Eigene Forschungen

Freitag, 25. April 2014

BADGES OF FURY


BU ER SHEN TAN
China 2013

Regie:
Wong Tsz-Ming

Darsteller:
Wen Zhang,
Jet Li,
Michelle Chen,
Liu Shishi,
Liu Yan,
Jacky Wu,
Tong Dawei,
Collin Chou



Inhalt:

Hongkong: Innerhalb kürzester Zeit sterben ein Schauspieler, ein Turmspringer, ein Balletttänzer und ein Immobilienberater auf hochmysteriöse Weise – ohne ersichtlichen Grund, aus heiterem Himmel und mit einem ins Gesicht gemeißelten Lächeln. Die beiden etwas chaotischen Polizisten Wang Bu Er [Wen Zhang] und Huang Feihong [Jet Li] sollen, unter der Leitung ihrer Chefin Angela [Michelle Chen], Licht ins Dunkel bringen. Schon bald finden sie heraus, dass alle Opfer mit der Schauspielerin Liu Jingshui [Liu Schishi] liiert waren. Als Hauptverdächtige gilt jedoch bald ihre attraktive Halbschwester Dai Yiyi [Liu Yan], welche ihr nicht nur jeden einzelnen Mann ausgespannt, sondern diesen kurz vor ihrem Ableben auch noch Lebensversicherungen zu ihren Gunsten aufgeschwatzt hat. Um den Mörder zu entlarven, spielt Wang Bu Er schließlich den Lockvogel und gibt sich als neuer Verlobter Lius aus. Schon nach kurzer Zeit muss auch er um sein Leben fürchten.

Kritik:

BADGES OF FURY – vom deutschen Verleih fast schon unverschämterweise als ‚spannungsgeladener Actionthriller‘ ins Rennen geschickt – ist eine mit jeder Menge rasanter Bewegung gespickte, dabei komplett durchs Dach steigende Nonsenskomödie, die ihre im Kern durchaus interessante Kriminalprämisse lediglich dazu nutzt, einen wüsten Orkan comichaft überzogener Krawall- und Klamaukszenen abzufackeln, die nur mühsam und allzu offensichtlich alibihaft durch notdürftig verbindende Story-Elemente zusammengehalten werden. So atmet Wong Tsz-Mings Regiedebüt auf eine gewisse Art und Weise den Geist des albern-überdrehten – manch einer möchte hier womöglich ausrufen: peinlichen - Hongkong-Kinos der 80er und 90er Jahre, wenn auch durch den damals noch nicht möglichen CGI-Einsatz inbrünstig ins neue Jahrtausend katapultiert. Im poppigen Manga-Stil werden hier pausenlos Possen gerissen, Grimassen geschnitten und nicht zuletzt die Gesetze der Schwerkraft in hyperkinetischen Martial-Arts-Geplänkeln außer Kraft gesetzt, wenn die Kämpfer ohne jede Not kilometerweit durch die Lüfte fliegen.

Doch im beispielhaften Gegensatz zu Stephen Chows zumindest stilistisch ähnlichem KUNG FU HUSTLE (2004) verfehlt BADGES OF FURY sein Ziel des Lacherfolges durch ein überraschend schlechtes Timing der ohnehin nur selten – eigentlich nie! – wirklich komischen Gags, die sich zu allem Überfluss auch nicht für eine bestimmte Richtung entscheiden können. Durchaus gelungene visuelle Spielereien mit attraktivem Cartoon-Charakter (der Schatten der männermordenden Femme Fatale erscheint als Schlangensilhouette an der Wand, Wolken verdichten sich bei drohender Gefahr zu einem Totenschädel) treffen auf banale Typenkomik inklusive schwulen Schotten und stotternden Versicherungsagenten, dazu gesellen sich abgestandene Slapstick-Nummern der Marke 'Sich den Kopf stoßen', 'Durch die Wand brechen' und 'Mit dem Gesicht gegen eine Scheibe klatschen'.

Der Krimi-Plot geht in dieser Ansammlung von Albernheiten mehr als einmal verloren, was immer dann zur Irritation führt, wenn die Fülle an Zoten mal wieder unvermittelt für dramatische, bisweilen sogar melancholische Momente unterbrochen wird, die im krassen Gegensatz stehen zu der generell vorherrschenden Geistlosigkeit. Doch interessiert man sich für die Schicksale der Protagonisten zwischen dem ungenierten Gehampel und Geblödel ebenso wenig wie für die Frage nach dem Täter, auch wenn die finale Auflösung, wenn auch nicht unbedingt bis ins Mark logisch, so doch zumindest ausreichend überraschend daherkommt. In solchen Augenblicken wird erst klar, wie viel Potential hier eigentlich verschwendet wurde, fällt die Konzentration auf die zugrundeliegende Handlung doch von Minute zu Minute schwerer, da man den im Klamauk versinkenden Dialogen und Ereignisketten schließlich nicht mehr die Bedeutung beimisst, die sie zumindest teilweise verdient hätten. Dramaturgisch äußerst ungeschickt setzt zudem der Subplot, dass Wang sich als Verlobter Lius ausgibt (und sich damit dem Mörder als Köder anbietet), viel zu spät ein, um bereits nach kurzer Zeit sang- und klanglos wieder fallengelassen zu werden, obwohl doch gerade diese Idee, so unoriginell sie eigentlich auch ist, für den dringend benötigten frischen Wind und die bis dato vermisste klare Linie hätte sorgen können.

Für anspruchslose Seelen mit Affinität zum überkandidelten Mainstream-Kino Asiens ist das Gebotene dennoch von durchaus brauchbarer Essenz, zumal der wilde Trip in seiner entfesselten Anarchie nicht vollkommen reizlos geriet. Schrille Kostüme und knallige Farben beherrschen das absurde Szenario, das zudem gespickt ist mit Anspielungen auf das Hongkong-Kino moderner und klassischer Tage. So lautet der Rollenname Jet Lis hier nicht zufälligerweise 'Huang Fei Hong', und die dazugehörige Fanfare nebst finaler Kampfszene im altertümlichen Theater verweisen fast schon ein wenig zu penetrant auf Lis größten Leinwanderfolg ONCE UPON A TIME IN CHINA. Neben einer seltsam uninspirierten und gut 15 Jahre zu späten MEN IN BLACK-Referenz fallen augenzwinkernde Bemerkungen über Jackie Chans POLICE STORY-Reihe und Hongkongs Filmgeschäft an sich, während die zahlreichen Gastauftritte (unter anderen vom Lam Suet [→ TRIANGLE], Stephen Fung [→ HOUSE OF FURY] und Jacky Wu [→ KILLZONE]) für Eingeweihte zwar ein paar „Ach, schau an, der/die/das spielt da auch mit!?“-Effekte bergen, an einem Großteil des westlichen Publikums jedoch eher unbemerkt vorbeirauschen dürften.

Jet Li, als prominentester Mitwirkender vom Marketing natürlich publikumswirksam ins Bild gerückt, hat zwar ein paar gelungene Kampfszenen, fiedelt hier jedoch nur auf zweiter Geige. Die eigentliche Show gehört Wen Zhang (welcher mit seinem Co-Star bereits in dem Fantasymärchen DIE LEGENDE DER WEISSEN SCHLANGE vor der Kamera stand) als trotteligem Polizisten, der seine Fälle mehr durch Glück als durch Verstand löst. Besonders in den humorbetonten Szenen wirkt Wen dabei ein wenig überfordert, da es ihm nicht gelingt, deren Möglichkeiten ausreichend auszuschöpfen, was besonders im direkten Zusammenspiel mit seiner Partnerin Michelle Chen auffällt (welche ihr Ziel ebenfalls verfehlt). Die Sequenz, in welcher beide erfolglos das Verhörspiel „Guter Bulle, böser Bulle“ ausprobieren, offenbart in ihrer Witzlosigkeit exemplarisch das Scheitern der Komik BADGES OF FURYs: Die Darsteller spielen brutal aneinander vorbei, die Reaktionen und Dialoge scheinen isoliert voneinander abzulaufen und die ganze Situation verpufft am Ende quasi pointenlos.

So oder so ähnlich fehlt es BADGES OF FURY über die gesamte Laufzeit hinweg erheblich an Rhythmus und Balance. Stattdessen feuert man hier rücksichtslos aus allen Rohren, garniert die Kampfszenen mit zeichentrickartigen Klangeffekten und serviert lieber einen Jux zu viel als zu wenig. Dass mit Corey Yuen [→ TRANSPORTER] ein geachteter Profi für die Martial-Arts-Action zuständig war, sollte man erwähnen, doch verschwindet dessen Talent größtenteils unter massivem Drahtseil- und Rechnereinsatz. Wer weiß, worauf er sich einlässt und nicht jedes Mal nach Perfektion strebt, kann bei dieser hyperaktiven Cop-Comedy im Staccato-Tempo durchaus gute 90 Minuten grellbunten Spaß erleben, ohne dabei ein großartig schlechtes Gewissen haben zu müssen, und Jet-Li-Fans schauen sowieso rein. Den ‚spannungsgeladenen Actionthriller‘ gibt es dann halt das nächste Mal.

