiern, die Frau bereits mit der Knarre kitzelnd, und aufgrund des schlecht imitierten Fantasieakzents klingt es wie: „Ich seh Titten.“ Schön für ihn! Ist dann allerdings auch das letzte, was er sieht. Denn „Waffenexperte“ Neal Corey (das ist der, der wie aus Stahl ist) leert übertriebenerweise gleich ein ganzes Magazin in den Mann. Darum ist er ja auch Experte. Wer diese Aufständischen überhaupt sind, woher sie kommen und was sie wollen, das sind Fragen, für die interessiert sich hier keiner. Fest steht nur, dass sie böse sind. Als Murphy und seine Mannschaft die spanische Mission, in der sie hausen, dem Erdboden gleichmachen, gleicht das einem feucht-fröhlichen Jagdausflug hirnfreier Hinterwäldler, bei dem der Feind, der bereitwillig ins Feuer läuft, mit rassistischen Schimpfwörtern und launigen Sprüchen wie „Nur nicht so schnell – einer nach dem anderen“ ins Jenseits befördert wird.

Aufregend ist auch das nicht. Mattei und Team gelingt es an keiner Stelle, dem Geschehen irgendeine Form von Dynamik einzuhauchen. Das gilt für die Action ebenso wie für den Rest. Denn auch die permanente Bedrohung durch den synthetischen Krieger überträgt sich keine Sekunde lang aufs Publikum. Zum einen wirkt der Gegner, im Gegensatz zum Vorbild Predator, niemals wirklich unbezwingbar, sondern eben nur wie ein bewaffneter Motorradfahrer, dem man zur Not mit einem kernigen rechten Haken das Licht auspusten könnte. Und zum anderen ist einem die Truppe schlichtweg egal. Dabei sind die Darsteller eigentlich sogar recht gut besetzt – zumindest optisch. Jedes Figurenklischee wurde mit einem passenden Gesicht versehen. Tatsächliches Talent war da wohl eher zweitrangig. Allerdings dürfte es auch ziemlich schwierig sein, gegen die Albernheiten, die das Skript bereithält, darstellerisch zu bestehen. Da muss John P. Dulaney [→ SABATA KEHRT ZURÜCK], alias „Papa Doc“, schon mal rudernden Armes so tun, als würde er von irgendetwas unter Wasser gezogen. Schön ist auch der Moment, in dem der Roboman seinen (offenbar kilometerlangen) Arm heimlich über den Dschungelboden gleiten lässt, um einen der Männer zu schnappen und „abzuschleppen“. Sein Kamerad sieht das zwar. Aber anstatt Alarm zu schlagen, fragt er nur ganz verdutzt: „Was ist denn das an deinem Bein?“ Oder der Augenblick, in dem die Laufburschen ein in der Landschaft liegendes Leichenteil finden und jemand kommentiert das mit: „Das ist ja ein Arm.“ Mensch, danke für die Info!

Ansonsten verärgern die überwiegend unlogischen Verhaltensweisen aller Beteiligten. Da trägt der verräterische Auftraggeber Mascher, der sich als Erfinder des Roboters entpuppt, ein klobiges Gerät mit sich herum, das den Feind offenbar über „elektromagnetische Impulse“ kontrollieren kann. Als Quang (der mit dem sechsten Sinn, der ihn vor Gefahren warnt) das bemerkt, wirft er das Ding, ohne zu wissen, was das eigentlich ist und kann, einfach in den Fluss und meint: „Jetzt bist du so schwach wie wir“. Dass er hier womöglich gerade die Lösung aller ihrer Probleme in den Wassermassen versenkt hat, kommt ihm offenbar nicht in den Sinn. Nicht einmal in den sechsten. Allerdings trägt Mascher noch einen weiteren Apparillo mit sich spazieren, mit dem man den Roborolf sogar ganz simpel per Knopfdruck vernichten könnte. Das funktioniert aber leider nur, wenn man ihm direkt gegenüber steht und „mit der Frequenz direkt zwischen die Augen“ trifft. Wie ungemein praktisch erdacht und entworfen! Hoffentlich sind auch Batterien drin. Der Showdown versucht dann sogar noch, eine emotionale Komponente ins Spiel zu bringen, was eventuell sogar funktioniert hätte, würde Reb Brown nicht jede Nuance komplett vergeigen.

Nein, ROBOWAR ist nicht wirklich gut. Und auch die Synchronisation, die lahmen Enten wie diesen ja oft noch etwas Feuer unterm Hintern machen konnte, schickt sich nicht an, an der gegebenen Situation etwas ändern zu wollen. Allerdings ist die Nummer in ihrer Gesamtheit nun auch wieder nicht so unterirdisch, dass man sich darüber über Gebühr amüsieren könnte. Immerhin sieht hier alles tatsächlich nach Film aus, nicht nach Amateurkrams. Der PREDATOR-Look wurde meist ziemlich gut getroffen, der philippinische Dschungel sorgt für stimmungsvolles Ambiente und ein paar der Maskeneffekte sind richtig schön eklig. Positiv anzumerken ist auch der Synthie-Soundtrack, der speziell im Vorspann richtig gut reinhaut.

Empfehlung? Ja. Aber auch nein.

Laufzeit: 91 Min. / Freigabe: ungeprüft

Montag, 21. Juli 2025

SÖLDNERKOMMANDO II


DRAGON FORCE
USA, Hongkong 1982

Regie:
Michael Mak

Darsteller:
Bruce Baron,
Ho Tsung-Tao/Bruce Li,
Mandy Moore,
James Barnett,
Olivia Cheng,
Fong Min,
Randy Channel,
Seon Blake



Trübsal ist nicht alles, was geblasen wird.
[Jack Sargeant hat immer ein passendes Bonmot parat.]

Inhalt:

Wenn jemand schon Jack Sargeant heißt, dann dürfte klar sein, dass dieser jemand seinen Lebensunterhalt nicht durch Blumengießen bestreitet. Das zeigt sich bereits gleich zu Beginn, als die eben so genannte Person ihrem Gegenüber eine hübsche Kette um den Hals legt. Allerdings keine filigrane aus Gold und Geschmeide, sondern ein massives Eisenprodukt, das sich bestens dazu eignet, unliebsame Gestalten in ungeahnte Höhen zu hieven. Tatsächlich nämlich ist Sargeant [Bruce Baron] ein knallharter Killer, der im Auftrag der Regierung halbseidenes Geschmeiß zurück zum Absender schickt. Kaum gönnt er sich nach seinem letzten Einsatz eine Auszeit am Pool, bereitet Vater Staat seinem entspannten Geplänkel auch schon wieder ein jähes Ende. Eine neue Mission liegt bereit: Prinzessin Rawleen [Mandy Moore], Thronfolgerin des fernen Landes Mongrovia (das liegt vermutlich dort, wo die Auerochsen und Ure wohnen), wurde bei einem Staatsbesuch aus dem Domizil ihrer Freundin Elana [Cheng Man-Nga] entführt. Die Spur führt nach Asien, wo der schurkische General Marushka [James Barrett] sie gefangen hält und dazu zwingen will, politische Entscheidungen zu seinen Gunsten zu treffen. Sargeant nimmt Kurs auf Hongkong und trifft dort auf Dai Lung [Ho Tsung-Tao], den Anführer der Dragon Force, so eine Art Kung-Fu-Elite-Einheit, die ihn nach Absolvierung diverser Aufnahmerituale in ihre Reihen aufnimmt. Gemeinsam ziehen sie nun zu Felde gegen den garstigen General, der wiederum seine Ninja-Armee in die Schlacht schickt. Ein explosiver Kampf entbrennt.

Kritik:

DRAGON FORCE ist Bahnhofskino wie aus dem Bilderbuch und vereint in dieser Funktion so ziemlich alle Klischees, die von solch einem billigen Actionbrett erwartet werden darf. Bereits der grobschlächtige Beginn badet regelrecht in stereotypischen Szenen und Situationen, wenn – nach ein paar einleitenden Aufnahmen aus der verschwitzten Muckibude – der schmierige Bruce Baron ein paar Ganoven beim Diamanten-Deal behumst und im Anschluss so lang in der Gegend herum schießt, schlägt, stößt und stranguliert, bis jede Gegenwehr im Keim erstickt ist. In Kombination mit den schäbigen Schauplätzen, dem plumpen Schnitt und nicht zuletzt den saudummen Sprüchen, die dabei – zumindest in der deutschen Fassung – vom Stapel gelassen werden, ergibt das exakt die Art anspruchsloser Bodensatzunterhaltung, die man nach einem anstrengenden Arbeitstag in der Neurochirurgie einfach mal braucht.

Die Handlung ist wenig überraschend alles andere als originell und klingt zu Beginn fast wie aus einem Märchenbuch, wenn die Prinzessin eines Fantasiestaates aus den Gemächern ihres Schlosses (ok, es ist „nur“ so eine Art Herrenhaus) geraubt wird. Verantwortlich dafür sind jedoch nicht etwa geflügelte Ghule oder ähnliche Gestalten, sondern ein paar handelsübliche Ninjas, wie sie in den 1980ern nach Erfolgen wie ENTER THE NINJA an jeder zweiten Kinoecke zu finden waren  zum Glück, denn Ninjas machen fast alles noch ein kleines bisschen geiler. Bei geklauten Königstöchtern muss natürlich ein Fachmann ran, weswegen die Regierung keinen anderen Ausweg sieht, als Bruce Baron (alias Jack Sargeant) einzuschalten, der es sich gerade am Schwimmbecken gut gehen lässt. Hier war eindeutig James Bond die Blaupause – wobei man offensichtlich bestrebt war, das Vorbild noch zu übertreffen. Und wie toppt man eine dieser typischen Szenen, in denen Schwerenöter 007 kurz vor dem nächsten Auftrag mit einer leicht bekleideten Dame herumschäkert? Klar: Man verdoppelt den Weiblichkeitsfaktor und lässt seine Kopie gleich bei zwei Badenixen auf Tuchfühlung gehen. Auffallend attraktive Erscheinungen sind die beiden freilich nicht, aber Bruce Baron sieht ja auch nicht aus wie Sean Connery – eher wie jemand, der vorbeikommt, wenn das Rohr verstopft ist.

