Eigene Forschungen

Donnerstag, 17. August 2023

HEAVEN'S HELL


OFFICIAL EXTERMINATOR II - HEAVEN'S HELL
Hongkong, Taiwan 1983/1987

Regie:
Philip Ko,
Hsu Yu-Lung

Darsteller:
Mark Watson,
Mike Abbott,
Ma Yu-Feng,
Long Shao-Hua,
Shih Ying,
Lu Bei-Bei,
Yue Lai-Sok



Wenn man Augen- und Ohrenzeuge eines alten asiatischen Filmes wird, der offensichtlich aus unterschiedlichen Materialien zusammenzuzimmert wurde, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, es mit einer Präsentation Tomas Tangs zu tun zu haben. Dieser machte es während des Video-Booms der 1980er Jahre zu seiner Königsdisziplin, sich vergessene Zelluloid-Erzeugnisse anzueignen, um sie per eigens dazuproduzierten Szenen als Action-Knaller vermarkten zu können. Für deren Inszenierung war dann meist Tangs Haus- und Hof-Regisseur Godfrey Ho zuständig, wobei man dessen Mitwirkung oft durch markige Pseudonyme zu verschleiern versuchte. Tatsächlich waren Tang und Ho aber nicht die einzigen, die sich dieser Praxis bedienten. Auch Kollege Joseph Lai war diesbezüglich sehr fleißig, welcher wiederum überwiegend seinen Vertrauten Philip Ko mit der Spielleitung der Zusatzszenen betraute. Das griffig HEAVEN'S HELL betitelte Opus ist einer der zahlreichen auf diese Weise entstandenen Flickenteppiche, wobei als dessen Autor frecherweise Godfrey Ho angegeben ist, was vor Augen führt, dass die personellen Grenzen im Resteverwertungs-Sektor von Ho, Ko & Co. KG stets fließend waren.

HEAVEN'S HELL besteht zum Großteil aus dem taiwanesischen Dorf-Drama THE FISHING ADVENTURE aus dem Jahre 1983. Das ist so ziemlich alles, nur halt kein Actionfilm. Um das Teil in eine Video-Hülle stecken zu können, von der aus einem lauter grimmig dreinblickende Muskel-Männer mit dicken Wummen entgegen stieren, erdachte man mehr schlecht als recht eine notdüftige Rahmenhandlung, die man mit dem Originalwerk zu verbinden versuchte, hauptsächlich dadurch, dass man dieses verfälschend nachsynchronisierte. Dass dabei keine Homogenität entstand, versteht sich fast von selbst. Mancherorts verkaufte man HEAVEN'S HELL auch als OFFICIAL EXTERMINATOR II, um zu suggerieren, dass hier irgendeine Erfolgsgeschichte fortgesetzt werden soll. Dabei ist das Einzige, was hier fortgesetzt wurde, das bewährte Modell der professionellen Kundenbehumsung. Der Titel Office Exterminator, der hin und wieder mal ein Plakat zierte, dürfte hingegen ein simpler Tippfehler sein, das wäre dann nämlich der Büro-Kammerjäger.

Inhalt:

HEAVEN'S HELL beginnt dort, wo alle Meisterwerke beginnen: an der Fahrstuhltür in einem Bürogebäude. 5 Männer begegnen sich dort.


„Wo ist er?“,
will der Mann wissen, der gerade aus dem Aufzug tritt (er heißt übrigens George).

„Wo ist was?“,
antwortet der Angesprochene (er heißt übrigens Lucas).

George:
„Der Vertrag!“

Lucas:
„Ach, der Vertrag! Keine Sorge, den hab ich gut aufgehoben.“

George:
„Du Bastard! Rück ihn sofort raus!“

Lucas:
„Na, na, George! Alter Junge, reg dich bloß wieder ab!“

George:
„Bastard, du hast mich reingelegt! Nun hab ich alle meine Anteile an dich verloren.“

Lucas:
„Die Firma ist in besten Händen. Bleib mal ganz friedlich!“

George:
„Verdammt! Du wirst bald von meinem Rechtsanwalt hören, Lucas.“


Spricht's und verschwindet wieder im Fahrstuhl.

Bereits dieser Auftakt ist dermaßen miserabel gespielt, dass direkt die Milch sauer wird. Mark Watson und Mike Abbott (welche hier George und Lucas geben – ob der Regisseur von STAR WARS davon weiß?) knödeln ihre Sätze raus, als verursache jede Silbe unvorstellbare Schmerzen, und angestrengtere Gesichtsausdrücke existieren wohl höchstens auf dem Dixie-Klo nach 2 Zentnern Panzerschokolade. Aber auch inhaltlich drückt's und zwickt's hier bereits gewaltig. George will also einen Vertrag sehen. Und weil der feine Herr Lucas ihm diesen nicht aushändigt, hat er nun all seine Anteile verloren? Viel Sinn ergibt das nicht, auch, weil jede weitere Erklärung schlichtweg ausbleibt. Aber immerhin sind Gut und Böse somit schon nach wenigen Sekunden glasklar abgesteckt, zumal Lucas seinen drei Gefolgsleuten nach Georges Abgang befiehlt, den unliebsamen Widersacher kaltzustellen. Was dann auch passiert: Mit bewährt verkrampfter Miene wird George beim arglosen Jogging-Ausflug per Beil zu Tode perforiert.




Nein, natürlich nicht. Denn George hatte einen Bruder names Phil, der praktischerweise ebenfalls von Mark Watson gespielt wird. Eben jener sucht George nun in dessen Büro auf, um dort - Wer hätt's gedacht? - den Vertrag sehen zu wollen. Dieses Mal ist George nicht so knauserig und überreicht Phil feierlich das gute Stück. Für diesen steht sofort fest, dass George seinem Bruder die Unterschrift unrechtsmäßig abgeluchst hat.


Phil:
„Du Schwein, du hast meinen Bruder umgebracht!“

Lucas:
„Das möcht ich doch überhört haben.“


Mit den Worten „So kommst du mir nicht davon!“ zieht Phil wieder Leine, um im Anschluss an den Strand zu gehen. Allerdings nicht zum Spaß, sondern um sich dort mit einem Bekannten zu treffen.


Phil:
„Alfred, kann ich mit dir rechnen? Ich weiß, ich verlange viel von dir. Aber Don arbeitet für Lucas. Und ich muss Lucas haben.“

Alfred:
„OK! Dir zuliebe mach ich's.“

Phil:
„Bring mir Beweise seiner Schmuggelei. Dann zieh ich ihn ab.“

Alfred:
„Ist dir die Sache so wichtig?“

Phil:
„Genau!“


Genau! Beziehungsweise: Häh? Denn nicht nur die Dialoge passen an dieser Stelle nicht mehr so recht zusammen: Phils Gesprächspartner mit dem schönen Namen Alfred befindet sich nämlich während der gesamten Konversation allzu offensichtlich an einem völlig anderen Ort. Kein Wunder, denn Alfred (Darsteller: Ma Yu-Feng) gehört eigentlich zu THE FISHING ADVENTURE. Der Zusammenschnitt von Phil und Alfred geriet dabei so dilettantisch, dass sogar Uneingeweihte sofort bemerken, dass hier etwas nicht stimmt: Phil blickt stur nach links, Alfred allerdings schräg nach vorn, bevor sich Phil direkt in Richtung Kamera dreht, wohingegen Alfred dafür plötzlich nach rechts schaut. Fehlte eigentlich nur noch, dass einer von beiden mal nach oben starrt oder sich die Schuhe zubindet. Jedenfalls käme nicht einmal ein Blinder auf die Idee, hier würden sich gerade tatsächlich zwei Personen reell miteinander unterhalten.

Ähnlich holprig dazu auch die Überleitung auf inhaltlicher Ebene. Wer ist plötzlich dieser Don, der da erwähnt wird, und warum soll ausgerechnet Alfred ihn des Schmuggels überführen? Jedenfalls beginnt nun das Originalmaterial und damit die eigentliche Haupthandlung, wenn Alfred wieder in das Fischer-Dörfchen zurückkehrt, in welchem er einst aufgewachsen ist. Dort trifft er als erstes auf Paul, einen Bekannten aus Kindertagen. Was aus seinem Kumpel Tony geworden ist, möchte Alfred wissen, woraufhin Paul plötzlich ganz niedergeschlagen zu Boden blickt. Tony, so erzählt er, sei in der Zwischenzeit bei einem Schiffunglück ums Leben gekommen. Der erste offizielle Besuch gilt dann Alfreds Schwester Lily, die in seiner Abwesenheit offenbar erblindet ist. Warum, wird nicht erläutert, aber vielleicht hat sie ja versehentlich eine Joseph-Lai-Produktion vor die Pupillen bekommen. Auch seiner Mutter geht es offensichtlich nicht gut, was Alfred direkt die Tränen in die Augen treibt. „Du siehst schlecht aus“, begrüßt er sie ungemein charmant, woraufhin Mama nur tröstend meint: „Was passiert ist, ist passiert.“. Und eigentlich wüsste man als Zuschauer ja auch ganz gern, was passiert ist, aber die von Ho & Ko verhackstückte Version schweigt sich beharrlich darüber aus.

Stattdessen bekommt man nun wieder Nachgedrehtes zu Gesicht, denn Lucas und seine Hackfressen-Bande hocken um einen Konferenztisch herum und halten Maulaffen feil. „Phil hat also diesen Alfred hergeschickt“, bemerkt Lucas soeben, was direkt wieder verwundert. Wieso denn „hergeschickt“? Dieser Alfred befindet sich ja nun ganz offensichtlich an einem völlig anderen Ort. „Erteile ihm eine Lektion, dass er mir nie mehr in die Quere kommt!“, befiehlt er einem seiner Handlanger. Dieser stolpert auch sofort aus dem Raum, während Lucas sich das Telefon reichen lässt und in der anderen Handlung anruft.

Tatsächlich wurden Telefongespräche häufig genutzt, um die neuen Szenen mit dem Ursprungsmaterial zu verbinden. Wenn im Hauptwerk mal jemand in den Quasselkasten sprach, konnte man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass diese Szene entsprechend zweckentfremdet genutzt wurde. In diesem Falle meldet sich nun Lucas beim Don (der ja bisher noch gar keinen Auftritt hatte, sondern lediglich erwähnt wurde), und informiert ihn, Phil habe „diesen Alfred“ auf sie beide angesetzt. Don schockiert das dermaßen, dass er ohne jedes weitere Wort den Hörer zurück auf die Gabel befördert. Was denn los sei, fragt ihn seine Frau (man erfährt später, dass sie Sylvia heißt). „Alfred ist zurück“, erklärt er, was sie ebenfalls arg aus der Bahn zu werfen scheint.

Der Grund dafür offenbart sich in einer folgenden Szene, in welcher Don heiße Ware in Empfang nimmt und dabei von einem alten Mann zugetextet wird, der ihm lauter Dinge erklärt, die er ja eigentlich selbst wissen müsste: Dons Frau war früher einmal mit Alfred liiert. Außerdem wird klar, dass Alfred 5 Jahre im Kittchen saß. Er tötete Dons Bruder in Notwehr, da dieser ihn attackierte, als er ihn beschuldigte, an den Schmuggelgeschäften beteiligt zu sein. Das ergibt allerdings wenig Sinn, denn Notwehr ist kein Verbrechen. Zudem wären Dons illegale Machenschaften bei der ganzen Angelegenheit ja schon längst aufgeflogen. Aber vermutlich wurde diese ganze Schmuggelgeschichte ohnehin nur nachträglich in das Geschehen hineinsynchronisiert, um zumindest eine brüchige Brücke zur dazuerfundenen Rahmenhandlung bauen zu können. Dennoch beißen sich die Erklärungen mit dieser natürlich, denn wenn Alfred kurz zuvor noch hinter schwedischen Gardinen saß, ist es doch eher unwahrscheinlich, dass er quasi unmittelbar nach Freilassung den Auftrag von Phil bekommt.

