Eigene Forschungen

Dienstag, 2. Juli 2019

KAUM BESSER ALS IHR



KAUM BESSER ALS IHR
BRD 2015

Regie:
Hans Schulte,
Nina Rosenbohm

Darsteller:
Polyanna Move,
Katharina Michalenko,
Nina Rosenbohm,
Christo Michailidis,
Arne Löber,
Torsten Hampel,
Rudolf Karg



KAUM MEHR ALS 24 STUNDEN SPÄTER: DIE FORTSETZUNG DER GASTREZENSION VON JDVF-MITBEGRÜNDER STUART REDMAN. LESEN UND VERSTEHEN!


„Ich weiß, was Angst ist. Wie sie sich anfühlt, wie sie den Verstand lähmt und jeden in ein hilfloses, zitterndes Etwas verwandeln kann. Ich muss von schrecklichen Begebenheiten berichten, die auf meinem Fernsehbildschirm geschahen. Und noch immer geschehen. Es wäre ein verhängnisvoller Fehler, die Menschen darüber im Unklaren zu lassen. Es ist an der Zeit, dass sie die Wahrheit erfahren.“ (In Anlehnung an Gabriel Burns)

Ein paar Tage sind seit meiner Sichtung von KAUM MEHR ALS TIERE ins Land gegangen. Ich habe beim Gedanken an dieses Machwerk immer noch einen etwas schalen Geschmack im Mund, als hätte ich etwas Verdorbenes konsumiert. Aber mir stehen ja leider noch zwei Filme der Trilogie bevor, die gesichtet werden müssen.

Also reden wir nicht länger als unbedingt nötig um den heißen Brei herum. Je eher ich beginne, umso eher habe ich es hinter mir. Kommen wir zum Review von Teil 2: KAUM BESSER ALS IHR. 

„Viele Wochen später“ (also nach den Ereignissen des ersten Teils) stimmt zumindest endlich das Bildformat und der Ton läuft plötzlich ebenfalls synchron zum Bild. 

Das Budget dieses Films dürfte hauptsächlich in die Miete für einen Hertz-Transporter geflossen sein, bei dem sich die Dunkle direkt am Anfang unbemerkt in den Laderaum schleicht. (Auch wieder ein voll logisches Verhalten. Die Kannibalen-Tusen sind total menschenscheu, haben Tage gebraucht, bis sie sich bei den Studenten in die Hütte getraut haben, aber in Teil 2 steigen sie mir nichts, dir nichts, und auch noch ohne jeden ersichtlichen Grund in ein Fahrzeug ein...) 
Langhaar humpelt dem Transporter dann auch noch laut winkend und rufend hinterher, als wolle sie den Fahrer auf den blinden Passagier aufmerksam machen… 

Glatzen-Peer aus Teil 1 heißt übrigens Christo, Typ 2 heißt Sven. Erfährt man reichlich früh, wenn man bedenkt, dass Teil 1 und 2 ja immerhin mal separate Filme waren. 

Offenbar treffen sich Mark, Jessica und Christo nach mehreren Wochen das erste Mal wieder. 

Jessica:
„Schade, dass Sven nicht dabei ist.“

Spricht’s und wartet geduldig zwei Sekunden ab, bis das Telefon klingelt und Sven anruft. Total realistisches Timing... Nicht. 

Sven:
„Und, wie sieht's aus? Irgendwelche Bissverletzungen?“ 

Offenbar hält sich Jessica doch tatsächlich die Stumme als eine Art Haustier. Klasse Idee! Sollte man mit allen traumatisierten Menschen machen. Ist ja auch überhaupt nicht menschenverachtend. Jessica hat sie Marie getauft. Der Name gefällt ihr voll gut. Jessica berichtet stolz, dass sie ihr einige Wörter beibringen und weitere Storys aus ihrer Vorgeschichte entlocken konnte. 

Sven:
"Und sonst so? Hast du sie stubenrein bekommen?" 

Christo:
"Und wann kriegen wir sie endlich zu sehen?" 

Alter, checkt ihr kranken Penner eigentlich gar nicht, dass ihr es mit Menschen und nicht mit einem dressierten Zirkusäffchen zu tun habt? 

Ein Typ (wir werden einige Zeit später erfahren, dass er André heißt) rennt durch den Wald und trifft zufällig auf Langhaar und die Bissige, die im Laub rumwühlen. Wie die Studenten in Teil 1 geht auch er ohne jede Vorsicht ganz dicht an die Frauen heran, steht dann erstmal nur blöd da und lässt sich von Langhaar mit dem Finger antippen. Offenbar sind in Lüdenscheid alle so bescheuert, dass sie in so einer Situation komplett ihr Gehirn ausschalten. 

André:
„Was macht ihr denn hier?“ 

Langhaar:
„Manka. Manka. Manka.“

André:
„Was wollt ihr von mir?“ 

Langhaar:
„Manka.“ 

André:
„Essen? Ich hab nichts zu essen da.“ 

André haut einfach wieder ab. Die Szene ist so sinnlos, ich fasse es nicht. 

Die Dunkle dreht derweil im Lieferwagen durch. Der Fahrer merkt das, hält an, öffnet die Heckklappe und wird direkt erstmal gebissen. Dunkel läuft weg. 

Sinnloser Schwenk über Sauerländer Berge. 

Jessica stellt „Marie“ derweil Christo und Mark vor. Sie hat mit Marie in den letzten Tagen geübt, aufrecht zu gehen. (Konnte die auch schon in Teil 1, aber egal.) 

André von vorhin bringt seinen Kumpel Dennis zu den beiden Frauen im Wald (Die beiden Männer sind mindestens Mitte 20, verhalten sich aber wie zehnjährige Kinder). 

André:
"Die tun nix. Komm, trau dich. Die machen nichts."

Dennis traut sich nicht, die Frauen anzufassen. 

André:
"Na komm. Wenigstens anspucken."

(Sic!) 

Er schiebt Dennis in Richtung der Frauen, als wäre es eine Mutprobe, die anzufassen oder anzuspucken (Jetzt mal ehrlich, so einen Schwachsinn haben wir nicht mal als Zehnjährige gemacht, so dumm ist das). 

Dennis spuckt Langhaar an. 
Langhaar spuckt mehrfach (!) zurück. 

Dennis:
„Ey, die spuckt zurück.“

André:
„Ach, Quatsch!“

(Brille: Fielmann!)

Während Dennis vor der spuckenden Langhaar Reißaus nimmt, bewirft André die Bissige mit Stöckchen. Die fällt darauf über ihn her. Wir bekommen Billig-Splatter mit Halsbiss zu sehen. Komischerweise findet Langhaar es gar nicht gut, dass die Bissige André gekillt hat. Bitchfight. Langhaar rennt weg. Das Ganze ist echt so absurd, man glaubt es nicht, wenn man es nicht mit eigenen Augen sieht.

Dennis kommt nach Hause.

Seine Mama:
„Na, ihr wart aber nicht lange unterwegs.“

Dennis:
„Nein.“

…und verdrückt sich in sein Zimmer.

Mann, es sind nicht einmal 10 Minuten um, und das Ding ist jetzt schon doppelt so bekloppt wie Teil 1. Un-fucking-fassbar!

Langhaar läuft derweil in die Stadt und trifft einen Passanten. Auch der ergreift nicht die Flucht, ruft nicht die Polizei oder macht sonst irgendwas Vernünftiges, was man bei der ersten Begegnung mit einer völlig verwilderten Frau machen würde. Nein, auch er steht nur blöd herum, und als Langhaar an ihm herumzuschnüffeln beginnt, fragt er verblüfft: „Äh, was soll das denn jetzt?“ …und nimmt sie mit sich mit. Hmmm... Ob er sie vielleicht zum nächsten Arzt, zum nächsten Krankenhaus, zum nächsten Polizeirevier oder wenigstens zum nächsten Obdachlosenasyl bringt? Wir werden sehen …

Der schmierige Unternehmersohn Hagen von Hofhagen (sehr origineller Name) trifft sich mit Kumpel Jerome in der Kneipe und heult rum, weil sein Vater ihm einen Großauftrag entzogen hat. Es kommt eine Blondine am Tisch vorbei, kündigt dem Wirt an, dass sie jetzt eine rauchen geht, und grüßt im Vorbeigehen Von Hofhagen. Der meint kurz darauf zu Jerome: „Ich geh jetzt erstmal eine rauchen, und vielleicht läuft dann ja noch was mit der Süßen.“ Jerome will wissen, woher er diese „geile Perle“ kenne. Hofi: „Die hat bei uns neu in der Buchhaltung angefangen.“

(Merkt ihr was? Das ist BANG BOOM BANG in gaaaaaaaaaaanz schlecht. Und natürlich überhaupt nicht klischeetriefend …) 

Die „geile Perle“ ist übrigens entweder schwanger, oder sie hat von Natur aus mächtige Rettungsringe. Geil ist jedenfalls anders. 

Vor der Tür muss Hofi feststellen, dass die „Süße“ sich am Telefon mächtig über ihn lustig macht. Frustsaufen. Bier auf Ex.

Hofi:
„Ich werd's meinem Vater schon zeigen. Und der Schlampe auch!“ 

Rachegedanken. 

Die Dunkle erschreckt derweil einen Rentner. 

Der Passant (er heißt übrigens Thorsten) hat Langhaar wie erwarten nirgendwo abgeliefert, wo man ihr professionelle Hilfe zu Teil werden lassen könnte, sondern sie kurzerhand mit nach Hause genommen. (Wie schon im ersten Teil setzt sich das völlig unlogische Verhalten sämtlicher Protagonisten alo konsequent fort.) Als sie vor seiner Wohnung stehen sagt Thorsten zu ihr: „Sei bloß vorsichtig. Schmier‘ nicht die Wände voll. Mein Vermieter reißt mir den Kopf ab.“ 

(Wenn wir jetzt einfach mal in der fragwürdigen Ethik des Films bleiben und die Frauen auch einfach mal als Tiere betrachten, mit denen jeder machen kann, was immer ihm gerade in den Sinn kommt, lautet an dieser Stelle die Frage: Steht in Thorstens Mietvertrag eigentlich nichts darüber, dass das Halten von Haustieren die Zustimmung des Vermieters voraussetzt?)

Wunden säubern läuft dann so ab, dass Thomas einmal kurz mit einem Wattebausch mit bisschen Alkohol auf die Wunde tippt. Das reicht schon. Der Rest vom ganzen Dreck kann ruhig dran bleiben Saubermachen bedeutet wie in Teil 1 einfach mit nassen Lappen den Unterarm abwischen. 

Dunkel ist derweil im Garten von zwei offenbar ziemlich Bibel-besessenen älteren Leuten angekommen (Die Frau kennt man übrigens u. a. aus einem Werbe-Kurzfilm von Hans Schulte für seinen Matratzenladen, mit dem dieser angeblich die Werbefilmbrache revolutioniert hat, weil es sowas laut seiner Aussage nie zuvor gab). Auch diese beiden Alten bekommen während des gesamten Films keine Namen verpasst. Ich nenne sie daher ab jetzt einfach mal Gaby und Horst. 

Gaby:
(guckt zum Fenster heraus auf die Dunkle im Garten)
„Ohne Offenbarung verwildert das Volk.“ 

Horst:
„Es will Ehe eingehen mit deinen Heiden. Heere einnehmen auf Erden.“

(Oder wenigstens so ähnlich. Der Typ nuschelt und es plärrt Musik im Hintergrund.) 