Und das Rohr ist verstopft, und zwar gewaltig. Darum geht es für Baron alias Sargeant postwendend nach Hongkong, wo er zunächst einen Kontaktmann treffen muss („Sagen Sie mir die geheime Parole!“ - „Die was? Es gibt keine Parole!“ - „Sehr richtig, das ist die Parole.“). Diese Episode ist eigentlich ziemlich überflüssig, denn weder der kugelsichere Pulli noch das explosive Jojo aus dem Arsenal des chinesischen Q können Sargeant begeistern. Stattdessen erhält er lediglich Informationen über seinen nächsten Ansprechpartner: den Anführer der Kung-Fu-Kampfeinheit Dragon Force, die der Originalfassung zu ihrem Namen verhilft. Dieser wird gespielt von Ho Tsung-Tao und ist Fans des Hongkong-Kinos alles andere als unbekannt, agierte er doch in mehreren Machwerken als Nachahmer und -folger der früh verstorbenen Kampfkunst-Ikone Bruce Lee (wofür er von den Produzenten das alberne Pseudonym Bruce Li verpasst bekam).

Das Erbe Bruce Lees ist nach Ninjas und James Bond dann auch die dritte Zutat, die in den großen DRAGON FORCE-Kopftopf geworfen wurde. Speziell das Finale erinnert massiv an den Durchbruch des Publikumslieblings: den 1973er-Kung-Fu-Kult ENTER THE DRAGON, der bereits zahlreiche Imitatoren beflügelte. Aber bevor die Fronten im attraktiven Insel-Setting geklärt werden, hangelt sich die Nummer ziemlich vergnüglich und im gesunden Tempo von Station zu Station und gefällt dabei durch ihr infantiles Gebaren ebenso wie durch ihr stets eingehaltenes Mindestmaß an Produktionsqualität. Klar, das Ganze ist kostengünstig und wenig ambitioniert in Szene gesetzt. Aber ein paar der späteren Schauplätze sind wirklich schick und die Actionszenen gefallen durch eine kompetente Umsetzung. Spannung im klassischen Sinne kommt freilich niemals auf. Aber langweilig wird es eben auch nicht, wenn Baron am laufenden Band von den skurrilsten Gestalten angegriffen wird, die wie die Perlen an der Schnur ins Szenario gleiten, sei es ein Samurai-Krieger, ein kostümiertes Drachentänzer-Duo oder eine nur scheinbar harmlose Flötenspielerin, die plötzlich ganz andere Töne anschlägt. Realistisch sind die Schlagabtausche natürlich keine Sekunde lang. Vielmehr erinnert das Ganze an eine launige Zirkusvorstellung, wenn fortwährend bunte Ninjas von den Dächern hüpfen, und das meist in praktischen Zweierpacks, weil sie so viel einfacher zu besiegen sind. Der Härtegrad bleibt dabei eher moderat – wohl auch, weil für ausufernde Brutalitäten das Budget fehlte. Und fliegen doch mal abgetrennte Gliedmaßen durch die Gegend, befindet sich die Effektqualität so ungefähr auf Geisterbahnniveau.

Bruce Baron [→ SÖLDNER KENNEN KEINE GNADE] in der Hauptrolle ist so schlecht, dass es schon fast als Karikatur durchgeht. Der in Hongkong aufgewachsene Darsteller machte sich vor allem durch seine Auftritte für Ramsch-Regisseur Godfrey Ho einen Namen. Dieser erwarb in den 1980ern die US-Rechte für zahlreiche asiatische Produktionen und drehte fürs amerikanische Publikum neue Szenen hinzu – oft mit irgendwelchen Hampelmännern, die in billigen Ninja-Kostümen durch die Botanik springen. Auch Baron war mehrmals dabei und mimisch passte er dort auch rein. Den weltmännischen Witwentröster hingegen kauft man ihm keine Sekunde lang ab; seine mit dreckigem Grinsen garnierten Anmachsprüche hätten in der Realität nicht einmal in der Dorfdisco um 5 Uhr morgens Erfolg. Hier hingegen wird er als unwiderstehlicher Charmebolzen verkauft, was immerhin als unfreiwilliger Lacherfolg funktioniert. Deutlich besser schlägt sich (im Wortsinne) Ho Tsung-Tao [→ TAG DER BLUTIGEN RACHE], der richtig Glanz in die Hütte bringt. Großartig besser als der Rest spielt er zwar strenggenommen nicht, aber er besitzt halt echtes Charisma. Zudem hat er körperlich auch wirklich etwas auf dem Kasten, weswegen die Kampfszenen mit ihm richtig was hermachen. Schade ist das frühe Ausscheiden des (fast schon obligatorischen) SHAFT-Verschnitts Max Leon, gespielt von Seon Blake, der als Sicherheitsbeauftragter der Prinzessin erst groß eingeführt, dann aber recht lieblos links liegengelassen wird. Dabei kam der schon ziemlich cool rüber und gern hätte man ihn später als Teil der Truppe gesehen.

Apropos Truppe: Der deutsche Titel forciert unnötigerweise eine Verbindung zum 1982er-Heuler KILL SQUAD, der vom selben Verleih als DAS SÖLDNERKOMMANDO vertrieben wurde. Das ist ziemlich paradox, denn Parallelen existieren weder auf inhaltlicher Ebene noch auf stilistischer. Die einzige Gemeinsamkeit liegt darin, dass beide Werke aufgrund ihres Trommelfeuers an Stereotypen und Stupiditäten reichlich gute Laune verbreiten. DRAGON FORCE ist ein ziemlich blöder, ziemlich bunter und ziemlich temporeicher Trip mit einem Drehbuch, das wirkt, als hätten es zwei 15-Jährige nach ner Runde Alkopops verfasst: Kloppe, Ninjas, nackte Weiber, dazu Missetäter aus der Mottenkiste, Hypnose durch rituelles Akupunktieren und dumme Sprüche, bis der Arzt kommt. Der Oberschurke ist so fett, dass er im Türrahmen steckenbleibt und einen Helikopter am Abheben hindern kann. Und die Ninjas? Die springen wie die Cheerleader übereinander, um Pyramiden zu bilden, und explodieren seltsamerweise, sobald sie besiegt sind. Trotz ihres relativ späten Erscheinungsjahrs ist die Veranstaltung zudem immer noch durchzogen von den wohltuenden Vibrationen der Post-Bruce-Lee-Ära, als sich die Tugenden des Hongkong-Kinos regelmäßig mit denen der amerikanischen Blaxploitation und Crime-Serien kreuzten. Das geht klar!

Laufzeit: 93 Min. / Freigabe: ungeprüft

Montag, 13. Januar 2025

DRAKAPA, DAS MONSTER MIT DER KRALLENHAND


BEAST OF BLOOD
USA, Philippinen 1971

Regie:
Eddie Romero

Darsteller:
John Ashley,
Celeste Yarnall,
Eddie Garcia,
Liza Belmonte,
Alfonso Carvajal,
Bruno Punzalan,
Angel Buenaventura,
Beverly Miller



Wer im Deutschland der 1970er Jahre das Lichtspielhaus aufsuchte, um seinen Feierabend mit DRAKAPA, DAS MONSTER MIT DER KRALLENHAND zu verbringen, der hat sich während der Sichtung vielleicht gewundert, dass inhaltlich kaum etwas Sinn ergibt. Einerseits lag das natürlich daran, dass hier inhaltlich tatsächlich kaum etwas Sinn ergibt. Andererseits – und das dürfte eher weniger bekannt gewesen sein – hatte man es aber auch mit einer Fortsetzung zu tun, deren Vorgänger auf bundesdeutschen Leinwänden gar nicht zu sehen war. Zahlreiche Zusammenhänge konnten sich einem daher gar nicht oder nur teilweise erschließen. Über die Gründe des Verleihers, den ersten Teil auszusparen, kann man nur spekulieren. Vielleicht wollte oder konnte man nur für ein einziges Blutspektakel Lizenzen zahlen und hielt BEAST OF BLOOD, wie die drollige Monster-Horror-Abenteuer-Mixtur eigentlich heißt, schlichtweg für vorzeigbarer.

Das dereinst unterschlagene Schauerstück trägt den sehr diskreten Titel MAD DOCTOR OF BLOOD ISLAND – auf gut Deutsch also so viel wie: Der Kloppi-Dok von Helgoland - und handelt vom Pathologen Bill Foster, der auf eine Südsee-Insel reist, um Nachforschungen über eine seltsame Krankheit anzustellen. Vor Ort trifft er auf den sinistren Dr. Lorca, der in Amtsformularen bei „Beruf“ mit Sicherheit „verrückter Wissenschaftler“ einträgt. Aus Gründen, die man wohl nur versteht, wenn man selbst nen Doktortitel hat, verbringt Lorca den Großteil seiner Freizeit damit, Einheimische in blutrünstige Mensch-Pflanz-Mutanten zu verwandeln, die dann – wer will es ihnen verübeln? – bevorzugt barbusige Schönheiten vernaschen. Im Wortsinne, versteht sich.