Laufzeit: 94 Min. / Freigabe: ab 12

Samstag, 19. April 2014

ARMOUR OF GOD - CHINESE ZODIAC


SHI ER SHENG XIAO
China 2012

Regie:
Jackie Chan

Darsteller:
Jackie Chan,
Zhang Lanxin,
Kwon Sang-Woo,
Liao Fan,
Yao Xingtong,
Laura Weissbecker,
Oliver Platt,
Vincent Sze



Inhalt:

Jackie Chan, genannt 'Der asiatische Falke', befindet sich stets auf der Suche nach verloren geglaubten oder gestohlenen Artefakten. Als er den Auftrag des schwerreichen Kunstsammlers Lawrence Morgan [Oliver Platt] annimmt, zwölf im Krieg geraubte Statuen wiederzubeschaffen, ist das Beginn einer gefährlichen Reise rund um den Globus. Neben seinem Team, bestehend aus Bonnie [Zhang Lanxin], Simon [Kwon Sang-Woo] und David [Liao Fan], begleiten ihn auf seiner Suche schließlich auch die engagierte Archäologin Coco [Yao Xingtong] sowie die französische Großerbin Catherine [Laura Weissbecker], deren Vorfahren einst in den Raub involviert waren. Nach turbulenten Ereignissen zu Lande, zu Wasser und in der Luft trifft man sich schließlich zum Showdown in der unterirdischen Festung von Morgans Sohn Michael [Vincent Sze], wo sich Jackie zunächst dem gegnerischen Schatzsucher Vulture [Alaa Safi] stellen muss.

Kritik:

Jackie Chan ist wohl einer der bekanntesten chinesischen Darsteller der Welt – ein Ruf, den sich der eifrige Kämpfer seit Beginn seiner Leinwandkarriere hart erarbeiten musste. Zunächst hauptsächlich als Statist unterwegs, wurden seine überragenden Kampfkünste schon bald erkannt, weshalb man nach dem plötzlichen Tode von Martial-Arts-Ikone Bruce Lee versuchte, ihn zu dessen Nachfolger heranzuzüchten. Wirklicher Erfolg allerdings stellte sich erst ein, nachdem Chan etwas damals völlig Neues entwickelte und in den folgenden Jahren immer weiter perfektionierte: Seine originelle Kombination aus klassischem Kung Fu á la Bruce Lee und turbulentem Slapstick á la Buster Keaton machte ihn international zum Star, erst in historischen Kostümkloppern wie DRUNKEN MASTER, später dann in modernen Großstadtreißern wie POLICE STORY. Im Laufe der Zeit zementierte Chan immer weiter seinen Status als der Mann, der all seine halsbrecherischen Stunts selbst ausführt und für jeden neuen Film dem Tod ins Auge blickt.

Als eine der beliebtesten von Jackie Chan verkörperten Figuren gilt der ‚Asiatische Falke‘, eine Art chinesischer 'Indiana Bond' mit Gauner-Attitüde, der sich seine Brötchen durch aufwändig geplante und ausgeführte Raubzüge verdient und sich regelmäßig auf weltumspannende Artefakt-Suche begibt. Nach DER RECHTE ARM DER GÖTTER (1986) und MISSION ADLER (1990) ist CHINESE ZODIAC der dritte Teil der ARMOUR OF GOD-Saga, für welchen Chan den populären Charakter nach fast 20 Jahren Pause noch einmal reanimierte. Dieses hatte gewiss mehrere Gründe. Ein nicht unwesentlicher dürfte gewesen sein, dass Chan in gehobenerem Alter viele (vor allem westliche) Fans vergraulte, indem er sich nach der Rückgabe Hongkongs an China wiederholt als Befürworter der kommunistischen Regierung aussprach und seine Filme immer wieder auch als Bühne für entsprechende Propaganda nutzte. Das kostete ihm weltweit viele Sympathien, so dass eine Flucht in vergangene Erfolge als durchaus sinnvoller Schritt erschien.

Freilich war das nicht ohne Risiko, gilt doch gerade MISSION ADLER, der zweite Teil der Reihe und somit unmittelbarer Vorläufer CHINESE ZODIACs, völlig zurecht als einer der besten Jackie-Chan-Filme überhaupt, der wie kaum ein anderer artistische Akrobatik und infantile Albernheiten mit dem Flair des großen Abenteuers kreuzte und es blendend verstand, durch perfekt getimte Situationskomik das Publikumszwerchfell im Minutentakt zur Erschütterung zu bringen. Ein schwieriges Erbe also, das es anzutreten galt. Chan besaß inzwischen so viel Einfluss, dass er es sich nicht nehmen ließ, das ambitionierte Projekt quasi im Alleingang zu stemmen und so ziemlich alle wichtigen und weniger wichtigen Positionen einzunehmen: Hauptrolle sowieso, dazu Drehbuch, Regie, Produktion, Titelsong, Beleuchtung, Art Direction, Unit Production Manager, Catering Coordinator und vermutlich auch Klorollenverteiler.

CHINESE ZODIAC erweist sich letztendlich als durchaus stimmige Fortsetzung, die in Sachen Storytelling und Dramaturgie ganz den bewährten Erfolgsformeln gehorcht. Beginnend mit einer halsbrecherischen Verfolgung im Roller-Blade-Ganzkörperkondom, welche nahtlos an die ähnlich übertriebenen Eröffnungssequenzen der Vorgänger anschließt, erhält Jackie (hier durchgehend pseudocool 'JC' gerufen) von seinem Mentor Jonathan noch während seiner Flucht bereits den nächsten Auftrag. Es folgt eine Jagd zunächst nach diversen Kunstgegenständen, später auch nach einem verschwundenen Schiff durch verschiedene Länder und Kontinente, die in ihrer Mischung aus entfesselter Action und arglosem Geblödel gut 105 Minuten erfrischenden Eskapismus bieten kann. Wo MISSION ADLER allerdings bei gleichem Konzept zu wahren Lachstürmen hinriss, langt es bei CHINESE ZODIAC gerade mal noch zu dem einen oder anderen Schmunzler, zumal die leichtfüßige Fröhlichkeit der Originale hier einen etwas zwanghaft bemühten Eindruck macht.

Dennoch ist es ein Vergnügen, Jackie Chan ein weiteres Mal in seiner klassischen Rolle zu erleben, der hier mit seinen fast 60 Jahren auch immer noch respektabel agil rüberkommt. Und wenn 'JC' und sein Team auf einer exotischen Insel schließlich von einer Handvoll depperter Piraten mit Raketenwerfer und Maschinenpistole überfallen werden, kommen beim Fan gar wohlige Erinnerungen an selige SUPERFIGHTER-Zeiten auf. Dass die Inselszenen zudem offenbar komplett im Studio entstanden sind, unterstreicht noch zusätzlich den kindlich-unbedarften Charakter CHINESE ZODIACs, dem selbst die lausigen CGI-Effekte nichts Gravierendes anhaben können. Ohnehin gab man sich sichtliche Mühe, der Produktion zu einem realitätsfernen Look zu verhelfen, indem man bestimmte Farben massiv übersättigte. Das Ergebnis ist eine der Wirklichkeit entrückte bonbonbunte Comic-Welt, die an das begeisterungsfähige Kind im Manne appelliert.

Fraglos: Die Unschuld vergangener Tage ist ein wenig verloren gegangen, nicht nur, weil all die altmodischen Elemente auf teilweise allzu penetrant ins Bild gerückten High-Tech-Schnickschnack treffen. Jackie Chan wirkt hier ein wenig wie ein chinesischer Otto Waalkes, der es auch im Rentenalter nicht lassen kann, den Pausenclown zu geben und so tut, als wären in der Zwischenzeit lediglich 3 und nicht 30 Jahre vergangen. Was einst frisch und munter wirkte, erscheint mittlerweile wie ein trotziges Aufbäumen gegen den schwelenden Zahn der Zeit. Und trotzdem sieht man ihm gern dabei zu, zumal sich Chan auch deutlich besser gehalten hat als Waalkes und die Kampfchoreographien, wenn auch nicht mehr so zahlreich vorhanden, so doch zumindest einmal mehr exzellent in Szene gesetzt wurden.

Ein wenig überladen wirkt CHINESE ZODIAC aufgrund der zahlreichen Nebenfiguren, die das Szenario bevölkern, zumal ihnen kaum irgendwelche Konturen zugestanden werden. So hat Jackie Chan hier ein Team an seiner Seite, das einem weder vorgestellt wird, noch im weiteren Verlauf Eindruck hinterlassen kann. Für Amüsement hingegen sorgt die weibliche Begleitung, drückt man Chan hier doch getreu der Serie abermals zwei reizende junge Damen aufs Auge, die sich die gesamte Reise über kabbeln und Faxen machen dürfen. Zwar funktioniert das nicht halb so gut wie noch in MISSION ADLER, für eine Extraportion gute Laune sorgt es allerdings trotzdem. Als Bonus gibt es noch zwei minimale Gastauftritte von Shu Qi [→ UNDER CONTROL] und Daniel Wu [→ IN 80 TAGEN UM DIE WELT], während der amerikanische Schauspieler Oliver Platt [→ FLATLINERS] in der Rolle des zwielichtigen Kunstsammlers Morgan für die internationale Note sorgen darf.

Muss sie sich dem übergroßen direkten Vorgänger auch eindeutig geschlagen geben, so befindet sich die späte Wiederbelebung immerhin mit dem noch etwas ungelenken ersten ARMOUR OF GOD-Teil so ziemlich auf Augenhöhe. Zwar geriet das luftige Finale im wahrsten Sinne des Wortes ein wenig zu abgehoben und warum nebenbei auch immer mal wieder die Eheprobleme des Teams eine Rolle spielen müssen, wird wohl auch ein Geheimnis bleiben. Doch Jackie Chan erscheint trotz fortgeschrittenen Alters immer noch unermüdlich hyperaktiv und sorgt mit CHINESE ZODIAC für sympathischen Fan-Service vor und hinter der Kamera. Ein starker Arm der Götter ist das nicht mehr. Aber zumindest noch ein nettes Händeschütteln.