Phil! Wie geht es dem eigentlich? Der kommt gerade nach Hause und wird bereits von Lucas' Killer erwartet, der die Füße auf dem Wohnzimmertisch geparkt hat, Ziggis qualmt und sich gemütlich Büchsenbier hinter die Binde kippt. Als Phil die Tür öffnet, feuert er eine Maschinengewehrladung in dessen Richtung, schafft es aber irgendwie, an seinem völlig überrumpelten Opfer vorbeizuschießen. Vermutlich zu viel Büchsenbier! Phil greift sich sein Schwert (Sollte in jedem guten Haushalt vorhanden sein!) und liefert sich mit seinem Angreifer ein kleines Duell, bevor er ihm dann doch per Pistole das Licht auspustet. Phil atmet aus und lässt sich entnervt aufs Sofa plumpsen. Erst ein anstrengender Tag und dann auch noch sowas!

Zurück ins Hauptprogramm: Alfred scheint Phils Auftrag inzwischen völlig vergessen zu haben und hat bei seinem alten Kumpel Paul auf dessen Fischkutter angeheuert. Dieser (also Paul, nicht sein Kutter) wird dann des Nachts auf dem Heimweg von Don überfallen und zünftig zusammengeschlagen. Er solle aufhören, Alfred Arbeit zu geben. Don erinnert Paul daran, dass dieser noch Schulden bei ihm habe, der Fischkutter damit eigentlich noch ihm gehöre und er ihn jederzeit zurückfordern könne. Paul zieht den Schwanz ein und setzt Alfred notgedrungenermaßen auf die Straße.

Da er ja jetzt viel Freizeit hat, tollt Alfred nun erst einmal mit seiner Ex-Verlobten am Strand herum und sucht mit ihr im Anschluss an eine VERDAMMT IN ALLE EWIGKEIT-Gedächtnis-Gestaden-Wälzerei eine heimelige Höhle auf.


Alfred:
„Ist es wahr, Sylvia? Du liebst mich?“

Sylvia:
„Aber natürlich.“

Alfred:
„Sylvia, weißt du, was meine Mutter sagt? Fast jeden Tag?“


Zieh dir was Warmes an?


Sylvia:
„Nein, sag's mir!“

Alfred:
„Sie sagt, wir sollen heiraten. Sie wünscht sich einen Enkel. Hättest du gern Kinder mit mir?“

Sylvia:
„Nur, wenn du mich heiratest.“

Alfred:
„Mach ich.“


Ööööhmm … Haben da alle Anwesenden jetzt ganz spontan mal vergessen, dass Sylvia eigentlich mit Don verheiratet ist? Was nun kommt, wirkt sehr unangenehm, denn Alfred drückt Sylvia auf den Boden und beginnt, ihr die Bluse aufzuknüpfen.


Sylvia:
„Hey! Hör auf! Was machst du mit mir?“

Alfred:
„Ach, Liebling … Das weißt du doch ganz genau.“


Spricht's, reißt ihr das Oberteil runter und fällt über sie her. Das sollte wohl leidenschaftlich oder gar romantisch rüberkommen, erweckt aber natürlich ganz andere Assoziationen. Trotzdem lässt Sylvia es nach anfänglicher zarter Gegenwehr geschehen – wobei sich herausstellt, dass sie offenbar nicht weiß, was Sex ist.


Sylvia:
„Was soll ich tun?“

Alfred:
„Beobachte den Mond!“

Sylvia:
„Ich seh keinen Mond.“


„Denk einfach an was Schönes“, antwortet Alfred nun schon leicht genervt, was nicht gerade für seine Qualitäten als Liebhaber spricht. Trotzdem bekommen es beide offenbar irgendwie auf die Reihe, wie eine anschließende Wasserfall-Dusche Sylvias wohl versinnbildlichen soll.

Danach scheint Alfred einzufallen, dass er ja arbeitslos ist und begibt sich auf Job-Suche. Doch da Don mittlerweile das gesamte Dorf einschüchtern konnte, kassiert er eine Abfuhr nach der anderen, was ihn dazu verleitet, erst einmal schimpfend alte Kisten und Bretter durch die Gegend zu werfen. Und das soll nun dieser sagenhafte Alfred sein, vor dem alle Gangster angeblich solche Angst haben? Dem nicht mehr einfällt, als seine Wut an wehrlosem Holz auszulassen? „Ich hab ne Idee: Komm zu mir und arbeite für mich“, meint plötzlich eine Frau, welche Alfreds Umschichtarbeiten heimlich beobachtet hat und dem Publikum nicht weiter vorgestellt wird. Doch Alfred lehnt ab und geht nach Hause. „Ich kann warten“, meint die Dame.

Schon lang nichts mehr von Phil gehört! Dieser schlendert gerade die menschenleere Straße entlang, als er plötzlich von einem rotberockten Ninja angegriffen wird. Und damit jeder auch auf Anhieb erkennt, es mit einem Ninja zu tun zu haben, hat er sich auch noch mit hübscher Kinderschrift das Wort „Ninja“ aufs Stirnband geschrieben, nebst schicker Scherenschnitte zweier Ninja-Figuren.




Leider ist der Ninja ne Pfeife und liegt schon nach wenigen Sekunden erledigt auf dem Asphalt. Schon blöd, wenn man mit nem Schwert zu ner Schießerei erscheint!

2:0 für Phil also. Im Alfreds Heimatdorf wird einem indes gewahr, was die geheimnisvolle Frau aus der letzten Szene für einen Beruf hat: Sie ist Betreiberin eines Bordells. In eben jenem Etablissement wird der Zuschauer nun unfreiwillig Zeuge, wie ein ekliger alter Sack minutenlang an einer nackten Lotusblüte herumfummelt.

Alfred scheint es sich in der Zwischenzeit tatsächlich anders überlegt zu haben und steht bei der Frau Chefin auf der Matte. „Du arbeitest doch für mich“, freut sich diese. „Das ist wunderbar!“ Wobei nicht ganz klar wird, welchen Job er als Mann in einem Bordell eigentlich übernehmen soll. Probeficker? Nein, offenbar nicht, denn Madame stellt zwei Bedingungen:

1. Alfred solle sein Temperament zügeln - außer, es sei unbedingt nötig (ja, die Formulierung ergibt keinen Sinn, aber wurde halt so gesagt)

2. Alfred dürfe sich mit keinem „ihrer Mädchen“ einlassen.

Witzig wäre es jetzt natürlich gewesen, hätte Alfred hier direkt auf dem Absatz kehrt gemacht, aber da er den Job offenbar dringend braucht, lenkt er ohne zu murren ein.

Obwohl sie sich bei ihrer letzten Begegnung noch innig umschlungen auf dem Höhlenboden wiederfanden, liefern sich Alfred und Sylvia in der folgenden Sequenz aus heiterem Himmel nun ein saftiges Streitgespräch. Sie will nämlich plötzlich, dass er das Dorf verlässt, was er aber ablehnt, da der Ort ja schließlich sein Zuhause sei (gut, und eigentlich hat er ja auch noch einen Auftrag von Phil, aber den hat er gedanklich wohl schon zu den Akten gelegt). Als er ihr vorwirft, sie habe Don nur wegen seines Geldes geheiratet, empört sie das so sehr, dass sie ihm eine Schelle verpasst – nicht ohne ihm im Anschluss wieder „Oh, Alfred!“-schluchzend in die Arme zu fallen. Leider bekommt Dons Handlanger diese Szene mit und verklickert seinem Chef brühwarm, dass Sylvia sich mit dessen Konkurrenten trifft – was Don zum Anlass nimmt, laut zeternd ein paar Vasen zu zertrümmern.

Genau der richtige Zeitpunkt, um wieder zu Lucas zu schalten, der immer noch an seinem Konferenztisch hockt. Für ihn läuft es ja bekanntlich auch nicht sonderlich rund, immerhin hat Phil bereits zwei seiner Attentäter zu den Ahnen geschickt. „Der Bastard ist klüger als ich dachte“, knödelt er gewohnt wortgewandt heraus, wobei Phils Erfolge ja eigentlich nichts mit Klugheit zu tun haben. „Er ist ein Nichts, Boss“, entgegnet daraufhin der nächste Knecht, dessen Name nie genannt wird und der darum hier Kunibert getauft werden soll - hauptsächlich deswegen, weil er wie einer aussieht. „Lassen Sie mich ihn fertigmachen!“ Auf den sehr berechtigten Hinweis, sein Vorgänger habe ja bereits genau das gleiche vorgehabt, entgegnet Kunibert ganz nonchalant: „Ferris war dumm. Er hat sich immer überschätzt.“ Was offenbar beides der Wahrheit entspricht, immerhin hat dieser Ferris ja offensichtlich geglaubt, sein selbstgebasteltes Ninja-Kostüm mache ihn unbesiegbar. „Aber ich bin nicht Ferris. Ich bin schlauer“, komplettiert Kunibert seine Überzeugungsrede und fügt bedeutungsschwer hinzu: „Ich habe einen Plan.“ „Denkst du, es ist ein guter Plan?“, will der Boss wissen und für den Bruchteil einer Sekunde ist man überzeugt davon, Kunibert würde antworten: Nein, der ist total beschissen! Stattdessen aber meint er: „Gut genug für diesen Bastard“, was ausreichend ist: Kunibert erhält von seinem Boss die Erlaubnis, Phil abzuservieren. Und man ertappt sich dabei, bereits sehr gespannt zu sein, wie Kunibert seine Schlau- und Überlegenheit unter Beweis zu stellen gedenkt.

Es wird zurückgeschaltet zu Alfred, der inzwischen seiner Arbeit nachgeht, die offenbar aus Zeitunglesen besteht. Jedenfalls sitzt er ganz lässig am Tisch, einen Fuß entspannt auf der Platte, und blättert im Taiwanesischen Tageblatt. „Alfred, kennst du mich noch?“, ertönt da plötzlich eine Stimme, die zu einer der Prostituierten gehört. „Ich bin Tonys Frau“, erklärt sie und korrigiert sich dann etwas verschämt: „Nein, seine Witwe“. Tony? Wer war das denn jetzt noch gleich? Stimmt, Alfreds anfangs erwähnter Freund aus Kindertagen, derjenige, welcher mit seinem Kutter versunken ist. „Du hast dich verändert“, bemerkt der offenbar vom Donner gerührte Alfred. „Aus Tonys Frau wurde seine Witwe, die mit jedem schläft, der sich das Vergnügen leisten kann“, fasst sie die Veränderungen der letzten Jahre sehr griffig zusammen.

In der folgenden Szene trifft Alfred auf dem Heimweg dann mal wieder auf Sylvia. „Don hat dir doch nichts getan, oder?“, möchte sie wissen und fügt hinzu: „Er arbeitet mit einem Mann namens Lucas.“ Diese Aussage kommt herrlich bekloppt aus heiterem Himmel, denn eigentlich hat Sylvia nicht die geringste Motivation, jetzt plötzlich ungefragt von den Geschäftspartnern ihres Göttergatten zu berichten. Da fiel Lai wohl auf einmal wieder ein, dass ja irgendwie noch die dazuerfundene Lucas-Geschichte untergebracht werden muss. „Aha, Lucas“, murmelt Alfred in seinen nicht vorhandenen Bart. „Das dachte ich mir. Das überrascht mich nicht.“ Er dachte sich das? Es überrascht ihn nicht? Hallo, was ist denn jetzt los? Alzheimer lässt grüßen? Er wusste das die ganze Zeit. Immerhin hat er ja den Auftrag, Dons Machenschaften aufzudecken, um damit auch Lucas ans Messer zu liefern. Nur deswegen ist er vor Ort! Herrje … Ebenso schnell, wie sie auf das Lucas-Thema gekommen ist, verlässt Sylvia es auch schon wieder. Nun geht es wieder darum, dass Alfred doch gefälligst die Kurve kratzen soll, weil es hier viel zu gefährlich sei für ihn – womit im Prinzip beide ihr letztes Gespräch direkt noch einmal führen.

Nachdem nun immer und immer wieder behauptet wurde, es könne für Alfred gefährlich werden, passiert nun endlich auch einmal Dementspreches: Dons Schergen tauchen auf und treten Alfred fachgerecht zusammen. Schließlich schnappt sich die Schlägerbande die hilflose Sylvia und dampft wieder ab, während Alfred schwer verletzt liegen bleibt. In diesem Zustand wird er überraschend von Tonys Witwe (die übrigens Sally heißt) aufgelesen und nach Hause geleitet.

