Eigene Forschungen

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Sonntag, 22. März 2026

BODIES AT REST


沉默的證人
China 2019

Regie:
Renny Harlin

Darsteller:
Nick Cheung,
Richie Ren,
Yang Zi,
Feng Jiayi,
Carlos Chan,
Ma Shuliang,
Ou-Yang Ching,
Roger Kwok



„Guten Tag, der Herr! Ihrem Körperumpfang nach lebten Sie nicht sonderlich gesund.“
[Gerichtsmediziner Nick Chan begrüßt seinen neuesten Kunden.]


Inhalt:

Seit dem Mord an seiner Frau hat sich Gerichtsmediziner Nick Chan [Nick Cheung] überwiegend aus der Gesellschaft zurückgezogen. Auch das Weihnachtsfest verbringt er anstatt zuhause lieber an seinem Arbeitsplatz: der Leichenhalle. Neben zahlreichen toten Körpern leisten ihm dort immerhin auch zwei lebendige Gesellschaft: die seiner jungen Assistentin Lynn [Yang Zi] sowie des schwergewichtigen Wachmanns „Onkel King“ [Ma Shuliang]. Wider Erwarten ist an diesem Fest der Liebe an Ruhe und Frieden jedoch nicht zu denken: Drei maskierte Missetäter verschaffen sich – unter dem Kommando des unberechenbaren „Santa“ [Richie Ren] – gewaltsam Zutritt zum Gebäude. Sie wollen etwas ganz Bestimmtes: ein belastendes Projektil, das in einer kürzlich eingelieferten Frauenleiche steckt. Scheinbar bereitwillig beugt sich Chan dem Willen der Eindringlinge und händigt den gewünschten Gegenstand aus. Daraufhin ziehen die ungebetenen Gäste zwar von dannen, aber sie bekommen schnell spitz, dass sie geprellt wurden: Die Patronenhülse ist nicht die gesuchte. Wutschnaubend kehren die Gangster zurück – und für Chan und seine Kollegen beginnt eine Nacht des Terrors.

Kritik:

Für Fans des großskalierten Action-Spektakels war Renny Harlin in den 1990ern kurzzeitig die wohl sicherste Bank Hollywoods. So gelang dem finnischstämmigen Regisseur das Kunststück, gleich vier Knaller in Folge abzuliefern, die alle auf ihre Art großartig waren: STIRB LANGSAM II (1990), CLIFFHANGER (1993), DIE PIRATENBRAUT (1995) sowie TÖDLICHE WEIHNACHTEN (1996). Leider waren nicht alle davon auch finanziell erfolgreich – einer floppte sogar so brutal, dass er dem produzierenden Studio damit den Todesstoß versetzte. Dieser Umstand sowie sich verändernde Zeitumstände dürften die Hauptgründe dafür gewesen sein, dass Harlins Karriere danach so lang stagnierte, bis er im Business quasi keine Rolle mehr spielte. Jahre später tauchte er dann überraschend in China auf, wo er die Komödie SKIPTRACE inszenierte, die 2016 zu einem unerwarteten Kassenschlager wurde. Derart beflügelt, blieb Harlin direkt vor Ort, drehte zunächst das Fantasy-Epos LEGEND OF THE ANCIENT SWORD (2018) und schließlich den hier vorliegenden BODIES AT REST, der zwar 2019 ins Kino kam, sich aber – trotz Smartphone- und Hightech-Einsatz – anfühlt, als sei er circa 25 Jahre früher entstanden.

Tatsächlich lag das eigentlich für den US-Markt erdachte Skript eine ziemlich lange Zeit nutzlos in der Gegend herum, bevor sich doch noch jemand überwinden konnte, ihm Leinwandehren zuteilwerden zu lassen. Allerdings atmet das Ergebnis nur bedingt Kino-Atmosphäre. Viel eher gewinnt man den Eindruck, es mit einem jener zahlreichen STIRB LANGSAM-Epigonen zu tun zu haben, die in den 1990ern kostengünstig als leicht goutierbares Videothekenfutter abgedreht wurden. Heißt: In Sachen Schauwerte und Sensationen sind keine Wunder zu erwarten. Zwar versprüht das Gebotene in Zeiten, in denen speziell das chinesische Kino sich in Sachen Gigantomanie selbst zu überflügeln versuchte, schon wieder einen angenehm-altmodischen Charme, aber wer aufgrund von Thematik und Regisseursrenommee auf großkalibrigem Radau besteht, schaut ziemlich in die Röhre. Mehr noch: Über weite Strecken fällt es sogar schwer, das Kredenzte ins Action-Genre einzuordnen. Zwar gemahnen sowohl Geiselnahme-Thematik als auch Weihnachts-Setting an bekannte Vorbilder. Aber anstatt das dicke Spektakel loszulassen, gehorcht BODIES AT REST überwiegend den gemäßigten Mechanismen der Thriller-Kategorie Home Invasion – nur, dass das Home hier makabrerweise eine Leichenhalle ist.

Dieser Schauplatz, der überwiegend im Horror-Genre zum Einsatz kommt, um dort für schaurig-schönes Frösteln zu sorgen, ist die größte Trumpfkarte BODIES AT RESTs. Die kühle, morbide Atmosphäre passt hervorragend zu der ungastlichen Situation der Protagonisten, die groteskerweise zwischen Unmengen akkurat aufgebahrter Leichen um ihr Überleben kämpfen müssen. Die Begründungen dafür werden allerdings arg forciert von einem Drehbuch, das seine Helden sich mehrfach unnötig in Gefahr begeben lässt. Als erster Stolperstein erweist sich diesbezüglich bereits die Ausgangssituation: Warum der bedrohte Gerichtsmediziner Nick Chan den Gangstern nicht einfach das gewünschte Utensil – die verräterische Patronenhülse – aushändigt, sondern stattdessen versucht, die gefährlichen Eindringlinge übers Ohr zu hauen, wird nie ganz klar. Er hätte jedenfalls keinerlei nennenswerte Nachteile dadurch – und dass die Verbrecher zunächst unerkannt abgezogen wären, hieße ja nicht, dass man ihrer später nicht doch noch irgendwie hätte habhaft werden können. Stattdessen erregt Chan grundlos den Zorn der Männer und setzt damit auch die Unversehrtheit der übrigen Anwesenden aufs Spiel. Wobei es auch seine Kollegin, die energische Lynn, in einem späteren Moment für eine gute Idee hält, einen der Geiselnehmer verbal zu provozieren und dadurch nicht nur sich selbst einem unnötigen Risiko auszusetzen. Dass ihrer Figur zudem ein Armee-Hintergrund angedichtet wird, wirkt zum einen wenig glaubwürdig und wird anderen auch kaum genutzt. Zwar ist es in diesem Genre grundlegend zu begrüßen, wenn sich eine Frauenfigur in Gegenwart akuter Gefahr nicht ein Häuflein Elend verwandelt, und tatsächlich weiß sich die resolute Assistentin auch anständig ihrer Haut zu erwehren. Irgendwelche militärischen Spezialmanöver, die diesen biographischen Hinweis gerechtfertigt hätten, bleiben jedoch bis zum Ende aus.

In der Hauptrolle ist mit Nick Cheung [→ ELECTION] ein bekanntes Gesicht des Hongkong-Kinos zu sehen. Seine Figur unterscheidet sich massiv von den ganzen Bruce Willis’ und Sylvester Stallones, die Renny Harlin zu seinen besten Zeiten gegen terroristisches Gesocks zu Felde ziehen ließ. Statt seine Aggressionen auszuleben, geht Chan – ganz seiner Rolle als Mediziner entsprechend – eher analytisch vor, meidet gewalttätige Auseinandersetzungen und versucht vielmehr, den Gegner durch List und Tücke in die Knie zu zwingen. Da es die Gangster aber eher wenig mit der Feingeistigkeit halten, kommt es in regelmäßigen Abständen dennoch zum schmerzhaften Schlagabtausch, bei dem stets auch einiges an Glas und Gerät zu Bruch geht. Dazu gesellen sich ein paar Schießereien, die allerdings recht unübersichtlich geraten sind – und das ausgerechnet in einer Produktion aus China, wo die Kultivierung gepflegter Kugel-Ballette eigentlich zur Königsdisziplin gehört. Tänzerische Eleganz war hier aber ohnehin kein Teil des Konzepts, körperliche Konfrontationen gehorchen den Regeln der ruppigen Rauferei. Die spektakulärste Action-Szene entpuppt sich zudem als „Was wäre, wenn ...“-Vision – ein aus dramaturgischer Sicht immer recht fragwürdiger Kniff, der auch hier für einen kurzen Frust-Moment sorgt.

Ansonsten geht es für die Protagonisten im Wesentlichen darum, immer neue Mittel und Wege zu finden, dem tödlichen Trio zu entkommen. Zusätzliche Spannungsmomente bestehen in der Regel daraus, dass diverse Besucher die Pathologie heimsuchen, ohne dabei zu ahnen, in welcher Gefahr sie eigentlich gerade schweben, da die Hauptfiguren gezwungen sind, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. So taucht einmal ein ebenso redseliger wie begriffsstutziger Transportfahrer auf, um eine Leiche abzuholen, oder zwei Polizisten schauen nach dem Rechten, nachdem sie ein Notrufsignal ereilt hat (irgendwie ja doch erstaunlich viel Betrieb, in dieser einsamen Leichenhalle am Weihnachtsabend). Das psychische Trauma der Hauptfigur – der gewaltsame Tod der Ehefrau – will indes so gar keine sinnvolle Funktion erfüllen und scheint nur dabei zu sein, da man offenbar der Meinung war, ein bisschen Seelenpein auf guter Seite gehöre irgendwie dazu. Zwar wird im feurigen Finale eine Verbindung zu diesem Fall forciert, aber auf eine so bemüht-konstruierte Art, dass es besser gewesen wäre, man hätte es bleiben lassen. Und auch, warum Nick Chan am Ende plötzlich sämtliche Hintergründe des Überfalls kennt und sie dem Oberschurken verbal aufs Butterbrot schmieren kann, erscheint nicht wirklich stimmig hergeleitet.

So läuft BODIES AT REST mit reichlich Sand im Getriebe – aber er läuft. Die Großmannssucht früherer Harlin-Projekte weicht hier einer vergleichsweise bescheidenen, bodenständigen Machart, die durchaus Sympathiepunkte sammeln kann. Richie Ren [→ ACCIDENT] agiert auf Gangsterseite zwar recht eindimensional und klischeehaft, als Gegengewicht zum mit Bedacht handelnden Nick Chan funktioniert das allerdings schon ziemlich gut. Der Soundtrack hätte gern ein bisschen weniger generisch klingend ausfallen dürfen und auch der Inszenierung fehlt generell das entscheidende Quäntchen mitreißender Energie, um wirkliche Begeisterung entfachen zu können. Wer sich einen schönen Abend mit scheppernder Tonspur und altmodisch-geerdeter Action machen möchte, liegt hier dennoch prinzipiell richtig. Nicht nur an Weihnachten. 

Laufzeit: 94 Min. / Freigabe: ab 16

Sonntag, 8. März 2026

LIFELINE - DIE TODESMUTIGEN


SAP MAN FO GAP
Hongkong 1998

Regie:
Johnnie To Kei-Fung

Darsteller:
Lau Ching-Wan,
Alex Fong Chung-Sun,
Carman Lee Yeuk-Tung,
Damian Lau Chung-Yan,
Ruby Wong Cheuk-Ling,
Raymond Wong Ho-Yin,
Chan Man-Lei,
Yuen Bun



„Ich will Feuerwehrmann werden!“
(Grisu, der kleine Drache, unmittelbar nach der Erstsichtung von LIFELINE)


Inhalt:

Yau Sui [Lau Ching-Wan] ist Feuerwehrmann in Hongkong. Bei einem Einsatz wird sein Vorgesetzter Fung Ting Kwok [Yuen Bun] so schwer verletzt, dass er nicht mehr in den Beruf zurückkehren kann. Sein Nachfolger ist der autoritäre Leutnant Raymond Cheung [Alex Fong], der aufgrund seiner Strenge schnell mit Yau in Konflikt gerät. Abseits des Dienstes lernt Yau die Ärztin Annie Chan [Carman Lee] kennen, die regelmäßig Feuerwehrleute nach Einsätzen behandelt. Als sich Annie als psychisch labil erweist und Yau sie in einer Krisensituation vor dem Schlimmsten bewahrt, entwickelt sich zwischen beiden eine zarte Romanze. Das Schicksal aller Beteiligten entscheidet sich schließlich, als ein verrückter Brandstifter [Lam Suet] eine Chemiefabrik in Brand setzt, in der zu allem Überfluss auch noch illegal feuergefährliche Substanzen gelagert werden.