Laufzeit: 105 Min. / Freigabe: ab 12

Freitag, 4. April 2014

MAN OF TAI CHI


MAN OF TAI CHI
USA, China, Hongkong 2013

Regie:
Keanu Reeves

Darsteller:
Tiger Chen Hu,
Keanu Reeves,
Karen Mok,
Simon Yam,
Yue Hoi,
Michael Chan,
Ye Qing,
Iko Uwais



„Warum gewinnst du?“ - „Weil ich besser bin.“


Inhalt:

Chen Lin-Hu [Tiger Hu Chen] lebt in Peking in einfachen Verhältnissen und schlägt sich als Kurierfahrer durch. Seine Leidenschaft gilt der Kampfkunst Tai Chi, welche er regelmäßig im Tempel seines Meisters Yang [Yue Hoi] trainiert. Als er gegen den Willen Yangs an Fernseh-Wettkämpfen teilnimmt, erregt er damit die Aufmerksamkeit des eiskalten Geschäftsmannes Donaka Mark [Keanu Reeves]. Dieser veranstaltet vor wohlsituiertem Publikum brutale Martial-Arts-Kämpfe auf Leben und Tod. Von Unschuld und Bescheidenheit Chens gleichermaßen beeindruckt wie von seiner Kampfkraft, unterbreitet er diesem ein großzügiges finanzielles Angebot - freilich, ohne seine wahren Absichten zu verraten. Chen lehnt zunächst ab. Erst, als der Tempel seines Meisters aufgrund von Sicherheitsmängeln geschlossen werden soll, entschließt er sich, doch für Mark zu kämpfen. Nun beginnt für ihn eine Reise ans Ende der Unschuld und wieder zurück.

Kritik:

Hollywood-Star Keanu Reeves frönte in späteren Jahren, fraglos immer noch von seinem MATRIX-Ruhm und dem guten Klang seines Namens profitierend, seiner Liebe für das fernöstliche Kino und brachte mit 47 RONIN und MAN OF TAI CHI innerhalb kürzester Zeit zwei tief in der asiatischen Kultur verwurzelte Heldenreisen auf die Leinwand, die vom breiten Publikum aufgrund ihrer speziellen Thematik zwar eher ignoriert, von Genrefreunden jedoch überwiegend wohlwollend zur Kenntnis genommen wurden. Und obwohl er auch bei letzterem zunächst nur als Darsteller und Drehbuchberater eingeplant war, übernahm er schließlich, neben der Rolle des Antagonisten, auch noch den Regieposten, was innerhalb seiner Karriere eine Premiere bedeutete.

Bereits die (zumindest im Original vorhandene) Mehrsprachigkeit aus überwiegend Kantonesisch und Mandarin und nur wenig Englisch (was gut und gern als zuschauerunfreundlich gewertet werden darf) macht dabei deutlich, dass es Reeves wenig daran gelegen war, die asiatischen Motive den Gewohnheiten des westlichen Mainstream-Publikums anzupassen, weswegen auch Look und Location lobenswert unangetastet blieben: Der Schauplatz MAN OF TAI CHIs ist China, und seine malerischen Bilder sind ein relativ unverblümter Offenbarungseid einer geradezu schwelgerischen Liebe zum Handlungsort Peking. So erlebt man, während einer wunderbaren Kamerafahrt durch Häuserschluchten und Fensterscheiben, einen ganzen Tag flirrenden Großstadtlebens im Zeitraffer, und selbst der Abspann scheint nur zu existieren, damit ihm eine fast zärtliche verabschiedende Luftaufnahme der Metropole als Hintergrund dienen kann.

Das Drehbuch beschreitet derweil nicht mal im Ansatz neue Wege und betet die in der Vergangenheit bereits unzählige Male durchexerzierte Selbstfindungsgeschichte eines Mannes vom Erliegen der Versuchung über den Verlust der Unschuld bis hin zur gereinigten Wiederauferstehung ohne nennenswerte Variation treuherzig herunter. MAN OF TAI CHI funktioniert daher weniger als klassische Spannungskost, sondern viel mehr als einzige große Metapher, in welcher sich die Kampfkunst über ihre simple Funktion als Instrument körperlicher Auseinandersetzung erhebt und zum Gradmesser für Tugend und Standhaftigkeit wird: Hauptfigur Tiger Chen, hier und dort mal ein wenig aufmüpfig, doch moralisch einwandfrei, kommt vom rechten Wege ab, lässt sich, zunächst aus lauteren Motiven, später aufgrund schnöden Mammons und gekränkter Eitelkeit, von der dunklen Seite einspannen, bevor er seine Verfehlung schließlich erkennen und sich seinen Dämonen stellen darf. Das mag vom Kern her nicht neu sein und in seiner banalen Erkenntnis auch reichlich abgestanden, doch gibt sich die inhaltlich weitestgehend überraschungsfreie Moralparabel im selben Moment dermaßen aufrichtig, so voller Elan und Engagement, dass ihre Formelhaftigkeit so gut wie gar nicht ins Gewicht fällt.

Dass kaum eine Bindung des Publikums an die eher unterkühlt gezeichnete Hauptfigur erfolgt, ist freilich ein eher unschöner Nebeneffekt der Sache, nicht zuletzt deshalb, weil genau dieses Thema im Finale noch eine wichtige Rolle spielen soll. In seiner wohl wichtigsten Funktion macht MAN OF TAI CHI hingegen alles richtig: Die Kampfszenen sind durch die Bank schlicht großartig inszeniert - roh, grob und zeitweilen von geradezu schmerzhafter Brutalität, im selben Moment jedoch auch von purer Schönheit. Yuen Woo-Ping, mit Reeves noch aus seiner MATRIX-Zeit bekannt, sorgte für eine zuverlässig makellose Choreographie und Kameramann Elliot Davis [→ OUT OF SIGHT] lieferte die effektiven Bilder dazu. Wenn Tiger Chen sich, vor sich kultiviert gebendem Publikum in schickem Ambiente, einen ungleichen Überraschungskampf gegen gleich zwei rücksichtslose Gegner liefern muss, dabei, zwischen unstet flackerndem Licht, gerade mal noch die Silhouetten der Kämpfenden zu erkennen sind, dann werden die Möglichkeiten der Sehnervreizung größtmöglich ausgelotet.

Dabei experimentierte man ursprünglich sogar mit ganz neuen Kameramodellen, welche die Kämpfer während ihrer Einsätze umgeschnallt haben sollten, um eine bis dahin noch nie dagewesene Form der Publikumsinvolvierung zu erreichen. Doch selbst der Name Reeves öffnet bei solch einem riskanten Projekt nicht automatisch jeden Geldbeutel, so dass die progressiven Pläne schließlich ad acta gelegt werden mussten. Es ist müßig, darüber zu spekulieren, ob dieses zum Vor- oder Nachteil MAN OF TAI CHIs geschah, doch ist es bemerkenswert, dass man stattdessen schließlich den umgekehrten Weg ging und die Fights auf das Elementarste reduzierte. Was hier zählt, ist nicht die technische Innovation, sondern die klassische Kontroverse: Zwei Männer, ein Raum, ein Befehl: „Fight!“

Diese Bescheidenheit, dieses Herunterbrechen auf das Notwendigste, dieser Verzicht auf effektheischende Übertreibungen für das Höher-Weiter-Schneller-Publikum zugunsten der respektvollen Huldigung der altmodischen Genreklassiker (bereits der Titel erinnert frappierend an Yuen Woo-Pings TAI CHI MASTER), das alles erweist sich als eine der größten Trumpfkarten MAN OF TAI CHIs und ist der Hauptgrund dafür, dass Reeves Regiedebüt so wunderbar rund läuft. Doch auch optisch hat der Regisseur sein Werk voll und ganz im Griff, präsentiert wunderbar ineinanderfließende Bilder, irgendwo zwischen antiquiert und modern, und gefällt sich in der genussvollen Auskostung markanter Gegensätze: Dem beschaulichen, ländlich gezeichneten Leben Pekings, mit seinen hart schuftenden, anständigen Bürgern, wird die gefühlskalte Hochfinanzfassade Hongkongs gegenübergestellt, klinisch rein, blitzeblank geschrubbt und frei von menschlicher Wärme. Chens meditative Übungen stehen in heftigem Kontrast zu den grausamen Tötungsveranstaltungen Marks, welcher bereits nach ein paar Minuten das erste Genick gebrochen und einem seiner Zöglinge brutalst die Kehle aufgeschlitzt hat.

Reeves spielt die Rolle des Antagonisten dann auch mit diebischem Vergnügen, gibt den großen Verführer mit leicht dämonischer Aura und kühler Attitüde, wobei ihm sein in der Vergangenheit oft verspottetes distanziertes Spiel hier nunmehr zur Ehre gereicht. Ironischerweise wirkt es dabei fast, als eifere er hier Al Pacino nach, welcher ihn im 1997er IM AUFTRAG DES TEUFELS noch selbst auf die Seite des Bösen ziehen durfte. So thront er wie der Leibhaftige persönlich auf sündhaft teurem, in seelenloser Symmetrie ausgerichtetem Mobiliar, um den moralischen Zerfall seines Schützlings live auf dem übergroßen Monitor mitzuerleben und mutiert in einem Moment teuflischen Gelächters tatsächlich zur unmenschlichen Schreckgestalt. Lediglich, dass Reeves sich am Ende als fast unbesiegbares Kampfass behauptet, strapaziert doch sehr die Glaubwürdigkeit. Zwar wirkt er in seiner einzigen Kampfszene mit seinen fast 50 Jahren noch respektabel agil, den Superfighter kann man ihm – nicht zuletzt aus dem Grund, da man um die überragenden artistischen Fähigkeiten seiner Mitstreiter weiß 
– dennoch nur schwerlich abnehmen.