Gaby:
„Der Herr Zebaoth ist mit uns. Der Herr ist unser Schutz.“ 

Man bringt der Dunklen ein Stück Kuchen in den Garten, und kaum ist sie dadurch angelockt, schleppt man sie einfach mit Gewalt ins Haus. (Ergibt Sinn. Fundamentale Christen reden nicht nur ausschließlich in Bibelversen, sondern verschleppen ja bekanntlich auch gerne total spontan wildfremde Leute, die sie in ihrem Garten vorfinden. Wem will Schulte diesen Mist verkaufen?) 

Die Familie von André macht sich Sorgen und ruft bei der Mutter von Dennis (der heißt mit Nachnamen Baumann) an. Dennis gibt vor, nichts zu wissen. Könnte ja sonst Ärger von Mutti geben. 

Der hilfsbereite Thorsten (Btw.: Fliesentischbesitzer) füttert Langhaar mit einem halben Mettwurstbrötchen. Zeit für eine Ess-Montage. Lohnt sich auch voll bei den Mengen an Futter … 

Thorsten:
„Hat dir offensichtlich gut geschmeckt. Hast ja nichts übriggelassen.“

(Ja, an einem halben Brötchen mit einer Scheibe Mettwurst kann man sich auch schon mal überfressen. LOL!) 

Wir sind bei knapp 25 Minuten. Eine beknackte Szene jagt hier die nächste. Das hält man echt im Kopf nicht aus. 

Bei den Baumanns kommt Mutter Baumann ganz ruhig ins Wohnzimmer marschiert. 

Mutter:
„Der Vater von André hat gerade angerufen. Sie haben ihn gefunden.“ 

Vater:
„Na, Gott sei Dank!“ 

Mutter:
„Ermordet.“ 

Aber echt mit so einer Seelenruhe vorgetragen, als würde sie berichten, dass man ihn mit Kumpels vor dem Rewe beim Klönschnack angetroffen hätte!!! Ich lieg hier gerade schallend lachend unterm Tisch und muss an ihn hier denken: 

 

Vater:
„Was? Wie kann das denn sein?“ 

Mutter
(zu Dennis):
„Weißt du, was war? Hast du irgendjemanden gesehen?“ 

Dennis:
„Ja, da waren so Mädchen gewesen.“ 

Dennis erzählt in zwei Sätzen, dass die Mädchen sich komisch verhalten hätten, er aber nicht wüsste, ob sie André was getan haben. Mutter steht auf: 


„So, ich muss jetzt erstmal den Vater von André anrufen."

(Zu Dennis:) 
"Warum hast du das denn nicht gleich erzählt?“ 

(Immer noch hat sie die Ruhe weg. Als wäre überhaupt nix gewesen. Mord im Bekanntenkreis kann halt schon mal passieren ...) 

Am nächsten Morgen sitzen Jessica, Mark und Christo mit Marie beim Frühstück. Mark studiert die Zeitung, ob es Nachrichten über die Frauen gibt. 

Mark:
„Wartet mal, ich glaub ich hab hier was.“ 

Christo:
„Rentner oder Schafe?“

(Nein, Christo, Mark meint nicht die Anzeigen für Sex-Hotlines… Muahahahaha…) 

Anstatt des Mordes an André steht nur der Beißangriff auf den Transporter-Fahrer in der Zeitung. 

Dunkel sitzt (gefesselt und angekettet mit der „Original-Folterkette aus der Kaum-Trilogie“™) auf einem Dachboden. Gaby trägt komplett gestelzt irgendwelche prophetischen Bibelverse vor. Dann quält sie Dunkel, indem sie vor ihren Augen Wasser trinkt, der durstigen Wilden aber nichts abgibt. 

Thorsten wundert sich, warum es im Zimmer von Langhaar so stinkt. Des Rätsels Lösung: Sie hat auf den Teppich gekackt. Übrigens stört sich auch diesmal wieder keiner am Geruch der Frauen an sich, obwohl die nach wie vor noch nie richtig gewaschen wurden und in völlig versiffter Kleidung herumlaufen. Aber bevor er die Kacke wegmacht, fordert Thorsten erstmal zum Frühstück auf (Mir wäre an seiner Stelle ja eher der Appetit vergangen, aber egal …). 

Horst isst der Dunklen derweil eine Stulle vor (Diese Art Folter ist ja schlimmer als Waterboarding!) und fängt dann ebenfalls mit Bibelgesabbel an. 

Andrés Onkel lädt sein Gewehr. Seine Frau blickt besorgt (eher nichtssagend) aus der Wäsche.

Frau:
„Ich hoffe... du hast nicht das damit vor ... was ich denke.“

Onkel:
„Und ob ich das vorhabe. Wenn ich zurückkomme, haben wir zwei Raubtiere im Wald weniger.“

Frau:
„Ich bin damit wirklich nicht einverstanden. Beim besten Willen nicht. Warte doch erstmal ab. Du hast doch bisher nur zweimal mit Andrés Eltern gesprochen. Vielleicht war es auch ganz anders.“

(Die trägt das in einem übertriebenen Staccato vor, dass ich vor Lachen losprusten muss.) 

Onkel:
„Was soll denn anders gewesen sein? Die haben meinen Neffen abgeschlachtet und gefressen. Die schieß ich ab und erlege sie.“ 

Frau:
„Aber das sind doch immer noch Menschen.“

Onkel:
„Eher nicht. Ich treff mich mit Thomas im Wald.“

Frau:
„Bitte, zieh unseren Sohn da nicht mit hinein.“

Onkel:
„Der hat gesagt: Wenn ich nicht mitkomme, geht er allein.“ 

(Die beiden liefern eine so grandios verkackte Darsteller-Leistung ab, sie tun einem fast leid. Das ist hier in rein getippter Textform leider nicht einmal annähernd reproduzierbar.) 

Außerdem fragt man sich natürlich: Wenn mittlerweile rausgekommen ist, wie André zu Tode kam, wird doch auch endlich die Polizei davon wissen. D. h. es müsste eigentlich schon ein großangelegtes Polizeiaufgebot die Wälder durchstreifen auf der Suche nach den Frauen. Da ist aber keiner. Realistische Fahndungsarbeit auf ganzer Linie. Oder ist das etwa Hans Schultes versteckte Kritik am handlungsunfähigen Staat? Man weiß es nicht (und will es ehrlich gesagt auch gar nicht wissen). 

Langhaar darf sich bei Thorsten ausziehen, um geduscht zu werden (Na endlich mal eine sinnvolle Idee). Er hat ihr gerademal mit der Brause ein paar Flecken grüne und schwarze Schminke vom Rücken gerubbelt (wobei Polyanna Move sorgsam ihr Haar hochhält, damit es auch ja nicht nass wird), der meiste Dreck ist aber noch auf ihr drauf, da kündigt Thorsten auch schon an, man wäre fertig. (Hat Schulte eine Aversion gegen das Waschen, oder warum wird hier Körperhygiene, wenn überhaupt, immer so sparsam betrieben, dass sie effektiv total sinnlos ist?) 

Onkelchen streift alleine (wo ist eigentlich Thomas?) durch den Wald und findet rein zufällig auf dem Boden ein einzelnes Laubblatt mit einem Blutstropfen darauf.

Onkel:
„Blut. Die erwischen wir heute noch.“ 

(Das Sauerland besteht ja auch nur aus ein paar Quadratmetern Waldfläche. Da sollte ein einzelner Mann eine einzelne Frau ohne Probleme in kurzer Zeit aufspüren können…) 

Langhaar macht bei Thorsten Unterhosen-Ausprobiering und findet einen String-Tanga am besten (der schnalzt so schön in der Mokka-Ritze). Wenigstens verzichtet Schulte hier darauf, dass sie sich die Unterhose als Gag erstmal über den Kopf zieht. 

Mark und Christo suchen abends im Dunkeln nach den Mädchen. (Bietet sich ja auch keine andere Tageszeit an.) Bei Jessica zuhause ist parallel dazu helllichter Tag. Mark erfährt über sein Handy, dass ein Junge totgebissen wurde. 

Langhaar will Sex mit Thorsten. Der will aber partout nicht. Langhaar ist enttäuscht. 

Übrigens: 40 Minuten und noch immer kein Natursekt. ICH bin enttäuscht! (Nein, nicht wirklich!) 

Der Onkel streift nach wie vor mit dem Gewehr durch den Wald. Da es wieder hell ist, hat es wohl am Vortag doch nicht mehr mit dem Auffinden der Frauen geklappt. Von Thomas nach wie vor keine Spur. Onkel sieht etwas und legt das Gewehr an. Schnitt. Die Bissige rennt durch den Wald. Dummerweise passt aber ihre Laufrichtung absolut nicht zur Zielrichtung des Gewehrs. Hans Schulte verbricht einen Achsensprung, der jeder Beschreibung spottet. (Was reg ich mich auf? Technik wird doch beim Filmemachen eh total überbewertet…) 

Christo und Mark laufen getrennt durch den Wald. Nach wie vor suchend. Christo hat plötzlich komplett andere Klamotten an. Mark macht sich Sorgen, ob sie nicht doch endlich mal die Polizei rufen sollten (Jetzt ist es auch zu spät, du Honk!). Vielleicht wären sie ja daran Schuld, dass der Junge gestorben ist (Hast du richtig erkannt, du Vollpfosten!). Natürlich wird der Anruf bei der Polente NICHT in die Tat umgesetzt. 

Christo trifft auf den Onkel, der wiedermal auf eine der Frauen angelegt hat (die man aber nicht sieht). Christo versucht den Onkel vom Schießen abzuhalten, indem er wiedermal blöd rumsteht und was von Anzeige labert. JETZT taucht endlich Thomas auf und fragt, warum sein Vater nicht schießt. Den Dialog muss ich wiedergeben. Das ist so hanebüchen: 

Christo:
„Stop! Halt! Halt!“ 

Onkel:
„Was geht Sie das an?“ 

Christo
(deutet drei Meter vor sich auf den Boden, obwohl der Onkel irgendwo in die Ferne gezielt hat):
„Das ist immer noch ein Mensch!“ 

Onkel:
„Nein! Das ist DIE Bestien, die meinen Neffen... ZERFLEISCHT hat!“ 

Christo:
(fasst sich verwirrt an den Kopf)
"Ich verstehe Ihren Schmerz, glauben Sie mir, aber Sie haben keine Ahnung, was hier los ist. Es steckt viel mehr dahinter.“ 

Onkel legt wieder das Gewehr an. 

Christo:
„Ich zeige Sie an, wenn Sie schießen.“ 

Onkel nimmt das Gewehr herunter und guckt wie ein kaputtes Auto. Thomas kommt ins Bild. (wo auch immer der jetzt plötzlich doch noch herkommt…) 

Thomas:
„Was machst du denn? Warum schießt du nicht. Die entkommt noch!“

Christo:
„Tun Sie mir einen Gefallen: Gehen Sie nach Hause, wir kümmern uns drum.“

(Joa. Würde ich an deren Stelle auch machen. Wenn mir so ein dahergelaufener Fatzke sagt, er kümmert sich drum, macht der das bestimmt auch…) 

Thomas:
„Wir?“ 

Christo:
„Meine Freunde sind gleich da.“

(Der durchschaubarste Bluff ever …) 

Onkel:
„Ich hol jetzt die Polizei!“

(Erst den Ein-Mann-Lynchmob spielen wollen und dann die Bullen rufen. Ja klar. LOL!) 