Kritik:

Bevor Regisseur Johnnie To zusammen mit seinem langjährigen Kreativpartner Wai Ka-Fai die unabhängige Produktionsfirma Milkyway Image (HK) Ltd. gründete, um unter diesem Banner vor allem von existenzialistischen Beziehungsgeflechten im Gangster- und Polizei-Milieu zu erzählen, verabschiedete er sich vom klassischen Studiosystem Hongkongs mit dem ebenso aufwändigen wie kruden LIFELINE, der in Deutschland noch um den durchaus passenden Zusatztitel DIE TODESMUTIGEN ergänzt wurde. Aufwändig deshalb, weil das Spektakel offensichtlich in einer Liga mit Hollywoods epischen Materialschlachten spielen sollte, wofür einiges an Inventar imposant durch den Kamin gejagt wurde. Aber eben auch krude, weil sich die Feuerwehr-Saga dramaturgisch mehr als holprig in zwei Hälften gliedert, die irgendwie so rein gar nichts miteinander zu tun haben wollen. Dabei ist die zweite Halbzeit deutlich besser gelungen – nicht nur wegen der Schauwerte, die einem in Erinnerung rufen, dass To sich seine Lorbeeren in erster Linie als Action-Regisseur verdiente. Sie wirkt auch deutlich stringenter als das, was ihr vorausging und kaum mehr war als eine fragmentarische Aneinandereihung einzelner Episoden über die Schicksale der Männer und Frauen der organisierten Brandbekämpfung.

Dabei ist das Ziel eigentlich klar: Die Truppe soll dem Publikum ans Herz wachsen, damit es im feurigen Finale, wenn alle ihr Leben riskieren müssen, anständig um sie zittern kann. Das Problem: Es funktioniert nicht. Viel zu klischeelastig sind die Figuren und die für sie kontruierten Situationen, und viel zu oberflächlich geriet die Abhandlung der persönlichen Krisen und Konflikte, als dass eine emotionale Involvierung gelingen könnte. Schon der Beginn ist arg seltsam, wenn nahezu die gesamte Belegschaft der Feuerwache mit einer Lebensmittelvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert wird, um sich dort den Magen auspumpen zu lassen – eine wahrlich merkwürdige Art, die Protagonisten einzuführen, zumal der Vorfall bereits wenige Minuten später völlig vergessen ist. Vermutlich dient dieser Auftakt lediglich der Etablierung der etwas verhuschten Ärztin Annie Chan, die nachfolgend ebenfalls zum relevanten Charakter wird, aber die hätte ja nun auch auf andere Weise vorgestellt werden können – zumal sie sich später bei jedem Einsatz der Feuerwehrleute ebenfalls an der Unglücksstelle befindet, fast so, als gäbe es in ganz Hongkong nur eine einzige Rettungsmedizinerin. Carman Lee [→ LOVING YOU] spielt die Rolle zwar charmant, allerdings ist ausgerechnet diese die unglaubwürdigste von allen: Die Frau Doktor, im Job durchaus resolut, verhält sich privat wie ein weinerliches Mädchen, weil ihr unsympathischer Lebensgefährte ihr nicht genügend Aufmerksamkeit schenkt. Dass sie daraufhin sogar in selbstmörderischer Absicht zur Fassadenkletterin wird und sich vom männlichen Helden Yau Sui noch tränenerstickt Sympathiebekundungen einholen muss, erscheint gleichermaßen albern wie absurd.

Yau Sui wird von Lau Ching-Wan gespielt, der – ebenso wie Carman Lee – zum Stammpersonal Johnnie Tos gehörte. Er bewältigt die Rolle des gefälligen Einsatzleiters mühelos, zumal er schauspielerisch eigentlich viel mehr auf dem Kasten hat. Als er einen neuen Vorgesetzten bekommt, den grantigen Raymond Cheung (Alex Fong aus LETHAL PANTHER), bahnt sich prompt ein Konflikt an, denn der juvenile Yau, der Vorschriften eher als Vorschläge versteht, und der gestrenge Cheung könnten charakterlich kaum unterschiedlicher sein. Umso erstaunlicher ist es, dass auch hier nahezu sämtliche Gelegenheiten, aus diesem Gegensatz Spannung zu erzeugen, in den Wind geschlagen wurden. Der Interessenkonflikt steht zwar im Raum, wird jedoch nie konsequent ausgespielt und existiert letztlich fast nur auf dem Papier. Stattdessen verzettelt sich das Skript in weitere Nebenhandlungen. So trägt zum Beispiel auch Cheung sein Kreuz mit sich herum: Die Ex-Frau will ihm die gemeinsame Tochter aufs Auge drücken, da ihr neuer Auserwählter das Kind nicht leiden kann. Nicht nur Cheung reibt sich bei dieser Aussage Aug und Ohr. Aber stimmig zu Ende geführt wird auch dieser Strang nicht. Währenddessen hat der Neuling der Truppe, der naive Jüngling Raymond Wong (Wong Ho Yin aus ELECTION), Angst davor, im Ernstfall die berühmte Stange herunterzurutschen und fängt sich dafür einen Tadel ein. Aber: Kein Problem! Nach ein paar Trockenübungen klappt das nämlich bereits wie am Schnürchen, womit auch diese Sache abgefrühstückt wäre. Sein alter Herr verteilt derweil selbstgemachte Suppe auf der Wache, wird dafür allerdings ebenfalls gerügt und schließlich des Geländes verwiesen. Himmel, wie aufregend! Ach, und dann ist da noch die einzige Frau im Team: Lo Ka Wai, einnehmend verkörpert von Ruby Wong [→ EXPECT THE UNEXPECTED]. Diese möchte auf keinen Fall schwanger werden und liegt deswegen im Clinch mit ihrem Arschlochgatten, der sich vehement weigert, Gummis zu benutzen. Aber auch das interessiert den Betrachter eigentlich nicht die Bohne, sodass sich durchaus eine gewisse Dankbarkeit einstellt, wenn das Team zwischen all den Belanglosigkeiten wenigstens gelegendlich mal ausrücken darf, um Menschen vor dem Flammen-, Schlamm- oder Vergiftungstod zu bewahren.

Diese Einsätze sind durchaus packend inszeniert, aber stets auch schnell wieder vorbei. Das ändert sich erst, als ein Brandstifter (bei seinem kurzen Auftritt herrlich durchgeknallt: To-Nebendarsteller-Ikone Lam Suet [→ FATAL MOVE]) eine Chemiefabrik in Flammen aufgehen lässt. Da der zuständige Betriebsleiter zunächst zu vertuschen versucht, dass in dem Gebäude illegale feuergefährliche Substanzen gelagert sind, wird der Einsatz zur Bewährungsprobe, als das Team im Flammenmeer eingeschlossen wird und der Sauerstoff zur Neige geht. Das bringt dann endlich – im wahrsten Sinne – Stimmung in die Stube, denn Feuer, Rauch und Explosionen sind hier tatsächlich noch echt und wurden nicht von Kollege Computer konstruiert. Der unterhaltsame Budenzauber kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass LIFELINE als Ganzes gehörig Sand im Getriebe hat. Das liegt vor allem daran, dass nahezu alle Episoden der ersten Hälfte ohne Relevanz für die zweite sind. Das Ergebnis ist eine weitestgehend unfunktionale Mixtur aus seichter Seifenoper und kernigem Katastrophenfilm, die für Johnnie-To-Verhältnisse zudem erstaunlich substanzlos des Wegs kommt. Er wollte einen realistischen Film über echte Helden machen, erklärte der renommierte Regisseur einst öffentlich. Dieses Anliegen wird jedoch mehrfach konterkariert, sei es durch die zweifelhafte Darstellung der Feuerwache, die in ihrer militärisch anmutenden Organisation eher an eine Kaserne erinnert, oder durch das völlig unwahrscheinliche Ende, das Figuren ohne jede Not wahre Infernos überleben lässt, obwohl von ihnen eigentlich nur noch ein Häuflein Asche übrig sein müsse. Auch formale Fehler fallen auf, wenn während diverser Rettungaktionen unpassenderweise epische Musik erklingt, wo eigentlich dramatische angebracht wäre.

LIFELINE ist ein gewiss gut gemeintes Leinwand-Loblied auf den Wagemut der Löschbrigaden, doch trotz vereinzelter Qualitäten will der Funke nicht so recht überspringen. Der unangefochtene Platzhirsch des insgesamt arg unterrepräsentierten Brandbekämpfungs-Genres bleibt somit fraglos BACKDRAFT (USA, 1991), in zweiter Reihe macht zudem FIRESTORM (USA, 1998) eine ziemlich gute Figur. Aus dem asiatischen Raum sind außerdem noch LIBERA ME (Südkorea, 2000) und AS THE LIGHT GOES OUT (China, 2014) einen Blick wert. Feuer frei!

Laufzeit: 110 Min. / Freigabe: ab 16

Sonntag, 1. März 2026

CITY ON FIRE


WÚ WÈI SHÉN TÀN
Hongkong 1995

Regie:
Johnnie To Kei-Fung
 
Darsteller:
Lau Ching-Wan,
Lee Yeuk-Tung/Carman Lee
Tuo Tsung-Hua,
Wong Cheuk-Ling/Ruby Wong,
Lee Chung-Wai,
Sin Kam-Ching,
Wong Wa-Wo/Jimmy Wong,
Chiu Yue-Ming



„Die Kugel drang durch die Stirn ein und ging durch zwei Nerven zwischen seinen Augen. Dann durchbohrte sie die Nasenhöhle, den Ober- und Unterkiefer inklusive der Zunge. Im Unterkiefer blieb sie dann stecken.“
(Na, toll … Und der Tag fing so gut an.)


Inhalt:

Inspektor Lau [Lau Ching-Wan] ist nicht gerade das, was man einen Sympathieträger nennen würde: Seinen Kollegen begegnet er mit unverhohlener Arroganz und auch seiner Frau Carman [Carman Lee] gegenüber zeigt er keinerlei Respekt. Alkohol, Affären und jähzornige Ausbrüche gehören für ihn zum Alltag. Aber dann schlägt das Schicksal plötzlich zurück: Die Verhaftung des Drogenhändlers Gwan [Tuo Tsung-Hua] endet für Lau mit einer Kugel im Kopf. Zwar überlebt er den Vorfall wie durch ein Wunder, doch sind die Folgen gravierend: Seine Sinne sind stark eingeschränkt; von eben auf jetzt ist er auf die Hilfe seiner Mitmenschen angewiesen. Carman, inzwischen schwanger von einem anderen Mann, beginnt, ihn zu pflegen. Zwischen Pflichtgefühl, Schuld und vielleicht nicht vollständig erloschener Zuneigung zeichnet sich zwischen beiden die Möglichkeit einer zweiten Chance ab. Aber dann gelingt Gwan die Flucht aus der Haft – getrieben vom Drang nach Vergeltung.