Chen Hu, alias Tiger Chen, meistert seine Hauptrolle ebenfalls mit Bravour, obwohl seine Ausdrucksmöglichkeiten noch eingeschränkter sind als die eines Keanu Reeves. Das ist keine Überraschung, denn Chen ist eigentlich kein Schauspieler, sondern Stuntman und Kampfkunstlehrer, der sich am Set von MATRIX mit Reeves anfreundete. Dass er bei dessen Einstand als Regisseur nun gleich im Mittelpunkt stehen darf, ist nicht nur ein sehr sympathischer Freundschaftsdienst, sondern zudem auch noch eine gute Entscheidung: Chen wirkt als Darsteller wunderbar unverbraucht und im gleichen Maße unschuldig wie athletisch, so dass man ihm sowohl seine Arglosigkeit als auch seine Kampfkraft spielend abnimmt.

Auch bei der Besetzung der Nebenrollen bewies man ein sicheres Händchen, dem Genrefan werden bekannte Gesichter aus mehreren Generationen Martial-Arts-Action präsentiert, was für eine weitere Portion Authentizität sorgt. Yue Hoi, der bereits mit Jet Li in DIE MACHT DER SHAOLIN vor der Kamera stand, passt in die Rolle des alten Meisters Yang wie die berühmte Faust aufs Auge und als einer der Gegner Tiger Chens erkennt man Iko Uwais, der kurz zuvor mit der Gewaltoper THE RAID auf sich aufmerksam machte. Karen Mok [→ IN 80 TAGEN UM DIE WELT], ebenfalls ein bekanntes Gesicht des Hongkong-Kinos, ist als ermittelnde Polizistin Sun Jingshi zu sehen, während die Rolle von Ikone Simon Yam [→ BULLET IN THE HEAD] als Inspektor Wong fast schon sträflich verschenkt wirkt.

MAN OF TAI CHI ist insgesamt ein sehr beachtliches Debüt geworden, das seine moralinsaure Botschaft mit sanftem Märchenflair vernebelt: Protagonist Tiger Chen erscheint weniger als reeller Charakter, viel mehr als ein Ideal, als ein Sinnbild der Unschuld, als letzter Fackelträger einer eigentlich schon längst ausgestorbenen Disziplin – als letzter Schüler des Tai Chi. Donaka Mark ist seine Achillesferse, der heuchelnde Verführer, der an seine Eitelkeit appelliert, an sein Temperament, ihn manipuliert, seine Aggressionen Stück für Stück steigert. „Hast du Angst vor dem, was du ihnen antun könntest?“ fragt er, als Tiger dabei ist, im Kampf gegen seine Kontrahenten zu unterliegen. „Das musst du nicht.“ Dagegen agiert Meister Yang als Mentor Chens, als moralische Instanz, die ihm empfiehlt, den Geist zu reinigen und sein Chi zu sortieren: „Wenn du diesen Weg ohne Meditation gehst, dann wird es deinen Untergang bedeuten."

Chen geht diesen Weg, und bevor es zum finalen, in klassischer Wildwestmanier gefilmten und inszenierten Schlagabtausch kommt, muss er seine Lektionen lernen und seine spirituelle Mitte finden. Und obwohl die Pfade absehbar sind, nicht jeder Dialog perfekt sitzt und die Message fast schon rührend naiv daherkommt, bleibt MAN OF TAI CHI ein wunderbar ehrlich gemeintes Stück Kino von zielorientierter Geradlinigkeit und vibrierender Bildsprache.

„Du hast Blut gekostet“, tadelt Meister Yang seinen Schüler an einer Stelle. MAN OF TAI CHI ist die Versuchung durchaus wert.

Laufzeit: 105 Min. / Freigabe: ab 12

Mittwoch, 12. März 2014

IM SCHLOSS DER BLUTIGEN BEGIERDE


IM SCHLOSS DER BLUTIGEN BEGIERDE
BRD 1967

Regie:
Adrian Hoven

Darsteller:
Michel Lemoine,
Elvira Berndorff,
Janine Reynaud,
Claudia Butenuth,
Jan Hendriks,
Pier A. Caminnecci,
Howard Vernon,
Vladimir Medar



Adrian Hoven, als Schauspieler vorzugsweise jugendlicher Liebhaber im Nachkriegsdeutschland als redlich-reinlicher Schwiegermuttertraum einst berühmt-berüchtigt, begann ab Mitte der 60er Jahre selbst Regie zu führen und nutzte diese Möglichkeit, nicht völlig unwahrscheinlicherweise als notwendiges Ventil für sein blitzeblankes Saubermannimage, zur Inszenierung einer ganzen Reihe reichlich rüder Exploitation-Streifen, welche besagter Schwiegermutter einen vermutlich nicht unbedeutenden Strauß Albträume beschert haben dürften. Noch bevor Herr Hoven in dieser Funktion Hexen wahlweise schänden oder gar zu Tode quälen lies, lief er 1967 anständig warm und kreierte, wenn sich auch noch verschämt hinter dem putzigen Pseudonym Percy G. Parker versteckend, den reichlich obskuren Grusel-/Sex-/Kriminal-Hybriden IM SCHLOSS DER BLUTIGEN BEGIERDE, einen zwar etwas ziellosen, doch eindeutig engagierten Rundumschlag durch eine Mehrzahl einschlägiger Genres, der seine fiebrige Lust am Laster nur schwerlich zu verhehlen vermag.

Inhalt:

Im Hause Baron Bracks wird gefetet, bis es rauscht: Von beschwingtem Jazz begleitet nuckelt eine illustre Partyrunde heiter am Champagnerglas, während der Gastgeber selbst bereits neben der erstbesten Beschwippsten hockt, um sie mit eindeutig zweideutigen Worten zu betören: „Was halten Sie davon, wenn wir zusammen ausreiten?“ Der Baron verweist dezent auf sein nahegelegenes Landhaus, das sich für so einen Ritt bestens eignen würde. Glück gehabt: Die so lieblich Angesäuselte, auf den Namen Elena hörend, deutet mit dem dezenten Hinweis auf ihre fabelhaften Reitkünste so etwas ähnliches wie Interesse an.

Und während der Rest der Gäste sich im befreienden Rausch der Polonaise verliert (so sind sie, die feinen Herrschaften!), machen sich Herr Baron und seine Eroberung mehr oder minder unauffällig aus dem Staube, um auch noch während ihres nun folgenden rasanten Ritts Dialoggut vom Feinsten auszutauschen („Pferde und Champagner sind die drei schönsten Dinge im Leben!“ - „Das sind zwei Dinge. Und welches ist das dritte?“ - „Frauen natürlich!“ - „Hahahahaha!“). Dass man während dieses angeregten Gesprächs nur die wild galoppierenden Beine der Pferde sieht, soll wohl verschleiern, dass in Wahrheit gar nicht Baron Brack und seine Herzdame im Sattel sitzen, sondern stattdessen irgendwelche Leute, die tatsächlich reiten können.

An der angepriesenen Behausung angekommen, fällt der guten Elena plötzlich ein, dass sie eigentlich doch gar keine Lust auf Sex hat und das Ganze eher so als kleines Späßchen gedacht war. „Ich wollte nur spielen“, lautet ihre eher zaghafte und auch nur wenig überzeugende Erklärung. „Aber nicht mit mir“, antwortet der Gehörnte, spendiert eine Gratisrunde Backenfutter und zieht sich die Holde höchstpersönlich über den Dorn. Kaum geschehen, stehen plötzlich Schwester, Schwager und Verlobter der soeben Geschändeten auf der Matte, und haben zu allem Überfluss auch noch Bracks eigene Verlobte Marion und seinen Bruder George im Schlepptau. Diese ahnen natürlich nichts von der bösen Tat und setzen ihre feucht-fröhliche Feier ungeniert fort. Des Amüsements irgendwann überdrüssig kommt man schließlich am Kaminfeuer zusammen, um sich die Schauergeschichte des Grafen Saxon (französisch ausgesprochen) zu erzählen, von dem kaum jemand etwas weiß und der praktischerweise in nicht allzu weiter Entfernung auf seinem Schoss residiert. Dessen Tochter wurde erst vor wenigen Tagen überfallen, so weiß Marion zu berichten, und der Vater setzte aus Wut und Verbitterung darüber einen wilden Bären im Wald aus. Und noch während man so fabuliert, schleicht sich Elena, offenbar aufgrund der Vergewaltigung seelisch noch nicht ganz auf der Höhe, unbemerkt davon und galoppiert in den Wald (auf einem Pferd, versteht sich!).

Der Weg, man ahnt es irgendwie bereits, führt sie zu besagtem und titelgebendem Schloss. Baron Brack, Elenas Schwester (die übrigens auf den Namen Vera hört) und deren Verlobter (mit dem kaum minder schönen Namen Roger) nehmen die Verfolgung auf und werden vor den Toren des Gemäuers empfangen von Alecos, einem bulligen Torsteher mit selten dämlichem Pseudo-Russen-Akzent. „Frau ist in Schloss“, verkündet dieser mit brutal rollendem „r“ und erklärt sich trotz deutlich zur Schau getragener Antipathie bereit, die lästigen Gäste zu seinem Herren, Graf Saxon, vorzulassen. Als dieser die Treppe herunterkommt und Vera erblickt, fallen ihm vor Überraschung fast die Glupschaugen aus dem hochadligen Schädel:


Folgend erweist sich der Graf zwar als unnahbar, doch auch als unerwartet gastfreundlich, führt seine Besucher zunächst zur schlummernden Elena, die, so heißt es, ziellos durch den Wald irrte, und bietet dann an, bis zur Genesung der Frau im Schloss verweilen zu dürfen. Da poltert es plötzlich unsanft an der Tür und Maria und George, welche unerwarteterweise ebenfalls die Verfolgung aufnahmen, stoßen zur bunten Truppe. Als Graf Saxon Maria erblickt, reißt er schon zum zweiten Male an diesem Abend die Glotzbuchten auf und fällt fast vom Glauben ab.