Hüpfende Möpse, fliegende Körperteile, grüne Blutsuppe – für manch Connaisseur schamlosen Tandwerks klingt das gewiss nach einer anständigen Kirmes. Aber im Endeffekt regiert Ernüchterung: Die Schauwerte machen gut fünf Minuten aus und der Rest ist so öde, da bleiben sogar die Cocktails ungerührt. Final kehrt Foster, zusammen mit seiner neuen Flamme, ihrem Vater und einem weiteren Typen, von dem man schon während des Films vergessen hat, wer das eigentlich ist, zurück aufs Schiff, um die Blutinsel für immer zu verlassen. Doch wie das im Horror-Genre halt so ist: Eine der Schreckgestalten hat überlebt, befindet sich an Bord und streckt unheilvoll ihre Hand unter der Abdeckplane eines Rettungsboots hervor. ENDE!

Beziehungsweise Anfang, denn genau da geht BEAST OF BLOOD los: Das Monster schlüpft aus seinem Versteck und richtet an Deck zu fröhlicher Beat-Musik ein Massaker an. Dabei fängt das Schiff Feuer und versinkt in den Tiefen der See. Nur Foster kann sich retten. Dieser Auftakt ist zwar effektiv, aber die Fragezeichen über den Köpfen des (deutschen) Betrachters dürften gigantisch gewesen sein. Eine sinnvolle Erklärung, warum sich Foster nach diesem Ereignis abermals auf das unheilvolle Eiland begibt, bleibt man im Übrigen ebenfalls schuldig. Aber vermutlich sollte man solche Fragen gar nicht stellen. Teile der Antwort könnten das Publikum verunsichern.

Inhalt:

Dr. Foster [John Ashley] befindet sich (mal wieder) auf einem Schiff Richtung 'Blutinsel' im Südpazifik. An Bord ist auch die kesse Reporterin Myra Russell [Celeste Yarnall], die Fosters vorherige Erlebnisse unbedingt zu einer Story verarbeiten möchte und ihm daher nicht mehr von der Seite weicht. Als sie das Festland erreichen, erfährt Foster, dass immer noch regelmäßig Einheimische verschwinden. Er vermutet seinen alten Rivalen Dr. Lorca [Eddie Romero] dahinter. Dieser gilt zwar als tot, ist allerdings tatsächlich noch am Leben, haust in einem geheimen Labor und entführt immer wieder Menschen, um den passenden Körper zum Kopf seiner Kreatur ‚Drakapa‘ zu finden.

Kritik:

Letzte Zweifel können an dieser Stelle ausgeräumt werden: BEAST OF BLOOD ist billiges Bahnhofs- und Autokinomaterial, wie es im Buche steht, eine auf Zelluloid gegossene Jahrmarktsattraktion, die Sensationen verspricht und Kehricht kredenzt. Was im Erscheinungsjahr womöglich noch die eine oder andere sensible Seele erschreckt hat, macht mittlerweile kein Schulkind mehr nervös. Dabei lieferte Autor und Regisseur Eddie Romero [→ FRAUEN IN KETTEN] in gewisser Hinsicht sogar eine Art Blaupause für spätere italienische Matschfeste wie ZOMBIES UNTER KANNIBALEN (1979), deren Zutaten hier bereits vorhanden sind: ein durchgeknallter Eierkopf, der auf einer augenscheinlich idyllischen Insel grausame Experimente durchführt, eine rätselhafte Seuche, welche die Menschen dahinrafft, verängstigte Inselbewohner, die zu Versuchskaninchen werden, und natürlich ein ebenso wackerer wie wenig aufregender Held, der den Tag retten muss.

Bei BEAST OF BLOOD allerdings haben Blutlüstlinge das Nachsehen, denn mehr noch als MAD DOCTOR OF BLOOD ISLAND ist der Nachfolger tatsächlich eher Abenteuer- als Horrorfilm, der bis auf ein paar kurze härtere Nummern (wie das berühmte Aufgespießtwerden auf Holzpflöcke am Höhlenboden oder eine an Schweinefleisch durchgeführte OP) auch gefahrlos im Nachmittagsprogramm laufen könnte. So stolpern die Hauptfiguren mal mehr, mal weniger motiviert durch dichte Dschungellandschaften und erleben so allerhand Episödchen, die sich in der Regel recht hurtig auch schon wieder in Wohlgefallen auflösen. Wahnsinnig aufregend ist das sicherlich nicht. Aber doch irgendwie ganz nett: Schlingpflanzen, Treibsand, Todesfallen – das komplette Marlboro-Country-Programm für einen angenehmen Feierabend. Dass in erster Linie alles dazu dient, die hauchdünne Handlung auf Gedeih und Verderb in die Länge zu ziehen, ist in seiner Offensichtlichkeit beinahe rührend.

Deutlich zu kurz kommt dabei allerdings die titelgebende Kreatur, die auch gar nicht so richtig brutal sein darf. Das ist freilich den Umständen geschuldet, existiert das Monster nach dem einleitenden Massaker doch nur noch als Kopf, der aufgespießt in Dr. Lorcas Labor dahinvegetiert und missmutig mit den Augen rollt. Es hat schon etwas Komisches, wenn der Doktor seine Schöpfung permanent zutextet und sich dabei mehrmals beklagt, dass sie nicht ein einziges Wort mit ihm wechseln möchte. Worüber will er denn mit der ollen Monsterrübe überhaupt sprechen? Übers Wetter? Schlechte Manieren kann man dem wahnsinnigen Weißkittel jedenfalls nicht vorwerfen, immerhin siezt er das Ding sogar ganz höflich - schon erstaunlich, wie viel Respekt man so einem zermatschten Schädel entgegenbringen kann. Als Draki dann am Ende tatsächlich zu sprechen anfängt, klingt er zu allem Überfluss auch noch, als wäre er von Roberto Blanco vertont worden.

"Jääääätzt wääärrrden wirrr uns untäärrrhalten, Lorrrcaaa!"

Das Finale bäumt sich dann noch mal richtig auf und gibt artig Zunder. Das liegt zwar nicht an Drakapa (dessen Amoklauf dauert hochgerechnet gerade einmal zwei Minuten), aber dafür wird fleißig mit Feuerwaffen, Dynamit sowie Pfeil und Bogen hantiert, was für ein anständiges Rambazamba sorgt.

Überraschend ist das engagierte Spiel der Darsteller. Vor allem John Ashley [→ SAVAGE SISTERS] gibt sich in seiner Hauptrolle tapfer seriös, ganz so, als wäre das alles kein bisschen bescheuert. Und obwohl auch hier einmal kurz ein Paar Hupen gelüftet wird, sind die weiblichen Inselbewohner erstaunlich emanzipiert bei der Sache: Als Myra nach Ankunft die erstbeste Insulanerin ablichten will, schlägt diese die Kamera zur Seite und meint harsch: "Wenn ich ein Foto haben will, sag’ ich Bescheid!"

So ist BEAST OF BLOOD am Ende gemütliche Unterhaltung, die einmal mehr von ihrem exotischen Inselflair profitiert. Das versprochene Nervenzerren bleibt aus, sodass auch sensiblere Gemüter keine schlaflose Nacht erleben werden. Warum der Untertitel Das Monster mit der Krallenhand lautet, ist allerdings ein Rätsel – die Greifer sind eigentlich noch mit das Normalste an der Kreatur. Aber Das Monster mit der Matschbirne hätte vermutlich deutlich weniger Publikum angezogen.

Laufzeit: 87 Min. / Freigabe: ungeprüft

Montag, 23. Dezember 2024

DIE SOLO-KAMPFMASCHINE


WHEELS OF FIRE
USA, Philippinen 1985

Regie:
Cirio H. Santiago

Darsteller:
Gary Watkins,
Laura Banks,
Lynda Wiesmeier,
Linda Grovenor,
Joe Anderson,
Joseph Zucchero,
Jack S. Daniels,
Steve Parvin



Inhalt:

Müsste Trace [Gary Watkins] jemals ein Formular ausfüllen, gäbe er als Beruf vermutlich „Harter Hund“ an. Aber in der postapokalyptischen Welt, in der er lebt, gibt es keine Formulare mehr, nur noch Steine, Staub und das Recht des Stärkeren. Als seine jüngere Schwester Arlie [Lynda Wiesmeier] ihm ihren neuen Lebensgefährten Bo [Steve Parvin] präsentiert, ahnt er sofort, dass der Typ keine gute Wahl ist. Tatsächlich verliert der Taugenichts wenig später bei einem Wettkampf seinen fahrbaren Untersatz – in diesem Universum vergleichbar mit dem Verlust von Haus und Hof. Es liegt an Trace, ihn aus der Sache wieder rauszuhauen (wortwörtlich) und ihm und Arlie die Flucht zu ermöglichen. Aber es dauert nicht lang, da geraten die Geretteten in die Fänge des Tyrannen Scourge [Joe Mari Avellana] und seiner Handlanger, wo sich Bo endgültig als feiger Kriecher entpuppt, der, um seine heile Haut zu retten, keine Skrupel hat, seine Geliebte dem Gegner zu überlassen. Abermals ist es also an Trace, der Fährte des Feindes zu folgen, um Arlie zu befreien. Dabei trifft er auf die Kopfgeldjägerin Stinger [Laura Banks], die ebenfalls hinter Scourge her ist.