Kritik:

Von Logo und Fanfare der Shaw Brothers zu Beginn sollte man sich nicht aufs Glatteis führen lassen. Die wohl berühmteste Kung-Fu-Film-Fabrik der Welt übernahm bei LOVING YOU lediglich den Vertrieb und hatte mit der eigentlichen Produktion nichts am Hut. Viel aussagekräftiger ist da schon ein flüchtiger Blick auf die Stabangaben: CITY ON FIRE, wie das Werk in Deutschland extraknallig getauft wurde, ist eine frühe Arbeit Johnnie Tos, der im darauffolgenden Jahrzehnt mit Arbeiten wie FULLTIME KILLER (2001), EXILED (2006) oder VENGEANCE (2009) zu einem der einflussreichsten Regisseure Hongkongs aufsteigen und mehrere internationale Preise einheimsen sollte. Und siehe da: Sogar sein Lieblingsdarsteller Lau Ching-Wan [→ EXECUTIONERS (1993)] ist bereits mit an Bord und bekleidet auch sogleich die Hauptrolle. Handschriftlich geht es zwar schon stark in die Richtung, die das Team Jahre später populär machen sollte, ein paar Kinderkrankheiten lassen sich jedoch kaum leugnen. Denn die klobige Mischung aus Melodram und Polizei-Action steht sich allzu oft selbst im Weg.

Dabei fängt alles schon ziemlich stark an: Der Polizei-Einsatz zum Auftakt – eine desaströs misslingende Undercover- und Beschattungsaktion – ist rasant und aufregend in Szene gesetzt. Da wird über nicht sehr vertrauenerweckend aussehende Wellblechdächer gehechtet, an porösen Riesenrohren gebaumelt und an selbigen (nicht eben realistisch) von Haus zu Haus geschwungen, alles zwischen Unmengen umherflatternder Banknoten, die bei dem geplatzten Deal verlustig gegangen sind und die Szenerie nun in eine apokalyptische, westernartige Atmosphäre tauchen. Es ist das erste Aufeinandertreffen der Antipoden: Inspektor Lau, von Lau Ching-Wan gespielt, und Gwan, dem Drogendealer in der Gestalt Tuo Tsung-Huas [→ DIE MACHT DES SCHWERTES (1993)]. Zwar kann der Gangster an dieser Stelle noch entkommen, doch das gestörte Geschäft hat ihn empfindlich getroffen: Geld und Ware sind futsch. Im Folgenden wird dem Publikum klar, was für ein Kotzbrocken allerdings auch der Inspektor ist. „Warum behandeln Sie Ihre Kollegen wie Verbrecher?“, fragt ihn sein Vorgesetzter. Und tatsächlich haben viele Untergebene Angst vor Laus cholerischer Art. Auch privat ist er keinen Deut besser: Seiner Frau bringt er nicht einen Hauch Aufmerksamkeit entgegen, klärenden Gesprächen mit ihr geht er aus dem Weg. Stattdessen betrinkt er sich in der Bar und übernachtet danach im Wagen. Als es schließlich doch zur Aussprache kommt und sie ihm eröffnet, von einem anderen Mann schwanger zu sein, setzt es mitten im Restaurant vor versammelter Mannschaft eine schallende Ohrfeige.

Damit der Betrachter überhaupt das Bedürfnis verspürt, einem solchen Ekelpaket weiterhin die zuschauerliche Treue zu halten, muss sich also gravierend etwas ändern. Und das tut es auch, denn Laus Kontrahent Gwan bläst zum bleihaltigen Überraschungsangriff. Das erzwungene Duell endet in einer formvollendet widerlichen Szene: Der Inspektor bekommt eine Kugel in den Kopf – wobei es ihm trotz suppender Stirnwunde und aus der Nase heraustropfender Hirnflüssigkeit (Igitt!) irgendwie noch gelingt, seinen Kontrahenten per Handschelle festzusetzen und somit dessen Verhaftung herbeizuführen. Nun beginnt der melodramatische Teil: Als plötzlicher Pflegefall ist Lau auf eben jene Menschen angewiesen, für die er zuvor überwiegend Verachtung übrig hatte – allen voran seine Frau, die ihn wider ursprünglicher Pläne doch nicht verlässt, sondern im Gegenteil an seiner Seite weilt, um ihn ins geregelte Leben zurückzuholen. Die abermalige Annäherung des Ehepaares ist zwar sensibel erzählt, kann aber leider kaum mitreißen oder gar berühren. Das Schicksal des Inspektors lässt einen ziemlich kalt, fällt es doch schwer, in ihm mehr zu sehen als die Schweinebacke, als welche er eingeführt wurde – ein paar Alltagsbehinderungen reichen schlichtweg nicht aus, um sich jählings auf seine Seite zu schlagen. Da spielt es auch keine Rolle, dass Lau Ching-Wan darstellerisch tadellos abliefert. Exemplarisch genannt sei der Moment, in dem ihm – noch im Krankenhausbett liegend – schlagartig bewusst wird, dass er sowohl seinen Geschmacks- als auch seinen Geruchssinn verloren hat. Auch Carman Lee [→ MUTANT CITY (1992)] gibt sich diesbezüglich keine Blöße, doch ist ihre Rolle viel zu unnahbar angelegt, um echte Empathie zu wecken. Dass die neu aufkeimende Liebe teilweise von ebenso schmalzigem wie unpassendem Liedgut untermalt wird (unter anderem „To Love Somebody“ von den Bee Gees), macht es indes auch nicht unbedingt besser.

Pünktlich zum Schlussakt wandelt sich LOVING YOU dann wieder zum Action-Spektakel, wenn der rachsüchtige Gwan (ja, schon wieder der!) aus der Haft ausbricht, um endgültig mit Lau abzurechnen. Warum sich der milchgesichtige Dealer dermaßen auf den Polizisten eingeschossen hat, bleibt völlig unklar. Viel sinnvoller wäre es ja, nach erfolgreicher Flucht schleunigst Fersengeld zu geben und die halbseidenen Geschäfte künftig woanders abzuwickeln. Gwan jedoch bleibt vor Ort, besorgt sich ein paar Sprengsätze und verwickelt seinen Rivalen in ein feuriges Finale, das zwar anständig Laune macht, in seiner klischeegetränkten Realitätsferne aber im krassen Kontrast zum zuvor zelebrierten Authentizitätsanspruch steht. So ergibt sich am Ende kein stimmiges Ganzes, da beide Komponenten nicht wirklich miteinander harmonieren wollen: Entweder unterminiert die Action den Anspruch  oder umgekehrt. Auffällig sind in diesem Zusammenhang auch die Mechanismen des Marketings, das sich mal auf die eine, mal auf die andere Seite schlägt: Je nach Anbieter und Breitengrad wurde das Januswerk entweder als zarte Romanze oder als harter Reißer verkauft. In Deutschland entschied man sich für Letzteres und verpasste der Nummer mit CITY ON FIRE gleich noch einen neuen martialischen Titel. Dieser findet nicht nur innerhalb der Handlung keine wirkliche Entsprechung, er evoziert auch Verwechslungen mit Ringo Lams 1987 veröffentlichten Polizeifilm, der international bereits unter eben diesem Namen bekannt war.

Trotz der Defizite in Sachen Duktus, Dramaturgie und Charakterzeichnung brachte LOVING YOU Johnnie To damals eine Nominierung als „Bester Regisseur“ bei den Hong Kong Film Awards ein. Das erscheint im Nachhinein etwas übertrieben – womöglich aber nur deshalb, weil mittlerweile bekannt ist, wie sehr er sich in den Folgejahren noch steigern sollte. Zugestanden sei zugleich, dass es abseits der angesprochenen Mankos nur wenig zu bekritteln gibt. Die Inszenierung fällt zwar noch in die Kategorie „jung und wild“, doch Tos später perfektioniertes Gespür für Rhythmus und präzise Bildkomposition ist bereits allgegenwärtig. Die Action, bestehend aus Verfolgungen, Schusswechseln und Explosionen, ist voller Tempo und Dynamik, aufgebrezelt durch geschickt platzierte Zeitlupenmomente. Bemerkenswert ist ferner die Kameraarbeit Cheng Siu-Keungs [→ RETURN TO A BETTER TOMORROW (1994)], der die Figuren häufig durch Gitter oder andere Begrenzungen ablichtet – ein Kunstgriff, der selbst unter freiem Himmel ein Gefühl von Enge und Eingepferchtheit erzeugt. Dazu passt auch die nahezu vollständige Abwesenheit fröhlicher oder optimistischer Menschen. Alle scheinen lediglich zu versuchen, in diesem gigantischen Käfig irgendwie über die Runden zu kommen, ohne dabei durchzudrehen. Das übertrieben kitschige Schlussbild, mit dem der Zuschauer final wieder in die Freiheit entlassen wird, wirkt vor diesem Hintergrund fast schon ein wenig erzwungen.

In LOVING YOU wird sich vermutlich niemand hoffnungslos verlieben – oder anders ausgedrückt: CITY ON FIRE wird wohl weder Städte noch Herzen in Brand setzen. Aber als apartes Anschauungsobjekt für die frühe Selbstfindungsphase eines großen Regisseurs kann man das raue, experimentell angehauchte Herz-Schmerz-Konglomerat schon mal goutieren, ohne dass einem gleich die Hirnflüssigkeit aus der Nase tropft (Igitt!).

Laufzeit: 80 Minuten / Freigabe: ab 16

Montag, 17. November 2025

P.O.W. - DIE VERGELTUNG


BEHIND ENEMY LINES
USA 1986

Regie:
Gideon Amir

Darsteller:
David Carradine,
Mako,
Charles Grant,
Steve James,
Phil Brock,
Daniel Demorest,
Tony Pierce,
Steve Freedman



„Ich kann mir nicht vorstellen, warum sie gerade ihn ausgesucht haben.“
„Erstens ist er der Beste. Und dann hat er ein Prinzip, mit dem er noch nie gebrochen hat.“
„Und welches ist das?“
„Jeder kommt wieder nach Hause.“

[Ein paar Filmminuten später sind dann übrigens alle Beteiligten mausetot. Aber gut … von lebend nach Hause war ja auch nie die Rede ...]


Inhalt:

1973: Das Ende des Vietnamkriegs steht kurz bevor; in wenigen Tagen sollen alle Truppen abgezogen werden. Das Problem: Nordvietnam leugnet die Existenz amerikanischer Kriegsgefangener. Sobald der Waffenstillstand in Kraft tritt, gelten alle bis dahin nicht zurückgekehrten Soldaten als verschollen. Die US-Regierung will das nicht hinnehmen und schickt den couragierten Colonel Cooper [David Carradine] in den Dschungel, um in einem aufmerksamkeitsstarken Husaranstück den geheimen Vietcong-Knast zu stürmen und die Vermissten zu befreien. Doch der Einsatz misslingt: Coopers Einheit wird vollständig ausgelöscht, er selbst gerät in die Gewalt des skrupellosen Aufsehers Vinh [Mako]. Dieser erhält den Befehl, den prominenten Gefangenen zu seiner Hinrichtung nach Hanoi zu bringen. Vinh willigt zum Schein ein, verfolgt jedoch eigene Pläne: Er beabsichtigt, sich heimlich in die USA abzusetzen – mitsamt aller Reichtümer, die er während des Krieges angehäuft hat. Es kommt zu einem ungewöhnlichen Deal: Cooper hilft Vinh bei der Flucht – unter der Bedingung, dass sämtliche Internierten mitkommen dürfen. Der Konvoi, der sich bald darauf in Bewegung setzt, dient daher nur scheinbar der Überführung des Colonels zur Schlachtbank. Tatsächlich soll es ein Trip in die Freiheit werden. Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt …

Kritik:

Ja, die Mär von den geleugneten Kriegsgefangenen mal wieder! Tatsächlich hielten sich in den USA nach Ende des Vietnamkriegs hartnäckig Gerüchte, der Gegner halte noch etliche amerikanische Soldaten in geheimen Lagern fest. War ja auch deutlich einfacher als zu akzeptieren, dass diese sinnlose Stellvertreteraktion schlicht unfassbar viele Todesopfer gefordert hatte. Das nach zahlreichen Skandalen entfachte Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der Regierung trug ebenfalls nicht gerade dazu bei, die Vorstellung einer Vertuschung zu entkräften. Beweise wurden – oh Wunder! – jedoch nie erbracht. Dafür nährten unzählige reaktionäre Actionfilme fleißig die Verschwörungsfantasie und ließen bis an die Zähne bewaffnete Einzelkämpfer ins ehemalige Kriegsgebiet vordringen, um die verlorenen Jungs doch noch rauszuholen. P.O.W. - DIE VERGELTUNG reiht sich, trotz durchaus vorhandener Story-Variation, recht nahtlos in diese Reihe ein. P.O.V. steht dabei für Prisoner of War (also eben Kriegsgefangener) und Die Vergeltung steht für Die Vergeltung. Wobei der offizielle Originaltitel eigentlich BEHIND ENEMY LINES lautet, hin und wieder auch mal abgelöst von P.O.W. - THE ESCAPE. Aber ganz gleich, unter welchem Banner man sich das Werk letzten Endes zu Gemüte führt, klar ist: Hier muss mal wieder ein Heros her, um hinter feindlichen Linien vermeintlich gefallene Kameraden zurück in die Freiheit zu führen.