Christo:
„Dann erzähl ich ihnen von Ihrem Mordversuch!“ 

Thomas:
„Na, hoffentlich frisst die DICH als nächsten!“

Christo:
„Jaja, komm, geh einfach nach Hause.“ 

Onkel und Thomas trollen sich. 

Während Thorsten versucht, aus Langhaar herauszukriegen, wo sie herkommt, trifft Mark im Wald auf Hofi und Jerome (ihr erinnert euch, der Unternehmersohn, der die „geile Perle“ flachlegen wollte, und sein Kumpel). Als Mark die beiden fragt, ob sie eine verwilderte Frau gesehen hätten, interessieren sich die beiden sehr für das Thema. Sie haben im Radio schon davon gehört, dass wilde Frauen einen Jungen totgebissen hätten.

Hofi:
„Was hast du denn mit denen zu tun?“ 

Mark:
„Ach, ich kenn sie von früher.“

(…und warst ganz spitz auf Langhaar, gelle?) 

Mark geht weiter und Hofi meint zu Jerome, dass das genau die Richtigen für sie wären. Mit denen könnte man Spaß haben. Kurz darauf treffen die beiden doch tatsächlich Thorsten und Langhaar und haben rein zufällig Chloroform dabei (Wer trägt nicht immer eine Flasche davon mit sich herum?), um die beiden zu betäuben. Thorsten wird in den Wald geschleppt und an einen Baum gebunden, Langhaar mitgenommen. 

Gaby versucht der Dunklen auf dem Dachboden mit Weihwasser den Teufel auszutreiben. Wieder gestelztes Bibel-Geschwurbel. 

Christo findet Thorsten. Der erzählt ihm nach seiner Befreiung, er wäre mit einer „Freundin“ unterwegs gewesen und dann hätten ihn zweit Typen betäubt und seine Freundin sei jetzt „auch irgendwie weg“. 

Christo:
„Wie, deine Freundin ist weg?“

Thorsten:
"Ja, das... Äh... Ich hab... Das ist'n... Ja, OK, ich erzähl dir das jetzt einfach mal: Ich hab da gestern 'n Mädel kennengelernt, die war so'n bisschen seltsam drauf gewesen und ähh ja, die hab ich dann mal mit nach Hause genommen, weil ich ihr helfen wollte ...“

Christo:
„Warte, warte, warte, warte. Was meinst du mit seltsam?“

Thorsten:
„Naja, sie hat sich so'n bisschen seltsam bewegt, würde ich sagen, ja, und dann, sah auch so'n bisschen verwildert aus, war schon alles etwas hmmmmm....“ 

Ich denk mir das nicht aus! Die Dialoge laufen alle Wort für Wort genau so ab! 

Christo:
„Es gibt noch drei weitere davon. Wir suchen die schon länger. Hast du Bock, mitzuhelfen?“ 

Thorsten:
„Ja, klar.“ 

Jessica liest Marie „Das Eichhorn und der erste Schnee“ vor. Marie lernt viele nützliche neue Worte, z. B. „Eichhörnchen“ … 
  
Noch mehr Bibel-Geseier auf dem Dachboden. 

Mark, Christo und Thorsten im Wald. Christo hat mal wieder andere Klamotten an. Es wird geplant, in welchen Ortschaften man die Frauen suchen will. (Auch hier, wie schon zuvor bei Andrés Onkel: Die suchen ZU DRITT die Wälder im halben Sauerland nach drei einzelnen Frauen ab… Viel Erfolg, ihr Pannemänner. Hihi.). 

Mark zu Thorsten:
„Bist du dabei?“ 

Thorsten:
„Auf jeden Fall. Das ist viel zu interessant, um jetzt locker zu lassen.“ 

Christo:
„Find ich gut, dass du mitmachst.“ 

Thorsten:
„Auf jeden!“ 

Mark:
„Sauber.“ 

Hofi und Jerome haben langhaar in irgendwelche kargen Räume verschleppt. Hofi will mit ihr „Spaß haben und damit richtig Geld verdienen“. Er will einen Snuff-Film drehen. (Uiuiui, Tiffy!) 

Eine Stunde läuft der Mist jetzt schon, und laut OFDB muss ich noch eine weitere Dreiviertelstunde aushalten. "Isch glaub isch muss breschen!"

Such-Montage im Wald. Laaaaangweilig. 

Wie konditioniert man ein Snuff-Film-Opfer zum Mitmachen? Hofi stopft Kekse in einen Jutebeutel. Dadurch soll sich Langhaar an den Sack gewöhnen (Konditionierung durch Belohnung und so, ihr versteht). Später wird der dann mit „Überraschungen“ seiner Wahl gefüllt. 

Horst will Dunkel erst zu Essen und zu Trinken geben, wenn sie „Gott ist der Herr“ sagt. Als sie das mühsam herausstammelt, geht ihm sichtlich einer ab. 

Sven klingelt bei irgendjemandem wahllos an der Haustür.

Sven:
„Hallo. Entschuldigen Sie, haben Sie zufällig einige junge Frauen gesehen? Verwahrloste Kleidung, merkwürdiges Auftreten?“ 

Mann:
„Nein, ich hab niemanden gesehen.“ 

Sven:
„Gut. Danke schön.“

Er wendet sich zum Gehen.

Mann:
„Warum?“ 

Sven:
„Es ist zu kompliziert, das jetzt zu erklären. Trotzdem danke.“

Mann:
„Aha.“ 

Sven geht. (Waaaaaah. Man möchte seinen Kopf laufend vor die Wand hauen, so sehr tut hier eine Szene nach der anderen weh!) 

Langhaar bekommt wieder den Sack. Diesmal sind Rasierklingen darin. Die Folge: Zwei kleine Schnitte in der Hand. Wird alles schön von Jerome gefilmt. Das wird DER Renner auf dem Snuff-Film-Markt. Sowas Hartes hat die Welt noch nicht gesehen… 

Das Fundamentalistenpaar kommt auf die Idee, die Dunkle mit der Rute zu züchtigen, weil die dreimal hintereinander auf den Boden gemacht hat. Horst fletscht die Zähne und schlägt schön zaghaft zu. Die Schlag-Klatschgeräusche sind nachträglich komplett asynchron eingefügt. Er deutet auf die Rute und zeigt auf den Eimer, in den die Dunkle gefälligst pinkeln soll. (Könnte er auch einfach sagen, aber sähe dann wohl nicht dämlich genug aus…) 

Timecode 2:40:19: Polyanna Move pinkelt in echt, on-camera, neben eine Toilette auf den Boden!!! Schulte liefert also doch noch. (Auch, wenn man die ganze Zeit das Gegenteil gehofft hat… Würg!) 

Hofi:
„Hast du gesehen, die kleine Sau hat einen String an.“ 

Jerome:
„Na und, haben doch alle.“ 

Hofi:
„Ich mein ja nur. Wildes Tier und sich dann so geil und sexy zeigen? Die muss doch mitgekriegt haben, dass das zum FICKEN anregen soll.“ 

Jerome:
„Du bist ja richtig geil, wenn du daran denkst.“ 

Hofi:
„Das muss ich auch, bei dem was ich noch vorhabe.“ 

(Was auch immer es sein mag. Kann es dümmer sein, als ein Jutebeutel mit Rasierklingen?) 

Die zweite Falle für den Snuff-Film: Langhaar muss den John McLane machen und barfuß über Glasscherben laufen. Sie hätte zwar in dem Raum, in dem das Ganze stattfindet, noch jede Menge Platz, um die Scherben herum zu gehen (Was die Darstellerin in der gewählten Kameraeinstellung auch eindeutig tut), schreit aber trotzdem laut auf und hat in der nächsten Einstellung ein paar Scherben im Fuß. (Dieses Snuff-Teil wird ein Megaseller. Garantiert.) 

Thorsten findet im Wald einen kleinen Tierknochen. Messerscharf schließt er: Den muss die Bissige angenagt haben. Ansonsten findet man ja auch nie Knochen im Wald… 

In der Gemeinde des Fundi-Ehepaars scheint es noch mehr solche kranken Typen wie die beiden zu geben. Als Dunkel Horst im Gesicht kratzt, will man sie an jemanden geben, der sich besser „um sie kümmern“ kann. 

Horst:
"Gemeindevorstand Holtleben aus Kreuzstein. Der hat Erfahrung mit solchen Fällen.“

(Ich will gar nicht wissen, woher er die haben soll. Ein Teil der Antwort würde sicher die Zuschauerschaft verunsichern…)

Da werden in der Gemeinde also häufiger Frauen einfach so in Häuser verschleppt, auf Dachböden eingesperrt, tagelang hungern und dursten lassen? Damit möchte Hans Schulte uns sicher verdeutlichen, wie verkommen und pervers Priester sind. Die pöse katholische Kirche ist nämlich auch so ein „gesellschaftskritisches“ Steckenpferd von ihm… 

Snuff-Film-Falle Nummer 3: Mit einer Fackel (Taschentuch um Besenstiel gewickelt) wird Langhaar auf eine ca. 30 x 70 cm große, am Boden liegende Metallplatte getrieben (um die herum wieder meterweise Platz ist, so dass sie da gar nicht drauftreten müsste) und schreit wieder herum. Warum versteht keine Sau, aber den Snuff-Filmern sind Millioneneinnahmen sicher. Ganz bestimmt. 

Jessica und Marie spülen Geschirr. Wieder lernt Marie neue Wörter. 

Auf dem Parkplatz von Matratzen Hans (Schultes altem Laden, bevor dieser an eine andere Adresse umgezogen ist) sieht Thorsten zufällig Hofi wieder und ruft sofort seinen Kumpel Marius bei der Polizei an (ENDLICH macht das überhaupt mal jemand. Aber glaubt bloß nicht, dass in der Folge auch nur ein einziger Polizeibeamter die Bildfläche betritt! Schulte führt uns gekonnt in die Irre. Der erste (und höchstwahrscheinlich einzige) Geniestreich in der gesamten Trilogie!) 

Sven fragt weiter in der Gegen herum, wer eine verwilderte Frau gesehen hat und trifft auf den Rentner, den Dunkel am Anfang erschreckt hat. Der sagt nur, sie sei „da lang“ gelaufen. Svens Spur ist so tight, wenn er der weiter folgt, dann burn's bestimmt. 

Hofi versucht derweil, Langhaar zu vergewaltigen. Die verbeißt sich erst in ihn und dann in Jerome, und obwohl die beiden wesentlich kräftiger sind als sie, gelingt es ihr, beide zu töten. Ordentlich „Spladda“. Thorsten tritt die Tür zur Lagerhalle ein (irgendwie hat er rausgefunden, dass Von Hofhagen Senior so ein Ding gehört) und findet Langhaar mit den beiden Leichen. Die hängt sich wie ein Schoßhündchen an sein Bein. 

Das dürfte jetzt das Ende von Teil 2 sein. Ist nicht ganz so eindeutig festzustellen, wie bei Teil 1, mir aber auch egal. 

Timecode 2:56:20. Ich hab keinen Bock mehr! 