Kritik:

Ab den 1980er Jahren drehte der philippinische Regisseur Cirio Hermoso Santiago bis in die frühen 1990er quasi am Fließband, um erst das Bahnhofskino, später auch die Videotheken mit leicht konsumierbarer Action-Ware zu beglücken. Nicht selten durfte dafür der Vietnam-Krieg als Spielwiese herhalten. Aber auch die Post-Apokalypse ließ sich mittels ein paar alter Steinbrüche und Kiesgruben immer ganz gut nachstellen. WHEELS OF FIRE gehört in letztere Kategorie - wobei man dieses Mal sogar so weit ging, sich jedwede Erklärung für den kargen Zustand der porträtierten Welt auszusparen. Warum liegt denn hier bitteschön alles in Trümmern? Nuklearexplosion? Naturkatastrophe? Michael-Wendler-Konzert? Man weiß es nicht! Nicht einmal die obligatorische Atompilzaufnahme zu Beginn wurde integriert. Somit könnte die Geschichte ebenso gut auf einem fremden Planeten spielen. Oder im Wilden Westen einer alternativen Zeitrechnung, in der die Hottehüs gegen schmauchende Benzin-Boliden ausgetauscht wurden. Eine gewisse Cowboy-Mentalität lässt sich jedenfalls nicht leugnen, wird hier doch hauptsächlich scharf geschossen und geschlagen – mal, um Recht zu brechen, mal, um es wiederherzustellen.

Vorbild der Veranstaltung war natürlich abermals der australische Meilenstein MAD MAX von 1979 mit Mel Gibson als frustriertem Motorrad-Cop auf ruppigem Rachefeldzug sowie dessen Fortsetzung, die nach dem endgültigen Zusammenbruch der Zivilisation spielt. Während die Blaupause allerdings nicht nur durch Kinetik und durchdachte Bildsprache besticht, sondern bei allem Spektakel auch eine sinnvoll arrangierte Dramaturgie besitzt, bemühten sich Santiago und Konsorten gar nicht erst und warfen irgendwie alles in den Topf, was gerade zur Verfügung stand. Eines kann man WHEELS OF FIRE somit ganz gewiss nicht vorwerfen: Ereignisarmut. Im Prinzip ist wirklich immer etwas los und trotz schmalem Budget bekommt der Action-Freund viel geboten: Kämpfe, Überfälle und Verfolgungen dominieren das Geschehen, tatkräftig unterstützt von Maschinengewehr, Handgranate und Flammenwerfer. Mitreißen kann das alles trotzdem nicht, weil es so spürbar leidenschaftslos kredenzt wurde und sich nicht zu einer schlüssigen Ereigniskette fügt.

Bereits der Beginn ist maximal banal: Der zentrale Konflikt besteht zunächst darin, dass der Held nicht mit dem neuen Lebensgefährten seiner Schwester einverstanden ist. Das ist Stoff für Seifenopern, nicht für archaische Sandepen, bei denen das Hauptanliegen aller Beteiligten stets die Sicherstellung des eigenen Überlebens sein sollte. Aber auch, nachdem das einleitende Problem abgehandelt ist, wird es nicht auffallend aufregender: Aufhänger für das ganze Rambazamba ist eine lausige Entführung – womit man sich in Sachen Dramatik auf dem Niveau einer x-beliebigen 1980er-Krimi-Serie befindet. Doch wenn ein Protagonist eine brauchbare Motivation zur Eskalation benötigt, ist die eigene Schwester in den Klauen eines skrupellosen Schurken natürlich immer gut. Joe Mari Avellana [→ TNT JACKSON] agiert als Antagonist Scourge zwar ganz passabel und ließ sich in Sachen Optik offenbar von den alten Samurai inspirieren. Viele Möglichkeiten zur Entfaltung bekam er allerdings nicht, zumal seine Ziele unerwähnt bleiben. Er ist einfach nur ein Bösewicht, der junge Frauen entführt und in Ketten legt, um sich an ihnen zu vergehen. Klar, das ist nicht nett. Aber für die Leinwand dann doch etwas lahm. Echte Kino-Schufte erledigen so etwas bereits vor dem zweiten Frühstück und fangen dann erst mit der eigentlichen Arbeit an.

Scourge gegenüber steht Trace, der Held der Story, gespielt von Gary Watkins [→ JOHNNY G.]. Dem steht zwar „Maskulinität“ auf der Stirn, aber leider eben nicht „Schauspieltalent“. Trotzdem kann Trace von Anfang an alles besser, trifft immer ins Schwarze und wird dadurch zu einer sehr langweiligen Figur. Wie sich Lynda Wiesmeier [→ WAS FÜR EIN GENIE] für ihre Rolle als Entführungsopfer qualifizierte, ist indes nicht schwer zu erraten. Darstellerische Kunstfertigkeit war es nicht. Dafür wird ihr das Privileg zuteil, gut zwei Drittel der Laufzeit oben ohne durch die Wüste wackeln zu dürfen. Bei der Hitze sicherlich sehr angenehm! Die zweite relevante Frauenfigur darf immerhin schon etwas resoluter auftreten: Laura Banks [→ STAR TREK II] gibt die taffe Kopfgeldjägerin, die sich mit Trace verbündet, da sie mit dem Oberunhold ebenfalls noch ein Hühnchen zu rupfen hat. Dass sie dabei mit ihrem Pudel auf dem Kopf an TERMINATORs Heldin Sarah Connor erinnert, ist gewiss kein Zufall. Und dann ist da die junge Spike (Linda Grovenor [→ STIRB LACHEND]), die auch noch irgendwie mitmischt und nicht nur Gedanken lesen, sondern auch durch Berührung von Gegenständen erfühlen kann, wie es deren Besitzer geht. Das ist zwar toll, aber für die Handlung völlig irrelevant.

Profil besitzen diese mit heißer Drehbuchnadel gestrickten Pappkameraden alle nicht, weswegen einer uninteressanter wirkt als der andere. Dass am Skript dennoch ganze drei Personen herumgebastelt haben sollen, mag man da kaum glauben. „Zweckdienlich“ ist noch das positivste Wort, das einem dazu einfällt, hält es die einzelnen Wegstationen und Action-Szenen doch immerhin notdürftig zusammen. Interesse am Aufbau einer glaubwürdigen, geschweige denn interessanten Welt hatte man allerdings nicht. Das ist insofern bedauerlich, als dass gute Ansätze zumindest vorhanden sind. Über die hippieartige Kommune True Believers, die mitten in der Wüste eine Rakete baut, hätte man z. B. gern etwas mehr erfahren. Stattdessen ist sie einfach nur da, um den Helden als dekorative Zwischenstation zu dienen, bevor sie dann natürlich prompt überfallen wird. Oder über das Volk, das unter Tage haust und Menschen von der Oberfläche stibitzt, indem es sie einfach ins Erdreich zieht, und das von der deutschen Synchronisation doch allen Ernstes "Erdmännchen" genannt wird. Allerdings sind das keine katzenartigen Raubtierchen, sondern zombieartige Saufmumien mit ordentlich Sand in der Visage. Wie diese schwankenden Schreckgestalten es hingekommen haben, sich ein unterirdisches Höhlensystem inklusive diverser Hängebrücken zu erschaffen, das wäre auch ein Kapitel wert gewesen.

In produktionstechnischer Hinsicht braucht sich WHEELS OF FIRE dementsprechend ganz und gar nicht zu verkriechen, denn die Kulissen sind allesamt imposant und auch an vernünftiger Ausstattung mangelt es nicht. Das Team um Santiago hat mal wieder fröhlich den Fuhrpark geplündert und alle möglichen Karosserien organisiert, wobei auch vor Kanonengeschützen und Panzerfahrzeugen kein Halt gemacht wurde. Zudem gönnte man sich eine anständige Anzahl an Statisten, wodurch die Sache größer erscheint, als sie es eigentlich ist. Auf genreübliche Albernheiten hat man überwiegend verzichtet, obwohl das Flaggensymbol der Bösewichte schon ziemlich lustig ist: ein schlecht gelaunter Totenkopf mit Hörnern. Schön auch, dass zumindest einer aus der Schurkentruppe ständig mit nem Dreizack herumläuft. Wie praktisch so ein Ding wohl bei einer Schießerei sein mag? Und die behauptete Hochgeschwindigkeit bei den motorisierten Verfolgungsjagden wurde natürlich mal wieder durch Bildbeschleunigung realisiert, wozu Trace dann einfach so tut, als würde er nach hinten in den Sitz gepresst. Das sieht zwar nicht sonderlich überzeugend aus, aber immerhin musste er kein Erdbeben oder Ionensturm simulieren.

DIE SOLO-KAMPFMASCHINE, wie WHEELS OF FIRE in Deutschland extraknallig genannt wurde (allenfalls Die gnadenlose Solo-Kampfmaschine des grausamen Todes hätte noch prägnanter gewirkt), hat durchaus seine Qualitäten. Er ist gut gefilmt, bietet zum Teil tolle Locations und wartet beizeiten auch mit schönen Bildern (wie malerische Sonnenuntergänge) auf. Auch die Action ist reichlich und abwechslungsreich; Stunts und Explosionen geben sich ein wiederkehrendes Stelldichein. Die deutsche Sprachfassung entzückt dazu mit Beleidigungen wie: „Du Hängebauchschwein!“ Erstaunlich, dass er es trotzdem hinbekommt, bis zum Schluss völlig substanzlos zu bleiben. Die Figuren sind zu keiner Sekunde nahbar, es fehlt an Epik, Herz und Leidenschaft. Zurück bleibt Leere. Und während der Abspann läuft, hat man schon vergessen, worum es eigentlich ging. Wer unbedingt Endzeit von Santiago möchte, sollte sich daher eher an Traces Kollegen STRYKER wenden.