Der Grund für derlei Betragen wird dann spätestens beim abendlichen Gruppenschlemmen klar: Vera erinnert ihn auf unerhörte Weise an die Mätresse seines Vorfahren und Maria gleicht geradezu fatal seiner Tochter Katharina, welche, nach einer schweren Vergewaltigung, an eben jenem Tage im Keller des Schlosses verstarb. Sich ein Röslein vom Tisch grabschend, entfernt sich der Graf nach einigen tiefsinnigen Gedankenspielen („Liebe erzeugt Leben, und Liebe hat das Recht zu töten.“) von der Tafelrunde und bewegt sich mit schlafwandlerischer Eleganz die Treppe hinauf.

Doch wer nun glaubt, der Graf bettet sich zur Ruhe, der irrt: Tatsächlich führt Saxon mit seinem renommierten Kollegen aus der Ärztekammer eine blutige Operation an dem Leichnam seiner Tochter durch, deren Herz, entgegen seiner Angabe, sie sei tot, noch höchst aktiv herumschlägt. Doch auch Baron Brack denkt gar nicht daran, sich friedlich aufs Ohr zu legen: Mit dem Hinweis, das Auto holen zu müssen, schwingt er sich aufs Pferd, um das Schloss schnellstmöglich zu verlassen. „Haben keine Angst vor Bär?“ ruft ihm Alecos mit bewährt rollendem „r“ noch hinterher, doch das scheint nicht der Fall zu sein, denn Brack reitet wortlos weiter in die Nacht.

Waren die Ereignisse bis hierhin zwar zeitweise verwirrend, doch immer noch bodenständig, wird es spätestens ab hier reichlich kryptisch: So träumt Elena, sichtlich erotisiert, Zeugin einer Vergewaltigung zu werden, als sich, angeblich zur Zeit des 30jährigen Krieges geschehend, drei betrunkene Soldaten (die in ihren Kostümen aussehen wie die Zweitbesetzung einer Schultheateraufführung der „Drei Musketiere“) im Stall über ein Mädchen hermachen (wobei es durch die etwas unsauber montierten Schuß-/Gegenschuß-Aufnahmen die meiste Zeit eher so aussieht, als würden die Männer einen Heuballen rammeln und die Frau lediglich schreiend daneben liegen). Aus dem Off erschallen dazu tatsächlich Shakespeare-Zitate, die dem Geschehen wohl eine Art Tiefsinn geben sollen. „Oh, du zertrümmert Meisterwerk der Schöpfung - was geißelst du die Hure? Peitsch dich selbst!“ schwelt es dort erhaben, während die Täter gleichzeitig Dinge rufen wie: „Ganz schöne Kraft, das Hühnchen!“

Durch diesen Traum offenbar ganz juckig geworden, beginnt Elena nun, es mit Roger zu treiben, der sich, obwohl seine Verlobte quasi im Nebenzimmer wissend, auch im Handumdrehen verführen lässt. Unterbrochen wird das Dauerkoitieren dabei immer wieder von den blutigen OP-Bildern (welche im Übrigen eine tatsächliche Herzoperation zeigen) und den angestrengten Gesichtern der beiden herumdoktornden Gesellen, die immer noch fleißig dabei sind, Saxons Tochter ihre wild pochende Pumpe herauszupfriemeln. Und gerade, als man sich nach 15minütiger Abfolge freiwilliger sowie unfreiwilliger Rammelei und schlüpfriger chirurgischer Detailaufnahmen zu fragen beginnt, ob das nun die gesamte Restzeit noch so weitergeht, kommt dieser unvergleichliche Moment, in welchem der geflüchtete Baron Brack unvermittelt und aus heiterem Himmel mit einem Mann im Bärenkostüm ringt.

Während in den Gemächern weiter gepimpert und in den Gewölben weiter operiert wird, taumelt der blutig getrimmte Baron zum Schloss zurück und wird dort vom Diener Alecos empfangen. Es folgt ein Glanzlicht dichterischer Rhetorik:

„Der Bär“, röchelt ihm der Geschundene erklärend zu.

„Ja, der Bär“, gibt dieser zustimmend nickend zurück.

Großartig! Und ein paar Minuten zuvor wurde noch Shakespeare zitiert.

Kritik:

Ähnlich sprunghaft geht es weiter bis zum Schluss, der nur wenig Überraschungen birgt und einen irgendwie auch nicht mehr so wirklich interessiert. Nach recht vielversprechendem Beginn zieht sich das Geschehen nämlich trotz eher geringer Laufzeit am Ende doch arg und scheint ein wenig seine Richtung verloren zu haben. Herr Hoven, welcher auch am Drehbuch mitschrieb, war offenbar der Meinung, die Schockwirkung einer authentischen Operation am offenen Menschenherzen sei bereits einschlagend genug, um das Publikum auch über weitere Strecken in Atem zu halten. So dehnte er die blutigen Bilder schier endlos in die Länge, während die paradoxen Zwischenschnitte auf Beischlaf und Bärenkampf fraglos einen absurd-skurrilen Reiz besitzen.

Wirklich aufregend geht es hier allerdings ohnehin nie so wirklich zu, IM SCHLOSS DER BLUTIGEN BEGIERDE punktet in seinen besten Momenten eher durch seine morbide Atmosphäre. Der Schauplatz, das düstere Gemäuer, wurde aus zahlreichen schrägen Perspektiven stimmungsvoll eingefangen, die Nebelmaschine ackert wie zu besten Edgar-Wallace-Zeiten und Kostüme wie Ausstattung sorgen für ein angenehm schauriges Kribbeln. In seiner Grundstimmung stark sexuell aufgeladen (ständig hat man das Gefühl, die Protagonisten würden am liebsten über sich herfallen wollen, um sich die Seele aus dem Leib zu vögeln), lässt sich ein frauenfeindlicher Unterton dabei nicht leugnen: Auf mehreren Zeitebenen wird hier vergewaltigt und getötet, zwar immer etwas zaghaft eingefangen und nie so explizit umgesetzt, wie man es wohl eigentlich gern gemacht hätte, sich jedoch trotzdem nicht unbedingt durch Geschmackssicherheit auszeichnend (auch, wenn die Schänder am Ende vor den Kadi gebeten werden).

Die Darstellerleistungen gerieten durchaus angemessen, die Schauspieler zählen sich insgesamt jedoch eher zur zweiten Garde. Der bekannteste Name auf der Besetzungsliste dürfte Howard Vernon sein, der hier als Graf Saxon wie wild die Augen aufreißen darf und sein markantes und nicht untalentiertes Gesicht in späteren Jahren fast ausschließlich nur noch für Vielfilmer Jess Franco in die Kamera hielt. Michel Lemoine, der später Pornofilme inszenierte, gibt den Baron Brack in einer hübschen Mischung aus aristokratischem Charme und tückischer Verschlagenheit, tatkräftig unterstützt von der süffisanten Stimme von Synchronlegende Gert Günther Hoffmann. In weiteren Rollen sieht man Elvira Berndorff als Elena, die dramaturgisch sinnlos einige Male ihre textilbefreiten Hupen ins Bild halten darf, und Janine Reynaud als ihre Schwester Vera, die in einer Szene nur wenig erotisch am Hühnchenknochen herumknabbert. Adrian Hoven selbst tritt zumindest verbal in Erscheinung und leiht Jan Hendriks als George seine Stimme.

Die Mischung aus gotischem Schauermärchen und Motiven des Sexfilms (und das noch vor der großen Welle) gehört nun nicht unbedingt zu den Höhepunkten des deutschen 60er-Jahre-Kinos, geriet jedoch in seiner experimentierfreudigen Sensationsgier angenehm verschroben. Angereichert mit den für die Zeit typischen humoristischen Dialogen und klassischen Krimi-Elementen dürfte Adrian Hovens mit nostalgischem Kintopp-Flair angefülltes Lustschloss für Interessenten des schrägen Leinwandvergnügens zumindest den einen oder anderen Blick wert sein.