Verantwortlich dafür war einmal mehr das berühmt-berüchtigte Cannon-Studio, das mit seinen kostengünstig, aber effizient produzierten patriotischen Gassenhauern in den 1980er-Jahren einige Kassenerfolge einfahren konnte. Die Hauptrolle wäre daher eigentlich wie geschaffen gewesen für den Berufsbärtigen Chuck Norris, einer der großen Stars des Hauses, dem die Kompetenz zur gewaltsamen Kombattantenheimführung schon stets in den markanten Gesichtspullover gestrickt war. Aber vielleicht wollte man nach zwei MISSING IN ACTION-Missionen (die dritte stand bereits in den Startlöchern) auch mal ein anderes Frontschwein von der Leine lassen. So darf sich hier nun David Carradine seine Sporen verdienen, der immer noch vom Erfolg der TV-Serie KUNG FU zehrte und zudem wesentlich sympathischer rüberkommt als sein ehemaliger Leinwandpartner (Norris und Carradine trafen 1983 in MCQUADE – DER WOLF aufeinander). Die Siegestrophäe für das beste Mienenspiel bleibt zwar auch diesmal brav in der Schublade, aber als kerniger Colonel mit Hang zum Zweitkick ist Carradine durchaus zelluloidtauglich. Dass sein Charakter eine Reihe saudummer Entscheidungen trifft und dadurch – entgegen permanenter Dialogbehauptung – keinen allzu qualifizierten Eindruck hinterlässt, ist ja nicht seine Schuld, sondern die der Drehbuchschurken (Ob man’s nun glaubt oder nicht: Ganze fünf Schreiberlinge mussten ran, um dieses erzählerisch doch sehr spartanische Scharmützel zu Papier zu bringen).

Der inhaltliche Hauptunterschied zum Gros der Kinokollegen besteht bei P.O.W. darin, dass die Handlung noch während des Krieges spielt. Die meisten Leinwandhelden durften erst nach Ende desselben ins Feindesland vorrücken, um Verschleppte zu befreien und dem ehemaligen Gegner nachträglich noch ein paar Nasenstüber mit auf den Weg zu geben. Hier jedoch findet die Aktion bereits während der letzten Schlachttage statt, was sich als recht reizvolle Variante entpuppt. Mehr denn je herrscht eine chaotische Weltuntergangsstimmung, in der endgültig auf jedwedes Regelwerk gepfiffen wird und jeder nur noch versucht, seine Schäfchen irgendwie ins Trockene zu bringen. Das gilt durchaus für beide Seiten, wird Colonel Cooper doch – entgegen vorheriger Pläne, die eine verdeckte Operation vorsahen – damit beauftragt, mit seiner Einheit ganz und gar unverdeckt und mit viel Krawall ein geheimes Dschungellager hochzunehmen und dabei zwecks intendierter Weltpresse-Aufmerksamkeit möglichst viel Rummel zu veranstalten. Das führt direkt zum Auftakt zu einem der größten Lacher überhaupt, wenn David Carradine und seine Mannen besagtes Camp stürmen und minutenlang wie die Wilden in der Gegend herumballern – bis ihnen auffällt, dass sie ganz allein auf weiter Flur sind und daher die ganze Zeit auch niemand zurückschießt. Diese Sequenz ist wirklich sagenhaft bescheuert und sagt am Ende mehr über das Genre aus, als ihr vermutlich lieb ist: Stumpfes Rotzen aus allen Rohren geht deutlich vor Sinn und Verstand.

Die Absenz jedweder Gegenwehr entpuppt sich als Hinterhalt, dem allen außer Carradines Cooper zum Opfer fallen. Es folgen ein paar der genreüblichen Fiesitäten, wenn der schurkische Kommandant Vinh die Bühne betritt, verkörpert vom japanischstämmigen Makoto Iwamatsu [→ DIE GROSSE KEILEREI], alias „Mako“, der in den USA zeitweise immer dann zum Einsatz kam, wenn ein asiatisches Gesicht gefragt war. Vinh fügt den überlebenden Colonel den übrigen Kriegsgefangenen hinzu und macht mittels mehrerer Exekutionen direkt deutlich, dass mit ihm nicht gut Kirschen essen ist. Etwas origineller wird es, als beide Parteien ein durchaus glaubhaftes Zweckbündnis eingehen: Kommandant Vinh weiß, dass das nahende Ende des Krieges ihm nicht nur seine Macht, sondern auch sein illegal beiseitegeschafftes Gold kosten wird. Ein Leben in Amnestie im Land des Feindes erscheint ihm daher als gangbare Alternative. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht er jedoch die Unterstützung Coopers – welcher seine Mitwirkung wiederum an die Bedingung knüpft, dass die Gefangenen sicher nach Hause gelangen. Das markiert den Auftakt einer zumindest im Ansatz abenteuerlichen Reise durch ein zerrüttetes Land, die einiges an Sprengkraft und Nervenkitzel birgt, wenn der Lagerkommandant gezwungen ist, seine eigenen Leute zu täuschen – denn der Vietcong kennt bei Verrätern keine Gnade.

Eine wirkliche Annäherung der beiden Antipoden findet dennoch niemals statt. Dazu setzt P.O.W. dann doch wieder zu sehr auf die altbekannte Gut-Böse-Schablone, die allzu ambivalente Anwandlungen gar nicht erst zulässt. Auch wird diese „Zusammen in einem Boot“-Idee nicht konsequent genug durchgezogen und das Skript verzettelt sich bald wieder in Story-Stereotypen. Ein nettes narratives Nebengleis wird immerhin befahren mit der Episode um den befreiten Soldaten Sparks, verkörpert von Charles Grant [→ DELTA FORCE]. Dieser erliegt nämlich ebenfalls der Gier nach Gold und Glitzer und setzt sich, mit geklauter hochkarätiger Altersvorsorge im Gepäck, vom Rest der Truppe ab, um auf eigene Faust außer Landes zu fliehen. Doch sein Glück, so wird ihm bald bewusst, wird er dabei nicht finden. Gerade noch rechtzeitig entdeckt er sowohl sein Gewissen als auch sein patriotisches Herz und kehrt zurück, um seine Kameraden im Kampf gegen die Unterdrücker zu unterstützen. Damit macht er immerhin mehr Charakterentwicklung durch als Colonel Cooper, der von Anfang bis Ende ein besserwisserischer Betonklotz bleibt und – beseelt von einem wirklich sagenhaften Selbstvertrauen – dauerhaft den Dicken markiert, was durchaus ein wenig vermessen erscheint in Anbetracht der Tatsache, dass bereits zu Beginn die gesamte ihm unterstellte Kompanie aufgrund seiner zweifelhaften Entscheidungen ins Gras beißen musste. Trotzdem bleibt er sich und seinen Manierismen in unerschütterlicher Manier treu. Ohne Hadern, Zaudern oder gar Gewissensbisse zieht er sein Ding durch, bis er im Finale ins Sternenbanner gehüllt böse Kommunisten über den Haufen ballern darf.

Nein, P.O.W. ist gewiss nicht unumgänglich, bietet aber reichlich Rambazamba in schöner Kulisse, da die Philippinen mal wieder sehr überzeugend die Vegetation Vietnams doublen (wobei sich der Genre-Freund an diesen Look vermutlich schon so sehr gewöhnt hat, dass er ihm von Haus aus einfach „richtig“ vorkommt). Auch wirkt seine reaktionäre Botschaft insgesamt eher verschroben als verärgernd, wie zu Beispiel oft bei den Kollegen Norris & Co der Fall. An Klischees mangelt es freilich trotzdem nicht: Hahnenkämpfe, Hurenhäuser, Stromschnellen, Strohhütten, die explodieren, als bestünden sie aus Nitroglycerin … und natürlich die berühmte Dschungelfalle, jenes mit tödlichen Spitzen gespickte, urplötzlich aus dem Geäst schwingende Holzbrett, das garantiert immer irgendein Unglückseliger volle Kanne in die Goschen bekommt. Zu bedauern ist allerdings abermals die sträfliche Unterbeschäftigung des wie immer extrem coolen Steve James [→ DER EXTERMINATOR], der dem alles dominierenden Colonel Cooper zwar tatkräftig unter die Arme greifen darf, über den Status eines besseren Statisten aber dennoch nur geringfügig hinauskommt. Dabei hätte ihm die Hauptrolle vermutlich deutlich besser zu Gesicht gestanden.

Laufzeit: 89 Min. / Freigabe: ab 18

Montag, 10. November 2025

DER EXTERMINATOR II


EXTERMINATOR II
USA 1984

Regie:
Mark Buntzman

Darsteller:
Robert Ginty,
Mario Van Peebles,
Deborah Geffner,
Frankie Faison,
John Turturro,
Arye Gross,
Scott Randolf,
Reggie Rock Bythewood



„Du wolltest die Straße säubern? Ich bin die Straße!“
(Gut, seinen Namen kann man sich nicht aussuchen.)


Inhalt:

Einst kämpfte John Eastland [Robert Ginty] als Soldat in Vietnam. Inzwischen streift er ziellos durch die Straßen New Yorks. Nur seine Beziehung zur sympathischen Tänzerin Caroline [Deborah Geffner] bringt etwas Farbe in sein Leben. Doch nicht einmal sie ahnt etwas von Eastlands pikantem Hobby: Regelmäßig hört er den Polizeifunk ab, um herauszufinden, wo sich die bösen Jungs der Stadt herumtreiben. Diesen stattet er dann einen feurigen Besuch ab, der stets nur verkohlte Leichen zurücklässt. Denn John Eastland ist der Exterminator, der maskierte Bestrafer, der kriminelle Umtriebe mit dem Flammenwerfer ahndet. Als eines Tages eine sektenartigen Straßengang die Stadt heimsucht und beginnt, wahllos Menschen umzubringen, laufen einige ihrer Mitglieder Eastland ebenfalls ins Feuer. Für den Bandenchef „X“ [Mario Van Peebles] wird die Sache daher bald persönlich – und Caroline gerät ebenfalls ins Visier der Killer. Gemeinsam mit seinem einzigen Vertrauten, dem Müllwagenfahrer Be Gee [Frankie Faison], rüstet sich der Exterminator fürs finale Gefecht.

Kritik:

Vier Jahre nach seinem ersten Einsatz kehrte der Exterminator zurück – dieses Mal unter der Schirmherrschaft der Cannon Group, jener Produktionsfirma, die sich in den 1980ern mit ebenso radikalen wie reaktionären Action-Reißern einen anständig anrüchigen Ruf erarbeitete. Populäre Stars waren Chuck Norris oder Michael Dudikoff, die meist vor militärisch geprägtem Hintergrund für Recht und Ordnung sorgten. Aber auch Charles Bronson verspritzte ab 1982 sein Blei für Cannon, nachdem das Studio die Rechte daran erworben hatte, dessen Selbstjustiz-Klassiker DEATH WISH (1974) beliebig oft fortsetzen zu dürfen. Und weil ein Revolverheld auf Rachefeldzug noch längst nicht ausreichte, sicherte man sich zusätzlich noch die Erlaubnis, mit dem Gassenhauer DER EXTERMINATOR von 1980 das Gleiche zu tun – immerhin war dieser ja nicht unbedingt unerfolgreich gelaufen und das Interesse an anarchistischen Einzelgängern auf illegitimer Gerechtigkeitsmission war ungebrochen. Robert Ginty übernahm abermals die Titelrolle, während Mark Buntzman, beim Vorgänger noch als Produzent unterwegs, dieses Mal für Buch und Regie verantwortlich zeichnete. Ein Großteil seiner Arbeit bekam das Publikum jedoch nie zu Gesicht: Die Geldgeber waren mit den Ergebnissen so unzufrieden, dass im Nachhinein großzügige Änderungen vorgenommen wurden, die den Inhalt mehrheitlich neu arrangierten – mit heißer Nadel gestrickter Nachdrehs inklusive.