Laufzeit: 81 Min. / Freigabe: ungeprüft

Sonntag, 11. August 2024

TÖDLICHE ENGEL SCHLAGEN ZURÜCK


CEWEK JAGOAN BERAKSI KEMBALI
Indonesien 1981

Regie:
Danu Umbara

Darsteller:
Debbie Cinthya Dewi,
Dana Christina,
Eva Arnaz,
Barry Prima,
George Rudi,
Edy S. Jonathan,
Eddy Haryono,
Alwi A. S.



Eigentlich will TÖDLICHE ENGEL SCHLAGEN ZURÜCK die Fortsetzung des 1980er Billigheimers DEADLY ANGELS sein, in dem sich fünf Frauen zum Kämpferkollektiv formierten, um der örtlichen Polizei ein wenig unter die Arme zu greifen. Allerdings stimmt das nur so zum Teil, denn anstatt dessen, dass man den bekannten Figuren bei einem weiteren Abenteuer zusehen darf, serviert man hier einfach mal ein paar neue Friedenswächterinnen auf sprunggelenkstrapazierender Gerechtigkeitsmission. Zwar kehren immerhin drei der fünf Darstellerinnen zurück, aber halt in ganz anderen Rollen. Geblieben sind Regisseur und Studio – und die schäbige Schlichtheit in Sachen Präsentation und Produktionsaufwand, versteht sich.

Inhalt:

Der Fischer John [Barry Prima] verdient sich nebenbei ein bisschen was dazu, indem er auf seinem Kahn Heiße Ware für den Gangsterboss Handoko [George Rudy] schmuggelt. Eines Tages jedoch beschließt er, seine langjährige Freundin Windy [Eva Arnaz] zu heiraten und nur noch ehrbar zu leben. Seine Ankündigung, aus dem Geschäft auszusteigen, wird nicht sehr wohlwollend aufgenommen: Handokos Handlanger bringen ihren Missmut dadurch zum Ausdruck, dass sie ihn hinter einem Jeep herschleifen und im Anschluss in eine Fackel verwandeln. All das geschieht vor den schreckgeweiteten Augen Windys, die noch an Ort und Stelle Zukunftspläne schmiedet: „Oh, mein Gott! Ich werde dich rächen. Ich verspreche es, ich verspreche es!“ Ihre erste Anlaufstelle ist folgerichtig ein Kung-Fu-Lehrer, der ein klassisches Trainingslager irgendwo in der Pampa betreibt.

Kritik:

Ihren Namen trägt Windy vermutlich deswegen, weil sie mit ihrer Ausbildung wirklich in Windeseile fertig ist. Tatsächlich scheint gerade mal eine Woche vergangen zu sein, in der sich die arglose Durchschnittsbürgerin zur knallharten Kampfsau gewandelt hat. Zeitliche Abfolgen sind allerdings ohnehin nicht die große Stärke von TÖDLICHE ENGEL SCHLAGEN ZURÜCK. Zumindest zu Beginn wirkt doch alles arg sprunghaft und verwirrend, wenn mehrere Handlungen parallel stattfinden und man nie mit Sicherheit sagen kann, wann und warum das Gezeigte jetzt eigentlich genau passiert. Zum Glück bessert sich das im weiteren Verlaufe, was natürlich in erster Linie daran liegt, dass die Ereignisse eigentlich alles andere als kompliziert sind. Ihre neu gewonnen Fähigkeiten darf Windy jedenfalls gleich bei ihrer Heimreise unter Beweis stellen, als sie die Ausraubung mehrerer Buspassagiere vereitelt und dabei auch ohne jede Not einen der Täter ins Reich der Ahnen schickt, als habe sie zuvor niemals etwas anderes gemacht.

Bereits an dieser Stelle fällt auf, dass zumindest die Action auffallend versierter in Szene gesetzt wurde als noch beim Vorgänger. Mit echtem Kung-Fu-Hand- und Fußwerk wird das wohl abermals niemand verwechseln, aber die Dynamik passt und Tritte und Schnitte sitzen. Auch generell gelang hier eine deutlich dichtere Erzählweise ohne ins Auge fallende Durststrecken, zumindest ist wirklich ständig etwas los. Dabei glänzen sogar die Verfolgungsjagden, die dem ersten Teil der DEADLY ANGELS mehr oder minder erfolgreich über manch narrativen Stillstand hinweghalfen, dieses Mal durch Abwesenheit. Zum Ausgleich gibt es dafür in verrauchter Kaschemmen-Atmosphäre ein paar leidenschaftslose Bauchtanz-Nummern mit Schlangentier und Achselhaar. Der Fokus der Veranstaltung bleibt aber dennoch bei Eva Arnaz als Windy, die eine regelrecht prototypische Racheengel-Reise absolvieren darf. Ihre Figur erinnert dabei an eine damalige Musterrolle Pam Griers, die sich in kostengünstigen Krachern wie FOXY BROWN ebenfalls vom Vergeltungsdrang beseelt in Syndikatstrukturen hineinarbeitet, um den Schuldigen näher und näherzukommen. So lässt sich Windy zunächst als Fahrer anheuern und kutschiert von da an halbseidenes Gesindel zu illegalen Untergrundkämpfen, in deren Dunstkreis sie die Täter vermutet. Einerseits ist das tatsächlich ein ziemlich cleverer Schachzug - wer erwartet schon eine potenzielle Gefahr hinterm Lenkrad des eigenen Herrenbeschleunigers? Andererseits verkleidet sie sich dafür als Mann, was wirklich in keiner Sekunde auch nur im Ansatz glaubwürdig aussieht. Zudem hätte ihr vor ihrer Maskerade mit aufgeklebtem Schnurrbart, Chauffeursmütze, Lederjacke und Fick-mich-Stiefeln ruhig mal jemand sagen dürfen, dass nicht jeder Kerl rumläuft wie ein raubauziger Homofürst.

In der schnöden Realität wäre ihr Possenspiel fraglos auf den ersten Blick aufgeflogen, aber in der herrlich blauäugigen Welt von TÖDLICHE ENGEL SCHLAGEN ZURÜCK funktioniert so etwas zum Glück prächtig - selbst dann noch, als Windy schließlich höchstselbst in den Ring steigt, um mittels ihrer Schlagkraft sogar die härtesten Gegner zum Glauben zu bekehren. Ab da dauert es nicht mehr lang, bis die Heldin auch außerhalb der Arena die Fäuste schwingt, um Informanten das ein oder andere Wort zu entlocken. Als ihre Tarnung irgendwann dann doch auffliegt, scheint sie plötzlich auch ihre Kräfte zu verlieren, weswegen sie erstmals ernsthaft in Bedrängnis gerät („Was sagt man dazu? Das ist ne Frau!“ - „Egal, wir hängen sie auf!“). Zum Glück erinnert sich das Drehbuch an dieser Stelle daran, dass es laut Titel ja eigentlich um mehrere Engel gehen sollte, weswegen die Rettung auf fliegendem Fuße naht. Ohne nachfolgende Standpauke geht es natürlich trotzdem nicht: „Wann wirst du endlich mal vernünftig? Ich find’s nicht komisch, sich nen Bart anzukleben und sich zu prügeln. Dazu dieser ganze Kung-Fu-Schwachsinn!“

Bis zum Finale vergeht dabei noch einige Zeit, die mit überwiegend höchst vergnüglichem Unfug angereichert wurde. So kämpfen die Engel u. a. auch noch gegen einen grunzenden Buschmann mit fellfarbenem Lendenschurz, Horn auf dem Haupt und Hauern im Mundwinkel, der allerdings sein Leben aushaucht, nachdem man ihm besagtes Utensil von der Birne geschraubt hat. Zwar bleibt das im Grunde die einzige richtige Verrücktheit, aber TÖDLICHE ENGEL SCHLAGEN ZURÜCK amüsiert dennoch durchgehend durch sein naives Gebaren. Da trägt einer der Gangster, die anfangs Windys Zukünftigen kalt machen, eine Maske, damit man ihn nicht erkennt. Doof nur, dass der Typ anstelle seines rechten Arms eine klobige Prothese mit Messerklinge als Fingerersatz trägt, was die Identifikation notfalls doch entschieden erleichtern sollte. Als die Mörder ihr Opfer hinter dem Auto herschleifen, ruft Windy dem Unglücklichen hinterher: „Was wollen die denn von dir?“ Berechtigte Frage! Ganz schön unhöflich von ihm, nicht zu antworten. Und als der mundfaule Ehemann in spe danach noch angezündet wird, schreit er zwar pflichtschuldigst, bleibt aber dennoch ganz ruhig liegen (was natürlich daran liegt, dass Schaufensterpuppen mit Zappelfunktion bei Drehbeginn bereits ausverkauft waren).

