Dienstag, 17. Juli 2012

HARTE FÄUSTE - NAKED FIST

[FIRECRACKER][USA/PHI][1981]

Regie: Cirio H. Santiago
Darsteller: Jillian Kesner, Darby Hinton, Rey Malonzo, Ken Metcalfe, Peter Cooper, Vic Diaz, Carolyn Smith, Don Bell, Tony Ferrer, Omar Camar, Chanda Romero


„She'll blow you away!“

Susanne Carter [Jillian Kesner], eine erprobte Kampfsportlerin, befindet sich auf der Suche nach ihrer unter geheimnisvollen Umständen verschwundenen Schwester. Ihre Spuren führen sie schließlich in den verruchten Nachtclub der Unterweltgröße Rey [Rey Malonzo]. Dieser veranstaltet in seinem Etablissement regelmäßig illegale Martial-Arts-Wettkämpfe auf Leben und Tod. Aufgrund ihrer Kampfkünste gewinnt Susanne quasi im Hand(kanten)umdrehen das Vertrauen von Reys rechter Hand Chuck Donner [Darby Hinton], von dessen verbrecherischen Umtrieben sie jedoch noch nichts ahnt. Schon bald verliebt sie sich in Chuck. Doch Rey will die lästige Dame loswerden und gibt den Befehl zur Liquidierung.

Wenn in den 70er und 80er Jahren irgendwo der Name Cirio H. Santiago draufstand, dann wusste man in der Regel bereits vor dem Vorspann, was einen in den folgenden 80 bis 90 Minuten erwartete: Sex, Gewalt und gute Laune! Der philippinische Fließbandregisseur war bekannt dafür, mit eilig in seinem Heimatland heruntergekurbelten, spekulativen Billigfilmen um die Gunst des Publikums zu werben. Dabei wurde natürlich auf Nummer sicher gegangen und vor allem an die niederen Triebe appelliert, um möglichst viele Geldbeutel zu öffnen. Arm an Ideen, doch dafür reich an Krawall, waren seine schmalbudgetierten Reißer allerdings auch immer noch versiert genug in Szene gesetzt, um sich nicht in das hinterletzte Ramschregal verkriechen zu müssen. Denn: Billig hin, billig her, Santiago verstand sein Handwerk und lieferte kompetent gefertigten Budenzauber mit einigem Unterhaltungswert.

HARTE FÄUSTE reiht sich nicht nur nahtlos in diesen Output ein, sondern ist geradezu ein Paradebeispiel dafür, wie der Regisseur es schaffte, aus einem Minimum an Aufwand und Innovation ein Maximum an Filmvergnügen herauszukitzeln. Dabei machte er es sich in diesem Fall sogar ganz besonders einfach und verfilmte, anstatt sich zwecks Handlung unnötig das liebe Hirn zu zermartern, kurzerhand das Drehbuch seines bereits sechs Jahre zuvor entstandenen Blaxploitation-Knallers TNT JACKSON noch einmal neu, da er vermutlich der Ansicht war, dieses kleine Sparmanöver würde ohnehin niemand bemerken oder, falls doch, wäre es dem Betrachter einfach schnurzpiepe, solang es einfach nur ordentlich rummst und anständig die Fetzen fliegen.

So begibt sich anstelle der dunkelhäutigen Prügeltante Jeannie Bell nun einfach ihre hellhäutige Kollegin Jillian Kesner auf die Suche nach ihrer verschollenen Verwandtschaft und bekommt es dabei mit einem ganzen Bau voll finsterer Gesellen zu tun, denen sie nun nachfolgend und mit durchschlagendem Erfolg die sündigen Hinterteile perforieren darf. Gottlob ist die holde Dame dabei nicht nur äußerst schlagkräftig, sondern zudem auch noch ein waschechter Hingucker, so dass die vergnügliche Fellgerberei manch aparte Attraktion für's geifernde Auge bietet: So werden der guten Susanne während eines Kampfes nach und nach sämtliche Textilien von Körper gerissen (lediglich das Höschen hat man ihr aus Anstandsgründen gelassen), bevor sie ihren Gegner mit bebender Brust und spitzem Spruch kopfüber in die nächste Kreissäge bugsiert. 'That's Exploitation, Baby!'

