Montag, 28. Oktober 2013

ROBO VAMPIRE

[HK][1988]

Regie: Godfrey Ho
Darsteller: Robin Mackay, Nian Watts, Harry Miles, Joe Browne, Nick Norman, George Tripos, David Borg, Diana Byrne, Alan Drury, Sun Chien, Chiang Tao, Sorapong Chatree

Liest der Trashfreund irgendwo den Namen Godfrey Ho, dann fängt die Pumpe an zu rasen. Der 1948 in Hongkong als Chi Kueng Ho geborene Regisseur lässt sich allerhöchstens mit einem Augenzwinkern als ein solcher bezeichnen und setzte seine Berufsbezeichnung auf offiziellen Papieren hoffentlich regelmäßig in Anführungszeichen. Denn Ho führte nicht nur Regie, sondern das Publikum auch wiederkehrend an der Nase herum: Anstatt tatsächlich Geld für aufwändige Action auszugeben, erwarb der findige Geschäftsmann für nen Appel und'n Ei lieber billige Ausschussware vorzugsweise niemals fertiggestellter Billigfilmchen und schnitt das Material mehrerer dieser Knallschoten mehr schlecht als recht ineinander (vollkommen egal, ob das nun passte oder nicht). Um zumindest im Ansatz den Anschein zu erwecken, diese Handlungsmomentaufnahmen hätten tatsächlich auch etwas miteinander zu tun, drehte er dann meist auf Amateurfilmniveau, ohne jeden finanziellen Aufwand und mit grauenhaften Laiendarstellern ein paar Zwischensequenzen, die als vermeintliche Bindeglieder agieren und einen Zusammenhang suggerieren sollten. Sollte es danach immer noch nicht so recht harmonisieren, wird per neu arrangierter Nachsynchronisation dem originalen Wortlaut der Sequenzen einfach ein neuer Sinn gegeben – was nicht passt, wird passend gemacht!

Sinnlos zu erwähnen, dass das, was dabei am Ende herauskam, trotzdem in keinerlei Einklang steht und sich das Niveau bei all der Herumdoktorei schon längst in Richtung Grasnarbe verabschiedet hat. Andererseits war es Ho natürlich auch niemals daran gelegen, die Oscar-Verleihung zu entern, sondern lediglich daran, leicht verkäufliches Videofutter abzuliefern. Und auf dieser Schiene fuhr er jahrelang so gut, dass seine zusammengestümperten Produkte schon bald ganze Lagerhallen füllten. Für Ottonormalvergucker ist das natürlich nichts – für Trashfans hingegen ein kleines Paradies.

ROBO VAMPIRE reiht sich nahtlos ein in diesen Ausschuss und besitzt höchstens entfernt Ähnlichkeit mit einem Film. Die Handlung zu beschreiben, das fällt schwer - hier ein Versuch:

Eine skrupellose Gangsterbande gerät eines Tages in eine Schießerei mit ein paar Drogenfahndern, wobei mehrere der bösen Buben ins Gras beißen. Ihr Anführer (wie es sich für einen Big Boss ziemt natürlich ganz stilecht mit dicker Pornobrille) ist aufgrund solch unbeglückender Ereignisse doch arg erzürnt, hat aber eine sehr naheliegende Idee:

Boss:
„Wir müssen einen Weg finden, wie wir uns diesen Anti-Drogen-Agenten vom Hals schaffen.“
Handlanger (mit totaler Idiotenstimme): „Boss, wie sollen wir das machen?“
Boss:
„Ich habe Kontakt zu einem Taoisten. Der richtet Vampire ab, die dann für ihn arbeiten.“

So etwas lässt natürlich aufhorchen. Des Bosses narrensicherer Plan: Die abgerichteten Vampire des Dr. Fu Man Chu (oder wie immer der heißt) sollen ihm beim Drogenschmuggel helfen. So befiehlt er seinen Untergebenen, den Vampirflüsterer aufzusuchen. Unverzüglich stolpern die beiden los, ohne auch nur ein einziges Mal nach dem Weg fragen zu müssen. Kaum am Ziel angekommen, hat der alte Blutsaugerbändiger auch sogleich eine sehr frohe Botschaft im Gepäck und verkündet mit stolzgeschwellter Brust:


Mein Vampir-Experiment ist gelungen. Kommt her, und überzeugt euch selbst von diesem gelungenen Experiment!“ (Ja, die Dialoge sind hier wahrlich ausgefeilt.)