Dazu kommen herrliche Klischees wie Afrofrisuren, die kaum durch den Türrahmen passen, der schmierige Oberschurke, der sich mit Pott-Haarschnitt und übergroßer Pornobrille wohl ursprünglich als Bruce-Lee-Imitator beworben hatte, und halbgares Ninja-Gehopse in des Kung-Fu-Meisters Vorgarten, was eher nach Kinderbelustigung aussieht als nach hartem Training. Mit launigen Elementen wie diesen ist TÖDLICHE ENGEL SCHLAGEN ZURÜCK deutlich abwechslungsreicher als sein Vorgänger, hat mehr Tempo und bringt bisweilen sogar seichtes Abenteuerflair ins Spiel, wenn auch noch Schlangengruben oder angriffslustige Skelettbanden eine Rolle spielen. Wer also seine Lebenszeit nur für ein einziges Engel-Event verschwenden möchte, der sollte sich zumindest für das zweite entscheiden.

Laufzeit: 88 Min. / Freigabe: ab 18

Sonntag, 4. August 2024

DEADLY ANGELS


LIMA CEWEK JAGOAN
Indonesien 1980

Regie:
Danu Umbara

Darsteller:
Yatti Octavia,
Lydia Kandou,
Debbie Cinthya Dewi,
Dana Christina,
Eva Arnaz,
Bram Adrianto,
Suzy Bolle,
Dorman Borisman



Weibliche Schlagkraft war im asiatischen Action-Kino deutlich früher etabliert als im Rest der Welt. Während die Mehrheit der professionellen Arschtreterinnen aus Hongkong kam, wo eine gut geölte Filmindustrie existierte, scheuten andere Länder trotzdem nicht davor zurück, ihre eigenen Körperertüchtigungsfachkräfte ebenfalls auf die Leinwand zu bringen. Die DEADLY ANGELS kommen aus Indonesien und das sieht man auch: Die filmischen Gehversuche der Nation im Bahnhofskino-Bereich sind nicht selten von ausgemachter Tapsigkeit, zwar mit wenig Budget und oft noch weniger Talent umgesetzt, dafür aber mit ungebremstem Elan und Mut zur qualitativen Lücke. Die vorliegende Bemühung, ein halbwegs brauchbares Hieb-, Stich- und Ballerfest auf die Beine zu stellen, ist diesbezüglich ein Paradebeispiel, bricht sich die Unbeholfenheit doch ab der ersten Minute ungeniert Bahn. Eigene Ideen hat man dabei wenig überraschend keine; die Autorenschaft reiht ein räudiges Klischee an das nächste.

Inhalt:

Hardi [Cok Simbara] ist Wissenschaftler. Also, zumindest trägt er nen weißen Kittel, steht unter einem Plakat mit der Aufschrift „Gefährliche Materialien“ und schüttet angestrengt Flüssigkeit aus einem Reagenzglas in ein Gebilde, das aussieht, als habe man vier Shisha-Pfeifen zusammengeschraubt und auf eine mobile Herdplatte gestellt. Danach dreht er ein paar Knöpfe, setzt sich an den Schreibtisch, greift zu einem angeketteten Edding und schreibt mit unsichtbarer Tinte etwas auf den Bildschirm eines Radargeräts. Jap, eindeutig Wissenschaftler! Danach setzt er sich nen Mundschutz auf. Warum? Vielleicht, weil seine Freundin Yanti [Yatti Octavia] in diesem Moment den Raum betritt. „Du kommst im richtigen Augenblick“, freut er sich und nimmt den Mundschutz auch schon wieder ab (lag wohl doch nicht an ihr). „In ein paar Minuten bin ich mit meinem Experiment fertig.“ Yanti freut sich mit ihm: „Du bist wirklich ein Riesentyp!“ Hardi lässt dann auch gleich die Katze aus dem Sack: Er hat die Formel für einen „hochbrisanten“ Sprengstoff ertüftelt, mit dem alles noch ein bisschen geiler explodiert als mit herkömmlicher Handelsware. „Ich werde sie unserer Regierung zum Kauf anbieten“, erklärt er, „denn meine Entdeckung darf nur zu friedlichen Zwecken genutzt werden.“ Ein Patriot aus echtem Schrot(t) und Korn! Staatsfeinde werden dann demnächst nur noch ganz friedlich weggesprengt!

Auf dem Nachhauseweg, der durch brachliegendes Tagebau-Gelände führt (wo wohnt der Typ denn?), werden er und Yanti plötzlich von zwei Finstermännern zum Anhalten gezwungen. „Keine Angst, das ist kein Überfall“, erklärt der erste, was glaubwürdiger wäre, hätte sein Komplize nicht bereits die Pistole im Anschlag. Und so geraten der Forscher und seine Freundin in die Gefangenschaft des Klischee-Gangsters Broto [Rachmat Hidayat], der natürlich die Formel haben will, von deren Existenz er eigentlich noch gar nichts wissen kann. Während Yanti recht schnell und schlagkräftig entkommen kann, bleibt Hardi in der Hand des Feindes. Noch während der Flucht lernt Yanti die kaum weniger resolute Anita [Anita Suwu] kennen, die ihr aus einer weiteren Gefahrensituation heraushilft. Die Frauen verbünden sich und suchen nach weiteren Genossinnen, um Hardi zu retten. Wird es ihnen gelingen? Wird die Regierung ihren pazifistischen Sprengstoff bekommen? Und wird der Herr Professor sich bald mal ne richtige Bude leisten können oder muss er weiterhin im Bergwerk hausen?

Kritik:

Als Aufhänger dient also mal wieder eine geniale Formel. Eine hochorginelle Idee! Wäre sie ein Pferd, müsste sie zum Abdecker. Weil sich besagtes Bombenbaurezept ausschließlich in den Hirnwindungen desjenigen Wissenschaftlers befindet, der es ausgebrütet hat, läuft es final auf einen dann doch sehr simplen Entführungsfall hinaus. Sogar die titelgebenden „Tödlichen Engel“ fragen sich am Schluss, warum man nicht einfach die Polizei verständigt, und hätte man diesen Einfall früher gehabt, wäre die Sache in der Tat schon längst zu den Akten gewandert. Da man aber ohnehin schon genug Mühe damit hat, die Zeit bis zum Finale mit Vorkommnissen zu füllen, wird die Idee geflissentlich ignoriert. Dafür dürfen sich die Kämpferinnen, immerhin fünf an der Zahl, erst noch kennenlernen und zum Selbstjustizkollektiv formieren. Wie sich die „Engel“ hier fast alle zufällig über den Weg laufen, unverzüglich Freundschaft schließen und schließlich eine waffenstarrende Rettungsmission starten, als ginge es dabei um einen zwanglosen Junggesellinnenabschied, lässt sie auf unbekümmerte Art sympathisch wirken. Damit hat es sich dann aber eigentlich auch schon. So etwas wie Persönlichkeit entwickeln die Protagonistinnen nie, und woher sie die Nerven haben, bösen Buben teils doch recht hemmungslos das Handwerk zu legen, bleibt ebenfalls ein Rätsel. Während die meisten Kino-Kolleginnen aus Fernost immerhin Polizistinnen sind, Agentinnen oder generell Kampfkünstlerinnen, was besagte Befähigung ja recht plausibel erklärt, sind die Tödlichen Engel … nunja … nichts! Trotzdem schicken sie reihenweise Gegner auf die Matte, verteilen Tritte, verballern Kugeln und werfen Messer in feindliche Brustkörbe, als sei das völlig normal.

Weil bloßes Kennenlernen noch nicht ausreicht, um akuter Inhaltsarmut Herr zu werden, verläuft man sich auf halber Strecke noch in einer Nebenhandlung, in der ein schmieriger Supermacho eine der Damen entführt, um sich für seine Zurückweisung zu rächen. Nun kann ein fragiles Ego ja so einiges bewirken, aber diese Reaktion erscheint dann doch leicht übertrieben. Grund genug immerhin für den Rest der Truppe, seine Fähigkeiten schon einmal unter Beweis zu stellen und die Kollegin wieder rauszuhauen. Freilich bleibt die kämpferische Qualifikation auch hier reine Behauptung: Schläge und Tritte sind auffallend unbeholfen umgesetzt und überwiegend inkompetent in Szene gesetzt. Da ist nicht ein Hauch Dynamik im Spiel und nicht ein einziger Cut kaschiert, dass hier wirklich niemand Ahnung von Kung Fu hat. Dafür ist die Montage in anderen Momenten dann wieder so wirr, dass sich nur noch raten lässt, was gerade passiert. Da wird anscheinend mal jemand von Hunden angefallen, von Schlangen bedroht oder per Feuerstoß gegrillt. Die einzelnen Szenen passen dabei allerdings nicht wirklich zusammen und der Schnitt ist zudem so schlecht gesetzt, dass auch kein einheitlicher Fluss entsteht. Nur aufgrund der sattsam bekannten Situationsklischees lässt sich in Kombination mit eigener Seherfahrung erahnen, was hier im wahrsten Sinne des Wortes gespielt wird.