Laufzeit: 76 Min. / Freigabe: ungeprüft

Dienstag, 25. Februar 2014

FLYING SWORDS OF DRAGON GATE


LONG MEN FEI JIA
China 2011

Regie:
Tsui Hark

Darsteller:
Jet Li,
Zhou Xun,
Chen Kun,
Kwai Lun-Mei,
Mavis Fan Hiu-Huen,
Fan Siu-Wong,
Li Yu-Chun,
Gordon Liu Chia-Hui



Inhalt:
 
China, Ming-Dynastie: Zhao Huai'an [Jet Li] ist schlagkräftiger Anführer einer Untergrundorganisation, die mit eisernen Bandagen gegen die Staatsmacht und deren ungerechte Willkür kämpft. Dem machthungrigen Eunuchen Yu Huatian [Chen Kun] vom aufgrund seiner Skrupellosigkeit im ganzen Land gefürchteten West-Amt ist das natürlich ein Dorn im Auge, schielt er doch auf totale Kontrolle über alle Staatsgeschäfte. Zu seinem Ärger gibt es bereits einige Zhao-Nachahmer im Land. Eine davon ist Ling Yangiu [Zhou Xun], die ebensogut kämpfen kann wie ihr Vorbild. Eines Tages befreit sie die schwangere Su [Mavis Fan] aus den Händen von Yus Häschern und flieht mit ihr in die Wüste. Ihr Ziel ist der sagenumwobene Ort ‚Drachentor‘. Doch Yu erfährt von ihrem Plan und heftet sich mit einer großen Armee an ihre Fersen. Zhao, dem Ling inzwischen aufgefallen ist, beschließt, ebenfalls zum ‚Drachentor‘ zu reisen, um sie notfalls beschützen zu können. Bald kreuzen sich die Wege aller Parteien in der dort ansässigen Herberge, was zu einigen Auseinandersetzungen führt, zumal jetzt auch noch eine Horde trinkfester Mongolen und eine Gruppe undurchsichtiger Banditen tüchtig mitmischen. Während sich in der Herberge verschiedene Interessengruppen bilden, von denen jede ihr eigenes Ziel verfolgt, nähert sich draußen der ‚Schwarze Sandsturm‘, ein gigantischer Orkan, der alles hinwegzufegen droht …
 
Kritik:

Bei Tsui Hark ist es immer ein bisschen wie mit der berühmten Schachtel Pralinen: Vom wegweisenden Bahnbrecher [ONCE UPON A TIME IN CHINA] bis zum totalen Rohrkrepierer [BLACK MASK II] lieferte der nicht gerade für seine Entspanntheit bekannte chinesische Regisseur bereits so ziemlich alles ab, zwar immer mit einigem Unterhaltungswert versehen, doch qualitativ und inhaltlich dermaßen schwankend, dass man dafür fast den Begriff der 'cineastischen Schizophrenie' einführen müsste. Nicht nur allein aus diesem Grunde mit Spannung erwartet wurde daher der von ihm inszenierte und im Jahre 2011 fertiggestellte FLYING SWORDS OF DRAGON GATE – wie vom Titel bereits zaghaft angedeutet eine weitere Variante der ‚Drachentor‘-Legende, die 1967 mit King Hus Klassiker DIE HERBERGE ZUM DRACHENTOR ihre Leinwand-Premiere erlebte und 1992 mit NEW DRAGON GATE INN eine erste Frischzellenkur spendiert bekam. Sich gleichzeitig als Neuinterpretation und Fortsetzung verstehend, setzt das mit massig Computertechnik aufgemotzte Spektakel dennoch überwiegend auf klassische Motive und bietet eine lediglich rudimentär variierte Version wohlbekannter Genre-Elemente. So mangelt es, ganz der Tradition und Erfüllung der Erwartungshaltung verpflichtet, an Kampfgetümmel und Schauwert beileibe nicht: Bereits in der Eröffnungssequenz – nach sehnervkitzelnder einleitender Kamerafahrt über eine Armada im Hafen liegender Schiffe – fliegen dem Betrachter Pfeile, Planken und Baumstämme nebst von Schwerkraft befreiter Krieger um die Ohren, um ein fesches Action-Inferno zu entfesseln.
 
Nach solch knalligem Auftakt sind die Fronten auch bald abgesteckt, die Figuren vorgestellt, die Sympathien verteilt: Auf der einen Seite die böse Staatsmacht und Chen Kun [→ LET THE BULLETS FLY] als ihr noch böserer Vollstrecker, auf der anderen die guten Freiheitskämpfer mit Zhou Xun und Jet Li als Aushängeschilder. Bis die Fäden am ‚Drachentor‘ zusammenlaufen, dürfen die Figuren noch das eine oder andere Mal nach Herzenslust durch die Luft wirbeln, um sich in weiteren hyperkinetischen Scharmützeln nach allen Regeln der Kunst gegenseitig das Fressbrett zu polieren. Dabei fliegen beileibe nicht bloß Schwerter, sondern eigentlich alles, was sich irgendwie zwecks Tötung durch die Luft bewegen lässt: Bretter, Tische, Wurfsterne, Messerklingen, brennende Feuerbälle. Nach Einkehr in die Herberge wird die Action deutlich ausgebremst, dafür kommen noch mal eine Handvoll neuer Figuren hinzu – an sich nicht weiter tragisch, wird doch die Zeit zunächst zur Vorstellung der Personen und ihrer Motivation genutzt. Problematisch wird es erst, als zur Halbzeit von hier auf jetzt eine ebenso unpassende wie belanglose Liebesgeschichte dem eigentlichen Thema den Rang abläuft – während Fäuste und Schwerter schweigen, säuselt man sich urplötzlich Liebesschwüre ins Ohr, raunt einander Plattitüden zu und gibt sich unschönen Eifersüchteleien hin.
 
Nicht nur, dass die Dialoge dabei beschämend blöd gerieten – im starken Kontrast zur bisherigen Actionbetonung wirkt das unvorbereitete Geturtel gleich doppelt banal. Die parallel dazu eingeflochtenen Verwirrspielchen bieten zwar eine Plattform für einige ulkige Momente, spielen jedoch für die Handlung im Prinzip gar keine Rolle und führen im schlimmsten Fall sogar zu unnötiger Irritation des Publikums. Als kurz vor Ende quasi aus heiterem Himmel auch noch die Jagd nach einer legendären goldenen Stadt ins Zentrum der Handlung rückt, die bis dahin eigentlich kein Thema war, gewinnt man fast ein wenig den Eindruck, man hätte mittendrin versehentlich den Kanal gewechselt. Zwar lenkt einen das folgende Action-Gewitter überwiegend erfolgreich wieder davon ab, für die überraschende Wende, die einem zum Abschluss noch präsentiert wird, wäre die Bezeichnung ‚unplausibel‘ allerdings noch die harmlosere Variante.
 
Obwohl das Finale wieder versöhnlich viel Fahrt aufnimmt, wirkt es im Mittelteil somit ein wenig, als hätte sich Hark (welcher sich hier auch als Autor verantwortlich zeigte) ein wenig verzettelt. Ein sicheres Händchen bewies man hingegen bei der Besetzung: Die Hauptrolle bekleidet der weltweit etablierte Star Jet Li [→ DIE LEGENDE DER WEISSEN SCHLANGE], mit welchem Hark bereits zuvor seine größten Erfolge verzeichnen konnte und welcher seitdem äußerlich kaum gealtert erscheint, was zusätzlich an alte Glanzzeiten erinnert. Allerdings hat Li hier sogar vergleichsweise wenig zu tun und fidelt mehr auf zweiter Geige, während zumindest eine Zeitlang eher Zhou Xun [→ TRUE LEGEND] im Mittelpunkt stehen darf, die sich nicht nur häufiger als Mann ausgibt, sondern auch wie einer austeilen kann. Als augenzwinkerndes Schmackerl für Eingeweihte präsentiert die Eröffnungsszene mit Gordon Liu [→ THE MAN WITH THE IRON FISTS] noch eine weitere Legende des Kung-Fu-Films, der seit seiner Zeit als jugendlicher Heißsporn in den Produktionen der Shaw Brothers nichts von seiner Präsenz eingebüßt hat.
 
FLYING SWORDS OF DRAGON GATE hat gewiss seine Schwächen, was mit dem phasenweise etwas ziellosen Drehbuch beginnt und seine Fortsetzung in der eher bescheidenen Tricktechnik findet. Die asiatischen CGI-Zauberer waren ihren amerikanischen Kollegen schon immer unterlegen und Harks ‚Drachentor‘ bildet da keine Ausnahme. Auch die Inszenierung geriet ein wenig inkonsequent: Gibt es anfangs noch ein paar visuelle Spielereien zu begutachten, die das Comichafte unterstreichen (wie der Moment, in welchem sich um einen malträtierten Unhold bereits dessen Sarg manifestiert oder die eher albern geratene Szene, in welchem Zhao für sein Opfer gleich dutzende von Fäusten zu haben scheint), wird dieses Stilmittel nach der Eröffnungsschlacht schlichtweg wieder vergessen. Doch all das kann den Gesamteindruck nicht wesentlich trüben. Tsui Hark beweist, dass er, trotz einiger Gurken im Repertoire, sein Handwerk versteht. Spätestens, wenn der als Spannungselement fungierende herannahende Sandsturm sich in einem schwindelerregenden Spektakel entlädt und Jet Li und Chen Kun sich im Herzen des Orkans einen wahnwitzig übertriebenen Kung-Fu-Kampf liefern, ist jeder Kummer vergessen und es regiert die pure Lust am Rausch der Bilder. Die dritte ‚Drachentor‘-Variante mag mittig ein wenig stolpern, bietet jedoch dessen ungeachtet einen hochtrabend visuellen Augenschmaus, einen trotz entfesselter Kamera erfreulich übersichtlichen pompösen Bilderrausch von anständiger cineastischer Wucht.
 
Alles dreht sich, alles bewegt sich! FLYING SWORDS OF DRAGON GATE erreicht freilich nicht die Klasse eines ONCE UPON A TIME IN CHINA, doch bietet Freunden des epischen Kung-Fu-Films die nötige Dosis an Kampfgetümmel und laut krachender Attraktion. Nicht nur die Schwerter fliegen hoch!
 