KAUM BESSER ALS IHR ist tatsächlich noch bescheuerter, unlogischer und lächerlicher als Teil 1. Der Film ist durchgehend mit so unglaublich bräsigen Szenen und hohlen Dialogen vollgestopft, dass einem die Augen und Ohren bluten. Die Darsteller-Leistungen spotten jeder Beschreibung, der Schnitt ist wie gewohnt totale Grütze. Einzig Kameraführung (von unsinnigen Achsensprüngen natürlich abgesehen) und Musik sind halbwegs brauchbar. Aber selbst beim Musikeinsatz schafft es Schulte, Songs immer wieder ohne jedes Gespür für Dramaturgie mittendrin einfach abzubrechen. Nicht einmal so etwas Simples kriegt der hin. KAUM BESSER ALS IHR tut wirklich, wirklich weh! 

Zum Glück läuft Teil 3 nicht mal mehr eine Stunde.

Laufzeit: 106 Min. / Freigabe: ohne

Montag, 1. Juli 2019

KAUM MEHR ALS TIERE


KAUM MEHR ALS TIERE
BRD 2013

Regie:
Hans Schulte,
Nina Kleinfeld,
Rudolf Karg

Darsteller:
Polyanna Move,
Nina Rosenbohm,
Arne Löber,
Christo Michailidis,
Katharina Michalenko,
Marion Petersen



ACHTUNG, ACHTUNG! ES FOLGT EINE GASTREZENSION VON JDVF-MITBEGRÜNDER STUART REDMAN! AUGEN AUF, OHREN ZU!!!!


Es gibt Filme, die sind wie Unfälle. Man kann einfach nicht wegsehen, obwohl das Gebotene einfach nur grausam schlecht ist. Wenn man dann auch noch drei solcher Filme hat, die zusammen eine große Geschichte ergeben und deren „What the Fuck?“-Faktor von Film zu Film immer schlimmer wird, erlebt man eine wahre Kettenreaktion von aufeinanderfolgenden audiovisuellen Katastrophen, die einen am Ende völlig leer, fassungslos, entsetzt und desillusioniert zurücklassen. Und um die Erfahrung reicher, dass Dummheit und Talentlosigkeit gepaart mit Hybris im Filmbusiness eine Kombination ist, der man sich besser nicht aussetzen sollte, will man seine geistige Gesundheit nicht aufs Spiel setzen.

Seit Kurzem habe ich den nachträglich aus den drei Einzelfilmen zusammengeschnittenen Director’s Cut der sogenannten KAUM-Trilogie bei mir herumfliegen. Von 2013 bis 2016 drehte der Lüdenscheider Matratzenladenbetreiber Hans Schulte drei Amateurfilme, KAUM MEHR ALS TIERE, KAUM BESSER ALS IHR und KAUM NOCH ZU FINDEN, die zusammen eine durchgehende Geschichte um vier Studenten ergeben, die im Wald auf vier völlig verwilderte Frauen treffen, deren Verhalten studieren wollen und es in der Folge mit allerlei menschlichem Geschmeiß zu tun bekommen, welches danach trachtet, die Schicksale der Frauen auf ihre Weise auszunutzen oder zu beeinflussen. Die gebrannte Blu-ray mit dem Director's Cut hat mir ein Freund, der tatsächlich den Fehler gemacht hat, dafür Geld zu bezahlen, mit den Worten ausgehändigt: „Ich hab davon nur die ersten fünf Minuten gesehen. Das hat mir gereicht. Mach dich auf das Schlimmste gefasst.“

Wie schon bei Machwerken wie Oliver Krekels ROBIN HOOD – GHOSTS OF SHERWOOD oder Marc Vorlanders THE NEXT DEATHWISH wurde auch bei der KAUM-Trilogie im Vorfeld in meinem Trash-affinen Freundes- und Bekanntenkreis viel über deren vermeintliche Qualität im Kontrast zum öffentlichen Auftreten ihres Machers spekuliert, denn wie die beiden vorgenannten Gernegroß-Filmemacher ließ auch Hans Schulte keine Gelegenheit ungenutzt, sein Amateur-Werk im Internet als DEN heißen Scheiß hinzustellen. Dabei lobte er u. a. die eigenen Fähigkeiten in Bezug auf unvorhersehbares, unverbrauchtes Storytelling, glaubwürdige, differenzierte Charakterentwicklung, ungewöhnlichen, weil sich aus dem Mitfiebern mit den Figuren und nicht aus vordergründigen technischen Spielereien ergebenden Spannungsaufbau und vor allem lebensnahe „brillante“ Dialoge über den grünen Klee. Dazu wurden neben Videobotschaften auf Youtube (Wer die sehen möchte: einfach dort nach „Kaum mehr als Tiere" suchen.) auch Fake-Rezensionen in der OFDB und eine angeblich von einem gewissen Helmut W. Klein, in Wirklichkeit aber eindeutig von Schulte selbst verfasste Lobenshymne auf Facebook lanciert, die beweisen sollte, dass die Kaum-Trilogie angeblich sogar in Universitätsseminaren analysiert würde.

In der Folgezeit machte sich Schulte in Foren und auf Facebook zunehmend zum Gespött, indem er z. B. behauptete, in seinem Leben bereits über 25000 Filme gesehen zu haben und durch deren Studium zu einem absoluten Experten auf dem Gebiet der künstlerisch-dramaturgischen Filmgestaltung geworden zu sein. Von den technischen Aspekten des Filmemachens habe er hingegen gar keine Ahnung, da ihn diese nicht interessierten und ohnehin völlig überbewertet seien.

Irgendwann will man dann schließlich wissen, ob das Ganze wirklich so herausragend ist, wie es einen der Macher glauben lassen will. Also nimmt man die Bürde auf sich und legt den Datenträger in den Player ein.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Schulte erfüllt keinen einzigen der so vollmundig propagierten Ansprüche. Im Gegenteil. Es kam NOCH WEIT SCHLIMMER als an sich schon befürchtet.

Da es mir zeitlich (und nervlich) nicht möglich war, dieses knapp vierstündige Ungetüm in einer einzigen Sitzung durchzuhalten, habe ich den Film in drei Sitzungen konsumiert, quasi jeden Film einzeln. Wo die jeweiligen Teile beginnen und enden, ist auch relativ einfach auszumachen. Gerade beim Wechsel von Teil 1 zu Teil 2. Hier wechselt auf der Blu-ray das Bildformat nämlich von auf 4:3 gestauchtem 16:9 (Tatsache, Schulte hat von Technik so wenig Ahnung, dass er seinen eigenen Film im falschen, verzerrten Format auf die Scheibe geklatscht hat.*) auf korrekt dargestelltes 2,35:1.

Der folgende Text ist quasi als Live-Kommentar zu Teil 1, KAUM MEHR ALS TIERE, zu verstehen und in groben Zügen direkt während der Sichtung entstanden. Den Rest habe ich anschließend Stück für Stück ergänzt und in eine lesbare Form gebracht. Ich habe diese Form der Rezension gewählt, weil es mir nicht möglich war, die Absurdität des Geschehens auf dem Bildschirm anderweitig adäquat zusammenzufassen. Es war mir insbesondere wichtig, diverse Dialogpassagen wortgetreu widerzugeben, eben weil sich Schulte für einen brillanten (sic!) Dialogschreiber hält. Ich sollte schnell merken, wie sehr hier Anspruch und Realität auseinanderklaffen…

ACHTUNG: Ich plaudere in dieser und den Besprechungen der folgenden zwei Teile jedes Detail aus. Also: SPOILERALARM!

Film ab.

Allein der Vorspann dauert fast 4 Minuten, weil Schulte fast jeden Darsteller der gesamten Trilogie einzeln aufführt. Ich ertappe mich mehrfach beim ungeduldigen Blick auf die Uhr.

Vier Studenten (drei Typen und eine Trulla) wollen zwei Wochen im Gartenhaus eines Onkel verbringen. Das Gepäck ist für zwei Wochen schon einmal recht übersichtlich. Typ 1 hat lediglich ein lächerliches Handtäschchen dabei.

Und direkt am Anfang bemerkt Typ 2, dass so eine Hütte ja auch ein typischer Ort für Schlitzerfilme sei. Man merkt also sofort: Hans Schulte kann total natürliche und klischeefreie, oder um es mit seinen Worten zu sagen „brillante“ Dialoge schreiben… Ich rolle mit den Augen und ahne Schlimmes.

Die vier sind im Wald. Trulla bleibt zurück, hört irgendwas und starrt angestrengt in die Bäume. Wir sehen dazwischen vier Frauen (unsere Kannibalinnen) lautstark durch den Wald „schleichen“. Keine umherhuschenden Schatten, keine kurzen Momentaufnahmen, die uns nicht genau erkennen lassen, was sich da im Wald bewegt. Nein, eine gut 30-Sekündige statische Einstellung von vier Frauen beim Durchs-Gebüsch-latschen. Wie Schulte in seinen Botschaften schon verkündet hat, zeigt er alles klar und unmissverständlich… und merkt dabei nicht, dass er jegliche Spannung, die sich entwickeln KÖNNTE, schon im Ansatz killt. Trulla rennt nämlich daraufhin zu ihren Freunden und meint, sie hätte da irgendwas gesehen, von dem sie nicht wüsste, was es wäre. Es habe sich aber nicht wie ein Mensch bewegt. Jawohl! Wenn man Spannung erzeugen will, sorgt man auf jeden Fall dafür, dass der Zuschauer genau weiß, was los ist, während die Protagonisten keine Ahnung haben und dummes Zeug labern…

Trulla muss pullern, und Typ 1 bleibt mit ihr zurück, damit „keine kleinen Jungs kommen“ (Wen auch immer er damit meint…). 

Während Typ 1 wartet, schleicht sich „Langhaar“-Kannibalin (Die vier sind nach ihren Haupt-Eigenschaften benannt: Langhaar, die Dunkle, die Bissige und die Stumme) von hinten an ihn ran. Der erschreckt sich und rennt zu seinen Freunden, denen sich Trulla nach ihrem Pinkelgang längst wieder angeschlossen hat. Die hat also Typ 1, obwohl der extra auf sie gewartet hat, einfach im Wald stehen lassen… sehr realistisch. Typ 1 meint, er habe eine total verwilderte und verdreckte Frau gesehen, die sehr wenig anhatte. Äh ja, Langhaar war aber vollständig mit einem Jogginganzug bekleidet… Trulla reagiert darauf auch gar nicht, obwohl sie selbst doch gerade eben noch etwas gesehen hat. Statt dessen stellt sie folgende „hochintelligente“ Frage:

Trulla:
„Ne Obdachlose?“ 

Typ 1:
„Nee, die bewegen sich nicht so.“ 

LOL! 

Falls ihr euch fragt, warum ich hier die ganze Zeit von Typ 1, Typ 2 und Typ 3 rede: Typ 1 und Typ 2 müssen den gesamten ersten Film über namenlos herumrennen (Nein, Hans Schultes Botschaften zählen nicht als Namensquelle! Bemerken!). Typ 1 hat eine Glatze, also nenne ich ihn im Folgenden einfach Glatzen-Peer. 

Anstatt das weiter über das Ereignis gesprochen wird, man vielleicht mal beschließt, die Polizei zu verständigen oder ähnliches: Schnitt. Die vier gehen ins Bett. Schnitt. Wieder hellichter Tag. Alle vier Studenten stehen im Garten herum, und die vier Kannibalinnen führen vor ihnen eine Art abstrakten Affentanz auf. Keinerlei Erklärung, wie die dahin gekommen sind, nix. 