Aufgrund Sylvias Frechheit, sich mit Alfred zu treffen, legt Don derweil die totale Psycho-Kasper-Nummer aufs Parkett. Die dabei an den Tag gelegten Gesichtsentgleisungen lassen jeden De Niro vor Neid erblassen.


And the Oscar goes to …


Sylvias Versprechen, sie werde ihn nie wiedersehen, reicht ihm nicht: „Ich will, dass er leidet wie ein Tier!“, presst er hervor, offenbar nicht wissend, dass es ja auch glückliche Kühe gibt. Daraufhin droht Sylvia, sie würde verraten, dass Don Geschäfte mit Lucas macht, was mal wieder am Geisteszustand der Beteiligten zweifeln lässt, denn das hat sie ja bereits getan. Don tut nun das, was alle Bösewichter in solch einer Situation tun: Er sperrt Sylvia in ihr Zimmer ein. Welch teuflischer Plan!

Apropos: Was ist denn eigentlich aus Kuniberts Super-Plan geworden, seinen Kontrahenten ein und für alle Male zur Strecke zu bringen? Phil hat in der Zwischenzeit ein Paket erhalten, welches er nun in freier Natur auf einen Stein legt, um darauf zu schießen (in der Welt von Lai macht man das so, wenn man ein Paket bekommt). Doch kaum legt er auf das Paket an, da wird er hinterrücks selbst ins Visier genommen. Zum Glück ist Kunibert nett genug, Phil deutlich zu verfehlen, weswegen dieser nun in Deckung springen und seinem Gegner ins Bein schießen kann. Kunibert feuert nun selbst auf das immer noch auf dem Stein platzierte Paket, welches dadurch explodiert. Dabei ist er allerdings etwas unvorsichtig, denn Phil springt plötzlich von oben einen Felsen hinunter und ballert Kunibert ein Loch in die Birne. Und obwohl dabei deutlich Hirn- und Schädelmasse durch die Gegend fliegt, was ja in der Regel zu einem schnellen Tode führt, findet Kunibert danach auf dem Boden liegend noch genug Zeit, sich noch einmal aufzubäumen und Phil vorwurfsvoll anzustarren. Einen Moment lang befürchtet man, er sagte jetzt noch: „Winnetou … hört in der Ferne … die Glocken“, aber so weit kommt es dann doch nicht.

Kuniberts geniales Konzept sah zusammenfassend also so aus:

  • Phil ein Paket schicken, das nur dann explodiert, wenn man darauf schießt
  • abwarten, bis Phil es in der freien Natur platziert, um darauf zu schießen
  • sobald das passiert, hinterrücks auf Phil schießen

Warum er Phil nicht einfach eine Bombe vor die Tür gelegt hat, die man nicht erst per Schuss aktivieren muss? Das fragt Kunibert sich jetzt wohl auch.

Alfred scheint sich währenddessen wieder von der Prügel erholt zu haben, immerhin arbeitet er wieder. Arbeiten im Sinne von: sinnlos durchs Bordell laufen (gut, zugegeben: Er trägt dabei Bettwäsche mit sich herum. Hoffentlich ist die sauber). Da erfährt er von einem Kumpel das Neueste: „Der Doktor sagt, deine Mutter hat Krebs. Sie hat nur noch ein halbes Jahr zu leben.“ Drama, Baby! Alfred eilt flugs zum Krankenbett. „Ich will hier raus und dir eine Frau suchen“, erklärt ihm die Mama. „Dann könnt ihr heiraten und ein Kind kriegen, bevor ich sterbe.“ Auf Alfreds berechtigen Hinweis hin, sowas könne man ja nicht erzwingen, wird die Mutti direkt ein bisschen erpresserisch: „Sorge dafür, dass ich einen Enkel bekomme, damit ich in Ruhe sterben kann.“ Als ob Alfred nicht schon genug Probleme hätte …

Nun muss alles sehr schnell gehen: Alfred bestellt Sally (Schon vergessen, wer das war? Die Prostituierte, die Alfred gesundgepflegt hatte) zu einer alten Tempelanlage.


Sally (ziemlich entrüstet):
„Warum hast du mich eigentlich herbestellt?“

Alfred:
„Sally … Willst du … ?

Sally:
„Was? Was willst du??“

Alfred:
„Sally, ich will von dir ein Baby!“


Sally ist aus irgendwelchen Gründen zwar erst ein wenig überrumpelt, aber keine 2 Minuten später ist sie Feuer und Flamme für die Idee. Kaum überzeugt, stehen die beiden in der nächsten Szene auch schon vor dem Traualtar. Das geht hier alles so schnell, da wird ja Las Vegas neidisch!

Nach der Hochzeitszeremonie wird es Zeit, sich mal wieder Sylvia zu widmen, die wider Erwarten nun doch nicht lebenslang von Don ins Zimmer gesperrt wurde, sondern nun – sogar ziemlich zufrieden aussehend – im Garten steht und die Sträucher bewässert (also, per Schlauch, versteht sich). Als Don ums Eck kommt, begrüßt sie ihn so freudig, als sei nichts zuvor geschehen. Aber Don scheint mal wieder tüchtig einen im Tee zu haben, und macht sich darüber lustig, dass ihr geliebter Alfred nun eine Nutte geheiratet hat. „Ich frage mich, wer der richtige Vater von diesem Balg ist“, meint er, was einen mal wieder ein wenig überrumpelt. Was denn für ein Balg? Haben Alfred und Sylvia jetzt etwa auch schon ein Kind miteinander? Wie schnell geht denn das da alles bei denen im Dorf, bitte schön???

Nein, haben sie offenbar nicht. Stattdessen überrascht Sally ihren Ehemann damit, dass sie ihm einen Fischkutter gekauft hat. Samt Paul offenbar, der dort auf Deck steht und wie wild durch die Gegend winkt. „Wo ist das Geld her?“, will Alfred wissen, woraufhin sich Sally als offenbar reichste Frau der ganzen Insel entpuppt: „Ich habe jede Menge Geld gespart bei der Madame. Reichlich genug, um dir dieses Boot zu kaufen. Und ich habe außerdem alle Schulden bezahlt.“ (Welche Schulden denn? Alfred hatte doch gar keine. Vermutlich meinte sie die von Paul, aber es wäre ja schon ganz schön, wenn man die Zusammenhänge nicht selbst erraten müsste. In der englischen Original-Synchronisation meint sie übrigens sogar, sie habe ihre Schulden bezahlt, was noch weniger Sinn ergibt.). Und dann wird es ernst: „Alfred, ich wünsche mir, dass du aufhörst, bei der Madame zu arbeiten. Ich will jetzt eine richtige Familie, nur anständige Arbeit und ein Kind.“ So schnell ändern sich die Vorzeichen! Nun ist Alfred plötzlich derjenige, für den man sich schämen muss. Dieser fällt bei der Ansprache aus allen Wolken: „Heißt das, du bist schwanger?“ Nein, das heißt das eigentlich nicht, aber trotzdem stimmt es, wie Sally danach freudestrahlend verkündet. Wie kommt es eigentlich, dass Don das bereits früher wusste als Alfred?

Don bespricht zwischenzeitlich mit seinem Handlanger die nächste Lieferung, da kommt ein Untergebener angewackelt und ist ganz aufgeregt: „Hey, Boss! Das Boot gehört tatsächlich Alfred. Und seine Frau hat sogar sämtliche Schulden von Paul bezahlt.“ Letzteres kann schon wieder irgendwie nicht angehen, denn Paul hatte die Schulden ja bei Don. Der würde es ja wohl wissen, wenn die jemand bezahlt hätte. „Das musst du unbedingt Lucas erzählen“, meldet sich der erste Handlanger wieder zu Wort. „Das wird dem gar nicht gefallen. Alfred könnte uns alles verderben.“ Warum Alfred jetzt plötzlich gefährlicher (oder überhaupt einmal gefährlich) für Don sein sollte, nur, weil er jetzt einen Kutter sein Eigen nennt, erwähnt er dabei leider nicht, dabei wäre das jetzt wirklich einmal interessant gewesen.

Weil die Gangster offenbar tatsächlich eine Heidenangst vor dem Boot haben, machen sich zwei von Dons Schergen des Nachts daran, den Kahn zu sabotieren. Welch Glück, dass zufällig just in diesem Moment Alfred und Paul des Wegs kommen, um die Unholde zu verjagen. Da es den beiden offenbar im Handumdrehen gelingt, den Schaden wieder zu reparieren (immerhin findet bereits in der nächsten Einstellung unter viel Gejohle eine große Bootsablege-Party statt), war die ganze Sabotage-Aktion bemerkenswert sinnlos. „Verdammt, Alfred hat auch noch ein Boot“, schimpft Lucas hinter seinem Schreibtisch hockend in der folgenden Szene. „Das ist ein echtes Problem“, bemerkt sein letzter verbliebener Vertrauter zustimmend. Ja, ein Riesen-Problem! Nicht auszudecken, was Alfred mit seinem neuen Kutter alles anrichten könnte, um ihnen gefährlich zu werden. Fische fangen z. B. „Phil ist noch im Weg“, ruft der Kompagnon seinem Boss ein weiteres Problem ins Gedächtnis, so als könnte diesem das tatsächlich entfallen sein. Nach dem Motto Wenn etwas gut werden soll, dann muss man es schon selber machen beschließt Lucas nun endlich, besagten Phil höchstpersönlich zu entleiben.

Im Fischerdorf wird es kurz vor Schluss noch einmal so richtig dramatisch: Zwei von Dons Leuten tauchen während Alfreds Abwesenheit bei ihm zu Hause auf, erschlagen seine Frau und vergewaltigen seine Schwester. Als Alfred das entdeckt, brennen bei ihm logischerweise alle Sicherungen durch. Und nun, nach 73 Minuten Spielzeit, passiert es tätsächlich: Die einzige wirklich gute Action-Szene HEAVEN'S HELLs findet statt (und die gehört noch nicht einmal zum Nachgedrehten): Alfred eilt zu Don und dessen Gefolge und lässt seiner Wut in einer wuchtigen mehrminütigen Prügel-Arie freien Lauf. Doch kurz, bevor er Don endgültig den Garaus machen kann, taucht Sylvia auf und offenbart ihm, dass ihre Tochter auch seine Tochter ist (diese Tochter wurde hier bisher nicht erwähnt, weil auch der Film sie eigentlich nicht erwähnt - sie war lediglich bisher ein Mal im Bild). „Als du ins Gefängnis kamst, da war ich schwanger“, erklärt sie. „Darum habe ich Don geheiratet, damit sie einen Vater hätte.“ (Geiles Deutsch!) Da kommt plötzlich die Polizei angedackelt und verhaftet Don wegen Schmuggelei. Warum jetzt erst und nicht schon vor 80 Minuten? Man weiß es nicht! Mussten wohl erst ein paar Menschen zu Schaden kommen. Ulkigerweise nehmen die Beamten ohne jeden weiteren Kommentar wirklich nur Don mit und lassen den Rest der Belegschaft buchstäblich im Regen stehen.

Damit ist THE FISHING ADVENTURE dann tatsächlich auch beendet. HEAVEN'S HELL aber noch nicht. Denn Philip Ko hat natürlich noch ein paar Szenen im Köcher, um den Konflikt zwischen Lucas und Phil seiner finalen Bestimmung zuzuführen. Wie es wohl enden mag?

Kritik:

Sich über das Gesehene ein finales Urteil zu erlauben, ist keine leichte Aufgabe, wobei das in erster Linie natürlich für das hier hauptsächlich verwendete Fremdwerk gilt. THE FISHING ADVENTURE (Müsste das nicht eigentlich The Fisherman's Adventure heißen? Ein Angel-Abenteuer ist das ja eigentlich gar nicht) war gewiss mal ein ambitioniertes Projekt, das für diese Resteverwertung allerdings gehörig durch den Fleischwolf gedreht wurde. Viele der zahlreichen Defizite sind daher in der unangetasteten Version womöglich gar nicht vorhanden.