Laufzeit: 117 Min. / Freigabe: ab 12

Montag, 30. Dezember 2013

SHAOLIN


XIN SHAO LIN SI
China 2011

Regie:
Benny Chan

Darsteller:
Andy Lau,
Nicholas Tse,
Fan Bingbing,
Jackie Chan,
Jacky Wu,
Bai Bing,
Xing Yu,
Yu Shaoqun



Inhalt: 

China in den 20er Jahren: Kriegsherren liefern sich brutale Kämpfe um die Machtansprüche im Land. Einer von ihnen ist General Hao [Andy Lau]. Gemeinsam mit seinem Schüler Tsao [Nicholas Tse], den er aufgrund seiner jugendlichen Temperaments häufig zurechtweisen muss, geht er rücksichtslos gegen seine Feinde vor. Als einer seiner Kontrahenten in einem Shaolin-Kloster Zuflucht sucht, können selbst die dort lebenden Mönche ihn nicht daran hindern, den Mann zu töten. Aufgrund seines Erfolgs übermütig plant er als nächstes, General Song [Shi Xiao-Hong], dem er eigentlich Blutsbrüderschaft schwor, bei einer familiären Zeremonie zu ermorden. Doch Hao wiederum wird von Tsao verraten, der die Gelegenheit am Schopfe packt, sich gleich mehrerer Konkurrenten zu entledigen. Nur mit Müh und Not entkommt Hao der angeheuerten Killerbande und schleppt sich – seine schwer verletzte Tochter im Arm – ausgerechnet in das Shaolin-Kloster, welches er einst entweihte. Zwar bemühen sich die Mönche um das Leben des Kindes, doch können sie dessen Tod nicht mehr verhindern. Fassungslos vor Trauer zerbricht der einst so stolze Mann und mit ihm sein Lebenswille. Tsao errichtet in der folgenden Zeit eine wahre Schreckensherrschaft im gesamten Land. Während Hao aus den Lehren Buddhas nach und nach neuen Mut schöpft, erfährt Tsao, mittlerweile mit ausländischen Invasoren im Bunde, von seinem Aufenthaltsort. Mit einer riesigen Armee im Schlepptau und mit den modernsten Feuerwaffen ausgerüstet stattet er dem Kloster einen Besuch ab.

Kritik:

SHAOLIN – der aufs Wesentliche heruntergebrochene Titel macht es mehr als deutlich – versteht sich als Rückkehr zum klassischen chinesischen Shaolin-Kino, welches in den 70er und 80er Jahren auf einer niemals zu enden scheinenden Erfolgswelle durch die Lichtspielhäuser rollte und die Kassen im Takte stahlharter Fäuste und unbezwingbarer Todeskrallen tüchtig klingeln ließ. Quasi in Dauerschleife traf das Publikum die volle Wucht aus Kung Fu und Konfuzius, und auch in Deutschland verging während dieser Zeit kaum eine Woche, ohne dass sich ein Titel mit dem zugkräftigen „Shaolin“-Wort in das Kinoprogramm verirrte. Dass dieser Wahnsinns-Output neben einigen Glanzlichtern auch jede Menge Graupen hervorbrachte, versteht sich dabei fast von selbst, konnte dem anhaltenden Interesse jedoch kaum etwas anhaben.

Der actionerprobte Regisseur Benny Chan [→
INVISIBLE TARGET] sorgte 2011 für diese gediegene und von reichlich Produktionsmitteln gestützte Neuauflage des Stoffes, welche zwar, von großen Dingen wie Loyalität, Verrat und Rache erzählend, die bewährten Themen abhandelt, sich in vielen Punkten allerdings von der klassischen Phase unterscheidet: Mit reichlich Emotionswallung und dem apokalyptischen Überzug einer großen griechischen Tragödie ausgestattet schickt die
im Grunde recht konventionelle Geschichte ihre Figuren auf eine moralgetränkte Sinnsuche durch Tod und Verderben, Shakespeare stets näher als Shaw und Zhang Yimous schwelgerischem FLUCH DER GOLDENEN BLUME am Ende weitaus ähnlicher als Chang Ches eher geerdetem TEMPEL DER SHAOLIN. Ausufernden Actionmomenten stehen somit auch immer wieder zahlreiche Augenblicke der Ruhe gegenüber, in welchen Handkante und Streitaxt pausieren und die Protagonisten zu sich selbst finden dürfen. 
Dabei gab man sich auffallende Mühe, die Charaktere nicht zum stupiden Reißbrettprodukt verkommen zu lassen, sondern sie so ambivalent wie möglich zu zeichnen. Das gilt in besonderem Maße für den Hauptprotagonisten Hao: Lernt man ihn zunächst als machtbesessenen Tyrannen kennen, entpuppt er sich im weiteren Verlauf als dennoch aufrichtig liebender Ehemann und Vater, was im beinharten Kontrast steht zu seinem von gefühlskalten Gewaltaktionen dominierten Vernichtungsfeldzug. Seine spätere Wandlung von der brutalen Dreckschleuder zum friedvollen Pazifisten geht zwar insgesamt ein wenig zu schnell, eine ausführlichere Beschreibung allerdings hätte die Laufzeit von zwei Stunden gewiss gesprengt.

Trotz der grundsätzlich erkennbaren Bestrebung, sich von der klassischen Ära abzugrenzen, von deren erstarrten Mustern und Motiven, in einer seiner Hauptkomponenten, der Darstellung der Shaolin-Mönche nämlich, geriet SHAOLIN jedoch abermals reichlich klischeeversetzt und hat der stereotypischen Inszenierung vergangener Zeiten kaum etwas entgegenzusetzen: Natürlich gibt es auch hier den alten Zausel, der selbst in Gegenwart allergrößter Gefahr immer noch ein paar Glückskeksweisheiten im Gepäck hat, und das Können der Schüler grenzt einmal mehr eher an Zauberei, denn an tatsächliche Kampfkunst. Das beißt sich zwar ein wenig mit der selbstauferlegten intellektuellen Attitüde, geriet jedoch nicht wirklich störend, zumal Übertreibung in dem Genre beileibe nichts Neues ist.

Angenehm übertrieben und von achtbarer Kinetik gerieten auch die Actionszenen, die, anfangs noch recht rar gesät, wenn sie denn stattfinden, richtig Freude machen: So liefert sich Hao auf der Flucht vor seinen Häschern eine halsbrecherische Verfolgungsjagd per Kutsche, während er von allen Seiten mit riesigen Streitäxten malträtiert wird. Das ist freilich arg realitätsfern, aber in seiner Rasanz verdammt schick anzusehen. Ähnliches gilt auch für die obligatorischen Kampfsequenzen, die, trotz kaum zu übersehendem Drahtseil-Einsatz, sehr gefallen können. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto stärker liegt die Betonung schließlich auf dem religiösen Aspekt der Geschichte – gegen Ende gar dermaßen penetrant, dass man fast den Eindruck gewinnen könnte, es mit einem Werbefilm für den Buddhismus zu tun zu haben. Mutige Zuschauer können SHAOLIN daher zu einem kleinen Trinkspiel nutzen: Wem es gelingt, jedes Mal, wenn der Satz „Gelobt sei Buddha!“ fällt, einen zu heben, dem dürfte der Schlussakt verborgen bleiben.

In der Hauptrolle des sich auf dem Wege der Läuterung befindlichen General Hao erlebt man den gewohnt souverän agierenden Andy Lau [→ DETECTIVE DEE UND DAS GEHEIMNIS DER PHANTOMFLAMMEN]. Nun mag Lau nicht unbedingt der beste Darsteller Asiens sein, und vor allem in den emotionalen Momenten SHAOLINs wirkt er bisweilen auch ein wenig überfordert, doch trotz kaum zu leugnendem Autopilotschauspiel gelingt es ihm, die schwierige Rolle ausreichend auszufüllen (wobei ihm nicht zuletzt auch sein unverändertes Charisma zugutekommt). Als die Frau an seiner Seite sieht man die attraktive Fan Bingbing, welche bereits beim Schlachtenepos BATTLE OF KINGDOMS gemeinsam mit Lau vor der Kamera stand. Trotz relativ kurzer Präsenz verkörpert sie ebenfalls eine sehr interessante Figur, die die grausamen Taten ihres Mannes zwar verabscheut, ihm aber trotz allem bis zum Schluss loyal bleibt. 
Der Part des Antagonisten in Form des despotischen Widerlings Tsao ist mit Nicholas Tse [→ NEW POLICE STORY] nahezu perfekt besetzt: Sein noch jugendliches Äußeres und seine zunächst so unscheinbare Aura täuschen auch den Zuschauer lange Zeit über die Gefahr, die er darstellt, hinweg, bevor er spätestens im Finale als ultimativ hassenswertes Scheusal den Wutz von der Kette lassen darf. Scheußlich unpassend ist in dem Zusammenhang allerdings auch seine viel zu alt klingende Synchronstimme, welche seinem Charakter in der (ansonsten gut gelungenen) deutschen Fassung einiges an Wirkung raubt.

Als zusätzliches Zugpferd darf auch Leinwandlegende Jackie Chan [→ CITY HUNTER] als kauziger Shaolin-Koch durch das Szenario turnen und dabei – eigentlich keine große Überraschung – für die humoristische Komponente zuständig sein. Auch wenn seine Rolle im Prinzip ziemlich unnötig scheint und allzu auffällig nur ins Skript geschrieben wurde, um die Besetzungsliste mit seinem prominenten Namen schmücken zu können, geriet sein Auftritt doch keinesfalls störend und ausreichend amüsant. Wenn er behauptet, früher mal ein ganz guter Kämpfer gewesen zu sein, aber Kung Fu bereits seit Jahren verlernt zu haben, kann man sich ein Schmunzeln kaum verkneifen. Gerade seine Kampf-Einlage jedoch passt nicht so wirklich ins Konzept, bedient sie doch hauptsächlich eher seine Slapstick-Freunde, was sich mit der eigentlich eher düsteren und brutalen Grundstimmung nicht so recht vertragen will.