Typ 2 zu Typ 3:
„Will dein Onkel uns einen Streich spielen, oder was ist hier los?“ 

(Wenn das ein Streich wäre, wäre es der bekloppteste Streich EVER!) 

Die vier stehen stocksteif da und lassen die verwilderten Frauen sogar an sich schnüffeln. Man weiß nicht, wer das ist, die benehmen sich wie die Tiere, aber man vergisst selbstverständlich jegliche Vorsicht und hält sich nicht von ihnen fern. Man vergegenwärtige sich Hans Schulte und sein Gerede über glaubwürdiges, natürliches Verhalten… Sorry, aber das ist schon jetzt alles so lächerlich… 

Nachdem die Kannibalinnen sich verdrückt haben: 

Trulla:
„Was glaubt ihr, was das für Leute waren?“ 

Typ 2:
„Zombies in der Ausbildung.“ 

Hätte witzig sein können, wenn Schulte es mit seinem Film nicht insgesamt so bierernst meinen würde. 

Und wir sind gerademal bei Minute 16. 

Langhaar schleicht sich an die Hütte, wo Trulla gerade am Putzen ist. Als Langhaar das Putzwasser trinken will, meint Trulla, sie würde ihr was Besseres holen... und kommt mit einer fast leeren Flasche Cola und einer Packung Cookies zurück... Ich an Langhaars Stelle würde weiter Putzwasser saufen! 

Die Studenten sitzen in der Hütte und diskutieren, welche Sprache die Kannibalinnen wohl sprechen. Die tauchen plötzlich am Fenster auf. 

Trulla:
„Ich hol sie mal rein.“ 

Klar. Man holt sich solche verwilderten, völlig fremden Tusen ja auch direkt ins Haus. Als die Kannibalinnen nicht in die Hütte wollen, versucht Trulla, sie mit Gewalt hineinzuziehen. Man muss die Leute halt zu ihrem Glück zwingen... 

Wieder wird sich einfach ins Bett gelegt. Am nächsten Morgen hocken die Kannibalinnen vor der Hüttentür und staksten eine Einstellung später im Garten herum. Noch immer kommt keiner der vier Studenten mal auf die Idee, eventuell die Polizei oder sonst irgendwie Hilfe zu rufen. Stattdessen füttert man die Frauen mit Milchbrötchen. 

Es fallen Sätze wie: 

Glatzen-Peer:
„Hey Jessica, geh nicht so weit weg.“

(Sie ist drei Meter entfernt!) 

Typ 3:
„Die fressen ja wie Tiere.“ 

Typ 2:
„Gefährliche Frauen gefallen mir.“

(Aaah ja.) 

Glatzen-Peer:
„Pass auf, Mark. Keine Angst, keine Angst.“ 

OK, jetzt sind wir zumindest schon mal schlauer und wissen, dass Trulla Jessica und Typ 3 Mark heißt. 

Bei 0:24:20 hat’s erstmal ein sekundenlanger Tonaussetzer. Aber Technik ist ja bekanntlich vollkommen unwichtig. 

Und dann folgender Klopper-Dialog: 

Glatzen-Peer
(zu Jessica):
„Hey, geh nicht so nah dran bitte.“ 

Jessica:
„Ja, ich trau mich nur nicht, da weg zu gehen.“ 

Glatzen-Peer:
„Komm langsam zu uns rüber. Langsam.“ 

Mark:
„Keine hastigen Bewegungen.“ 

Glatzen-Peer:
„Die hat mehr Angst als du.“ 

Jessica:
„Nicht, dass die mich irgendwie angreifen.“ 

(Nachdem Jessica sich von denen hat beschnuppern und begrapschen lassen und sie jetzt schon zweimal gefüttert hat, fällt ihr plötzlich ein, dass das evtl. eine dumme Idee war?) 

Mark pflückt für Langhaar Blumen. 

Mark
(zu seinen Freunden):
„Los, macht mit.“ 

Glatzen-Peer:
„Stör sie nicht.“ 

(Sorry, aber ihr macht die ganze Zeit nichts Anderes als „stören“!) 

Die Kannibalinnen töten (im Off) irgendein Tier und verzehren es roh. Glatzen-Peer ekelt sich. 

Typ 2:
„Ja, auf den Bäumen wachsen halt keine Tofu-Würstchen für euch Veganer. Wie stellst du dir das denn vor?“ 

Mark:
„Wenn du jahrelang im Wald überleben müsstest, hättest du auch andere Essgewohnheiten.“ 

(Wir stellen fest: Die vier Dumpfbacken haben noch immer keine Ahnung, mit wem sie es zu tun haben, wissen aber schon (woher auch immer), dass die Frauen jahrelang im Wald überleben mussten. Ääääh... Hääääää?) 

Mitten im Wald liegen ohne jeden Grund zwei Schuhe herum. Langhaar missbraucht einen davon als Pisspott. In echt!! On-camera!!!!! 

(Schon nachdem Hans Schulte in einem Film-Review zu JASON GOES TO HELL auf das Vorhandensein von Pinkelszenen für Fetischfreunde hingewiesen hatte (Was auch immer das in einer Besprechung eines Jason-Films zu suchen hat!), und ein Blick in seine OFDB-Filmografie zeigte, dass er vor den KAUM-Filmen Natursekt-Pornos (ebenfalls mit Polyanna Move, die hier Langhaar spielt) gedreht hat, war klar, dass er offensichtlich auf solchen Pipikaka-Kram steht. Und der findet jetzt tatsächlich allen Ernstes auch in der KAUM-Trilogie statt. Mir wird latent übel…) 

Die vier Studenten sitzen am Tisch und diskutieren, ob es moralisch vertretbar ist, die Kannibalinnen weiter zu studieren und darüber eine Dissertation zu schreiben. 

Bei Timecode 0:30:59 hat Schulte plötzlich mitten in der Einstellung (wohl aus Straffungszwecken im DC) ein Stück rausgeschnitten. Jump-Cut deluxe. Ihr wisst schon: Technik, unwichtig, usw. 

Typ 2 hat bedenken, dass die Kannibalinnen evtl. gefährlich sein könnten. 

Glatzen-Peer:
„Ach was. Wir sind drei Männer und eine Frau gegen vier Frauen. Das sollte doch wohl reichen, oder nicht?“

(Glatzen-Peer ist also in der Truppe der Haudrauf-Macho vom Dienst. Wisster Bescheid!)

Nachts diskutieren die vier darüber, dass ihnen die Nachbarn wahrscheinlich nicht zu Hilfe kommen werden, falls die Situation eskaliert. 

Schulte bringt hier schön plakative „Gesellschaftskritik“ unter, dass Menschen oft nicht reagieren, wenn jemand tatsächlich um Hilfe ruft. Auch auf seiner Facebook-Seite finden sich häufig geteilte Artikel über die angeblich stark gestiegene Kriminalität in Deutschland (die er vor allem muslimischen Zuwanderern in die Schuhe schiebt) und die Untätigkeit der Menschen, insbesondere der Staatsgewalt, dagegen. Es ist allerdings in der Tat fast schon lustig, dass dieses Treiben mit den verwilderten Frauen im Garten des Onkels offensichtlich tagelang so läuft, ohne dass auch nur irgendeiner der Nachbarn irgendwas mitkriegt. 

Plötzlich schleichen sich die Kannibalinnen in die Hütte. Man holt ihnen eine Decke... Am nächsten Morgen ekelt man sich darüber, dass sich die Bissige in ihr T-Shirt schnäuzt. 

(Als ob die nicht total verdreckt und noch nie gewaschen worden wären und ohnehin stinken müssten wie die allerletzten Heckenpenner.) 

Die vier Studenten sitzen auf dem Rasen. Jessica möchte nicht, dass in der Mittagspause über die Kannibalinnen gesprochen wird... während die verwilderten Frauen direkt vor ihrer Nase herumkrabbeln (!)… und regt sich dann darüber auf, dass die Dunkle ihr das Mittagessen klaut. 

Dann wühlt die Dunkle lautstark in Jessicas Handtasche herum, die diese hinter sich hat herumliegen lassen. Aber erst als die Bissige daraus eine Perlenkette klaut, drehen sich die vier um und merken was davon. Besuch beim HNO-Arzt wegen akuter Schwerhörigkeit wird für alle vier dringend empfohlen. 

Dunkel und Bissig streiten um die Kette und fauchen sich wie blöde an. 

Kurz darauf sitzt man wieder in der Hütte und quatscht darüber, dass die Kannibalinnen Bruchstücke diverser Sprachen beherrschen. 

Typ 2 und Mark wollen sich draußen weiter mit den Frauen beschäftigen. 

Die beiden kommen wieder rein. 

Jessica:
„Habt ihr was rausgefunden?" 

Typ 2:
„Ja, ich hab was Interessantes rausgefunden: Die pinkeln vor uns in den Garten. Ohne Hemmungen.“ 

(Ist ja seeehr interessant. Die pinkeln auch ohne Hemmungen vor euch in Schuhe. Wo ist jetzt die Neuigkeit?) 

Erst die Hälfte von ersten Film geschafft, und ich habe jetzt schon massives Hirn-Aua! 

Es folgt erstmal eine sinnlose Montage von Händchenhalten und Krabbeln mit den Kannibalinnen im Garten. 

Wieder schleichen sich die Kannibalinnen nachts in die Hütte. Langhaar legt sich zu Mark ins Bett und der kuschelt sich erstmal schön in Löffelchen-Stellung an sie. Die übrigen Kannibalinnen legen sich zu den anderen in die Betten. Und am nächsten Morgen fällt den Studenten sogar endlich mal auf, dass die Frauen stinken (Blitzmerker! Oder wiederum Besuch beim HNO-Arzt fällig? Nebenhöhlenkatarrh? Gehirntumor?). 

Man versucht, die Frauen zu waschen… einfach nur Hände und Arme mit dem Lappen. Bringt ja auch mächtig viel. Auf die Idee, sie einfach mal unter die Dusche zu stellen, kommen die Damen und Herren Akademiker natürlich nicht. Die Bissige beißt Glatzen-Peer durch den Pulli in den Arm. Trotzdem will der sie kurz darauf weiter waschen. Natürlich fällt sie wieder über ihn her. Als Mark ihm helfen will, sagt Glatzen-Peer allen Ernstes: „Nein, ich muss das alleine schaffen, sonst verlieren sie das Vertrauen.“ 

(Würde ich auch machen, nachdem mich eine verwilderte Frau aus dem Wald, die sonst was für Krankheiten haben könnte, gebissen hat. Wen kümmern schon Tetanus, Tollwut und all dieser neumodische Kram, den die Impfbefürworter ständig propagieren?) 

Abends spielt man Karten, während die Wilden durch die Hütte krabbeln. Und über Nasebohren ekelt man sich mehr als über den allgemein verdreckten Zustand. (Ach ja, man hat sie ja „gewaschen“… LOL!) 

Wieder kuschelt man sich nachts zusammen, und jetzt wird sogar schon im Nacken geküsst und ein bisschen gefummelt… Yuk… 

Zweite Erleichterungs-Szene mit Langhaar bei Timecode 0:57:47. Diesmal kackt sie in der Hütte auf die Klamotten der Studenten (zum Glück nicht in echt!). 