Original-Plakat von THE FISHING ADVENTURE


Vor allem mangelt es an Spannung, denn der von Ma Yu-Feng passabel gespielte Fischer (der in dieser Version den nicht gerade heroisch wirkenden Namen Alfred trägt) bleibt fast durchgehend passiv, lässt die Dinge einfach geschehen und scheint auch keine charakterliche Entwicklung durchzumachen. Und ausgerechnet in einem der wenigen Momente, in denen er mal die Initiative ergreift, wirkt er dann auch noch ungewollt unsympathisch, da er den Geschlechtsakt mit seiner (mittlerweile ja auch noch verheirateten) Ex-Freundin doch etwas sehr arg forciert.

Ohnehin ist die Beziehung zwischen Alfred und Sylvia der nächste Stolperstein, denn beider Verhalten sorgt nicht selten für Irritationen. Ohne jede vorherige Wiedersehens-Szene hüpfen da beide aus heiterem Himmel im unbeschwerten Liebestaumel über Stock und Stein, obwohl die Situation (er gerade aus dem Knast raus, sie inzwischen unglücklich mit einem gewalttätigen Gangster verheiratet) das ja eigentlich gar nicht zulässt. Ihre folgenden Treffen sind dann plötzlich beherrscht von Kummer und Konflikten, wobei der Grund für den Stimmungsumschwung nicht nachvollziehbar ist. Generell scheinen Lai & Konsorten häufiger mal die Reihenfolge von Szenen vertauscht zu haben, weswegen vor allem Sylvia scheinbar ohne Motivation abwechselnd besorgt und unbekümmert daherkommt. Dass sie ihren Ehemann, der sie kurz zuvor windelweich geprügelt und ins Zimmer gesperrt hat, in der nächsten gemeinsamen Szene mit einem fröhlichen „Hallo, Don!“ begrüßt, während sie mit einem unbeschwerten Lächeln auf den Lippen den gemeinsamen Garten pflegt, erscheint dabei besonders absurd.

Was besagter Don eigentlich genau macht und wie er sein Geld verdient, darüber schweigt man sich größtenteils aus. Er schmuggelt Dinge und erwartet ständig neue „Riesen-Lieferungen“, aber worum es dabei überhaupt geht (und vor allem: warum er sich die Ware in ein kleines Fischerdorf schicken lässt, in dem gefühlt nur 20 Leute leben) bleibt mysteriös. Und selbst wenn die ganze Schmuggelgeschichte nachträglich hineinsynchronisiert wurde, um zumindest einen zaghaften Zusammenhang zur hinzugefügten Rahmenhandlung zu haben, hätte man sich dabei ja etwas mehr Mühe geben können. Auch viele weitere Erklärungen glänzen durch Abwesenheit, sehr wahrscheinlich aufgrund unsensibel vorgenommener Kürzungen. Was wurde denn jetzt eigentlich aus Alfreds Mutter, die mittig urplötzlich eine Krebs-Diagnose samt baldiger Ablebungsgarantie erhält, weswegen Alfred ja extra die Hochzeitsglocken läuten lässt, damit sie glücklich ins Gras beißen kann? Was soll diese merkwürdige „Arbeit“ (de facto macht Alfred dort genau null komma nix) im Freudenhaus, für welche die „Madame“ genannte Puffmutti ihm extra ein Regelwerk auferlegt, an das sie ihn unterwegs auch noch mehrmals mahnend erinnert. Am Ende spielt das dann ebenfalls nicht die geringste Rolle mehr.

Dass es zwischen den rivalisierenden Parteien erst zur großen Abrechnung kommt, nachdem Dons Leute Alfreds Schwester Gewalt antun, ist erzählerisch äußerst billig, denn im Prinzip hätte diese Tat auch schon nach 5 Minuten stattfinden können, so unmotiviert, wie sie hier hereinbricht. Mit allem, was davor passiert und nicht passiert ist, hat das jedenfalls nichts zu tun. Wie gesagt: Wie viel davon auf das Konto von Team Lai geht, ist ungewiss, aber der Qualität letzter Schluss dürfte THE FISHING ADVENTURE auch im Original schon nicht gewesen sein.

Gegen die von Lai & Ko nachträglich hinzugefügten Szenen allerdings wirken Alfreds Abenteuer regelrecht meisterhaft. Der Zwist zwischen Phil und Lucas ist selbst in seiner Einfachheit nicht die Bohne durchdacht, zumal gar nicht klar ist, warum Lucas dem Phil überhaupt ans Leder will. Der macht nämlich eigentlich überhaupt nichts, außer den ganzen lieben langen Tag arglos durch die Gegend zu schlendern und Überraschungsangriffe abzuwehren. Dass die ganzen Leichen, die er dabei hinterlässt, niemals jemandem auffallen, versteht sich von selbst. Die Action ist dabei plump und ungelenk und die Sets stets billig und einfallslos, wobei es immerhin ein paar ganz nette Stunts und Perspektiven gibt. Darsteller und Dialoge allerdings sind so unterirdisch, dass jedes Schultheater dagegen wie Shakespeare wirkt. Wer ein Trinkspiel riskieren möchte, der genehmige sich jedes Mal ein Schlückchen, wenn das Wort „Bastard“ fällt. Zu mehr Kreativität in Sachen Schimpfwort hat's schlichtweg nicht gereicht.

Diese Zusatzszenen lassen sich mit dem Hauptwerk nicht nur in Hinsicht auf die deutlich unterschiedliche Bildgestaltung und -qualität in keinerlei Einklang bringen. Denn die Dorf-Geschichte ist zwar dröge erdacht und erzählt, aber durchaus düster und dramatisch, sodass die hinzugefügten Albernheiten mit Ninjas im Strampelanzug nur schwerlich dazu passen. Der offensichtlichste Widerspruch zwischen beiden Handlungsebenen ist dabei der, dass sich Alfreds Geschichte über einen längeren Zeitraum von mindestens einem Jahr zu erstrecken scheint, während die Reibereien zwischen Phil und Lucas offenbar innerhalb weniger Tage passieren.

Die hineinsynchronisierten Verweise auf den im Original natürlich eigentlich nicht vorhandenen Lucas wirken bemüht und albern. Dass man dem Publikum zudem weißmachen wollte, Alfred sei eigentlich vor Ort, da er von Phil den Auftrag erhalten habe, Don des Schmuggels zu überführen, ist ein echter Lacher, denn Alfred tut nicht das Geringste dafür und reagiert selbst auf Demütigungen seitens Don rein passiv. Stattdessen geht er fischen, bändelt mit seiner Ex an, geht auf Job-Suche, heiratet und gammelt rum. Am Ende wird Don dann tatsächlich verhaftet. Warum? Erklärt wird das übrigens tatsächlich nicht. Aber ganz sicher nicht wegen Alfred, denn der hat nichts zu Irgendetwas beigetragen.

Trotz zahlreicher alberner Momente ist HEAVEN'S HELL am Ende leider auch nicht lustig genug, als dass man eine Empfehlung aussprechen könnte, und fungiert somit in erster Linie nur noch als apartes Anschauungsobjekt für die Dreistigkeit, mit welcher Videotheken-Kunden damals bisweilen über die Verleih-Theke gezogen wurden.

Laufzeit: 84 Min. / Freigabe: ungeprüft

Sonntag, 30. Juli 2023

ANGEL OF HELL


ANGEL FORCE
Hongkong 1989

Produktion:
Tomas Tang

Darsteller:
Irene Ball,
John White,
Susan Leigh
und
lauter
weitere
ausgedachte
Namen



Tomas Tang schlägt wieder zu! Der findige Geschäftsmann (Filmproduzent möchte man ihn gar nicht nennen!) fand seine Königsdisziplin in den 1980er und 90er Jahren in der Aneignung meist defizitärer, manchmal gar unfertiger Zelluloid-Erzeugnisse, die er, veredelt mit nachgedrehten Szenen und verfälschender Synchronisation, als vermeintliche Action-Highlights unters Video-Volk jubelte. Oftmals waren Ninjas Gegenstand dieser Ergänzungspolitik, weil die japanisch-stämmigen Schattenkrieger eine zeitlang beim Publikum hoch im Kurs standen, aber hin und wieder durften auch ganz normale Cops & Robbers ohne Robe und Stirnband durch die Botanik bollern. So geschehen bei ANGEL OF HELL, der im Original eigentlich ANGEL FORCE heißt, wobei im Vorspann lediglich noch Ngel Forc steht, was wie der Name eines niederländischen Segelschulschiffes klingt:




Inhalt:

Pat (ja, die heißt wirklich so) verbringt ihre freien Nächte damit, in einer Striptease-Bar zu tanzen („tanzen“ im Sinne von „mechanisches Schwingen der Hüfte von links nach rechts“ und „Striptease“ im Sinne von „mit Bikini bekleidet“), um auf diese Weise das nötige Kleingeld für die OP ihrer kranken Mutter zusammenzuzappeln.

Dennis (ja, der heißt wirklich so) ist der Ex-Freund von Pat, der aufgrund seiner Spielschulden (beim Billard!) permanent vor ihrer Haustür steht, um sie um Zaster anzubetteln.

Benny (ja, der heißt wirklich so) ist ein zwielichtiger Geschäftsmann mit Kontakten zur Unterwelt, den sich Pat als Gönner anlacht, um noch schneller an noch mehr Moneten zu kommen.

Linda (ja, die heißt wirklich so) ist Bennys Ehefrau, die von ihrer plötzlichen Nebenbuhlerin so rein gar nichts hält und ein paar Killer auf sie ansetzt (typische Überreaktion).

Bonnie (ja, die heißt wirklich so) ist die Tochter von Benny und Linda und findet es doof, dass sich ihre Eltern ständig in der Wolle haben.

Roger ist ein Taxifahrer, bei dem Bonnie ein wenig Trost findet. Der heißt zwar wirklich so, ist aber in Wahrheit ein verdeckter Ermittler, der über die Tochter an den Gangster-Papa ranmöchte.

So weit, so belanglos. Weil dabei aber die ganze Zeit so gut wie gar nichts passiert, Tomas Tang jedoch unbedingt einen Actionfilm haben wollte, ließ er ein paar Szenen dazudrehen, in denen was passiert. Also, zumindest bewegt sich was, gut inszeniert oder gar aufregend sind diese ganzen hinzuerfundenen Verfolgungsjagden, Schlägereien und Schußwechsel natürlich trotzdem nicht. Hier geht es um die Polizistin Angel (ja, die … Ach, egal!), die sich ein paar schlag- und schießwütige Scharmützel mit irgendwelchen dahergelaufenen Galgenvögeln liefert, die sich ihrerseits wiederum regelmäßig zur gemeinsamen Fruchtschorle treffen, um einen Plan auszuhecken, wie man Benny und einen seiner Kontrahenten effektiv aufeinanderhetzen könnte.

Kritik:

Intendiert war ANGEL OF HELL (beziehungsweise das Werk, das diesem als Grundlage diente) offenbar als Sozial-Drama mit Krimi-Einschlag, in dem eine junge, vom Schicksal gebeutelte Frau sich in die Untiefen verruchter Nachtklubs und Räuberhöhlen begeben muss, um ihrer kranken Mutter helfen zu können – was in der Umsetzung in erster Linie durch narrative Naivität besticht. Anspieltipp ist die Szene, in welcher „Heldin“ Pat ihre bettlägrige Mama besucht, die dann – um der Dramatik der ganzen Situation auch hinreichend Ausdruck zu verleihen – eine Hust-, Prust- und Keuch-Kaskade vom Stapel lässt, dass sich die Balken biegen, wobei sie bestimmt noch drei Male betont, der Arzt habe gemeint, es sehe „nicht gut“ aus. Ach, ohne Scheiß, ja? Seltsamerweise wird diese offenbar an der Schwelle zum Tod stehende (beziehungsweise liegende) Frau dann im weiteren Verlaufe völlig vergessen. Was wohl aus ihr geworden ist? Wenn sie nicht gestorben ist, dann hustet sie noch heute.

