Eigene Forschungen

Posts mit dem Label Shaolinschätze werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Shaolinschätze werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 30. Dezember 2024

DIE 18 TODESSCHLÄGE DER SHAOLIN


SHI BA LUO HAN QUAN
Hongkong 1978

Regie:
Yang Ching-Chen

Darsteller:
Stephen Tung Wai,
Dean Shek Tien,
Wen Chiang-Long,
Sze-Ma Lung,
Shen Hai-Rong,
Shih Chung-Tien,
Kwan Hung,
Shih Ting-Ken



Inhalt:

China zur Zeit der Qing-Dynastie: Die Mandschus sind im Land und knechten das Volk. Der Shaolin-Mönch Wen Hung [Wen Chiang-Long] führt einen Widerstand an, muss sich jedoch vor dem feindlichen Anführer Wong Wu Ti [Sze-Ma Lung] in Sicherheit bringen. Auf der Flucht erhält er unerwartete Schützenhilfe von den beiden harmlosen Herumtreibern Hsiao Tung [Tung Wai] und Tai Peng [Shek Tien], die seine Häscher erfolgreich auf die falsche Fährte führen und ihm dadurch das Leben retten. Um eine Verletzung auszukurieren, versteckt sich der Abt fortan in der Hütte seiner Wohltäter und beginnt damit, sie in die geheimen Kampfkünste der Shaolin einzuführen – ein Wissen, das die Freunde schneller brauchen werden, als ihnen lieb ist.

Kritik:

Dass DIE 18 TODESSCHLÄGE DER SHAOLIN im selben Jahr wie Jackie Chans Durchbruch SIE NANNTEN IHN KNOCHENBRECHER erschien, ist gewiss kein Zufall. Der Kassenerfolg war nämlich Auslöser einer horrenden Wagenladung ähnlich gearteter Werke, die klassisches Kung-Fu-Kino mit (teils sehr alberner) Komik verbanden und den bewährten Plot dabei nur rudimentär variierten. Anstatt eines zauseligen Bettlers darf hier nun also ein Shaolin-Mönch zwei Durchschnittstaugenichtsen die Kunst des Kampfes lehren, um den Drangsalen eines brutalen Schurken etwas entgegensetzen zu können.

Dabei verspricht die Einleitung episches Entertainment, wenn ein Erzähler bedeutsam vom Sturz der Ming-Dynastie berichtet, von der gewaltsamen Übernahme des Landes durch die Mandschurei, vom verzweifelten, doch fruchtlosen Widerstand des Volkes. Dazu werden statistenreiche Schlachtbilder serviert, ein emsiges Rennen, Hauen, Stechen und Sterben, dreckig und dramatisch. Auch der Bösewicht wird bei der Gelegenheit etabliert, Wong Wu Ti, der „Goldene Adler“, der zum Auftakt direkt den Shaolin-Tempel niederbrennen lässt, um das geistige Zentrum der Aufständischen zu zerstören. Abt Wen Hung, Anführer der Rebellen, flieht vor den Flammen und läuft seinem Widersacher Wong auf einer Wiese direkt in die Arme. Das wirkt schon alles sehr aufbrausend und medienwirksam und klingt in 30 Sekunden komprimiert nach großem Kino. Allerdings ist der Ofen danach auch schon wieder so ziemlich aus. Der nationale Freiheitskampf weicht mehrheitlich persönlichen Konflikten im kleinen Kreis; dem epochalen Einsteig folgt dramaturgisch eher ungeschickt eine überwiegend unzeremonielle Komödie. Und obwohl die Lage prinzipiell bedrohlich bleibt, erscheint es nicht mehr sonderlich staatstragend, wenn man sich mit dem Feind nur noch auf freiem Felde, zwischen schroffen Felsen und wogenden Gräsern, um die Zukunft des Landes prügelt.

Das ist zwar nicht auffallend aufregend, aber immerhin angenehm unterhaltsam. Tung Wai [→ ONCE UPON A TIME IN CHINA V], hier in einer Rolle zu sehen, die bei einem höheren Budget mit Sicherheit an Jackie Chan gegangen wäre, macht sich gut in der Haupt-Hauptrolle und sorgte, gemeinsam mit Yuen Cheung-Yan [→ LAST HERO IN CHINA], auch für die Kampf-Choreographien, die sehr ordentlich geraten sind, obwohl sie mit echtem Schlagabtausch abermals wenig zu tun haben und eher Tanz-Charakter besitzen. Die Neben-Hauptrolle ging an Shek Tien [→ DIE SCHLANGE IM SCHATTEN DES ADLERS], der Dauergast in Produktionen wie diesen war und erneut den grimassierenden Scherzkeks gibt. Ungewöhnlich ist allenfalls, dass er das hier auf sympathischer Seite tut und nicht etwa, wie so oft, als infantiler Rivale des Protagonisten. In der Rolle des Mentors strahlt Wen Chiang-Long [→ DIE GELBE HÖLLE DES SHAOLIN] als weiser Kung-Fu-Abt eine ausreichende Menge Würde aus, während Sze-Ma Lung [→ DIE TODESKÄMPFER DER SHAOLIN] als Endgegner mit bösem Blick und wallender weißer Haarpracht doch etwas sehr klischeehaft in Szene gesetzt wurde.