Letztendlich ist SHAOLIN gewiss kein Meilenstein – dafür ist er schlichtweg nicht originell, nicht besonders, nicht innovativ genug. Doch trotz kleinerer Schwächen bleibt er nicht nur für eingefleischte Kung-Fu-Jünger absolut lohnenswerte Unterhaltung. Mag die ersponnene Erzählung auch nicht neu und weitestgehend überraschungsfrei sein, so ist hier doch eindeutig der Weg das Ziel: Wenn Hao sich publikumswirksam von Saulus zum Paulus wandelt, um in eiseskalter Nacht unter glasklarem Sternenhimmel mit einem Shaolin-Jungen an seiner Seite seine Übungen zu zelebrieren, erfüllt von Einkehr und innerem Frieden, dann sind das – allem prätentiösem Protz zum Trotze – doch wunderschöne Momente, die sich ins Gedächtnis brennen. Und wem der Anfang noch zu verlabert ist, der kommt spätestens beim explosiven (wenn auch viel zu offensichtlich mit CGI aufgemotzten) Finale auf seine Kosten. Zudem ist SHAOLIN einer der wenigen großen Hongkong-Blockbuster des neuen Jahrtausends, der nicht als Propaganda für die chinesische Regierung herhalten muss. Gelobt sei Buddha!

Laufzeit: 126 Min. / Freigabe: ab 12

Freitag, 27. Dezember 2013

DAS RASTHAUS DER TEUFLISCHEN SCHWESTERN


THE NAME OF THE GAME IS KILL
USA 1968

Regie:
Gunnar Hellström

Darsteller:
Jack Lord,
Susan Strasberg,
Tisha Sterling,
Collin Wilcox Paxton,
T. C. Jones,
Marc Desmond,
Mort Mills
Lou Lombardo



Inhalt:

Der ungarische Tramper Symcha Lipa [Jack Lord] wird in der Wüste Arizonas von der attraktiven Mickey [Susan Strasberg] aufgegabelt. Diese nimmt ihn mit zu einer nahegelegenen Tankstelle, welche sie, gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern, auch bewohnt. Nachdem er seinen Durst stillen konnte, bietet Mickey ihm an, auch bei ihr übernachten zu können – ein Angebot, das er, in freudiger Aussicht darauf, nach seinem Durst auch eine ganz bestimmte Art von Hunger stillen zu können, gern annimmt. Mickeys ältere Schwester Diz [Collin Wilcox Paxton] begegnet dem unerwarteten Gast allerdings mit offener Feindseligkeit, und auch die jüngere Nan [Tisha Sterling] und die Mutter [ T. C. Jones] benehmen sich bei aller Freundlichkeit auch etwas merkwürdig. Nachdem Mickey seine Avancen zurückgewiesen hat, wird auf Symcha, als er den Ort am kommenden Morgen verlassen möchte, ein Mordanschlag verübt. Vom Auto angefahren bleibt er bewusstlos liegen und wird in ein Krankenhaus eingeliefert. Nach seiner Genesung kehrt er zur Tankstelle zurück und versucht in den folgenden Tagen, das Vertrauen der geheimnisvollen Familie zu gewinnen. Als jede der vier Frauen ihm schließlich eine andere Version vom tragischen Tode des Vaters erzählt, wird ihm allmählich bewusst, dass ein schreckliches Trauma auf den Geschwistern liegen muss.

Kritik:

Im Jahre 1968 drehte der Schwede Gunnar Hellström in den USA diesen weitestgehend vergessenen Thriller mit dem phänomenalen Originaltitel THE NAME OF THE GAME IS KILL. Der deutsche Titel trifft den Sinn der Sache hingegen nicht so ganz, handelt es sich beim titelgebenden Schauplatz doch eigentlich nicht um ein Rasthaus, sondern um eine Tankstelle, aber da DIE DREI VON DER TANKSTELLE als Titel bereits vergeben war … Was soll’s … !? Vom deutschen Verleih seinerzeit grandios überschäumend als „höllisch heißes Gebräu aus Hollywoods Horror-Schocker-Giftküche“ an den Mann gebracht, dürfte dieses vollmundige Versprechen damals für so einige enttäuschte Gesichter gesorgt haben. Tatsächlich kommt DAS RASTHAUS DER TEUFLISCHEN SCHWESTERN nämlich überraschend handzahm daher und verspricht letztendlich deutlich mehr, als er dann wirklich zu halten vermag. Dabei gelingt es Hellström durchaus, ein gesundes Maß an unheilvoller Atmosphäre aufzubauen: ein karges Haus in ungastlicher Gegend, drei seltsame Schwestern nebst zwar freundlicher, doch merkwürdig-distanzierter Mutter, widersprüchliche Schauergeschichten aus der Vergangenheit, dazu pelziges Krabbel- und klapperndes Kriechgetier und strangulierte Puppenköpfe – das RASTHAUS sorgt zeitweilig in der Tat für ein wohliges Gänsehaut-Gefühl.

Um dieses durchgehend halten zu können, fehlt es dem morbiden Gruselstück letztendlich jedoch ein wenig an der notwendigen Konsequenz. Immer wieder, wenn es THE NAME OF THE GAME IS KILL gerade wieder gelingt, Interesse zu wecken an seiner Geschichte, seinen Figuren, den mysteriösen Hintergründen des Geschehens, wird der begonnene Faden auch schon wieder halbherzig fallengelassen und die aufkommende Spannung verpufft brutal im luftleeren Raum. Wenn man dann noch ins Bewusstsein ruft, dass das RASTHAUS eine schmalbudgetierte Independent-Produktion war, die den Auflagen des manierlichen Massengeschmacks trotzen durfte und ihr Geld vor allem reißerisch beworben in den Grindhouse-Kinos wieder hereinholen sollte, darf man sich angesichts der letztendlichen Harmlosigkeit des Gebotenen auch gut und gern etwas betrübt zeigen. Zwar liegt ständig eine unterschwellige sexuelle Spannung in der Luft und irgendwie hat man das Gefühl, dass sich alle am Rande einer heftigen Gewalteruption befinden und sich jeden Moment unfassbare Abgründe auftun, so richtig getraut, die Sau rauszulassen, hat man sich allerdings doch nicht. So verpulvert das RASTHAUS eine enorme Menge an explosivem Potential und nutzt seine Ressourcen lediglich im Ansatz. 

Womöglich verließ man sich auch allzu sehr auf die Schockwirkung der finalen Wende, mit welcher damals sogar explizit beworben wurde („Sie dürfen diesen Film nur sehen, wenn Sie das Versprechen abgeben, das schockierende Ende niemandem zu verraten“, bedrohte einen das Plakat). Tatsächlich geriet diese auch nicht ineffektiv und kann sich nachhaltig ins Gedächtnis graben. Auch auf handwerklicher Ebene hat man sich rein gar nichts vorzuwerfen – die Inszenierung leistet sich keinen Patzer und gefällt mit leicht experimentellem Anstrich. Kameramann Vilmos Zsigmond [→ ASSASSINS] gelingen zudem einige starke Bilder (wenn sich z. B. die Silhouetten Symchas und Mickeys, beide in einem Torbogen stehend, gegen den strahlend blauen Himmel abheben) und stimmungsvolle Kompositionen, die das Werk sogar oftmals hochwertiger aussehen lassen, als es eigentlich ist. 

Jack Lord [→ 007 JAGT DR. NO] übernahm die männliche Hauptrolle, wirkt in dieser allerdings manchmal ein wenig zu trantütig und zudem fatalerweise auch nicht immer unbedingt sympathisch. Zudem versäumt es das Drehbuch sträflich, die Motive für sein Handeln erklärend herauszustellen, so dass sein Verhalten nicht selten nebulös bleibt. Warum genau kehrt er zur unheimlichen Tankstelle zurück, nachdem er nur knapp einem Mordanschlag entkommen war? Neugierde? Liebe? Geilheit? Man weiß es nicht … Deutlich hochwertiger agieren hingegen die weiblichen Darsteller. Susan Strasberg [→ ACHTERBAHN] wirkt im gleichen Maße selbstbewusst, wie verletzlich und geheimnisvoll und ist außerdem auch attraktiv genug, um Jack Lords Rückkehr zumindest im Ansatz plausibel erscheinen zu lassen. Collin Wilcox Paxton [→ DER WEISSE HAI 2] kann als ihre ältere Schwester ebenfalls punkten und verkörpert sehr glaubwürdig die Rolle der vom Leben gezeichneten Frau mit dunkler Vergangenheit. Der Hauptgewinn allerdings geht an die damals 24-jährige Tisha Sterling [→ COOGANS GROSSER BLUFF], die als jüngste der drei Schwestern eine großartige Schauspielnummer aufs Parkett legt, wenn sie in einem Moment tränenüberströmt vom tragischen Schicksal ihres Vaters berichtet, um sich ein paar Minuten später in eine wild fluchende Furie zu verwandeln. 

Lohnt sich ein Besuch im RASTHAUS DER TEUFLISCHEN SCHWESTERN nun? Zumindest schadet er nicht, vor allem, wenn man ein Faible besitzt für das urige Kino der 60er Jahre, in dem man so langsam, aber sicher begann, moralische Bedenken zur Seite zu schieben und thematisch auch mal heißere Eisen anzupacken. Dass THE NAME OF THE GAME IS KILL die meiste Zeit dennoch mit angezogener Handbremse fährt und bei weitem nicht der Knaller geworden ist, der er hätte werden können, ist zwar etwas bedauerlich, einen zaghaften Blick ist das makabre Geschehen allerdings trotzdem wert. Wer sich wohlfühlt im schaurigen Netz aus Ahnungen, Andeutungen und Intrigen, der darf sich hier ohne Reue seine mit sympathischem Billigcharme gestreckte Dosis abholen. Aber Vorsicht: Wer hier zu lang rastet, wird geröstet! 

Laufzeit: 80 Min. / Freigabe: ab 16