Man ekelt sich wieder einmal, aber Jessica setzt klare Prioritäten: „Ich komme auch langsam an meine Grenzen, aber da müssen wir jetzt durch.“ 

(Meine Grenze ist schon lange überschritten, aber was tut man nicht alles zum Zwecke der Wissenschaft… ääääh…) 

Die Stumme kriegt beim Anblick eines Babyposters einen hysterischen Anfall. Sie hat wohl selbst mal ein Kind gehabt, das gestorben ist. Sie stammelt ein paar Worte, und Jessica ist die Heldin, weil sie sie zum Sprechen gebracht hat. 

Jessica versucht, aus der Stummen herauszubekommen, was den Frauen zugestoßen ist. Wieder Montage-Time. 

Jessica:
"Ich hab unglaublich viel und unglaublich Schlimmes zu berichten." 

Die Jungs haben währenddessen herausgefunden, dass die Kannibalinnen es als Zeichen der Zuneigung empfinden, wenn sie sich nach dem Verrichten des Geschäfts gegenseitig sauberlecken. Jessicas Reaktion:


Warum lässt mich der Gedanke nicht los, dass die Person, die sich diesen ganzen Mist ausgedacht hat, das privat wahrscheinlich auch gerne macht? 

Jessica hat von der Stummen erzählt bekommen, dass sie von Kindheit an (also seit fast 30 Jahren) in einem finsteren Keller gefangen gehalten, sexuell missbraucht, gequält und teilweise auch getötet wurden (die vier gehörten wohl zu mehreren Dutzend anderen Frauen, denen es genauso ging). Das „Folterhaus“ ist dann von der Polizei ausgehoben worden. Aber anstatt dass die Polizei die Frauen befreit hat, hat sie nur die Täter verhaftet. Die Frauen blieben im Keller eingesperrt und es kam keiner mehr, der sich um sie gekümmert hat. (Sorry, aber dieses Drehbuch ist dümmer als die Polizei erlaubt!)


Wir sehen die Frauen im Keller eingesperrt. Realistischerweise hat man sogar ein paar Kackhäufchen in den Ecken drapiert, die natürlich auch nochmal in Großaufnahme gezeigt werden (Drauf geschissen, dass der Schatten des Kameramanns deutlich im Bild zu sehen ist…).


Bei Timecode 1:10:00 darf Polyanna Move dann wieder on-camera ihrer Blase freien Lauf lassen und in den Kellerflur pinkeln… Alter, sowas will, außer ein paar Perversen, verdammt nochmal keiner sehen!!!!!!!

Nachdem die Lebensmittel alle waren, mussten die Frauen Ratten und Insekten fressen. Als die alle waren, haben sie sich gegenseitig aufgefressen. Inklusive ihrer Babies. Die wurden von den Folterknechten als „Nachwuchs“ gezüchtet. (Total glaubwürdige Storyentwicklung. Ja, nee, Hansi, is‘ klar…)

Und dann kam doch noch zwei von den Folterern zurück, wodurch die Frauen entkommen konnten.

Timecode 1.12:32: Abgenagte Babyleichen aus Plastik in Großaufnahme. Ultraschlecht gemacht. Man hat sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, die Plastikteile, die man da auf dem Kellerboden verstreut hat, auch nur ansatzweise anatomisch korrekt aussehen zu lassen.

Die „Retter“ (also die zurückgekehrten Folterknechte) werden natürlich auch sofort gefressen. Die Schreie der Opfer in diesen Szenen sind absolut mies nachsynchronisiert.

Das ist also: die Story, auf die Schulte so unglaublich stolz ist und die laut seiner Aussage total realistisch (Am Ende angeblich sogar basierend auf wahren Ereignissen, wer's glaubt!) und ungewöhnlich ist. Sorry, aber das Ganze ist ein plumpes, peinliches, grottig zusammengeschmiertes und unterirdisch gefilmtes HOSTEL- und THE-WOMAN-Derivat. Nicht mehr, nicht weniger.

Die Studenten streiten darum, ob man die Frauen für ihre Taten einsperren sollte. Jessica ist dagegen.

Glatzen-Peer:
„Stellt euch vor, die treffen im Wald auf eine kleines Kind und töten es!“

(Trotzdem. Die armen Tusen können doch nix davor, dass sie gemeingefährlich sind…)

Am Ende verdrücken sich die Kannibalinnen wieder in den Wald. Mark folgt ihnen, die Dunkle und die Bissige fallen über ihn her, und nur Langhaar kann die Dunkle davon abhalten, Mark zu fressen, indem sie die Bissige in den Schwitzkasten nimmt. Also ergibt nicht wirklich Sinn, passiert aber so. Mark ist todtraurig, dass seine geliebte Langhaar ihn verlässt.

Mark:
"Aber… Wann?... Quando?...“

(...werd ich dich wiedersehen?)

Puh. Das war echt harter Tobak. Technisch macht Hans Schulte so gut wie alles falsch (aber wie wir wissen, interessiert ihn die technische Seite des Filmemachens bekanntlich überhaupt nicht). Die Kameraführung ist ja noch halbwegs ok, aber der Schnitt ist so unrhythmisch, willkürlich, abgehackt und grottenmies, dass bekommt nur noch Marc Vorlander schlechter hin. Auch die Laiendarsteller und die Musik sind in diesem ersten Teil überraschenderweise noch halbwegs erträglich.

Was aber überhaupt nicht geht, sind die Geschichte und die Dialoge. Das ist alles so hanebüchen sinnlos, unnatürlich und unlogisch aneinander geklatscht. Ich weiß ja nicht, ob das nur an den Kürzungen des DC liegt, aber hier werden ständig Handlungsabläufe unterschlagen, die für eine flüssige Entwicklung der Geschehnisse essentiell wichtig wären. Die Story ist sprunghafter als ein Känguru. Das Verhalten der Protagonisten zu keiner Zeit irgendwie logisch oder gar nachvollziehbar. Und die labern einen Dünnpfiff daher, der ist zum Haareraufen.

Am peinlichsten sind dann aber die von Schulte weidlich ausgenutzten Gelegenheiten, seinen Pipikaka-Fetisch auszuleben. Ich hab mich gerade bei der Szene am Ende im Kellerflur gefragt, welche arme Sau den Mist hinterher aufwischen durfte. Bis mir einfiel, dass das der Herr „Regisseur“ wahrscheinlich mit einem dicken Ständer in der Hose liebend gerne selbst gemacht hat.

Ich fürchte mich auf jeden Fall schon vor den kommenden zwei Teilen.

*Oder ist er vielleicht bei Marc Vorlander in die Lehre gegangen? Der hat nämlich seinen THE NEXT DEATHWISH auf DVD im von 2,35:1 auf 16:9 gestreckten Bild veröffentlichen lassen und hinterher im Netz die verärgerten Konsumenten beschimpft, sie sollten sich gefälligst anständige Fernseher mit 16:9-Umschaltung kaufen.

Laufzeit: 84 Min. / Freigabe: ungeprüft

Sonntag, 9. Juni 2019

FLUCH DES VERBORGENEN SCHATZES


I CACCIATORI DEL COBRA D'ORO
Italien 1982

Regie:
Antonio Margheriti

Darsteller:
David Warbeck,
John Steiner,
Antonella Interlenghi,
Luciano Pigozzi,
Protacio Dee,
Rene Abadeza,
Domiziano Arcangeli,
Almanta Suska



"Ein Abenteuer, das harte unbeugsame Männer an die Grenze des Lebens bringt."


Inhalt:

Zweiter Weltkrieg: Der amerikanische Soldat Bob Jackson [David Warbeck] und der britische Geheimdienst-Offizier David Franks [John Steiner] haben den Auftrag, dem zwielichtigen General Yamato [Protacio Dee] ein geraubtes Artefakt wieder abzujagen – die sagenumwobene Goldene Kobra, die übernatürliche Kräfte besitzen soll. Mit Hilfe des Militärs stürmen sie daher eine japanische Kommandobasis auf den Philippinen. Doch die Aktion misslingt: Yamato springt ungewollt über die Klinge, und die Statue fällt auf der Flucht einem Eingeborenenstamm in die Hände. Jahre später spürt Franks seinen alten Kameraden wieder auf. Die Regierung bittet die beiden Abenteurer, erneut nach der Goldenen Kobra zu suchen. Man fürchtet, dass die magischen Fähigkeiten des Utensils in den falschen Händen zur Bedrohung werden könnten. Jackson zögert zunächst, doch das Rascheln frisch gedruckter Banknoten überzeugt ihn schließlich von der Wichtigkeit der Mission. Zu dem Suchtrupp gesellen sich noch der hartnäckige Archäologe Greenwater [Luciano Pigozzi] und dessen reizende Nichte June [Almanta Suska], deren Zwillingsschwester ebenfalls vor vielen Jahren im Dschungel verschwand. Es beginnt eine Reise voller Fallen, Gefahren und Verrat, bevor gewaltige Lavamassen die Reihen lichten und die Verhältnisse klären können.

Kritik:

In der Kinowelt der 80er Jahre galt das ungeschriebene Gesetz: Landete Hollywood einen Kassenschlager, so dauerte es nicht lang, bis ein italienisches Plagiat die Bühne betrat, um die Publikumslust nach ähnlichem Stoff zu stillen. Mangel an Budget und Innovation glich man dabei durch Eifer und Improvisationstalent aus, während die stromlinienförmige Inszenierung der Inspirationsquelle einer ruppigeren Gangart und der steten Tendenz zur Unmoral wich. Regisseur Steven Spielberg beflügelte Italiens Nachahmer bereits 1978 mit seinem Bissfest DER WEISSE HAI. Zwei Jahre später landete er mit JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES einen weiteren Welthit, der natürlich ebenfalls ausgeschlachtet gehörte. Mit allerlei Miniaturen und Pyrotechnik im Gepäck entstand daher bereits kurz danach 'Italiana Jones'. I CACCIATORI DEL COBRA D'ORO (=Die Jäger der Goldenen Kobra) erreichte die Bundesrepublik Deutschland im November 1982 unter dem Titel FLUCH DES VERBORGENEN SCHATZES. Bereits dessen Auftakt saturiert den Durst nach deftigem Krawall, auch wenn man sich zunächst eher im Kriegs- und Söldner-Genre der Marke RAMBO & Co. wähnt als im geheimnisumwitterten Märchenwald-Ambiente eines INDIANA JONES: Eine infiltrierte Dschungelbehausung, schießwütige Japaner, Exekution, Bombenteppich, Kugelhagel, Feuerbälle, Motorradjagd, Luftschlacht, Eingeborenen-Speere, dazu kesse Lippen und Klischees, bis der Arzt kommt. Und dann sind gerade mal die ersten 20 Minuten um.

Derart gut vorgelegt, wird im Anschluss dann erst einmal wieder einen Gang heruntergeschaltet. Gemäß dem mehrfach bewährten Dramaturgie-Regelwerk muss der Held nämlich zunächst erst einmal zum weiteren großen Abenteuer überredet werden, da sich dieser lieber irgendwo im Nirgendwo mit ein paar Dorfbauern herumbalgt. Natürlich ist die Überzeugungsarbeit am Ende dennoch von Erfolg gekrönt, und so öffnen sich schließlich Tor und Tür zu manch wunderlicher Merkwürdigkeit. Bereits der Grund für die Schatzsuche lädt zum Stirnrunzeln ein: Der offenbar mehr als nur abergläubischen Regierung schlottert aufgrund angeblicher Zauberkräfte eines vermissten Kultgegenstandes dermaßen die Knie, dass sie gewichtige Krisensitzungen abhalten und ihre besten Männer in den Urwald rekrutieren muss. Worin diese so angeblich schreckliche magische Macht besteht, bleibt indes vage. „Niemand kennt das Geheimnis“, heißt es stattdessen in nebulöser Andeutung, oder „Es passieren viele geheimnisvolle Dinge in dieser Gegend“. Konkreter wird es nicht, und man kommt nicht umhin zu vermuten, dass Skript-Doktor Tito Carpi [→ TÖTE ALLE UND KEHR ALLEIN ZURÜCK] selbst gar nicht so richtig wusste, wie er den dringenden Reisebedarf wirklich sinnig erklären sollte.