Aber Klischees erwartet man ja regelrecht bei einem Genre-Beitrag wie diesem, und im Prinzip werden alle Mechanismen zuverlässig bedient. Dazu gehören freilich auch die zahlreichen körperbetonten Konfrontationen, meist eingeleitet durch Nennung des verwendeten Kampfstils, wobei des Schurkens Zuckungen teils eher auf nen Epileptischen schließen lassen als auf Anwendung einer ausgefeilten Konzentrationsmethode. Allerdings trägt der Widersacher im Englischen tatsächlich auch den Spitznamen „Shaking Eagle“, was den Auftritt immerhin zum Teil plausibler erscheinen lässt – wobei „Zitternder Adler“ eigentlich genauso albern klingt wie es aussieht. Trotzdem ist diese Technik wohl so tödlich, dass selbst versierte Kung-Fu-Mönche wie Wen Hung lieber Fersengeld geben, als sich ihr in den Weg zu stellen. Dass es hier durchaus ernst zugeht, wird spätestens im letzten Drittel deutlich, wenn DIE 18 TODESSCHLÄGE DER SHAOLIN seine humoristischen Pfade verlässt und es anständig dramatisch und brutal wird – durchaus auch mit tragischem Ausgang, was auf emotionaler Ebene erstaunlich gut funktioniert, da die Figuren mit genügend Liebeswürdigkeit ausgestattet wurden.

Natürlich läuft auch dabei alles in eher vertrauten Bahnen und etwas Leerlauf lässt sich trotz knapper Laufzeit nicht leugnen. Ein paar Nebenhandlungen hätte man da gern noch etwas ausbauen dürfen. Wie der Strang um die wehrhafte Tochter eines Wirtshausbetreibers, die sich ebenfalls als Anführerin einer Rebellengruppe entpuppt, was eine willkommene Abwechslung bedeutet in einem Genre, das Frauen meist als passiv und schutzbedürftig porträtiert. Aber viel zu schnell ist das schon wieder kein Thema mehr, weswegen man die Chance auf ein wenig narrative Varianz überwiegend verspielt hat. Bahnbrechend wäre natürlich auch das nicht gewesen, aber zumindest doch ganz nett. Positiv anzurechnen ist, dass DIE 18 TODESSCHLÄGE DER SHAOLIN eine gute Balance findet zwischen Komik und Ernst, wobei er es angenehmerweise mit ersteren auch nicht übertreibt, was im Hongkong-Kino nämlich durchaus strapaziös sein kann. Hier sind die Kaspereien eher zurückhaltend, was den Übergang zu den härteren Elementen (inkl. des von Rachegelüsten bestrittenen Showdowns) flüssiger erscheinen lässt.

Die deutsche Fassung bricht den Film frecherweise ein paar Sekunden zu früh ab, als im Finale des Helden Fuß des Feindes Hinterkopf trifft. Das sollte wohl suggerieren, dass der Tritt tödlich oder zumindest mit einer besiegenden Ohnmacht endet. In der Originalfassung hingegen balgen sich beide noch ein paar Bilder länger, bevor beim Gegner dann tatsächlich die Lichter ausgehen. Das geschieht zwar nicht wirklich weniger plötzlich – aber zumindest halt etwas später. Warum man sich für den Titel ausgerechnet für 18 Todesschläge entschieden hat, könnte man sich nun abschließend auch noch fragen. So viele kommen nämlich nicht einmal ansatzweise vor. Mentor-Mönch Wen Hung kann seinen Schützlingen gerade einmal 6 Schläge beibringen, der Gegner beherrscht laut seiner Aussage „doppelt so viele“. Schön und gut, aber auch das wären ja laut Adam Riese immer noch längst keine 18. Hier wurde der unschuldige Kinogänger also ganz eindeutig um mindestens 6 Todesschläge betrogen. Das ist, als würde man im China-Restaurant 8 Kostbarkeiten bestellen und dann bekäme man nur 7. Wenn man dann vom Ordnungsamt wäre …

Laufzeit: 78 Min. / Freigabe: ab 16

Donnerstag, 22. September 2016

TI LUNG - DIE TÖDLICHE KOBRA


SIU LAM YING HUNG
Hongkong 1980

Regie:
Wu Ma,
Pao Hsueh-Li

Darsteller:
Ti Lung,
Shih Szu,
Danny Lee,
Michael Chan,
Tan Tao-Liang,
Wong Ching,
Wu Ma



„In der zweiten Hälfte der Ming-Dynastie wurde das ganze Land von Unruhen und Revolten erschüttert. Ein skrupelloser und machtgieriger Fürst hatte es sich zum Ziel gesetzt, das ganze Land für sich zu erobern. Und er hatte den Shaolin-Mönchen verboten, zu kämpfen. Taten sie es trotzdem, lies er sie umbringen und ihre Tempel niederbrennen.“

(Gäbe es diese gesprochenen Einleitungen nicht, man stünde in Asiens Kung-Fu-Kino vermutlich oftmals ziemlich auf dem Schlauch.)