Auch die restliche Action ist handwerklich unausgereift. Während manche Sequenzen beschleunigt abgespielt werden, um Rasanz vorzutäuschen (was aber eher an alte Slapstick-Nummern erinnert), wird an anderen Stellen wiederum Zeitlupe zelebriert, wie bei Sprüngen über Motorhauben oder durch Fensterglas, einmal aber auch bei der Flucht zu Fuß, was ein wenig merkwürdig wirkt, weil der Rest in normaler Geschwindigkeit abläuft und es darum nun so aussieht, als könne die Dame tatsächlich nicht schneller rennen. Größter Quell der Freude aber sind die zahlreichen Verfolgungsjagden. Immer wieder kommt es nämlich aus fadenscheinigsten Gründen zu PS-gestützter Geschwindigkeitsübertretung, bei der überwiegend grundlos durch Karren, Holzverschläge oder Glasscheiben gebrettert wird, die stets wie zufällig im Weg rumstehen. „Wieder einer weniger!“, freut sich einer der Engel beim Blick durch die Heckscheibe. Ja, weil einer der Verfolger mit Anlauf gegen einen Baum gefahren ist. Einfach so! Vermutlich vor die Karre gesprungen, das garstige Gehölz!

Für zusätzliche Heiterkeitsschübe sorgt die handfeste Hackfressen-Parade, die einem hier mit Schmackes vor die Schuhe geschmettert wird: Oberschurke Broto sieht aus ein schmieriger Porno-Produzent vom Hinterhof und seine Handlanger haben sich ihre Rubel in der Vorwoche garantiert noch als Rübenbauern verdient (wobei zumindest einer darauf zu spekulieren scheint, am kommenden Tag den Che-Guevara-Ähnlichkeitswettbewerb zu gewinnen, um endlich frei zu sein). Brotos erklärtes Ziel ist es übrigens, mittels der brisanten Sprengstoff-Formel die Herrschaft über ganz Südostasien zu erlangen. Klar, warum sollte man auch kleinere Brötchen backen!? Der Typ macht zwar den Eindruck, nicht mal unfallfrei nen Bahnhofs-Kiosk leiten zu können, aber so ein halber Kontinent, der regiert sich doch sicher ganz locker weg! Auch dieser Widerspruch zwischen behaupteter Gigantomanie und tatsächlicher Präsentation provoziert ein permanentes Maß an ausgemachter Munterkeit: Einerseits hat man keine Scheu davor, mit einem James-Bond-artigen Bösewicht zu protzen, der direkt mal Teile der Welt zu unterjochen gedenkt, andererseits eiert man die ganze Zeit durch denkbar triste Käffer und bedient sich generell eines ausnehmend schäbigen Looks, was mit der gelobten Großmannssucht nicht die Bohne in Einklang zu bringen ist.

Gerade deswegen jedoch machen die DEADLY ANGELS durchgehend gute Laune und sind damit manch höher budgetierten und besser geplanten Produktion überlegen. Dazu ballert die deutsche Synchronisation noch einen amtlichen Sprücheteppich ins Mikro, und zwar dermaßen zügellos, dass mancher Kalauer sogar mehrmals fällt. So beglücken einen die Damen zwischendurch immer mal wieder mit Weisheiten wie: „Zwischen Leber und Milz passt immer noch’n Pils“ oder (besonders schön!): „Verbittert ist der Kakadu, sagt man zu ihm: ‚Du Kacker, du!‘“. Am Ende kommt dann doch noch die Polizei vorbei und der zuständige Kommissar schimpft auch ein bisschen mit den Engeln, weil Selbstjustiz ja eigentlich doof ist und in der Regel bitteschön unterlassen werden sollte. Allerdings ist er doch begeistert genug von den Qualitäten des Quintetts, um noch an Ort und Stelle einen neuen „Fall“ anzubieten. Die Frauen freuen sich, das Bild friert ein und „Fortsetzung folgt“ wird eingeblendet. Entweder war man also von Anfang an selbstbewusst genug, an einen Kassenerfolg zu glauben, oder man hatte nach Drehschluss einfach noch genügend Glasscheiben und Baumstämme zum sinnlosen Durch- und Dagegenfahren übrig. Nur ein Jahr später hieß es dann auch schon: TÖDLICHE ENGEL SCHLAGEN ZURÜCK. Der Witz daran: Wer sich darauf gefreut hat, die hier so mühsam etablierten Damen tatsächlich bei einem neuen „Fall“ zu erleben, der schaut in die Röhre. Im vermeintlichen zweiten Teil wird nämlich plötzlich ein komplett neuer Hühnerhaufen präsentiert. Verbittert ist der Kakadu!

Laufzeit: 80 Min. / Freigabe: ab 18

Donnerstag, 11. Juli 2024

DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM


LA BESTIA NELLO SPAZIO
Italien 1980

Regie:
Alfonso Brescia

Darsteller:
Sirpa Lane,
Vassili Karis,
Lucio Rosato,
Umberto Ceriani,
Maria D'Alessandro,
Giuseppe Fortis,
Dada Gallotti,
Robert Hundar



Der Weltraum. Unendliche Oberweiten!

1980 befand sich der gemeine Kinogänger – STAR WARS sei Dank!  im Sternenfieber. Zahlreiche Nachahmer des als Science-Fiction deklarierten Fantasy-Märchens buhlten, mal mehr, mal weniger ambitioniert, um die Gunst des Publikums. Der italienische Regisseur Alfonso Brescia [→ 100.000 VERDAMMTE DOLLAR], der sich Zeit seiner Karriere vollkommen dem Kommerz verschrieben sah, stellte sich da die Frage, mit welchem kassenträchtigen Element man eine obligatorische All-Saga denn wohl verknüpfen könnte, um noch mehr Zahlungswillige ins Lichtspielhaus zu locken. Dann die Erkenntnis! Klar: Rudelbumsen!

So oder so ähnlich dürfte es sich wohl zugetragen haben, bevor Brescia zusammen mit seinem Mitstreiter Aldo Crudo [→ WENN DU KREPIERST, LEBE ICH] diesen crudon kruden Hybriden aus Kosmos-Kokolores und Schmuddelgeknuddel zu Papier brachte, in Szene setzte und unter dem Titel LA BESTIA NELLO SPAZIO auf die arglose Menschheit losließ. Der deutsche Titel dieses Universums-Unikums ist dabei zwar überraschend nah am Original, aber deutlich inspirierender ist fraglos die Alternative, die einem bei der zu Grunde liegenden Kopie per ungefragter Einblendung offeriert wird: Tier im Raum. Das ist natürlich noch viel, viel besser und erweckt auf Anhieb anregende Assoziationen zu einer elitären Kunst-Installation, bei der die Gäste mit von der Sektflöte abgespreiztem Finger Sachen sagen wie: ‚Faszinierend, wie das Fehlen jeglicher Bedeutung uns zur Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Sinn der eigenen Existenz zwingt.‘ - ‚Gewiss doch, Gutester! Wobei in der Akzeptanz dieser Leere natürlich auch eine gewisse Freiheit liegt‘.

Aber am Ende hat man es dann eben doch nur mit DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM zu tun, jenem schreiend schäbigen Science-Ficktschön-Cocktail, bei dem die Dialoge so klingen:

„Wie heißt du denn, himmlische Vision?“ - „Ich bin Sandra und wer bist du?“

Inhalt und Kritik:

Prämisse: In der Zukunft der Menschheit ringen zwei mächtige Fraktionen um die Vorherrschaft im Weltraum, die Galaktische Flotte und die Handelsföderation. Das klingt zwar episch wie Sau, hat am Ende jedoch die Dramatik eines Sandkasten-Gekabbels um das schönere Förmchen.

Ein schönes Förmchen hat fraglos auch Sirpa Lane [→ PAPAYA], welche hier als Sandra Richardson (oder Sondra im Original, die deutsche Fassung nahm ihr ein o und gab ihr ein a) die weibliche Hauptrolle geben darf - und das definitiv nicht wegen ihres schauspielerischen Talentes. Denn eigentlich – und daraus wird im Prinzip auch kein Geheimnis gemacht  zielt DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM von Beginn an auf primitive Triebe ab, weswegen sich auch jede Figur früher oder später einmal mehr oder weniger motiviert aus ihrer Pelle schälen darf.

Zumindest zum Auftakt bemüht man sich immerhin noch, dabei trotzdem auch so eine Art Geschichte zu erzählen – und das sorgt tatsächlich für gute Laune, da es von vergnüglichen Stereotypen nur so wimmelt. Die schmierige Spelunke, die der männliche Protagonist, der vom gebürtigen Griechen Vassili Karis [→ SABATA KEHRT ZURÜCK] verkörperte Raumschiffkapitän Larry Madison, gleich nach Verklingen des Vorspanns betritt, macht jedenfalls schwer was her und auch ein wenig Hoffnung: Auch in ferner Zukunft wird es sie also noch geben, diese schummerigen Hafenkneipen, in der Betrunkene sich aufs Maul hauen, während gelangweilte Weibchen im Eck auf den dümmsten Anmachspruch warten.

Exakt auf diese Weise lernen sich der Käpt’n und Sandra hier dann auch kennen  wobei er ihr Herz vor allem dadurch erobert, dass er den Kontrahenten um ihre Gunst kurzerhand K.O. schlägt. So etwas lässt natürlich nicht nur Knie weich werden, weswegen es auch bereits den ersten Beischlaf zur Folge hat, der allerdings noch relativ züchtig bebildert ist, obwohl der Kollege an der Kamera schon fleißig Brust-, Po- und Schambereiche ins Visir nimmt.