Dennoch ist man gern als Zaungast dabei, wenn das wunderbar ungleiche und gerade deswegen so gut funktionierende Duo sich nun folgend durch philippinisches Gehölz schlägt, um die mysteriöse 'Goldene Kobra' den Klauen eines politisch herrlich unkorrekt dargestellten Eingeborenenstammes zu entreißen. Sonderlich clever geht es dabei freilich nicht zu. Die Protagonisten hangeln sich routiniert von Station zu Station, erhalten bei jedem Stopp neue (dem Publikum meist eher kryptisch anmutende) Hinweise, und absolvieren zwischendurch pflichtschuldig die ein oder andere Action-Einlage. Wirklich an den Nerven zerrt das nie, aber wohl fühlt man sich trotzdem dabei, wird doch die kindliche Abenteuerlust angenehm gekitzelt, wenn sich die Helden durch Schlangengruben und ausbrechende Vulkane wälzen müssen. David Warbeck [→ ZWIEBEL-JACK RÄUMT AUF] und John Steiner [→ TEPEPA] harmonieren dabei dermaßen prächtig miteinander, dass man bereits lange bevor der Abspann rollt etwas wehmütig wird, dass dies das einzige gemeinsame Leinwand-Unternehmen ihrer Figuren blieb. Bei solch gut funktionierender Chemie vergisst man als Beisitzer sogar die eigentlich berechtigte Frage, wie es kommt, dass ein US-Soldat und ein Mitglied des britischen Geheimdienstes miteinander im Regierungsauftrag kollaborieren.

Über Sinn und Zweck der Ereignisse zu sinnieren, ist ohnehin unnötig. Gut durchdacht ist das alles wahrlich nicht. Da opfert sich auch mal eine Nebenfigur ohne erkennbare Motivation ungefragt für die Helden, obwohl man die Situation auch gewiss irgendwie anders hätte lösen können. Manche Charaktere wandeln sich sich von hier auf jetzt um 180 Grad, und der Nebenplot über eine verschollene Zwillingsschwester wirft eine Frage nach der nächsten auf (nett übrigens, dass es der männlichen Hauptfigur völlig egal zu sein scheint, wen er da eigentlich gerade küsst, solange der Knutschpartner nur gleich aussieht). Bemerkenswert ist allerdings, dass vieles von dem, was man hier inhaltlich als Klischee empfindet, strenggenommen eigentlich Vorreiter war. Die Story erinnert anstatt an JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES nämlich viel eher an dessen Fortsetzung INDIANA JONES UND DER TEMPEL DES TODES, die erst vier Jahre nach diesem Aufguss entstand. Und der Beginn, in welchem der sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogene Chef-Abenteurer erst aus der Einöde und einem Prügelcontest herausrekrutiert werden muss, erinnert an den artverwandten Auftakt von RAMBO 3, der sogar noch ganze 6 Jahre auf sich warten ließ.

Dass Antonio Margheriti [→ FÜNF BLUTIGE STRICKE] genau der richtige Mann für diese Art von Stoff war, überrascht Kenner und Freunde italienischer Sparstrumpf-Unterhaltung kaum. Der auf kerniges Krawallkino abonnierte Auftragsregisseur ließ auch hier wieder richtig die Sau raus und frönte seiner Liebe zu putzigen, aber liebevoll arrangierten Modelltricks, die an die japanische GODZILLA-Tradition gemahnen. Das ist zwar immer durchschaubar, sieht aber dennoch abermals großartig aus. Natürlich sollte man schon ein Faible haben für das defizitäre Rumpel-Kino mit all seinen ungeschliffenen Ecken und Kanten oder zumindest bereit sein, sich eines anzueignen. Dass FLUCH DES VERBORGENEN SCHATZES aber selbst für Hollywood-Perfektions-Fetischisten gut funktionieren dürfte, liegt daran, dass Spielberg und Lucas ihre Blaupause INDIANA JONES bereits als Hommage an eben jene literarisch minderwertigen Trivialgeschichten konzipierten, die in Comic- oder Heftform im Bahnhofskiosk darauf warteten, jedem, der ein paar Groschen übrig hatte, anspruchslos, aber unterhaltsam die Zeit zu vertreiben. Die Billig-Unterhaltung ist somit am Ende wieder dort angekommen, wo sie einst ihren Ursprung hatte. Passt.

Laufzeit: 94 Min. / Freigabe: ungeprüft

Freitag, 29. März 2019

VIER FÄUSTE SCHLAGEN WIEDER ZU


CARAMBOLA
Ialien 1973

Regie:
Ferdinando Baldi

Darsteller:
Paul L. Smith,
Antonio Cantafora,
Horst Frank,
Luciano Catenacci,
Franco Fantasia,
Guglielmo Spoletini,
Pino Ferrara,
Pedro Sanchez



Inhalt:

Der schlitzohrige Tausendsassa Toby [Antonio Cantafora] ist ehemaliges Armeemitglied, trotz seiner hohen Trefferquote jedoch schon längst ausgestiegen. Eines Tages meldet sich sein ehemaliger Vorgesetzter Captain Johnson [Luciano Catenacci] wieder bei ihm: Waffenschmuggler sind am Werk und machen Jagd auf einen modernen Superrevolver, der zufällig in Tobys Hände fällt. Toby bietet seine Hilfe an, hätte dabei allerdings gern seinen bärenstarken Kumpel Butch [Paul L. Smith] mit an Bord. Dieser jedoch stellt sich stur, ist er vom quirligen Toby doch schwer angenervt. Erst durch einen Trick kann man ihn zur Zusammenarbeit überreden. Nachdem das Duo aufgehört hat, sich gegenseitig übers Ohr zu hauen, beginnt schließlich die Gaunerhatz. Gehauen wird dabei allerdings auch. Das bekommt vor allem der schurkische Clydeson [Horst Frank] zu spüren, Drahtzieher der illegalen Waffenverkäufe und außerdem Kidnapper des renommierten Waffenexperten Professor Langer [Franco Fantasia]. Es kommt zum großen Finale der fliegenden Fäuste.

Kritik:

Als sich 1970 DIE RECHTE UND DIE LINKE HAND DES TEUFELS über die Leinwände der Welt prügelten, veränderte das ein ganzes Genre. Die unter der Regie Enzo Barbonis entstandene Western-Humoreske wurde ein überwältigender Kassenschlager und machte ihre beiden Hauptdarsteller Terence Hill und Bud Spencer zu gefeierten Stars. Natürlich rief das jede Menge Nachahmungstäter auf den Plan. In den Folgejahren konnte sich der Kinofreund somit kaum retten vor schlagkräftigen Duos, die sich ihren Weg durch den Westen bahnten und dabei nicht nur Sprüche klopften. Waren diese Imitationen auch eindeutig an das beliebte Erfolgsgespann angelehnt, so besaßen sie in der Regel trotz allem immer noch genügend Eigenständigkeit, um sich entsprechend abheben zu können. Armando Todaro [→ HORROR-SEX IM NACHTEXPRESS] hingegen hatte da deutlich weniger Hemmungen als die Konkurrenz. In frommer Hoffnung auf den flinken Dollar kopierte der findige Produzent daher nicht nur das zugrunde liegende Konzept, sondern alles andere gleich noch mit. Mit Antonio Cantafora und Paul L. Smith castete man zwei Darsteller, die Terence Hill und Bud Spencer möglichst ähnlich sahen, brachte sie durch ein bisschen Maskerade zusätzlich in die gewollte Form und ließ sie Mimik und Gestik der Vorbilder genauestens einstudieren. Mit den so herangezüchteten Klonen in den Hauptrollen entstand dann schließlich der Wildwest-Klamauk CARAMBOLA, der formal und inhaltlich ebenfalls den Werken Barbonis nacheifert. Nach Fertigstellung wurden (angeblich als Hommage) die Namen der Originale größer auf dem Plakat platziert als die der Plagiate, in der Hoffnung, das Publikum würde den Schwindel entweder nicht bemerken oder ihn gleichgültig zur Kenntnis nehmen.

Der hiesige Verleih schloss sich dieser gezielten Verwirrungstaktik dann auch liebend gern an, und so erlebte die Replik im Februar 1975 ihre Deutschland-Premiere als VIER FÄUSTE SCHLAGEN WIEDER ZU. Dieser Titel suggeriert natürlich eine Fortsetzung zum kurz zuvor gestarteten VIER FÄUSTE FÜR EIN HALLELUJA, der seinerseits die Fortsetzung zu DIE RECHTE UND DIE LINKE HAND DES TEUFELS war. Ungeachtet jeder filmischen Qualität ist es schon bemerkenswert, wie man es geschafft hat, ein nahezu perfektes Ebenbild zu erschaffen. Smith und Cantafora sehen ihren Vorlagen in manchen Momenten so verblüffend ähnlich, dass man tatsächlich beinahe vergisst, es nicht mit Bud Spencer und Terence Hill zu tun zu haben. Das liegt freilich nicht nur an der optischen Ähnlichkeit. Vor allem Paul Smith gelingt es vorzüglich, die vertrauten Mechanismen Bud Spencers bestmöglich nachzuahmen (dass man ihm im Deutschen noch dieselbe Synchronstimme verpasst hat, macht die Illusion fast vollkommen). Antonio Cantafora (der später in dem Heuler SUPERSONIC MAN einen weiteren Helden nachäffen durfte) hat hingegen deutlich mehr Mühe, wirkt häufig unbeholfen oder sogar verunsichert (was auch verständlich ist, wenn man als Schauspieler dazu gezwungen wird, ein anderer Schauspieler zu sein). Die Dramaturgie des Plots folgt ebenfalls vertrauten Mustern: Ein ungleiches Paar, das sich vordergründig nicht ausstehen kann und ständig versucht, sich gegenseitig auszustechen, wird aufgrund widriger Umstände zur Zusammenarbeit gezwungen, vergrault sich auf halber Strecke gegenseitig, um sich am Ende dann doch wieder zusammenzuraufen und mit dem Rest der Welt abzurechnen.