Inhalt:

Einer der gnadenlosesten Vollstrecker dieses grausamen Fürsten ist Zen Chong [Ti Lung]. Früher einmal selbst ein Mönch der Shaolin, spielt er nun auf der Gegenseite und liefert seine ehemaligen Kameraden eiskalt ans Messer. Immerhin ein wenig Restskrupel scheint er dennoch zu besitzen und überredet den mandschurischen Herrscher, die Überlebenden des Tempels nicht hinrichten, sondern lediglich gefangennehmen zu lassen. Dafür legt er auch eine gute Begründung vor: Im Geheimen existiere noch eine letzte Widerstandsgruppe der Shaolin. Unter Folter, so Zens Versprechen, werde er den Gefangenen den Ort des Versteckes abringen können. Es beginnt eine qualvolle Zeit für seine ehemaligen Mitschüler. Abseits der Folter tritt Zen zudem regelmäßig in Kung-Fu-Kämpfen gegen sie an, um sie durch seine Siege endgültig zu demütigen. Doch nach geraumer Zeit schwant den Gefangenen, dass Zen mit seinem Vorhaben womöglich ganz andere Ziele haben könnte …

Kritik:

Ti Lung war einer der wenigen Darsteller des Hongkong-Kinos, denen in den 60er und 70er Jahren auch in Deutschland so etwas Ähnliches wie Star-Ruhm zuteilwurde – nicht zuletzt auch aufgrund des Zutuns der hiesigen Verleiher, die seinen Namen das eine ums andere Mal dem offiziellen Titel voranstellten. TI LUNG – DUELL OHNE GNADE nannte sich das dann, oder TI LUNG – DER TÖDLICHE SCHATTEN DES MR. SHATTER. Oder eben auch TI LUNG – DIE TÖDLICHE KOBRA. Zwar ist das von der Aussage her eigentlich unzutreffend, da sein Charakter (zumindest in der Synchronfassung) immer nur Panther gerufen wird, aber es ist nicht davon auszugehen, dass jemand deswegen ernsthaft sein Geld an der Kasse zurückverlangt hat. Fans des charismatischen Schauspielers kommen hier nämlich voll und ganz auf ihre Kosten und dürfen bereits in der Eingangssequenz Zeuge davon werden, wie ihr Held ordentlich Handkanten verteilt und seine Gegner gekonnt auf die Bretter schickt. Alles, wie es sein sollte, könnte man meinen. Und dennoch ist hier alles ein bisschen anders. Denn während Ti beim Großteil seiner Rollen als tadelloser Musterknabe agierte, steht seine tödliche Pantherkobra auf Seite des gewalttätigen Mandschuren-Fürsten und lässt in besagter Eröffnung einen Orden friedlebender Shaolin-Mönche brutal zur Strecke bringen.

Aus dem Umstand, dass er dabei durchaus Skrupel hegt, wird allerdings von Anfang an kein großes Geheimnis gemacht, und dass Zen Chong kein durch und durch verworfener Charakter ist, wird zumindest dem Publikum auch schnell klar. Dennoch bleiben seine wahren Intentionen für längere Zeit im Verborgenen und erst nach und nach kristallisiert sich heraus, worin sein eigentlicher Plan besteht. Allzu kompliziert zu erraten sind die Zusammenhänge freilich nicht, sodass dem Publikum auch wesentlich früher ein Licht aufgeht als den doch recht begriffsstutzigen Filmfiguren, die quasi bis zum Ende komplett im Dunkeln tappen (die meiste Zeit sogar im wahrsten Sinne des Wortes, denn in so einen Kerker scheint bekanntlich nicht allzu viel Sonne rein). Wirklich überraschende Wendungen bleiben somit – das recht unerwartete Ende mal ausgenommen – fast vollkommen aus und die Ereignisse verlaufen insgesamt in eher absehbaren Bahnen. Dazu passend wurde auch auf eine epische Breite verzichtet; die Anzahl der Schauplätze lässt sich mühelos an einer Hand abzählen. Nach blutigem Beginn im Tempel der Shaolin verlagert sich das Geschehen überwiegend in die freie Natur oder das feuchte Verlies der fürstlichen Festung. Durch die Beschränkung auf diese Notwendigkeiten gleicht DIE TÖDLICHE KOBRA über weite Strecken sogar eher einem vor historischem Hintergrund erzählten Gefängnisdrama als einem klassischen Vertreter des gemeinen Knochenbrecher-Spektakels.

