Mittwoch, 1. August 2012

FRAUEN IN KETTEN

[BLACK MAMA, WHITE MAMA][USA/PHI][1973]

Regie: Eddie Romero
Darsteller: Pam Grier, Margaret Markov, Sid Haig, Eddie Garcia, Vic Diaz, Wendy Green, Lotis Key


Lee Daniels [Pam Grier] und Karen Brent [Margaret Markov], zwei grundverschiedene junge Damen, hocken beide im selben Frauenknast und geraten dort sehr schnell aneinander. Nach einer gepflegten Rauferei werden sie zur Strafe zunächst (natürlich oben ohne) in den 'Bau' gesteckt, einem in der prallen Sonne stehenden und daher glühenden Metallkasten mitten auf dem Feld. Nach dieser Prozedur werden sie per Handschellen aneinandergekettet und sollen per Bus in den Hochsicherheitstrakt gekarrt werden. Doch unterwegs wird der Transport angegriffen: Karen entpuppt sich nämlich als Mitglied einer Guerilla-Bande, die ihre Genossin natürlich wieder raushauen möchte. Beide Frauen können in dem entstandenen Tumult zwar in den Dschungel fliehen, doch sind sie nach wie vor aneinandergekettet, was zu Meinungsverschiedenheiten führt, denn Lee hat ihre eigenen Pläne. Während sich die beiden Damen zwecks unerkannter Flucht in fromme Nonnenkluft schmeißen (wofür freilich zunächst zwei echte Pinguine auf die Glocke bekommen müssen), sind mittlerweile verschiedene Parteien hinter den beiden her.

Wenn man dem Genre des Frauenknastfilms Glauben schenken darf, wurden Verbrechen in den 70er Jahren ausschließlich von überdurchschnittlich attraktiven Damen zwischen 20 und 30 Jahren begangen. Auch FRAUEN IN KETTEN bedient sich zunächst der gängigen Klischees, mit dem Unterschied, dass diese hier quasi in Rekordzeit abgehandelt werden: Schon nach zwei Minuten stehen die Mädels unter der Dusche, um sich eine zünftige Wasserschlacht zu liefern, während die Wärterin dazu onanierend durch das Guckloch schmult (denn natürlich gehört Homosexualität zur Einstellungsbedingung des Wärterinnenjobs).

Der Grund für die ungewohnt schnelle Abarbeitung bekannter Zutaten ist der, dass die gewohnten Bahnen auch schon bald wieder verlassen werden, um stattdessen die beiden Hauptfiguren auf die Flucht zu schicken. Origineller wird es dadurch natürlich nicht, bediente man sich doch allzu offensichtlich an dem Klassiker FLUCHT IN KETTEN, auf welchen der deutsche Titel auch direkt Bezug nimmt. Thematisierte das Vorbild jedoch den Rassismus Amerikas, sucht man solch feine Zwischentöne hier freilich vergebens - so spielt die Tatsache, dass die Flüchtigen unterschiedliche Hautfarben haben, im Prinzip gar keine Rolle.

Muss es auch nicht - Regisseur Eddie Romero schert sich ohnehin nicht um gesellschaftliche Probleme. Ihm geht es vor allem darum, möglichst schnittige Exploitation-Ware auf's geifernde Publikum loszulassen. Und das gelingt ihm auch ganz gut, ungeachtet der Tatsache, dass FRAUEN IN KETTEN in manchen Augenblicken ein wenig die Puste ausgeht. So wird das fliehende Weibsvolk eine zeitlang fast zur Nebensache, während stattdessen andere skurille Parteien das Szenario bevölkern dürfen. So streift eine Truppe Aushilfsrevoluzzer reichlich plan- und motivationslos durch den Dschungel, während der schmierige Cowboy Ruben (dargestellt von Billigfilm-Spezi Sid Haig [→ FOXY BROWN] ), der auf das Kopfgeld der Ausbrecherinnen scharf ist, die ganze Zeit mit seinem Jeep (natürlich mit Country Music beschallt) durch die Gegend eiert und mit Waffengewalt Schwanzvergleiche seiner Feinde erzwingt. In einer besonders sinnbefreiten Szene unterbricht er spontan das Gespräch mit seinem Geschäftspartner, als er dessen Töchter erblickt - kurzerhand klemmt er sich die beiden Mädels unter die Arme und sucht mit ihnen das nächstgelegene Schlafzimmer auf.

Dazu gesellt sich der eklige Zuhälter Vic [Vic Diaz (→ LIEBESGRÜSSE AUS FERNOST)], der nackte Frauen mit Elektroschocks quält, sowie der stets reichlich betreten aus der Wäsche blickende Captain Cruz [Eddie Garcia (→ DRAKAPA, DAS MONSTER MIT DER KRALLENHAND)], der auch noch irgendwie mitmischt. Und immer, wenn man sie gerade vergessen hat, laufen die beiden Flüchtigen wieder durch's Bild, um entweder sich gegenseitig zu verkeilen oder nen schmierigen Fettsack, der sie zu vergewaltigen gedenkt.

Recht inkohärent gestaltet und nicht selten arg verwirrend zusammenmontiert, bereitet der putzige Billigheimer dennoch ausreichend Freude, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass die weiblichen Darsteller fast ausnahmslos attraktiv und zeigefreudig sind. Der Tenor geriet freilich recht misogyn und bedient hauptsächlich Männerfantasien: Fast alle Frauen sind Nutten (oder benehmen sich so), und selbst die selbstbewussten Hauptfiguren halten ständig ihre Möpse Richtung Kamera (Margaret Markov läuft ab der zweiten Filmhälfte gar ohne Höschen durch die Gegend). Allerdings, und das mag für weibliche Zuseher eine Genugtuung sein, kommt auch das starke Geschlecht nicht wirklich gut weg und besteht aus schmierigen Zuhältern, Vergewaltigern oder sonstigem Abschaum. Um die Sache rund zu machen, präsentiert das Finale dann nochmal eine ordentliche Portion Baller-Action nebst dazugehöriger Explosion (stellenweise sogar recht experimentell gefilmt).

Dass das mit reichlich unsinnigen Dialogen vollgestopfte Drehbuch für diese hanebüchende Schose tatsächlich aus der Feder Jonathan Demmes stammt (später geachteter Regisseur von politisch überkorrektem Weichkäse wie PHILADELPHIA), mag man kaum glauben. FRAUEN IN KETTEN ist eine realitätsferne und unverhohlen spekulative Mischung aus Blaxploitation, Frauenknast- und Dschungelstreifen, mit attraktivem weiblichen Personal und teilweise fast schon surreal anmutenden Situationen - keine Premiumklasse zwar, doch für Freunde des abseitigen Geschmacks definitiv die Reise wert.

Laufzeit: 83 Min. / FSK: ab 16

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