Nun werden die beiden Ganoven mit staunend aufgerissenen Glubschaugen Zeuge, wie der alte Meister tatsächlich einen Aushilfs-Dracula heraufbeschwört, welcher allerdings eine Gorillamaske trägt (warum auch immer, vielleicht ist in Siebenbürgen ja gerade Karneval). Doch damit nicht genug der Merkwürdigkeiten: Aus heiterem Himmel, und ohne dass man sie dafür extra heraufbeschwören musste, taucht auch noch eine geheimnisvolle Geisterfrau auf, welche sich schnell als Schwester des King-Kong-Vampirs zu erkennen gibt. Als eben diese zögert sie nicht lang und stellt unverblümt die Gretchenfrage: 

„Wie kannst du es wagen, den Leichnam meines Bruders zu einem Vampir umzufunktionieren und aus ihm einen lebenden Toten zu machen? Wer gibt dir das Recht, über Leben und Tod zu entscheiden?“

Meister Tao kontert sogleich sehr geschickt: 
„Aber er kam aus dem Osten. Du nicht.“

Das ist natürlich eine tolle Antwort, die allerdings so rein gar nichts mit der Frage zu tun hat. Dementsprechend gibt sich die geisterhafte Dame auch ziemlich unüberzeugt und deutet an, mit der Gesamtsituation sehr unzufrieden zu sein. Nach dem Tode ihres Bruders wollte sie mit ihm vereint sein, was jetzt halt nicht mehr geht, da er ja nun ein Vampir mit Gorillamaske ist. Nach kurzem Handgemenge willigt der Tao-Mann schließlich ein, beide Parteien eines Tages zu vereinen, allerdings erst, nachdem beide für ihn gearbeitet haben. Verwirrend? Merkwürdig? Unverständlich? Gewiss! Ist aber auch völlig egal, spielt später sowieso keine Rolle mehr.

Vampir-Kong darf schon bald zeigen, was alles in ihm steckt, und tötet einen Mitarbeiter des Anti-Drogen-Kommandos. Aber Glück im Unglück für die gute Seite: Ein Wissenschaftler hat kürzlich ROBOCOP im Fernsehen gesehen und weiß nun, wie man aus toten Polizisten astreine Kampfroboter zusammenpfriemelt (als er sich während der Arbeit an selbigem plötzlich eine Wunderkerze ansteckt, wähnt man sich zwar zunächst in feucht-fröhlicher Jahreswechselfeierlichkeit, tatsächlich jedoch soll die Kerze lediglich ein Schweißgerät darstellen [Wunderkerzen als Schweißgeräte gab es übrigens auch schon bei der AUGSBURGER PUPPENKISTE, die Idee ist also schamlos geklaut]).

Wunderkerze hin, Puppenkiste her, das Ergebnis ist überaus beeindruckend: Im schmucken Alufolien-Ganzkörperkondom, mit Pisspott auf'm Kopp und hinten drangeklebter Antenne von Opas altem Kofferradio, sorgt Blechbulle nun dafür, dass sich jeder Verbrecher, der das große Pech hat, ihm über den Weg zu laufen, totlachen muss. Folgend stakst Robi nun völlig plan- und ziellos durch Feld, Wald und Wiese oder veranstaltet lange und ausgiebige Strandspaziergänge, da sich die meisten Gewaltverbrechen bekanntlich in schaumbenetzten Dünen abspielen.


Und als wäre das alles nicht bereits genug Tumult, wird nebenbei auch noch die Mitarbeiterin einer Anti-Drogen-Einheit (soll zwar die bereits erwähnte sein, hat aber eindeutig nichts mit ihr zu tun) vom Drogenboss Mr. Young entführt und auf solch grausame Weise gefoltert, dass selbst Jigsaw blass werden würde: Auf einen Stuhl gefesselt muss sie herunterfallende Wassertropfen ertragen. Zwar kommt höchstens alle zwei Minuten mal einer, dennoch schreit die arme Frau so verzweifelt, als zwänge man sie, die Handlung zu erklären. 

Ray, ein offenbar stahlharter Einzelkämpfer (auch, wenn er nun gar nicht danach aussieht), wird von höchster Stelle (also vermutlich von irgendjemandem, der in einem Baumhaus sitzt) damit beauftragt, die Dame wieder rauszuhauen. 