Einer der Hauptgründe für die spärliche Präsentation ist sicherlich der Umstand, dass sich hier ausnahmsweise einmal nicht das renommierte Studio der Shaw Brothers für die Produktion verantwortlich zeigte, sondern die nahezu unbekannte Gesellschaft Yen Sing Cinema. Diese dürfte in Sachen Finanzmittel gerade mal einen Bruchteil der damals dominierenden Kung-Fu-Schmiede zur Verfügung gehabt haben und musste somit auf die oft sehr aufwändig gestalteten Kulissen der Konkurrenz verzichten. Trotz des Verzichts auf bombastische Sets und ausladende Panoramen wirkt DIE TÖDLICHE KOBRA allerdings in keinem Augenblick billig oder gar aus zweiter Reihe. Ganz im Gegenteil unterstreicht die nüchterne Kargheit nochmals den vorherrschenden Pessimismus und geht mit der trostlosen Grundstimmung quasi Hand in Hand. Damit unterscheidet man sich deutlich von den vielen oft reichlich albernen Fließbandprodukten jener Zeit, zumal man hier auch ohne unnötig übertriebene Sprung- und Flug-Manöver auskommt. Doch nicht nur, dass die Kämpfe stets bodenständig bleiben, sie wurden auch sinnvoll in die Handlung integriert und nicht etwa mit heißer Nadel ins Skript gestrickt, wie so häufig der Fall. Auch der konsequente Abstand von humoristischen Einschüben und infantiler Typenkomik macht sich äußerst positiv bemerkbar.

Stattdessen schrieb man sich Realismus auf die Fahnen – was DIE TÖDLICHE KOBRA auch für jenes Klientel goutierbar macht, das sich ansonsten weniger für asiatische Kämpfer in historischen Gewändern erwärmen kann. Der triste Tenor und die realistisch anmutende Rohheit der Präsentation gehen dabei natürlich unweigerlich zu Lasten des oft märchenhaften Klimas etlicher Shaw Brothers-Produktionen (allenfalls wenige Werke wie DER RÄCHER AUS DER TODESZELLE böten sich zum Vergleich an). An Shaw erinnert somit fast ausschließlich nur noch der Stab, der einiges an kompetentem Personal des damaligen Platzhirschen sowohl vor als auch hinter der Kamera versammelte. So begegnet man neben Aushängeschild Ti Lung unter anderem auch Danny Lee [→ DER KOLOSS VON KONGA] und Wu Ma [→ DIE SIEBEN SCHLÄGE DES GELBEN DRACHEN] in den düsteren Verliesen – wobei letzterer gemeinsamen mit Pao Hsueh-Li [→ DER PIRAT VON SHANTUNG] sogar den Regiestuhl drückte. Die Inszenierung der beiden alten Hasen geriet dann auch überaus kompetent, während das Drehbuch mit einigen großartigen Szenen aufwarten kann. Höhepunkt ist dabei sicherlich die Sequenz, in welcher der Titelheld während einer Tanzdarbietung versucht, einen Anschlag auf den Fürsten zu verhindern.

„An diesem Mann wäre sogar Bruce Lee gescheitert“, verkündete einst das deutsche Plakat leicht vermessen. Das dürfte nun schwerlich zu beweisen sein. Aber davon mal abgesehen, wäre ein derartiger Vergleich ohnehin nicht wirklich angebracht, da die Prämissen völlig unterschiedlich sind. DIE TÖDLICHE KOBRA erzählt keine Kriminal- und Gangstergeschichte mit einem integren Superfighter auf privatem Rachefeldzug. Dafür bietet das auf Minimalismus setzende Kostüm-Drama nicht nur verschworenen Genre-Freunden einen lohnenden Ausflug in die kalten Kerker der Ming-Dynastie. Der Ton ist ruppig, die Attitüde ist rau und die Kämpfe sind von knochentrockener Härte. Besonders das abschließende Duell zwischen dem Titelhelden und Michael Chan holt noch mal so richtig Kastanien aus dem Feuer. „Ein Held zu sein heißt, durch die Hölle gehen“, heißt es an einer Stelle. Ti Lung tritt den Beweis an.

Laufzeit: 102 Min. / Freigabe: ab 18

Montag, 30. Dezember 2013

SHAOLIN


XIN SHAO LIN SI
China 2011

Regie:
Benny Chan

Darsteller:
Andy Lau,
Nicholas Tse,
Fan Bingbing,
Jackie Chan,
Jacky Wu,
Bai Bing,
Xing Yu,
Yu Shaoqun



Inhalt: 