Ein weiteres Highlight ist die unentbehrliche Sex-Szene, deren Höhepunkt ganz anders verläuft, als man es zunächst vermuten würde: Da räkelt sich Susanne in aller Seelenruhe auf dem Bettchen, während ihr Gegenüber ihr mittels eines Messers (daher wohl auch der Begriff 'Stecher') nach und nach die Klamotten vom knackigen Leibe pult. Doch kurz vorm Ziel bekommt er von der gerade Entblätterten aus heiterem Himmel und ohne ersichtlichen Grund erstmal tüchtig eine gezimmert, was der romantischen Stimmung natürlich doch etwas abträglich ist. In der nachfolgenden Einstellung liegt der gute Mann zwar dennoch auf ihr drauf, Leidenschaft sieht jedoch auch anders aus - für's Bewegen scheint der Herr nicht bezahlt worden zu sein (ob es damit zusammenhing, dass Darsteller Darby Hinton seinen Gehaltsscheck erst ausgehändigt bekam, nachdem er für Nachdrehs am Set erschien?).

Dafür bewegt sich Jillian Kesner als Susanne Carter um so mehr, was vor allem auf die zahlreichen Kampfszenen zutrifft. Diese sind dann auch sogar ein klein wenig professioneller anzusehen als die Keilereien ihrer Vorgängerin TNT JACKSON. Dabei kommt es abschließend immer mal wieder zu fiesen, kleinen Gewaltspitzen, welche dann u. a. sehr unerfreuliche suppende Blutungen oder zerplatzte Augäpfel zur Folge haben. Selbstverständlich sind diese Verunstaltungen auf Anhieb als Trick zu entlarven und eingefleischten Horrorfans dürften diese Momente nicht mal ein müdes Achselzucken wert sein, doch sorgen solch garstige Gemeinheiten für eine schöne Prise Splattersalz in der Prügelsuppe.

Für den Fall, dass bis hierhin noch Zweifel bestehen sollten: FIRECRACKER (so der viel coolere englische Titel) ist eine saubere B-Film-Bombe, die einem, die nötige Attitüde freilich immer vorausgesetzt, 80 Minuten lang einen sehr angenehmen Zeitvertreib beschehrt. Zur Belustigung trägt dabei natürlich auch abermals, was im Entstehungsjahr selbstredend so nicht beabsichtigt war, die längst überholte Mode seiner Protagonisten bei. So präsentiert HARTE FÄUSTE eine gar illustre Runde garstiger Gesichtsbaustellen, die durch ihren absonderlichen Kleidungsstil noch für zusätzliche Heiterkeit sorgt. Den Vogel schießt dabei eindeutig Darby Hinton als Bösewicht Chuck Donner ab, der hier - vermutlich als Vorbild für Ryan Goslings Skorpion-Jacke in DRIVE – ebenfalls einen ziemlich geilen Kittel durch die Gegend trägt. Nur ist auf seinem Fetzen nicht etwa ein furchteinflößender Skorpion abgebildet, sondern stattdessen ein putziger kleiner Löwe, der aussieht, als hätte ihn ein fünfjähriges Kind aus seinem Malbuch abgepinselt. Na, wenn das kein harter Kerl ist...

Als eher suboptimal erweist sich hingegen der Soundtrack, welcher in ohrenquälender Dauerschleife, zudem noch aus SHOGUN ASSASSIN geklaut, ohne jeden Sinn für Timing aus dem Hintergrund erschallt. Da wünscht man sich glatt nen zünftigen Ohrenklatscher von Miss Kesner, um die Gehörgänge wieder geradezubiegen.

Vielfilmer Cirio H. Santiago wurde schließlich doch noch eine späte Ehre zuteil, als ihm nach seinem Tod im Jahre 2008 von der Philippinischen Filmakademie der Preis für sein Lebenswerk verliehen wurde. Eine sehr erfreuliche Geste, denn obwohl es sich bei seinen Werken gewiss nicht um subtile Filmkunst handelt, sorgen sie doch immer wieder für kurzweiligen Frohsinn und kurbelten aufgrund ihrer kostenschonenden Herstellung und hohen Erfolgsrate zudem ordentlich die Wirtschaft an. Auch FIRECRACKER hält genau das, was er verspricht, und bietet grundsolides Bahnhofskino-Rambazamba ohne großartige Sperenzien, dafür mit ordentlich Dresche, hübschen Damen und schmierigen Kerlen mit Sonnenbrille und Pornobalken. Dass man kackfrech sowohl Story als auch Szenenabfolge von TNT JACKSON übernommen hat, stört dabei nicht mal die Bohne. Faust drauf!

Laufzeit: 78 Min. / FSK: ab 18

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