Stattdessen verstrickt man sich in irgendwelche Gangster-Geschäfte, wenn Pat sich den gut betuchten Unterwelt-Boss Benny angelt, welcher ihr – natürlich im Gegenzug für ein paar horizontale Gefälligkeiten – verspricht, die lebensrettende OP zu bezahlen. Ob das dann tatsächlich auch passiert, bleibt offen. Da Pat auch weiterhin ihren schäbigen Strip-Schuppen aufsucht, um dort gegen klingende Münze das Becken kreisen zu lassen, kann man zumindest vermuten, dass die Zahlung noch ein wenig auf sich warten lässt. Ab hier wusste man dann offenbar gar nicht mehr so recht, was man eigentlich noch erzählen sollte, und verliert sich daher in zahlreichen Nebenhandlungen, die sich inhaltlich zu allem Ungemach auch noch laufend wiederholen. So trifft sich Pat immer wieder mit ein paar ominösen Männern, die für einen Konkurrenten Bennys arbeiten sollen und irgendetwas von ihr erwarten. Offenbar ein Beweisstück, das Benny ans Messer liefern soll, aber konkreter wird es nicht. Pat stellt dann immer wieder fest, dass es noch dauert, bis sie es hat, und dann trennen sich ihre Wege wieder. Zusätzlich bricht Bennys eifersüchtige Ehefrau mehrfach mit ihrem Gatten einen Streit vom Zaun, was stets in einer saftigen Schelle mündet. Und zwischendurch darf man auch immer mal wieder Pats Ex-Freund Dennis beim Billard spielen zusehen. Aufregend, was? Ach ja: Bennys Frau beginnt dann auch noch eine Affäre mit einem anderen Typen. Ist aber ebenfalls völlig egal.

Das alles ist beseelt von Stillstand und bräsiger Langeweile und mehrmals beginnt man sich zu fragen, was denn überhaupt die Intention war, diese rammdösige Plotte in Produktion zu schicken, dieses Sammelbecken an Belanglosigkeit, bei dem sich eigentlich gar nichts gegenseitig bedingt und nahezu sämtliche Mini-Handlungsstränge getrennt voneinander ablaufen. Oft scheint es, als habe es gar kein Konzept gegeben und man filmte jeden Morgen einfach immer nur das, was einem gerade so in den Sinn kam, Hauptsache, es ging irgendwie weiter! Dazu passt dann auch manch völlig aus der Luft gegriffene Verhaltensweise. Die Story um Pats Ex-Freund, der sie ständig (und noch dazu auf sehr übergriffige Weise) um Geld anhaut, ist schon seltsam genug. Aber wieso kommt sie plötzlich (und offenbar sehr spontan) auf die Idee, dieser könne ein geeigneter Leibwächter für ihre kleine Schwester sein? Würde man dafür nicht jemanden engagieren, dem man auch vertraut und nicht den verschuldeten Ex, der nicht einmal sein eigenes Leben auf Kette bekommt? Oder jemanden, der im Bereich „Leibwache“ Erfahrungen oder Fähigkeiten vorzuweisen hat? Und warum braucht die Kleine überhaupt plötzlich einen Leibwächter? Bis dahin war das Mädchen genau ein einziges Mal im Bild zu sehen und wenn man in diesem Augenblick zufällig gerade geblitzelt hatte, dann hatte man's auch schon verpasst.

Und dann ist da ja auch noch der Undercover-Polizist Roger, der sich an des Gangsterbosses Tochter ranmachen soll, um diese fachgerecht auszuhorchen. Eigentlich ist das der Aufhänger der ganzen Soße, zumindest in der hier vorliegenden Tomas-Tang-Version. Und ausgerechnet diese Story ist dann die marginalste von allen und steuert nicht das Geringste zum Ablauf bei. Dabei kann man jetzt wirklich nicht behaupten, besagter Roger habe sich bei seinem Auftrag keine Mühe gegeben. Mal abgesehen davon, dass Taxifahrer nun bei weitem nicht die beste Tarnung ist, um sich an jemanden ranzuwerfen (eigentlich sind solche Leute ja den ganzen Tag unterwegs und transportieren nicht nur eine einzige Person immer und immer wieder, mit der sie dann zwischenzeitlich auch noch Essen und Wandern gehen), ist es doch enorm respektabel, wie geschickt und subtil er der jungen Frau scheinbar völlig unverfängliche Fragen stellt wie: „Dein Vater ist eben mit einer Frau weggefahren. Kennst du sie vielleicht?“ oder „Bonnie, kennst du die Pläne deines Vaters?“ Aber jedes Mal hat die Gute wirklich absolut keine Ahnung und Roger gelingt es nicht ein einziges Mal, ihr eine brauchbare Information zu entlocken. Muss er aber auch gar nicht, denn am Ende löst sich alles irgendwie ohnehin in Wohlgefallen auf. Benny wird verhaftet, weil ja eigentlich ohnehin jeder weiß, dass er ein Gangster ist. Feierabend!

Naja, nicht ganz, denn der Abspann darf ja nicht rollen, bevor Tomas Tang nicht auch all seine neu gedrehten Szenen losgeworden ist. Darum liefern sich Polizistin Angel und ein paar Halunken (von denen nie so recht klar wurde, zu welcher Bande die denn nun eigentlich gehören sollten) noch ein finales Duell. Obwohl diese nachträglich arrangierte Rahmenhandlung mal wieder alles noch ein bisschen verworrener macht als ohnehin schon der Fall, fügt sie sich dieses Mal deutlich besser ein als meistens bei Tang & Co., zumal hier offenbar auch gar nicht allzu viel verändert wurde. Da Roger innerhalb der Original-Handlung tatsächlich bereits ein verdeckter Ermittler war, konnte man ihn gut mit den zusätzlichen Szenen verbinden, indem man seinen Ansprechpartner bei der Polizei einfach gegen Angel austauschte. Am Auffälligsten fallen die Unterschiede noch anhand der Akteure ins Auge, denn Tang gelang es mal wieder, die hässlichsten Hemden, fürchterlichsten Frisuren und fiesesten Hackfressen aufzutreiben, die man für Geld kaufen konnte. Und auch mimisch befindet man sich im tiefsten Tal. Die Darstellerin der Angel (die im Titel ja immerhin als Hauptfigur behauptet wird, obwohl sie insgesamt höchstens 10 Minuten lang auftaucht) verwechselt Schauspielerei mit Augenaufreißen, wobei man in einer Szene kurz meint, der leibhaftige Belzebub sei in sie gefahren:



(Vielleicht der Grund, warum der deutsche Titel Engel der Hölle lautet?)


Ansonsten herrscht hier mal wieder die brüllende Lieblosigkeit, was schon damit anfängt, dass man den Figuren nicht einmal Nachnamen gönnte. Stattdessen spricht man hier ganz lapidar von Pat, Benny, Bonnie, Linda, Dennis oder Roger, womit ANGEL OF HELL auch vor einer sächsischen Pommes-Bude spielen könnte. Die deutsche Synchronisation beeindruckt dazu fortwährend durch falsche Betonungen und fehlende Emotionen – wobei schon die Frage berechtigt ist, wie man Ansagen wie dieser auch noch Emotionen entlocken könnte:


„Das wird schon wieder! Keine Sorge! Vertrau mir! Es wird schon wieder gut! Mach dir keine Gedanken, Bonnie! Es wird schon wieder!“


Nein, das wird nicht wieder! ANGEL OF HELL gehört in seiner miefigen Lethargie sogar im nicht gerade durch Qualität glänzenden Œuvre eines Tomas Tang zum Bodensatz und darf ohne schlechtes Gewissen ignoriert werden.

Laufzeit: 86 Min. / Freigabe: ungeprüft

Sonntag, 23. Juli 2023

TERMINAL ANGELS


TERMINAL ANGELS
Hongkong, Thailand 1987

Produktion:
Tomas Tang

Darsteller:
Paul John Stanners,
Sun Chien,
Chatchai Plengpanich
und lauter lustige
ausgedachte Namen wie
Laura Bells,
Hubert Hays oder
Rio Smith



Alle Hoffnungen, es bei TERMINAL ANGELS aufgrund des markigen Titels und der attraktiven Cover-Gestaltung mit einem kleinen Knaller zu tun zu haben, zerschlagen sich mit Krach und Getöse, wenn die Eröffnungsfanfare ertönt und weiß auf rot der Name des Produktionsstudios erscheint: Filmark International Ldt. steht da, nachweislich eine der schlimmsten Schrammelbuden der Filmgeschichte. Gründer und Initiator war der Geschäftsmann Tomas Tang, der sich regelmäßig asiatischen Zelluloid-Ausschuss aneignete, um diesen nach Umschnitten, Nachsynchronisationen und Hinzufügen eilig nachgedrehter Szenen als vermeintliche Action-Sensation an die Videotheken der Welt zu verhökern. Glänzte in der Regel bereits das Ursprungsmaterial nicht gerade durch Qualität, gaben die neuen, hauseigenen Sequenzen, die überwiegend lachhaften Dialoge und nicht zuletzt die verwirrende Montage dem Ganzen dann meist vollends den Rest. Auch TERMINAL ANGELS entstand nach diesem Prinzip und offeriert folgendes Gebaren:

Inhalt:

Die Journalistin Paula erhält von der älteren Mrs. Poon brisante Fotobeweise, die den windigen Geschäftsmann Wenson als Drahtzieher eines Drogenschmuggelrings entlarven. Als dieser seine Schergen auf sie ansetzt, entkommt sie nur knapp dem Tode und sieht sich gezwungen, mit der CIA zusammenzuarbeiten. Doch auch die schlagkräftige Staatsanwältin Carrie und deren nicht minder wehrhafte Sekretärin Sally werden in den Fall hineingezogen. Was noch keiner ahnt: Mrs. Poon ist selbst eine gewiefte Drogenschmugglerin und hat alle Beteiligten instrumentalisiert, um die Kontrolle über das Kartell zu erlangen.

Kritik:

Was auf dem Papier noch einigermaßen plausibel klingt, ist in Wahrheit ein Wust überwiegend zusammenhangloser Momentaufnahmen, die sich vehement weigern, sich irgendeinem erzählerischen Konzept unterzuordnen. Ja, es passieren Dinge. Aber wie all diese Dinge logisch zusammenhängen und einander bedingen, das bleibt in der Regel rätselhaft. Dabei ist es schwierig auszumachen, in welchem Umfang Tangs Spezialbehandlung dafür verantwortlich zeichnet und wie viel Verwirrungspotential bereits das Original mitbrachte. Originär war TERMINAL ANGELS offenbar einmal ein thailändischer Krimi, der mit den üblichen Zutaten aufwarten konnte: Drogenhandel, Zeugenbefragungen und Mordanschläge, gespickt mit ein bisschen Waffengebrauch und Kampfakrobatik. Mitwirkende sind eine junge Staatsanwältin, die den Drogenbossen den Kampf angesagt hat, deren Sekretärin, die sich aufbrezelt wie eine Bordsteinschwalbe und offenbar mit ihrer Chefin in einem Haushalt wohnt, eine Schauspielerin, der vermeintlich Drogen untergeschoben wurden, sowie zwei arg naseweise Journalisten, die irgendwie auch noch mitmischen, ohne dabei wirklich von Relevanz für irgendetwas zu sein.

Das alles ist so konfus und sprunghaft zusammengemixt, dass man schon nach 15 Minuten gar nicht mehr so recht weiß, wer hier eigentlich wer ist und warum. Nicht unwahrscheinlich, dass dieser Umstand auf das Konto Tomas Tangs geht, der eine Rahmenhandlung um die bedrohte Reporterin Paula und einen CIA-Agenten hinzudichtete, um im Anschluss mittels diverser Dialogumformungen zu versuchen, diese mit dem ursprünglichen Geschehen zu verbinden, was der ohnehin schon nicht besonders plausibel erscheinenden Handlung dann endgültig den Todesstoß versetzte. Tatsächlich sind die Zusatzszenen so lieblos erdacht, dass sie nicht nur im Widerspruch zur Haupthandlung, sondern sogar zu sich selbst stehen: So wird eingangs behauptet, Paula sei in Besitz belastender Bilder (immerhin der Grund für mehrere Mordanschläge auf ihre Person), wohingegen später davon keine Rede mehr ist und sich besagte Beweismittel urplötzlich in Besitz von Paulas Informantin Mrs. Poon befinden sollen. Und irritierend geht es weiter, denn diese Fotos, so wird bald geklärt, existierten eigentlich gar nicht und wurden von Mrs. Poon nur erfunden, um einen Konkurrenten ans Messer zu liefern. Was soll denn das für ein Plan sein? Fotos, deren Existenz man einfach nur behauptet, als Beweis für ein Verbrechen? Man hätte ja zumindest mal was fälschen können, um der Lüge Hand und Fuß zu verleihen. Und eigentlich nicht mal das, denn der Angeschwärzte hat ja tatsächlich Dreck am Stecken.