China in den 20er Jahren: Kriegsherren liefern sich brutale Kämpfe um die Machtansprüche im Land. Einer von ihnen ist General Hao [Andy Lau]. Gemeinsam mit seinem Schüler Tsao [Nicholas Tse], den er aufgrund seiner jugendlichen Temperaments häufig zurechtweisen muss, geht er rücksichtslos gegen seine Feinde vor. Als einer seiner Kontrahenten in einem Shaolin-Kloster Zuflucht sucht, können selbst die dort lebenden Mönche ihn nicht daran hindern, den Mann zu töten. Aufgrund seines Erfolgs übermütig plant er als nächstes, General Song [Shi Xiao-Hong], dem er eigentlich Blutsbrüderschaft schwor, bei einer familiären Zeremonie zu ermorden. Doch Hao wiederum wird von Tsao verraten, der die Gelegenheit am Schopfe packt, sich gleich mehrerer Konkurrenten zu entledigen. Nur mit Müh und Not entkommt Hao der angeheuerten Killerbande und schleppt sich – seine schwer verletzte Tochter im Arm – ausgerechnet in das Shaolin-Kloster, welches er einst entweihte. Zwar bemühen sich die Mönche um das Leben des Kindes, doch können sie dessen Tod nicht mehr verhindern. Fassungslos vor Trauer zerbricht der einst so stolze Mann und mit ihm sein Lebenswille. Tsao errichtet in der folgenden Zeit eine wahre Schreckensherrschaft im gesamten Land. Während Hao aus den Lehren Buddhas nach und nach neuen Mut schöpft, erfährt Tsao, mittlerweile mit ausländischen Invasoren im Bunde, von seinem Aufenthaltsort. Mit einer riesigen Armee im Schlepptau und mit den modernsten Feuerwaffen ausgerüstet stattet er dem Kloster einen Besuch ab.

Kritik:

SHAOLIN – der aufs Wesentliche heruntergebrochene Titel macht es mehr als deutlich – versteht sich als Rückkehr zum klassischen chinesischen Shaolin-Kino, welches in den 70er und 80er Jahren auf einer niemals zu enden scheinenden Erfolgswelle durch die Lichtspielhäuser rollte und die Kassen im Takte stahlharter Fäuste und unbezwingbarer Todeskrallen tüchtig klingeln ließ. Quasi in Dauerschleife traf das Publikum die volle Wucht aus Kung Fu und Konfuzius, und auch in Deutschland verging während dieser Zeit kaum eine Woche, ohne dass sich ein Titel mit dem zugkräftigen „Shaolin“-Wort in das Kinoprogramm verirrte. Dass dieser Wahnsinns-Output neben einigen Glanzlichtern auch jede Menge Graupen hervorbrachte, versteht sich dabei fast von selbst, konnte dem anhaltenden Interesse jedoch kaum etwas anhaben.

Der actionerprobte Regisseur Benny Chan [→
INVISIBLE TARGET] sorgte 2011 für diese gediegene und von reichlich Produktionsmitteln gestützte Neuauflage des Stoffes, welche zwar, von großen Dingen wie Loyalität, Verrat und Rache erzählend, die bewährten Themen abhandelt, sich in vielen Punkten allerdings von der klassischen Phase unterscheidet: Mit reichlich Emotionswallung und dem apokalyptischen Überzug einer großen griechischen Tragödie ausgestattet schickt die
im Grunde recht konventionelle Geschichte ihre Figuren auf eine moralgetränkte Sinnsuche durch Tod und Verderben, Shakespeare stets näher als Shaw und Zhang Yimous schwelgerischem FLUCH DER GOLDENEN BLUME am Ende weitaus ähnlicher als Chang Ches eher geerdetem TEMPEL DER SHAOLIN. Ausufernden Actionmomenten stehen somit auch immer wieder zahlreiche Augenblicke der Ruhe gegenüber, in welchen Handkante und Streitaxt pausieren und die Protagonisten zu sich selbst finden dürfen. 
Dabei gab man sich auffallende Mühe, die Charaktere nicht zum stupiden Reißbrettprodukt verkommen zu lassen, sondern sie so ambivalent wie möglich zu zeichnen. Das gilt in besonderem Maße für den Hauptprotagonisten Hao: Lernt man ihn zunächst als machtbesessenen Tyrannen kennen, entpuppt er sich im weiteren Verlauf als dennoch aufrichtig liebender Ehemann und Vater, was im beinharten Kontrast steht zu seinem von gefühlskalten Gewaltaktionen dominierten Vernichtungsfeldzug. Seine spätere Wandlung von der brutalen Dreckschleuder zum friedvollen Pazifisten geht zwar insgesamt ein wenig zu schnell, eine ausführlichere Beschreibung allerdings hätte die Laufzeit von zwei Stunden gewiss gesprengt.

Trotz der grundsätzlich erkennbaren Bestrebung, sich von der klassischen Ära abzugrenzen, von deren erstarrten Mustern und Motiven, in einer seiner Hauptkomponenten, der Darstellung der Shaolin-Mönche nämlich, geriet SHAOLIN jedoch abermals reichlich klischeeversetzt und hat der stereotypischen Inszenierung vergangener Zeiten kaum etwas entgegenzusetzen: Natürlich gibt es auch hier den alten Zausel, der selbst in Gegenwart allergrößter Gefahr immer noch ein paar Glückskeksweisheiten im Gepäck hat, und das Können der Schüler grenzt einmal mehr eher an Zauberei, denn an tatsächliche Kampfkunst. Das beißt sich zwar ein wenig mit der selbstauferlegten intellektuellen Attitüde, geriet jedoch nicht wirklich störend, zumal Übertreibung in dem Genre beileibe nichts Neues ist.