„Du bist der Einzige, Ray, der es mit diesem verfluchten Young aufnehmen kann. Young ist ein verdammt harter Kotzbrocken!“

Interessanterweise ist es der Regierung zwar möglich, für diese Aktion mal eben 30 000 Dollar aus dem Ärmel zu schütteln, als Büro jedoch kann sie sich lediglich eine lausige Rumpelkammer leisten (könnte natürlich auch ne geschickte Tarnung sein). Nach einer Extra-Dosis endlosen Herumlatschens, sowie diverser Vampir- und Gangster-Attacken, landet man plötzlich wieder bei Robobulle, der sich allerdings aus heiterem Himmel nicht mehr an der Küste, sondern mitten in der (wenn auch menschenleeren) Großstadt befindet. Es kommt zum grausamen Kampf Blechbüchse gegen Vampir-Gorilla.

 
Das war zwar ein Versuch, die sich auf geradezu schwindelerregende Weise jeder Struktur verweigernden Ereignisse zusammenzufassen, doch worum es hier eigentlich geht, bleibt weiterhin unklar. Jedenfalls konträr zum Titel nicht um Robo-Vampire, davon gibt es hier nämlich keine. Dafür allerdings Robo-Polizisten und Vampir-Gorillas, die sich allerdings eher wie Zombies benehmen. Doch ob Robo, Vampir, Gorilla, Zombie oder Geist - für die Handlung, falls man sie so nennen möchte, spielt das ohnehin keine Rolle. 

ROBO VAMPIRE ist ein Krüppel von einem Film. Keine Szene passt irgendwie zur anderen. Sollte hingegen doch mal die Gefahr bestehen, die Story könnte zu stringent oder gar verständlich werden, kommt wieder ein brutaler Schnitt und man befindet sich erneut an einen anderen Ort mit völlig neuen Protagonisten, die ganz neue unverständliche Dinge tun und sagen. Leute stellen sich mit Namen vor und verschwinden danach auf Nimmerwiedersehen, weder gibt es Bezugspersonen, noch einen auch nur minimalen Spannungsbogen. Die Synchronisationsfritzen der deutschen Fassung verstanden offenbar auch nicht mehr, worum es überhaupt ging (kann man ihnen nicht verübeln), und quatschten einfach irgendetwas drauflos (und zwar ungefähr mit der Leidenschaft einer Trauerrede). 

Die Darsteller sind offenbar direkt aus der nächstbesten Kneipe gecastet, stehen stellenweise in der Gegend rum, als hätte sie das Dilirium ereilt. Alle hirnverbrannten Dialoge aufzuzählen, würde ganze Bände füllen. Als Beispiel sei daher lediglich das Zitat gebracht, welches fällt, nachdem der Aluboter in die Luft gejagt wurde. Sein Erbauer folgert scharfsinnig den Grund für dessen anschließende Funktionsuntüchtigkeit:

Ich befürchte, er hat einen Kurzschluss.“

Sehr guter Gedanke! Könnte aber natürlich auch damit zusammenhängen, dass er gerade eben explodiert ist.


Dazu gibt es als Sahnehäubchen noch ein paar Szenen zu bestaunen, die man eigentlich gar nicht für möglich gehalten hätte und hauptsächlich die hochlachhafte ROBOCOP-Kopie betreffen: So muss sich Schrott-Bot am Strand mit ein paar Vampiren herumplagen, die, wie es sich für chinesische Vampire gehört, wild um ihn herumhüpfen, was im Endeffekt aussieht, als versuche er verzweifelt, einen Sack Flöhe zu hüten. Doch auch die atemberaubende Verfolgungsjagd gegen Ende sollte unbedingt Erwähnung finden: Da hopst der Vampiraffe ohne jedes Tempo eine menschenleere Straße entlang, während Hartz-4-Robo gemütlich hinterherschlendert – fehlen nur noch die Radfahrer im Hintergrund, welche die beiden klingelnd überholen. 

 
Kurzum: Godfrey Ho macht seinem Ruf hier mal wieder alle Ehre. Das Müllometer schlägt Purzelbäume und Trashfans fliegt der Draht aus dem Hut. Alle anderen werden nicht mal den Vorspann überstehen. Immerhin: Besser als TWILIGHT.  

Laufzeit: 90 Min. 

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