Das große Manko des Ganzen liegt auf der Hand: VIER FÄUSTE SCHLAGEN WIEDER ZU besitzt nicht einen Hauch Souveränität und ist der beste Beweis dafür, dass der Erfolg der Spencer-/Hill-Filme nicht allein darauf beruhte, dass ein schlaksiges Blauauge und ein bärtiger Dickwanst zotenreißend durch die Gegend ziehen und Leute vermöbeln. Denn obwohl auch die Kopie inhaltlich all das bietet, was das Original groß und beliebt gemacht hat, bleibt sie ein müdes Plagiat, dem die perfekt harmonierende Interaktion und darstellerischen Fähigkeiten seiner Hauptdarsteller ebenso abgeht, wie die gekonnte und gut getimte Inszenierung Barbonis. Die (natürlich ebenfalls zahlreich vorhandenen) Prügeleien entsprechen in ihrer Choreographie zwar gleichermaßen dem Vorbild (inklusive der berühmten Bud-Spencer-Kopfnuss), erfolgen aber stets völlig uninspiriert und lediglich als Mittel zum Zweck. Der Höhepunkt der Dreistigkeit steht dann auch exemplarisch dafür, warum der Abklatsch nicht funktioniert: In einer Szene stellt Antonia Cantafora Terence Hills Dauer-Backpfeife aus VIER FÄUSTE FÜR EIN HALLELUJA quasi 1 : 1 nach. Völlig aus dem Handlungskontext gerissen, dient sie hier überhaupt keinem Zweck und existiert nur, da man der Ansicht war, sie gehöre halt einfach hinein. Dieser eine Moment veranschaulicht das ganze Dilemma: Man reproduzierte zwar handwerklich versiert, aber ohne jedwede Kohärenz und Relevanz und führt das Ganze somit letzten Endes in die Sinnlosigkeit.

Leider ist auch die deutsche Synchronfassung längst nicht so spritzig geraten wie beim populären Prototypen. Das ist bedauerlich, immerhin kam es schon mehrmals vor, dass eine bierselige Teutonen-Vertonung eher belanglosen Italo-Klamauk tüchtig aufpeppen konnte. Gute Laune besorgt immerhin der flotte (natürlich im Stil von Oliver Onions komponierte) Titelsong, der sich wie ein Leitmotiv durch das Geschehen zieht. Um die Regie kümmerte sich Routinier Fernando Baldi, der bereits den unsäglichen BLAUE BOHNEN FÜR EIN HALLELUJA verbrochen hatte, auf dessen Konto allerdings auch sehenswerte Genre-Beiträge wie DJANGO UND DIE BANDE DER GEHENKTEN gehen (beide ironischerweise mit dem echten Terence Hill). Obwohl das Publikum damals (angeblich) lauthals protestierte, war die Masche wohl recht erfolgreich: Ein Jahr später kam mit VIER FÄUSTE UND EIN HEISSER OFEN eine direkte Fortsetzung, zudem wurden noch drei weitere unabhängige Klopper-Komödien mit dem Doppelgänger-Duo fabriziert. Lässt man die fehlende Eigenständigkeit außer Acht, so bietet VIER FÄUSTE SCHLAGEN WIEDER ZU auch zumindest sauber gefertigten Zeitvertreib für anspruchslose Gemüter. Wer sich an Spencer und Hill sattgesehen hat, kann es daher ruhig mal mit Smith und Cantafora probieren.



Und? Wer ist hier zu sehen?


Laufzeit: 100 Min. / Freigabe: ab 12

Mittwoch, 27. März 2019

DER SCHRECKEN VON KUNG FU


LO STRANIERO DI SILENZIO
Italien, USA 1968

Regie:
Luigi Vanzi

Darsteller:
Tony Anthony,
Lloyd Battista,
Kin Omae,
Rita Maura,
Kanji Ohara,
Raf Baldassarre,
Yoshio Nukano,
William Conroy



Inhalt:

Der Cowboy, der sich nur der ‚Fremde‘ nennt [Tony Anthony], findet einen sterbenden Japaner, welcher ihm eine Schriftrolle in die Hand drückt und 20000 Dollar Belohnung verspricht, falls er diese zu ihrem Besitzer nach Osaka zurückbringt. Leicht verdientes Geld, glaubt der Fremde, und macht sich auf den Weg ins ferne Japan. Kaum angekommen, gerät er mitten in eine brutale Familienfehde: Zwei Brüder bekriegen sich bis aufs Blut – und Grund für den Zoff ist ausgerechnet die Schriftrolle, die sich im Besitz des Fremden befindet. Dieser gerät dann auch prompt zwischen die Fronten, kassiert erstmal ordentlich Prügel und wird auch noch nach erfolgter Übergabe mit Falschgeld abgespeist. Das findet dieser reichlich ungut, weswegen er beginnt, die feindlichen Brüder gegeneinander auszuspielen.

Kritik:

Deutschlands Filmtitel waren beizeiten schon mal recht abenteuerlich. Relativ weit oben auf der Liste der absurdesten Auswüchse befindet sich mit Sicherheit auch DER SCHRECKEN VON KUNG FU, ein syntaktisch unsauberes und inhaltlich unsinniges Wortkonstrukt, das wohl primär dem Ziel diente, ein paar Bruce-Lee-Jünger hinters Licht und ins Lichtspielhaus zu führen. Diese dürften dann eher ernüchtert gewesen sein, wird einem doch während der gut 90 Minuten Laufzeit nicht eine einzige Kung-Fu-Pose geboten - was in Anbetracht der Tatsache, dass die Handlung in Japan spielt, auch kaum verwunderlich ist, da Samurai-Krieger in der Regel ja eher selten mittels Kung Fu zu kämpfen pflegten. Im Deutschen kaum noch erkennbar, ist DER FREMDE UND DER SAMURAI (so der viel treffendere Alternativtitel) in Wahrheit ein waschechter Italo-Western und dritter und damit abschließender Teil einer Trilogie um einen ebenso namenlosen wie wortkargen Revolverhelden, der sich bereits in den Vorgängern EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN sowie WESTERN JACK (beide von 1967) auf der Suche nach Glück, Geld und Gold befand und hier abermals vom US-amerikanischen Schauspieler Tony Anthony (eigentlich Roger Anthony Petitto) verkörpert wird. In Teil 1 lediglich Hauptdarsteller, war Anthony für diesen Abschluss der Reihe mittlerweile zum Co-Produzenten aufgestiegen und konnte somit auch einiges an eigenem Einfluss geltend machen. Den Regiestuhl drückte abermals Wenigfilmer Luigi Vanzi [→ 1931 - ES GESCHAH IN AMERIKA], der auch schon die beiden Vorgänger auf den Weg brachte und gewohnt versiert zu Werke ging.

Die Idee, dieses Mal das japanische Osaka als Schauplatz zu nutzen, ist vor allem deswegen sehr reizvoll, weil das zu Grunde liegende Konzept auf diese Weise zurück zu seinen Wurzeln geführt wird. War der Erstling noch ein ziemlich unverhohlener Nachahmer des wegweisenden Leone-Klassikers FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR, welcher seinerseits bereits die Neuinterpretation der japanischen Samurai-Saga YOJIMBO darstellte, ist die Geschichte somit nun also wieder dort angekommen, wo sie eigentlich ihren Ursprung hatte. Das war zum Produktionszeitpunkt nicht nur neu und innovativ (später gab es noch viele weitere Vertreter, die Ost und West filmisch zusammenführten), es funktioniert auch tadellos und veranschaulicht einmal mehr, wie sehr die Genres 'Western' und 'Samuraifilm' tatsächlich miteinander verbandelt sind. Doch nicht nur der Austragungsort wurde gewechselt, auch der Grundton änderte sich auffallend. Entfernte sich bereits der Vorgänger ein gutes Stück von der Kargheit des Originals, geht es hier nochmals deutlich ironischer zur Sache und bewegt sich auffallend weiter in Richtung Komödie. Das liegt in erster Linie an der gekonnten Ausspielung der zahlreichen Konflikte, die sich aus den Sprach- und Kulturunterschieden ergeben und die, möchte man denn ernsthaft zum Ziel gelangen, überwunden werden müssen. Darin liegt am Ende einer der wesentlichen Unterschiede: Ging es in den Vorgängern hauptsächlich noch darum, sein Gegenüber möglichst effektiv übers Ohr zu hauen, liegt der Fokus hier gerade auf gegenseitigem Verstehen.

Trotz dieses Umstandes muss nun allerdings niemand befürchten, hier herrsche eitel Friede, Freude, Eierkuchen. Die typischen Tugenden des Italo-Westerns wurden beileibe nicht abgelegt, List und Tücke bestimmen nach wie vor das Geschehen. „Du nicht können uns verstehen“, sagt die junge Dolmetscherin in einer Szene zum Fremden. „Was gibt's da groß zu verstehen?“, entgegnet dieser gewohnt lakonisch. „Wenn's um die Moneten geht, ist es hier wie bei uns drüben“. So suhlen sich die Helden auf der Jagd nach schnödem Mammon in Schmutz und Schlamm, was Kameramann Mario Capriotti [→ DER KLEINE SCHWARZE MIT DEM ROTEN HUT] in dreckig-schöne Bilder einfing. Da die Story im Prinzip bereits reichlich ausgelatscht daherkommt, bevölkerte man sie zum Ausgleich mit nem ganzen Haufen skurriler Gestalten und setzte ne gesunde Schippe Galgenhumor oben drauf. Dabei ist Anthony erfreulicherweise nicht immer der allen anderen überlegene Held – unter Umständen guckt ‚der Fremde‘ schon mal etwas sparsam aus der Wäsche. Das bringt ihm einige Sympathiepunkte ein und übertüncht ein wenig das Manko, dass sein Mienenspiel nach wie vor einigen Limitierungen unterliegt. Das eindeutige Vorbild Clint Eastwood tat bei seinen Ausflügen nach Wildwest zwar im Prinzip auch nie mehr, als grimmig dreinzuschauen, nur kaufte man diesem seinen Zynismus und seine Resignation auch wirklich ab. Anthony hingegen sieht meistens so aus, als sei er einfach nur beleidigt. Wenn die Action loslegt, ist dieses Defizit jedoch schnell wieder vergessen. Vor allem im Finale macht er sich großartig und schickt jedem ins Jenseits gepusteten Bösewicht noch einen lässigen Einzeiler hinterher.

Nachdem sich aufgrund rechtlicher Probleme die Veröffentlichung über längere Zeit hingezogen hatte, erreichte DER SCHRECKEN VON KUNG FU die Leinwand schließlich erst nach einigen Änderungen seitens des Verleihs, da man der Meinung war, sich dem mittlerweile geänderten Publikumsgeschmack anpassen zu müssen. Auch, wenn es gewiss interessant wäre, die ursprünglich intendierte Fassung mal zu Gesicht zu bekommen, muss man zugestehen, dass die Maßnahmen dem Werk nicht sonderlich geschadet haben. Das Ergebnis wirkt nicht etwa wie ein zurechtgebogener Schnellschuss (höhö!), sondern absolut rund und bietet eine gesunde Mischung aus Humor und Härte, Dialog und Duell, Ost und West. Und da sich hier zum Pulverdampf auch noch der Schwertkampf gesellt, bleibt auch die Action angenehm abwechslungsreich. Dass die Reihe um den Fremden hiermit ihren Abschluss feierte, ist dennoch legitim – die (ohnehin alles andere als bahnbrechende) Geschichte schien endgültig auserzählt, eine weitere Variante wäre schlichtweg müßig gewesen. So versetzt das Finale der Trilogie zwar nicht unbedingt die Kritiker der Schönen Künste in Verzückung, bietet Freunden des Italo-Westerns aber nochmals all das, was sie am Genre so schätzen. Und aufgrund der attraktiven Verquickung mit asiatischen Motiven eben auch noch ein bisschen mehr. Kung Fu gehört freilich nicht dazu. Man kann nicht alles haben.

Laufzeit: 92 Min. / Freigabe: ab 18