Solch offensichtliche Undurchdachtheiten lassen die Nummer nochmal ein ganzes Stück unzulänglicher erscheinen als ohnehin der Fall, wobei allerdings bereits das Ausgangsmaterial seine Defizite recht offen zur Schau trägt. Aufgrund der zahlreich vorhandenen weiblichen Schlagkraft war das Vorbild der Veranstaltung offenbar die hongkong'sche IN THE LINE OF DUTY-Reihe, die ebenfalls durch viel Frauen-Power und Stunt-Arbeit von sich reden machte. Die TERMINAL ANGELS spielen jedoch fraglos einige Etagen tiefer, fehlte es doch nicht nur an Budget, sondern vor allem auch an Schwung, Stil und Energie. So passiert Action hier prinzipiell eher selten und wenn, dann überwiegend unzulänglich – insbesondere deswegen, weil man es für eine gute Idee hielt, die Kampfszenen im Zeitraffer ablaufen zu lassen. Das sollte vermutlich Rasanz vortäuschen, lässt die eigentlich gar nicht mal so üblen Choreographien aber wie alberne Slapstick-Nummern wirken. Dabei geht es stellenweise reichlich rabiat zu; zum Repertoire gehören unter anderem blutige Einschüsse aus nächster Nähe, Messerstiche oder sogar Perforierung per Armbrust. Höhepunkt der Gewalt ist sicherlich die Massenexekution in einer Discothek (warum die überhaupt stattfindet, konnte zumindest die Tomas-Tang-Version auch nicht nachvollziehbar erklären), bei welcher mittels massivem Maschinengewehrgebrauchs die Belegschaft einer ganzen Tanzfläche ins Nirwana gepustet wird. Dummerweise entschied man sich aber auch hier wieder für die Bildbeschleunigung – und zwar nicht nur während des Massakers, sondern bereits in den Szenen davor, sodass die Tanzwütigen (übrigens zu nem echt geilen Song!) nun wie die Pferdchen durch die Gegend wippen, wodurch jede Dramatik behände den Bach runtergeht. Wer denkt sich sowas aus? Und wer genehmigt das dann auch noch? Schelle links, Schelle rechts!

Die Frage nach der Verantwortung für das alles ist tatsächlich eine ganz gute, denn hinterher wollte es natürlich mal wieder niemand gewesen sein. Die behauptete Regie führte ein gewisser Philip Fraser, welcher aber ebenso wenig existieren dürfte wie eine Laura Bell, ein Hubert Hays oder ein Rio Smith, deren ausgedachte Darsteller-Namen den Vorspann verzieren. Meistens wird TERMINAL ANGELS dem berühmt-berüchtigten Godfrey Ho zugeordnet, was vermutlich auch zutrifft, zumindest in Bezug auf die nachgedrehten Segmente. Ho selbst wollte allerdings später von seinen Arbeiten für Tomas Tang und dessen Studio nichts mehr wissen und leugnete bisweilen, überhaupt für Filmark gearbeitet zu haben. Bei anderen Gelegenheiten behauptete er sogar, es habe niemals Nachdrehs und Zusammenschnitte mit Fremdmaterial gegeben, was an Absurdität kaum zu überbieten ist, denn das ist nachweisbar und wurde auch von Tomas Tang niemals abgestritten. Die Verbissenheit, mit welcher Ho regelmäßig erwiesene Beteiligungen und Vorgehensweisen negierte, erinnert bisweilen an das Trotzverhalten eines Kleinkindes, das steif und fest behauptet, das Geschirr nicht zerdeppert zu haben, obwohl dessen blutige Fingerabdrücke darauf sind, es die letzten Scherben noch in der Hand hält und außerdem vom Nachbarn dabei beobachtet und gefilmt wurde.

Hos Regie bei den Zusatz-Sequenzen ist somit sehr wahrscheinlich, zumal diese exakt den luschigen Look und die dröge Dramaturgie besitzen, die man von ihm anhand anderer Einsätze auch erwartet. Allein der Augenblick, als ein Killer sich auf freiem Felde anschickt, seine Zielperson zu terminieren, aber, anstatt einfach mal abzudrücken, die ganze Zeit nur doof in die Gegend grinsend vor seinem wehrlos am Boden kauernden Opfer steht, ist bekannte Ho-Qualität. Wer den originalen (und hauptsächlich vertretenen) Stoff auf dem Kerbholz hat, ist ebenfalls unklar. Auch, wenn dieser zumindest eine etwas bessere Figur abgibt, sind Unzulänglichkeiten auch hier nur schwer zu leugnen. Leider fehlt dem Ganzen dann am Ende auch ein gerüttelt Maß an Verrücktheit, das so viele andere Tang-Auswürfe mitbringen, weswegen man TERMINAL ANGELS nicht einmal als gepflegte Spaß-Granate weiterempfehlen kann. Nur für absolute Allesfresser ohne Scheu vor Schund und Schäbigkeit!

Laufzeit: 87 Min. / Freigabe: ungeprüft

Freitag, 14. Juli 2023

MONK COMES DOWN THE MOUNTAIN


DAO SHI XIA SHAN
China, USA 2015

Regie:
Chen Kaige

Darsteller:
Wang Baoqiang,
Aaron Kwok,
Chang Chen,
Fan Wei,
Yuen Wah,
Lam Suet,
Jaycee Chan,
Tiger Chen



Inhalt:

China in den 1930er Jahren: Der junge Mönch He Anxia [Wang Baoqiang] wird, nachdem es ihm gelungen war, all seine Ordens-Brüder im Kung-Fu-Kampf zu besiegen, überraschend aus dem Kloster verbannt. Mittellos streift er daraufhin durchs Land, ohne Ahnung, wohin sein Weg ihn führen soll. Als er dem alten Apotheker Tsui Daoning [Fan Wei] und dessen Frau Yu Zhen [Lin Chi-ling] begegnet, findet er nicht nur neue Freunde, sondern auch ein neues Heim, denn das freundliche Ehepaar nimmt ihn großherzig in die Lehre und bei sich auf. Doch der Friede währt nicht lang, denn Daonings durchtriebener Bruder Daorong [Vaness Wu] begehrt dessen Frau und schmiedet ein tödliches Komplott.

Kritik:

Tatsächlich ist das erst Beginn einer ganzen Reihe von Begegnungen und Erlebnissen der Titelfigur, welche gleichberechtigt neben- beziehungsweise hintereinanderstehen. MONK COMES DOWN THE MOUNTAIN bietet dementsprechend auch keinen klassischen Handlungsverlauf mit bekannter Drei-Akt-Struktur oder sonstiger gängiger Dramaturgie. Vielmehr begleitet das Publikum den jungen Mönch auf einer Reise, die mit einer Vielzahl an Stationen und Situationen gespickt ist, was immer neue Abenteuer und Konflikte etabliert und die Erzählung (natürlich gewollt) sehr episodenhaft wirken lässt. Über allem schwebt dabei als verbindendes Element stets die Selbstfindung des Helden, der keineswegs als integre Persönlichkeit gezeichnet wird, sondern als zielloser Wanderer, beherrscht von Naivität und Zweifeln. So macht sich er sich unter anderem der unterlassenen Hilfeleistung schuldig, was zwei Figuren dann auch das Leben kostet. Dass das Gewissen deswegen an ihm nagt, dient als Antrieb für seinen weiteren Weg auf der Suche nach innerem Frieden und dem richtigen Platz im Leben. Das ist ein auffälliger Unterschied zu den meisten anderen Beiträgen des Wuxiá- und Kung-Fu-Genres, bei denen das Erlangen seelischen Gleichgewichts meist zwingend mit der Perfektionierung des eigenen Kampfstils verknüpft ist. Ein begnadeter Kämpfer ist He Anxia allerdings von Anfang an, wie die Eröffnungssequenz auf fulminante Weise unter Beweis stellt. Seine Mitte muss er trotzdem erst noch finden.

Auffallend an der Verfilmung eines zumindest in ihrem Heimatland populären Romans ist, dass deren stilistische Ausrichtung recht unentschlossen scheint. Grundsätzlich hat man es wohl mit einer Komödie zu tun, zumindest deuten diverse Gestiken, Grimassen und visuelle Gags (wie ein paar bizarre Drogenhalluzinationen) ziemlich eindeutig darauf hin. Andererseits sind ernste Themen, tragische Szenen und dramatische Situationen ebenfalls nicht unerheblicher Teil der Veranstaltung, was sich mit der heiteren Attitüde nicht zu 100 % in Einklang bringen lässt. Zusammen mit den dazu stattfindenden philosophischen Diskursen ergibt das eine ziemlich abenteuerliche und gewagte Mischung, die im Großen und Ganzen allerdings doch ziemlich gut funktioniert. Für die nötige Abwechslung zwischendurch sorgen die genreüblichen Kampfszenen, die freilich keine brutalen Prügelorgien porträtieren, sondern stattdessen der elegischen Eleganz z. B. eines TIGER & DRAGON (mit dem es ansonsten kaum Gemeinsamkeiten gibt) verpflichtet sind. Sprich: Die Kämpfe sind eigentlich Tänze, die Sprünge ein Schweben und Gewalttätigkeit weicht gewaltiger Schönheit. Wenn schließlich noch Feuerfunken geschleudert oder die Kräfte des Wassers beschworen werden, rutscht man bisweilen vollständig in den Bereich der esoterischen Fantasy.

Die Vielzahl an Figuren und deren Hintergründen verwirrt dabei bisweilen und teils fällt es schwer, in die Dramatik der Ereignisse einzutauchen, da Protagonisten und Prioritäten sich ständig ändern und verschieben. Im Rahmen der Narration ist das letztendlich unerlässlich, da jede einzelne Begegnung des Mönchs zu seinem Entwicklungsprozess beiträgt. Aus diesem Grunde kommt man nicht umhin, anzunehmen, die Erzählung wäre in einem Serien-Konzept womöglich besser aufgehoben gewesen. Immerhin dürfen sich Freunde des Hongkong-Kinos auf diese Weise über ein Wiedersehen mit mehreren bekannten und gern gesehenen Gesichtern erfreuen, denn MONK COMES DOWN THE MOUNTAIN ist bis in die Nebenrollen glänzend besetzt. So trifft man hier unter anderem Aaron Kwok [→ COLD WAR], der sich als des Kampfes müder Kung-Fu-Meister auf der Suche nach einem Leben in Eintracht und Harmonie befindet, oder Chen Chang [→ THE GRANDMASTER] als treue Seele im Konflikt mit seinem Gewissen. Ebenfalls dabei sind Yuen Wah [→ KUNG FU HUSTLE] als schurkischer Ausbilder, Jaycee Chan [→ INVISIBLE TARGET] als bemerkenswert verabscheuungswürdiger Taugenichts sowie Lam Suet [→ THE ROOKIES] als ausgemachtes Ekelpaket. Ausgerechnet Hauptdarsteller Wang Baoqiang [→ KUNG FU KILLER] gehört dann eher zur unbekannteren Garde, agiert aber kompetent und kreiert einen kuriosen Charakter irgendwo zwischen tapferem Krieger und trotteligem Kasper.

Kaum erkennbar ist MONK COMES DOWN THE MOUNTAIN eigentlich eine amerikanische Produktion und stammt aus der Zeit, als das Hollywood-Studio Columbia Pictures eifrig in den chinesischen Film-Markt investierte. Doch obwohl die Dollars aus den USA kamen, ist der Rest auf asiatischem Mist gewachsen und vereint ausschließlich einheimisches Personal. Ironischerweise konnte das Werk am Ende dann lediglich in China ein gewisses Publikumsinteresse hervorrufen (eventuell auch, weil die von Xu Haofeng verfasste Vorlage dort auch ein Begriff ist), wo es mit viel technischem Tamtam (als da wären: IMAX-Format, 3D-Optik und DTS:X-Sound) in die Säle kam. In den USA hingegen war der Erfolg schon deutlich überschaubarer, bevor das Ding in Deutschland dann ohne jedweden Werberummel klammheimlich lediglich auf DVD veröffentlicht wurde.