Dass man für diesen am Ende ja doch recht simplen Reißer so viel Aufwand betrieb, zeigt, dass die Produzenten das Werk offenbar weitaus wichtiger nahmen, als die Mehrheit der Kritiker es tat. Ob die zahlreichen Umschnitte und ausgetauschten Szenen ihm tatsächlich nutzten oder im Gegenteil eher schadeten, lässt sich kaum beziffern. Fest steht: EXTERMINATOR II reißt keine Bäume aus. Gut, das muss er auch nicht und hat wahrscheinlich ohnehin niemand erwartet, zumal ja schon Teil 1 nicht der Weisheit letzter Schluss war. Bereits der Einstieg geriet allerdings mehr als holprig, wenn das Publikum Zeuge wird, wie ein paar Wüstlinge einen Laden überfallen und dabei den Inhabern, einem älteren Ehepaar, die Lichter auspusten. Draußen vor der Tür wartet dann jedoch der Exterminator auf die jugendlichen Rowdys, um dort ebenfalls sein Licht auszupusten – das seines Flammenwerfers nämlich, was die eben noch so übermütigen Übeltäter in einen Haufen überknuspriger Grillhähnchen verwandelt. Wie überaus nett vom Exterminator, dass er lange genug vor dem Eingang gewartet hat, damit die Delinquenten auch genug Zeit hatten, ihre Opfer über die Klinge springen zu lassen – so ein strafender Feuerstoß will ja schließlich ausreichend gerechtfertigt sein.

Der auffälligste Unterschied zum Vorgänger besteht darin, dass EXTERMINATOR II tatsächlich eine stringente Geschichte erzählt. Keine sonderlich gute oder gar originelle, das ist klar. Aber wo Teil 1 noch sehr episodenhaft daherkam, folgt Teil 2 einer klassischen, durchgehenden Dramaturgie. Anstelle mehrerer Schmeißfliegen gibt es hier einen großen Antagonisten, den es zu besiegen gilt: der Anführer einer (was auch sonst?) Straßengang, der sich nur „X“ nennt und von Mario Van Peebles [→ HEARTBREAK RIDGE] als guruartiger Fanatiker verkörpert wird. Damit einhergehend wurde auch die einstige Authentizität über Bord geworfen: Das hier porträtierte New York gleicht einer Stadt am Rande der Apokalypse, noch nicht ganz so übertrieben als Kriegsschauplatz gezeichnet wie ein Jahr später bei DEATH WISH III, aber doch schon mit deutlicher Schlagseite in Richtung MAD MAXiger Endzeitvision. Schrill geschminkte Punks marodieren durch die Straßen, terrorisieren unschuldige Bürger, bringen Menschenopfer dar und schießen mit Raketenwerfern Hubschrauber ab. Das ergibt alles gar keinen Sinn, generell schien das Drehbuch alles in den Topf geworfen zu haben, was sich irgendwie mit „böse“ assoziieren lässt. Speziell die rituellen Opferungen erinnern doch sehr an die „Satanic Panic“, jene moralische Massenhysterie, die in den 1980er-Jahren vor allem in den USA um sich griff und viele Menschen glauben machte, überall existierten geheime satanische Kulte, die Jugendliche durch Musik, Spiele und  - Schreck, lass nach! - Filme verderben würden.

Das ist ziemlich gaga, liefert aber immerhin ein paar gelungene Momente traumartigen Einschlags, wenn die Gang im Dunkel der Nacht mit Rollschuhen an den Füßen und Fackeln in den Flossen ritualisiert in Richtung Opferstätte rollert. Doch nicht nur die Schurkenseite macht durch irreale Aktionen auf sich aufmerksam. Die Wirklichkeitsferne wird auch unterstrichen durch die Darstellung des „Helden“, der in der Fortsetzung zu einer Art unkaputtbarem Meuchelmörder umgedeutet wurde. Eingehüllt in eine Verkleidung aus schützendem Stahl, das Gesicht hinter einer Schweißermaske verborgen, übersteht er selbst massiven Kugelhagel ohne den kleinsten Kratzer. Eine Salve aus seinem Flammenwerfer hingegen verwandelt seine Gegner in Windeseile in ein elendes Häuflein Asche, meist akustisch untermalt von sakralen Orgelklängen, was den Exterminator in die Nähe eines göttlichen Bestrafers rückt. Im ersten Teil noch ein getriebener Vietnam-Veteran mit akuter Affektstörung, wirkt John Eastland nun, nicht nur aufgrund seiner martialischen Kostümierung, wie der Killer eines Slasherfilms der Marke FREITAG, DER 13. Hinweise auf seine Vergangenheit inklusive Kriegstrauma und Verlust seines besten Freundes werden hier völlig ausgespart. Zum einen sicherlich deshalb, weil (zurecht) davon ausgegangen werden konnte, dass das Publikum mit dem Vorgänger vertraut ist. Zum anderen passt diese Thematik aber auch gar nicht mehr in das in Teil 2 kreierte Szenario, das keinen Psychopathen braucht, sondern einfach einen rabiaten Dorfsheriff ohne Scheu vor harten Bandagen. Am Ende verwandelt Eastland dann einen Müllwagen mittels improvisierter Panzerung, Maschinengewehren und Raketenabschussrampen in sein persönliches Batmobil, was endgültig jeden realistischen Rahmen sprengt.

Die Idee, Eastland hinter einer metallenen Maske zu verstecken, stammte dem Vernehmen nach von William Sachs [→ CONCRETE WAR]. Der wird offiziell nur als Autor und Produzent gelistet, war aber auch verantwortlich für die zahlreichen Nachdrehs und Umstrukturierungen, nachdem das Studio mit Mark Buntzmans Arbeit unzufrieden war. Da Robert Ginty sein Antlitz jedoch nicht abermals zur Verfügung stellen konnte oder wollte, musste schnell eine Lösung her. Zum Glück gab es bereits eine Szene, in der Ginty besagtes Schweißer-Outfit trug. Und so wurde beschlossen, dieses zu seinem Markenzeichen zu machen. In jeder Szene, in welcher der Exterminator nun derart herausgeputzt zur Tötungstat schreitet, steckt also gar nicht Ginty hinter der Maske, sondern ein Double – und ja, das sind die meisten. Was aus der Not geboren wurde, erweist sich im Endeffekt als enorm eindrücklich: Eastland scheint jede Form von Menschlichkeit abgelegt zu haben und als stählerner Rachegott wiederauferstanden zu sein. Der Flammenwerfer als einziges Mordinstrument ist dabei freilich ebenfalls neu. In Teil 1 kam das Gerät eigentlich nur ein einziges Mal zum Einsatz – und auch das blieb eigentlich nur im Kollektivbewusstsein, weil das Kinoplakat diesen Anblick so eindrücklich verewigte. Hier hingegen ist er zum Charakteristikum geworden, was auf Dauer etwas eintönig ist, da die Einsätze immer gleich ablaufen und stets im gleichen müden Geisterbahn-Effekt münden: ein Feuerstoß in Richtung Kamera, dann ein paar mit den Armen rudernde Stuntleute im Brennumhang und ein paar Sekunden später liegen bereits die verkohlten Gerippe qualmend in der Gegend herum (das geht ja wirklich erstaunlich schnell). Geblieben sind das nihilistische Weltbild und die allgemeine Tristesse, die nur durch die unverkrampfte Beziehung Eastlands zur Tänzerin Caroline (Deborah Geffner aus MAXXXINEund seine wirklich herzliche Freundschaft zum poltrigen Müllwagenfahrer Be Gee (Frankie Faison aus GESCHENKT IST NOCH ZU TEUER) ein paar erhellende Farbtupfer erhält.

Die Fortsetzung der Flammenwerfer-Fabel wird fraglos niemals auf irgendjemandens Lieblingsliste landen, hat als Anschauungsbeispiel für die schroffe Attitüde des 1980er-Kinos aber durchaus ihre Berechtigung – obwohl der nuancierte Hintersinn, der den Vorgänger ein wenig aus der grauen Masse hervorheben konnte, hier vollkommen abwesend ist. Die zweite Runde des rabiaten Rabaukenrösters ist ein überwiegend uninspirierter, aber dennoch veritabler Nachschlag, dem sein Produktionschaos nicht unbedingt anzumerken ist. Robert Ginty selbst hasste diese neue Version zwar, doch wer von finsteren Vigilanten-Fantasien in großstädtischem Schmuddellook nicht genug bekommen kann, ist hier prinzipiell schon an der richtigen Adresse. Feuer frei!

Laufzeit: 90 Min. / Freigabe: ab 18

Montag, 3. November 2025

DER EXTERMINATOR


THE EXTERMINATOR
USA 1980

Regie:
James Glickenhaus

Darsteller:
Robert Ginty,
Steve James,
Christopher George,
Samantha Eggar,
Tony DiBenedetto,
Dick Boccelli,
Patrick Farrelly,
Michele Harrell



„Ich suche ein paar deiner Freunde. Einer davon ist so’n Kleiner mit Baskenmütze und Bart. Der andere ist ein großer, klotziger Kerl – hässlich, sieht aus wie’n Affe.“
(In Sachen Personenbeschreibung macht dem Exterminator keiner was vor.)


Inhalt:

In den Wirren des Vietnamkriegs geraten John Eastland [Robert Ginty] und sein Kamerad Michael Jefferson [Steve James] in feindliche Gefangenschaft und entrinnen nur knapp einem grausamen Tod. Jahre später arbeiten beide in einem New Yorker Lagerhaus, stets bemüht, das erlebte Grauen zu vergessen. Doch die Gewalt holt sie unvermittelt ein: Jefferson wird von einer Straßengang überfallen und dabei so schwer verletzt, dass er den Rest seines Lebens auf den Rollstuhl angewiesen ist. Bei Eastland brennen daraufhin alle Sicherungen durch: Mit Flinte und Flammenwerfer im Gepäck verübt er eiskalte brennende Rache. Derart auf den Geschmack gekommen, nimmt sich der Vietnam-Veteran in den folgenden Wochen weitere Kriminelle vor, um sie ihrer tödlichen Strafe zuzuführen: Mafiosi, Dealer, Zuhälter, korrupte Politiker – niemand ist plötzlich mehr sicher. Fieberhaft versucht der idealistische Detective James Dalton [Christopher George], die Identität des Rächers zu enthüllen. Und sogar die CIA nimmt Eastland ins Visir, da sie in seinen Aktionen eine Gefahr für die öffentliche Ordnung sieht. Schließlich kommt es zur explosiven Konfrontation aller Parteien.

Kritik:

Nein, DER EXTERMINATOR ist nicht die Geschichte eines Killerroboters aus der Zukunft, der sich aufs Altenteil zurückgezogen hat. Exterminator, Bildungsbürger wissen das, ist die englische Bezeichnung für einen Kammerjäger. Dieser Berufsstand befreit bekanntermaßen die werte Behausung von lästigem Ungeziefer – womit Tonfall und Intention dieser groben Schlachtplatte auch schon treffend umschrieben wären. Gleich das erste Bild zeigt einen gigantischen Feuerball sowie die Silhouette eines Mannes, der unfreiwillig, dafür aber im hohen Bogen, vor ihm davon segelt. Es ist Krieg, so stellt sich heraus, und der Ort des Geschehens heißt Vietnam. Nur wenige Minuten später ist das Publikum bereits Zeuge zweier enorm brutal inszenierter Enthauptungen geworden und es ist klar: Das hier ist kein Ponyhof.

