Donnerstag, 26. Juli 2012

TÖDLICHE SPIELE

[SISTERS OF DEATH][USA][1977]

Regie: Joseph Mazzuca
Darsteller: Arthur Franz, Claudia Jennings,  Cheri Howell, Sherry Boucher, Paul Carr, Sherry Alberoni, Roxanne Albee, Elizabeth Bergen

Bei dem Initiationsritus für eine weibliche Studentenverbindung, der "Schwesten", müssen sich die Anwärterinnen einer ungewöhnlichen Mutprobe stellen: ihnen wird eine mit einer einzigen Kugel geladene Pistole an den Kopf gehalten und abgedrückt. Eigentlich sollte es sich jedes Mal um eine Platzpatrone handeln, doch bei Liz Clybourn (Elizabeth Bergen) enthält die Waffe plötzlich scharfe Munition, und das Gehirn der jungen Frau fliegt ihren schockierten Mitschwestern um die Ohren. Sieben Jahre später, der Zwischenfall ist als tragischer Unfall zu den Akten gelegt und die Studentenverbindung hat sich aufgelöst, erhalten die fünf ehemaligen Schwestern eine Einladung zu einer Reunion-Feier. Jede im Glauben, eine der anderen vier habe das Treffen organisiert, treffen sich die Frauen vor einem Motel, wo sie von zwei dafür bezahlten männlichen Helfern abgeholt und zu einer abgelegenen Hacienda gebracht werden. In der ersten Nacht wird noch fröhlich gefeiert, doch am nächsten Morgen stellt sich heraus, dass der Gastgeber des Wiedersehens nicht eine der Schwestern selbst, sondern Lizs Vater Edmond Clybourn (Arthur Franz) ist, der fest daran glaubt, dass der Tod seiner Tochter kein Unfall, sondern kaltblütiger Mord war und eine der fünf Frauen die Mörderin ist. Und der verbitterte alte Mann will Rache an der Schuldigen...

SISTERS OF DEATH ist ein recht unausgegorener Thriller, der vor allem an seinem löcherigen Drehbuch krankt. Die Figuren verhalten sich zum Teil reichlich unlogisch und naiv. Zudem sollte man meinen, dass ein Vater, der die Mörderin seiner Tochter überführen will, einen konkreten Plan dafür hat, wie er dies anstellen will. Edmond Clybourn hat offensichtlich keinen. Jedenfalls keinen nachvollziehbaren. Denn nachdem er die fünf Frauen auf seine Hacienda gelockt, dort festgesetzt und ihnen sein Vorhaben eröffnet hat, bleibt er vollkommen untätig. Sein Plan besteht nämlich allen Ernstes darin, dass die Schuldige sich selbst überführen wird, indem sie aus reiner Panik ihre vier Gefährtinnen umbringt. Warum sie das tun sollte, weiß der Himmel, denn irgendwelche Hinweise auf die Schuldige gibt es nicht, so dass sich eigentlich sämtliche Verdächtige in Sicherheit wiegen können. Aber das Vorhaben geht tatsächlich auf. Noch bevor der zweite Morgen graut, haben zwei der Schwestern auf mysteriöse Weise ihr Leben ausgehaucht. Leider resultiert aus der Passivität des Rächers aber auch ein gähnendes Spannungsloch im Mittelteil. Denn nach der Offenbarung über den eigentlichen Anlass der Reunion erwartet man als Zuschauer eigentlich, dass der Plot nun richtig Fahrt aufnimmt. Stattdessen harren sämtliche Protagonisten der Dinge, die da kommen werden und ergehen sich ebenfalls in untätigem Abwarten. Selbst, als die erste Leiche auftaucht, bleiben die Bemühungen der Ladies, das von einem Starkstromzaun eingegrenzte Gelände zu verlassen, reichlich unmotiviert. Erst nach der zweiten Leiche kommt der Film kurz vor Schluss dann doch noch etwas in die Gänge, ergeht sich dann aber in so sinnlosen Handlungssträngen wie der Konstruktion eines SOS-Zeichens für evtl. vorbeifliegende Flugzeuge aus lächerlichen 50 cm (!) hohen Buchstaben, die man aus dem "WELCOME TO THE SISTERS"-Transparent am Buffettisch ausgeschnitten hat. Am Ende schlägt der Film dann bei der Auflösung mehrere Haken, von denen aber bis auf den letzten alle dermaßen unlogisch sind, dass es dem Zuschauer völlig klar ist, dass sie nicht die endgültige Pointe der Geschichte sein können.

Inszenatorisch gibt sich das Werk reichlich behäbig. Tempo ist Joseph Mazzucas Sache nicht. Er will wohl eher Atmosphäre und  Spannung erzeugen. Das klappt angesichts oben beschriebener Mängel allerdings so gut wie gar nicht. Der 1922 geborene und 2002 verstorbene Mazzuca hat in seiner Filmographie auch nur eine übersichtliche Zahl von Regiejobs. Vorwiegend für TV-Produktionen. Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er als Production Manager für unzählige TV-Serien.

Die darstellerischen Leistungen sind ebenso unbeeindruckend wie der ganze Rest. Wie Mazzuca verdienten die Schauspieler ihr Brot vorher und hinterher fast durchgehend im Fernsehen. Hauptdarsteller Arthur Franz hatte in den 1970ern seine besten Zeiten längst hinter sich. Spielte er in den 50er Jahren noch in einigen B-Filmen mit, darunter dem Original INVADERS FROM MARS, bestand sein weiteres Schaffen aus Gastrollen in Fernsehserien. Obwohl erst 2006 im Alter von immerhin 86 Jahren verstorben, zog er sich bereits 1982 aus dem Filmgeschäft zurück. Ex-Playmate Claudia Jennings wirkte 1977 noch in einer kleinen Nebenrolle in THE MAN WHO FELL TO EARTH mit David Bowie mit. Es sollte allerdings dann doch nicht der Beginn einer größeren Karriere sein. Jennings starb 1979 bei einem Verkehrsunfall, nachdem sie während der Fahrt am Steuer ihres Wagens eingeschlafen war. Sie wurde nur 29 Jahre alt.

Zusammenfassend muss man leider sagen, dass SISTERS OF DEATH ein Film ist, der nicht fähig ist, seine nette Grundidee zum geschickten Spannungsaufbau zu nutzen, sondern stattdessen ein ums andere Mal die mangelnde Sorgfalt und Naivität seiner Autoren offenbart. Schade drum, denn Potenzial hätte das Ganze in fähigen Händen durchaus gehabt. Dass auch die Macher von ihrem Werk nicht wirklich überzeugt waren, könnte man aus einem interessanten Trivia-Fact schließen, der in der IMDB zu finden ist: Demnach wurde der Film bereits 1972 gedreht, aber erst 1977 veröffentlicht.

In Deutschland gibt es den Film von CMV unter dem Titel DEATH TIME auf DVD. Zur Qualität derselben kann ich nichts sagen. Fakt ist jedoch, dass SISTERS OF DEATH in den USA Public Domain und dort wie üblich nur in übelster Ramschqualität zu haben ist. Davon, dass der Film hierzulande sogar auf dem Index steht, sollte man sich nicht täuschen lassen. Es darf meiner Meinung nach sogar darauf gewettet werden, dass die FSK den Film nach heutigen Maßstäben ab 12 freigeben würde.

Laufzeit: 84 Min.

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