‚Kassenschlager‘ und ‚Publikumsliebling‘ definieren sich also definitiv anders – was schon ein wenig betrüblich ist, führt man sich vor Augen, dass der Name des Regisseurs Chen Kaige lautet. Einst als Lichtgestalt des Kinos gefeiert, als er mit gesellschaftskritischen Bilderbögen wie LEBEWOHL, MEINE KONKUBINE (1993) oder VERFÜHRERISCHER MOND (1996) auf den Film-Festivals der Welt Lob und Preise einheimste, bekam der bis dahin tadellose Ruf erstmals Risse, als er 2005 THE PROMISE vorlegte, eine recht gewagte Mischung aus Historie, Romantik, Fantasy und … nun ja … Road Runner-Cartoon, die überwiegend Stirnrunzeln hervorrief. MONK COMES DOWN THE MOUNTAIN ruft kein Stirnrunzeln mehr hervor, allerdings auch keine Begeisterung. Dafür gibt es hier schlichtweg zu wenig, was beeindrucken kann oder nachhaltig im Gedächtnis bleibt. Sehenswert ist die Nummer dennoch. Sie tut nicht weh, vertreibt angenehm die Zeit und kommt im attraktiven Gewand daher. Vor allem die Ausstattung ist visuell ansprechend und lässt das China der 1930er Jahre im flauschigen Märchen-Look wiederauferstehen. Spannung im eigentlichen Sinne bleibt freilich außen vor und wer bei der Geschichte eines Kung-Fu-Mönchs zwangsläufig auf knackende Knochen und blutige Balgereien besteht, der dürfte hier wohl recht schnell das Interesse verlieren. Der Rest erfreut sich an einem zwar unspektakulären, aber doch geschmeidig durchlaufenden Reifeprozess zwischen Humor, Dramatik und feingeistiger Gesinnung. 

Laufzeit: 109 Min. / Freigabe: ab 12

Freitag, 7. Juli 2023

TONGS - TERROR IN CHINATOWN


TONG HAN GOO SI
Hongkong, USA 1986

Regie:
Philip Chan

Darsteller:
Simon Yam Tat-Wah,
Tam Tak-Ban,
Christopher O'Connor,
Lau Dan,
Quitan Han,
Daisey Yung Nga-Wan,
Maria Yuen Chi-Wai,
Anthony Glora



Inhalt:

Mickey und Paul Lee [Simon Yam und Tam Tak-Ban], zwei jugendliche Hongkong-Chinesen, immigrieren in die Vereinigten Staaten von Amerika, wo sie sich eine bessere Zukunft erhoffen. Es dauert nicht lang, da werden sie von Chinatowns Triaden angeworben. Während Paul auf Anhieb Interesse am kriminellen Leben bekundet, versucht Mickey, ehrbar zu bleiben und dem Verbrechen aus dem Wege zu gehen. Doch die zweifelhaften Machenschaften seines Bruders treiben ihn immer wieder zwischen die Fronten.

Kritik:

Wenn man Philip Chan überhaupt kennt, dann wohl in erster Linie als Darsteller. Dabei agierte er auch vor der Kamera nicht übertrieben häufig, aber seine Rollen waren in der Regel ziemlich prägnant. Den unwirschen Vorgesetzten im Action-Orkan HARD BOILED (1992) vergisst man jedenfalls nicht mehr so schnell. Dass Chan auch häufiger mal auf dem Regiestuhl Platz nahm, um im Hintergrund die Strippen zu ziehen, ist hingegen wohl deutlich weniger bekannt. Nach dem inhaltlich reichlich abstrusen Asien-Giallo NIGHT CALLER (1985) inszenierte er mit TONGS einen für das damalige Hongkong-Kino deutlich charakteristischeren Beitrag, der die Tugenden des hauseigenen Heroic Bloodshed-Genres mit denen des amerikanischen Bandendramas kombiniert und dabei eine auffallend souveräne Figur macht. Inhaltliche Innovationen hatte man sich dabei allerdings größtenteils verkniffen, sodass einem mancher Moment und Fortlauf doch arg bekannt vorkommt und das Geschehen generell recht überraschungsfrei bleibt. Ausreichend einnehmend geriet sie dennoch, die altbekannte Story vom Aufstieg und Fall im Gangster-Milieu – wobei der Reiz in diesem Falle vor allem darin liegt, dass der Protagonist eigentlich intendiert, allem Ungemach aus dem Wege zu gehen und die Verbrecher-Laufbahn am Ende mehr oder minder unfreiwillig einschlägt.

Genau an dieser Stelle spielt TONGS seine Karten aus und zeichnet (ohne erhobenen Zeigefinger) eine von Stereotypen geprägte Gesellschaft, die junge, frisch in die USA immigrierte Chinesen regelrecht in vorgefertigte Pfade zwängt. Dass Mickey, der von Simon Yam großartig verkörperte Held der Geschichte, trotz aller gegenteiliger Bestrebungen schließlich dennoch zum Triaden-Mitglied wird, ist somit im Grunde lediglich Resultat einer Selbsterfüllenden Prophezeiung. Gut, einer intensiveren Belastungsprobe hielte diese Behauptung nicht stand, ist der finale Auslöser letzten Endes der von der Autorenschaft fachgerecht installierte Konflikt mit des Protagonisten Bruder Paul, welcher wiederum von Beginn an keine Berührungsängste vor halbseidenen Geschäften an den Tag legte und somit für seinen Blutsverwandten als ungewollte Unterwelts-Eintrittskarte fungiert. Die unerschütterliche Verbundenheit der jungen Männer, die selbst dann noch anhält, als sie sich für grundlegend verschiedene Wege entscheiden, wird dabei nicht nur durch simple Familien-Bande erklärt, sondern vor allem durch ein gemeinsam erlebtes Kindheits-Trauma: In einem überraschend aufwändig und spannend gestalteten Prolog flieht deren Familie im Jahre 1968, während der sogenannten Kulturrevolution, vor den mordenden Roten Garden Mao Zedongs und rettet dabei nicht nur durch Glück und Geschick, sondern vor allem auch dank der Disziplin und Geistesgegenwart des sich noch im Knabenalter befindlichen Mickey ihre heile Haut. Das macht nicht nur das spätere innere Band der beiden Brüder plausibel, sondern erklärt auch, warum eine von der Menschheit erschütterte Seele sich ohne Not für das Beschreiten dunkler Pfade entscheidet.

Aufwühlend hingegen geriet es kaum. Zwar versteht man als Zuschauer die Zusammenhänge, Aktionen und Reaktionen ergeben Sinn und die Ereignisse bauen folgerichtig aufeinander auf, aber eine emotionale Einbindung bleibt aus und immer mal wieder ertappt man sich zwischendurch als teilnahmslosen Zaungast. Das beengte 90-Minuten-Korsett steht TONGS nicht wirklich, die Geschichte, die durchaus epische Züge trägt, hätte deutlich mehr Breite und Raum zur freien Entfaltung verdient. Da findet Mickey eine Freundin, die sympathische Mitarbeiterin einer Reinigung, und verlebt mit ihr ein paar schöne Stunden auf den Straßen New Yorks. Später streiten und trennen sie sich, da Unterwelt-Karriere und arglose Beziehung bekanntlich nur schwerlich unter einen Hut zu bringen sind. Nur lässt einen der auf offener Straße und mit viel Tränen und Trara stattfindende Bruch völlig kalt, da sich beide gefühlt erst vor 5 Minuten kennengelernt haben und die junge Dame seitdem auch nie wieder durchs Bild laufen durfte. Die im Anschluss stattfindende Gangster-Karriere geht dann ebenfalls im Eiltempo und auch reichlich reibungslos über die Bühne. Aus dramaturgischer Sicht eigentlich viel zu spät werden mit den Polizisten Martinelli und Silverman aus heiterem Himmel dann noch zwei zusätzliche Charaktere eingeführt, wobei einer von denen dann auch noch ein falsches Spiel treibt. Zusammen mit den einzelnen Banden-Mitgliedern sowie eigentlich sinnlosen Nebenrollen wie den sich zu profilieren versuchenden Sensations-Reporter Harper, bevölkern dann am Ende viel zu viele Figuren diesen Kosmos, als dass man eine Verbindung zu ihnen aufbauen könnte.

All das hat gleichzeitig aber natürlich auch den Vorteil, dass hier wirklich ständig etwas los ist und Durststrecken nahezu vollkommen ausbleiben. TONGS zieht sein Programm straff durch und ist dabei handwerklich von Anfang bis Ende kompetent gestaltet. Die Schauplätze wirken authentisch eingefangen und viele Szenen wirklich wie improvisiert und „direkt von der Straße“. Getragen wird die Chose hauptsächlich vom damals bereits 30-jährigen Simon Yam [→ AMERICAN YAKUZA II], der zu Beginn locker noch als idealistischer Jugendlicher durchgeht, aber auch in seinem späteren Stadium als gereifter „Boss“ überzeugen kann. Der Rest der Belegschaft liefert allerdings ebenfalls gut ab, obwohl man es mit überwiegend unbekannteren Namen zu tun hat. Ebenso erstaunlich wie erfreulich ist es dabei, dass hier sogar die amerikanischen Cop-Darsteller schauspielerisch etwas auf dem Kasten haben. Tatsächlich waren westliche Darsteller in Hongkong-Filmen, die in den USA spielen, immer ein kleines Problem, gaben sich die Produzenten doch offenbar überwiegend mit dem Erstbesten zufrieden. Dass das hier eben nicht der Fall ist, darf durchaus als Beweis dafür gelten, dass einem das Projekt ausreichend am Herzen lag.

Dass TONGS fast überall als Actionfilm vermarktet wurde, ist wenig verwunderlich, denn sowas verkauft sich immer gut. Tatsächlich aber inszenierte Philip Chan hier in erster Linie ein Milieu- und Charakter-Drama, das im ersten Punkt deutlich überzeugender geriet als im zweiten. Etwas Action gibt es allerdings trotzdem, überwiegend bestehend aus dem obligatorischen Bandenkriegs-Gehabe wie Keilerei, Messer- und Machetenmissbrauch sowie die berühmten tödlichen Schüsse aus dem fahrenden Wagen heraus. Aber das beherrscht nie das Geschehen und ist in der Regel auch hurtig wieder vorbei. Elemente wie die unerschütterliche Bruderliebe, die bestehen bleibt, obwohl beide Parteien auf verschiedenen Seiten stehen, was man sich schluchzend und tränenreich bekundet, erinnern natürlich stark an das Kino eines John Woo, der diesbezüglich mit A BETTER TOMORROW einen Meilenstein fabrizierte. Da dieser aber im selben Jahr entstand, dürften die Überschneidungen eher dem Zufall geschuldet sein.

TONGS – A CHINATOWN STORY (wie er im Original eigentlich komplett heißt) reißt somit am Ende keine Bäume aus, ist aber dennoch ein gediegenes Unterhaltungsprogramm, das Genre-Freunden zwar nichts Neues präsentiert, aber altbewährte Zutaten neu aufkocht, geschmackvoll zubereitet und versiert serviert. Die deutsche Synchronfassung behielt dabei ebenso erfreulicher- wie ungewöhnlicherweise die Bilingualität der Dialoge bei, was den zu Grunde liegenden Authentizitäts-Charakter weiterhin spürbar macht. Die klobig und ungelenk ins Bild geklatschten deutschen Untertitel bei den chinesischsprachigen Dialogen hätte vor Abgabe allerdings gern noch mal jemand Korrektur lesen dürfen.

Laufzeit: 87 Min. / Freigabe: ab 18

Montag, 3. Juli 2023

SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO


SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO
USA 1991

Regie:
Mark L. Lester

Darsteller:
Dolph Lundgren,
Brandon Lee,
Cary-Hiroyuki Tagawa,
Tia Carrere,
Toshirô Obata,
Philip Tan,
Rodney Kageyama,
Roger Yuan



„Wenn die Waffe entsichert ist, ziel in die Richtung, wo du jemanden siehst, zieh den Abzug ganz durch und dann sind sie erledigt.“
(Naja, nicht ganz. Man muss ja auch noch treffen.)