Der gerade aufgrund seiner Grausamkeit sehr wirkungsvolle Auftakt führt zugleich die beiden Helden ein, John Eastland und Michael Jefferson (Robert Ginty aus ZWEI MINUTEN WARNUNG und Steve James aus AMERICAN NINJA), und das wider Erwarten nicht etwa als sprücheklopfende Kampfmaschinen, sondern als verängstigte Soldaten, die dem Feind nur mit Müh und Not entkommen können. Die Überleitung vom rückblickenden Prolog in die Präsens der 1980er ist auffallend gelungen: Der Helikopter, der die zwei Freunde aus der Kriegshölle hinaus fliegt, scheint plötzlich durch die Zeit zu reisen. Nahezu nahtlos geht der vogelperspektivische Blick auf den Dschungel über in den auf die nächtliche Großstadt der Gegenwart. Die Kamera schwebt über die in zartes Licht gehüllten Dächer New Yorks, der Vorspann beginnt, eine sanfte Ballade setzt ein – ein Moment, der Ruhe und Frieden ausstrahlt, und damit im krassen Gegensatz zu den eben noch erlebten Gräueltaten steht, die freilich immer noch nachhallen. Es wird deutlich: Die Männer mögen dem Tod entronnen sein, den Ort gewechselt und die Jahre überdauert haben. Aber das Trauma des Tötens, das haben sie mitgenommen.

Nach dem Sprung ins Jetzt (in das des Produktionsjahres 1980, versteht sich) sieht man Eastland und Jefferson als kistenschleppende Lagerarbeiter, die ein zwar bescheidenes, aber zumindest augenscheinlich recht unbeschwertes Leben führen. Ihre Vergangenheit, so scheint es, hat sie zusammengeschweißt, ihre Freundschaft unerschütterlich zementiert. Hin und wieder schalten sie allerdings noch in den Verteidigungsmodus – so geschehend, als sie ein paar Langfingern, die gerade im Begriff sind, ein Depot zu plündern, gehörig und mit schwingender Faust die Tour vermasseln. Leider gehören die verhinderten Gerstensafteintreiber zu einer skrupellosen Straßengang, die dezent überreagiert und einem der Männer, Jefferson nämlich, in einer stillen Gasse auflauert, wo sie dessen Wirbelsäule per Gartenkralle malträtiert. Den Überfallenen befördert das umgehens in den Krankenkassen-Chopper – Rollstuhlpflicht bis ans Ende seiner Tage (die deutsche Synchronfassung behauptet an dieser Stelle übrigens, man habe ihm das Genick gebrochen, was offenkundig Unsinn ist). Grund genug für Eastland, den verborgenen Vigilanten zu aktivieren und Vergeltung für seinen Freund zu üben.

Es ist wahrlich erstaunlich, wie schnell und beinahe selbstverständlich das hier vonstattengeht: Von einer Szene auf die nächste hat Eastland bereits eines der Bandenmitglieder in seiner Gewalt, ohne jedwede Vorbereitung oder Herleitung. Es scheint, als habe er bereits vor langer Zeit alles organisiert und nur auf einen Anlass gewartet, den inneren Kammerjäger endlich von der Kette lassen zu dürfen. Von seinem Gefangenen (es wird übrigens niemals erklärt, wie er ihn überhaupt in die Finger bekam) erpresst er nun den Aufenthaltsort des Rests der Gang, woraufhin der kampferprobte Wutbürger dort konsequent klar Schiff macht. „Er war doch nur ein Nigger“, versucht einer der Delinquenten die grausame Tat zu rechtfertigen. Eastland hebelt diesen rassistischen Ausfall mit bestechendem Pragmatismus aus: „Dieser Nigger war mein bester Freund.“ So simpel!

Das Publikum ist dabei prinzipiell auf seiner Seite. Auch dann noch, als er sich im Folgenden weiteren menschlichen Unrat vorknöpft, um diesen für seine Vergehen zur verdienten Rechenschaft zu ziehen. Als Held oder gar Identifikationsfigur taugt er dennoch zu keiner Sekunde. Denn nur vordergründig geht es ihm darum, Gerechtigkeit zu üben. Die kurzen Erinnerungsfetzen an den Vietnamkrieg, die hin und wieder mal aufploppen, wirken in dem Zusammenhang fast ein wenig zu plump. Auch ohne dieses ausgelutschte Stilmittel wäre klar gewesen, dass Eastland aufgrund seiner Vergangenheit mentale Blessuren mit sich herumträgt. Der Anschlag auf seinen (vermutlich einzigen wirklichen) Freund hat einen Schalter umgelegt. Seine Racheaktionen treffen zwar nie die Falschen – Autor und Regisseur James Glickenhaus [→ DER PROTECTOR] hat da wirklich ein paar abstoßende (wenngleich nicht unglaubwürdige) Zeitgenossen zu Papier gebracht. Doch die Taten des selbsternannten Kammerjägers sind letztlich nichts anderes als Ausdruck seines zerrütteten Seelenlebens. Weder empfindet er Freude an seinem Feldzug noch verschafft er ihm Genugtuung. Und dem Zuschauer ergeht es ebenso. Denn die Inszenierung der Ereignisse spiegelt die Psyche ihres Protagonisten: Alles ist trist, trostlos und über alle Maßen traurig.

Tatsächlich werden gängige Sensationslüste trotz explizit ausgespielter Brutalitäten kaum befriedigt. Nach dem knalligen Kriegsauftakt regiert überwiegend die Entschleunigung, und das bei einem Spannungsaufbau, der sich einer Klimax konsequent verweigert. Eastlands Rache an der Straßengang ist bereits nach gut 20 Minuten abgeschlossen. Seine anschließenden Selbstjustizaktionen scheinen dann gar keinem Plan mehr zu folgen, wirken improvisiert und impulsiv. Entsprechend episodenhaft sind sie auch gegliedert – wofür Glickenhaus sogar auf das völlig altbackene und eher aus der TV-Landschaft bekannte Stilmittel der Auf- und Abblenden zurückgreift. Auf der Bildebene herrscht überwiegend eine funktionale, dokumentarisch angehauchte Nüchternheit, die jedwede Ausprägung von Attraktivität vermissen lässt. Die Gewaltakte sind zahlreich und definitiv nicht ohne, aber ebenfalls ohne jede Ästhetisierung und damit ähnlich schmucklos wie das restliche Erscheinungsbild DER EXTERMINATORs. Insbesondere die Szene, in der ein anzugtragender Halunke an einem Haken von der Decke hängend in einer riesigen mechanischen Fleischfräse endet, brennt sich als Sinnbild des filmischen Nihilismus ein.

Als Gegenentwurf zu Eastland agiert der vom ehemaligen Western-Akteur Christopher George [→ DRECKIGES GOLD] verkörperte Kriminalbeamte James Dalton, der den Rächer am Ende auch stellt. Wider gängiger Schablonen wird er allerdings nicht zu dessen Widersacher aufgebaut. Mehr noch: Die meiste Zeit agiert er völlig losgelöst von der Haupthandlung. Anstatt mitzuerleben, wie er Ermittlungen anstellt, Erkenntnisse gewinnt, sich auf Eastlands Spur setzt und seinem Zielobjekt dabei immer näher kommt, sieht man ihm bei seinem wenig spektakulären Alltagstrott zu. Dazu gehört auch eine kleine Liebelei mit der Ärztin Megan Stewart (Samantha Eggar aus KEIN KOKS FÜR SHERLOCK HOLMES) und natürlich liegt die Vermutung nahe, das werde später noch einmal von inhaltlichem Belang sein. Aber so ist es nicht. Obwohl ihren gemeinsamen Telefonaten, Strandspaziergängen und Abendessen recht viel Zeit gewidmet wird, kommt es niemals zu einer Verbindung mit dem Fall Eastland. Natürlich könnte man es sich hier einfach machen und behaupten, Glickenhaus habe beim Schreiben lediglich versucht, Zeit zu schinden. Aber tatsächlich funktioniert das Konzept, weil es zeigt, welche alternativen Wege sich beschreiten lassen, um im Großstadtdschungel zu bestehen. Es ist kaum anzunehmen, dass Dalton als Polizist und Stewart als Ärztin mit weniger Gewalt und Elend konfrontiert werden als Eastland es wird. Aber während der eine zum desillusionierten Selbstjustizler wird, suchen sich zwei andere mitten im Moloch ihr kleines privates Glück.

Jeder Vigilantenfilm muss sich am Urvater des Genres messen lassen: Michael Winners DEATH WISH von 1974 mit Charles Bronson in der Hauptrolle. Zwar liegt ein Vergleich zunächst nahe, da hier wie dort ein einsamer Racheritter durch das Dunkel der Großstadt streift. Längere Zeit darüber nachgedacht, ergeben sich jedoch fast mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten. Denn der Exterminator ist kein Durchschnittstyp, der nach und nach zur Mordmaschine wird. Er ist bereits eine. Er braucht keinen Progress, um zum Richter und Henker zu werden. Nur einen Auslöser. Denn Tod und Gewalt, das kennt er schon längst. Auch die Folgen seiner Taten unterscheiden sich auffallend vom (vermeintlichen) Vorbild: Während die Behörden dort zum heimlichen Verbündeten des Abweichlers werden, wird er hier zum Staatsfeind erklärt und zum Abschuss freigegeben. So ist DER EXTERMINATOR am Ende auch eine Abhandlung über das Los der Kriegsheimkehrer, die von den Mächtigen erst ausgenutzt, dann aber im Stich gelassen wurden. Das verleiht dem vordergründig natürlich sehr plakativen Werk eine unerwartete Tiefe, die es aus dem Gros seiner Mitbewerber hervorstechen lässt.

Zwischen all den von Schmutz und Tristesse geprägten Bildern gelingen Kameramann Robert M. Baldwin [→ GRAUEN UM JESSICA] zudem ein paar wunderbare surreale Momente. Etwa jener, in dem Eastland einen Anruf tätigt – aus einer einzelnen völlig intakten Telefonzelle inmitten eines riesigen Trümmerhaufens. Ein paar Klischees und Albernheiten muss man freilich dennoch in Kauf nehmen. Genannt seien das Auto, das mal wieder grundlos explodiert, die beiden Geldeintreiber, die aussehen, als kämen sie gerade vom Jahrestreffen der Blues-Brothers-Fangemeinde, oder der Unterschlupf der brutalen Straßengang, die dort dermaßen entspannt zu launiger Disco-Mucke herumschwoft, dass man einen Moment lang meint, Eastland habe sich in der Tür geirrt und mische gerade versehentlich einen chilligen Studentenclub auf.

Laufzeit: 102 Min. / Freigabe: ab 18

Montag, 29. September 2025

DAS SUPERDING DER SIEBEN GOLDENEN MÄNNER


IL GRANDE COLPO DEI SETTE UOMINI D’ORO
Italien/Frankreich/Spanien 1966

Regie:
Marco Vicario

Darsteller:
Philippe Leroy,
Rossana Podestà,
Gastone Moschin,
Gabriele Tinti,
Giampiero Albertini,
Dario De Grassi,
Manuel Zarzo,
Enrico Maria Salerno



„Das ist doch unmöglich – die Farbe Ihrer Augen kann doch nicht wechseln!“
„Das tut sie immer, wenn ich verliebt bin.“


Inhalt:

Der verbrecherische Vordenker Alfred [Philippe Leroy] und sein kriminelles Komplizen-Kollektiv, die Goldenen Männer, sind wieder in Aktion: In Rom knackt die Räuberbande einen Tresorraum auf altbewährte Art und Weise. Aber dieses Mal hat sie Pech – am Ausgang des Fluchttunnels wartet schon der amerikanische Geheimdienst, um die Gruppe in Gewahrsam zu nehmen. Überraschenderweise ist dieser aber gar nicht primär daran interessiert, die Gauner gesiebte Luft atmen zu lassen. Stattdessen möchte er die Dienste der Bande selbst in Anspruch nehmen. Der Grund: Auf einem südamerikanischen Eiland stiftet ein kommunistischer Extremist [Enrico Maria Salerno] jede Menge revolutionäre Unruhe. Die Goldenen Männer sollen ihn entführen – als Dank winken sieben Millionen Dollar und die Freiheit. Der Deal wird akzeptiert. Als Köder agiert Alfreds verführerische Freundin Giorgia [Rossana Podestà], die sich das Vertrauen des eitlen Umstürzlers erschleicht und ihn in Windeseile um den Finger wickelt. Was noch keiner ahnt: Während Giorgia das Entführungsopfer weichklopft, plant Alfred parallel dazu noch ein eigenes Ding. Im Hafen der Hauptstadt liegt nämlich ein russischer Militärfrachter vor Anker – und in diesem lagern 7000 Tonnen Gold.