Angenehm übertrieben und von achtbarer Kinetik gerieten auch die Actionszenen, die, anfangs noch recht rar gesät, wenn sie denn stattfinden, richtig Freude machen: So liefert sich Hao auf der Flucht vor seinen Häschern eine halsbrecherische Verfolgungsjagd per Kutsche, während er von allen Seiten mit riesigen Streitäxten malträtiert wird. Das ist freilich arg realitätsfern, aber in seiner Rasanz verdammt schick anzusehen. Ähnliches gilt auch für die obligatorischen Kampfsequenzen, die, trotz kaum zu übersehendem Drahtseil-Einsatz, sehr gefallen können. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto stärker liegt die Betonung schließlich auf dem religiösen Aspekt der Geschichte – gegen Ende gar dermaßen penetrant, dass man fast den Eindruck gewinnen könnte, es mit einem Werbefilm für den Buddhismus zu tun zu haben. Mutige Zuschauer können SHAOLIN daher zu einem kleinen Trinkspiel nutzen: Wem es gelingt, jedes Mal, wenn der Satz „Gelobt sei Buddha!“ fällt, einen zu heben, dem dürfte der Schlussakt verborgen bleiben.

In der Hauptrolle des sich auf dem Wege der Läuterung befindlichen General Hao erlebt man den gewohnt souverän agierenden Andy Lau [→ DETECTIVE DEE UND DAS GEHEIMNIS DER PHANTOMFLAMMEN]. Nun mag Lau nicht unbedingt der beste Darsteller Asiens sein, und vor allem in den emotionalen Momenten SHAOLINs wirkt er bisweilen auch ein wenig überfordert, doch trotz kaum zu leugnendem Autopilotschauspiel gelingt es ihm, die schwierige Rolle ausreichend auszufüllen (wobei ihm nicht zuletzt auch sein unverändertes Charisma zugutekommt). Als die Frau an seiner Seite sieht man die attraktive Fan Bingbing, welche bereits beim Schlachtenepos BATTLE OF KINGDOMS gemeinsam mit Lau vor der Kamera stand. Trotz relativ kurzer Präsenz verkörpert sie ebenfalls eine sehr interessante Figur, die die grausamen Taten ihres Mannes zwar verabscheut, ihm aber trotz allem bis zum Schluss loyal bleibt. 
Der Part des Antagonisten in Form des despotischen Widerlings Tsao ist mit Nicholas Tse [→ NEW POLICE STORY] nahezu perfekt besetzt: Sein noch jugendliches Äußeres und seine zunächst so unscheinbare Aura täuschen auch den Zuschauer lange Zeit über die Gefahr, die er darstellt, hinweg, bevor er spätestens im Finale als ultimativ hassenswertes Scheusal den Wutz von der Kette lassen darf. Scheußlich unpassend ist in dem Zusammenhang allerdings auch seine viel zu alt klingende Synchronstimme, welche seinem Charakter in der (ansonsten gut gelungenen) deutschen Fassung einiges an Wirkung raubt.

Als zusätzliches Zugpferd darf auch Leinwandlegende Jackie Chan [→ CITY HUNTER] als kauziger Shaolin-Koch durch das Szenario turnen und dabei – eigentlich keine große Überraschung – für die humoristische Komponente zuständig sein. Auch wenn seine Rolle im Prinzip ziemlich unnötig scheint und allzu auffällig nur ins Skript geschrieben wurde, um die Besetzungsliste mit seinem prominenten Namen schmücken zu können, geriet sein Auftritt doch keinesfalls störend und ausreichend amüsant. Wenn er behauptet, früher mal ein ganz guter Kämpfer gewesen zu sein, aber Kung Fu bereits seit Jahren verlernt zu haben, kann man sich ein Schmunzeln kaum verkneifen. Gerade seine Kampf-Einlage jedoch passt nicht so wirklich ins Konzept, bedient sie doch hauptsächlich eher seine Slapstick-Freunde, was sich mit der eigentlich eher düsteren und brutalen Grundstimmung nicht so recht vertragen will.

Letztendlich ist SHAOLIN gewiss kein Meilenstein – dafür ist er schlichtweg nicht originell, nicht besonders, nicht innovativ genug. Doch trotz kleinerer Schwächen bleibt er nicht nur für eingefleischte Kung-Fu-Jünger absolut lohnenswerte Unterhaltung. Mag die ersponnene Erzählung auch nicht neu und weitestgehend überraschungsfrei sein, so ist hier doch eindeutig der Weg das Ziel: Wenn Hao sich publikumswirksam von Saulus zum Paulus wandelt, um in eiseskalter Nacht unter glasklarem Sternenhimmel mit einem Shaolin-Jungen an seiner Seite seine Übungen zu zelebrieren, erfüllt von Einkehr und innerem Frieden, dann sind das – allem prätentiösem Protz zum Trotze – doch wunderschöne Momente, die sich ins Gedächtnis brennen. Und wem der Anfang noch zu verlabert ist, der kommt spätestens beim explosiven (wenn auch viel zu offensichtlich mit CGI aufgemotzten) Finale auf seine Kosten. Zudem ist SHAOLIN einer der wenigen großen Hongkong-Blockbuster des neuen Jahrtausends, der nicht als Propaganda für die chinesische Regierung herhalten muss. Gelobt sei Buddha!