Inhalt:

Detective Kenner [Dolph Lungren] heißt nicht nur so, sondern ist auch tatsächlich einer, nämlich der japanischen Kultur. Daher ist er prädestiniert dafür, das Yakuza-Kartell des skrupellosen Yoshida [Cary Hiroyuki-Tagawa] zu zerschlagen, der die USA mit einer neuen Droge überschwemmen will. Unterstützung bekommt er dabei von seinem neuen Partner Johnny Murata [Brandon Lee] – wobei die beiden erst merken, dass sie auf der gleichen Seite stehen, nachdem sie sich gegenseitig erst einmal zünftig verdroschen haben. Von da an weichen der harte Hund und sein asiatischstämmiger Kollege sich aber nicht mehr von der Seite. Und das ist auch gut so, denn ihr Gegner ist gnadenlos. Als Yoshida sich auch noch an die Nachtklub-Sängerin Minako [Tia Carrere] ranwanzt und diese daraufhin Schutz in Kenners starken Armen sucht, wird die Fehde beider Parteien doch sehr persönlich.

Kritik:

Von allen mimisch minderbegabten Action-Akteuren der 1980er (und teils noch 1990er) Jahre, wirkte der schwedischstämmige Hüne Dolph Lundgren aus recht unerfindlichen Gründen immer ein wenig sympathischer als der Rest. Nicht, dass seine Filme in irgendeiner Form besser gewesen wären als die der Konkurrenz, oh nein! Die waren oft sogar auffallend schlechter. Und sein Schauspiel war selbst für das nicht gerade durch darstellerische Glanzleistungen verwöhnte Randale-Genre deutlich unter Durchschnitt. Vielleicht lag es daran, dass Lundgren nie den Eindruck machte, höher hinaus zu wollen oder sich und sein Werk für wichtiger zu halten als es tatsächlich der Fall war. SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO darf in puncto Aufwand und Präsentation ohne schlechtes Gewissen zu den Höhepunkten seiner Karriere gezählt werden. Von einem großen Hollywood-Studio produziert, mit eminenten Finanzmitteln gepudert und mit dem damals seit der erfolgreichen Schwarzenegger-Schote COMMANDO als zuverlässig geltenden Mark L. Lester in der Regie, setzte man viel Vertrauen in die Zugkraft des ehemaligen Türstehers, der auf abenteuerlichen Umwegen zum Kino-Star wurde. Dass man ihm nicht allein das Feld überließ, sondern ihm stattdessen einen ebenbürtigen Partner zur Seite stellte, geschah vermutlich vornehmlich aus zwei Gründen: Zum einen, weil man dem beim Publikum beliebten Sub-Genre des Buddy-Movies noch ein paar Facetten abringen wollte,  zum anderen, weil man sich einen Darsteller angelte, den man offensichtlich ebenfalls zum Massenliebling heranzüchten wollte: Brandon Lee [→ BORN HERO].

Der Sohn der Leinwand-Legende Bruce Lee war zu dem Zeitpunkt in Hongkong ebenfalls bereits eine Berühmtheit und da schlug Hollywood kurzerhand zu und verpasste ihm neben ihrem eigentlichen Zugpferd auch gleich die zweite Hauptrolle. Das funktionierte vor allem deswegen, weil die Prämisse der Story um die Konfrontation von Ost (Asien) und West (USA) herumkonzipiert wurde. Originell ist das freilich nicht, hatten amerikanische Produktionen doch schon längst die japanische Kultur für sich entdeckt und sie in actionorientierten Thrillern wie YAKUZA (1974), THE CHALLENGE (1982) oder BLACK RAIN (1989) als zwar faszinierenden, aber letzten Endes doch meist bedrohlichen Mythos hochstilisiert. Und auch in SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO wimmelt es nur so von asiatischen Schurken, die bei aller brutaler Gewaltanwendung einen verqueren Ehrenkodex pflegen und lauter für den Westler seltsame Dinge tun (die sich in erster Linie natürlich ein amerikanischer Drehbuchschreiber ausgedacht hat). Die Idee, ausgerechnet den von Dolph Lundgren [→ UNIVERSAL SOLDIER] verkörperten Detective Kenner zum Japan-Experten zu machen, während dessen neuer asiatischstämmiger Kollege diesbezüglich stets Fragezeichen in den Augen hat, war dabei vermutlich lustig gemeint, wirklich ausgespielt wurde dieser vermeintliche Trumpf allerdings an keiner Stelle.

Wie hier ohnehin so ziemlich jede Steilvorlage liegengelassen wurde, was SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO am Ende dümmer dastehen lässt, als es eigentlich hätte sein müssen. Fast wirkt es, als habe man einer Riege von Auftragsautoren ein paar Bausteine hingeworfen, die zwar bereits alles andere als originell waren, aus denen man aber dennoch versierte Unterhaltung hätte zimmern können. Doch die Halbherzigkeit, mit der manche Dinge umgesetzt wurden, lässt vermuten, dass man mit den meisten Elementen nicht allzu viel anzufangen wusste. Die Buddy-Movie-Spielkarte blieb fast vollkommen ungenutzt, vertragen sich Kenner und Murata doch quasi auf Anhieb gar prächtig. Die beiden müssen sich nicht erst zusammenraufen, und das, obwohl sie zu Beginn tatsächlich erst einmal zusammen raufen (also: miteinander!), aber das lediglich aufgrund eines Missverständnisses. Danach sind sie dann regelrecht ein Herz und eine Seele, Gegensätze existieren lediglich auf optischer Ebene, Reibereien zwischen beiden gibt es ebenso wenig wie schlagfertige Verbal-Akrobatik. Nun muss nicht jede Variante an große Vorbilder wie NUR 48 STUNDEN, LETHAL WEAPON oder RED HEAT herankommen, aber wenn tatsächlich so rein gar nichts geliefert wird (vor allem der fehlende Dialogwitz macht sich schmerzlich bemerkbar), dann hätte man sich die ungleiche Zweierkonstellation eigentlich auch ganz sparen können.

Freilich macht SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO dennoch Laune. Nicht in dem Maße, wie es möglich gewesen wäre, aber Freunde feuriger Action verzeihen ja so manches Defizit. Für das Erscheinungsjahr 1991 wirkt die Chose dabei erstaunlich altbacken, vor allem, wenn man sich klar macht, dass STIRB LANGSAM, der das Kino in diesem Bereich stilistisch wie inhaltlich nachhaltig veränderte, bereits satte 3 Jahre alt war und mit dem im selben Jahr entstandenen TERMINATOR II ein visueller Meilenstein geschaffen wurde. Diese Nummer hier ist hingegen noch tief und trotzig dem grobschlächtigen 1980er-Action-Kino verschrieben, mehr noch: Sie zelebriert es geradezu. Und zwar so intensiv, dass es in dieser Konzentration kurze Zeit später nur noch auf ironische Weise möglich gewesen wäre. Schon der Auftakt, in dem sich Lundgren im Tarzan-Modus in eine illegale Kampf-Arena schwingt, um dort den Teilnehmern mittels fliegender Kugeln ihre Rechte einzustanzen, stellt korrekt die Weichen. Lundgren wirkt weniger wie ein Cop als viel mehr wie ein Söldner, der völlig ungestraft Leichenberge hinterlässt und sich dafür zu keinem Zeitpunkt rechtfertigen muss. Selbst den eigentlich obligatorischen schimpfenden Vorgesetzten hat man sich hier gespart.

Ansonsten strotzt das Werk so leidenschaftlich vor Klischees, dass es sich stets am Rande der eigenen Karikatur bewegt. Da darf der fiese Obermotz natürlich nicht nur einfach ein fieser Obermotz sein, nein, er muss sich auch noch als Mörder von des Helden Eltern entpuppen. Als ob ihm Dolph ansonsten nicht ohnehin das Licht ausgepustet hätte. Hier dürfen Männer eben noch echte Männer sein, während die Damenwelt dazu verdammt ist, auf ihren starken Retter zu warten. Tia Carrere [→ WAYNE'S WORLD] wirkt in ihrer Rolle als vollkommen passiv agierende Nachtklub-Sängerin (was auch sonst?), die wirklich einzig und allein in der Handlung ist, um als attraktive Schutzbedürftige zu dienen, sogar kreuzunglücklich. Kein Wunder, denn eigentlich erweckt sie – vermutlich auch aufgrund ihrer späteren Power-Frau-Figuren - eher den Eindruck, die böse Brut zur Not auch im Alleingang zerlegen zu können. Dass man ihr zudem noch zwei Nacktszenen mit Lundgren ins Skript mogelte, obwohl zwischen den beiden wirklich nicht der Hauch einer Chemie bestand, war ihr dann offenkundig so unbequem, dass man dafür die wohl auffälligsten Körper-Double-Szenen aller Zeiten initiierte, bei der wirklich jeder Anflug von Sinneslust im Nirwana verpufft. Leidenschaftsloser wurde behauptete Leidenschaft wohl noch nie auf Zelluloid gebannt.

Dafür quillt – ebenfalls genretreu – mal wieder die Homoerotik aus allen Poren, wenn dem Dolph bereits im ersten Drittel das fesche Lederjäckchen von Leibe platzt (kein Wunder, das war auch viel zu eng) und er den Rest der Veranstaltung der Einfachheit halber gleich mit freiem Oberkörper absolviert. Wer diesen zwischendurch auch noch eingeölt hat, möchte man gar nicht wissen. Frau Carrere jedenfalls vermutlich eher nicht. Zusätzlich ausgestattet mit von Rambo geklautem Patronengürtel geht es schließlich in die finale Schlacht, die man strenggenommen auch schon nach 15 Minuten über die Bühne hätte bringen können, aber ganz so kurz wollte man sich dann wohl doch nicht fassen. Der Gewaltpegel ist dabei generell ziemlich hoch, Körper werden zerfetzt und zerquetscht, Köpfe und Arme abgeschlagen als sei das völlig normal. Schmerzhaft wirkt es trotzdem an keiner Stelle, denn durch die maßlose Übertreibung bekommt das Geschehen einen fast schon harmlosen Cartoon-Charakter – der noch durch solche Szenen gesteigert wird, in denen Dolph Lundgren einfach mal so über eine fahrende Limousine springt. Und wenn er sich am Ende noch (aus unbekannten Gründen) in eine reichlich improvisiert wirkende Samurai-Kluft wirft, wirkt er wie ein kleiner Junge, der voll Stolz sein selbst gebasteltes Faschingskostüm zur Schau trägt. Das erinnert doch stark an die erwachsenen Männer, die sich bei Regie-Kollege Godfrey Ho regelmäßig in Gardinen hüllten, um auf der Wiese ein bisschen Ninja zu spielen.

Spannend ist das alles nicht die Bohne, da man sich gar nicht die Mühe machte etwas anderes abzuliefern als vollen Rabatz aus allen Rohren. Aber als solcher funktioniert das natürlich schon ordentlich. In regelrechter Rekord-Kürze (gerade einmal 75 Minuten gönnte man sich, und selbst davon muss man ja noch den Vor- und Abspann abziehen) wird hier ein Macho-Klischee nach dem nächsten rausgeballert. Die Action ist reichlich, wenn auch in der Darbietung nicht unbedingt sensationell. Vor allem, wenn man das Ganze mit dem exzessiven Hongkong-Kino aus der Zeit vergleicht, wirkt diese Veranstaltung trotz glühender Schusswaffen, fliegender Fäuste und massenweise zerstörtem Mobiliar eher undynamisch und bisweilen ein wenig hüftsteif. Daran ändert auch Brandon Lee nichts, der zwar ein paar coole Kicks verteilt, aber von der brachialen Urgewalt seines Vaters meilenweit entfernt ist. Dafür punktet man mit schöner Optik, dichter Atmosphäre und unverhohlenem Mut zur Infantilität. Im Grunde ist SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO damit ein wenig wie sein eigener Hauptdarsteller: kein Gramm Fett zu viel auf den Rippen, beizeiten etwas albern, niemals überragend … Aber am Ende dann doch halt irgendwie sympathisch.

Laufzeit: 75 Min. / Freigabe: ungeprüft