Kritik:

Das verschmitzte Bankraub-Intermezzo SIEBEN GOLDENE MÄNNER kam 1965 so gut an, dass das erfolgreiche Septett nur ein Jahr nach seinem ersten Kino-Coup abermals zuschlagen durfte. Dafür wurden keinerlei Kompromisse gemacht und wirklich alle sind wieder mit dabei: Philippe Leroy als affektierter Anführer, Rossana Podestà als die schillernde Frau an seiner Seite und all ihre kauzigen Kumpanen aus aller Herren Länder. Auch hinter der Kamera ändert sich rein gar nichts, weswegen die Fortsetzung zumindest auf personeller Ebene dem Vorgänger alle erdenkliche Ehre macht. Allerdings auch nur auf dieser. Denn die Belegschaft, so kristallisiert sich schnell heraus, ist auch so ziemlich das einzige, was mitgenommen wurde. DAS SUPERDING DER SIEBEN GOLDENEN MÄNNER unterscheidet sich nämlich in nicht unerheblichem Maße vom ersten Teil und geht inhaltlich wie stilistisch eigene Wege. Dabei wähnt sich das Publikum zunächst noch auf vertrautem Terrain, wenn die Ereignisse der ersten Minuten das Original noch bestmöglich rekapitulieren und der einleitende Raubzug abermals mittels Tarnmanöver, Tunnelgebrauchs und technischen Geräts erfolgt. Allerdings gibt dieses Mal nicht etwa Giorgia den Blickfang in der Bankfiliale, wie es erst den Anschein hat, sondern ihr Partner Albert, in fesche Frauenkleider gehüllt, während sie selbst Zigarre schmauchend im Hotelzimmer hockt und Anweisungen gibt. Dieser Rollentausch spielt bereits gekonnt mit der Erwartungshaltung, wenn vertraute Situationen erst erschaffen, dann aber auf links gedreht werden – wie sich die gesamte Fortsetzung ebenfalls weigert, Vertrautes zu servieren.

War Teil 1 bereits dezent unterwandert von den Mechanismen des Agentenfilms, unternimmt Teil 2 fast einen Hechtsprung in eben jenes Metier, wenn die Goldenen Männer plötzlich von der CIA eingespannt werden, um einen unliebsamen Kommunisten-Strolch von einer südamerikanischen Insel zu entführen. Warum davon ausgegangen wird, eine Handvoll Bankräuber seien das perfekte Personal, um einen Revoluzzer hopszunehmen, bleibt dabei völlig schleierhaft. Hat der Geheimdienst keine eigenen Leute für sowas? Was machen die denn beruflich? Jedenfalls ändert dieser Auftrag die Tonart erheblich, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Lief der Coup im Vorgänger noch im Verborgenen ab, bricht sich hier die große und ganz und gar nicht geheime Action bahn. Da werden Fäuste geschwungen, Maschinengewehre leergeballert und Torpedos abgefeuert – von der früheren Filigranität ist nichts mehr übrig, es regiert die grobe Kelle. Gleichzeitig werden auch die Gimmicks zahlreicher, denn kaum eine Aktion verläuft hier ohne bizarre Hilfsmittel. Der Flugrucksack und das Luftkissenboot gehen dabei fast noch als realistisch durch, aber manches Mal wird auch übers Ziel hinausgeschossen, wenn ein Gegner beispielsweise mittels eines fliegenden Boxhandschuhs ins Reich der Träume geschickt wird. Und wenn dann noch der gefangengesetzte Aushilfs-Fidel-Castro an einen funkensprühenden Traumabbildungsapparat angeschlossen wird, gleitet das SUPERDING endgültig in Richtung halbseidenen Science-Fiction-Quatsch ab.

Derlei Albernheiten hätte es wahrlich nicht gebraucht, kratzen sie doch ein wenig am unschuldigen Charme der Show und an dem Eindruck, Autor und Regisseur Vicario würde sein Publikum in ausreichendem Maße ernstnehmen. Den Spaß an der Sache kann das dennoch kaum trüben, denn DAS SUPERDING DER SIEBEN GOLDENEN MÄNNER ist insgesamt doch ein schöner Cocktail geworden, der auch von dem exotischen Insel-Setting profitiert. Die überschaubaren Schauplätze des Erstlings, der überwiegend unter Tage, im Hotel oder in der Bank stattfand, weichen einem bunten Abenteuerspielplatz mit jeder Menge Urlaubsflair, bei dem zudem alle naslang auch noch die Kulisse gewechselt wird. Auch die Verschiebung in Sachen Figurengewichtung muss als gute Idee gewertet werden. Albert, der bei Teil 1 den Ton angab, hält sich hier nämlich eher bedeckt im Hintergrund und überlässt stattdessen seiner Partnerin das Feld, weswegen Darstellerin Rossana Podestà endlich zeigen kann, was sie auf dem Kasten hat. Zwar hat sie lediglich die eigentlich abgestandene Rolle der verhängnisvollen Verführerin inne, aber was sie daraus macht, ist ein wahres Fest. Nahezu jede Szene, in der sie auftritt, beherrscht sie komplett und die Momente, in denen sie „Il Generale Presidente“ fachgerecht um den Finger wickelt, gehören zu den Glanzlichtern der Veranstaltung. Dass ihr Bezirzungsopfer von Enrico Maria Salerno [→ DAS SYNDIKAT] verkörpert wird, macht die Angelegenheit definitiv nicht schlechter. Dieser ist ja eher für seriöse Rollen bekannt und geschätzt, weswegen sein Mitwirken in fröhlichem Unfug wie diesem schon ein kleiner Lacher für sich ist. Den radikalen Revolutionsführer erweckt er als gleichermaßen affige wie naive Machtmenschen-Karikatur zum Leben, wobei das Skript auf tatsächliche politische Stellungnahmen verzichtet.

Was der Fortsetzung fehlt, ist ein klarer Fokus, pendelt die Story thematisch bisweilen doch arg hin und her. Die Nebenepisode, in der die Bande versucht, einen Frachter um seine goldene Ladung zu erleichtern, verträgt sich nicht so recht mit der Entführungsgeschichte, weil beide Handlungsstränge sich gegenseitig immer ein wenig ausbremsen. Auch gehen die titelgebenden Männer, die ja eigentlich Sympathiefiguren sein sollen, bei der Kaperung erstaunlich brutal und skrupellos zu Werke, was nicht wirklich zu dem Eindruck passt, den sie bis dahin hinterlassen haben. Das ist dann wohl ein Nebeneffekt des Fortsetzungssyndroms, des Fluchs, dass beim zweiten Teil immer alles noch ein bisschen lauter, härter und schneller sein muss. Aber da das Superding als Ganzes so fabelhaft comicartig geriet und auch nie selbst damit handert, sind kleinere Ausfälle wie diese verzeihbar. Wie wenig ernstzunehmen die Chose ist, zeigt die Sequenz, in der Giorgia zu einem Geständnis gezwungen werden soll, indem man eine Handvoll Schwarzer Witwen auf sie zu krabbeln lässt. Allerdings sind diese so eindeutig als mechanische Spielzeuge erkennbar, dass man direkt nach den Aufziehschlüsseln auf den Rücken sucht. Passenderweise zeigt sie dann auch nicht die Spur von Furcht, sondern krault einen der tatsächlich ziemlich knuffigen Achtbeiner, als wäre er ein kleines Kätzchen. 

DAS SUPERDING DER SIEBEN GOLDENEN MÄNNER endet mit Szenen aus der Eröffnung des Vorgängers, wodurch wohl symbolisch so eine Art Kreis geschlossen werden soll. Da beide Auftritte der Goldenen Männer so unterschiedlich ausgefallen sind, wirkt das zwar nicht ganz stimmig, aber immerhin garantiert diese Vorgehensweise jede Menge Abwechslung. Wo Teil 1 eine amüsante, überwiegend jedoch seriös aufbereitete RIFIFI-Variante war, wirkt Teil 2 mit seinen zahlreichen Action- und Abenteuerversatzstücken, wie U-Boote, Torpedos, Revoluzzer, Feuergefechte, Tauchgänge und Haiangriffe, wie die inoffizielle Verfilmung eines TIM UND STRUPPI-Bandes. Und das ist wahrlich nicht die schlechteste Referenz.

Laufzeit: 102 Min. / Freigabe: ab 12

Montag, 28. Juli 2025

ROBOMAN


ROBOWAR - ROBOT DA GUERRA
Italien 1989

Regie:
Bruno Mattei

Darsteller:
Reb Brown,
Catherine Hickland,
Massimo Vanni,
Romano Puppo,
Max Laurel,
Jim Gaines,
John P. Dulaney,
Mel Davidson



Regie: Vincent Dawn! Was für ein Name! Fast zu geil, um wahr zu sein. Und so ist es auch. Denn der Mann, der 1989 den ROBOWAR entfesselte, hieß eigentlich Bruno Mattei und war einer der fleißigsten Ideenkopierer der italienischen Filmindustrie. Zusammen mit seinem Kollegen Claudio Fragasso verwandelte er in den 1970er- und 1980er-Jahren Hollywoods Blockbuster in unverhohlene und schmal budgetierte Plagiate, die bei minimalem Aufwand maximalen Profit erwirtschaften sollten.

Wer im Action-Kino der 1980er-Jahre ein bisschen bewandert ist, erkennt dann auch auf Anhieb, welcher Leinwanderfolg dieses Mal Pate stand: PREDATOR von 1987, der die Schauspielkarriere des ehemaligen Bodybuilders Arnold Schwarzenegger nachhaltig zementierte. Selbiger tigerte dort mit einer Truppe testosteronschwitzender Freizeit-Kombattanten durch die schwüle Ungastlichkeit des Urwalds, um ein bisschen Krieg zu spielen und irgendwelche Rebellenheinis hopszunehmen. Doch nach Erfüllung des Auftrags beginnt ein außerirdischer Super-Killer das Söldner-Kommando zu dezimieren, bis nur noch der österreichische Anabolikafreund übrig ist, um dem Eindringling Paroli zu bieten. Der Mix aus Action und Science-Fiction ist inhaltlich zwar reichlich krude, besticht aber durch dichte Atmosphäre und einen gekonnten Spannungsaufbau.

ROBOWAR hingegen tut das nicht. Krude ist er trotzdem.            

Inhalt:

Ein Colonel, der nach dieser Einleitung nie wieder vorkommt, liefert dem Militärfuzzi Mascher eine kleine private Diashow.

„Hier sehen Sie Corporal Neal Corey, Waffenexperte. Ein Mann wie aus Stahl.“

Ein Mann wie aus Stuhl.


„Private Larry Garino, ein exzellenter Fährtensucher. Genannt: Didi. Oder Didi Bob.“

Hoppla, falsches Didi-Dia erwischt! Höhöhöhö ...

*tscha-kluk*

So, nun aber ...


Didi Bob sucht seine Fährte.


„Albert Bray, er war Stabsarzt in Vietnam. Genannt: Papa Doc.“

Eine echte Pfeife.


„Sonny Peel, eine menschliche Kampfmaschine. Wird Blood genannt.“

Wird Blood genannt. Ist aber Blöd.