Diese Eröffnungsveranstaltung porträtiert schon ganz gut, wie viel DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM mit Subtilitäten am Hut hat. Nämlich gar nichts. Frauen wirken wie Flittchen oder Huren, während Männer meist wie grobschlächtige Cowboys ohne Rücksicht auf Renommee und Verlust durch die Gegend holzen. Vassili Karis ist als Käpt’n Madison vermutlich das, was man bekommt, wenn man Burt Reynolds bei Wish bestellt, wohingegen Sirpa Lane bereits diesen verderbten Blick draufhat, der annehmen lässt, sie wäre eigentlich viel lieber als Matratze zur Welt gekommen. Ein perfektes Paar also, dem es quasi vorherbestimmt war, in den Federn zu landen. Wie sehr die beiden füreinander geschaffen sind, merkt man übrigens direkt nach erfolgter Kopulation, als Sandra dem Kapitän erstmals von dem eigenartigen Traum berichtet, den sie regelmäßig hat und in dem sie von einem unheimlichen Verfolger durch den Wald getrieben wird. Das nimmt ihren Bettgenossen dermaßen mit, dass er noch während der spannenden Erzählung sanft ins Reich des Schlafes hinübergleitet. Hoffentlich träumt er wenigstens gut.

Bevor es dem Publikum noch ähnlich ergeht, bringen Brescia und Crudo lieber ein bisschen Schwung in die Bude. So wird auf dem weitestgehend unerforschten Planeten Lorigon das Element Autalium entdeckt, was einen Bergungs-Wettlauf beider eingangs erwähnten Parteien zur Folge hat. Denn wer das Autalium kontrolliert, kontrolliert das Universum. Seitens der Galaktischen Flotte wird Käpt’n Madison für diese Mission abkommandiert, der nicht schlecht staunt, als ihm gewahr wird, dass sich seine Vorabend-Eroberung Sandra ebenfalls unter den Crew-Mitgliedern befindet. Wahrlich ein Traumpaar also, das sich nie gesucht und dennoch gefunden hat und nun mit ein paar anderen Knallchargen ähnlichen Kalibers ins All geschossen wird, um das Schicksal der Welt zu bestimmen.

Das Ziel, der Planet Lorigon, entpuppt sich nach der Landung als ein Hort der Skurillitäten, obwohl er zunächst nur aus ein paar Birkenwäldern zu bestehen scheint. Schon hier läuten beim aufmerksamen Betrachter die Alarmglocken, sieht die Landschaft doch haarklein so aus wie in Sandras Alpträumen. Allerdings kommt die Crew beim anschließenden Wandertag durch die Botanik auch mindestens fünf Mal am selben Baum vorbei, eventuell hatte man also schlichtweg gar nicht die Genehmigung, an anderer Stelle auch noch was drehen zu dürfen. Dafür gönnte man sich allerdings eine Archivaufnahme, die für den wohl kuriosesten Moment des Szenarios herhalten darf: So hält die Besatzung beim ziellosen Herumstromern zwischendurch mal kurz inne und beobachtet fasziniert zwei Pferde, von denen das eine das andere … nun ja … bespringt. Diese Ansicht scheint zumindest die anwesenden Weiber derart in Wallung zu versetzen, dass sie direkt damit anfangen, mit apathischer Miene ihre körpereigenen Rundungen abzutasten – wobei allerdings auch die Herren plötzlich ganz glasige Blicke bekommen. Am meisten Augen aber macht an dieser Stelle das Publikum, denn die knatternden Klepper sind derart dilettantisch zwischen die Bilder kopiert (im falschen, zusammengestauchten Format nämlich), dass man zur Annahme gezwungen ist, der dafür Verantwortliche habe selbst gerade ein paar Rundungen abgetastet, wenn auch ganz sicher nicht die vom Schneidepult.

Egal, die Schau muss weitergehen und das tut sie auch, wenn die Crew schließlich ein schlossähnliches Domizil entdeckt, in welchem sie nach Betreten und Ohnmachtsanfall einen Mann kennenlernt, der sich ganz bescheiden als „Onaf, Herrscher des Kontinents“ vorstellt und der – schau an, schau an!  der Typ aus Sandras Träumen ist. Dieser, gespielt vom hünenhaften Robert Hundar [→ DER MANN MIT DER KUGELPEITSCHE], klärt die Neuankömmlinge erst einmal über die Verhältnisse auf Lorigon auf: Ein gigantischer Computer namens Zocor hat den gesamten Planeten unterworfen und eine Herrschaft des Terrors errichtet („Er ist so mächtig, dass er in der Lage ist, zu seinem Vergnügen unseren Planeten quer durch den Kosmos zu jagen.“). Seine Kraft bezieht er aus dem Element, dessentwegen man vor Ort ist: Autalium. Dieses kann allerdings nicht nur alten Schaltkreisen neuen Schwung verleihen, sondern mittels seiner Strahlung auch den Alterungsprozess der Bevölkerung verhindern („Mein derzeitiges Alter ist 800 Jahre.“ - „Hochachtung!“).

Genug geredet! Jetzt wird gepimpert! Onaf scheint nämlich großer Fan des berühmt-berüchtigten Kaisers Caligula zu sein, weswegen er Heim und Kleid auch bereits den Look spät-römischer Dekadenz verpasst hat. Irgendwas war wohl im Alkohol, denn unvermittelt folgt dem Vorbild entsprechend eine ausufernde Matratzensport-Orgie, die, je nachdem, welche Version man erwischt hat, mal mehr, mal weniger explizit zelebriert wird. Und während auf Lorigon der Knutsch- und Knettag eingeläutet wird, bewahrheitet sich dann endlich auch Sandras Alptraum, entpuppt sich Onaf unter seiner Tunika doch als Satyr, also als Mischwesen aus Mensch und Ziegenbock. Getrickst wurde das auf dem Wege des geringsten Widerstands, indem man Herrn Hundar einfach die olle Zottelhose nebst Ziegenhuf-Clogs übergestreift hat. Und da Sandra ja genügend gute Gründe braucht, um vor dem Wesen durch den Wald zu fliehen, pappte man ihm final noch eine monströse Pimmel-Prothese in den Schritt. Was eine griechische Sagengestalt bei einer perniziösen Penetrations-Parade zwischen pseudorömischem Putz auf einem fernen Planeten verloren hat? Vermutlich nix. Aber man ist ja kein Fachmann.

Die plötzlichen Porno-Anwandlungen stehen der BESTIE AUS DEM WELTRAUM nicht wirklich gut zu Gesicht. Wer Schmuddelware will, der greift auch zu solcher und will dabei nicht von Raumschiffen und freidrehenden Super-Computern belästigt werden. Und wenn man auf billigen Sci-Fi-Schlonz abfährt, ist grenzwertiges Genital-Algebra nun auch nicht unbedingt das, was einem gerade noch zum großen Glück gefehlt hat. Viel zu lang dauert zudem das unappetitliche Rudel-Gerödel und irgendwie erholt sich das Machwerk danach auch nicht mehr so wirklich davon, obwohl man immerhin noch eine satte Viertelstunde Mumpitz vom Stapel lässt. So kämpfen die Helden gegen die Goldmänner, die Bytegarde des Rechner-Verbrechers, die aussehen, als habe man ein paar Oompa Loompas aus Charlies Schokoladenfabrik entführt, per Streckbank großgezogen und golden angemalt. So bewegen die sich dann auch. Dazu werden Lichtschwerter gezückt, die wer weiß woraus bestehen. Licht ist es nicht. Aber es scheint gutes Material zu sein, immerhin kippt der Gegner selbst dann noch aus den Latschen, wenn man kilometerweit daneben keult. Und natürlich taucht pünktlich zum Finale auch noch der diktatorische Daddelkasten höchstpersönlich auf, ist dann aber doch nicht viel mehr, als nur ne bessere Brotdose auf zwei Beinen. Das alles und noch viel mehr nur hier und heute bei: Tier im Raum!

Am Ende macht die Nummer dann weitaus weniger Spaß, als es eigentlich der Fall sein müsste. Immerhin wird hier schon alles Mögliche aufgefahren, um den Interessenten bei der Stange zu halten: bunte Plastikbauten, die so tun, als seien sie voll futuristisch, Laserpistolen, die gar nicht schießen können (wofür zum Ausgleich allerdings ein gelbes Lämpchen aufleuchtet), Birkenwäldchen, die einem als ferne Vegetationen verkauft werden, dazu wirklich niedliche Raumschiffmodelle, Höhlenkulissen und Badekappen als Helmersatz. Und die latexartigen Ganzkörperkondome, die hier als Raumanzüge herhalten müssen, wären garantiert der Knaller auf jeder Fetisch-Party. Dennoch ist es etwas ernüchternd, wie wenig Brescia & Co. hier eigentlich zu erzählen haben. Woher Sandras Wahrträume, immerhin einer der Neugierde schürenden Aufhänger zu Beginn, denn nun eigentlich rührten, wird z. B. niemals aufgeklärt – wie so ziemlich alles, was anfangs zumindest halbgar etabliert wurde, schließlich sang- und klanglos im Sande verläuft. So wird auch der prinzipiell nicht uninteressante Wettlauf um die seltene Substanz später vollkommen vergessen, um stattdessen unansehnliche Reproduktionsgymnastik in den Fokus zu rücken.

Für gute Laune sorgen wiederum die vielen Statisten, die an Deck der Raumschiffe hilflos im Hintergrund herumlaufen und schlichtweg nicht wissen, was sie tun sollen, sowie die deutsche Synchronisation, die eigentlich Asynchronisation heißen müsste, passt das gesprochene Wort doch nicht für fünf Lira auf die Lippen. Dafür seiern die Protagonisten ständig Quatsch raus wie „Bist du besoffen?“, „Ich muss kotzen!“ oder „Let’s go!“

Let’s go!

Laufzeit: 94 Min. / Freigabe: ungeprüft