Laufzeit: 126 Min. / Freigabe: ab 12

Donnerstag, 2. August 2012

SHAOLIN GIRL


SHÔRIN SHÔJO
Japan 2008

Regie:
Katsuyuki Motohiro

Darsteller:
Kô Shibasaki,
Tôru Nakamura,
Kitty Zhang,
Tin Kai Man,
Lam Chi-Chung,
Yôsuke Eguchi,
Kai Man Tin,
Chi Cung Lam



Inhalt:

Neun Jahre hat die junge Rin Sakurazara [Kô Shibasaki] in einem Shaolin-Kloster verbracht. Nun kehrt sie in ihre Heimat Japan zurück, um von dort aus das Shaolin-Kung-Fu bekannt zu machen. Doch als sie ihr altes Dojo aufsucht, ist dieses nur noch eine Ruine. Die Schüler von damals sind in alle Winde zerstreut und gehen anderen Beschäftigungen nach. Rins Lehrer arbeitet mittlerweile als Chefkoch in einem China-Restaurant und will von Kampfsport nichts mehr wissen. Aber Rin will ihr Vorhaben nicht aufgeben. Als sie Minmi [Kitty Zhang], eine Angestellte ihres einstigen Lehrers, kennenlernt, findet sie in ihr nicht nur ihre erste Schülerin, sondern auch eine gute Freundin. Als Gegenleistung nimmt Minmi sie mit an die ortsansässige Sportuniversität, um ihr Lacrosse zu zeigen, eine Sportart, bei welcher Rin ihre Kung-Fu-Künste gut einsetzen könnte. Doch als ihr alter Lehrer davon erfährt, steigt er als Trainer bei der Mannschaft ein und verbietet Rin das Spiel. Minmi ist enttäuscht, doch ahnt nicht, dass ihr Meister sie bloß schützen will. Denn Minmi trägt ein Geheimnis in sich, von dem sie nichts ahnt: eine ungeheure spirituelle Kraft, nach welcher Yûichirô Ôba [Tôru Nakamura], Präsident der Sportakademie, bereits seine finsteren Krallen ausgestreckt hat, um sie auf die ‚dunkle Seite‘ zu ziehen.

Kritik:

Die Shaolin, so scheint es, kommen in filmischer Hinsicht niemals aus der Mode. Von ihren vermehrten, da ungemein kassenträchtigen Kinoeinsätzen bei den Shaw Brothers in den 70er Jahren über diverse Jet-Li-Vehikel in den 80ern und 90ern zieht sich die Erfolgsgeschichte des kampfkunsterprobten Mönchsordens bis in die 2000er Jahre (dass die Darstellung der Mönche mit der Realität nie so wirklich viel am Hut hatte, ist natürlich ein ganz anderer Punkt). Auch SHAOLIN GIRL schmückt sich mit der ungebrochenen Attraktivität der buddhistischen Kämpfer, verlässt das titelspendende Sujet nach traditioneller Eröffnung in imposanter Tempelanlage (inklusive obligatorischer Trainingssequenz) allerdings auch wieder sehr schnell. Tatsächlich handelt es sich nämlich nicht um ein weiteres klassisches Abenteuer auf vertrautem Terrain, sondern um einen Ableger der überaus erfolgreichen Kung-Fußball-Komödie SHAOLIN KICKERS aus dem Jahre 2001.

Während der von Stephen Chow inszenierte Kassenfüller noch in dessen Heimat China gedreht wurde, entstand dieser Nachklapp (bei welchem Chow nur noch die Funktion des Produzenten übernahm) allerdings komplett in Japan. Angesichts des Umstandes, dass zwischen beiden Nationen eine niemals wirklich beigelegte Feindschaft schwelt, die auch nicht selten Gegenstand des Martial-Arts-Genres war, erscheint es doch erfreulich, dass man sich hier zumindest in filmischer Hinsicht die Hände reichte – eine Geste, die auch gut zur versöhnlichen Botschaft der Geschichte passt. Doch SHAOLIN GIRL hat nicht nur wegen des veränderten Schauplatzes mit dem Original weitaus weniger zu tun, als man vermuten würde. Und das, obwohl mit Tin Kai-Man [→ PEKING OPERA BLUES] und Lam Chi-Chung [→ KUNG FU HUSTLE] zwei bekannte KICKERS-Charaktere wieder mit an Bord sind (übrigens ohne jedwede Erklärung, wie die beiden von China nach Japan gekommen sind) und auch die Handlung in Grundzügen ähnlich ist. Hier wie dort geht es um die Kombination einer Sportart mit den Kung-Fu-Praktiken der Shaolin – in diesem Falle Lacrosse, einem in deutschen Gefilden überwiegend unbekannten Mannschaftsspiel, das bei seiner Entstehung gar der Vorbereitung auf den Kriegseinsatz diente und in dieser Funktion nicht selten sogar tödlich verlief.