„Nung-Quo, der beste Späher weit und breit. Er nennt sich Quang. Er hat einen sechsten Sinn, der ihn vor Gefahren warnt.“

Warum hat ihn sein Sinn nicht davor gewarnt, sich Quang zu nennen?


„Und hier der Kopf der Truppe: Major Murphy Black. Ein Offizer, der sämtliche Tapferkeitsorden verliehen bekam.“

Und die hat er offenbar alle unterm Barett versteckt.

Kaum ist die kleine Vorstellungsrunde vorbei, krauchen die sechs knallharten Knallchargen mit den verkniffenen Verstopfungsmienen auch schon durchs dichteste Dickicht, den etwas unkoordinierten und unstet umherwandernden Blicken nach zu urteilen allerdings reichlich planlos und generell auch ohne rechte Ahnung, wie eigentlich ihr Auftrag lautet. Nur der zwielichtige Mascher, der sich der von ihm rekrutierten Söldnertruppe ebenfalls angeschlossen hat, weiß, was Sache ist: Ein von der Armee mit heißer Nadel zusammengelöteter Kampfroboter namens Omega One läuft Amok durch den Busch und ballert nicht nur den Feind, sondern auch die eigenen Leute über den Haufen. Immer wieder finden die Männer unterwegs skelettierte Leichen, deren Herkunft sie sich nicht erklären können – Opfer von Omega One. Dann beginnt auch innerhalb der eigenen Reihen das Sterben: Der Schrott-Bot bläst zum Angriff und killt das Kollektiv Mann für Mann. Gibt es einen Ausweg?

Kritik:

Den außerirdischen Krieger aus der Vorlage hat man also gegen einen wildgewordenen Blechkameraden ersetzt, dem nicht nur ein paar Schaltkreise durchgeschmort sind, sondern der offenbar auch eine waschechte Persönlichkeitsstörung entwickelt hat. Bereits der Vorspann enthüllt: Das Teil parliert fortwährend mit sich selbst und gibt sich eigenmächtig Befehle, die es dann umgehend bestätigt und ausführt:

„Höchste Bereitschaftsstufe einschalten! Zu Befehl! Feinde anpeilen! Zu Befehl! Gefecht vorbereiten! Zu Befehl! Feinde ohne Ausnahme vernichten! Zu Befehl!“

Allerdings scheinen beim Bau noch so einige andere Dinge schiefgelaufen zu sein. Wie die subjektive Sicht der Killermaschine, die dem Publikum hin und wieder mal gewährt wird, verrät, sieht sie nämlich alles nur extrem verpixelt, was bei einem auf Treffsicherheit getrimmten Kampfroboter ja nun maximal suboptimal ist. Bei dem Wahrnehmungsvermögen müsste das Teil eigentlich ständig gegen Bäume laufen. Trotzdem holt es bereits zum Auftakt einen Heli vom Himmel und macht auch ansonsten ziemlich viel Rabatz. Die Wahl der Waffen variiert dabei stark und erscheint nicht immer ganz schlüssig: Mal feuert das Ding rücksichtlos aus allen Rohren, mal schleudert es lediglich Messer durch die Gegend oder fährt – Inspektor Gadget lässt grüßen! – kilometerlange Greifarme aus, um seine Beute pfiffig aus der Botanik zu pflücken. Wie diverse Leichenfunde nahelegen, häutet es seine Opfer manchmal auch, während von anderen sogar nur noch blitzeblanke Gerippe übrigbleiben, was nun so gar keinen rechten Sinn mehr ergibt. Hat Kollege Klapperkiste seinen Kontrahenten da am Ende etwa in heißhungriger Leidenschaft das Fleisch vom Knochen geknabbert?

Sehr wenig Leidenschaft floss hingegen in das Design des amoklaufenden Antagonisten: Der in Deutschland Roboman getaufe Rüpel-Bot ist einfach nur ein stinknormaler Typ mit Motorrad-Helm und entsprechenden Lederklamotten, auf die ein paar unsinnige Verzierungen gepappt wurden. Futuristisch wirkt das nicht für fünf Pfennig. Eher wie frisch aus dem Altkleider-Sack gezogen. Gewagt geriet auch das Outfit von Reb Brown [→ EINER GEGEN DAS IMPERIUM], der hier als Anführer der Söldnertruppe die Rolle übernimmt, die in der Vorlage Arnold Schwarzenegger innehatte. Der geht bei seinem ersten Auftritt nämlich in hautenger hellblauer Aerobic-Kluft an Land, gerade so, als habe man ihn für den Auftrag unmittelbar vom Tuntenball abkommandiert. Zum Glück tauscht er die kühne Klamotte später gegen etwas Dschungeltauglicheres ein – wobei eine Entscheidungsschlacht mit nem Helden im Polyester-Outfit natürlich schon einen gewissen Reiz gehabt hätte. Denn dass der von Brown verkörperte Murphy Black dem freidrehenden Kurzschluss-Kalle final als Endgegner gegenübertreten wird, ist in Anbetracht der hier abgefeuerten Klischeekanone so sicher wie das Amen in der Kirche.

Bis es soweit ist, passiert allerdings erst einmal jede Menge Garnichts. Die Story reicht nämlich vorn und hinten nicht aus, um 90 Minuten füllen. Das versucht man in erster Linie dadurch zu kaschieren, dass man die Gurkentruppe ellenlange Spaziergänge durch den Dschungel unternehmen lässt – stets von aufwühlendem Soundtrack und konzentriertem Mienenspiel begleitet, um Spannung zu suggerieren, wo schlichtweg keine ist. Zwar passierte strenggenommen auch beim PREDATOR gar nicht großartig mehr. Aber dort sorgten gekonnte Inszenierung und geschickte Dramaturgie dafür, dass der Trip trotzdem ausreichend Spannung erzeugte. Hier hingegen latschen lebendig gewordene Pappaufsteller durch den Busch, quatschen dummes Zeug in Dauerschleife („Drogensüchtig und verrückt – ich wette, dass die zwei Aids haben.“) und versuchen verzweifelt, dabei irgendwie Zeit zu schinden. Zwischendurch tappt einer der Experten wenigstens mal in eine Bärenfalle – aber das haut nun auch niemanden langanhaltend vom Schlitten.

Weil selbst Mattei und Fragasso klar war, dass ein Actionfilm auch ein bisschen Action braucht, wird irgendwie noch eine randalierende Rebellentruppe in die fade Robosuppe gerührt – und die gehört, da sind sich die hauptrollenden Helden schnell einig, ausgelöscht. Immerhin müssen sie versteckt mit ansehen, wie die garstigen Guerillas eine fliehende Geisel auf offener Straße exekutieren. Eingegriffen wird aber erst, als der weiblichen Gefangenen das gleiche Schicksal blüht – der hässliche Typ davor durfte ruhig ins Gras beißen. „Ich sie töten“, droht der Unhold den Befreiern, die Frau bereits mit der Knarre kitzelnd, und aufgrund des schlecht imitierten Fantasieakzents klingt es wie: „Ich seh Titten.“ Schön für ihn! Ist dann allerdings auch das letzte, was er sieht. Denn „Waffenexperte“ Neal Corey (das ist der, der wie aus Stahl ist) leert übertriebenerweise gleich ein ganzes Magazin in den Mann. Darum ist er ja auch Experte. Wer diese Aufständischen überhaupt sind, woher sie kommen und was sie wollen, das sind Fragen, für die interessiert sich hier keiner. Fest steht nur, dass sie böse sind. Als Murphy und seine Mannschaft die spanische Mission, in der sie hausen, dem Erdboden gleichmachen, gleicht das einem feucht-fröhlichen Jagdausflug hirnfreier Hinterwäldler, bei dem der Feind, der bereitwillig ins Feuer läuft, mit rassistischen Schimpfwörtern und launigen Sprüchen wie „Nur nicht so schnell – einer nach dem anderen“ ins Jenseits befördert wird.

Aufregend ist auch das nicht. Mattei und Team gelingt es an keiner Stelle, dem Geschehen irgendeine Form von Dynamik einzuhauchen. Das gilt für die Action ebenso wie für den Rest. Denn auch die permanente Bedrohung durch den synthetischen Krieger überträgt sich keine Sekunde lang aufs Publikum. Zum einen wirkt der Gegner, im Gegensatz zum Vorbild Predator, niemals wirklich unbezwingbar, sondern eben nur wie ein bewaffneter Motorradfahrer, dem man zur Not mit einem kernigen rechten Haken das Licht auspusten könnte. Und zum anderen ist einem die Truppe schlichtweg egal. Dabei sind die Darsteller eigentlich sogar recht gut besetzt – zumindest optisch. Jedes Figurenklischee wurde mit einem passenden Gesicht versehen. Tatsächliches Talent war da wohl eher zweitrangig. Allerdings dürfte es auch ziemlich schwierig sein, gegen die Albernheiten, die das Skript bereithält, darstellerisch zu bestehen. Da muss John P. Dulaney [→ SABATA KEHRT ZURÜCK], alias „Papa Doc“, schon mal rudernden Armes so tun, als würde er von irgendetwas unter Wasser gezogen. Schön ist auch der Moment, in dem der Roboman seinen (offenbar kilometerlangen) Arm heimlich über den Dschungelboden gleiten lässt, um einen der Männer zu schnappen und „abzuschleppen“. Sein Kamerad sieht das zwar. Aber anstatt Alarm zu schlagen, fragt er nur ganz verdutzt: „Was ist denn das an deinem Bein?“ Oder der Augenblick, in dem die Laufburschen ein in der Landschaft liegendes Leichenteil finden und jemand kommentiert das mit: „Das ist ja ein Arm.“ Mensch, danke für die Info!

Ansonsten verärgern die überwiegend unlogischen Verhaltensweisen aller Beteiligten. Da trägt der verräterische Auftraggeber Mascher, der sich als Erfinder des Roboters entpuppt, ein klobiges Gerät mit sich herum, das den Feind offenbar über „elektromagnetische Impulse“ kontrollieren kann. Als Quang (der mit dem sechsten Sinn, der ihn vor Gefahren warnt) das bemerkt, wirft er das Ding, ohne zu wissen, was das eigentlich ist und kann, einfach in den Fluss und meint: „Jetzt bist du so schwach wie wir“. Dass er hier womöglich gerade die Lösung aller ihrer Probleme in den Wassermassen versenkt hat, kommt ihm offenbar nicht in den Sinn. Nicht einmal in den sechsten. Allerdings trägt Mascher noch einen weiteren Apparillo mit sich spazieren, mit dem man den Roborolf sogar ganz simpel per Knopfdruck vernichten könnte. Das funktioniert aber leider nur, wenn man ihm direkt gegenüber steht und „mit der Frequenz direkt zwischen die Augen“ trifft. Wie ungemein praktisch erdacht und entworfen! Hoffentlich sind auch Batterien drin. Der Showdown versucht dann sogar noch, eine emotionale Komponente ins Spiel zu bringen, was eventuell sogar funktioniert hätte, würde Reb Brown nicht jede Nuance komplett vergeigen.

Nein, ROBOWAR ist nicht wirklich gut. Und auch die Synchronisation, die lahmen Enten wie diesen ja oft noch etwas Feuer unterm Hintern machen konnte, schickt sich nicht an, an der gegebenen Situation etwas ändern zu wollen. Allerdings ist die Nummer in ihrer Gesamtheit nun auch wieder nicht so unterirdisch, dass man sich darüber über Gebühr amüsieren könnte. Immerhin sieht hier alles tatsächlich nach Film aus, nicht nach Amateurkrams. Der PREDATOR-Look wurde meist ziemlich gut getroffen, der philippinische Dschungel sorgt für stimmungsvolles Ambiente und ein paar der Maskeneffekte sind richtig schön eklig. Positiv anzumerken ist auch der Synthie-Soundtrack, der speziell im Vorspann richtig gut reinhaut.

Empfehlung? Ja. Aber auch nein.

Laufzeit: 91 Min. / Freigabe: ungeprüft