Doch auch, wenn einen hier natürlich kein Mord und Totschlag erwartet, unterscheidet man sich von der Basis her maßgeblich von der chinesischen Vorlage: War KICKERS noch ganz eindeutig eine Komödie, legt GIRL den Fokus trotz durchaus vorhandener heiterer Grundstimmung weniger auf den Humor und erzählt stattdessen in erster Linie die Geschichte einer Selbstfindung. Diese ist zwar durchgehend sehr schön bebildert, gibt sich teilweise jedoch etwas zu belanglos: Da wird Rin wegen Unfähigkeit zur Teamarbeit aus dem Lacrosse-Training geworfen, tobt stattdessen in Folge ein wenig mit einer Fußballmannschaft herum (freilich auch als kleiner Schlenker in Richtung des Originals zu verstehen), und wird dadurch quasi über Nacht mannschaftstauglich. So einfach können Problemlösungen sein …

Nun sollte man die Geschehnisse freilich auch nicht allzu sehr nach weltlichen Gesichtspunkten interpretieren, sondern sie stattdessen viel eher als Metapher begreifen. So erklärt es sich dann auch, dass die Beweggründe für die Taten der Figuren häufig einen reichlich unplausiblen Eindruck machen. Insbesondere die Aktionen der Schurkenfigur Yûichirô scheinen weniger sachlich motiviert zu sein, sondern eher Symbolcharakter zu besitzen. Wie und warum er Rin auf die 'dunkle Seite der Shaolin' ziehen möchte, was die ‚dunkle Seite‘ überhaupt ist (außer ein recht platter STAR WARS-Querverweis, versteht sich), und was seine Vorteile daraus sind, bleibt bis zum Schluss nebulös. Mit fortschreitender Dauer fließen zudem immer mehr Fantasy-Elemente in die Handlung ein, bis im Finale der Boden der Tatsachen endgültig verlassen wird und die Ereignisse in einen fast schon esoterischen Showdown münden.

In visueller Hinsicht ist SHAOLIN GIRL durch und durch gelungen: Die seelenlose Konzernwelt Yûichirôs ist in düsteres Blau getaucht, während die bonbonbunte Umgebung Rins im Kontrast dazu in den leuchtendsten Farben erblüht. Die schrille Typenkomik, die sich überwiegend in wilden Grimassen erschöpft, geriet hingegen eher mau und sich zudem ständig selbst repetierend, spielt jedoch ohnehin nur die zweite Geige. So besteht eigentlich zu keinem Zeitpunkt die Gefahr ernsthafter Belustigung, weshalb auch die im Prinzip recht nette Bruce-Lee-Parodie gegen Ende ein wenig fehl am Platze wirkt. Actionfreunden sei gesagt, dass die Kampfszenen eher spärlich gesät sind und nicht großartig ausgespielt werden. Und dass es dabei nicht wirklich brutal zur Sache geht, versteht sich ebenfalls von selbst – SHAOLIN GIRL richtet sich in erster Linie an ein jüngeres und junggebliebenes Publikum.

In der Hauptrolle erlebt man die ausnehmend putzige Kô Shibasaki [→ DORORO], deren erfrischendes Spiel die Figur ungemein liebenswert erscheinen lässt. Als Widersacher steht ihr Tôru Nakamura [→ TOKYO RAIDERS] gegenüber, der darstellerische Nuancen überwiegend vermissen lässt und die meiste Zeit damit zubringt, düster aus der Wäsche zu gucken (was im Rahmen des Verlangten allerdings auch vollkommen ausreichend ist). Ein weiteres zumindest nicht vollkommen unbekanntes Gesicht gehört Yôsuke Eguchi [→ GOEMON], der hier als Rins Lehrer zu sehen ist, dabei allerdings eher unauffällig agiert und keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Dass man die reichlich zweckmäßige Handlung unbedingt auf 105 Minuten auswalzte, wäre fraglos nicht unbedingt notwendig gewesen. Doch wer ein wenig harmlosen Kitsch ebenso wenig scheut wie spirituell aufgeladene Problemlösungsstrategien und zudem akzeptiert, dass man es hier mit keinem zweiten SHAOLIN KICKERS zu tun hat, der erlebt mit SHAOLIN GIRL ein kunterbuntes, visuell bestechendes Märchen, mit reichlich naiver Moral zwar, doch unverkrampft und liebenswert – der beste Beweis, dass die Bezeichnung ‚nett‘ nicht unbedingt ein Schimpfwort sein muss. Abzüge gibt es allerdings für den fantasielosen Soundtrack, dessen übertriebener Einsatz auf Dauer doch sehr an den Nerven sägt. 

Laufzeit: 103 Min. / Freigabe: ab 12